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Sternschanze

Was ist die Sternschanze? Vielleicht passt der alte Ausspruch „Klein aber oho“ am besten zu diesem Stadtteil zwischen Party, linksalternativer Szene und G20-Gipfel

Text: Felix Willeke

Nur 0,6 Quadratkilometer, so groß ist der Stadtteil Sternschanze. Zum Vergleich: Selbst die Hamburger Außenalster ist mehr als doppelt so groß. Zwischen Fernsehturm und Sternbrücke leben rund 8.000 Menschen und am Wochenende kommt ein Vielfaches der Bevölkerung obendrauf. Neben den vielen Menschen ist die Sternschanze vor allem eines: jung. Erst 2007 wurde aus dem historisch geteilten Gebiet zwischen dem ehemals dänischen Altona und Hamburg der Stadtteil Sternschanze. Wir machen uns jetzt zu einem Streifzug vom Sternschanzenpark (umgangssprachlich auch Schanzenpark genannt), über die verwunschenen Hinterhöfe und die besonders im Sommer gut bevölkerten Straßen bis zur stadtbekannten Sternbrücke und ins Karoviertel.

Schanzenpark

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Im Sommer lockt das Schanzenkino die Menschen in den Schanzenpark (Foto: Outdoor Cine)

Die knapp 12 Hektar große Parkanlage zwischen Schlump, Bahngleisen und der S-Bahn Sternschanze ist die grüne Lunge des Viertels. Der Name stammt dabei wie der Name des Stadtteils von Festungsbauten, die als Schanzen bezeichnet wurden. Mit 23 Metern liegt im Schanzenpark die höchste Erhebung des Stadtteils. Früher war diese „Schanze“ eine Verteidigungsanlage vor den Hamburger Stadtmauern – deren Wallanlagen heute noch an Planten un Blomen zu erkennen sind. Heute ist der Schanzenpark geprägt vom alten Wasserturm, den Sportanlagen des SC Sternschanze und den Menschen, die es vor allem im Sommer in den Park zieht. Kein Wunder, denn wenn die Tage am längsten sind, gibt es Musik und Literatur im Schanzenzelt. Dazu lädt alljährlich das Schanzenkino zu OpenAir-Filmabenden. Und mit dem Schrødingers gibt es einen der schönsten Open Air Locations der Stadt.

Politik

Politisch ist das Schanzenviertel links orientiert. So holte die Linke bei der Bundestagswahl 2021 mit fast 20 Prozent eines der hamburgweit besten Ergebnisse und die Grünen fuhren mit fast 50 Prozent sogar ihr stadtweit bestes Ergebnis bei den Zweitstimmen ein. Die CDU hingegen erhielt bei der Bundestagswahl 2021 im Stadtteil Sternschanze gerade einmal vier Prozent der Zweistimmen. Außerdem ist der Stadtteil seit den 1980er-Jahren maßgeblich durch das linke Kulturzentrum Rote Flora geprägt.

Die Rote Flora

Im Zentrum des Schanzenviertels steht die Rote Flora. Das seit 1989 besetzte Gebäude war früher ein Theater, später ein Kino und ab 1964 Standort der Warenhauskette 1000 Töpfe. Als schließlich Ende der 1980er-Jahre bekannt wurde, dass das Haus zu einem Musical-Theater umgebaut werden sollte, sorgte das insbesondere in der Hausbesetzer:innenszene der Hafenstraße und bei anderen linken Gruppen für Unmut. Auseinandersetzungen mit der Polizei und kleinere Anschläge auf die Baustelle folgten und der Investor zog sich zurück – das geplante Musical-Theater wurde stattdessen als Neue Flora an der Holstenstraße errichtet.

Der G20 Gipfel 2017 in unmittelbarer Nachbarschaft, ein No-Go für das linke Kulturzentrum Rote Flora (Foto: unsplash/Dyana Wing So)

Am 1. November 1989 erklärten Aktivist:innen die Flora für besetzt und das ist sie bis heute. Verwaltet wird das Haus zur Zeit formal von einer Stiftung. Einen Miet- oder Kaufvertrag für das linke Kulturzentrum gibt es nach wie vor nicht. Die Rote Flora ist seither ein Ort für politische Treffen, Aktionen, Partys und die kritische Auseinandersetzung mit der Stadt. Ein Vertreter sagte einmal gegenüber dem NDR, die Flora wolle „ein Stachel im Fleisch der Herrschenden sein“. Getreu diesem Motto widersetzte sie sich auch immer wieder der politischen Forderung nach einer Räumung, die besonders infolge der Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel 2017 noch einmal lauter wurde.

Gentrifizierung

Mittlerweile ist die Rote Flora aber auch ein Standortfaktor und damit Teil der Gentrifizierung des Stadtteils. Ein anderes Symbol für diesen Strukturwandel ist das Hotel im Schanzenpark. Vor über zehn Jahren wurde der alte Wasserturm umgebaut und auch hier gab es massive Proteste. Die linke Szene äußerte Bedenken ob des Vier-Sterne-Hauses in ihrem Viertel. Doch im Gegensatz zur Roten Flora setzten sich hier die Investoren durch und das Hotel eröffnete.

Eine solche Entwicklung ist typisch für eine Gentrifizierung, die häufig wie folgt abläuft: In einem Viertel siedelt sich durch günstige Mieten – oder wie im Fall der Flora durch Hausbesetzung – ein kreatives, häufig eher linkes Milieu an. Dieses macht das Viertel attraktiv für Investoren und es werden große Kapitalgeber angezogen. Diese kaufen Häuser, sanieren diese und erhöhen die Mieten – das kreative Milieu wird verdrängt. So ist es auch zum Teil auf der Sternschanze passiert. Seit Jahren werden immer wieder Gebäude mutmaßlich dem Verfall überlassen, Bewohner:innen müssen ausziehen und Neubauten werden erreichtet. So werden alt-eingesessene Bewohner:innen und Geschäfte verdrängt. Das Viertel wandelt sich mit der Zeit vom links-alternativen Viertel zum Party- und Ausgeh-Hotspot und weiter zum gehobeneren Wohnviertel.

„Wir wollen ein Stachel im Fleisch der Herrschenden sein“

Linkes Kulturzentrum Rote Flora

Kultur

Ein Wandel der langsam voran schreitet. Trotzdem hat sich die Schanze eines bewahrt: die Kultur. Denn Institutionen wie das 3001 Kino, eines der besten Programmkinos der Stadt, sind weiterhin hier zu Hause. Dazu kommen ein nahezu unbegrenztes kulinarisches Angebot und einiges der besten Partylocations der Stadt.

Restaurants

Nur wenige Meter hinter dem Schanzenpark eröffnet sich direkt hinter der Bahnbrücke ein Paradies für Freunde des guten Geschmacks. Kumpir, Omas Apotheke, indisches Essen, das Pamukkale und das Lokmam, schon auf den ersten Metern gibt es alles, was das Herz begehrt. Und wenn man von der Schanze spricht, gehören auch die Bullerei von Tim Mälzer, das Braugasthaus Altes Mädchen und die Ratsherren Brauerei mit dazu. Außerdem gehören Restaurants wie das Pamukkale oder schräg gegenüber das Lokmam zu den Top-Adressen für türkische Küche in Hamburg. Dazu kommt mit dem Jill einer der besten Pizza-Läden der Stadt, mit Erika’s Eck ein echter Klassiker, mit dem Berta Emil Richard Schneider ein richtiger Geheimtipp und den Royal Donuts auch noch etwas Süßes.

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Im Lokmam gibt es beste türkische Küche (Foto: Lokmam)

Nachtleben

Das Goldfischglas, die Rote Flora, der Waagenbau, das Fundbureau oder das PAL: Auf und rund um die Schanze finden sich einige der besten (Techno-)Clubs der Stadt. Feiern lässt es sich hier also ebenfalls bestens. Neben Partylocations hat aber auch die Kultur im Schanzenviertel sein Zuhause. Alles fängt mit der Rota Flora an und in direkter Nachbarschaft steht das Haus73. Vor einigen Jahren frisch renoviert, bietet es gutes Bier gepaart mit regelmäßigen Quizabenden im Galopper des Jahres. Dazu kommt all das, was hier entstanden ist: So gab es noch vor Jahren im Haus 73 das ehemals größte und unbekannteste Theaterfestival Norddeutschlands, das Kaltstart, und bis heute findet neben den regelmäßigen Singer- & Songwriter Slams auch der legendäre „Slam the Pony“-Poetry Slam statt.

Schulterblatt

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Das Schulterblatt ist das Zentrum des Schanzenviertels (Foto: Johanna Zobel)

Dieser Kulturelle Hotspot mit dem Haus73 und der Roten Flora befindet sich direkt am Schulterblatt. Die Straße zwischen Neuem Pferdemarkt und Max-Brauer-Allee kann getrost als Herz der Schanze bezeichnet werden. Im Norden lädt der breite Gehweg zum Verweilen ein und viele Lokale verlagern ihren Gastraum im Sommer nach draußen. Nur wenige Meter weiter gen Richtung Süden lohnt ein Besuch in der Buchhandlung im Schanzenviertel und wer direkt gegenüber neben Brunos Käseladen einen Blick in den Durchgang riskiert, entdeckt den Baschu. Der Baschu ist ein Spielplatz in einem der grünen Innenhöfe im Viertel. Wer Glück hat und eine Wohnung mit Balkon zu einem der Innenhöfe bewohnt, wird merken, wie ruhig und fast schon idyllisch die Schanze sein kann.

Sternbrücke

Aber auch abseits der Innenhöfe hat die Schanze ruhige Ecken. Hinter der Flora erreicht man durch den Flora-Park, vorbei am Kilimanschanzo (einer Outdoor-Kletterwand), die Wohnstraßen der Schanze. Hier gibt es noch echten Altbau, große Wohnungen und kleine Eckkneipen ohne Trubel und mit viel Ruhe. Wem das auf Dauer aber zu langweilig ist, der hat es nicht weit. Nur ein paar Meter die Stresemannstraße entlang und schon steht man unter der Sternbrücke im Nordwesten des Viertels. Ein fast schon legendärer Ort. Neben Clubs wie dem Waagenbau und dem Fundbureau gibt es hier mit dem Brückenstern eine der schönsten Jazz-Locations der Stadt.

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Die Beckstraße verbindet die Sternschanze mit dem Karoviertel (Foto: Mediaserver Hamburg)

Karolinenviertel

Wer nicht feiern, sondern Shoppen möchte, sollte sich im Fall der Schanze nach Südosten orientieren. Vom Neuen Pferdemarkt geht es vorbei an Zoë-Sofabars mit ihren Bedien-Robotern in die Beckstraße. In dieser Straße aus dem 19. Jahrhundert ist das Azeitona der perfekte Ort für einen Zwischenstopp. Gestärkt mit den wohl besten Falafeln der Stadt geht es über den Lattenplatz am Knust, vorbei an der Hanseplatte ins benachbarte St. Pauli. Direkt hinter der Brücke über die U3 zwischen U-Bahn Sternschanze und Feldstraße gelangt man ins Karolinenviertel.

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Das Karoviertel: Ein Muss für Fans von Vintage-Mode (Foto: Mediaserver Hamburg)

Im Norden begrenzt durch die Messe Hamburg und im Süden durch die Feldstraße haben sich im hier neben Jung von Matt, einer der größten Werbeagenturen Deutschlands, viele kleine Geschäfte niedergelassen. Im Karoviertel finden sich nicht nur einige der besten Plattenläden der Stadt, entlang der Marktstraße liegt ein Augenmerk ganz klar auf Vintage-Mode. Darüber hinaus gibt es aber auch neuen Chique wie bei Herr von Eden oder kleine Restaurants wie das Bodega Lima. Damit ist das Karoviertel der perfekte Abschluss oder ein wunderschöner Auftakt für einen Streifzug über die Sternschanze.


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Kino und Kultur sind zurück im Schanzenpark

Gab es im letzten Jahr nur Open Air Kino im Schanzenpark, sind jetzt auch die Konzerte und Lesungen im Schanzenzelt zurück

Text: Felix Willeke

Sommer 2019, der Geruch von Bier und frischen Pommes weht über die Wiese vorm Hotel im Schanzenpark und im Zelt feiert das JazzLab seine Sommersause. Viele sehnen sich seitdem nach diesem Gefühl: Sommer, Sonne und Konzerte. Jetzt ist es wieder soweit. Neben dem Kino kehrt auch das Schanzenzelt 2022 zurück in den Schanzenpark.

Den Auftakt macht am 2. Juni 2022 der Kanadier Sam Vance-Law, unter anderem gefolgt von Pohlmann´s Nachtschicht (3. Juni), Zeit für Zorn – die Türsteherlesung (17. Juni) und einem Highlight am 28 Juni: Dann kehrt die Lesebühne Randale&Liebe wieder zurück. Die selbsternannte „Literatur-Band Deluxe“, bestehend aus den Slammer:innen Fabian Navarro, Paulina Behrendt, Hinnerk Köhn und David Friedrich. Was einen erwarten kann? „Wir lesen Texte vor, machen Quatsch und sind lustig“, so Hinnerk Köhn via Instagram. Das Ganze Programm gibt es unter schanzenzelt.de.

Open-Air-Schanzenkino

Neben dem Schanzenzelt hat auch das Open-Air-Schanzenkino schon Tradition. Auch hier gibt es gute Nachrichten: Auch 2022 wird es im Schanzpark wieder Filme unter freiem Himmel geben. Start für die cineastische Open-Air-Saison ist der 30. Juni 2022, bis zum 4. September 2022 gibt es dann Klassiker und neue Filme im Schanzenkino. Das Programm wird ungefähr einen Monat vor Start bekanntgegeben.


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Sommerzeit ist Schanzenparkzeit

Musik, Artistik, Kinderunterhaltung. Einmal mehr haben die Macher vom Schanzenzelt im Park an der U Sternschanze ein großartiges Programm auf die Beine gestellt. Höhepunkt: die Rap-Show von Akua Naru.

Sommerzeit ist Schanzen­parkzeit, eh klar. Hipster, Yuppies, Kiddies, Omis und Opis treffen sich auch in diesem Jahr bei gutem Wetter auf den Wiesen des ewigen Szenevier­tels, in dessen Zentrum natürlich eins nicht fehlen darf: das Schanzenzelt. Schon von Wei­tem sind sie ein Hingucker, die gelben und roten Streifen der Dachplane, auch das blaue Vor­zelt strahlt einem entgegen. Es entsteht eine Zirkusatmosphä­re ohne Affen, Löwen und Ele­fanten, stattdessen mit einem erneut tollen Programm für alle Altersklassen. Logisch, dass es keinen passenderen Saison Opener geben kann als den clubkinder Kosmos (17.5.), gefolgt vom großen Hip­ Hop­Tanzabend, präsentiert von MC Rene am Tag darauf. In den zwei Zelt­-Monaten stehen fortan genreübergreifend zig empfehlenswerte Abende an, etwa der mit DeWolff (31.5.), die The Grand East als Support mit­ bringen, und Pohlmanns Nachtschicht (7.6.). Für die Kleinen gibt es die Circusschule TriBüh­ne (15.6., 30.6., 1.7.) und den Zir­kus Regenbogen (23.6.) – um nur zwei Highlights zu nennen.

Besonders eindrucksvoll verspricht das Konzert von Akua Naru (Foto) zu werden. Die US-­amerikanische Rappe­rin hat nicht nur ein besonderes Gespür für federleichte musi­kalische Arrangements, in de­nen HipHop auf Jazz, Blues und Soul trifft. Sie ist auch eine Mei­sterin in Sachen Lyrics. Eines ihrer textlichen Ziele: schwarzen Frauen eine Stimme geben. Narus Geschichten haben auch deshalb Hand und Fuß, weil sich die mittlerweile in Köln lebende Künstlerin bereits in ihrem Ur­banistik­ Studium in Camden, New Jersey mit den Faktoren be­schäftigt hat, die zur Benachtei­ligung von Menschen mit dunk­ler Hautfarbe führten und nach wie vor führen.

Und wem gerade nicht nach Konzerten und sonstigem Zelt­-Trara ist, der kann sich jeder­ zeit vor dem Ort des Geschehens auf den Liegenstühlen nieder­ lassen, in der einen Hand ein Kaltgetränk halten und mit der anderen durchs Gras fahren. Die Szenerie allein ist näm­lich schlichtweg ein Genuss.

Text: Erik Brandt-Höge

Schanzenzelt im Schanzenpark
17.5.-15.7.18


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Kilians. Comeback dank WhatsApp

Vor zehn Jahren erschien „Kill The Kilians“, das erste Album der blutjungen Dinslakener Band um Sänger Simon den Hartog. Der Beginn einer Achterbahnfahrt von einer Karriere: Thees Uhlmann übernahm das Management, Universal lieferte den Major-Deal, die Kilians gingen mit Coldplay auf Tour. So steil es bergauf ging, so rasant ging es auch wieder bergab.

Das Musikgeschäft hatte die Gruppe müde gemacht. 2013 gaben die Kilians ihr Ende bekannt. Für eine – vorerst – einmalige Tournee zum Debüt-Jubiläum ist sie nun zurück. Am 2. Juni werden sie im Hamburger Schanzenzelt spielen.  Ein Gespräch mit Simon (Foto Mitte) übers frühe Rockstarleben, Kapitulation und Comeback

 SZENE HAMBURG: Simon, was musste passieren, damit ihr euch wieder für eine Tour entscheidet? Ging es euch ums Geld? Um Aufmerksamkeit? Oder etwas ganz Anderes?

Simon den Hartog: (lacht) Um Geld ging es uns auf jeden Fall nicht, auch Geltungsdrang war kein Grund. Es war vielmehr so, dass sich ein sehr guter Freund von uns gewünscht hatte, drei Songs von uns auf seiner Hochzeit im letzten Jahr zu hören – und zwar live. Wir aus der Band hatten uns lange nicht gesehen, kamen dort wieder zusammen und haben darüber gesprochen, wie es uns mit dem Ende der Kilians so geht.

Und?

Wir waren alle Meinung, dass der Schlussstrich an sich richtig war, es aber doch sehr schade ist, dass wir seitdem gar nicht mehr so viel miteinander zu tun haben. Wir haben dann eine WhatsApp-Gruppe gründet und angefangen, an der Idee von neuen Konzerten zu arbeiten.

Folgten darauf strikte Proben? Die letzten sind ja schon eine Weile her.

Sagen wir es mal so: Man verlernt zwar nie das Fahrradfahren, aber durch die längere Pause fehlte uns natürlich die Routine. Deshalb hat erst mal jeder für sich seine musikalischen Hausaufgaben gemacht, und danach haben wir gemeinsam am Repertoire gefeilt. Jetzt freuen wir uns, dass es los geht und glauben an wirklich tolle Konzerte.

Habt ihr bei aller Euphorie auch wieder Gedanken an das Musikgeschäft, das euch damals so ermüdet hat? Du selbst hast es ja einst als „menschenfressend“ bezeichnet.

Das stimmt, aber ich meinte damit ja nur die Industrie, nicht die Musik und auch nicht das Touren. Gemeinsam unterwegs zu sein, fand ich immer total schön, und im Moment denken ich und die anderen auch nur daran.

Wagen wir doch mal einen Blick zurück. In einem Satz zusammengefasst, könnte man wohl sagen: Eure Karriere nahm von Beginn an ruckzuck an Fahrt auf, es ging steil bergauf, ebenso steil bergab und kam schließlich zur Stagnation.

Ja, so kann man es formulieren. Aus heutiger Sicht erscheint einem der Start tatsächlich als sehr steil. Damals haben wir das allerdings kaum realisiert. Ist ja oft so: Vom Aufstieg bekommt man selten etwas mit. Was einem von einer bestimmten Lebensphase eher in Erinnerung bleibt, ist das Gefühl von eben dieser Stagnation, vielleicht sogar Kapitulation vor den Mechanismen der Industrie und ein bisschen auch vor sich selbst. Uns fehlte am Ende einfach der letzte Push. Wir waren mit unserer Unzufriedenheit irgendwann zufrieden.

Zwischendurch jedoch muss es wie ein Rausch gewesen sein, etwa als ihr mit Coldplay auf Tour gegangen seid. Kamen da Gefühle von unkaputtbaren Rockstars auf?

Klar hat sich irgendwann etwas verändert. Als wir erfolgreicher und in der Öffentlichkeit erkannt wurden, sind wir in unserer jugendlichen Naivität auch mal abgedriftet, haben die Bodenhaftung verloren. Wir haben zu allem „ja, klar“ gesagt und überall gespielt, wo wir spielen konnten. Wir waren kleine Jungs auf einem riesigen Spielplatz. Wir haben uns wie Rockstars benommen, uns aber ehrlich gesagt nie wirklich wie welche gefühlt.

“Wir können jetzt ganz unbedarft an alles herangehen”

 

Bereut ihr etwas?

Wir würden manches sicher nicht wiederholen. Trotzdem finde ich: Man ist nur einmal jung, und in dieser Zeit darf man auch bestimmte Erfahrungen machen. Wenn man zum Beispiel auf einer Veranstaltung ist, auf der man sich nicht wohl fühlt, darf man sich auch mal daneben benehmen. Und wenn man jemanden scheiße findet, darf man ihm das auch sagen.

Vielleicht bewirken die Erfahrungen von damals auch eine gewisse Entspanntheit, wenn ihr jetzt wieder zusammen auf die Bühne geht.

Bestimmt. Wir haben in den frühen Jahren nichts versäumt und deshalb auch nicht mehr den unbedingten Drang, bestimmte Dinge erleben zu müssen. Wir können jetzt ganz unbedarft an alles herangehen.

Könnte dabei womöglich doch noch ein neues Album entstehen?

(überlegt lange) Wir spielen jetzt erst mal die Konzerte, und dann sehen wir weiter.

/ Interview: Erik Brandt-Höge /Alexander Malecki

 Save the Date: Schanzenzelt, 2.6.17, 20 Uhr

Start frei fürs Schanzenzelt

 Vom 18.05. – 2.07.2017 bietet das Schanzenzelt im  Sternschanzenpark wieder ein volles Programm. Der Vorverkauf hat bereits begonnen

Schanzenzelt

Die Kilians treten am 2. Juni auf.

Der Frühling klopft zaghaft an, und es hagelt Festival- und Konzerttermine in Hamburg. Auch das Schanzenzelt hat wieder einiges zu bieten. Start frei für Hamburgs Konzert- und Kulturzelt im Grünen. 

Den Startschuss geben am 18. Mai die Clubkinder mit der großen Clubkinder Zirkus-Gala.

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Die Clubkinder eröffnen das Schanzenzelt.

Und dann geht es Schlag auf Schlag.

Rodrigo González’ Musikfilm “El Viaje” wird gezeigt (19.5.), Viva Con Agua präsentiert den Live Art Battle “Secret Wars”(20.5.). Größen wie die Kilians (2.6.), Joseph aus den USA (20.6.) oder Keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen (16.6.) schauen vorbei. Felix Meyer & Project Ile treten ebenfalls auf (1.7.). Weitere Acts (Auswahl): Das BO+4, The Lytics (15.6.), Skampida (30.6.) oder Heinz Ratz.

Es wird bunt im Park. Fehlt nur noch die Sonne. Obwohl: Der Sommer, der wird groß in Hamburg. Egal, wie das Wetter wird!

Infos zum Programm und Tickets gibt es hier. / REM / Fotos: Carmen Jopek

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