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Ladies – Artists – Friends: Konzert des Monats

Miu, Sarajane, Debby Smith, Kathrin Ost, Linda Kauffeld und Joscheba Schnetter geben gemeinsam ein Konzert. Ein Gespräch über die Vorteile für die Musik und das Geschäft.

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Miu und Sarajane, mit Ladies-Artists-Friends habt ihr einen Schulterschluss mehrerer Hamburger Musikerinnen geschafft. War es leicht, alle an einen Tisch zu bekommen und gemeinsame Sache zu machen?

Sarajane: Ja, denn viele Hamburger Musikerinnen kennen sich schon lange, haben teils zusammen studiert und sind freundschaftlich miteinander verbunden.

Miu: Wir haben viel Kontakt. Auch weil alle ähnliche alltägliche Probleme und Wehwehchen haben.

 

Ladies-Artists-Friends-c-ELENA ZAUKE

Die Initiatorinnen von Ladies-Artists-Friends mit Miu (M.) und Sarajane (3. v. l.) Foto: Elena Zauke.

 

Zum Beispiel?

Sarajane: Man muss es sich so vorstellen, dass wir alle jeden Tag in unseren Büros sitzen und versuchen, unsere Karrieren zu pushen. Wir sind gleichzeitig Künstlerinnen, Label, Management, Booker.

Miu: Es ergeben sich immer Situationen, in denen wir die Unterstützung der anderen gut gebrauchen können. Zum Beispiel, wenn wir mal eine Vertretung für einen Gig suchen oder einen bestimmten Booking-Kontakt. Auch Dinge wie das Playlist-Marketing für Spotify und Co. sind nicht so einfach, da ist es gut zu wissen, dass wir jemanden anrufen können, der vielleicht schon mehr Erfahrung hat.

 

Hier könnt „Bullets Out Of Love“ von Sarajane hören

 

Wie verlief denn das erste Treffen von Ladies-Artists-Friends? Ging es dabei nur um Musikgeschäftsfragen?

Sarajane: Erst mal wollten wir unser Wissen gegenüber den anderen Künstlerinnen offenlegen, damit alle etwas davon haben. Wenn wir immer nur als Einzelkämpferinnen unterwegs wären, würden wir womöglich ständig in die gleichen Fallen tappen. Zum Beispiel, was Auftritte in Clubs angeht, in denen wir noch nicht waren, andere aber schon. Dann können wir diejenigen einfach kurz fragen, ob u. a. die Konditionen dort okay sind.

Miu: Unsere Herzen schlagen aber weniger fürs Geschäft, als für die Musik an sich. Deshalb kamen wir ziemlich schnell auf den Gedanken, mal etwas zusammen auf der Bühne zu machen.

Wettbewerbsgedanken gab es bei all dem nicht untereinander?

Miu: Nein. Wettbewerbsgedanken kann ich in der Musik aus Sicht von Plattenfirmen zwar grundsätzlich verstehen, die wollen schließlich ihren Gewinn maximieren. Aus Musiker- und Musikrezipientensicht sind solche Gedanken aber total unangebracht. Musik entsteht schließlich durch gemeinsames Musizieren, und dafür macht es Sinn, dass man sich alles, was einem Labels über Wettbewerb vielleicht schon eingeimpft haben, schnellstmöglich wieder abtrainiert.

Also keine Wettbewerbsgedanken – aber sicher verschiedene musikalische Geschmäcker. Seid ihr schnell auf einen Nenner gekommen, was euer Live-Programm betrifft?

Miu: Ja. Wir haben eine Band, die uns bei Auftritten begleitet, jede Künstlerin spielt drei oder vier Songs mit ihr und kann ihre Ideen so umsetzen, wie sie möchte. Für Singer/Songwriterinnen, die normalerweise nur mit der Gitarre auf der Bühne stehen, bietet diese Konstellation auch ganz neue Möglichkeiten, weil sie ihre Stücke größer arrangieren können, zum Beispiel mit Percussion-Parts und Chören.

 

Hört hier „Ohana“ von Miu

 

Ist der Kreis der Ladies-Artists-Friends eigentlich begrenzt?

Miu: Es gibt zwar einen harten Kern, aber wir sind kein abgeschlossener Club. Vielmehr geht es uns darum, dass diejenigen, die richtig Bock haben, sich auch einbringen können.

Sarajane: Miu und ich übernehmen normalerweise viel von der Organisation, machen aber gerade beide Solo-Alben und sind sehr eingespannt. In dieser Phase freuen wir uns, dass etwa Kathrin Ost von der Band August August, die neu im Orga-Team ist, bei der Ladies-Artists-Friends-Planung oft mit anpackt und auch große Lust darauf hat. Wir haben auch offene Stammtische mit allen Künstlerinnen, die wir am liebsten noch regelmäßiger veranstalten würden.

 

Hier könnt „Shape of You“ als Cover von Debby Smith hören

 

Euer nächstes gemeinsames Konzert veranstaltet ihr am 8. März im Knust. Ist es Zufall, dass es auf den internationalen Frauentag fällt?

Sarajane: Nein, das ist pure Absicht. Die Leute vom Knust haben uns dieses Datum für Ladies-Artists-Friends vorgeschlagen – und wir waren natürlich sofort Feuer und Flamme.

Wird es danach womöglich auch ein Ladies-Artists-Friends-Album geben?

Miu: Wir haben mal über einen Sampler nachgedacht. Dafür müssen wir aber auch die Zeit und das Geld haben. Ladies-Artists-Friends ist im Moment noch ein teurer Spaß für uns, auch weil wir die Band stellen und uns als Ziel gesetzt haben, dass jede auftretende Künstlerin ein Honorar bekommt. Aber: Es gibt schon eine Spotify-Liste mit Songs von vielen, die bei uns sind.

Ladies – Artists – Friends: 8.3., Knust, 21 Uhr.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Auf einen Song mit: Miu

Jeden Monat trifft Erik Brandt-Höge Hamburger Musiker und holt sich aktuelle Musikempfehlungen von denen, die es wissen müssen. Diesmal mit Miu, deren neues Video zum Song Ohana gerade erschienen ist.

SZENE HAMBURG: Miu, wir sind ganz melancholisch drauf. Und wir brauchen einen Soundtrack. Drei Empfehlungen, bitte!

Miu: LCD Soundsystem: „New York I Love You But You’re Bringing Me Down“. Der Song ist so herrlich perfekt unperfekt und könnte die Hassliebe zu einer Stadt wie New York kaum besser ausdrücken.

Black Keys: „Weight Of Love“. Schönster Bass-Sound, eines meiner Lieblingsgitarren-Soli und irgendwie könnte das Lied am Ende eines Roadmovies spielen, wenn der Protagonist in einem alten Auto eine amerikanische Landstraße entlangfährt und die Kamera langsam aus dem Bild zieht.

Damien Rice: „I Don’t Wanna Change You“. Ich könnte eigentlich immer gleich losweinen, wenn ich das Lied höre. Zum einen, weil es einen wunderschönen Streichersatz hat. Zum anderen, weil Damien Rice über eine unerfüllte Liebe mit Größe und Tragik zugleich erzählt.

Was braucht ein schönes melancholisches Lied deiner Meinung nach alles?

Ehrlichkeit! Es geht bei Melancholie nicht um große Instrumentierung oder komplizierte Arrangements. Aber natürlich kann ein Streichersatz an der passenden Stelle Gefühle verstärken. Letztlich zählt aber das Lied an sich. Und wenn es mit dem nötigen Gefühl in Text und Melodie geschrieben ist, dann reicht auch ein guter Sänger mit Gitarre oder Klavier.

Und brauchst du eine melancholische Stimmung, um melancholische Musik schreiben zu können – oder geht das eigentlich immer?

Ich glaube, ich brauche vor allem einen Anlass oder ein Thema, das mich beschäftigt oder in diese Stimmung bringt. Es kann aber auch ein schöner Akkord sein, der im Kopf etwas macht. Aber so ganz grundlos melancholisch bin ich selten, da fängt im Kopf schon meistens irgendetwas an zu rattern. Was ich allerdings gut kann, ist mir zu viele Gedanken machen oder Gefühle aufsaugen und mir zueigen machen. Das begünstigt sicherlich eine gewisse Melancholie in den Texten.

Interview: Erik Brandt-Höge

Knust
12.1.18, 21 Uhr

„Leaf“ von Miu ist am 25.8.17 (Herzog Records) erschienen.


Szene Hamburg Cover August Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Augsut 2017. Das Magazin ist seit 28. Juli 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!