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Hamburgerin des Monats: Suzanne Darouiche von Vagabunt.Hamburg

Bei Vagabunt.Hamburg machen Jugendliche mit selbst entworfener Mode Bambule. Das Projekt an der Schnittstelle zwischen sozialer Einrichtung und Fashionbranche bietet ihnen kreativen Freiraum und eine erste berufliche Orientierung. Mit dabei: Modedesignerin Suzanne Darouiche, die den Entstehungsprozess der Kollektionen fachlich begleitet

Interview & Foto: Anna Meinke

 

SZENE HAMBURG: Suzanne, wann und warum hast du beschlossen, Modedesign zu deinem Beruf zu machen?

Suzanne: Ich komme aus einer Mode- und Schneiderinnenfamilie, bin quasi zwischen Stoffresten aufgewachsen. Schon früh war mir klar, dass ich das Gleiche machen möchte wie meine Mama und meine Oma. Natürlich gab es zwischendurch auch mal kleine Ausbrüche – da wollte ich kurz Glasbläserin werden, dann Schuhdesignerin – aber immer ging es in die künstlerische Richtung. Letztendlich wurde ich an der Modeschule in München angenommen. So kam es dann, dass ich in die Fußstapfen meiner Familie getreten bin.

Du hättest auch in der konventionellen Modebranche arbeiten können – Stichwort Fast Fashion. Weshalb bist du zu Vagabunt gegangen?

Mir gefällt an der Arbeit in der Modebranche besonders die Kreativität, die Idee des Ausdrucks durch Kleidung. Ich mag die Dinge, die man in der Modeschule lernt: schöne Moodboards erstellen, tief in Themen eintauchen, avantgardistisch arbeiten. In der Realität findet man das alles selten. Den großen, konventionellen Unternehmen fehlt die Seele. Der Gedanke an Mensch und Natur kommt zu kurz oder ist gar nicht präsent.

Auch die Kreativität bleibt auf der Strecke, wenn lediglich jede Saison die Farbe und irgendein Kragen verändert werden. Das ist nicht mein Anspruch an eine kreative Designtätigkeit. Bei Vagabunt hingegen finde ich all das.

vagabunt.hamburg

Vagabunt ist ein „Social Fashion Label“. Was bedeutet das konkret?

Der Begriff steht erst einmal für die Kombination aus Pädagogik und Mode. Für uns steht dabei der soziale Gedanke im Vordergrund: Vagabunt soll ein Safe Space für die Jugendlichen sein, hier sind alle willkommen. Egal, ob jemand Lust hat, kreative Muster und Schnitte zu entwickeln, ob jemand nähen kann oder nicht, irgendetwas gibt es immer zu tun.

Ein Jugendlicher ist zum Beispiel unser Textilgestalter, weil er gerne Stoffe bemalt. Ein anderer ist Hausmeister. Wichtig ist auch, dass die Jugendlichen eine kleine Entlohnung für ihre Tätigkeiten erhalten. Im Team arbeiten neben einer Pädagogin auch eine Meisterschneiderin, studentische Aushilfen, eine Schnittdirektrice und ich als Modedesignerin. Dieser Mix tut uns gut und schafft eine entspannte Grundstimmung, die nicht immer über-pädagogisch ist. Hier müssen die Jugendlichen sich nicht verstellen. Sie können sie selbst sein, dürfen ihre Yum Yum-Suppe essen, quatschen und einfach eine gute Zeit haben.

Was sind das für junge Menschen, die die Kollektionen entwickeln?

Alle Jugendlichen werden durch unseren Träger Basis & Woge e. V. betreut, sind Teil eines seiner vielen Projekte. Es gibt zum Beispiel Projekte für Straßenkinder, für männliche Prostituierte, für Mädchen mit Gewalterfahrungen. Alle Jugendlichen können zu uns kommen, sofern sie zwischen 14 und 25 Jahre alt sind. Sie bringen ihre eigene, teils schwierige Geschichte mit und haben einfach Lust, etwas Cooles zu machen.

Wie schlagen sich die Erfahrungen der Jugendlichen in ihren Designs nieder?

Die Jugendlichen sprechen hier über ihre individuellen Erfahrungen, tauschen sich aus und finden manchmal Überschneidungspunkte. Bei der letzten Kollektion, „Melancholie“, war die Gemeinsamkeit die Erfahrung des Mobbings in der Schule. Auf dieser Grundlage entstand eine recht dunkle, von Grau- und Schwarztönen dominierte Kollektion, die die Themen der Jugendlichen widerspiegelt.

Auch die Kollektion „your dream is my life bitch“ drückte das aus, was in der Lebenswelt der Jugendlichen von Bedeutung ist, was sie beschäftigt und was für andere Menschen bloß ein böser Traum wäre. Das sind in dem Fall Erlebnisse, die rund um den Hamburger Hauptbahnhof passierten. Das alles schlägt sich schließlich in den Materialien, den Farben und Schnitten der Kollektionen nieder. Und in zuletzt genannter Kollektion auch unmittelbar im Titel, der ein Zitat einer Teilnehmerin ist (lacht). Die Jugendlichen präsentieren sich und ihre Welt ganz ungefiltert.

 

„Mode war und ist immer auch ein politisches Statement“

 

Welches Feedback geben die Jugendlichen dir, was die Bedeutung dieser Arbeit für sie betrifft?

Das ist sehr unterschiedlich. Für die einen ist Vagabunt ein Ort, um mit Freunden abzuhängen und sich ein bisschen Geld dazuzuverdienen. Für die anderen wiederum ist es eine Möglichkeit zum Abschalten. Und gerade aktuell genießen viele Jugendliche die Abwechslung zum eintönigen Homeschooling.

Im Vordergrund steht für alle einfach der Spaß und das lockere Miteinander, das wir hier pflegen. Auch die persönlichen Bindungen zu uns Mitarbeitenden und unter den Jugendlichen selbst sind essenziell wichtig für sie.

Und was bedeutet dir diese Arbeit?

Für mich bedeutet die Arbeit bei Vagabunt vor allem Freiheit: Durch die Grundfinanzierung der Sozialbehörde arbeiten wir in einer Art Utopie, in der es keinen finanziellen Druck gibt. Wir müssen die Kollektionen nicht möglichst gewinnbringend verkaufen, sind nicht von Umsätzen abhängig. Kreativität hat oberste Priorität. Das ist wunderbar und macht großen Spaß.

Manchmal wünschte ich, die Jugendlichen würden diese Freiheit noch mehr ausnutzen, einfach mal ausrasten und etwas total Abgefahrenes entwerfen. Aber sie wollen ihre Mode gerne auf der Straße sehen. Das kann ich natürlich auch verstehen.

Mal ganz generell: Inwiefern glaubst du, kann Mode zu gesellschaftlicher Veränderung beitragen, inwiefern kann sie eine politische Botschaft transportieren?

Gesellschaftlicher Umschwung hat sich immer auch in der Mode geäußert. Man denke nur an die Frauen in den 1960ern, die sich Miniröcke anzogen, oder an die ersten Frauen in Hosen. Mode war und ist immer auch ein politisches Statement, das ganz ohne Worte auskommt.

Ich habe das Gefühl, dass wir uns stets politisch positionieren müssen. Einfach, weil das Leben an sich – und auch das Leben der Jugendlichen, mit all ihren Hintergründen und Erfahrungen – ein politisches ist. Mithilfe von Mode gelingt diese Positionierung ganz einfach, irgendwie subtil. Mode ist eine ästhetische Form des Protests, die es zulässt, unbequeme Dinge auf schöne Art und Weise zu äußern. Auf einer unserer Jacken steht: „Bist du homophob? Schön – lass es sein und sei nicht mehr so gemein!“. Zack, politisches Statement.

vagabunt.hamburg


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Mai 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Fünf Tipps: Nachhaltig durch Hamburg

24 Stunden nachhaltig leben. Ist das überhaupt möglich? Reicht es, sich die Zähne mit der Bambuszahnbürste zu putzen? Vom Start in den Tag bis tief in die Nacht haben wir ein paar Tipps parat

 

Drauf gesch…

Das soziale Klopapier
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Foto: Gunnar Dethlefsen

Nicht nur Marteria weiß: Dieses Klopapier schont nicht nur die Umwelt, sondern tut auch noch Gutes. Denn mit den Einnahmen werden die Sanitärprojekte der Welthungerhilfe und die Arbeit von Viva con Agua, zu dessen Kosmos das gemeinnützige Unternehmen Goldeimer gehört, unterstützt.

Die Vision: #allefürklos, #klosfüralle! Denn laut der Vereinten Nationen haben weltweit mehr als 673 Millionen Menschen keinen Zugang zu Toiletten. Und weil – wie wir alle aus Lockdown-Zeiten wissen – niemand so ganz genau weiß, wie viel Klopapier er eigentlich auf Vorrat braucht, lässt sich mit dem „Kackulator“ der Bedarf bestimmen.

goldeimer.de

 

Grün durch die Stadt

Hamburg CARD Green
green-card-hamburg-c-Hamburg-Tourismus-GmbH

Foto: Hamburg Tourismus

Ein freier Tag. Perfekt, um zu shoppen, die Stadt zu erkunden, essen zu gehen – natürlich nachhaltig. Dass sich der Städtetrip für Touristen und Hamburger nachhaltiger gestalten lässt, beweist die „Hamburg CARD Green“: Für rund 10,90 Euro am Tag können Inhaber der CARD nicht nur mit Bus, Bahn und Fähre durch die Stadt düsen, sondern bekommen bis zu 30 Prozent Rabatt auf mehr als 40 ökologisch und sozial nachhaltige Angebote (ohne ÖPNV kostet die Karte 3,90 Euro).

Die Hamburg CARD Green gibt es nur papierfrei über die App „Hamburg – Erleben & Sparen“.

hamburg-tourism.de/buchen/hamburgcard/green

 

Coffee to go mit gutem Gewissen

Pfandbecher RECUP

Die Ökobilanz beim Coffee to go zeigt, dass die damit verbundenen Einwegbecher ein Problem für die Umwelt sind: Laut einer Studie des Bundesumweltamtes werden allein in Deutschland jährlich 2,8 Milliarden Coffee-to-go-Einwegbecher verbraucht – das sind 5.300 Becher pro Minute. Das bedeutet auch: 111.000 t CO􀈴-Ausstoß, 43.000 gefällte Bäume, 40.000 t Abfall, 1,5 Milliarden Liter Wasserverbrauch, 320 Millionen kWh Strom, 3.000 Tonnen Rohöl.

Um dieser Ressourcenverschwendung langfristig entgegenzuwirken, gibt es mit RECUP ein Mehrweg-Pfandsystem, das deutschlandweit Einwegbecher durch Pfandbecher ersetzt und damit einen nachhaltigeren Konsum von Heißgetränken to go ermöglicht. Die RECUPs sind in drei Größen erhältlich und können bei jedem beliebigen RECUP-Partner zurückgegeben werden.

recup.de

 

Nachhaltiger Fußabdruck

Upcycling-Schuhe von 8Beaufort

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Wer einen möglichst CO2-neutralen Fußabdruck hinterlassen möchte, ist mit den Sneakern der Hamburger Firma 8Beaufort genau richtig. Dort werden die Schuhe aus gebrauchten Segeln und ausgemusterten Rettungswesten hergestellt. Dazu kommen naturbelassene Materialien zum Einsatz: europäisches Leder, gewachste Baumwolle und pflanzliche Gerbstoffe. Ein Modell ist komplett vegan. Erstmals ist nun auch ein Winterschuh geplant. Dessen Sohle besteht übrigens aus Plastikabfällen aus den Ozeanen. So wird aus Re- und Upcycling wortwörtlich ein Schuh.

8beaufort.hamburg
Eulenstraße 81 (Ottensen)

 

Grünes Kino

Die Filmbranche setzt auf Nachhaltigkeit

Foto: Eike Blenk

Lokales Bier von der Wildwuchs-Brauerei, Briefumschläge aus alten Plakaten und ein hochmodernes Rotationswärmetauscher-Lüftungsgerät für eine kontrollierte Be- und Entlüftung im Foyer – nur ein paar Beispiele, mit denen das Abaton seinen Nachhaltigkeitskurs unterstreicht. Denn auch in der Kinobranche ist ein schonender Umgang mit Ressourcen zunehmend Thema, weiß man bei Green Film Shooting.

Das Europäische Zentrum für Nachhaltigkeit im Medienbereich ist in enger Kooperation mit der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) entstanden. Nachhaltig arbeitende Kinos werden mit dem Green-Cinema-Siegel ausgezeichnet. Auch die Hamburger Programmkinos B-Movie, 3001 und Alabama setzen auf nachhaltige Maßnahmen. Genau wie die Zeise Kinos. Dort wird ‚Hey Dude‘-Biokaffee aus Ottensen in Gläsern ausgeschenkt, es gibt Fairtrade-Schokolade, mit deren Kauf die Initiative Plant For The Planet unterstützt wird, Bio-Wein aus Gläsern und das Zeise-Bio-Bier, das aus dem lokalen Wildwuchs Brauwerk stammt. „Zudem ist unser Kino ein Ort für Filme zu sozialen und Umweltthemen, womit wir zum Nach- und Umdenken anregen wollen. Und wir kommen hier mit Filmemachern sowie lokalen Initiativen ins Gespräch“, betont Kino-Chef Matthias Elwardt.

grüneskino.de


 Sondermagazin SZENE HAMBURG NACHHALTIGKEIT, 2021. Das Magazin ist seit dem 7. Mai 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hamburger Soli-Merch: Anziehungs-Kraft

Die Hamburger Kultur- und Gastroszene ist gebeutelt: Viele Läden und Clubs haben Jutetaschen, Soli-Shirts oder anderen Merch produziert, mit deren Kauf sie in Corona-Zeiten unterstützt werden können

Konzept: Isabel Rauhut
Fotos: Johanna Zobel

 

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Cap: STANDARD, 25 Euro, standard.hamburg
Schal: Playground Coffee, 35 Euro, playground-coffee.de
Pullover: Uebel & Gefährlich, 45 Euro, uebelundgefaehrlich.com
Jutebeutel: Kandie Shop, 15 Euro, startnext.com/support-your-local-kandieshop

 

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T-Shirt schwarz: Knust, 25 Euro, knust-wizard.gmbh
Socken rot: Dulf’s Burger, 7 Euro, dulfsburger.de/shop
Wollmütze: Freundlich+ Kompetent, 25 Euro, freundlichundkompetent.de
T-Shirt weiß: XO Seafoodbar, 30 Euro, thisisxo.de
Socken weiß: Molotow, 16 Euro, shop.molotowclub.com

 

hamburg-soli-merch4-c-johanna-zobel

Hoodie: Gruenspan, 54,95 Euro, shop-merchroadie.de/collections/gruenspan
Pullover: Playground Coffee, 45 Euro, playground-coffee.de
Jutebeutel: Kandie Shop, 15 Euro, startnext.com/support-your-local-kandieshop

 

hamburg-soli-merch5-c-johanna-zobel

Wollmütze: Freundlich+Kompetent, 25 Euro, freundlich-und-kompetent.de
T-Shirt: Komet, 15 Euro, komet-st-pauli.de
Cap: STANDARD, 25 Euro, standard.hamburg
Schal: Playground Coffee, 35 Euro, playground-coffee.de

 

hamburg-soli-merch6-c-johanna-zobel

Cap: STANDARD, 25 Euro, standard.hamburg
Pullover schwarz: Uebel & Gefährlich, 45 Euro, uebelundgefaehrlich.com
Socken gelb: Dulf’s Burger, 7 Euro, dulfsburger.de/shop
Pullover grau: Kandie Shop, 55 Euro, startnext.com/support-your-local-kandieshop
Jutebeutel: Abaton Kino, 3 Euro, abaton.de

 

hamburg-soli-merch7-c-johanna-zobel

Hoodie: Black Delight, 35,90 Euro, blackdelight.de
Socken weiß: Molotow, 16 Euro, shop.molotowclub.com
Socken rot: Dulf’s Burger, 7 Euro, dulfsburger.de

 

hamburg-soli-merch-c-johanna-zobel

T-Shirt: Knust, 25 Euro, knust. wizard.gmbh

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2021. Das Magazin ist seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hamburger Nachwuchs: Taschenlabel OAK25

Aus dem Hamburger Stadtbild sind sie kaum noch wegzudenken: Die Rucksäcke und Bauchtaschen von Oak25, die nicht nur praktisch und stylish sind, sondern durch ihre reflektierende Oberfläche auch Sicherheit im Straßenverkehr bieten. Hinter dem Label stecken die beiden Hamburger Emil Woermann, 19, und Jacob Leffers, 21

Interview: Daniel Schieferdecker

 

SZENE HAMBURG: Emil und Jacob, wie habt ihr beiden euch kennengelernt?

Emil: Wir kennen uns seit Grundschulzeiten aus dem Chor. Mit Einsetzen des Stimmbruchs hatte sich das Singen jedoch erledigt, und das entstandene Freizeitvakuum haben wir mit unzähligen Projekten gefüllt.

Jacob: Wir hatten einen YouTube-Kanal, haben eine Website …

Emil: … und einen Computer gebaut. Vor zwei Jahren haben wir darüber sogar ein Buch geschrieben: „Secret Book For Digital Boys“.

Jacob: Für uns war so etwas immer erfüllender, als jeden Tag nur vorm Computer zu sitzen und Fifa zu zocken.

Meist waren es digitale Projekte, um die es ja auch in eurem Buch geht. Warum?

Jacob: Uns hat es immer schon Spaß gemacht, sich in die Komplexität digitaler Themen reinzudenken. Ein Buch darüber hätten wir damals selbst gerne gehabt, aber das gab’s nicht. Also haben wir es kurzerhand selbst geschrieben.

 

„Wir sind da sehr naiv rangegangen“

Jacob Leffers

 

Wie kam es dann zur Gründung von Oak25?

Emil: In der Stadt nutzen wir zur Fortbewegung vor allem das Fahrrad. Unsere Eltern wollten immer, dass wir Warnwesten anziehen, damit wir von Autofahrern gesehen werden. Das fanden wir aber immer semi-sexy und kamen daher auf die Idee, reflektierende Rucksäcke zu machen.

Jacob: Das war der Ausgangspunkt für unsere Luminant Bag.

Wie habt ihr das finanziert?

Emil: Uns selbst fehlte das nötige Geld, also haben wir gekickstartert. Mit dem eingesammelten Startkapital von 20.000 Euro konnten wir loslegen.

Was waren die ersten Schritte?

Jacob: Wir sind da sehr naiv rangegangen. Wir dachten, wir zeichnen das mal auf und zeigen das jemandem, der uns daraus dann ein Muster näht – aber so einfach funktioniert das natürlich nicht. Allein das Zeichnen der Rucksäcke war kompliziert. Erst habe ich das auf Papier gemacht, aber damit konnte niemand arbeiten. Daraufhin hat Emil sich in Photoshop reingefuchst und darin die erste Vorlage erstellt.

Warum habt ihr nicht andere Leute gebeten, das für euch zu übernehmen?

Jacob: Weil wir uns in sämtliche Bereiche unseres Unternehmens lieber selbst reinfuchsen. Das dauert zwar und ist manchmal auch frustrierend, kostet aber weniger Geld und führt dazu, dass wir ständig lernen, uns weiterentwickeln und uns in allen Bereichen, die unsere Firma betreffen, perfekt auskennen.

Klingt, als hättet ihr beide eine Menge Geduld und eine hohe Frustrationstoleranz.

Jacob: Es gibt immer mal Phasen, durch die man sich ein bisschen quält, aber dass wir stets am Ball geblieben sind, hat uns eben auch erst vorangebracht. Und es dann geschafft zu haben, fühlt sich doppelt gut an.

„Wir haben uns gefühlt wie Steve Jobs“

Emil Woermann

 

Warum der Name Oak25?

Emil: Der hat mit dem Sitz unseres ersten Büros zu tun: in der Eichenstraße 25. Das war noch bei meinen Eltern. In deren Fahrradkeller.

Jacob: Büro ist leicht übertrieben – da stand halt ein Schreibtisch. (lacht) An dem saßen wir jeden Abend und haben gearbeitet.

Emil: Wir hatten immer die Vorstellung, ein Büro zu brauchen. Eigentlich voll unwichtig, aber das hat uns die Vision für das Ganze eröffnet. Wir haben uns dadurch ein bisschen wie Steve Jobs gefühlt, bei dem ja auch alles in seiner Garage angefangen hat. Mittlerweile haben wir aber richtige Büroräume in der Eimsbütteler Chaussee.

Wie sind eure Eltern mit eurer Geschäftstüchtigkeit umgegangen?

Emil: Die fanden das immer cool und haben uns unterstützt. Deren Sorge war bloß, dass die Schule dabei hintenüberfällt – oder später mein E-Commerce-Studium. Das pausiere ich aber gerade.

Gehst du davon aus, das Studium weiterzuführen?

Emil: Ich glaube nicht. Das hat zwar Spaß gemacht, war mir aber viel zu theoretisch.

Jacob: Ich habe meine E-Commerce- Ausbildung auch pausiert. Was uns immer gestört hat: Dass es immer darum geht, was man tun würde, wenn man mal in einem entsprechenden Unternehmen arbeitet. Wir haben stattdessen lieber ein Unternehmen gegründet und all unsere Ideen praktisch umgesetzt, nicht nur theoretisch.

 

„Wir zahlen uns keine Megagehälter aus, sondern konzentrieren uns vorrangig aufs Wachstum“

Emil Woermann

 

Könnt ihr von Oak25 schon leben?

Jacob: Ja. Im letzten Jahr haben wir Investoren gefunden, was es uns ermöglicht, das Ganze Vollzeit zu betreiben.

Emil: Wir zahlen uns aber keine Megagehälter aus, sondern konzentrieren uns vorrangig aufs Wachstum. Aber wir können davon leben und unsere Mitarbeiter bezahlen.

Wie viele Exemplare gab es von eurer ersten Kollektion?

Emil: 8.000 Stück. Die waren aber schnell ausverkauft.

Könnt ihr euch noch daran erinnern, als ihr das erste Mal auf der Straße einen Fremden mit einem eurer Rucksäcke gesehen habt?

Jacob: Ja. Da bin ich mit dem Fahrrad übern Jungfernstieg gefahren und hab da innerhalb von fünf Minuten drei Leute mit unserem Rucksack gesehen. Das war schon krass. Ich bin selten mit einem so breiten Grinsen nach Hause gefahren.

Ihr seid Freunde, die nun auch Geschäftspartner sind. Macht es das leichter oder schwieriger?

Emil: Sowohl als auch. Wir reden schon viel übers Geschäft. Gleichzeitig müssen wir aufpassen, dass wir im Büro nicht nur ständig über Privates quatschen.

Ihr wohnt auch noch zusammen. Ihr seht euch also nur nicht, wenn ihr schlaft.

Jacob: (lacht) Abends sind wir schon auch gerne mal für uns alleine. Und im Büro hat jeder von uns seine Aufgabenbereiche, sodass wir auch da nicht ständig aufeinanderhocken. Ich bin vorrangig fürs Marketing zuständig … Emil: … und ich betreue die IT und die ganze Administration – von Steuern bis Personal.

Was waren bisher die wichtigsten Learnings?

Emil: Dass man keine Angst haben sollte, Dinge direkt anzugehen. Manchmal macht es zwar Sinn, vorher noch mal einen Schritt zurückzugehen und mit etwas Abstand draufzukucken, aber uns hat es immer geholfen, direkt loszulegen. Und wenn man mal einen Fehler macht – auch nicht schlimm. Beim nächsten Mal ist man schlauer.

oak25.com


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2021. Das Magazin ist seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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