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Runterkommen: 5 Spaziergänge ins Hamburger Umland

Vielen fällt in dieser Zeit die Decke auf den Kopf und ein Spaziergang in der Stadt gleicht einem Slalomlauf, wobei Abstand halten nicht immer möglich ist. Sich breitmachen und durchatmen geht hervorragend an diesen fünf Orten

 

Klövensteen

Von der Kreuzkröte geküsst

 

Kürzer als viele denken: 36 Minuten braucht man mit der S1 vom Hauptbahnhof bis nach Rissen. Und für die, die nicht wissen, wo Rissen liegt: Es ist der letzte westliche Hamburger Stadtteil vor Schleswig-Holstein. Und liegt direkt am Klövensteen, der sich über 513 Hektar bis ins benachbarte Bundesland erstreckt. Ein Mischwald wie er im Buche steht. Wer hier spazieren geht, läuft auf Moos, Sand oder Mulch und kleine, dichtbewachsene Pfade schlängeln sich durch das Gehölz. Man kommt an Teichen vorbei und gelangt auf Lichtungen. Natürlich sind auch gut ausgebaute Wanderwege vorhanden und Hamburgs größtes zusammenhängendes Reitwegenetz.

 

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Abstand ist hier kein Problem: das Schnaakenmoor im Klövensteen

 

Ein besonders schönes Fleckchen liegt im Südwesten: das Schnaakenmoor. Hier treffen Binnendünen auf Feuchtwiesen und Heidegräser, Kanäle ziehen sich durch das Hochmoor und in den unterschiedlichen Gräsern und Pflanzen hocken der Moorfrosch, die Kreuzkröte und Sumpfschrecke. Stundenlang kann man durch das rund 100 Hektar große und wunderschöne Naturschutzgebiet streifen, immer wieder Neues entdecken und zwischendurch am Bach die Picknickdecke ausbreiten – durchatmen und den Rest der Welt vergessen.

/ HED

 

Boberger Dünen

Natur pur mit Mindest­abstand

 

Ein Geheimtipp sind die Boberger Dünen schon lange nicht mehr: Das Naturschutzgebiet Boberger Niederung im Hamburger Südosten ist weitläufig, sehenswert und an Wochenenden durchaus rege besucht. Dennoch ist der Sicherheitsabstand von 1,5 Metern ohne Weiteres einhaltbar. Eine Dünenlandschaft gibt es hier tatsächlich noch – wenn auch längst nicht in dem Ausmaß einstiger Zeiten. Sie lässt eine abgesagte Fahrt an die Nordseeküste zwar nicht verschmerzen, wer aber den Sand an den Füßen entlang rinnen spürt, dem stellt sich immerhin eine Prise Strand-Feeling ein.

 

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Dünen mitten in der Stadt? In Hamburg ist alles möglich

 

Jetzt einfach nach hinten auf die Dünenlandschaft fallen lassen, den mitgebrachten Apfelsaft aus dem Rucksack ziehen und die Sonne genießen: Das flenst! Einen Badesee gibt es hier auch. Ob dieser in absehbarer Zeit für Gäste nutzbar sein wird, ist hingegen fraglich. Zumindest kann man ihn ruhigen Schrittes umrunden und dabei den Anblick des funkelnden Wassers genießen.

Wer ausgedehntere Wanderungen schätzt, kommt hier voll auf seine Kosten: Vier Wanderwege stehen zur Auswahl. Für Radtouren ist die Boberger Niederung ebenfalls bestens geeignet: Wer auf zwei Rädern unterwegs ist, sieht auch mehr von der beeindruckenden Landschaft. Das Areal umfasst immerhin satte 350 Hektar. Wie auch immer man dieses Naturschutzgebiet erkundet: Nach dieser Tour dürfte jeder groggy sein.

/ MAG

 

Friedhof Ohlsdorf

Paradies für die Lebenden

 

Der Ohlsdorfer Friedhof darf ruhig mal ein bisschen angeben: Er ist nicht nur beliebte letzte Ruhestätte der Hamburger Prominenz und Hamburgs größte Grünanlage, sondern mit rund 390 Hektar Fläche auch der größte Parkfriedhof der Welt. Die überwältigende Größe garantiert auch eine gigantische Vielfalt – hier findet wirklich jeder das perfekte Stückchen Grünfläche zum Durchatmen. Geschichtsexperten können die vielen historischen Gräber und Mausoleen bestaunen (die im Übrigen auch sehr fotogen sind), Hobbybotaniker sich der Rhododendronblüte im Mai erfreuen und kleine Entdecker den Naturlehrpfad erforschen.

Kerzengerade Alleen und verschlungene Pfade führen vorbei an Blumengärten, Waldstücken, Tümpeln und Seen. Wer hin und wieder etwas vom Pfad abweicht, entdeckt alte, moosbewachsene Grabplatten, die von der Natur langsam zurückerobert werden. Neben der großen landschaftlichen Palette birgt die schiere Fläche des Ohlsdorfer Friedhofs noch einen ganz anderen Vorteil: Entzerrung. Da kann es schon mal vorkommen, dass man beim Streifzug über den Friedhof eine gute halbe Stunde keinem anderen Besucher begegnet.

 

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Nicht nur letzte, auch sonst prima Ruhestätte: der Friedhof Ohlsdorf

 

Dass die Besucher hier zur Ruhe kommen, wollte schon Friedhofsgründer Wilhelm Cordes, und gestaltete die Anlage nicht nur als Paradies für die Toten, sondern besonders für die Lebenden. Die vielen verschiedenen Friedhofsteile lassen sich am besten bei einem langen Spaziergang ohne festes Ziel erkunden, zur Sicherheit sollte man sich am Eingang aber doch eine Karte abstauben – sonst verliert man schnell die Orientierung. Wer möglichst viele Highlights abklappern will, kann auf den asphaltierten Straßen auch mit dem Fahrrad durch die Anlage fahren.

/ SHE

 

City Nord

Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein – und das fast allein

 

Wo kann man noch entspannt spazieren, zwanglos fotografieren und gedanklich philosophieren, ohne im ewigen Slalom um die entgegenkommenden Mitmenschen zu tänzeln? Unser Tipp: die City Nord. Hier ist am Wochenende niemand. Na gut: fast niemand, abgesehen von den wenigen dort ansässigen Bewohnern, einigen verirrten Städtern und unzähligen vorbeisausenden Fahrradfahrern. Wochentags befindet sich die Mehrheit der über 30.000 Beschäftigten, die hier normalerweise rein- und rauspendeln, im Homeoffice. Die City Nord, seit Jahren als karg, menschenfeindlich und von vorgestern tituliert, entpuppt sich nun als idealer Ort für ausgedehnte und entspannte Spaziergänge.

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70er-Charme in der City Nord

Architektonisch sind die Protzbauten aus den 60er und 70er Jahren imposant, fotografisch sind sie hochgradig interessant. Schilder informieren über die Entstehung und Besonderheiten der einzelnen Bürogebäude und veranschaulichen die funktionalistische Idee, die der City Nord zugrunde liegt. Im Fokus steht die, damals zukunftsweisende, heute anachronistisch anmutende Trennung von Arbeit und Wohnen. Das sieht und fühlt man nach nur wenigen Schritten. Es ist, als sei man in einer anderen Stadt, einer anderen Zeit, einer anderen Welt gelandet.

Einige Gebäude stehen unter Denkmalschutz, andere werden erneuert, abgerissen oder durch Neubauten ersetzt. Die City Nord: Das sind 120 Hektar zum Abschalten, Entdecken, Erlaufen und Erforschen. Eine Zeitreise in eine längst vergangene Epoche der Architektur und Großmannssucht.

Wer tiefer in die Geschichte dieses Stadtteils eintauchen will, dem sei der Bildband „City Nord“ der Autorin Sylvia Soggia und des Fotografen Thomas Duffé empfohlen. Dieser bietet erhellendeEinblicke in das Innere der unternehmerischen Schaltzentralen. Spätestens dann wird klar, dass manch architektonische Sünde in „Europas Modellstadt der Moderne“ nicht nur von außen sichtbar ist.

/ MAG

 

Wandse

Von der Mündung bis zur Quelle

 

Jeder weiß: Hamburg hat mehr Brücken als Venedig. Die dazugehörigen Kanäle, Bäche und Flüsse eignen sich hervorragend für lange Spaziergänge, im Hamburger Osten zu empfehlen: die Wandse. Der rund 20 km lange Fluss entspringt bei Siek in Schleswig-Holstein und schlängelt sich auf seinem Weg bis zur Mündung durch einige botanische Highlights.

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Im Eilbek Park wird die Wandse zum Eilbekkanal

Erster Halt ist das Naturschutzgebiet Höltigbaum, ein ehemaliger Militärübungsplatz, der heute nicht nur eine große Vielfalt an Fauna und Flora beherbergt, sondern auch flauschige Galloway- und Highlandrinder. Über die Hamburger Stadtgrenze hinweg fließt die Wandse anschließend durch Rahlstedt, wo sie kurz unter dem hiesigen Einkaufszentrum verschwindet. Ab hier zieht sich die Wandse entlang einer grünen Ader vorbei am Friedhof Tonndorf, durch den Botanischen Sondergarten Wandsbek und den Eichtalpark bis zur S-Bahn-Station Friedrichsberg. Hier, im Eilbek Park, wird die Wandse zum Eilbekkanal und fließt durch den Kuhmühlenteich schließlich in die Außenalster.

Die gesamte Strecke von der Mündung bis zur Quelle wird zwar hin und wieder von Straßen unterbrochen, wer Kondition hat, kann sie aber trotzdem gemütlich mit dem Fahrrad abklappern. Für einen ausgiebigen Spaziergang lohnt sich der Streckenabschnitt zwischen den Bahnstationen Friedrichsberg und Tonndorf oder Rahlstedt.

/ SHE


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2020. Das Magazin ist seit dem 30. April 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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O Alsterbaum: Die Tradition am Jungfernstieg

Wenn die Alsterfontäne ab- und die Alstertanne aufgestellt wird, heißt das: Weihnachten ist nicht mehr weit.

Text: Marie Filine Abel

 

Seit 1994 läutet die Sehenswürdigkeit Ende November die Adventszeit in Hamburg ein. Doch woher kommt die Tanne überhaupt? Mittlerweile kümmern sich das Bezirksamt Mitte und die Senatskanzlei um die Beschaffung der Alstertanne, davor lag diese Tradition lange Zeit in der Verantwortung der Stiftung Binnenalster.

Dieses Jahr kommt die circa 14 Meter hohe Nordmanntanne von dem rund 25 Kilometer entfernten Hof Oelkers in Klauenburg. Der Baum ist um die 30 Jahre alt und wurde vom bereits verstorbenen Hofbesitzer Joachim Oelkers eigens gepflanzt. Enkelin Angela führt die Familientradition weiter und war beim Fällen dabei, bevor die Tanne am 25. November per Schwertransport abgeholt wurde. Drei Tage später wurde sie mithilfe eines Krans am Jungfernstieg geschmückt, danach auf dem Ponton aufgestellt und anschließend auf die Mitte der Binnenalster gezogen.

Am 28. November, pünktlich um 16.30 Uhr fällt der Startschuss und die 775 Glühbirnen strahlen in die Stadt hinein – betrieben wird das Ganze übrigens mit 100 Prozent Ökostrom. Ist die besinnliche Weihnachtszeit wieder vorüber, wird die Alstertanne ordnungsgemäß in die Grünverwertung gebracht.

Hof Oelkers in Klauenburg (Gemeinde Wenzendorf)


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2019. Das Magazin ist seit dem 29. November 2019 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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