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Inszenierung im Schauspielhaus: „Richard the Kid“

Richard III. ist vielleicht Shakespeares abgründigste Figur. Er lügt, intrigiert und mordet. Im Schauspielhaus geht „Richard the Kid“ in der Inszenierung von Karin Henkel auf die Suche nach seiner frühkindlichen Prägung. Ein Gespräch mit Dramaturgin Sybille Meier über eine Inszenierung, die keine einfachen Erklärmuster bietet

Interview: Dagmar Ellen Fischer

 

SZENE HAMBURG: Sybille Meier, Lina Beckmann wird Richard III. verkörpern – warum wird die männliche Figur weiblich besetzt?

Sybille Meier: Es geht um die Schauspielerin Lina Beckmann, die in ihrer Wandelbarkeit und großen Virtuosität genau die richtige Besetzung für diese Figur ist. Sie vermittelt einerseits: „Ich spiele euch den Bösewicht“, wird aber andererseits immer mehr tatsächlich zu diesem Tyrannen. Dass eine Frau die Rolle spielt, ist sekundär. Richard selbst bezeichnet sich im Stück als „Kröte“ und als „Wesen“, das sich keiner eindeutigen Kategorie zuordnen lässt, also auch keiner geschlechtlichen. Regisseurin Karin Henkel interessiert das Grenzgängerische und Spielerische daran.

„The Kid“ im Titel lässt an einen Jungen denken, verwandelt sich Lina Beckmann tatsächlich in ein Kind?

Sie spielt auch das Kindliche ihrer Figur, also den Zwölfährigen, mit ihren Mitteln. Wenn man in Shakespeares Dramen das Alter nachrechnet, stellt man fest, dass Figuren durchaus mit zwölf Jahren schon in die Schlacht geschickt oder mit 14 verheiratet werden.

Woher weiß man überhaupt etwas über die Kindheit dieses Shakespeare’schen Despoten?

Wir haben schnell gemerkt, dass wir weiter in der Geschichte zurückgehen müssen, um etwas über seine ersten Jahre zu erfahren. Also haben wir uns auch mit Shakespeares „Heinrich VI.“ auseinandergesetzt, darin wird von Richards Kindheit erzählt. Wir nutzen also Texte aus beiden Dramen, sonst wären die Beweggründe der Figuren gar nicht verständlich.

Das Ensemble besteht in diesem Fall aus nur vier Darstellern, warum diese kleine Crew?

Ursprünglich war geplant, „Richard III.“ in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen zu inszenieren. Dann kam Corona, und wir waren herausgefordert, darauf zu reagieren. Wir beschlossen, das Stück in zwei Teilen zu machen: erstens „the Kid“, und zweitens „the King“. Der erste Teil wird unter den aktuellen Pandemie-Auflagen mit wenigen Schauspielern umgesetzt, der zweite Teil dann hoffentlich im nächsten Jahr mit einem großen Ensemble unter normalen Bedingungen. Dass Lina Beckmann Richard III. spielt, stand von Anfang an fest – das war der Ausgangspunkt für Karin Henkels Vorhaben, das Stück überhaupt inszenieren zu wollen.

Dann bleiben für die anderen zahlreichen Figuren also nur drei Schauspieler, Bettina Stucky, Kate Strong und Kristof Van Boven?

Wir haben uns bei dieser Inszenierung auf die Familiengeschichte konzentriert, auf die beiden Familien York und Lancaster, die sich bekämpfen. Darum geht es ja im Grunde von Anfang an in diesen Rosenkriegen, um zwei Herrscherfamilien, die ihren scheinbar legitimen Anspruch auf die Krone mit Krieg beantworten. Die Politiker, die darüber hinaus bei Shakespeare eine Rolle spielen, werden bei uns im ersten Teil nicht vorkommen.

Trotzdem wird jeder mehrere Rollen übernehmen müssen, welche Charaktere sind denn unentbehrlich?

Das sind die beiden Brüder von Richard, Edward und George zum Beispiel, und Anne natürlich, seine spätere Frau. Außerdem werden König Heinrich und dessen Frau Margareta aufauchen, die eine große und wichtige Rolle in Richards Kindheit gespielt haben.

Wird auch hier wieder gegen den Strich besetzt, geschlechtlich gesehen?

Ja, das finde ich toll, dass man in unserer heutigen Zeit künstlerisch so frei ist zu entscheiden, wer was spielen kann. Diese Offenheit in der Figurengestaltung ergibt immer neue Spannungen.

Es geht also mehr um Familie und damit auch um Psychologie als um die Herrschaftshäuser?

Ich bin unsicher, ob man bei Shakespeare-Texten von einer komplexen Psychologie im heutigen Sinn sprechen kann. Wir beschäftigen uns mit den Konstellationen in den Familien, deren Haltungen. Und wir werden bestimmt nicht historisch korrekt sein, das war Shakespeare schon nicht, denn inzwischen weiß man ja, dass Richard III. gar nicht so ein schlimmer Herrscher gewesen ist, wie ihn der Autor zeichnet.

Wenn es um die Kindheit Richards geht, kommt sicher die Beziehung zu seiner Mutter ins Spiel?

Ja, das war ein Ansatz, der Karin Henkel sehr interessierte: diese traumatische Geburt, bei der das Kind missgestaltet auf die Welt kam und schon Zähne im Mund hatte. Hätte man das als Vorzeichen deuten und verstehen müssen, dass er ein Bösewicht ist? Aber wie hätte man damit umgehen sollen? Bei Shakespeare hatte Richards Mutter Schwierigkeiten, überhaupt eine empathische Beziehung zu diesem Kind aufzubauen.

Oder ist es genau diese fehlende Mutterliebe, die ihn zu einem Monster macht? Denn Shakespeare lässt Richard III. an einer Stelle sagen, er habe sich bewusst dafür entschieden, böse zu sein …

Das ist eine sehr aktuelle Frage: Wie kann es sein, dass Menschen so sind? Wie kann dieses Böse so plötzlich hervorbrechen? Ist es von Anfang an da, und man kann im Grunde nichts tun, weil schon zu Beginn eine Deformation des Geistes existiert? Oder machen die Umstände ihn dazu? Ist es die zerstörte Kindheit aus Krieg und Gewalt und auch Lieblosigkeit, die aus ihm das gemacht hat, was er später geworden ist? Das ist eine sehr interessante Frage, die wir uns heute immer noch stellen: Woher kommt das Böse im Menschen?

Also: Ist er böse, weil ihm Mutterliebe fehlt, oder kann die Mutter ihn nicht lieben, weil er schon als Neugeborener böse war?

Vielleicht gibt es da keine eindeutige Zuweisung von Ursache und Wirkung. Oder keine eindeutige Schuld. Das bleibt in unserer Inszenierung offen, auch in der allgemeinen Verteidigung von Müttern, denn schnell könnte man denken: Na ja, wenn die Mütter in der Kindheit nicht dies und jenes getan hätten, dann wäre alles besser oder anders gelaufen.

Schlägt Karin Henkel den Bogen ins Hier und Jetzt?

Für sie ist folgende Frage interessant: Wie kann es denn sein, dass eine Nation oder ein Land in die Hände eines Tyrannen fällt? Warum akzeptieren Menschen, dass ein Staatsoberhaupt so offensichtlich lügt, und trotzdem gehen viele Menschen diesen Weg mit? Die Parallelen zur heutigen Zeit sind klar.

Schauspielhaus
10.10. (Premiere), 12., 14., 24., 29.10. und weitere


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Open-Air-Premiere am Thalia Gauß: “Opening Night”

Regisseurin Charlotte Sprenger hat ihre Inszenierung von “Opening Night” am Thalia Gauß kurzerhand in ein Open-Air-Stück umgewandelt. Im Zentrum der Handlung steht eine Theatergruppe, die um ihre Premiere fürchtet, weil die Hauptdarstellerin die Proben sabotiert

Interview: Ulrich Thiele

 

SZENE HAMBURG: Charlotte, deine Inszenierung hat durch die Corona-Krise eine unerwartete Meta-Ebene bekommen. Die Premiere im April musste abgesagt werden. Wie weit wart ihr, als der Lockdown kam?

Charlotte Sprenger: Wir hatten gerade erst mit den Proben angefangen. Nach fünf Tagen mussten wir aufhören, uns physisch miteinander zu treffen. Wir haben dafür direkt virtuell weitergemacht und bei Zoom-Treffen miteinander geprobt. Das ist aber im Endeffekt nicht vergleichbar, weil das Proben doch sehr stark von anwesenden Körpern lebt.

Wie kamst du auf die Idee, das Stück nach draußen zu verlegen? 

Ich hatte plötzlich das Bedürfnis, das Setting komplett zu verändern. Die Vorstellung, dass die Proben von den Hygienemaßnahmen dominiert werden, hat mich in meiner Fantasie blockiert. Draußen gibt es die Abstandsregeln auch, aber man ist sofort mit anderen Herausforderungen konfrontiert, wie das Stück dort zu übersetzen ist und das wird sofort wichtiger als die Maßnahmen. Man vergisst sie fast.

Wie läuft der Abend rein technisch ab?

Die Zuschauer haben Kopfhörer und die Schauspieler tragen Headsets und In-Ears. Die Dialoge sind dadurch sehr intim, die Schauspieler können leise miteinander sprechen obwohl sie weit voneinander entfernt sind. Dadurch müssen die Schauspieler nichts präsentieren, man schaut ihnen zu und belauscht sie.

„Opening Night“ basiert auf dem gleichnamigen Film von John Cassavetes. Was hat dich an dem Stoff gereizt?

Ich finde es faszinierend, wie eng Cassavetes mit Schauspielern zusammenarbeitet. Man spürt in seinen Filmen, dass sie eine vertraute Gruppe sind. Diese Form der Zusammenarbeit gefällt mir sehr. Das, was man am Ende dort sieht, ist das Ergebnis einer Auseinandersetzung und das Sichtbarmachen von gemeinsamen Erlebnissen.

 

Diese ernste Kunsteitelkeit finde ich langweilig

 

Cassavetes hatte eine „Film-Familie“, mit der er immer wieder zusammenarbeitete. Du arbeitest erneut unter anderen mit Oda Thormeyer und Merlin Sandmeyer. Wie macht sich die Vertrautheit im Stück bemerkbar?

Wir arbeiten ja jetzt auch durch die Verzögerung bereits seit vier Monaten an dem Stück. Da muss man sich irgendwann nicht mehr so viel erklären und das befreit. Wenn man sich kennt, kommt man schneller in eine direkte Kommunikation. Cassavetes hat seinen Schauspielern verboten, privat über ihre Figuren zu sprechen, damit alles während der Dreharbeiten verhandelt wird, was ich sehr lustig finde und auch verstehe. Aber das funktioniert natürlich nur mit einer gewissen Vertrautheit. Natürlich reden wir viel bei den Proben, aber es ist toll, wenn man über das Miteinander-spielen kommuniziert.

Also das Gegenteil vom im Hollywood beliebten Method-Acting, das eine Verschmelzung von Rolle und Privatleben vorsieht – und das in „Opening Night“ verballhornt wird. 

Das ist in unserem Fall auch eine interessante Frage, weil wir draußen an einem realistischen Ort spielen. Dem Ort, an dem die Schauspieler normalerweise in ihren Probepausen sitzen. Der Ort ist auf eine Art „Method“.

Es geht also auch um die Frage nach „Authentizität“ – ein vergiftetes Wort. Was verstehst du darunter im Rahmen des Schauspiels?

Authentizität bedeutet nicht, möglichst glaubwürdig zu heulen oder sich echt ohrfeigen zu lassen. Sondern, dass man sich selbst als Mensch auf der Bühne ernst nehmen kann. Die Protagonistin Myrtle ist auf ihre Art eine Galionsfigur der Behauptung. Das Ende des Films ist zwar traurig, weil sie an sich selbst zerbricht und dem Alkoholismus verfällt. Aber ich habe es immer auch als ein Happy End empfunden. Sie befreit sich selbst, indem sie sagt: Ich bin ein autonomer Mensch auf der Bühne und kann mich auf der Bühne entscheiden, was ich tue. Deswegen finde ich es beim Inszenieren so wichtig, eine Struktur zu schaffen, in der die Schauspieler sich frei bewegen können. Ich will kein festes Konstrukt bauen, das sie abtanzen müssen.

Die sturzbesoffene Myrtle lässt das Stück als improvisierte Farce enden. Bei euren Proben wurde auch viel gealbert. Hat das Alberne eine bestimmte Funktion?

Mich interessiert Albernheit sehr, weil ich es schön finde, wenn man sich selbst nicht so ernst nimmt. Diese ernste Kunsteitelkeit finde ich langweilig. Die Sachen, die mich am Theater berühren, wechseln immer zwischen großem Ernst und krassem Quatsch. Ich habe das Gefühl, dass es in Deutschland ein merkwürdiges Verständnis von Spaß gibt. Es muss entweder eine dieser Blödel-Ko- mödien sein, oder nur bierernst. Mich interessieren Misch-Genres, egal, was für einen Stoff ich bearbeite.

Warum?

Weil so Klischees gebrochen werden können. Bei Cassavetes geht es immer um das Anti-Klischee. Er wühlt so stark in diesem klischeehaften Erzählmuster über eine zickige Diva, bis das Thema überhaupt nicht mehr klischiert ist. Weil Myrtle immer überraschend ist.

Letztes Jahr feierte Charlotte Sprenger mit “Vor dem Fest” ihren Einstand am Thalia Theater (Foto: Markus Bachmann)

Was ist das Interessante an Myrtle?

Sie ist eine Frau, die an sich selbst zerbricht. Es gab schon so viele Filme über Frauen, die an äußeren Umständen zerbrechen – an der Unterhaltungsbranche, am Patriarchat. Für mich als Frau ist es inspirierend, wie Gena Rowlands diese Rolle spielt. Ich darf sehen, wie sie sich selber widerspricht. Cassavetes zeigt: Man darf widersprüchlich sein, auch als Frau.

Myrtle hat Angst, auf die Rolle der alternden Frau festgelegt zu werden. Alternde Frauen in der Showbranche, das ist ja auch so ein besetztes Thema. 

Cassavetes greift dieses besetzte Thema auf und verändert es. Und dadurch verändert er auch ein bisschen die Welt, so pathetisch das klingt. Denn ich sehe mir den Film an und mein Weltbild verändert sich. Weil ich lerne, dass die Wahrheit nie so einfach, sondern viel komplizierter ist. Mich interessiert es, wenn Sachen emotional komplex sind. Eine Frauenrolle muss nicht vernünftig und die Aufklärung in Person sein, um sich zu behaupten. Sie darf auch eine Rotzgöre sein und dabei trotzdem etwas für sich begreifen. Frauenfiguren müssen nicht gesellschaftlich erkennbar und einordbar sein.

Du hast mal in einem Interview das Thema „Wehrlosigkeit“ als zentrales Motiv in deinen Arbeiten genannt. Gilt das auch für „Opening Night“?

Mich interessiert der Kampf gegen die Wehrlosigkeit. Myrtle wehrt sich gegen die Rolle, mit der sie nichts anfangen kann, indem sie sagt, dass sie nicht gut ist. Sie weiß noch nicht einmal genau, was nicht gut ist. Aber sie spürt es intuitiv und sagt es. Darin liegt so eine große Befreiung, durch die sie ihre eigene Position finden kann – egal, wie verrückt oder einsam diese Position ist. Durch das Wehren kommt erst die Schönheit ins Leben.

Thalia Gauß, (Innenhof)
16.8. (Premiere), 19., 27., 28., 29., 30.8. und weitere 


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„Das Schloss“: Neue Kafka-Inszenierung am Schauspielhaus

Nach „Ich, das Ungeziefer“ bringt der ungarische Regisseur Viktor Bodo mit „Das Schloss“ erneut Franz Kafka auf die Bühne des Schauspielhauses. Dramaturgin Sybille Meier, die ihn zum zweiten Mal begleitet, erzählt im Interview von der Sehnsucht nach dem Abwesenden und wie sie Kafkas Werk weiterspinnen.

Interview: Sören Ingwersen

 

SZENE HAMBURG: Sybille Meier, Franz Kafka hat seinen Roman „Das Schloss“ unfertig hinterlassen. Es gibt keinen richtigen Schluss, zwei alternative Anfänge und viele auf­ schlussreiche, aber vom Autor gestrichene Stellen. Wie geht man mit einem solchen Stoff auf der Bühne um?

Sybille Meier: Wir nehmen den Ro­man als Basis und schauen, welche The­ men uns interessieren. Eine wichtige Ausgangsfrage wirft der Protagonist auf, der als Fremder auf eine neue Gemein­ schaft stößt, aber von ihr nie wirklich aufgenommen wird. Im Roman ist es ein Dorf unterhalb des Schlosses. Viktor Bodo macht aus dem Dorf eine Arbeits­ gemeinschaft, eine geschlossene Welt, in der bestimmte Gesetze vorherrschen. Der Fremde, der im Roman K. genannt wird, ist ja tatsächlich ins Dorf gekom­ men, um zu arbeiten …

Er gibt vor, als Landvermesser be­stellt worden zu sein, aber diese Idee ist ein großer Bluff. Er kategorisiert sich mit einem Beruf, der vor Ort nicht ge­ braucht wird.

Gibt es da eine Parallele zur heutigen Welt, in der man bluffen und alter­ native Fakten schaffen muss, um erfolg­reich zu sein?

Ich glaube, ja. Am Anfang des Ro­mans beginnt K. mit großer Souveräni­ tät und vielleicht sogar Arroganz eine Art Spiel. Das wird aber konterkariert, durch das Schloss, das als ein allwis­ sendes System erscheint und das Spiel immer wieder umdreht und pervertiert. Das hat viel mit unserer modernen Arbeitswelt zu tun, in der Menschen mittels Algorithmen eingeschätzt und Suchprofile erstellt werden, denen man sich anzugleichen versucht. In diesem Kontext werden wir auch das Thema Überwachung aufgreifen.

 

„Ich finde Kafka geradezu prophetisch“

 

Kafka entlarvt also vor fast hundert Jahren die Wirklichkeit als ein Kon­strukt, das als solches erst im heutigen digitalen Zeitalter augenfällig wird?

Kafka beherrscht die hohe Kunst, den Leser in einer Gewissheit zu wiegen, die er kurz darauf schon wieder in Frage stellt. Das ist eine sehr aktuelle Erfahrung: Jede Gemeinschaft hat ihre eigenen kommunikativen Codes, die ein Fremder nicht beherrscht, weshalb er in der Gesellschaft auch nicht weiter­ kommt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass K.s Kommunikation mit dem Schloss nur auf medialem Weg per Telefon, Brief und mittels Doku­menten erfolgt, wobei völlig im Dunkeln bleibt, was auf der anderen Seite ankommt und welche Auswertungen dort stattfinden.

Da finde ich Kafka geradezu prophetisch. Dieses Spiel mit Möglichkeiten, mit Virtualität ist in unserer Inszenierung ein großes Thema und lässt sich wunderbar auf das Internet übertragen. Wir aktualisieren das aber nur bedingt, weil wir das Parabelhafte des Romans beibehalten wollen.

In dieser Parabel spielt natürlich das titelgebende Schloss eine zentrale Rolle. Es übt eine große Macht aus, bleibt aber für K. und die Dorfbewohner unerreichbar. Wofür steht dieses Sinnbild und wie übertragen Sie es auf die Bühne?

Das Schloss ist bei uns nicht zu sehen. Es steht für die Sehnsucht nach dem Abwesenden. Nach einer Vision von einer Zukunft, die eine neue Ordnung im metaphysischen oder gesellschaftlichen Sinn mit sich bringt. Zugleich ist es auch eine ungeheure Drohung.

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Sybille Meier wechselte 2013 mit Intendantin Karin Beier von Köln nach Hamburg (Foto: Thomas Aurin)

Diese Sehnsucht wird aufrechterhalten um den Preis der Selbstunterdrückung. Die Frauen unterhalten sexuelle Beziehungen mit den Schlossbeamten, und man unterwirft sich dem strengen Reglement des Schlosses, ohne dass dieses jemals offen Druck ausübt oder Strafen verhängt.

Diese Atmosphäre aus Angst, Duckmäusertum und starken Hierarchien kennen wir aus Diktaturen. Oder noch eher aus der Zeit danach, wenn die übergeordnete Macht nicht mehr vorhanden ist, die Strukturen aber weiterhin existieren. Jeder ope­riert in der Verdächtigung des anderen, in der Angst, Verantwortung zu übernehmen vor dieser imaginären Macht.

Das Schloss repräsentiert genau dieses Zwischenstadium, in dem wir auch das Stück ansiedeln. Eine Atmosphäre des gegenseitigen Misstrauens, in der es keine direkte Auseinandersetzung gibt, sondern jeder nur in Abwesenheit des anderen über diesen spricht.

Eine gesellschaftliche Atmosphäre, die auch in der Biografie des Regisseurs eine Rolle spielt?

Viktor Bodo hat den real existierenden Sozialismus in Ungarn noch miterlebt. Die Frage ist allerdings, ob unser kapitalistisches System nicht ähnliche Strukturen entwickelt hat, nur versteckt, auf eine perfidere Art und Weise. Diese Spiegelung versuchen wir in der Inszenierung herzustellen.

In Anspielung an Kafkas rätselhaftes Universum wird häufig der Begriff „kafkaesk“ verwendet. Steht dieser Begriff einer unvoreingenommenen Annäherung an Kafkas Werk im Weg?

Mit dem „Kafkaesken“ verbinden wir das Unheimliche, Beängstigende, Undurchsichtige. Viktor Bodos großes Verdienst besteht darin, dass er das Komische und Groteske bei Kafka sucht.

Das hat er bei „Der Prozess“ getan und bei „Ich, das Ungeziefer“ nach Kafkas „Verwandlung“ eigentlich auch. Es gibt tatsächlich Seiten von Kafka, die gerade in der deutschen Rezeption unter dem sogenannten Kafkaesken begraben wurden.

 

Auseinandersetzung mit Machtgefügen

 

Weiß man, welche Inspirationsquellen Kafkas komischen Figuren zugrunde liegen, die oft als männliches Doppel auftreten wie die Gehilfen von K. in „Das Schloss“?

Ich glaube, Kafka hat sich sehr mit dem damals neuen Medium Film beschäftigt, in denen Komikerpaare wie Laurel und Hardy oder Pat und Patachon auftraten.

Und die wahnwitzigen Verwaltungs­apparate in seinen Romanen?

Hat er aus seiner eigenen Biografie geschöpft. Er war ja bei einer Versicherung angestellt. Die Auseinandersetzung mit der ewigen Bürokratie und dem Beamtentum, mit Machtgefügen innerhalb von Firmen, kannte er aus eigener Erfahrung.

Da versteht man, weshalb Kafka seine Romanhelden mit seinem eigenen Ini­tial „K.“ taufte …

Die Biografie des Autors spielt bei uns allerdings kaum eine Rolle. Von Anfang an haben wir entschieden, K. mit Carlo Ljubek zu besetzen, der auch schon bei „Ich, das Ungeziefer“ den Protagonisten Gregor Samsa gespielt hat. Insofern ist „Das Schloss“ auch eine künstlerische Fortsetzung einer gemeinsamen Arbeit an der Titelfigur.

Deutsches Schauspielhaus: Kirchenallee 39 (St.Georg)
„Das Schloss“: 22.2 (Premiere), 25.2. und weitere


Szene_Hamburg_Februar_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Januar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Das Thalia Theater wird zum „Neverland“

Antú Romero Nunes hat Schauspieler aus neun verschiedenen Nationen zusammengetrommelt, um sie ins „Neverland“ zu führen. Auf der Folie von James Matthew Barries „Peter Pan“ erzählt der Regisseur von einer entwurzelten Generation

Interview: Sören Ingwersen

 

SZENE HAMBURG: Warum hast du ausge­rechnet einen Stoff, der als Kinderbuch erfolg­reich wurde, als Vorlage für deine Inszenierung „Neverland“ ausgewählt?

Antú Romero Nunes: „Peter Pan“ war ja kein Kinderbuch, sondern ein Stück für Erwachsene, das nach der Uraufführung 24 Spielzeiten auf dem Programm stand. Ich nutze es aber nur als Blaupause, um meine eigene Geschichte zu erzählen mit einer Konstellation von Figuren, die in den letzten hundert Jahren fast schon zu Archetypen geworden sind: Peter Pan, Tinkerbell, Hook und Wendy.

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Von Hamburg demnächst nach Basel: Antú Romero Nunes (Foto: Armin Smailovic)

Worin liegt das Erfolgsgeheimnis von „Peter Pan“?

Es war damals ein totales Novum, so viele Welten in einem Stück unter­zubringen: die Indianerwelt, die Pira­tenwelt, die Waisenkinderwelt. Aber vor allem hat James Matthew Barrie wahnsinnig gute Szenen geschrieben, die in sich so schlüssig und knackig sind, dass man einfach seinen Spaß hat.

Er beschreibt ein sehr bürgerliches Milieu, in dem es zwar viele Regeln gibt, aber auch eine große Entwur­zelung. Das betrifft auch den Autor selbst, der wie Michael Jackson irgend­wann aufgehört hat zu wachsen, wie ein Kind weitergelebt und sich nur noch mit Kindern verstanden hat.

Barrie ist eine sehr rührende Figur, und ich setze ja immer bei der Person des Autors an, wenn ich einen Stoff auf die Bühne bringe.

Inwiefern ist die Entwurzelung auch heute ein Thema?

Wir sind Europäer, aber Europa stiftet keine Identität mehr. Deshalb er­zähle ich die Geschichte eines Mannes, der in der Mitte seines Lebens durch die Welt reist, aber eigentlich nirgends wirklich ankommt und nur darauf wartet, dass die Welt sich auflöst, so wie er selbst.

Dieses apokalyptische Gefühl hat ja auch mit unserer eigenen Leere zu tun. Es gibt keine neuen Inhalte mehr. Die endlose Wiederholung der Geschichte wird auf Dauer langweilig. Wie man innerlich ausbrennt, brennt auch die Welt um einen herum ab.

Wenn du von Entwurzelung sprichst und ich an die „Lost Boys“ aus „Peter Pan“ denke, liegt auch das Flüchtlings­thema auf der Hand …

Darum geht es mir überhaupt nicht. Ich will die Leute nicht aufklären. Po­litik ist keine Sache des Theaters. Sie ist das Ergebnis von menschlichen Zusammenhängen. Also geht es darum, sich im Leben zu positionieren. Man sollte Fragen, warum Menschen so handeln, wie sie handeln. Versuchen wir nicht immer nur, unseren körper­ eigenen Hormonhaushalt optimal aus­ zugleichen? Sind wir konditionierbar?

Oder: Was haben wir mit den Hunden gemeinsam? Warum lassen wir Hunde überhaupt zu? Was machen die mit uns? Und was steckt alles in einer Liebesbeziehung? Wie kann man sie vergleichen mit der Gentrifizierung einer Stadt? Solche Fragen führen zu hochemotionalen Ergebnissen, die zwar nichts beantworten, aber Türen aufmachen. Dann wird Theater intel­ligenter als ich selbst, und ich sage: Toll, jetzt fängt das Biest an zu leben und erzählt mit etwas!

 

„Das Kollektiv ist das Genie“

 

Wie positionierst du dich selbst als Regisseur? Bist du der Peter Pan, der die Zuschauer mit Feenstaub betäubt, um sie anschließend mit ihren Träumen und Ängsten zu konfrontieren?

Es wäre natürlich sehr schön, wenn man sich so sehen könnte. Ich sehe mich aber nicht als Inspirator, sondern sage nur: Hier sind die Türen. Für „Ne­verland“ habe ich – diesmal zusammen mit Anne Haug – auch den Text ge­schrieben, was ich schon häufiger getan, aber nie öffentlich gemacht habe.

Für mich ist nicht der Autor oder Regisseur, sondern das Kollektiv das Genie. Das besteht diesmal aus Schauspielern, die aus vier Theatern und sieben Schau­spielschulen unterschiedlicher Länder kommen und nicht einmal alle richtig Englisch verstehen. Daher geht es uns auch um die Sprache selbst, um ihren Klang und die Verständigungsmöglich­keiten.

Was macht die Erfindung des Leiselesens eines Buches mit deinem Kopf? Wie beschränkt uns die Tat­ sache, dass wir alles nur noch abstrakt begreifen und kaum noch agieren? Diese Fragen werfe ich in die Gruppe und schaue, was sich daraus entwickelt. Wir sind einfach ein Haufen charismatischer Menschen und zapfen uns alle gegenseitig an.

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„Neverland im Thalia Theater (Foto: Krafft Angerer)

Gibt es einen Weg, Neverland zu ver­lassen, um wieder zur eigenen Identität zu finden?

Vielleicht muss man nur begreifen, dass man sich in einem Neverland befindet und dass es Identität gar nicht gibt und sie auch nicht wichtig ist. Oft fragen mich die Leute: Wie lebst du seit sieben Jahren ohne Wohnung? In welcher Sprache denkst du? In welchem deiner drei Länder – in meiner Familie gibt es ja auch Fluchterfahrungen – fühlst du dich am meisten zu Hause?

Ich finde diese Fragen sehr merkwür­dig. Fragt mich doch lieber, was ich gerne esse oder für welches Buch ich mich interessiere.

Aber steht das alles nicht für eine bestimmte Identität?

Nein, das sind alles bewusste Ent­scheidungen. Man weiß doch, dass Menschen sich von einer zur anderen Sekunde komplett neu erfinden und alles hinter sich lassen können.

Das könnte aber auch heißen, dass Identität eben nur temporär ist. Wenn sie ins Wanken gerät und man einen Therapeuten konsultiert, ist die erste Frage: Was bedeutet Ihnen am meis­ten im Leben? Dahinter steht doch die Frage, was einen ausmacht, wohin man sich bewegen möchte.

Mein Vater ist ja Psychoanalytiker, ich bin damit aufgewachsen und arbeite auch ein bisschen so. Natürlich leben wir auf Grundlage bestimmter Voraussetzun­gen. Aber wichtig ist, dass man ständig Entscheidungen trifft. Und die Summe dieser Entscheidungen und Handlun­gen macht einen Menschen aus. Das be­inhaltet allerdings, dass man sehr wohl verantwortlich ist für das, was man tut.

Verantwortung wirst du ab der nächsten Spielzeit in noch größerem Umfang übernehmen. Stichwort: Basel.

Jörg Pohl vom Ensemble des Thalia Theaters und ich werden zusammen mit den Dramaturginnen Anja Dirks und Inga Schonlau Schauspieldirek­toren am Theater Basel. Nach unserem Leitsatz „Das Genie ist das Kollektiv“ wollen wir auch dort alles aus dem Ensemble und aus den Persönlichkeiten der Schauspieler heraus entwickeln.

Thalia Theater: Alstertor (Altstadt), „Neverland“: 12.10. (Premiere), 13.+17.+18.10.


Szene-Oktober-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Oktober 2019. Titelthema: Neu in Hamburg. Das Magazin ist seit dem 28. September 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Gender Mainstreaming: Fokusreihe startet auf Kampnagel

Gender Mainstreaming: Uta Lambertz, Dramaturgin und Kuratorin auf Kampnagel, über die neue Fokusreihe mit queer-feministischen Performances.

Interview: Sophia Herzog
Foto (o.): Simone Stanislai

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Uta Lambertz, Kampnagel-Kuratorin. Foto: Janto Djassi

SZENE HAMBURG: Gender Mainstreaming ist seit Ende der 90er Jahre ein erklärtes Ziel der EU und meint die Gleichstellung der Geschlechter. Wie setzen die Inszenierungen der Fokusreihe diesen Begriff um?

Es ist immer noch oder sogar mehr denn je wichtig, für Geschlechtergerechtigkeit einzutreten. Das wird offensichtlich, wenn wir Geschlecht nicht auf „Mann“ und „Frau“ reduzieren, sondern in den Blick nehmen, wie sehr trans- und inter-Personen, aber auch alle Nicht-Heterosexuellen tagtäglich um ihre Würde und Anerkennung kämpfen müssen.

Das Stück „MDLSX“ der italienischen Gruppe Motus zum Beispiel rückt eine Person zwischen den Geschlechtern in den Fokus (Foto). Die großartige Schauspielerin Silvia Calderoni zeigt, was für ein Kampf es sein kann, nicht in Kategorien zu passen, stellt gleichzeitig ins Zentrum, wie schön es ist, sich nicht begrenzen zu lassen.

Meine zweite Empfehlung ist ein ungewöhnlicher Stadtspaziergang, für jeweils eine Person: „Walking: Holding“. Die Theatermacherin Rosana Cade hatte die Idee, Gäste Hand in Hand mit Unbekannten durch die Straßen spazieren zu lassen. Sie können erleben, wie es sich anfühlt, den Blicken Unbeteiligter ausgesetzt zu sein, wie es Nicht-Heterosexuelle oft erleben.

 

Seht hier den Trailer zu „Gender Mainstreaming“ auf Kampnagel

Gender Mainstreaming 07.- 10.03.2019

Vom 7. bis 10. März findet Gender Mainstreaming und die Ink About It! Tattoo Convention statt. Dramaturgin Uta Lambertz sprach mit Theater Hamburg über Kampnagel und den Schwerpunkt.

Gepostet von Kampnagel – Internationales Zentrum für schönere Künste am Freitag, 22. Februar 2019

Wie weit ist unsere Gesellschaft in Sachen Geschlechtergleichstellung?

Man würde meinen, Deutschland sei da auf einem guten Weg. Aber viele Errungenschaften sind noch sehr jung: Zum Beispiel sind sexuelle Nötigung und Vergewaltigung in der Ehe erst seit 1998 auch als solche strafbar; das Bild der Frau als Eigentum oder Untergebene des Mannes steckt noch in vielen Köpfen. Und aktuelle Diskussionen um die Abtreibungs-Paragraphen §218 und §219a zeigen, wie eingeschränkt die Selbstbestimmung der Frau bis heute ist.

Übergriffe gegen queere Menschen sind immer noch an der Tagesordnung. Gerade rechte Bewegungen ziehen den Begriff des Gender Mainstreaming gerne ins Lächerliche, um gegen Geschlechtergerechtigkeit zu poltern. Dahinter steht eine Ideologie, die alles ablehnt, was nicht in die Norm passt. Um zu verstehen, dass eine demokratische Gesellschaft sich entschieden dagegen wehren muss, dazu reicht ein Blick in die USA, die Türkei oder nach Ungarn, wo Menschen wegen ihrer Genderzugehörigkeit um ihre Leben fürchten müssen.

Was entgegnest du Menschen, die finden: Jetzt reicht es auch wieder mit Gender- und Me-Too-Debatte?

Oft kommt das von Menschen, die nicht selbst von der Debatte betroffen sind. Ich halte die Debatte aber für wichtig und wenn mir das jemand sagt, frage ich sie, warum sie das glauben? Und ob sie meinen, dass die Menschen, die zum Beispiel homo- oder transphobe Angriffe, sexuelle Übergriffe oder Vergewaltigungen erlebt haben, das wohl genauso sehen. Zu solchen Diskussionen wollen wir auch im Rahmen von Gender Mainstreaming einladen.

„Gender Mainstreaming“: Performances, Queerfeminismus, Queercomedy: Kampnagel, 7.-10.3.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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