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Filmfest Hamburg: Das gibt’s noch zu sehen

Es sind die zwei Wochen im Jahr, in denen es in den Hamburger Kinos hoch her geht. Beim Filmfest Hamburg gibt es große Premieren und viele kleine Highlights. Hier kommt eine Übersicht, was bis es bis zum 9. Oktober 2021 noch zu sehen gibt

Texte: Marco Arellano Gomes, Mark Stöhr, Cornelis Hähnel, Helen Peetzen, Anselm Scherer, Claire Bösenberg

 

Das Filmfest Hamburg ist in vollem Gange. In der letzten Woche gab es die Highlights des Filmfestes, hier kommt eine Übersicht, was es bis zum 9. Oktober 2021 noch zu sehen gibt.

 

Sektion Große Freiheit

 

Filme aus Deutschland: Die ausgewählten Kinofilme nutzen die Freiheiten, die sich ihnen bieten – mit viel Lust an neuen Themen und Narrationen.

 

Alles in bester Ordnung

 

Wie viel muss der Mensch wirklich besitzen? Eine feinsinnige Komödie über das Zuviel und das Zuwenig mit Corinna Harfouch in der Hauptrolle.

Alles in bester Ordnung (Foto: Niklas Lindschau)

Alles in bester Ordnung (Foto: Niklas Lindschau)

D 2021, 96 Min., Regie Natja Brunckhorst Drehbuch Natja Brunckhorst, Martin Rehbock Besetzung Corinna Harfouch, Daniel Strässer, Joachim Król; Blankenese Kino, Di. 5.10. 19:45 Uhr

 

Niemand ist bei den Kälbern

 

Mit unbestechlichem Blick und dokumentarischem Duktus räumt das Drama mit dem Mythos vom romantischen Landleben auf.

Niemand ist bei den Kälbern (Foto: Weydemann Bros / Max Preiss)

Niemand ist bei den Kälbern (Foto: Weydemann Bros / Max Preiss)

D 2021, 116 Min., Regie Sabrina Sarabi Drehbuch Sabrina Sarabi, basierend auf einem Roman von Alina Herbing Besetzung Saskia Rosendahl, Rick Okon, Godehard Giese, Enno Trebs, Peter Moltzen; Cinemaxx 1, Di. 5.10. 20:45 Uhr

 

Sektion Veto!

 

Politisches Kino: Filme mit Ausrufezeichen, meinungs- und ausdrucksstarke Interventionen und Irritationen: Das Spiel- und Dokumentarfilmprogramm unterstreicht die politische Kraft des Kinos.

 

Futura

 

Eine neue Generation italienischer Regisseur·innen erforscht in einem Kollektivfilm die Zukunft ihres Landes.

Futura (Foto: The Match Factory GmbH)

Futura (Foto: The Match Factory GmbH)

I 2021, 110 Min., Regie und Drehbuch Pietro Marcello, Francesco Munzi, Alice Rohrwache; Metropolis, Mi. 6.10. 19:00 Uhr

 

La Civil

 

Ziviler Mut in einer Gesellschaft ohne Gewaltmonopol: In diesem fesselnden Entführungsthriller aus Mexiko nimmt eine Mutter die Suche nach ihrer Tochter selbst in die Hand.

La civil (Foto: Urban Distribution International)

La Civil (Foto: Urban Distribution International)

B, MEX, RO 2021, 145 Min., Regie Teodora Ana Mihai Drehbuch Teodora Ana Mihai, Habacuc Antonio De Rosario Besetzung Arcelia Ramirez, Alvaro Guerrero, Ayélen Muzo, Jorge A. Jimenez; Studio Kino, Mi. 6.10. 21:30 Uhr

 

 

Sektion Transatlantik

 

Kino aus Nordamerika: Diese Sektion strotzt vor Lebendigkeit und Kreativität und hat den Mut zu außergewöhnlichen Geschichten und Ästhetiken, egal ob in Studio- oder Independent-Produktionen.

 

Starlet

 

Eine ziellose 21-Jährige, eine weit über 85-Jährige, ein bisschen Pornoindustrie und eine Thermoskanne voller Geld – Sean Baker macht in seinem vierten Film ein Universum voller Unterschiede und Überraschungen auf.

Starlet (Foto: Rapid Eye Movies HE GmbH)

Starlet (Foto: Rapid Eye Movies HE GmbH)

USA 2012, 103 Min., Regie Sean Baker Drehbuch Sean Baker, Chris Bergoch Besetzung Dree Hemingway, Besedka Johnson; Studio Kino, Do. 7.10. 21:30 Uhr

 

Land of Dreams

 

Die USA in naher Zukunft – ein abgeschottetes Land, in dem nicht einmal mehr das Träumen frei ist. Bildgewaltig entwerfen Shirin Neshat und Shoja Azari eine Dystopie, die vielleicht näher an der Wirklichkeit ist, als uns lieb ist.

Land Of Dreams (Foto: Bon Voyage Films, Palodeon Pictures / Ghasem Ebrahimian)

Land of Dreams (Foto: Bon Voyage Films, Palodeon Pictures / Ghasem Ebrahimian)

USA, D, QAT 2021, 113 Min., Regie Shirin Neshat, Shoja Azari Drehbuch Jean-Claude Carrière Besetzung Sheila Vand, Matt Dillon, William Moseley, Isabella Rossellini, Anna Gunn, Christopher McDonald; Studio Kino, Fr. 8.10. 16:00 Uhr

 

Poser

 

Das Psychodrama um eine junge Frau auf Identitätssuche ist ein beeindruckendes Stück US-Indiekino und taucht tief in die vibrierende Subkultur von Columbus in Ohio ein.

Poser (Foto: UTA)

Poser (Foto: UTA)

USA 2021, 87 Min., Regie Ori Segev, Noah Dixon Drehbuch Noah Dixon Besetzung Sylvie Mix, Bobbi Kitten; Abaton, Fr. 8.10. 21:30 Uhr

 

Sektion Asia Express

 

Filmkulturen aus Fernost: Die Sektion spiegelt das aktuelle Filmschaffen unabhängiger asiatischer Filmemacher•innen. Sie steht für ein Kino der Grenzüberschreitungen und cineastischen Sinnsuchen.

 

Anatomy of Time

 

Eine in Fragmenten erzählte Untersuchung über Entscheidungen, Vergänglichkeit und die Wirkungsweisen der Zeit.

Anatomy of Time (Foto: Diversion, Damned Films, Sluizer Film Productions, M'GO Films, Mit Out Sound Films)

Anatomy of Time (Foto: Diversion, Damned Films, Sluizer Film Productions, M’GO Films, Mit Out Sound Films)

THA, F, NL, SIN 2021, 118 Min., Regie und Drehbuch Jakrawal Nilthamrong Besetzung Thaveeratana Leelanuja, Prapamonton Eiamchan, Sorabodee Changsiri, Wanlop Rungkumjad; Metropolis, Fr. 8.10. 16:30 Uhr und Cinemaxx 2, Sa 9.10., 16:00 Uhr

 

On the Job: The Missing 8

 

Korrupte Politiker, verschwundene Journalisten und Gefängnisse voller Auftragsmörder: Mit frenetischer Kamera und mitreißender Musik inszeniert Erik Matti einen epischen Politthriller, der sich auf wahre Begebenheiten stützt.

On the Job: The Missing 8 (Foto: Reality Entertainment)

On the Job: The Missing 8 (Foto: Reality Entertainment)

PHI 2021, 208 Min., Regie Erik Matti Drehbuch Michiko Yamamoto Besetzung John Arcilla, Dennis Trillo, Dante Rivero; Cinemaxx 2, Sa. 9.10. 20:30 Uhr

 

All about my Sisters

 

Eine Langzeitstudie über familiäre Verflechtungen, die psychologischen Auswirkungen der Ein-Kind-Politik und die Rolle der Frau in der chinesischen Gesellschaft.

All about my sisters (Foto: Asian Shadows)

All about my Sisters (Foto: Asian Shadows)

USA 2021, 174 Min., Regie Wang Qiong Protagonist∙innen Zhou Jin, Wang Li, Yan Xiaoqing, Wang Jianhua, Wang Sifan; Cinemaxx 2, Do. 7.10. 17:30 Uhr

 

Whether the Weather is fine

 

Die Odyssee dreier Menschen in den Nachwirren einer Sturmflut wird zur visuell beeindruckenden Vision einer Welt nach der Katastrophe.

Whether the Weather is Fine (Foto: Rediance Films)

Whether the Weather is Fine (Foto: Rediance Films)

F, D, PHI, SIN, IDN, QAT 2021, 104 Min., Regie Carlo Francisco Manatad Drehbuch Giancarlo Abrahan V, Carlo Francisco Manatad, Jeremie Dubois Besetzung Charo Santos-Concio, Daniel Padilla, Rans Rifol; Cinemaxx 2, Mi. 6.10. 21:15 Uhr

 

Sektion Voilà!

 

Französischsprachige Filme: Unsere frankophone Sélection beweist Jahr für Jahr, welch exzellenter Output möglich ist, wenn Talent, Vision und Unabhängigkeit zusammenkommen.

 

France

 

Mit absurdem Witz erzählt der neue Film von Bruno Dumont anhand einer französischen Starjournalistin, wie schnell man in einen Abgrund fallen kann – und stärker wieder aus ihm auftaucht.

France (Foto: R. Arpajou / 3B PRODUCTIONS 2020; SBS)

France (Foto: R. Arpajou / 3B PRODUCTIONS 2020)

F, D, B, I 2021, 133 Min., Regie und Drehbuch Bruno Dumont Besetzung Léa Seydoux, Juliane Köhler, Benjamin Biolay, Blanche Gardin; Passage, Do. 7.10. 18:45 Uhr

 

Die Gute Mutter

 

Mit einem liebevollen Blick zeichnet Hafsia Herzi das filmische Porträt einer Mutter, einer Familie und eines Viertels im Norden Marseilles.

Die Gute Mutter (Foto: SBS Productions / Guy Ferrandis)

Die Gute Mutter (Foto: SBS Productions / Guy Ferrandis)

F 2021, 99 Min., Regie und Drehbuch Hafsia Herzi Besetzung Halima Benhamed, Sabrina Benhamed, Jawed Hannachi Herzi; Passage, Fr. 8.10. 19:00 Uhr und Sa. 9.10. 17:00 Uhr

 

Vortex

 

Gaspar Noé erzählt eine berührende Geschichte über ein alterndes Paar. Die stilistische Besonderheit: Das Bild ist geteilt in zwei Fenster – auf der einen Seite beobachtet die Kamera den Mann, auf der anderen die Frau.

Vortex (Foto: Wild Bunch)

Vortex (Foto: Wild Bunch)

F, B, MON 2021, 142 Min., Regie und Drehbuch Gaspar Noé Besetzung Françoise Lebrun, Dario Argento, Alex Lutz; Cinemaxx 3, Fr. 8.10. und Sa. 9.10. 21:00 Uhr

 

Sektion Vitrina

 

Spanisch- und portugiesischsprachiges Kino: Das Programm mit aktuellen Filmproduktionen ist ein Schaufenster voll unterschiedlicher Stile, Narrationen und Genres.

 

El Gran Movimiento

 

Flirrend zwischen Realität und Fantasie, taucht das bolivianische Drama tief in die unsichtbaren Welten von La Paz ein. Bolivien in der Gegenwart.

El Gran Movimiento (Foto: Altamar Films / Socavón Cine)

El Gran Movimiento (Foto: Altamar Films / Socavón Cine)

BOL, F, CH, QAT 2021, 85 Min., Regie und Drehbuch Kiro Russo Besetzung Julio Cézar Ticona, Max Bautista Uchasara, Francisca Arce de Aro, Israel Hurtado, Gustavo Milán Ticona; Cinemaxx 2, Sa. 9.10. 14:00 Uhr

 

Jesús López

 

Das Dorf und der tote Rennfahrer: In eindringlichen Bildern erzählt das argentinische Drama eine verstörende Geschichte über Trauer und jugendliche Identität.

Jesús López (Foto: Murillo Cine)

Jesús López (Foto: Murillo Cine)

ARG, F 2021, 90 Min., Regie Maximiliano Schonfeld Drehbuch Maximiliano Schonfeld, Selva Almada Besetzung Lucas Schell, Joaquín Spahn, Sofía Palomino, Ia Arteta, Alfredo Zenobi; Metropolis, Di. 5.10. 21:30 Uhr und Cinemaxx 2 Sa. 9.10. 18:30 Uhr

 

Splinters

 

Als junges Mädchen filmte die Regisseurin, wie die Waffenfabrik in ihrer Heimatstadt in die Luft flog. 20 ahre später macht sie eine ungeheuerliche Entdeckung.

Splinters (Foto: Punto de Fuga Cine)

Splinters (Foto: Punto de Fuga Cine)

ARG 2020, 70 Min., Regie und Drehbuch Natalia Garayalde Protagonist∙innen Nicolás Garayalde, Carolina Garayalde, Esteban Garayalde, Gabriela Garayalde, Esther Rostagno; Passage, Do. 7.10. 17:00 Uhr

 

 

Sektion Kaleidoskop

 

Filme aus aller Welt: Unsere kinematografische Reise durch die Kontinente bietet ein plurales Nebeneinander unterschiedlicher filmischer Identitäten, Sprachen und Erzählungen.

 

Annette (Douglas Sirk Preis)

 

Nach neun Jahren stellt Leos Carax einen neuen Film vor. Das Musical und Melodram über eine Liebe, das Showbiz und einen Kinderstar ist ein Kinoereignis, exzessiv und ergreifend.

Annette (Foto: Detailfilm GmbH)

Annette (Foto: Detailfilm GmbH)

F, D, B 2021, 140 Min., Regie Leos Carax Drehbuch Leos Carax, Ron Mael, Russell Mael Besetzung Marion Cotillard, Adam Driver, Simon Helberg; Abaton, Mi. 6.10. 21:15 Uhr

 

Belfast

 

Working Class Hero: Mit viel Herz und einem großartigen Cast erzählt Kenneth Branagh von seiner Kindheit im turbulenten Nordirland der späten 1960er-Jahre.

Belfast (Foto: Universal Pictures International Germany GmbH)

Belfast (Foto: Universal Pictures International Germany GmbH)

GB 2021, 98 Min., Regie und Drehbuch Kenneth Branagh Besetzung Caitríona Balfe, Judi Dench, Jamie Dornan, Ciarán Hinds, Colin Morgan, Jude Hill; Passage, Mi. 6.10. 18:30 Uhr und Sa. 9.10. 19:15 Uhr

 

Die Hand Gottes

 

Von Gott berührt: In seinem autobiografischen Coming-of-Age-Drama balanciert Paolo Sorrentino zwischen fellinesker Absurdität und tragischem Ernst.

Die Hand Gottes (Foto: Netflix)

Die Hand Gottes (Foto: Netflix)

I 2021, 129 Min., Regie und Drehbuch Paolo Sorrentino Besetzung Filippo Scotti, Toni Servillo, Teresa Saponangelo, Marlon Joubert, Luisa Ranieri; Cinemaxx 1, Di. 5.10. 17:45 Uhr und Passage Fr. 8.10. 21:30 Uhr

 

Noch mehr Kino

Neben den vorgestellten Filmen gibt es in jeder Sektion auch noch mehr zu sehen. Darüber hinaus zeigen die Sektionen Television und Michal auf der einen Seite TV-Produktionen im Kino und beim Kinder- und Jugend Filmfest Michel gibt es auf der anderen Seite auch Kino für die Kleinen. Das Filmfest Hamburg läuft noch bis zum 9. Oktober 2021. Alle weiteren Informationen und das Programm gibt es auf der Homepage des Filmfests.

Das Filmfest Hamburg: 30.9. bis 9.10. in diversen Hamburger Kinos


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hoffnung und Sein: dokumentarfilmwoche Hamburg

Vom 15. bis 19. September 2021 findet in Hamburg die 18. dokumentarfilmwoche statt. „Herr Bachmann und seine Klasse“ ist dabei nur einer der, bei der Berlinale 2021 prämierten, Filme, die gezeigt werden

Text: Marco Arellano Gomes

 

Die 18. dokumentarfilmwoche findet in diesem Jahr im Herbst statt. Vom 15. bis 19. September 2021 gibt es in den drei teilnehmenden Kinos Metropolis, B-Movie und Lichtmeß jede Menge anspruchsvolle Dokumentationen, unter anderem das achtstündige Landschaftsepos „The Works and Days“ (15.9., 10 Uhr im Metropolis) von C. W. Winter und Anders Edström, die beide auch zu Gast sein werden. Der Gewinner-Film der 70. Berlinale in der Kategorie „Best Film Encounters“ ist ein kinematografisches Ereignis über die Landwirtschaft und ein Liebesbrief an das Kino. 14 Monate lang wurde der Film in einem kleinen japanischen Bergdorf gedreht und beschreibt eindrucksvoll den Kreislauf des Daseins.

 

Viel Programm

 

Das Festivalteam hat ein breites Programm zusammengestellt – von der international prämierten Produktion bis hin zu Hamburger Debütfilmen. Einige Höhepunkte sind: „Please Hold the Line“ (15.9., 20.30 Uhr, Metropolis), die herzerwärmende Doku „Herr Bachmann und seine Klasse“ (16.9., 19 Uhr, Metropolis) sowie „Her Name was Europa“ (18.9., 21 Uhr, Lichtmeß). Besonders im Fokus stehen unter dem Label „Dokland Hamburg“ auch Hamburger Produktionen. Das volle Programm ist bereits veröffentlicht.

 

Herr Bachmann und seine Klasse

 

Diese Dokumentation lässt einen noch mal die Schulbank drücken. Nur sitzt man während der rasant laufenden knapp dreieinhalb Stunden auf den ungleich bequemeren Kinosesseln statt auf den harten Holzbänken. „Herr Bachmann und seine Klasse“ gibt einem das Gefühl, als wäre man mittendrin, statt nur dabei. Der kurz vor der Pension stehende Lehrer Dieter Bachmann unterrichtet seine 6b in Stadtallendorf (Hessen), einer Industriestadt mit hohem Anteil an ausländischen Mitbürgern, auf eine Art und Weise, die einen mitreißt.

 

Hoffnung

 

Es geht zwar auch um Mathematik, Deutsch, Englisch und Musik, vor allem aber ist diese Dokumentation eine Lehrstunde in Demokratie und Menschlichkeit. Dieser Lehrer macht Hoffnung und entlässt einen mit dem Gefühl, dass es keine Barrieren gibt, die nicht überwunden werden können, wenn Menschen einander aufrichtig zuhören, sich vertrauen und mit Ehrlichkeit und Respekt begegnen. Diese profunde und elementare Erkenntnis wird aber nicht oberlehrerhaft dargeboten, sie fließt vielmehr ganz ungezwungen und mit einer stoischen Ruhe, die Herr Bachmann mit jeder Pore ausstrahlt, von der Leinwand in die Köpfe des Kinopublikums. Eine Lehrstunde des Kinos.

Die 18. dokumentarfilmwoche, 15.-19.09; 15. dokfilmwoche.com
Herr Bachmann und seine Klasse, Regie: Maria Speth. 217 Min. Ab 16.9. in den Kinos

Hier der Trailer zum Film „Herr Bachmann und seine Klasse“:


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2021. Das Magazin ist seit dem 28. August 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Sommernachtskino im Museum für Hamburgische Geschichte

Ein Freilichtkino-Event der besonderen Art

 Text: Marco Arellano Gomes

 

Der Innenhof im Museum für Hamburgische Geschichte ist ein echter Hingucker. Hier trifft historische Bauweise auf moderne Architektur. Ein glä­sernes Dach schützt den denk­malgeschützten Innenhof vor Regen, ohne die Sonnenstrah­len daran zu hindern, den Raum zu durchfluten. Ideal also, für Filmprojektionen, direkt nach Sonnenuntergang, dachte sich das Museum – und tat sich mit den drei Programmkinos, Me­tropolis, 3001 und B­-Movie, zusammen, um hier erstmalig Filme zu zeigen.

In den sommer­lichen Filmnächten am Hols­tenwall werden Klassiker der Filmgeschichte wie „Der dritte Mann“ (1949) mit Orson Welles oder die „Children of Men“ mit Clive Owen und Julianne Mo­ore gezeigt, aber auch Filme mit Hamburg­-Bezug wie „Aus dem Nichts“ von Fatih Akin und „Die Carmen von St. Pauli“ von 1929.

Highlight ist das Stumm­filmkonzert „Roaring Twen­ties – Hamburg­-Filme aus den 1920er Jahren“. Bei Live­-Musik vom Gitarrenorchester Gilbert Couché werden drei Klassiker aus dem historischen Film­archiv im Landesinstitut (LI) Hamburg gezeigt – frisch digi­talisiert vom Metropolis Kino. Das Programm läuft vom 7. Au­gust bis 4. September und ist auf der Website des Museums auf­rufbar.

Sommernachtskino
07.08.2020 – 04.09.2020 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Zeitreise: Metropolis Kino feiert 40. Jubiläum

Das kommunale Kino ist mehr als ein Leinwandtempel: Es ist ein Ausstellungsraum für Filme, die sonst nicht in Hamburg zu sehen sind. Und das seit 40 Jahren

Text: Maike Schade

 

Es war Mitte der 70er Jahre. Eine Gruppe avantgardistischer Filmemacher aus Hamburg gründete eine Initiative. Das Ziel: ein kommunales Kino, um zum einen das eigene Filmschaffen, vor allem aber auch Filme abseits des Mainstreams – aktuell wie historisch – der Allgemeinheit zugänglich zu machen. „Zunächst wurde das von Seiten der Politik misstrauisch beäugt. Filmemacher, experimentelle noch dazu. Was für ein linker Haufen mochte das sein, und wer weiß, was sie wirklich vorhatten?“, erinnert sich Martin Aust, heute Geschäftsführer des Metropolis Kino.

Es wurde ein exemplarisches Filmprogramm zusammengestellt und gezeigt, verhandelt, geredet – „und plötzlich war das Geld da“. Auch ein Geschäftsführer wurde gefunden: Heiner Roß, damals tätig im Arsenal Kino in Berlin, das mit seinem Programm Vorbild für das Hamburger kommunale Kino war.

 

Martin-aust-c-Kinemathek-Hamburg

Von Anfang an dabei: der heutige Geschäftsführer Martin Aust (Foto: Kinemathek Hamburg)

 

Auch ein Raum für das neue Kino war bereits anvisiert: das (seit 1982 geschlossene) Programmkino Klick auf St. Pauli, in dem die Initiative schon seit Jahren seine Programme gezeigt hatte. „Aus irgendeinem Grund platzte die Vereinbarung aber. Und nun stand das kommunale Kino da: mit Geld, mit einem Plan und einem Geschäftsführer – aber ohne Räume.“ Heiner Roß, so erzählt Martin Aust, hat sich damals auf die Suche gemacht.

Irgendwann landete er im Kino am Dammtor, seinerzeit noch Aktualitäten­ und Neuheitenkino. „Er ging hinein, kaufte eine Eintrittskarte und sah sich einen Film an. Danach kaufte er eine weitere, sah noch einen Film. Und noch einen. Danach ging er zur Kassiererin und sagte: Ich möchte das Kino mieten. Die Kassiererin war konsterniert, fürchtete um ihren Job. Heiner Roß sagte: Sie miete ich mit. Haben Sie keine Sorge. Und er bekam das Kino – und die Kassiererin, Frau Herta Prigge, blieb noch viele Jahre bei uns.“ Zumindest, so Aust, sei das die Geschichte, die Roß erzählte.

Eines ist definitiv eine Tatsache: Mitte Oktober 1979, vor rund 40 Jahren, wurde das Me­tropolis Kino – benannt nach dem gleichnamigen Film von Fritz Lang, der zur Eröffnung ge­zeigt wurde – eingeweiht.

 

 

Martin Aust war von Anfang an dabei. Eher zufällig, wie er heute sagt: „Ich kam als Student nach Hamburg und hatte einen Job beim Filmfest. Da lernte ich Heiner Roß kennen, und er fragte mich, ob ich nicht in dem neuen Kino arbeiten wollte. Klar wollte er. „Ich habe alle möglichen Jobs da gemacht, zum Beispiel die Filmrollen, die tagtäglich am Bahnhof Dammtor per Express ankamen oder losgeschickt werden mussten, mit dem Auto hin-­ und hergefahren.“ Nach und nach war er aber immer mehr in die Programmgestaltung eingebunden, und als der bisherige Programmchef im Jahr 1986 das Kino verließ, bekam er den Job. Seit 2005 ist er Geschäftsführer. Das Programm macht er noch immer.

 

Zeitzeugnisse und Kunst

 

Und das unterscheidet sich fundamental von dem anderer Hamburger Kinos. Denn ein solches im eigentlichen – kommerziellen – Sinne sei das Metropolis nicht, sagt Aust: „Ich sehe uns mehr als Ausstellungsraum für Filme.“ Eine Art Museum, im dem das ansonsten nicht zugängliche Werk Filmschaffender aus über einem Jahrhundert für alle zu sehen ist, vom Stummfilm mit Live­-Musik der 1920er Jahre bis hin zum utopischen Experimentalfilm der Gegenwart, digital, aber auch auf 8, 16 und 35 Millimetern, abgespielt von zwei Filmprojektoren.

Dafür hat das Metropolis Kino ein eigenes Archiv aus mittlerweile rund 5.500 Fil­men, die in einem Keller in St. Georg fachgerecht verwahrt werden. Darunter befindet sich das Belegarchiv der Filmförderung Hamburg Schleswig-­Hol­stein plus eine große Sammlung aus Werken von US-­amerikanischen Exil­-Hamburgern aus den 1940er Jahren, die vor den Nazis nach Amerika geflohen waren – Zeitzeugnisse und Kunst zugleich, wie Aust sagt.

Die Relevanz des kommu­nalen Kinos – oder der Kine­mathek, wie sich der Verein, der Kino und Archiv betreibt, nennt – sei in der Politikaner­ kannt, sagt Aust. Zu zwei Dritteln wird das Kino von der Stadt subventioniert, ein Drit­tel spielt es selbst ein.

Das Pu­blikum sei dabei so bunt wie das Programm. Tendenziell älter, ja, „aber ich bin überzeugt, das wächst nach. Irgendwann ha­ben die Leute genug vom Pop­corn-­Kino und wollen mehr sehen.“ Die Auslastung sei konstant und in Ordnung. Reichen tut das Geld trotzdem nie. „Wir zeigen die Filme ja nur zwei oder drei Mal, und die Ausleihe der Filme kostet manchmal horrend viel Geld.“ Ganz zu schweigen von der nötigen Digitalisierung der Archiv­Schätze – irgend­wann wird das Filmmaterial auf den Rollen mürbe. Und ir­gendwann, auch wenn das lange dauert, ist es unbrauchbar und für immer verloren.

 

Originalzustand der 1950er Jahre

 

Nicht nur die gezeigten Filme entführen in vergangene Zeiten. Auch das Kino selbst: Der Saal ist (bis auf brand-­ und sicherheitstechnische Kleinigkeiten) im Originalzustand der 1950er Jahre. Dabei stand das auf der Kippe, als das Gebäude im Jahr 2008 von Investoren auf­gekauft wurde und abgerissen werden sollte. Doch der Kino­saal wurde unter Denkmal­schutz gestellt und Stuhl für Stuhl, Schraube für Schraube sorgfältig abgebaut, eingela­gert und absolut originalgetreu wieder aufgebaut.

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Im Filmtheater Dammtor fand das Metropolis sein Zuhause (Foto: Kinemathek Hamburg)

Nicht im Erd­geschoss, wie früher, sondern ein Stockwerk tiefer im Keller. Aber dennoch. Der Besuch einer Filmvorführung im Metropolis Kino ist wie eine Zeitreise – in die längst verflogene Vergangenheit, in die jüngere, manchmal auch in die Zukunft. Eine Er­fahrung ist es immer.

Das Jubiläum feiert das Metropolis Kino für die Öf­fentlichkeit (plus den 30. Ge­burtstag des Hamburgischen Filmforschungszentrums Cine­ Graph) ab dem 26. Oktober mit einem vielseitigen Programm, unter anderem mit einer vir­tuellen Reise ins Archiv. Mehr Infos dazu auf der Homepage.

metropoliskino.de


szene-hamburg-november-2019Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, November 2019. Titelthema: Sexualität. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Die Highlights des Kurz Film Festivals – 7 Tage, 7 Tipps

Das Internationale Kurz Film Festival zeigt vom 5. bis 11. Juni Mutiges, Experimentelles und Berührendes aus der Welt der Kurzfilme. Diese Tipps legen wir euch wärmstens ans Herz.

Di, 5.6. Feierlich-groovige Festivaleröffnung
Mit einer Kurzfilmauswahl zur Huldigung des Sonderprogramms „Disco“; Zeise Kinos, 19.30 Uhr

Mi, 6.6. Deframed
Radikale, experimentelle, abstrakte, höchst kunstvolle Kurzfilme im Wettbewerb; Kino „Lampenlager“ im Festivalzentrum, 19 Uhr

Do, 7.6. Hamburger Wettbewerb 1 und 2
Die besten Kurzfilme aus und über Hamburg! Kino „Lampenlager“ im Festivalzentrum, 19 und 21.15 Uhr

Fr, 8.6. Sonderprogramme China 1 und 2
Der chinesische Kurzfilm ist hierzulande fast unsichtbar. Eine einmalige Chance, welche zu sehen! Filme im Spagat zwischen politischen Direktiven und privater Ausdruckssuche. Metropolis Kino, 19 und 21 Uhr

Im neuen Festivalzentrum gibt’s reichlich Raum für Freunde des Kurzfilms.

Sa, 9.6. Open Air: You Spin Me Round
Musikalische Merkwürdigkeiten und sonderbare Auftritte des Post-Disco-Zeitalters von Finnland bis Ungarn; Open Air hinter der Halle H (Festivalzentrum), 22.15 Uhr

So, 10.6. Best-of Deutsch und International
Die Besten der Besten aus Tausenden eingereichter Kurzfilme; Zeise Kinos, 17.30 und 20 Uhr

Mo, 11.6. Preisrolle
Alle Preisträger des Festivals in einer Rolle; Zeise Kinos, 19 Uhr


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Mai 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!