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Aus Alt mach Neu – die zehn besten Vintage-Stores

Vintage ist beliebter denn je: günstig, nachhaltig und nicht von der Stange. Hier kommen zehn Stores, die bei der nächsten Shopping-Tour nicht fehlen dürfen

Text: Katharina Stertzenbach

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Wer suchet, der findet: Wahre Vintage-Schätze gibt es bei the vintage gallery (Foto: Instagram/the vintage gallery)

In der Marktstraße reihen sich viele Klamottenläden aneinander. Ein Besuch bei the vintage gallery darf bei der Shoppingtour im Karoviertel auf keinen Fall fehlen. Hier finden sich ausschließlich originale Schätze aus den 1920er bis hin zu den 1990er-Jahren.

Marktstraße 27; Mo-Sa 12-19 Uhr

Zeitgeist Vintage

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Zeitgeist mit seinem stylischen Flagshipstore in der City (Foto: Instagram/Zeitgeist Vintage)

Ein Hamburger Unternehmen mit schickem Flagshipstore direkt in der Hamburger Innenstadt, das ist Zeitgeist. Der Store erinnert mit seiner breiten Fensterfront fast schon mehr an einen Concept-Store als an einen Second Hand Laden. Neben dem Shop können die schicken Sachen außerdem online gekauft werden.

Ballindamm 9; Do-Sa 12-19 Uhr

Stilbruch

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Bei Stilbruch sollte man Zeit zum Shoppen einplanen (Foto: Stilbruch)

Bei Stilbruch kann man schon mal einen kompletten Tag verbringen. Hier findet man vom Sessel bis zum Tanktop alles, was das Herz begehrt. Und bei einer Warenanlieferung von fünf bis sechs LKWs täglich gibt es immer wieder echte Schätze zu entdecken.

Helbingstraße 63 & Ruhrstraße 51; Mo-Sa 10-18 Uhr

Hot Dogs

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Bei Hot Dogs gibt’s den heißen Scheiss – Vintage-Style natürlich (Foto: Instagram/Hot Dogs)

„Zeig mir deine Schuhe und ich sage dir, wer du bist.“ Das richtige Schuhwerk erzählt einiges über dessen Träger:in. Wer auf der Suche nach stylischen Sneakern ist, sollte auf jeden Fall bei Hot Dogs vorbeischauen. Neben Schuhen gibt es hier auch coole Accessoires und Trainingsjacken.

Marktstraße 38; Mo-Fr 10.30-19.30 Uhr, Sa 10-19 Uhr

fUX vintage

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Liebevoll eingerichtet und voller Sorgfalt bei der Auswahl der Kinderkleidung, das ist das fUX (Foto: Instagram/fUX)

Am häufigsten wird wohl Kinderkleidung Second Hand geshoppt. Getreu nach dem Store Motto „Kids are the Future“ werden bei fUX coole Klamotten für die Kleinen angeboten. Und nach dem Shopping gibt es gegenüber im Kaffee Stark noch ein leckeres Getränk.

Wohlwillstraße 11; Mi-Fr 11-17 Uhr, Sa 11-16 Uhr

Second Schanze

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Bei Second Schanze ist das Angebot so groß, da fällt die Auswahl schonmal schwer (Foto: unsplash/Lucas Hoang)

Zwischen Schanze und Eimsbüttel gibt es bei Second Schanze Schönes, Elegantes und Klassisches. Nach einem Besuch ist FRau angefangen bei den Accessoires über das Kleid bis zu den Schuhen bestens für das nächste Date oder die Hochzeit der besten Freundin ausgestattet.

Weidenallee 54; Di-Fr 11-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr

Vintage Revivals

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Vintagekleidung kaufen bei jeder Wetterlage, geht bei Vintage Revivals auch online (Foto: Vintage Revivals)

Wer bei der Shoppingtour aus der Markstraße kommt, für den liegt das Schulterblatt quasi auf dem Weg. Ein Grund mehr, in jedem Fall bei Vintage Revivals im Store vorbeizuschauen. Hier gibt es einzigartige Vintagemode aus vergangenen Jahrzehnten vor Ort und bei bedarf natürlich auch online.

Schulterblatt 18; Mo-Sa 11-18 Uhr

Klamottensen

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Bei Klamottensen lässt sich nach Lust und Laune stöbern und dazu auch noch Süßes genießen (Foto: Facebook/Klamottensen)

Klamottensen liegt mitten im Herzen von Ottensen, wie der Name unschwer vermuten lässt. Hier kann man nicht nur Vintagekleidung für Frauen shoppen, sondern auch noch Kaffee trinken und leckere Waffeln genießen – egal ob vor, während oder nachdem man seine Schätze gefunden hat.

Kleine Rainstraße 6; Mo-Do 11-19 Uhr, Fr 10-19 Uhr, Sa 11-18.30 Uhr

PICKNWEIGHT – Vintage Kilo Store

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Je schwerer der Einkauf, desto teuerer wird’s bei PICKNWEIGHT (Foto: unsplash/Shanna Camilleri)

Auf St. Pauli beim Grünen Jäger um die Ecke finden Liebhaber:innen der Retro-Mode einen Store, der wohl bekanntesten Secondhand-Kette: PICKNWEIGHT. Gezahlt wird nach Gewicht. Heißt, vor dem Kauf wird die Ware gewogen und je leichter der Einkauf, desto günstiger wird’s. Natürlich bietet auch PICKNWEIGHT ausgewählte Stücke im Onlineshop an.

Beim Grünen Jäger 16; Mo-Sa 11-20 Uhr

Vintage & Rags

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Vintagekleidung bis unter die Decke und das auf zwei Etagen, gibt‘s bei Vintage & Rags (Foto: Instagram/Vintage & Rags)

Vintage & Rags ist ein Hamburger Familienunternehmen. Seit über 30 Jahren haben sie sorgfältig ausgewählte und einzigartige Vintage- und Secondhand Kleidung im Sortiment. Die zweite Generation hat den Onlineshop ausgebaut, jetzt kann also auch bequem von zu Hause aus eingekauft werden.

Kurze Mühren 6; Mo-Sa 11-20 Uhr


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Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

AMD Open Campus 2022

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Komm, wie du bist – und werde, wie du sein willst: Studieren an der AMD Akademie Mode & Design. Am 16. Juni 2022 findet der AMD Open Campus 2022 statt

Mit dem Studium startet man in einen neuen Lebensabschnitt. Was man während des Studiums lernt, geht weit über reines Fachwissen hinaus. Man wächst zu der Person, die man in Zukunft sein möchte.

Mode, Medien, Management, Design

Die AMD Akademie Mode & Design weiß genau, wie wichtig die richtige Atmosphäre für diese Entwicklung ist. Man braucht ein Umfeld, in dem man sein akademisches, aber auch sein persönliches Wachstum aktiv mit gestalten kann. Und genau das findet man der AMD:

Mit dem Modestudium, dem Medienstudium, dem Managementstudium oder dem Designstudium findest sich hier der Einstieg in die Kreativbranche.

Seit mehr als 30 Jahren richtet die Akademie sich qualitativ hochwertigen Inhalte immer am Puls der Zeit aus. Digitale Transformation, Change–Management, Globalisierung oder nachhaltige Prozesse – die Kreativbranche steht niemals still. Die Dozierenden der AMD Akademie Mode & Design stehen im ständigen Austausch mit dem internationalen Netzwerk an Partnerhochschulen wie etwa in New York, Antwerpen, London, Mailand und vielen weiteren Städten.

Open Campus

Am 16.6. startet der Open Campus mit einer Führung durch Werkstätten und Räumlichkeiten, einer Ausstellung von Studierenden, Podiumsdiskussion, Live-Workshops, Origami Mitmachschnittkurs, Meet & Greet und vielem mehr.

Zwischen 16 und 22 Uhr kann man beim Open Campus die Akademie kennen lernen und ein Teil davon werden. Von 17 bis 21 Uhr kann sich beim Open Grill mit Studierenden ausgetauscht werden.

amdnet.de

Beatrixe: „Bis sie mich mit den Füßen voran aus dem Bus tragen“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Beatrixe begegnet

Protokoll: Rosa Krohn

„Ich bin seit 26 Jahren eine Stewardess am Boden. Ich arbeite als Reisebegleiterin in sogenannten Bistrobussen. Auf unseren Reisen quer durch Europa sitzen die Gäste oben und werden unten im Bistro verwöhnt. An den Zielen betreue ich die Gruppe dann bei den geplanten Programmpunkten. Lange Zeit habe ich das gemeinsam mit meinem zweiten Ehemann hauptberuflich gemacht. 

Einen Spitzenjob aufgeben, um Würstchen zu verkaufen?

Ich war damals Anfang 40 als er auf mich zukam und sagte: ‚Ich will einen Busschein machen.‘ Er fing an als Fahrer für Reiseunternehmen zu arbeiten und ich hatte damals noch eine gut bezahlte Stelle als Filialleiterin in einem Modegeschäft. Als er mir dann vorschlug, ich solle doch als Servicekraft mitkommen, war ich mir eigentlich sicher, dass ich meinen Spitzenjob nicht aufgeben will, um Würstchen zu verkaufen! Doch er überredete mich, es mal auszuprobieren: vier Tage Paris. Da war es um mich geschehen: die Leute, die Stadt, die Seine und anstatt Geld dafür zu bezahlen, verdiente ich welches. Meine Kinder waren zu dem Zeitpunkt bereits erwachsen und am Ausziehen. Ich habe also meinen Job gekündigt und meinen Mann begleitet. Er war zehn Jahre jünger als ich. Irgendwann hatte er das Gefühl, dass noch etwas Anderes kommen müsste. Er hatte sich neu verliebt und mir alles erklärt. Ich wusste, dass ich niemanden halten kann, der gehen möchte.

,Arbeiten hat nichts mit dem Alter zu tun‘

Zwei Jahre arbeitete ich noch weiter als Reisebegleiterin in dem Betrieb, aber es tat mir zu sehr weh. Dann ging ich zurück in meine Heimat und fand erneut eine Stelle als Filialleitung in einem kleinen Modegeschäft, in dem ich bis zur Rente gearbeitet habe. Über die ganze Zeit ist der Kontakt zu meinen alten Kollegen im Reiseunternehmen aber nie abgerissen. 2017 bin ich dann in Rente gegangen und sie haben gefragt, ob ich noch mal Lust hätte, als Stewardess zu arbeiten. Tja, und jetzt bin ich 68 Jahre alt und arbeite in meinem Traumberuf einfach so lange weiter, bis sie mich mit den Füßen voran aus dem Bus tragen. Arbeiten hat für mich nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit der Einstellung und Reisen hält jung! Man hat mit gut gelaunten Urlaubern zu tun und sieht viel von der Welt. Ich fühle mich überall zu Hause. Mein Mann und ich sind getrennte Wege gegangen, aber das Reisen lässt mich nicht mehr los. Heute bin ich alleinstehend, geheiratet habe ich nicht noch mal – reiselustige Männer können sich also gerne melden! (lacht)“ 


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Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Meisun: „Entweder das eine oder das andere?“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Begleitet von hvv switch fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Meisun begegnet.

Protokoll: Kevin Goonewardena

 

„In meinem Leben gab es lange nur Medizin: Mein Vater war Unfallchirurg, ich habe Medizin studiert, einen Facharzt in Anästhesie gemacht und habe schon im Studium im Krankenhaus gejobbt, um mir die Ausbildung zu finanzieren. Irgendwann wurde mir aber klar: Ich will nicht ewig im Krankenhaus sein. Mein Vater ist immer morgens um sechs Uhr aus dem Haus und kam um 22 Uhr wieder. Wir haben ihn kaum gesehen.

Ich habe mich irgendwann nach vielen Jahren auf einer Intensivstation in einem Hamburger Krankenhaus gefragt, wo es eigentlich hingehen soll. Ich hatte mittlerweile einige Kollegen kennengelernt, die nicht mehr Vollzeit im Krankenhaus waren, sondern nebenbei etwas anderes gemacht haben. Das war neu für mich. Bis dahin dachte ich immer, entweder das eine oder das andere. Auch ich habe mich langsam verändert und heute führe ich den Rudolf Beaufays Vintage Store in der Neustadt.

 

Eine große Veränderung

 

Wie ich zu dem Laden gekommen bin? Ich hatte schon immer ein Faible für Mode und Dekoration. Als die Frage nach dem ‚Wohin‘ aufkam, wusste ich, es würde in diese Richtung gehen. Zu der Zeit betreute ich Rudolf, den Besitzer des Ladens medizinisch – außerdem war ich ohnehin schon Stammkundin. Wir kamen mit der Zeit ins Gespräch und daraus wurde eine Freundschaft.

Irgendwann fragte mich Rudolf, ob ich mich nicht mal für ein paar Stündchen in den Laden stellen könnte. Ich dachte, ‚großartig, das machst du‘. Aus diesen paar Stunden wurden ein paar Tage. Ich stand immer mal wieder im Laden, reduzierte die Stunden im Krankenhaus und irgendwann kam Rudolf dann nicht mehr. ‚Kannst du ja allein machen‘, hat er gesagt und ich hatte auf einmal die Schlüssel in der Hand. Mit über 70 Jahren und nach 50 Jahren im Geschäft hatte er einfach keine Lust mehr. ‚Entweder wir fahren den Laden jetzt gemeinsam gegen die Wand – ich war zu dem Zeitpunkt schon Teilhaberin – oder du machst allein weiter‘, hat er gesagt. Dann habe ich den Laden komplett übernommen. Das war 2015. Seitdem hat sich viel verändert, aber im Krankenhaus bin ich bis heute, allerdings nur noch wenige Stunden im Monat.“


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House of Gucci: Glamour, Mode und Mord

Sir Ridley Scott liefert mit dieser kurzweiligen Verfilmung von Intrigen und Skandalen der italienischen Modedynastie einen imposanten Blick auf den Glamour und seine Schattenseiten

Text: Rosa Krohn

 

Maurizio Gucci (Adam Driver), Sohn der gleichnamigen ModeDynastie, lernt in den 1970er-Jahren auf einer Party Patrizia Reggiani (Lady Gaga) kennen. Wenige Jahre später heiratet der zurückhaltende Jurist die gesellige, selbstbewusste Patrizia. Schon bald soll er an der Spitze des Moderiesen stehen, forciert von der intriganten Patrizia. Doch sowohl die Geschäfte als auch die Ehe scheitern, er verlässt Patrizia und die gemeinsamen Kinder für eine andere Frau. Das lässt Patrizia nicht auf sich sitzen und ist bereit, jegliche Grenzen zu überschreiten. Einen Roman (von Sara Gay Forden) über die Geschehnisse rund um das Imperium Gucci gibt es bereits, so war es wohl bloß eine Frage der Zeit, bis Hollywood die Geschichte für sich entdeckt.

 

Eine Charaktersudie

 

Lady Gaga und Adam Driver, nur zwei aus dem Starensemble in House of Gucci

Lady Gaga und Adam Driver, nur zwei aus dem Starensemble in House of Gucci

Nun hat sich Großmeister Sir Ridley Scott („Alien“, „Gladiator“) der Sache angenommen, weshalb es kaum überrascht, dass ein Spektakel sondergleichen entstanden ist. In 157 Minuten erzählt er mit „House of Gucci“ seine Version der Ereignisse und liefert berauschende Bilder aus der Welt des Glamours sowie der menschlichen Abgründe, die sich dahinter verbergen. Dabei liegt Scotts Hauptaugenmerk auf den beiden Protagonisten, Patrizia Reggiani und Maurizio Gucci, ihrer gemeinsamen Ehe und deren Ende. Der Film stellt also mehr eine Charakterstudie dar als eine Verfilmung des Skandals an sich. Auch das Umfeld der beiden wird mit einem hochkarätig besetzten Cast von Al Pacino, über Jared Leto, hin zu Jeremy Irons und Salma Hayek mit aufwendigem Kostüm und Make-up porträtiert, ja teils karikiert.

 

Lady Gaga: Eine Wucht

 

Lady Gaga („A Star Is Born“) in der Rolle der „Lady Gucci“ ist eine Wucht und zweifellos der Star des Films. Ihr kauft man – ganz nebenbei – als eine der wenigen ihren italienischen Akzent ab. Adam Driver („Marriage Story“) gelingt auch ohne diesen die Verkörperung des Sohnes Gucci, der – zwar als intelligent charakterisiert – geradezu marionettenartig zwischen Familie, Frau und Branche hin- und hergerissen, lauter falsche Entscheidungen trifft. Nach knapp zweieinhalb rasant verflogenen Stunden bleibt man mit einem ambivalenten, vielschichtigen Bild der Geschichte zurück. Das ist stark, in Anbetracht der reißerischen Banalisierung, von der die Erzählungen einer solchen Geschichte – nicht nur durch die Boulevardpresse – leben.

„House of Gucci“, Regie: Ridley Scott. Mit Lady Gaga, Adam Driver, Jared Leto. 157 Min. Ab dem 2. Dezember in den deutschen Kinos

Lust auf mehr Gucci? Hier gibt’s den Trailer zum Film:


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2021. Das Magazin ist seit dem 27. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hier findet ihr schöne Weihnachtsgeschenke

Jedes Jahr die selbe Frage: Was verschenkt man zu Weihnachten? In den folgenden zehn Stores wird man auf jeden Fall fündig – egal ob für den Freund, die Tante oder den Postboten

Text: Isabel Rauhut & Felix Willeke

 

B-Lage

 

In der B-Lage gibt es Mode, Accessoires, Design- und Geschenkartikel (Foto: Parker Burchfield/unsplash)

In der B-Lage gibt es Mode, Accessoires, Design- und Geschenkartikel (Foto: Parker Burchfield/unsplash)

Die B-Lage ist ein Collective Design Store mit Pop Up Fläche im Herzen des Hamburger Schanzenviertels. Der Laden ist eine zentrale Anlaufstelle für die Akteure der lebendigen Start-up-Szene, junge Unternehmen haben hier die Möglichkeit, ihre Produkte und Ideen einer interessierten Zielgruppe vorzustellen und den eigenen Bekanntheitsgrad sowie Marktwert zu steigern. Das Sortiment besteht aus schönen Modestücken und Accessoires sowie Design- und Geschenkartikeln. In der B-LAGE wurden die Produkte ums Franzbrötchen geboren: Neben Socken und Shirts mit Franzbrötchen-Patches gibt es hier Kerzen mit Franzbrötchenduft. Das duftet fein unterm Weihnachtsbaum!

B-Lage, Kampstraße 11, Mo, Mi–Sa 12–18 Uhr

 

Buchhandlung am Mühlenkamp

 

Die Buchhandlung am Mühlenkamp ist ein Spezialist für amerikanische Literatur (Foto: Rosa Krohn)

Die Buchhandlung am Mühlenkamp ist ein Spezialist für amerikanische Literatur (Foto: Rosa Krohn)

„Es wird immer Menschen geben, die Bücher lieben“, sagt der Mitinhaber der Buchhandlung am Mühlenkamp im Interview mit SZENE HAMBURG. Und er hat recht, trotz E-Book und Co. kommt das Buch nicht aus der Mode und erst recht nicht zu Weihnachten. In Hamburg gibt es viele inhabergeführte Buchhandlungen. Hier ist die Beratung super, die Auswahl riesig und es lässt sich noch richtig schön stöbern.

PS: In der Buchhandlung am Mühlenkamp werden neben Büchern am Tresen auch noch Schätze in Vinyl verkauft, denn Mitinhaber Jörg Bauer ist ein großer Blues-Fan.

Buchhandlung am Mühlenkamp, Mühlenkamp 39, Mo–Fr 10–19, Sa 10–18 Uhr

 

Faire Fritzi

 

Bei Fair Fritzi geht es fair und nachhaltig zu (Foto: Laura Lück)

Bei Fair Fritzi geht es fair und nachhaltig zu (Foto: Laura Lück)

Fair ist im Trend und Kathi und Heike haben es gemerkt, könnte man sagen. Aber Faire Fritzi ist mehr als ein Store mit fair produzierten Lieblingsprodukten von Mode bis Interior. Seit Anfang 2020 gibt es den kleinen Laden in Eimsbüttel und mittlerweile ist dieser mit seiner großen Stammkundschaft schon ein echter Nachbarschaftstreff. Bald sollen auch Events für die Fritzi-Community dazu kommen. Doch erst einmal heißt es: hingehen, entdecken und verzaubern lassen.

Faire Fritzi, Osterstraße 136, Mo–Sa 11–18 Uhr

 

Men’s Needs

 

Regional, nachhaltig und von Männern für Männer, das ist Men’s Needs (Foto: Men’s Needs)

Regional, nachhaltig und von Männern für Männer, das ist Men’s Needs (Foto: Men’s Needs)

Lifestyle, Genuss und Gemeinschaft, Men’s Needs präsentiert ein Sortiment aus regional und nachhaltig produzierten Waren und Unikaten. Weine und Spirituosen, Bar- und Küchenzubehör, Feinkost, Zigarren, Textilien, Lederwaren, Accessoires, Lautsprecher und Kopfhörer, Bart- und Körperpflegeprodukte bis hin zu Spielzeugen, Möbeln und Interieur bilden das Sortiment. In gemütlicher Lounge-Atmosphäre bei Kaffee, Bier oder Glühwein können hier Weihnachtsgeschenke geshoppt werden.

Men’s Needs, Valentinskamp 18, Mo–Fr 10–19, Sa 10–16 Uhr

 

Matter – Urban Market

 

Matter ist ein Urban Market, wie er im Buche steht, hier findet sich fast alles (Foto: matter urban market)

Matter ist ein Urban Market, wie er im Buche steht, hier findet sich fast alles (Foto: matter urban market)

Seit Oktober 2020 ist in der Schlankreye ein toller Store beheimatet: Im „Matter – Urban Market“ findet man auf 230 Quadratmetern ein vielfältiges Sortiment aus Mode, Sneakern und Lifestyle, Papierwaren und Wohnaccessoires, Food, Spirituosen und Kunst. Ein integriertes Café sorgt für eine schöne Portion Gemütlichkeit und macht das Shopping-Erlebnis rund um schön.

Matter – Urban Market, Schlankreye 71, Mo–Fr 11–19, Sa 11–17 Uhr

 

Nostalgie Shop

 

Bei Jürgen Schewior gibt es das Beste aus drei Jahrzehnten und jetzt auch österreichischen Rockabilly-Wein (Foto: Rosa Krohn)

Bei Jürgen Schewior gibt es das Beste aus drei Jahrzehnten und jetzt auch österreichischen Rockabilly-Wein (Foto: Rosa Krohn)

Rock ’n’ Roll ist ein Lebensgefühl und der Nostalgie-Shop in Hamburg-Dulsberg ist der perfekte Ort für die Liebhaber der 1940er-, 50er- und 60er-Jahre. Hier findet sich alles, was das nostalgische Herz begehrt: Antiquarische Möbelstücke und vor allem neu produzierte Mode im Stil der Zeit. Darunter Collegejacken aus echtem Leder, die gute alte Blue Jeans und elegant geschnittene Kleider im Stil der Swinging Sixties. Natürlich gibt’s auch Platten mit den guten alten Klassikern.

Nostalgie Shop, Dithmarscher Straße 46, Di–Fr 15–19, Sa 11–15 Uhr

 

Oak Store

 

Bei Oak gibt’s aktuelle Mode von Sneakern bis zum Blouson (Foto: Malte Helmhold/unsplash)

Bei Oak gibt’s aktuelle Mode von Sneakern bis zum Blouson (Foto: Malte Helmhold/unsplash)

Sneaker und  sind im Trend?! Wer das noch nicht mitbekommen hat, für den ist es höchste Zeit, sich bei Oak umzusehen – und erst recht, wenn in der Familie die News auch noch nicht durchgedrungen ist. Denn Oak hat alles: Von internationalen Marken wie Carhartt bis zu fairer Kleidung wie den Schuhe von Veja. Strores gibt es in Ottensen und in Eimsbüttel, also auf geht’s.

Oak Store, Bahrenfelder Straße 130 & Osterstraße 175, Mo–Fr 11–20, Sa 10–19 Uhr

 

Porzellanfräulein

 

Im Porzellanfräulein kann Porzellan ganz individuell gestaltet werden (Foto: Andreas Sibler)

Im Porzellanfräulein kann Porzellan ganz individuell gestaltet werden (Foto: Andreas Sibler)

Do it yourself ist im Trend und selbst gemachte Geschenke sind doch bekanntlich auch die schönsten. Genau deswegen lohnt sich ein Besuch beim Porzellanfräulein. Hinter diesem Laden versteckt sich ein besonderes Konzept: Kunden können ihre Keramiktassen, -teller und Co. selbst bemalen. Die Porzellanfräuleins glasieren und brennen die fertig bemalten Keramiken anschließend und nach nur einer Woche sind die Kunstwerke abholbereit. Also gibt’s in diesem Jahr eine neue Salatschüssel für Papa und eine Vase für Mama.

Porzellanfraeulein, Preystraße 8, Mi 14–19, Do 10–19, Fr 14–19, Sa–So 11–18 Uhr; Donnerstags sind Terminabsprachen bis 22 Uhr möglich

 

 

Werte Freunde

 

Nachhaltige Geschenke gibt’s bei Werte Freunde (Foto: Lena Scherer, Hamburg)

Nachhaltige Geschenke gibt’s bei Werte Freunde (Foto: Lena Scherer, Hamburg)

In der Nähe des Rödingsmarktes gibt es eine große Auswahl an Naturkosmetik und Eco Fashion. Werte Freunde legt nicht nur Wert auf die Kundschaft, sondern Janine Werth bietet in ihrem Geschäft auch exklusive Kosmetikbehandlungen wie auch Workshops und Events an, bei denen sich alles um den grünen Lifestyle dreht. Ansonsten gibt es auf 350 Quadratmetern Mode von über 70 Marken wie Armedangels, Jan ’n June oder People Tree. Dazu kommen Naturkosmetikprodukte von Dr. Hauschka oder Tata Harper.

Werte Freunde, Großer Burstah 42, Mo–Fr 11–19, Sa 11–18 Uhr

 

Zardoz Records

 

Musikauswahl at it’s best bei Zardoz Records (Foto: Noemi Smethurst)

Musikauswahl at it’s best bei Zardoz Records (Foto: Noemi Smethurst)

Dieser Laden hat Geschichte: Seit über 30 Jahren ist Zardoz Records einer der führenden Hamburger Platten-Vollsortimentern. Sie bieten nahezu jede musikalische Richtung: von gängigem Mainstream bis zu total einmalig. 2018 sind sie in die Martktraße 55 umgezogen und haben sich noch einmal komplett neu sortiert. Geblieben sind dabei aber die weiterhin große Auswahl und die exzellente Beratung. Es ist also egal, ob es die alte Led Zeppelin-Platte für die Mutter oder das neue Album von Adele für den Sohn sein soll, hier findet man alles.

Zardoz Records, Marktstraße 55, Mo–Fr 12–18, Sa 11–18 Uhr


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„Zu viel Toleranz kann gefährlich sein“

Die Hamburgerin des Monats Monty produziert urbane Kleidung mit integriertem Denkanstoß. Ein Gespräch über Worte, Werte und eigene Wege

Interview & Foto: Markus Gölzer

 

SZENE HAMBURG: Monty, auf jedem Produkt deines Labels mon-t steht ein „Pip“. Was ist ein Pip und warum heißt er so?

Monty: Ein Pip ist ein Begriff, der wie ein Impuls funktioniert. Ein Anstupsen, ein Denkanstoß. Was man damit macht, bleibt einem selbst überlassen. Ich fand, dass es sich lustig anhört. „Pip“ hat sich Rike Drust, Autorin von „Muttergefühle“, für mon-t ausgedacht.

Wie kam es dazu und wann ging’s los?

Ich hatte bis vor vier Jahren 15 Jahre den Laden Holy Moly in der Marktstraße. Neben meinen Designs gab’s da Anker- und Möwenkram für Laufkundschaft. Ich musste schließlich meine Miete bezahlen. Irgendwann sagte ich: „Ich mache jetzt, was ich will.“ Ich habe meine Shirts über Instagram angeboten und gemerkt, mit welcher Energie ich da meine Zielgruppe anspreche. Social Media ist wie ein Messer. Du kannst es jemandem in den Rücken stecken, du kannst damit aber auch Brot teilen. Jetzt findet man mich einmal in der Woche bei „Rebelzer“ im Laden. Echter, analoger Kundenkontakt fehlt mir doch.

 

„Hör auf zu lesen. Genieß dein Leben.“

 

Wie kamst du zur Mode?

Mit 25 habe ich mich an der Fachhochschule für Design und Medien in Hannover beworben. Die meinten, ich bräuchte Abitur. Ich sagte, das kann ich auch ohne. Die Antwort: „Okay, dann musst du deine überragende künstlerische Befähigung bestätigen.“ Mit meiner ersten Mappe habe ich von 15 Punkten einen Punkt bekommen. Richtig schlecht. Ich habe mich ein Jahr hingesetzt, die Mappe abgegeben, Prüfung gemacht – 13 Punkte. Ab 13 Punkten hat der Mensch wohl „überragende künstlerische Befähigung“. Ich hatte unter anderem aus Zeitungen Buchstaben rausgeschnitten: „Geben Sie mir 13 Punkte, und es wird niemandem etwas passieren.“ Das Studium hat mich schnell gelangweilt. Ich habe dann mit ein paar Leuten eine Agentur für Streetfashion-Design eröffnet: Fools Gold.

Wie lief die?

Gut. Ich habe unter anderem für das Skaterlabel „Vision Street Wear“ die Kollektion gemacht. Unsere Klamotten auf der ISPO. Das war geil. Irgendwann kam ein Jobangebot aus Hamburg von „Broadway“, auch Klamotten. Das Studium habe ich nie beendet. Nach zweieinhalb Jahren Festanstellung bei Broadway hatte ich überall Schmerzen. Meine Frauenärztin meinte: „Kündigen Sie.“ Dann habe ich mich vor 18 Jahren selbstständig gemacht. Erst mit dem mon-t-Label, dann mit dem Laden Holy Moly. Was ich heute nicht mehr machen würde. Zu wenig Freiheiten.

War tatsächlich als letzte Frage geplant: Was empfiehlst du jungen Leuten bei der Berufswahl?

Macht keinen Laden auf. Chillt (lacht). Mit 17 habe ich Sartre gelesen und meine Mutter damit genervt. Die meinte, frag deinen Onkel, der ist Experte. Der war Journalist und 1975 vor der Revolution nach Amerika geflohen. Ich habe ihm einen Brief geschrieben. Seine Antwort: Ein 100-Dollar-Scheck und der Tipp: Hör auf zu lesen. Genieß dein Leben. Ich war total beleidigt. Heute denke ich: „Watt’n geiler Typ.“

 

Flucht

 

Vor welcher Revolution ist dein Onkel geflüchtet?

Vor der Iranischen. Ich komme aus dem Iran, war sechs, als die Islamische Revolution losging. Ich bin mit 15 nach Deutschland gekommen. Erste Welle Flüchtlingskind. Heute bin ich 25 (lacht). Ich komme aus einem kommunistisch-sozialistischen Haushalt. Onkel und Tanten waren bei Zeitung und Fernsehen, mussten alle flüchten. Alles, was heute in Afghanistan passiert, haben wir damals schon erlebt. Als ich sechs war, hat meine Mutter ausgesehen wie eine „freie Frau“, was überwiegend als „westlich“ tituliert wird. Eine Woche später musste sie Kopftuch tragen. Vor Khomeini wollten alle den Schah stürzen. Dafür gingen auch meine Eltern auf die Straße. An sich eine schöne Revolution, weil das ganze Volk was ändern wollte. Nur war es in sich gespalten.

In welche Form gespalten?

Irgendwann haben meine kommunistisch-sozialistischen Eltern erkannt: „Okay, das wird hier ein fundamentalistisch islamischer Staat.“ Noch schlimmer als es war. Aber mein Vater hat gesagt: „Ich bleibe in diesem Land.“ Meine zehn Jahre ältere Schwester hat eine Kunst- und Ballettschule besucht. Die haben meine Eltern sofort nach Amerika geschickt. Meine Schwester und ich kommen aus einer Familie, aber aus zwei verschiedenen Ländern. Die kennt den Iran nur als „freies Land“. Immer witzig, wenn ich ihr erzähle, dass ich mit Kopftuch zur Schule gegangen bin. Das kann sie sich nicht richtig vorstellen. Im Dezember ’87 bin ich als 15-Jährige mit meiner anderen Schwester nach Deutschland geschickt worden. Leider aus nicht schönen Gründen.

Mit deinen Eltern?

Nein, alleine.

Als unbegleitete Minderjährige.

Genau. Wir haben dann in Deutschland Asylantrag gestellt, weil wir kein Visum für die USA bekommen haben. Zurück in den Iran ging sowieso nicht. Ich durfte mit meiner 19-jährigen Schwester zusammenziehen, musste nicht ins Heim. Nach drei Monaten Deutschkurs ging die Schule los. Ich wäre gerne länger Kind geblieben. Ich kam aus einer behüteten Familie, es war schwer, plötzlich alleine klarzukommen. Ich kannte keine Ausländerfeindlichkeit. Das war ein Kulturschock für mich.

 

„Intoleranz wird nicht toleriert“

 

Was war deine Motivation, Werte auf T-Shirts zu drucken?

Ohne die Streetfashion-Agentur hätte ich vielleicht Bilder mit den Pips gemalt. Ich habe gelernt, dass der Mensch eine wandelnde Säule ist. Du bewegst dich – der Pip bewegt sich mit. Die Leute kommen durch meine Teile ins Gespräch. Meine Tochter hatte in der zweiten Klasse „Loyalty“ an. Ihre Lehrerin hat das gesehen, dann mit der ganzen Klasse über Loyalität gesprochen. Ich hatte Tränen in den Augen. Ein Pip ist „Tolerance“.

Wann endet die bei dir?

Intoleranz wird nicht toleriert. Toleranz ist eines der interessantesten Motive, das ich sehr gut verkaufe. Ich frage mich oft, ob die wirklich wissen, was Toleranz bedeutet. Zu viel Toleranz kann gefährlich sein. Eine Frau meinte mal, man muss den Taliban eine Chance geben, wenn sie sagen, dass sie es anders machen möchten. Das ist, wie wenn ein Massenmörder sagt, er hat gerade 50 Kinder umgebracht und will jetzt aufhören.

Was machst du neben Klamotten?

Freelance-Designjobs, neuerdings Siebdruck-Workshops in Schulen mit dem Farbfabrique-Team aus dem Gängeviertel. Die haben mich mit an Bord genommen. Ich hatte nur die Idee, mit den Kids auch Themen zu bearbeiten. Das ist unfassbar gut. Wir haben mal über Solidarität gesprochen, da kamen wunderbare Sachen raus. Kinder sind die besten Lehrer. Ich wachse mit meiner Tochter, es macht mir Spaß, mit Kindern zu arbeiten. Ich drucke in der Gängeviertelwerkstatt auch meine Sachen. Ich habe angefragt, ob ich die Werkstatt stundenweise mieten kann. Die sagten, „verdiene doch erst mal Geld“. Das ist das Gängeviertel. Ein Geben und Nehmen. Mach du was für uns und wir machen was für dich. ALLES ALLEN halt.

 

Was gutes machen und das Patriotismus-Gen

 

Du hast eine Kollabo mit Linda Zervakis.

Linda hat ihr zweites Buch geschrieben, „Etsikietsi“. Da durfte ich begleitend mitwirken und T-Shirts entwerfen. Damit haben wir eine Obdachlosenzeitung und eine Einrichtung in Athen, „Shedia Home“, unterstützt. Linda ist ’ne tolle Frau. Die hilft, wo sie kann. Das finde ich schön an „Berühmtheiten“. Wenn sie ihre Reichweite einsetzen.

Du selbst organisiert auch Spendenaktionen.

Ich habe gesagt: „Wäre doch schön, wenn ein Teil des Geldes, das man ausgibt, Sinn macht.“ Ich habe Aktionen für die Flüchtlingshilfe gestartet, für Moria, für ein Kinderdorf. Da gingen von jedem verkauften Teil 25 Prozent weg. Das hat funktioniert. Werbung nur für mich zu machen, wäre mir peinlich. Aber wenn ich sage: „Kommt, kauft meine Sachen und lasst uns was Gutes machen“, dann ist das für mich leichter.

Viele Labels hier arbeiten mit Hamburgbezügen. Du nicht, bis auf die hanseatisch-knappen Pips.

Mir fehlt das Patriotismus-Gen. Ich finde „Moin“ auf Pullis lustig. Aber mir ist egal, ob etwas iranisch oder aus Hamburg ist. Allerdings: Auf St. Pauli habe ich mich zum ersten Mal, seit ich nach Deutschland gekommen bin, zu Hause gefühlt. Egal, wie hoch die Miete wird – ich werde alles tun, um hier nicht wegziehen zu müssen.

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 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hamburgerin des Monats: Suzanne Darouiche von Vagabunt.Hamburg

Bei Vagabunt.Hamburg machen Jugendliche mit selbst entworfener Mode Bambule. Das Projekt an der Schnittstelle zwischen sozialer Einrichtung und Fashionbranche bietet ihnen kreativen Freiraum und eine erste berufliche Orientierung. Mit dabei: Modedesignerin Suzanne Darouiche, die den Entstehungsprozess der Kollektionen fachlich begleitet

Interview & Foto: Anna Meinke

 

SZENE HAMBURG: Suzanne, wann und warum hast du beschlossen, Modedesign zu deinem Beruf zu machen?

Suzanne: Ich komme aus einer Mode- und Schneiderinnenfamilie, bin quasi zwischen Stoffresten aufgewachsen. Schon früh war mir klar, dass ich das Gleiche machen möchte wie meine Mama und meine Oma. Natürlich gab es zwischendurch auch mal kleine Ausbrüche – da wollte ich kurz Glasbläserin werden, dann Schuhdesignerin – aber immer ging es in die künstlerische Richtung. Letztendlich wurde ich an der Modeschule in München angenommen. So kam es dann, dass ich in die Fußstapfen meiner Familie getreten bin.

Du hättest auch in der konventionellen Modebranche arbeiten können – Stichwort Fast Fashion. Weshalb bist du zu Vagabunt gegangen?

Mir gefällt an der Arbeit in der Modebranche besonders die Kreativität, die Idee des Ausdrucks durch Kleidung. Ich mag die Dinge, die man in der Modeschule lernt: schöne Moodboards erstellen, tief in Themen eintauchen, avantgardistisch arbeiten. In der Realität findet man das alles selten. Den großen, konventionellen Unternehmen fehlt die Seele. Der Gedanke an Mensch und Natur kommt zu kurz oder ist gar nicht präsent.

Auch die Kreativität bleibt auf der Strecke, wenn lediglich jede Saison die Farbe und irgendein Kragen verändert werden. Das ist nicht mein Anspruch an eine kreative Designtätigkeit. Bei Vagabunt hingegen finde ich all das.

vagabunt.hamburg

Vagabunt ist ein „Social Fashion Label“. Was bedeutet das konkret?

Der Begriff steht erst einmal für die Kombination aus Pädagogik und Mode. Für uns steht dabei der soziale Gedanke im Vordergrund: Vagabunt soll ein Safe Space für die Jugendlichen sein, hier sind alle willkommen. Egal, ob jemand Lust hat, kreative Muster und Schnitte zu entwickeln, ob jemand nähen kann oder nicht, irgendetwas gibt es immer zu tun.

Ein Jugendlicher ist zum Beispiel unser Textilgestalter, weil er gerne Stoffe bemalt. Ein anderer ist Hausmeister. Wichtig ist auch, dass die Jugendlichen eine kleine Entlohnung für ihre Tätigkeiten erhalten. Im Team arbeiten neben einer Pädagogin auch eine Meisterschneiderin, studentische Aushilfen, eine Schnittdirektrice und ich als Modedesignerin. Dieser Mix tut uns gut und schafft eine entspannte Grundstimmung, die nicht immer über-pädagogisch ist. Hier müssen die Jugendlichen sich nicht verstellen. Sie können sie selbst sein, dürfen ihre Yum Yum-Suppe essen, quatschen und einfach eine gute Zeit haben.

Was sind das für junge Menschen, die die Kollektionen entwickeln?

Alle Jugendlichen werden durch unseren Träger Basis & Woge e. V. betreut, sind Teil eines seiner vielen Projekte. Es gibt zum Beispiel Projekte für Straßenkinder, für männliche Prostituierte, für Mädchen mit Gewalterfahrungen. Alle Jugendlichen können zu uns kommen, sofern sie zwischen 14 und 25 Jahre alt sind. Sie bringen ihre eigene, teils schwierige Geschichte mit und haben einfach Lust, etwas Cooles zu machen.

Wie schlagen sich die Erfahrungen der Jugendlichen in ihren Designs nieder?

Die Jugendlichen sprechen hier über ihre individuellen Erfahrungen, tauschen sich aus und finden manchmal Überschneidungspunkte. Bei der letzten Kollektion, „Melancholie“, war die Gemeinsamkeit die Erfahrung des Mobbings in der Schule. Auf dieser Grundlage entstand eine recht dunkle, von Grau- und Schwarztönen dominierte Kollektion, die die Themen der Jugendlichen widerspiegelt.

Auch die Kollektion „your dream is my life bitch“ drückte das aus, was in der Lebenswelt der Jugendlichen von Bedeutung ist, was sie beschäftigt und was für andere Menschen bloß ein böser Traum wäre. Das sind in dem Fall Erlebnisse, die rund um den Hamburger Hauptbahnhof passierten. Das alles schlägt sich schließlich in den Materialien, den Farben und Schnitten der Kollektionen nieder. Und in zuletzt genannter Kollektion auch unmittelbar im Titel, der ein Zitat einer Teilnehmerin ist (lacht). Die Jugendlichen präsentieren sich und ihre Welt ganz ungefiltert.

 

„Mode war und ist immer auch ein politisches Statement“

 

Welches Feedback geben die Jugendlichen dir, was die Bedeutung dieser Arbeit für sie betrifft?

Das ist sehr unterschiedlich. Für die einen ist Vagabunt ein Ort, um mit Freunden abzuhängen und sich ein bisschen Geld dazuzuverdienen. Für die anderen wiederum ist es eine Möglichkeit zum Abschalten. Und gerade aktuell genießen viele Jugendliche die Abwechslung zum eintönigen Homeschooling.

Im Vordergrund steht für alle einfach der Spaß und das lockere Miteinander, das wir hier pflegen. Auch die persönlichen Bindungen zu uns Mitarbeitenden und unter den Jugendlichen selbst sind essenziell wichtig für sie.

Und was bedeutet dir diese Arbeit?

Für mich bedeutet die Arbeit bei Vagabunt vor allem Freiheit: Durch die Grundfinanzierung der Sozialbehörde arbeiten wir in einer Art Utopie, in der es keinen finanziellen Druck gibt. Wir müssen die Kollektionen nicht möglichst gewinnbringend verkaufen, sind nicht von Umsätzen abhängig. Kreativität hat oberste Priorität. Das ist wunderbar und macht großen Spaß.

Manchmal wünschte ich, die Jugendlichen würden diese Freiheit noch mehr ausnutzen, einfach mal ausrasten und etwas total Abgefahrenes entwerfen. Aber sie wollen ihre Mode gerne auf der Straße sehen. Das kann ich natürlich auch verstehen.

Mal ganz generell: Inwiefern glaubst du, kann Mode zu gesellschaftlicher Veränderung beitragen, inwiefern kann sie eine politische Botschaft transportieren?

Gesellschaftlicher Umschwung hat sich immer auch in der Mode geäußert. Man denke nur an die Frauen in den 1960ern, die sich Miniröcke anzogen, oder an die ersten Frauen in Hosen. Mode war und ist immer auch ein politisches Statement, das ganz ohne Worte auskommt.

Ich habe das Gefühl, dass wir uns stets politisch positionieren müssen. Einfach, weil das Leben an sich – und auch das Leben der Jugendlichen, mit all ihren Hintergründen und Erfahrungen – ein politisches ist. Mithilfe von Mode gelingt diese Positionierung ganz einfach, irgendwie subtil. Mode ist eine ästhetische Form des Protests, die es zulässt, unbequeme Dinge auf schöne Art und Weise zu äußern. Auf einer unserer Jacken steht: „Bist du homophob? Schön – lass es sein und sei nicht mehr so gemein!“. Zack, politisches Statement.

vagabunt.hamburg


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Mai 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Fünf Tipps: Nachhaltig durch Hamburg

24 Stunden nachhaltig leben. Ist das überhaupt möglich? Reicht es, sich die Zähne mit der Bambuszahnbürste zu putzen? Vom Start in den Tag bis tief in die Nacht haben wir ein paar Tipps parat

 

Drauf gesch…

Das soziale Klopapier

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Foto: Gunnar Dethlefsen

Nicht nur Marteria weiß: Dieses Klopapier schont nicht nur die Umwelt, sondern tut auch noch Gutes. Denn mit den Einnahmen werden die Sanitärprojekte der Welthungerhilfe und die Arbeit von Viva con Agua, zu dessen Kosmos das gemeinnützige Unternehmen Goldeimer gehört, unterstützt.

Die Vision: #allefürklos, #klosfüralle! Denn laut der Vereinten Nationen haben weltweit mehr als 673 Millionen Menschen keinen Zugang zu Toiletten. Und weil – wie wir alle aus Lockdown-Zeiten wissen – niemand so ganz genau weiß, wie viel Klopapier er eigentlich auf Vorrat braucht, lässt sich mit dem „Kackulator“ der Bedarf bestimmen.

goldeimer.de

 

Grün durch die Stadt

Hamburg CARD Green

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Foto: Hamburg Tourismus

Ein freier Tag. Perfekt, um zu shoppen, die Stadt zu erkunden, essen zu gehen – natürlich nachhaltig. Dass sich der Städtetrip für Touristen und Hamburger nachhaltiger gestalten lässt, beweist die „Hamburg CARD Green“: Für rund 10,90 Euro am Tag können Inhaber der CARD nicht nur mit Bus, Bahn und Fähre durch die Stadt düsen, sondern bekommen bis zu 30 Prozent Rabatt auf mehr als 40 ökologisch und sozial nachhaltige Angebote (ohne ÖPNV kostet die Karte 3,90 Euro).

Die Hamburg CARD Green gibt es nur papierfrei über die App „Hamburg – Erleben & Sparen“.

hamburg-tourism.de/buchen/hamburgcard/green

 

Coffee to go mit gutem Gewissen

Pfandbecher RECUP

Die Ökobilanz beim Coffee to go zeigt, dass die damit verbundenen Einwegbecher ein Problem für die Umwelt sind: Laut einer Studie des Bundesumweltamtes werden allein in Deutschland jährlich 2,8 Milliarden Coffee-to-go-Einwegbecher verbraucht – das sind 5.300 Becher pro Minute. Das bedeutet auch: 111.000 t CO􀈴-Ausstoß, 43.000 gefällte Bäume, 40.000 t Abfall, 1,5 Milliarden Liter Wasserverbrauch, 320 Millionen kWh Strom, 3.000 Tonnen Rohöl.

Um dieser Ressourcenverschwendung langfristig entgegenzuwirken, gibt es mit RECUP ein Mehrweg-Pfandsystem, das deutschlandweit Einwegbecher durch Pfandbecher ersetzt und damit einen nachhaltigeren Konsum von Heißgetränken to go ermöglicht. Die RECUPs sind in drei Größen erhältlich und können bei jedem beliebigen RECUP-Partner zurückgegeben werden.

recup.de

 

Nachhaltiger Fußabdruck

Upcycling-Schuhe von 8Beaufort

schuhe-nachhaltig-hamburg-8bft

Wer einen möglichst CO2-neutralen Fußabdruck hinterlassen möchte, ist mit den Sneakern der Hamburger Firma 8Beaufort genau richtig. Dort werden die Schuhe aus gebrauchten Segeln und ausgemusterten Rettungswesten hergestellt. Dazu kommen naturbelassene Materialien zum Einsatz: europäisches Leder, gewachste Baumwolle und pflanzliche Gerbstoffe. Ein Modell ist komplett vegan. Erstmals ist nun auch ein Winterschuh geplant. Dessen Sohle besteht übrigens aus Plastikabfällen aus den Ozeanen. So wird aus Re- und Upcycling wortwörtlich ein Schuh.

8beaufort.hamburg
Eulenstraße 81 (Ottensen)

 

Grünes Kino

Die Filmbranche setzt auf Nachhaltigkeit

Foto: Eike Blenk

Lokales Bier von der Wildwuchs-Brauerei, Briefumschläge aus alten Plakaten und ein hochmodernes Rotationswärmetauscher-Lüftungsgerät für eine kontrollierte Be- und Entlüftung im Foyer – nur ein paar Beispiele, mit denen das Abaton seinen Nachhaltigkeitskurs unterstreicht. Denn auch in der Kinobranche ist ein schonender Umgang mit Ressourcen zunehmend Thema, weiß man bei Green Film Shooting.

Das Europäische Zentrum für Nachhaltigkeit im Medienbereich ist in enger Kooperation mit der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) entstanden. Nachhaltig arbeitende Kinos werden mit dem Green-Cinema-Siegel ausgezeichnet. Auch die Hamburger Programmkinos B-Movie, 3001 und Alabama setzen auf nachhaltige Maßnahmen. Genau wie die Zeise Kinos. Dort wird ‚Hey Dude‘-Biokaffee aus Ottensen in Gläsern ausgeschenkt, es gibt Fairtrade-Schokolade, mit deren Kauf die Initiative Plant For The Planet unterstützt wird, Bio-Wein aus Gläsern und das Zeise-Bio-Bier, das aus dem lokalen Wildwuchs Brauwerk stammt. „Zudem ist unser Kino ein Ort für Filme zu sozialen und Umweltthemen, womit wir zum Nach- und Umdenken anregen wollen. Und wir kommen hier mit Filmemachern sowie lokalen Initiativen ins Gespräch“, betont Kino-Chef Matthias Elwardt.

grüneskino.de


 Sondermagazin SZENE HAMBURG NACHHALTIGKEIT, 2021. Das Magazin ist seit dem 7. Mai 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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