Beiträge

ART OFF Hamburg: Rundgang OST

Der ART OFF Kultursommer beginnt mit Kunst-Spaziergängen im Hamburger Osten. Kunstwege verbinden zahlreiche Veranstaltungen, die im Umfeld der teilnehmenden Kunsträume und im Freien stattfinden. Sie führen durch Wandsbek, St. Georg, Rothenburgsort und Hammerbrook

Text: Isabel Rauhut
Fotos: Andreas Hornoff

 

Kunstaktionen in Eilbek, St. Georg, Münzviertel, Hammerbrook und Rothenburgsort bilden den Inhalt eines Kunstweges, den man sich selbst zusammenstellen kann. Der Kunstweg OST, der vom 30. Juli bis 1. August abzuspazieren ist, führt zum Schimmelmann-Mausoleum und zu mehr als 40 Ausstellungen, Aktionen und Schaufensterperformances. Von künstlerischen Spurensicherungen wird zu Art & Crime-Führungen flankiert.

In der Akademie der Künste wird der Einstellungsraum aus Wandsbek sein 20-jähriges Jubiläum feiern, in der Fabrik der Künste ist der Berufsverband Bildender Künstler mit seinen „Positionen“ zu Gast. Und wer sich beim Gehen begleiten lassen möchte, kann dies mit dem gleichnamigen Podcast der noroomgallery tun.

 

Hier ein paar Impressionen des Walks:

artoff_kunstwalk_c_a_hornoff8

artoff_kunstwalk_c_a_hornoff9

artoff_kunstwalk_c_a_hornoff3

ART OFF Walks: Wege zur Kunst

Im Hamburger Kultursommer – und darüber hinaus – führt die Initiative ART OFF mit „Wir sind hier“ zu spannenden Kunstorten, zu Ausstellungen, Performances und Aktionen

Text: Sabine Danek

 

Von Ost nach West, bis in die Nähe des Sachsenwalds, nach Bergedorf und über die Reeperbahn wieder zurück: Mit ART OFF, der Initiative von 20 unabhängigen Ausstellungsorten der Stadt, kann man durch den Hamburger Kultursommer flanieren. Und zwar zu Kunstorten, die abseits der etablierten Museen und Ausstellungshäuser liegen – und die seit Jahren gemeinsam für ihre Sichtbarkeit kämpfen.

Was OFF-Orte wie die Gängeviertel-Galerien, das Westwerk, Oel-Frueh, die noroomgallery, das Frappant und die ganzen anderen Hamburger Kunst-Places to be ausmacht, was sie zu bieten haben und auf was für eine vielfältige Weise sie miteinander vernetzt sind, das zeigen die ART OFF Rundgänge, die den Kultursommer bis in den September hinein feiern: Mit drei verschiedenen Art Walks und zwei Ausflügen an den Rand der Stadt, zu Fuß oder mit dem Fahrrad, auf jeden Fall aber in Bewegung.

 

Ausstellungen und Aktionen


All das startet mit dem Kunstweg OST (30.7.–1.8.), der zum Schimmelmann-Mausoleum und zu mehr als 20 Ausstellungen, Aktionen und Schaufensterperformances führt und von künstlerischen Spurensicherungen und von Art & Crime-Führungen flankiert wird. In der Akademie der Künste wird der Einstellungsraum aus Wandsbek sein 20-jähriges Jubiläum feiern, in der Fabrik der Künste ist der Berufsverband Bildender Künstler mit seinen „Positionen“ zu Gast. Und wer sich beim Gehen begleiten lassen möchte, kann dies mit dem gleichnamigen Podcast der noroomgallery tun.

Auch beim MITTE WALK (13.–15.8.), der vom Karoviertel aus zu Performances und Konzerten in Planten und Blomen führt, ins Gängeviertel und zum Wasser an dem das Westwerk liegt.
Überall weisen leuchtende gelbe ART OFF-Flaggen den Weg, es gibt eine interaktive Karte, Flyer, geführte Touren und ein Infomobil und immer ist der legendäre Kunst-Imbiss dabei – und hält auch bei den beiden Ausflügen an den Rand der Stadt Kunst für unterwegs bereit.

 

„Wir sind hier“

 

Der erste Ausflug bringt einen in die Nähe des Sachsenwalds zum Künstlerhaus Bergedorf (21.–22.8.), der andere ins Künstlerhaus Sootbörn (28.–29.8.) in Niendorf. Anfang September schließlich klingt der ART OFF Kultursommer mit dem Art Walk WEST (4.–5.9.) aus, der durch St. Pauli, Altona, Bahrenfeld und Ottensen führt, zum 8. Salon, dem Frappant und der Frise, durch die Große Bergstraße und die Reeperbahn, zu Ausstellungen und Aktionen – und zum Finale dessen genaues Programm noch bekannt gegeben wird.

Wendenstraße_If_you_love_for_

„If you love for“ für die Wendenstraße

So mitreißend und spannend das alles ist, heißt das ART OFF-Programm nicht ohne Grund „Wir sind hier“. Denn natürlich ist es auch eine Reaktion der erzwungenen Unsichtbarkeit der Künstlerinnen und Künstler und ihrer Arbeit während der Pandemie, und ihrem ökonomischem Desaster, das Covid-19 noch verstärkt – und erneut ans Licht gebracht hat. Das reicht von den Schwierigkeiten in die Künstlersozialkasse aufgenommen zu werden, zu Kunstförderungen, die gerade an diese Mitgliedschaft gebunden sind, von den Corona-Hilfen von Land und Bund, die viele Künstlerinnen und Künstler gar nicht erreicht haben zu der fehlenden Honorierung künstlerischer Arbeit und das auch von renommierten Museen. Dem allen stemmen sich die mehr als 400 Kulturschaffenden, Künstlerinnen und Künstler mit dem umfassenden Programm von „Wir sind hier“ entgegen. Und wie immer bei ART OFF ist der Eintritt frei!

ART OFF Kultursommer „Wir sind hier“: 30. Juli – 5. September


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Fotografie: Marion von der Mehden zeigt die Kraft des Sports

Die Hamburgerin Marion von der Mehden arbeitet seit 1991 als selbstständige Fotografin. Ihr neues Fotoprojekt „Sport und Integration“ zeigt in ruhigen Bildern die Schicksale mutiger Menschen und die Kraft des Sports

Interview: Mirko Schneider

 

SZENE HAMBURG: Bis Ende März wird Ihr Fotoprojekt „,Sport und Integration“ an den Messehallen entlang der Karolinenstraße zu sehen sein. Wie kam es dazu?

Es begann mit der Einladung zum Oberstdorfer Fotogipfel für den September 2020 durch Kurator Christian Popkes. Nach der positiven Resonanz auf das Projekt wollte ich unbedingt in Hamburg ausstellen. Die Messehallen als Ausstellungsort waren schon immer ein Traum von mir. Wir stießen bei der Hamburg Messe & Congress GmbH sofort auf Begeisterung.

Als Sie erfuhren, dass 2020 in Oberstdorf das Thema „,Sport“ lauten würde: Was haben Sie da gedacht?

Ich dachte spontan „Oje, ich bin doch keine Sportfotografin“. Actionfotos von Sportveranstaltungen konnte ich nicht anbieten. Doch dann überlegte ich, wie ich an das Thema herangehen könnte. So kam ich auf „Sport und Integration“.

Sport bedeutet ja schließlich viel mehr als Gewinnen oder Verlieren. Und Integration ist aktuell ein wichtiges Thema, wobei Sport das Potential hat, Integration gelingen zu lassen.

Für Ihr Fotoprojekt traten Sie direkt an 17 Sportlerinnen und Sportler heran. Welche Rolle spielte der Hamburger Sportbund?

Eine sehr wichtige Rolle. Der HSB, beziehungsweise das Team Integration durch Sport, fand die Idee sofort super, hat mich in jeder Hinsicht hervorragend unterstützt. Alle Vereinskontakte kamen über den HSB zustande.

Ich wusste auch vorher gar nicht, wie viel der HSB als Dachverband der Hamburger Sportvereine und -verbände eigentlich leistet. Ich habe mich mit deren Arbeit beschäftigt und fand viele der Angebote auch recht kreativ.

Zum Beispiel das „Fahrradtraining für Frauen“ im Rahmen des Programms „Integration durch Sport“. Hier hat mich die Geschichte der Ägypterin Dina sehr berührt, die als junges Mädchen nicht Fahrradfahren lernen durfte. Nun nimmt sie an einem der Kurse teil und ist sehr glücklich darüber.

 

„Jeder einzelne Mensch ist wichtig“

 

Welche Erlebnisse und Begegnungen haben Sie noch besonders bewegt?

Hier möchte ich ein Wort einfügen: uns. Denn Texterin Sarah Beckmann hat die Interviews geführt, aus denen die kleinen Textbaukästen zu den Fotos entstanden sind. Damit fielen wir in Oberstdorf übrigens total aus der Reihe. Aber diese kurzen Erklärungen waren nötig, um den Menschen auf dem Foto noch besser zu verstehen, ihm noch näher zu kommen.

Sarah und ich waren beeindruckt davon, wie wenig Berührungsängste es gab. Wir wurden stets wie gute Freunde aufgenommen. Sehr beeindruckend war Cricketspieler Said. Er wurde von den Taliban verfolgt und ist aus Afghanistan geflohen. Bis heute weiß er nicht, ob seine Eltern noch leben, und sie wissen nicht, ob er noch lebt. Ich bin selbst Mutter und das ist unvorstellbar für mich.

Oder Ali, ein Parkoursportler, der in Syrien zum Militär sollte. Er floh in einem Boot nach Lesbos. In Hamburg setzte er sein in Damaskus abgebrochenes Schauspielstudium fort, hat seit 2019 unter anderem Engagements am Schauspielhaus Hamburg. Und noch eine Sportart möchte ich herausheben: das Ringen.

Wieso?

Ich dachte immer, Ringer sind nur Muskelpakete. Aber die haben uns einen Handstand gezeigt, sogar einen Flic Flac. Wir sahen weichfließende, technisch perfekte Bewegungsabläufe des ganzen Körpers. Wir haben viele Informationen und einen spannenden Einblick in den Ringsport bekommen.

Sie haben alle Bilder in Schwarz-Weiß aufgenommen. Warum?

Wegen der Unterschiedlichkeit der Motive. Wir waren an so vielen Plätzen mit so vielen verschiedenen Bedingungen, da dachte ich: „Ich muss da irgendwie Ruhe reinbringen. Farbe ist hier nicht wichtig.“

Gibt es eine Botschaft, die Sie mit dieser Ausstellung den Menschen vermitteln möchten?

Ja. Jeder einzelne Mensch ist wichtig. Zusammenhalt, Teamgeist und Fairplay zählen. Im Sport und im Leben. Nicht die Hautfarbe, der Glauben oder die Kultur.


Sport-SZENE_01_21-1 SZENE HAMBURG SPORT, Januar 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Januar 2021 als Heft im Heft in der Februar Ausgabe SZENE HAMBURG im Handel erhätlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Hamburg-Flucht: Die besten Ausflugsziele ins Umland

Wer Hamburg  – trotz aller Schönheit – ein wenig satt hat, der sollte den Blick auf das schöne Umland der Hansestadt werfen. Hier sind fünf Tipps für Ausflüge und Aktivitäten, die eine dringend benötigte Stadtflucht versüßen und leere Akkus wieder aufladen.

*Anmerkung der Redaktion: Öffnungszeiten und Verfügbarkeit können aufgrund der Corona-Krise eingeschränkt sein

Text: Felix Kirsch

 

Pilates und Maislabyrinth auf dem Erlebnisbauernhof Almthof

Vor den Toren Hamburgs befindet sich in Ahrensburg ein Bauernhof der ganz besonderen Art. Auf dem Erlebnisbauernhof Almthof kann man den Stadtblues so richtig loslassen und sich den verschiedensten Aktivitäten hingeben und ein wenig Landluft schnuppern. Wer für einen Tag das Landleben genießen will, kann das mit der einen oder anderen Attraktion nochmal aufwerten. Mit Golf und Pilates könnt ihr euch körperlich ertüchtigen, während euch Hühner und Kühe über die Schulter gucken. Für das leibliche Wohl ist auch gesorgt: Nach dem Sport könnt ihr euch am sogenannten Regiomat verschiedenste regionale Köstlichkeiten wie Eier, Käse und Nudeln ziehen. An der Milchtankstelle könnt ihr frische Milch in Flaschen abfüllen und euch für die nächsten Wochen in der Stadt eindecken.

Besonders zu empfehlen ist das Almthofer Maislabyrinth, das zwischen Juni und September für Besucher geöffnet ist. Zu der Zeit schießt der Mais in die Höhe und man muss sich einen Weg durch das Corn Maze suchen. Als Belohnung für geduldige Besucher warten an bestimmten Checkpoints Gutscheine und Stempelkarten, die zum Beispiel im Hofcafé eingelöst werden können.

 

Kayak-Tour über die Dove-Elbe

Als Großstädter will man es oft nicht zugeben, aber auch wir brauchen doch manchmal eine ordentliche Portion Wildnis. Wer es satt hat, sogar auf dem Wasser das wunderschöne, aber ewig gleiche Panorama zu sehen, der sollte den Blick gen Osten richten. Die Dove-Elbe ist ein stillgelegter Seitenarm der Elbe, der vor Jahren renaturiert wurde. Hier gibt es Natur pur und man begegnet höchstens einer Hand voll Menschen. Also einfach das eigene Kayak (oder sonst irgendeine Art von Boot) schnappen und flussabwärts paddeln.

Versprochen: Nach dem Ausflug seht ihr Hamburg mit ganz anderen Augen, denn der Kontrast zur hektischen City ist echt krass. Alle Outdoor-Fans mit gültigem Angelschein dürfen übrigens sowohl vom Ufer als auch vom Boot aus den Fischen nachstellen. Auf der Plattform “HejFish”  kann man sich die entsprechende Angelkarte besorgen. Petri Heil!

Die Dove-Elbe hat für Naturfreunde einiges zu bieten. Foto: Felix Kirsch

 

Picknick an der Oberalsterniederung

Ein paar Kilometer nordöstlich von Norderstedt befindet sich das Naturschutzgebiet Oberalsterniederung. Wie der Name bereits verrät, ist diese Moorregion ein optimaler Rückzugsort für gestresste Großstädter, die einfach mal wieder in die Natur wollen. Feuchtgebiete durch kleine Alsterärme, saftig grüne Wiesen und Wald wechseln sich ab und bilden einen perfekten Lebensraum für Reptilien, Vögel und Fische. Die volle Dröhnung Natur.

Unser Tipp: Packt euch einen Picknickkorb zusammen, sucht euch einen ruhigen Platz und picknickt mitten im Grünen während ihr die Umgebung auf euch wirken lasst. Aber passt auf jeden Fall auf die geschützten Arten in diesem besonderen Gebiet auf. Auf der Website des NABU könnt ihr nachschlagen, auf welche Tiere ihr besonders Acht geben solltet. Mit einem Fernglas könnt ihr dennoch alle Eindrücke der Oberalsterniederung hautnah aufsaugen, ohne das empfindliche Ökosystem zu stören.

 

Radtour durch das alte Land

Als Radfahrer lebt man in Hamburg einen stressigen Alltag. Etwas entspannter geht es südöstlich der Elbe im alten Land zu. Auch wenn die Region für ihren Obstanbau bekannt ist, gibt es im alten Land mehr zu sehen als Apfelbäume. Mit dem Drahtesel geht es vorbei an alten Fachwerkhäusern, urigen Cafés und mitten durch die berühmten Obstplantagen hindurch. Auf der Tourismusseite des alten Landes könnt ihr euch je nach Präferenz eine Route aussuchen. Besonders beliebt bei Radfahrern ist die sogenannte Altländer Route.

Die Tour führt euch mitten durch das schönste Grün direkt zu kleineren oder größeren Sehenswürdigkeiten der Region. Unter anderem das Museum “Altes Land” oder die St. Matthias Kirche. Alle Wasserraten können beruhigt sein: Mit dem Rad seid ihr nie weit von der Elbe entfernt und überquert sie sogar hin und wieder mit Hilfe von Brücke oder Fähre. Auch das nächste Fischbrötchen ist nicht weit – die Fahrradwege führen euch ohne Umwege zum Matjesbrötchen, das ihr mit direktem Blick auf die Elbe verzehren könnt.

 

Im alten Land gibt es mehr als nur Apfelbäume zu sehen. Ein Besuch lohnt sich. Foto: Marek Studzinski via Unsplah

 

Corona-konform: Einfach mal losfahren!

In Zeiten von Social Distancing und Lockdowns kann der Alltag in den eigenen vier Wänden ganz schön aufs Gemüt schlagen. Spontanität gibt es so gut wie gar nicht mehr momentan. Deswegen hier ein Spezial-Tipp um die Sehnsucht nach Abenteuer zumindest ein wenig zu stillen. Schnappt euch euer Fahrrad oder das Auto und fahrt einfach los.

Macht euch keine Pläne, setzt keine Ziele, zwingt euch keine Aktivitäten auf. Fahrt einfach drauf los und haltet dort an, wo ihr gerade sein möchtet. Ob einsamer Waldsee, eine Schotterstraße, die parallel zum Weizenfeld verläuft oder direkt zum Strand. Bleibt spontan und erkundet trotzdem eure Umgebung. Vielleicht wartet dort das eine oder andere Mikroabenteur, das den Großstadtblues zumindest temporär heilen kann.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Runterkommen: 5 Spaziergänge ins Hamburger Umland

Vielen fällt in dieser Zeit die Decke auf den Kopf und ein Spaziergang in der Stadt gleicht einem Slalomlauf, wobei Abstand halten nicht immer möglich ist. Sich breitmachen und durchatmen geht hervorragend an diesen fünf Orten

 

Klövensteen

Von der Kreuzkröte geküsst

 

Kürzer als viele denken: 36 Minuten braucht man mit der S1 vom Hauptbahnhof bis nach Rissen. Und für die, die nicht wissen, wo Rissen liegt: Es ist der letzte westliche Hamburger Stadtteil vor Schleswig-Holstein. Und liegt direkt am Klövensteen, der sich über 513 Hektar bis ins benachbarte Bundesland erstreckt. Ein Mischwald wie er im Buche steht. Wer hier spazieren geht, läuft auf Moos, Sand oder Mulch und kleine, dichtbewachsene Pfade schlängeln sich durch das Gehölz. Man kommt an Teichen vorbei und gelangt auf Lichtungen. Natürlich sind auch gut ausgebaute Wanderwege vorhanden und Hamburgs größtes zusammenhängendes Reitwegenetz.

 

kloevensteen-c-hedda-bueltmann

Abstand ist hier kein Problem: das Schnaakenmoor im Klövensteen

 

Ein besonders schönes Fleckchen liegt im Südwesten: das Schnaakenmoor. Hier treffen Binnendünen auf Feuchtwiesen und Heidegräser, Kanäle ziehen sich durch das Hochmoor und in den unterschiedlichen Gräsern und Pflanzen hocken der Moorfrosch, die Kreuzkröte und Sumpfschrecke. Stundenlang kann man durch das rund 100 Hektar große und wunderschöne Naturschutzgebiet streifen, immer wieder Neues entdecken und zwischendurch am Bach die Picknickdecke ausbreiten – durchatmen und den Rest der Welt vergessen.

/ HED

 

Boberger Dünen

Natur pur mit Mindest­abstand

 

Ein Geheimtipp sind die Boberger Dünen schon lange nicht mehr: Das Naturschutzgebiet Boberger Niederung im Hamburger Südosten ist weitläufig, sehenswert und an Wochenenden durchaus rege besucht. Dennoch ist der Sicherheitsabstand von 1,5 Metern ohne Weiteres einhaltbar. Eine Dünenlandschaft gibt es hier tatsächlich noch – wenn auch längst nicht in dem Ausmaß einstiger Zeiten. Sie lässt eine abgesagte Fahrt an die Nordseeküste zwar nicht verschmerzen, wer aber den Sand an den Füßen entlang rinnen spürt, dem stellt sich immerhin eine Prise Strand-Feeling ein.

 

boberger-duenen

Dünen mitten in der Stadt? In Hamburg ist alles möglich

 

Jetzt einfach nach hinten auf die Dünenlandschaft fallen lassen, den mitgebrachten Apfelsaft aus dem Rucksack ziehen und die Sonne genießen: Das flenst! Einen Badesee gibt es hier auch. Ob dieser in absehbarer Zeit für Gäste nutzbar sein wird, ist hingegen fraglich. Zumindest kann man ihn ruhigen Schrittes umrunden und dabei den Anblick des funkelnden Wassers genießen.

Wer ausgedehntere Wanderungen schätzt, kommt hier voll auf seine Kosten: Vier Wanderwege stehen zur Auswahl. Für Radtouren ist die Boberger Niederung ebenfalls bestens geeignet: Wer auf zwei Rädern unterwegs ist, sieht auch mehr von der beeindruckenden Landschaft. Das Areal umfasst immerhin satte 350 Hektar. Wie auch immer man dieses Naturschutzgebiet erkundet: Nach dieser Tour dürfte jeder groggy sein.

/ MAG

 

Friedhof Ohlsdorf

Paradies für die Lebenden

 

Der Ohlsdorfer Friedhof darf ruhig mal ein bisschen angeben: Er ist nicht nur beliebte letzte Ruhestätte der Hamburger Prominenz und Hamburgs größte Grünanlage, sondern mit rund 390 Hektar Fläche auch der größte Parkfriedhof der Welt. Die überwältigende Größe garantiert auch eine gigantische Vielfalt – hier findet wirklich jeder das perfekte Stückchen Grünfläche zum Durchatmen. Geschichtsexperten können die vielen historischen Gräber und Mausoleen bestaunen (die im Übrigen auch sehr fotogen sind), Hobbybotaniker sich der Rhododendronblüte im Mai erfreuen und kleine Entdecker den Naturlehrpfad erforschen.

Kerzengerade Alleen und verschlungene Pfade führen vorbei an Blumengärten, Waldstücken, Tümpeln und Seen. Wer hin und wieder etwas vom Pfad abweicht, entdeckt alte, moosbewachsene Grabplatten, die von der Natur langsam zurückerobert werden. Neben der großen landschaftlichen Palette birgt die schiere Fläche des Ohlsdorfer Friedhofs noch einen ganz anderen Vorteil: Entzerrung. Da kann es schon mal vorkommen, dass man beim Streifzug über den Friedhof eine gute halbe Stunde keinem anderen Besucher begegnet.

 

friedhof-ohlsdorf

Nicht nur letzte, auch sonst prima Ruhestätte: der Friedhof Ohlsdorf

 

Dass die Besucher hier zur Ruhe kommen, wollte schon Friedhofsgründer Wilhelm Cordes, und gestaltete die Anlage nicht nur als Paradies für die Toten, sondern besonders für die Lebenden. Die vielen verschiedenen Friedhofsteile lassen sich am besten bei einem langen Spaziergang ohne festes Ziel erkunden, zur Sicherheit sollte man sich am Eingang aber doch eine Karte abstauben – sonst verliert man schnell die Orientierung. Wer möglichst viele Highlights abklappern will, kann auf den asphaltierten Straßen auch mit dem Fahrrad durch die Anlage fahren.

/ SHE

 

City Nord

Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein – und das fast allein

 

Wo kann man noch entspannt spazieren, zwanglos fotografieren und gedanklich philosophieren, ohne im ewigen Slalom um die entgegenkommenden Mitmenschen zu tänzeln? Unser Tipp: die City Nord. Hier ist am Wochenende niemand. Na gut: fast niemand, abgesehen von den wenigen dort ansässigen Bewohnern, einigen verirrten Städtern und unzähligen vorbeisausenden Fahrradfahrern. Wochentags befindet sich die Mehrheit der über 30.000 Beschäftigten, die hier normalerweise rein- und rauspendeln, im Homeoffice. Die City Nord, seit Jahren als karg, menschenfeindlich und von vorgestern tituliert, entpuppt sich nun als idealer Ort für ausgedehnte und entspannte Spaziergänge.

city-nord

70er-Charme in der City Nord

Architektonisch sind die Protzbauten aus den 60er und 70er Jahren imposant, fotografisch sind sie hochgradig interessant. Schilder informieren über die Entstehung und Besonderheiten der einzelnen Bürogebäude und veranschaulichen die funktionalistische Idee, die der City Nord zugrunde liegt. Im Fokus steht die, damals zukunftsweisende, heute anachronistisch anmutende Trennung von Arbeit und Wohnen. Das sieht und fühlt man nach nur wenigen Schritten. Es ist, als sei man in einer anderen Stadt, einer anderen Zeit, einer anderen Welt gelandet.

Einige Gebäude stehen unter Denkmalschutz, andere werden erneuert, abgerissen oder durch Neubauten ersetzt. Die City Nord: Das sind 120 Hektar zum Abschalten, Entdecken, Erlaufen und Erforschen. Eine Zeitreise in eine längst vergangene Epoche der Architektur und Großmannssucht.

Wer tiefer in die Geschichte dieses Stadtteils eintauchen will, dem sei der Bildband „City Nord“ der Autorin Sylvia Soggia und des Fotografen Thomas Duffé empfohlen. Dieser bietet erhellendeEinblicke in das Innere der unternehmerischen Schaltzentralen. Spätestens dann wird klar, dass manch architektonische Sünde in „Europas Modellstadt der Moderne“ nicht nur von außen sichtbar ist.

/ MAG

 

Wandse

Von der Mündung bis zur Quelle

 

Jeder weiß: Hamburg hat mehr Brücken als Venedig. Die dazugehörigen Kanäle, Bäche und Flüsse eignen sich hervorragend für lange Spaziergänge, im Hamburger Osten zu empfehlen: die Wandse. Der rund 20 km lange Fluss entspringt bei Siek in Schleswig-Holstein und schlängelt sich auf seinem Weg bis zur Mündung durch einige botanische Highlights.

wandse-c-sophia-herzog

Im Eilbek Park wird die Wandse zum Eilbekkanal

Erster Halt ist das Naturschutzgebiet Höltigbaum, ein ehemaliger Militärübungsplatz, der heute nicht nur eine große Vielfalt an Fauna und Flora beherbergt, sondern auch flauschige Galloway- und Highlandrinder. Über die Hamburger Stadtgrenze hinweg fließt die Wandse anschließend durch Rahlstedt, wo sie kurz unter dem hiesigen Einkaufszentrum verschwindet. Ab hier zieht sich die Wandse entlang einer grünen Ader vorbei am Friedhof Tonndorf, durch den Botanischen Sondergarten Wandsbek und den Eichtalpark bis zur S-Bahn-Station Friedrichsberg. Hier, im Eilbek Park, wird die Wandse zum Eilbekkanal und fließt durch den Kuhmühlenteich schließlich in die Außenalster.

Die gesamte Strecke von der Mündung bis zur Quelle wird zwar hin und wieder von Straßen unterbrochen, wer Kondition hat, kann sie aber trotzdem gemütlich mit dem Fahrrad abklappern. Für einen ausgiebigen Spaziergang lohnt sich der Streckenabschnitt zwischen den Bahnstationen Friedrichsberg und Tonndorf oder Rahlstedt.

/ SHE

 

FAQs: Spaziergänge in Hamburg

 

Welcher Spaziergang ist der Schönste?

Das kommt ganz darauf an, was euch gefällt: Wenn ihr Lust habt auf Wald und Moor, dann ist ein Spaziergang durch Klövensteen genau das Richtige für euch. Wenn ihr hingegen auf der Suche nach ein bisschen Urlaubs-Feeling seid, empfehlen wir euch die sandige Dünenlanschaft der Boberger Dünen. Und wer auf seinem Spaziergang Architektur bestaunen möchte, der sollte sich in der City Nord umschauen.

Welcher Spaziergang ist im Herbst am schönsten?

Wenn sich im Herbst die Blätter färben, solltet ihr euch einen Spaziergang durch Hamburgs bunte Wälder nicht entgehen lassen. Zum Beispiel durch das Waldgebiet Klövensteen mit seinen gut ausgebauten Wanderwegen, die euch sicher durch das Gehölz führen. Auch das Naturschutzgebiet Höltigbaum beherbergt eine große Vielfalt an Flora und Fauna.

Wie lange dauern die Spaziergänge?

Grundsätzlich könnt ihr in jedem Gebiet zwischen längeren und kurzen Routen wählen. Wer ausgedehntere Wanderungen schätzt, kommt in den Boberger Dünen voll auf seine Kosten: Vier Wanderwege stehen zur Auswahl. Für Radtouren ist die Boberger Niederung ebenfalls bestens geeignet. Auch im Schnaakenmoor kann man stundenlang durch das rund 100 Hektar große und wunderschöne Naturschutzgebiet streifen.

Welche Tiere und Pflanzen begegnen einem auf den Spaziergängen durchs Hamburger Umland?

Auf einem Spaziergang durch Klövensteen begegnen euch mit etwas Glück Moorfrösche, Kreuzkröten und Sumpfschrecken. Hobbybotaniker können sich bei einer Tour durch den Friedhof Ohlsdorf im Mai an der Rhododendronblüte erfreuen und bei einer Runde durch das Naturschutzgebiet Höltigbaum kommt ihr an den flauschigen Gallowayrindern vorbei.

Wie erreicht man die Spaziergang-Routen im Hamburger Umland?

Viele Naturschutzgebiete sing gut mit Bus uns Bahn zu erreichen. 36 Minuten braucht man mit der S1 vom Hauptbahnhof bis nach Rissen, wo man aussteigt, wenn man dem Waldgebiet Klövensteen einen Besuch abstatten möchte. Auch die Boberger Dünen sind nicht weit weg von der S-Bahn-Station Mittlerer Landweg. Und der Friedhof Ohldorf liegt nur ein paar Minuten fußläufig von der Bahn-Station Ohlsdorf entfernt.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2020. Das Magazin ist seit dem 30. April 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

O Alsterbaum: Die Tradition am Jungfernstieg

Wenn die Alsterfontäne ab- und die Alstertanne aufgestellt wird, heißt das: Weihnachten ist nicht mehr weit.

Text: Marie Filine Abel

 

Seit 1994 läutet die Sehenswürdigkeit Ende November die Adventszeit in Hamburg ein. Doch woher kommt die Tanne überhaupt? Mittlerweile kümmern sich das Bezirksamt Mitte und die Senatskanzlei um die Beschaffung der Alstertanne, davor lag diese Tradition lange Zeit in der Verantwortung der Stiftung Binnenalster.

Dieses Jahr kommt die circa 14 Meter hohe Nordmanntanne von dem rund 25 Kilometer entfernten Hof Oelkers in Klauenburg. Der Baum ist um die 30 Jahre alt und wurde vom bereits verstorbenen Hofbesitzer Joachim Oelkers eigens gepflanzt. Enkelin Angela führt die Familientradition weiter und war beim Fällen dabei, bevor die Tanne am 25. November per Schwertransport abgeholt wurde. Drei Tage später wurde sie mithilfe eines Krans am Jungfernstieg geschmückt, danach auf dem Ponton aufgestellt und anschließend auf die Mitte der Binnenalster gezogen.

Am 28. November, pünktlich um 16.30 Uhr fällt der Startschuss und die 775 Glühbirnen strahlen in die Stadt hinein – betrieben wird das Ganze übrigens mit 100 Prozent Ökostrom. Ist die besinnliche Weihnachtszeit wieder vorüber, wird die Alstertanne ordnungsgemäß in die Grünverwertung gebracht.

Hof Oelkers in Klauenburg (Gemeinde Wenzendorf)


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2019. Das Magazin ist seit dem 29. November 2019 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?