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Fast ein Vogelball: Federn richten

Karneval in Rio und Berliner Hipstertum treffen auf Fusion-Ambiente mit Queer-Faktor: Im zehnten Jahr des Bestehens stieg am 31. Juli die Pandemie-Edition des Vogelball Festivals

Text: Kevin Goonewardena
Fotos: Andreas Hornoff

 

Nach einem Jahr Pause hieß es auch dieses Jahr wieder „Ihr Vöglein kommet“ und auch wenn Corona-bedingt die Zuschauer:innenanzahl stark limitiert war, die Anwesenden genossen den Tanz zu elektronischen Klängen auf dem MS Dockville-Gelände in Wilhelmsburg sichtlich.

Schon von Anbeginn zeichnete die Veranstaltung im Hamburger Süden nicht nur der Umstand aus, dass der Begriff „Nachteule“ hier wortwörtlich genommen wurde: Bunte, ausgefallene, gekaufte, geliehene, selbstgemachte, wild kombinierte Kostüme und Schmuck garniert mit viel Schminke, Glitzer und Federn im Haupt, verwandelten die immer Farbenfrohen, genau wie graue Alltagsmäuschen aller Geschlechter in ravende Pfauen, Papageien oder quietschende Flamingos.

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Auch das Programm war nie, trotz deutlich elektronischem Einschlag, in eine stilistische Schublade, respektive ein Vogelnest gepresst. So bot sich auch bei der 2021er Edition ein wilder Genre-Mix der eingebettet in die Eckpfeiler Rap, Pop und elektronischer Musik die gegenwärtigen, progressiven Spielarten nicht nur im Line-Up als Gesamtes, sondern in der Musik einzelner Künstler:innen vereinte.

So brachten das Hamburger Kollektiv female treasure um Mariybu, die zu den vielversprechendsten Talenten am Rap-Kosmos überhaupt gehört und unlängst bei dem all-female Rap-Label 365XX ihren ersten Plattenvertrag unterschrieben hat, die Rapper:innen Ostberlin Androgyn, Possy-Gangmember Best Boy Electric, oder die Performance-Gruppe Cointreau On Ice mit ihrer Drag-Show nicht nur die Beine der Gäste zum Tanzen.vogelball_c_a_hornoff2

Schon immer war auch die von der Bühne in Texten, Kostümen, Performance aber auch in den zahlreichen Workshops, Panels und anderen Angeboten verbreitete queer-freundliche, Grenzen aufhebende, Individualismus lebende oder Probleme enttabuisierende Message beim Vogelball wichtiger Bestandteil des Konzeptes. Eine wichtige Veranstaltung, die 2022 hoffentlich wieder in voller Pracht erstrahlen kann.


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Virtual Clubbing: Futuristisches feiern

Läden zu, Tanzverbot, kein Ort zum Songs-Präsentieren. Nico Plagemann vom DJ-Duo Kollektiv Turmstrasse kennt das Problem. Für ihr neues Konzeptalbum „Unity of Opposites“ öffnen sie einen virtuellen Festival Space, samt Türsteher, Tanzfläche und eigenen Dance-Moves

Inteview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Nico, wann war euer letzter Auftritt vor Live-Publikum?

Nico Plagemann: Das ist ungef hr ein Jahr her. Wir haben schon zu Beginn der Pandemie beschlossen, nicht mehr zu spielen. Im April 2020 hatten wir noch eine wunderschöne Show in den Alpen. Mit getrenntem Dancefloor, Maskenpflicht und super viel Abstand. Das war sehr surreal und es war klar, dass es so nicht funktioniert.

Kennt ihr Beispiele aus dem Ausland, wie dort mit Veranstaltungen umgegangen wird?

Man sieht einiges auf Social Media. Wir sind eher zurückhaltend, wenn wir solche Bilder sehen: Der privilegierte DJ, der nach der Show nach Deutschland fliegt und beste medizinische Versorgung erwarten kann, wenn er sich ansteckt, spielt in Ländern deren Gesundheitssystem so unterversorgt und überlastet ist, dass Menschen wie die Fliegen sterben. Kellner, Zimmermädchen, Bar-Personal. Das sind die, die arbeiten, um zu überleben. Auf der anderen Seite ist es toll zu sehen, wie viele Veranstalter sich trauen, Konzepte zu entwickeln und sichere Partys veranstalten wollen. Das ist wichtig und einiges geht auf, wie das Beispiel aus England gerade zeigt.

Wie habt ihr die Pandemie bis jetzt überstanden?

Wir gehören leider zu den Künstlern, die wenig Hilfen bekommen haben. Ein Umstand der Bürokratie und weniger Voraussicht unserer Ministerien. Der Umgang mit dieser Pandemie hat gezeigt, dass auch ein sehr weit entwickeltes demokratisches und wohlhabendes Land eine ganze Menge falsch machen kann. Wir haben die Krise so weit überlebt, weil wir Rücklagen hatten, die wir uns über die letzten zehn Jahre aufgebaut haben. Das waren zum großen Teil Steuerrücklagen und Geld, was man für die Rente zurücklegt. Das ist jetzt weg. Es wird also spannend, ob wir überhaupt noch bis zum Ende des Jahres durchhalten.

 

Nur noch Wetterbericht und Nachrichten

 

Fehlt euch politische Unterstützung?

Wir wissen, dass alles im Rahmen der Kultur sehr, sehr gelitten hat. Klar ist, Kultur ist nicht systemrelevant, aber mich würde interessieren, was passiert, wenn wir mal alle kulturellen Inhalte für einen Tag abschalten. Zack: Musik aus, Filme, Serien, Shows weg, nur noch Wetterbericht und Nachrichten. Das kann sich keiner vorstellen, weil Kultur so allgegenwärtig in unserem Alltag verankert ist. Es ist essenziell für das Leben des modernen Menschen und aus diesem Blickwinkel hat die Politik versagt.

Kannst du der Zeit trotzdem etwas Positives abgewinnen?

Sicher, wir waren ja vorher ständig auf Tour. Auf einmal war sehr viel Zeit da, gerade auch für die Familie. Das war schön und tat der Seele sehr gut.

Und natürlich war Zeit ins Studio zu gehen. Wir haben uns komplett ausgeklinkt und einfach nur unser Ding gemacht. Vorher war immer irgendwie Druck und jetzt konnten wir mal wieder richtig loslassen.

Gibt es als DJ-Duo eine bestimmte Rollenverteilung?

Ja, das ist und war tatsächlich schon immer so bei uns: Ich mache Musik, Christian den Rest. Nein, im Ernst: Wir haben die letzten 15 Jahre zusammen getourt, gelebt und gearbeitet. Da hat jeder seine Stärken entwickelt und es hat sich wunderbar ergänzt.

Wir haben aber gemerkt, dass wir uns weiterentwickeln. Familie spielt eine große Rolle und gerade in der gezwungenen Auszeit, haben wir uns viele Gedanken um die Zukunft gemacht. Christian hat für sich beschlossen, erst einmal nicht mehr zu touren und sich um die Dinge im Hintergrund zu kümmern. Das bedeutet, der Hübsche aus der Band, ist jetzt nicht mehr auf der Bühne. Da müssen die Mädels ganz stark sein. Aber es geht um das Wohlbefinden, um das eigene Gleichgewicht, das ist wichtig und wir beide sind damit vollkommen fein.

 

 

Nach zehn Jahren gibt es ein neues Kollektiv Turmstrasse-Album. Warum erst jetzt?

Der Gedanke war schon länger da und auch Skizzen existierten. Aber es war nie der richtige Aufhänger oder Zeitpunkt da. Das klingt blöd, aber für uns ist ein Album wirklich etwas Besonderes. Vielleicht hat es deshalb so lange gedauert.

Könntest du den Sound in ein paar Sätzen beschreiben?

Man soll ja weniger über Musik reden und lieber hören. Aber wir glauben, das Album wird für viele ein Schock, weil der Sound schon sehr trocken und direkt ist. Wir nennen es spaßeshalber Small-Room-Techno, weil es nicht für die große Bühne gemacht ist. Wir hatten lange das Gefühl ein Album wäre nicht genug und spielen es ausschließlich live auf unserer Online-Stage. Das ist das eigentliche Konzept, es ist ein Live-Album. Angepasst in eine Covid-freie Online-Show.

Was bedeutet das?

Wir hatten schon einige Ideen, die ins Virtuelle gingen und mit meinem guten Freund Alex von der Agentur Demodern gesprochen. Im Winter 2019 erzählte er mir, dass sie an einer virtuellen Stage arbeiten. Unity of Opposites ist nun das Ergebnis vieler Stunden Arbeit und Liebe zu unserem Projekt und voll mit dem Unity-Gedanken. Wir sind erst am Anfang. Sowohl musikalisch als auch mit der Stage. Es ist also erst mal ein Konzeptalbum.

Die Stage, die Show, die Musik ist zusammengenommen das Album. Deshalb gibt es auch noch keinen Release-Termin. Aber einer der Grundgedanken war natürlich, Menschen in der Zeit von Covid zusammenzubringen und live spielen zu können.

 

Willkommen in der Zukunft

 

Wie funktioniert das genau?

Zunächst einmal heißt es sich pünktlich einloggen. Die Shows starten um 21 Uhr, ab 20.30 Uhr sind die Türen geöffnet. Man wählt einen Avatar und muss anschließend am Türsteher vorbei. Ist das geschafft, kann man mit anderen Partygästen interagieren, tanzen und chatten. Die Live-Show wird über zwei riesige schwebende Leinwände links und rechts vom Dancefloor angezeigt. Oder man klickt auf den Bildschirm, dann gibt es Kollektiv Turmstrasse pur auf Augen.

Im Bigscreen sieht man die Technik, das Licht, die Video-Show und mich beim Dancen und Schrauben. Wir möchten aber auch nicht zu viel verraten. Teil der Erfahrung ist es, das Ganze selbst zu entdecken.

Hast du bei der ersten Show die Reaktion der Gäste mitbekommen?

Natürlich, das war ja der Plan, live vor Publikum zu spielen. Es war ein Gänsehaut-Moment als ich anfing und der Chat förmlich explodiert ist. Man hat gleich gemerkt, welche Stücke mehr Feedback hatten. Das war also für mich sehr echt und live. Ich freue mich darauf, bei der nächsten Show noch direkter mit den Leuten interagieren zu können. Wir arbeiten daran, noch mehr Interaktionen für das Publikum zu ermöglichen.

Glaubt ihr, dass das Konzept Corona überdauern wird?

Wir denken ja. Es ist durchaus vorstellbar, das Streaming und virtuelle Clubs mehr Präsenz bekommen. Sei es, um Fans aus anderen Ländern an besonderen Events teilhaben zu lassen oder auch als virtuelle Kopie eines Clubs, der jedes Wochenende sein Programm online teilt. Und man muss festhalten, es ist positive Technologie. Es bringt Menschen zusammen. Der Grundgedanke ist richtig und somit ist es die Vorstufe zum Holodeck der Enterprise. Willkommen in der Zukunft!

Ihr wurdet kürzlich im Line-up für größere Festivals 2022 wie Hurricane veröffentlicht. Habt ihr noch Hoffnung für diese Saison?

Es gab und gibt immer wieder Anfragen. Aber: keine Impfung, keine Gigs. Hier geht es in erster Linie ums Reisen. Flugzeuge und Bahn sind gerade keine gute Idee. Wir denken nicht, dass wir dieses Jahr eine wirkliche Festival-Saison haben werden. Ich hoffe, dass Deutschland die Impfungen so schnell wie möglich durchbekommt und wir nächstes Jahr, quasi mit einem Raketenstart und ohne Sorge um die Gesundheit, die letzten zwei Saisons nachholen können.

Wir brauchen Schutz und jeder vollständig Geimpfte sollte wieder tun können, was er will. Vor allem die jungen Menschen brauchen jetzt wieder ihren Freiraum. Wir fordern also umgehende Impfungen für alle Party People und Kollektiv Turmstrasse-Fans.


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Meet the Resident – Cine

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: Cine von Drumbule Crew Hamburg und Friek Out Crew Rostock  – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman 

 

SZENE HAMBURG: Wie würdest du dein Sound beschreiben?

Drum and Bass (Neuro, Deep, Liquid).

Wann ist deine Lieblingsplaytime?

Jede Spielzeit hat seinen Charme und beinhaltet unterschiedliche Aufgaben. Am liebsten spiele ich aber ab zwei Uhr aufwärts.

Was war die bisher nervigste Gastfrage?

„Kannst du auch Musik aus den Charts spielen?“

Wann war dein letzter Gig vor Live-Publikum?

Bei der Drumbule im Hafenklang am 15.2.2020.

Welche ist deine Platte des Monats?

Die Platte „Gossip“ von Argonautiks.

Was war dein größter Moment als DJ?

Als ich gefragt wurde, ob ich Mitglied der Drumbule Crew werden möchte und alles was das mit sich brachte: Gemeinsame Momente bei Gigs, Festivals und privat.

Was ist für dich der (DJ-) Stream des Monats?

Der Drumbule Twitch-Kanal.

Hast du einen Wochenend-Tipp im Club-Lockdown?

Klubforward Hamburg.

Was vermisst Du aktuell am meisten?

Die vielen Menschen aus dem Hafenklang, lauter und fetter Sound aus guten Boxen, tanzen und auflegen vor einer tanzenden Meute.

 

Ein aktuelles Set von Cine hört ihr hier:

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2021. Das Magazin ist seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Nachtleben im Lockdown: „Clubs könnten Teil der Lösung sein“

Fenja Möller und Kai Schulz wurden vor einem halben Jahr neue Vorstandsvorsitzende des Clubkombinats. In SZENE HAMBURG sprechen sie über politische Forderungen, wie Clubs durchhalten und sich auf einen möglichen Neustart vorbereiten

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Fenja und Kai, Vorstand im Clubkombinat. Ein ruhiger Job in Zeiten von Corona?

Kai-Schulz

Mitbetreiber der Hebebühne: Kai Schulz

Kai: Im Gegenteil. Die Herausforderungen für die Clubs und somit auch für das Kombinat sind enorm. Es gilt der Politik klarzumachen, dass eine Unterstützung der Strukturen während, aber auch nach der Pandemie, notwendig ist. Auch sind Themen wie Schallschutz und Nachhaltigkeit aktueller denn je.

Fenja: Der neu gewählte Vorstand ist relativ jung und sehr motiviert. Es gibt digitale Treffen und wir diskutieren über unterschiedliche Dinge, um mit dem tollen Team hinter dem Clubkombinat die Szene in Hamburg zu unterstützen und zu stärken.

Mit welchen konkreten Zielen seid ihr angetreten?

Kai: Es geht um die Sicherung der Zukunft der Live-Kultur in Hamburg. Dazu gehören sowohl Fragen finanzieller, aber auch struktureller Natur.

Fenja: Ein großes Ziel ist natürlich, dass möglichst alle Clubs diese Zeit überleben. Aber auch die generelle Zukunft der Clubkultur ist ein großes Thema, denn auch vor der Pandemie hatten es Betreiberinnen und Betreiber nicht leicht. Aber auch Themen wie Awareness oder Inklusion möchten wir bearbeiten und hoffentlich verbessern.

 

„Zurzeit entstehen einige neue Kontakte zur Politik“

Fenja Möller

 

Was konntet ihr bereits in die Tat umsetzen?

Fenja: In Hamburg wurde sehr schnell der „Clubrettungsschirm“ entwickelt, der viele Clubs durch die jetzige Zeit hilft. Zurzeit entstehen einige neue Kontakte zur Politik, die uns in Zukunft hoffentlich weiterhelfen werden.

Kai: Das Clubkombinat ist unter anderem einer der Initiatoren für das „Forum Kultur und Kreativwirtschaft HH“, bei dem wir mit verschiedenen Akteuren aus der Stadt gemeinsame Positionen entwickelt haben, um in Richtung Politik klare Signale für die Zukunft unserer Branche zu geben.

Im ersten Lockdown gab es zahlreiche Solidaritätsaktionen. Auch Streaming war ein großes Thema. Warum ist es darum so ruhig geworden?

Kai: Es ist eine Zeitlang die einzige Möglichkeit gewesen, überhaupt Live-Musik einem Publikum zu bieten. Ein digitales Angebot zu haben, wird für einige Clubs in Zukunft ein Thema sein, auch wenn es jetzt aus diversen Gründen eher ruhig um Streams und auch damit verbundene Aktionen geworden ist.

Woran liegt das?

Fenja: Ein großer Beweggrund war, dass zumindest ein kleiner Teil der Crew wieder etwas Arbeit bekommen kann. Aber das Live-Erlebnis kann ein Stream einfach nicht ersetzen. So wie ich es mitbekomme, ist einfach bei vielen die Lust vergangen, sich Streams anzuschauen. Es ist sehr viel Arbeit, aber man hat trotzdem nicht die Viewerzahlen, die man gerne hätte.

Welche Soli­-Aktionen gibt es aktuell in Hamburg?

Fenja: Sehr viele Clubs haben ihr Merch-Angebot ausgeweitet oder besonderen Soli-Merch.

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Fenja Möller ist im Molotow zuständig für Booking und PR

Kai: Außerdem kann über die Clubstiftung gespendet werden. In unserem Shop gibt es diverse Artikel deren Erlös in die Stiftung gehen.

Wie steht es um den Rettungsfonds „Save our Sounds“?

Kai: Es sind ungefähr 300.000 Euro an Spenden gesammelt worden. An die Clubs wurden ungefähr die Hälfte davon ausgeschüttet. Einige haben damit zum Beispiel die Planung und Umsetzung ihrer Streams finanzieren können. Über die Clubstiftung stehen dementsprechend, unter anderem für die Förderung eines Neustarts, weitere 150.000 Euro zur Verfügung.

Wie bereiten sich die Clubs auf einen solchen Neustart vor?

Fenja: Ich glaube das variiert. Es wurden viele Hygienekonzepte entwickelt, andere haben sich durch Förderungen eine neue Lüftung einbauen lassen, in der Hoffnung, möglichst früh wieder zu öffnen.

Kai: Eine konkrete Programmplanung ist aufgrund der politisch getroffenen Entscheidungen aber nur schwer bis gar nicht möglich.

 

„Clubs sind Kultur – sie gehören zu der Identität der Stadt“

Kai Schulz

 

Was haltet ihr von den aktuellen politischen Öffnungsstrategien?

Fenja: Die Sicherheit aller steht bei den meisten Clubbetreiberinnen und Clubbetreiber an oberster Stelle. Für uns bedeuteten sie allerdings, dass die Clubs auf jeden Fall noch für eine lange Zeit keine „normalen“ Veranstaltungen anbieten.

Kai: Aus meiner Sicht reicht der aktuelle Stufenplan nicht aus. Ich verstehe das Bedürfnis nach Sicherheit, aber die genannten Zeiträume mit der Abhängigkeit einer stabilen Inzidenz, sind ein Signal an die Clubs noch lange geschlossen zu bleiben.

Sind Clubs nicht systemrelevant?

Kai: Wer entscheidet das? Clubs sind Kultur – sie gehören zu der Identität der Stadt und sind für unser kulturelles und speziell das Nachtleben prägend. Wir dürfen auch nicht die Menschen vergessen, die das ganze System tragen. Die Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne, die Fachkräfte und die meist über Jahre gewachsenen Teams. Clubs bieten Menschen soziale Kontakte, sind eine kreative Plattform und verbinden Generationen und gesellschaftliche Schichten. Wenn man mich fragt, ist genau das relevant.

Fenja: Viele, die in der Branche arbeiten, machen dies zum Großteil nicht aus finanziellen Gründen, sondern aus Überzeugung. Für uns sind Clubs systemrelevant, weil sie das Kulturangebot der Stadt stark prägen und für Menschen ein Ort sind, um Musik und Kultur immer wieder neu zu entdecken.

Welche Forderungen habt ihr an die Politik?

Kai: Wir brauchen jetzt und wenn wir wieder öffnen, weitere finanzielle Unterstützung. Außerdem haben wir den Vorschlag gemacht, einige wenige Clubs als Pilotprojekte zu öffnen, um gemeinsam mit der Politik und Wissenschaft Erkenntnisse über die wirklichen Auswirkungen von Live-Veranstaltungen zu bekommen. Die Ergebnisse können Grundlage für andere politische Entscheidungen sein, welche eine Rückkehr zu einer sicheren und lebendigen Clubkultur erlauben würden.

Fenja: Wir haben im letzten Jahr gesehen, dass es viele illegale Veranstaltungen gab. Der Drang auf eine Party zu gehen, war größer als die Vernunft und das wird wahrscheinlich dieses Jahr auch passieren. Wenn die Clubs öffnen und die Leute vorher getestet sind, werden Menschen die positiv sind sofort erkannt. So könnten Clubs ein Teil der Lösung sein.

 

Der Rettungsschirm

 

Wie lange können die Hamburger Clubs noch durchhalten?

Fenja: Ein Großteil fällt unter den Rettungsschirm der Kulturbehörde. Solange es diese Förderung gibt, werden zumindest die Fixkosten gedeckt. Es wird aber sehr lange dauern, bis wieder Normalität in unserer Branche herrscht. Bis internationale Bands wieder auf Tour gehen. Und selbst wenn, werden alle auf einmal touren und für ein Überangebot sorgen. Zum anderen sehen wir leider, dass einige Kolleginnen und Kollegen sich in andere Branchen weiterentwickelt haben.

Kai: Zudem gibt es die Herausforderung, das Besuchervertrauen neu zu gewinnen.

Weil sich das Ausgehverhalten der Menschen verändert haben wird?

Kai: Ich denke es wird einige geben, die wieder generell Vertrauen in geschlossene Räume mit vielen Menschen finden müssen. Aber auch viele, die es kaum abwarten können wieder zurück zu diesem Gefühl der Nähe und Verbundenheit zu kommen.

Fenja: Vor allem die Masse an Konzerten im Jahr 2022, die dann hoffentlich stattfinden, wird noch mal eine Bewältigungsprobe sein, bei dem sich viele entscheiden müssen, zu welchem Konzert sie gehen und welche sie aus finanziellen und zeitlichen Gründen nicht wahrnehmen können.

Wie steht es um eure eigenen Läden, Hebebühne und Molotow?

Kai: Die Hebebühne wird derzeit durch den Rettungsschirm am Leben erhalten. Kein schönes Gefühl, aber eine Alternative gibt es bei den derzeitigen Entscheidungen der Politik zumindest für uns keine. Unser Team konnte im Sommer 2020 zum Glück Outdoor bei der „Eulenhofsession“ wieder Musik auf die Bühne bringen. Auch in diesem Sommer hoffen wir, dass wir ein Programm in unserem Hof anbieten können.

Fenja: Auch das Molotow fällt unter den Rettungsschirm. Aber auch wir waren immerhin in der Lage letztes Jahr einige Outdoor-Konzerte anzubieten und dadurch einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beschäftigen. Und natürlich hoffen wir auch demnächst wieder Outdoor-Konzerte, unter den aktuellen Bestimmungen, veranstalten zu können.

clubkombinat.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2021. Das Magazin ist seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Meet the Resident – Xenaia

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: Xenaia von female:pressure – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman 

 

SZENE HAMBURG: Wie würdest du dein Sound beschreiben?

Meinen Sound würde ich mittlerweile als technoid, hypnotisch beschreiben. Ich arbeite mit repetitiven Elementen und baue gerne alte Klassiker in meine Sets ein. Grundsätzlich finde ich es aber schwierig in Schubladen zu denken und halte es mir offen, während eines Sets im Club anders zu reagieren, als ich es vielleicht geplant hatte.

Wann ist deine Lieblingsplaytime?

Main-Time und Closing.

Wann war dein letzter Gig vor Live-Publikum?

8. März 2020, im Rahmen des Weltfrauentages im Bahnwärter Thiel (München) mit Elliver und Nadine von Qualitytime Booking in Berlin. Die Veranstaltung bestand aus einer Podiumsdiskussion zum Thema Awareness Strukturen in Deutschland und einer Nacht mit viel guter Musik.

Was ist für dich der (DJ-) Stream des Monats?

Das kommt ganz auf die Stimmung an. Aber an dieser Stelle empfehle ich mal meine Freunde von der Bladehouse Crew die jetzt ihre zweite Platte rausgebracht haben und einen stabil groovigen Output an Podcasts haben. Außerdem erwähnenswert ist das Label „ohne kommerziellen Wert“. In der Lockdown Zeit habe ich wohl aber am meisten Sets von Jan Kinsey gehört.

Welche ist deine Platte des Monats?

Ich höre momentan viele Musikrichtungen. Corona made me do it! Aber mein absoluter uplifiting Track ist: „Bonobo & Totally Enormous Extinct Dinosaurs – Heartbreak (Kerri Chandler Remix)“

Was war dein größter Moment als DJ?

Schwierig zu sagen, da ich so ungern vergleiche. Es war mir eine Ehre 2014 nach Sven Väth den Club übernehmen zu dürfen. Selten so viel Aufregung vor einem Gig gehabt. Außerdem spiele ich immer wieder gerne im Südpol und hänge dort sehr an unserer Crew.

Hast du einen Wochenend-Tipp im Club-Lockdown?

Hamburg hat schöne Ecken die man mal erkunden sollte. Außerdem Projekte anfangen, die liegen geblieben sind: Musik machen, sortieren, entdecken und in Rave-Erinnerungen schwelgen, um die Zeit bis zum nächsten Club Besuch zu überbrücken.
 

Ein aktuelles Set von Xenaia hört ihr hier:

 


SZENE-März-2021 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Februar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Meet the Resident – Jagu

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: Jagu von Kaetana Records– präsentiert von hamburg elektronisch

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman 

 

SZENE HAMBURG: Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Techno, Deep, und hypnotisch. Teilweise von Trance beeinflusst.

Wann ist deine Lieblingsplaytime?

Ich spiele gerne immer ab 4:00 Uhr.

Wann war dein letzter Gig vor Live-Publikum?

Das war im KitKat Club in Berlin. Eine Woche danach mussten sie schließen wegen Corona. Ich muss immer noch weinen, wenn ich daran denke.

Hast du einen Stream des Monats?

Inhalt der Nacht @ Altes Kraftwerk Rummelsburg, Berlin.

Und eine Platte des Monats?

ANO V-I von Cadency und Hector Oaks

Was war dein größter Moment als DJ?

Das war im Room II vom PAL und ich habe spontan mit DJ Tennis B2B gespielt. Er war, als ich jünger war, einer meiner Idole.

Wochenendtipp im Club-Lockdown?

Alleine schöne Musik hören, gute Drinks genießen und hoffen, dass die Clubs bald wieder aufmachen.

Ein aktuelles Set von Jagu hört ihr hier:

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Januar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Open Air: In Hamburg City herrscht Tanzverbot

Veranstaltungen unter freiem Himmel sind unter strengen Auflagen erlaubt. Doch was bedeuten diese Einschränkungen für die Technoszene und wie ergeht es freien Veranstaltern ohne festen Club? SZENE HAMBURG sprach mit Jörn Behrens, der seit 2011 mit Tekkno ist Grün elektronische Freiluft-Partys verantwortet

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Jörn, vom kleinen Rave zum großen Techno-Festival. Im nächsten Jahr feiert ihr Zehnjähriges. Wie hat sich Tekkno ist Grün seit der Gründung entwickelt?

Jörn Behrens: Unser erstes Open Air war Tanzen & Pflanzen gegenüber der alten Schule Neuhof in Wilhelmsburg. Heute ist der Bolzplatz dort leider abgesperrt, weil danach zu viele unangemeldete Partys stattgefunden haben. Ab 2012 gab es das Hafengrün Festival auf dem ehemaligen Werftgelände am Neuhöfer Damm 98. Seitdem haben wir mit der Oster Air, dem Liebe Bass Freiheit Festival oder Tekkno am Teich weitere Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Und es gab es zahlreiche Gastproduktionen wie die Stil vor Talent, Katermukke oder Senso Sound Festivals.

Welche Highlights fallen dir spontan ein?

Die Oster Air 2016 und 2019 waren die besucherstärksten mit vielen Tausenden Menschen. Für mich persönlich war das Liebe Bass Freiheit Festival 2018 unsere schönste und aufwendigste Produktion, an denen über 200 Menschen mitgewirkt haben.

Unser Konzept war es immer, eine gesunde Mischung aus angesagten und etablierten Künstlern zu präsentieren, aber auch recht frische Locals, und ein paar interessante, auch internationale, Gast-Acts einzuladen. Durch die Gastproduktionen haben in den letzten Jahren sehr hochkarätige Künstler auf unserer leider nun ehemaligen Location performt.

Wieso ehemalig?

Die Hamburg Port Authority (HPA) hat sehr plötzlich und unerwartet im letzten Winter das Gelände gekauft. Dahinter stecken kurz-, mittel-, und langfristige Planungen. Die kurzfristige Absage kam unerwartet und hat uns überrumpelt. Wir sind von längerfristigen Planungen ausgegangen, welche mit dem Abriss der Köhlbrandbrücke und der Neuentwicklung des gesamten Quartiers zusammenhängen.

Nun ist aber ein konkreter Flächenbedarf für ein bestimmtes Hafenunternehmen entstanden. Alles etwas kompliziert, und die Tatsache, dass wir uns im Hafengebiet befinden, macht es rechtlich unmöglich, Einspruch einzulegen.

 

Dann kam Corona

 

Dass es an dieser Stelle irgendwann nicht weitergeht, war aber keine Überraschung, oder?

Wir wussten, dass es ein Ende auf der Location geben wird, aber nicht so plötzlich. Wir waren immerhin acht Jahre vor Ort, hatten mit drei bis fünf weiteren Jahren gerechnet. Ironischerweise ist uns ein sehr netter Mensch aus der Bauprüfabteilung der HPA in all den Jahren viel entgegengekommen. Und nun ist es auch die HPA, eine andere Abteilung, die es beendet, ohne Chance auf weitere Verhandlungen.

Und dann kam die Pandemie … Welche eurer Veranstaltungen sind durch Corona ausgefallen?

Im Grunde ist uns die Möglichkeit genommen worden, unser Finale auf dem Neuhöfer Damm zu zelebrieren. Das ist wirklich schade. Wir haben den ganzen Winter lang mit der Kulturbehörde und der HPA verhandelt und hatten einen letzten Deal für eine Nutzung der Fläche bis zum 30. Juni. Insgesamt ist die Oster Air 2020 ausgefallen, das neun Jahre alte Tekkno ist Grün Festival und drei Gastproduktionen.

Konntet ihr eure laufenden Kosten überbrücken?

Zum größten Teil sind dies Gelände- und Lagerkosten. Feste Mitarbeiter gab es in Form von 450-Euro-Jobs über den Sommer. Wir arbeiten viel mit Freiberuflern und privaten Freunden. Daher trifft es uns nicht ganz so hart, da keine weiteren Verpflichtungen bestehen. Die Mietkosten und ein paar weitere Kosten für die Saisonvorbereitung konnten durch die Soforthilfe gedeckt werden. Wie es finanziell weitergeht ist noch nicht ganz klar, aber wir nutzen die Zeit, um uns auf die Zukunft vorzubereiten.

Habt ihr weitere Hilfen in Anspruch genommen? In der Clubszene gab es ja zahlreiche Spendenaktionen.

Nein, daran hatten wir kein Interesse. Wir schätzen das Engagement dahinter, auch die Streaming-Aktionen, richten unseren Fokus aber lieber darauf, wie es draußen weitergehen kann. Das würden wir uns im Clubkontext auch mehr wünschen: Vorhandene Kapazitäten mehr in diese Richtung bündeln.

Für Tekkno am Teich in Harburg hattet ihr ein umfangreiches Corona-Konzept ausgearbeitet. Wie sähen Technopartys im Sommer 2020 aus?

Getrennte Platzbereiche für jeweils mehrere Menschen, ähnlich eines Bestuhlungsplans mit Mindestabstand und allen geforderten Hygieneanforderungen. Inklusive Besucherführung im Einbahnwegesystem, ausreichend Wartezonen, Kontaktdatenaufnahme, viel Sicherheitspersonal, durchgehende Desinfektion von sanitären Einrichtungen und Bereitstellung von Desinfektionsspendern.

Für die Tanzfläche haben wir uns an einem Konzept aus Münster orientiert, was dort vor ein paar Wochen stattfinden konnte. Es basiert auf kreisförmigen Bodenmarkierungen für jeweils eine Person als Tanzbereich und ebenfalls mit Mindestabstand. So hätten abwechselnd über 70 Personen tanzen können. Die gesamte Flächenkapazität war für maximal 550 Gäste ausgelegt, entsprechend der maximalen Kapazität der Platzbereiche.

 

„Wir müssen uns alle gemeinsam trauen wieder etwas zu wagen“

 

Warum habt ihr euch am Ende dagegen entschieden?

Wegen des allgemeinen Tanzverbots, welches auch nach den Lockerungen am 1. Juli seine Gültigkeit hat. An sich hätte die Veranstaltung stattfinden können. Man darf auf seiner Decke sitzen oder mit mehreren Personen stehen – aber nicht tanzen. Nicht unbedingt logisch, aber es ist nun mal im Moment noch so.

Wir hatten dann eine Umfrage auf Facebook gemacht. Das Ergebnis war sehr konstruktiv und zahlreich, aber klar mit der Tendenz, dass es keinem Menschen wirklich Spaß machen würde. Dann lieber abwarten und auf den September hoffen. Wir haben noch eine Terminreservierung für den 12. September auf der Freilichtbühne im Harburger Stadtpark.

Was müsste passieren, damit eine nächste Veranstaltung stattfindet?

Ganz klar: Aufhebung des Tanzverbotes mit der neuen Corona-Verordnung ab September. Die aktuelle Formulierung ist einfach zu allgemein ausgeführt. Man hätte in jeden Bereich genauer reingehen und differenzierte Lösungen finden müssen.

Was wünscht ihr euch von den Behörden?

Mehr Flexibilität und die Bereitschaft, ebenfalls Verantwortung zu übernehmen. Wir müssen uns alle gemeinsam trauen wieder etwas zu wagen. Wir bedauern sehr, dass unsere Veranstaltung im Juli nicht stattfinden konnte. Alle anderen Punkte des Konzepts wurden ohne Beanstandung durch das Gesundheitsamt freigegeben.

Gescheitert sind wir an der für Deutschland leider so üblichen verhärteten Bürokratie, da Tanzen gerade grundsätzlich verboten ist. Auch dann, wenn man sich die Mühen gemacht hat, ein absolut sicheres Konzept auszuarbeiten. Das ist ein sehr starres und hinderliches Verhalten für den gesamten Entwicklungsprozess.

Gibt es trotzdem weitere Pläne für den Sommer?

Das ist ein spannendes Thema. Bisher sind die Aussichten, einen gleichwertigen Platz innerhalb Hamburgs zu finden, mehr als schlecht. Es gibt einfach keine freien Flächen. Das hat der Senat leider verschlafen und die Situation immer noch nicht erkannt. Letzte verbleibende Freiflächen werden der Kultur ersatzlos entzogen. Gerade in jetziger Hinsicht absolut unverständlich, da Open-Air-Flächen wegen Corona nun einen besonderen Stellenwert bekommen, um erste kulturelle Öffnungskonzepte zu ermöglichen.

Wir möchten unsere Projektaktivitäten innerhalb Hamburgs gerne weiterhin halten und versuchen, die Oster Airs in den nächsten Jahren auf einer anderen Location fortzuführen, sowie auch weiterhin die Tekkno am Teich in Harburg. Aber das alles hat uns dazu gebracht, den Blick etwas weiter zu werfen. Tatsächlich haben wir nun etwas gefunden. Etwas abseits von Hamburg, Richtung Osten. Der Plan ist es, auf dem Grundstück langfristig zu wohnen, zu arbeiten und auch Veranstaltungen und Projekte durchzuführen. Wir haben noch kein finales Go, aber bereits ein gutes Stück geschafft und sind optimistisch.

 

 

facebook.com/tekknofanpage


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Meet The Resident – Stromschienen Syndikat

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Resident-DJs vor, diesmal: Stromschienen Syndikat (Ok 21 records) – präsentiert von Hamburg Elektronisch.

 Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

 

SZENE HAMBURG: Wie würdet ihr euren Sound beschreiben?

Stromschienen Syndikat: Miami Bass vs. Detroit Elektro.

Was war die bisher schrecklichste Gastfrage?

„Habt ihr auch Goa?“

Welcher war euer größter Moment als DJ?

Wahrscheinlich ein Rave in einer stillgelegten Panzergarage: 600 Leute, 14 Kilowatt-Anlage und die Honks vom Ordnungsamt haben sogar die Miete gezahlt, ohne dass sie es wussten (lachen).

Welche ist für euch die Platte des Monats?

Scheissegal (von uns).

Auf wen sollte man momentan ein Auge haben?

Ok 21 records, Erotic Toy, Raw Suppliers und Produzenten wie Lobi, En Rie und Lord Sesshomaru. Es gibt viel, was gerade an die Oberfläche kommt!

Hamburgs Stärken?

Schöne U-Bahnen, tolle und atmosphärische Spots und viele ambitionierte Leute – in welcher Hinsicht auch immer.

Und Schwächen?

Überambitionierte und fehlorganisierte Hochbahnwache, die Nichts auf die Reihe bekommen. Das alles kann aber natürlich auch als Stärke gesehen werden – danke Hochbahn!

 

Hört hier ein aktuelles Set von Stromschienen Syndikat


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Clubszene: „Der Wahnsinn ist noch lange nicht vorbei“

Fast jeder Lebensbereich ist von der aktuellen Corona-Krise betroffen. Wie Hamburgs Nachtleben mit der Situation umgeht, erklärt Terry Krug, einst Besitzerin der legendären Tanzhalle, Gründungsmitglied des Clubkombinats, Restaurantbetreiberin und Vorsitzende der Clubstiftung

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Terry, was macht eine Clubstiftung?

Terry Krug: Die Stiftung zur Stärkung privater Musikbühnen Hamburg, wie sie richtig heißt, ist eine gemeinnützige Organisation, die laut Satzung den Auftrag hat, die musikalische Attraktivität der Hansestadt Hamburg zu sichern. Ziel der Stiftung ist es, mit Fördermodellen die erheblichen Kosten für die Hamburger Musikclubs abzumildern und eine stetige Kompetenzerweiterung der Betreiberinnen und Betreiber zu begleiten.

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Terry Krug, Gründungsmitglied des Clubkombinats (Foto: Lidija Delovska)

Und in der heutigen Zeit?

Wir haben in den letzten Jahren mit der Clubstiftung und dem Clubkombinat Organisationen aufgebaut, die ein großes Vertrauen in der Szene genießen. Das Netzwerk lebt von persönlichen Kontakten und einem solidarischen Netzwerk. Das hilft jetzt ungemein. Sichtbar wird das gerade bei all den verschiedenen Charity-Aktionen der Clubs, die zu kollektiven Spenden in den gemeinsamen S.O.S. – Save Our Sounds-Rettungsfonds aufrufen.

Wie funktioniert der Fond?

Mit unserer Kampagne sammeln wir Gelder, um ein Clubsterben von unbekanntem Ausmaß zu verhindern. Am bekanntesten ist sicherlich die Aktion „United We Stream“, gestreamte Konzerte und DJ-Sets. Wir haben aber auch einen Onlineshop, in dem wir zum Beispiel die hübschesten Bandanas der Welt verkaufen. Übrigens das Corona-Accessoire schlechthin, wunderbar als Maske zu nutzen.

Oder man gönnt sich zwischendurch mal ein Soli-Bier. Wir kooperieren auch mit vielen tollen Partnern: Weltbekannte DJs wie Solomun rufen ihre Fans zur Unterstützung der Hamburger Szene auf. Unendlich viele Künstler unterstützen das digitale Kulturprogramm unserer Clubs. Kleine Getränkeproduzenten und Lieferanten tun sich zusammen, um sich selbst zu helfen und uns dabei zu unterstützen. Wir erfahren durch viele Aktionen eine sehr breite Unterstützung. Das tut gut. An dieser Stelle ein großes Dankeschön.

Wie viel Geld ist bis jetzt zusammengekommen?

Wir konnten bis Ende März mehr als 120.000 Euro an Spendengeldern generieren. Die Zählung für den April läuft aktuell noch. Wir hoffen, dass wir die vorherige Summe am Ende des Monats toppen können.

 

Gestärkt in die Zukunft starten

 

Hat eine erste Auszahlung bereits stattgefunden?

Leider nein. Mit der Ausschüttung dieser Gelder hat die Stiftung, ähnlich wie viele andere gemeinnützige Organisationen gerade steuerliche Herausforderungen zu bewältigen, die wir im Vorfeld leider so nicht gesehen haben. Corona kommt ja nicht alle Tage.

Wir als Stiftungsvorstand arbeiten aber gerade auf Hochtouren – gemeinsam mit der Behörde für Kultur und Medien und der Finanzbehörde – an einer Lösung. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir zeitnah ausschütten können, denn das Geld wird dringend benötigt.

Wie geht es danach mit der Kampagne weiter?

Unser Fokus liegt derzeit darauf, alles dafür zu tun, dass die staatlichen Hilfen die Live-Clubs über den anstehenden Sommer retten und dass die privaten S.O.S.-Hilfen insbesondere bestehende Förderlücken füllen können.

Ich persönlich glaube, dass die Clubs in dem zwangsverordneten Sabbatical aber auch alles dafür tun sollten, um sich für die Zeit nach Corona fit zu machen. Jede freie Minute sollte genutzt werden, um sich weiterzubilden und das Geschäft neu aufzustellen. Die Krise könnte dann auch eine Chance sein. Ich kämpfe dafür, dass wir als Stiftung auch dafür Gelder einsetzen, um nach Corona gestärkt in die Zukunft zu starten.

Gibt es Clubs die bereits ganz schließen mussten?

Bisher liegen uns glücklicherweise noch keine Informationen dazu vor. Wir gehen im Moment auch nicht davon aus. Die ersten Soforthilfen von staatlicher Seite konnten sicherlich den einen oder anderen Club vor diesem Schritt bewahren. Aber der Wahnsinn ist noch lange nicht vorbei.

Es wird eine verdammt harte und lange Zeit auf die Spielstätten zukommen. Die Clubs waren die ersten, die von den Schließungen betroffen waren und werden die letzten sein, die wieder aufmachen. Kulturbetriebe sind äußerst fragile Gebilde und einem Biotop gleichzusetzen: Wenn es einmal tot ist, geht es unwiederbringlich verloren.

Welche Soforthilfen vom Staat gab es?

Wir in Hamburg können uns bisher wirklich glücklich schätzen. Die Behörde für Kultur und Medien hat die Livemusik-Spielstätten unter ihren Schutzschirm genommen. Die Clubs werden seit dem Ausbruch der Corona-Krise mit einer Soforthilfe in Höhe von 1,5 Millionen Euro unterstützt.

Diese Förderung ermöglicht den Kulturbetrieben, trotz der anhaltenden Schließungen, die laufenden Kosten wie Miete, Strom und Auslagen für Kurzarbeitergeld bezahlen zu können und wirken ergänzend zu den weiteren Hilfen aus Bund und Land. Eine Überkompensation soll damit ausgeschlossen werden. Wir sind dem Senat sehr dankbar für diesen Support, aber trotzdem müssen wir über die S.O.S.-Kampagne weiter Unterstützungsgelder sammeln.

 

Vitale und vielfältige Clubkultur halten

 

Wie lange reicht das Geld?

Ab Mai brauchen wir dringend eine Verlängerung der Hilfen. Die Clubs, die bisher noch liquide Mittel hatten, wird es nicht mehr geben. Ich bin davon überzeugt, dass nun ausnahmslos alle Musikclubs die Hilfen beantragen müssen.

Außerdem erhoffe ich mir, dass wir uns zusätzliche vermehrt Gedanken über Programme für die Zeit nach Corona machen. Noch besser wären nachhaltige Maßnahmen, die die Spielstätten auf diese Zeit vorbereiten und ihnen die nötigen unternehmerischen Kompetenzen vermitteln, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Für Veranstalterinnen und Veranstalter ohne feste Spielstätte wird es auch täglich schwerer. Ebenso für Künstlerinnen und Künstler und die vielen Soloselbständigen im Veranstaltungswesen, die eine vitale und vielfältige Clubkultur ausmachen. Bisher gibt es für diese Gruppe keine wirkliche Lösung. Hier sollte die Politik dringend nachbessern.

Gibt es schon Hinweise wie lange die Schließung der Clubs dauern wird?

Der Kultursenator hat öffentlich die Schließung der Clubs bis zum 30. Juni angekündigt. Wir begrüßen zunächst einmal diese Planungssicherheit.

Aber was bedeutet das?

Im Juli startet für alle die Sommerpause. Das ist die Zeit der Festivals und Outdoorevents. Große Veranstaltungen mit über 1.000 Personen sollen aber bis zum 31.8. untersagt sein. Es ist derzeit nicht absehbar, wann und unter welchen Auflagen die Clubs wieder ihre Türen für Publikum öffnen dürfen. Wir rechnen frühestens Anfang September damit.

 

„Wir wollen mit guten Ideen überraschen“

 

Welche Lösungsansätze seht ihr für eine Lockerung der Maßnahmen?

Das wird nicht einfach. Natürlich könnte man bestuhlte Konzerte veranstalten und die vorgeschriebenen Abstände einhalten. Auch sind Clubs selbstverständlich in der Lage, die erforderlichen Hygienemaßnahmen umzusetzen. Aber! Dies würde bedeuten, dass die Clubs einen erheblichen Teil ihrer Kapazität verlieren und sich das direkt in den Umsätzen widerspiegelt. Die Betriebskosten wären so sicherlich nicht zu decken, von Gewinnen mal ganz abgesehen.

Es sei denn, die Besucher wären bereit höhere Ticketpreise zu zahlen. Oder der Staat hilft weiter mit: Konzertkarten müssten subventioniert werden wie zum Beispiel in der Oper. In der Hochkultur sind die Mehrkosten auch schon vor Corona aus der Staatskasse getragen worden. Dies könnte ein spannender Ansatz sein.

Sind weitere Soli-Aktionen geplant?

Wir wollen hier nicht zu viel erzählen, sondern lieber weiter mit guten Ideen überraschen. So viel sei verraten: Wir werden den Soli-Webshop mit noch mehr Produkten bestücken. Täglich erreichen uns neue Offerten für Soli-Aktionen. Wir hoffen, auf einen breiten Support durch möglichst viele Schichten der Gesellschaft. Denn nur gemeinsam können wir unserer kulturellen Räume erhalten und damit nicht nur die kulturelle Vielfalt Hamburgs retten, sondern auch eine starke Demokratie und eine lebenswerte Gesellschaft schützen.

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 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2020. Das Magazin ist seit dem 30. April 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Deeper: Die Tiefen der Musik

Der Künstler Ludwig Mausberg ist Teil des Labels The Crate. Dessen Reihe Deeper feiert im Februar Jubiläum. In SZENE HAMBURG spricht Mausberg über sein neues Album „Get Free“, Digging in Zeiten von Internet und die Hamburger Veranstaltungsszene.

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Ludwig Mausberg, was ist Deeper?

Ludwig Mausberg: Es ist die Party unseres Labels The Crate, welches Tobi, Amran, Sascha und ich zusammen haben. Als Reihe funktioniert Deeper als genreübergreifendes Konzept, alle zwei Monate, wo an einem Abend viele verschiedene Musikrichtungen gespielt werden können. Aber ohne Willkür, sondern in einer Art Kanon, der sich beim Schallplattensuchen herausbildet.

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Lebensinhalt Vinyl: Ludwig Mausberg

Wie meinst du das genau?

Man hat irgendwann eine Landkarte von Dingen im Kopf die zueinander passen. Wenn du das lange machst, blendest du Genres völlig aus, kannst Dinge abstrahieren und einzelne Richtungen miteinander mischen. Da hört sogar ein Laie den Zusammenhang. Die Idee von Deeper: eine tiefere Auseinandersetzung mit Zusammenhängen in der Musik.

Klingt hochtrabend …

Ja, aber es ist ganz simpel. Es geht darum Gemeinsamkeiten in unterschiedlichen Sachen zu finden. Deswegen lege ich auch so gerne mit Sascha vom Bluesleeve Select Store auf, der unter Block Barley Musik macht. Wir beide sind der feste DJ-Part von Deeper und haben ein ähnliches Verständnis. Es wird da keine Technomusik geben, sondern wir wollen einen Party-Kontext erschaffen, den es sonst nicht gibt.

Wo feiert ihr?

Unsere feste Location ist im Frappant. Wir sind manchmal im Nachtasyl, waren auch schon in der Astra Stube. Mit Little Deeper lege ich außerdem an ausgewählten Abenden im Golden Pudel Club auf. Im Februar hat Deeper zweijähriges Jubiläum. Für die Nacht laden wir zwei besondere Gäste ein, die ich heute noch nicht verraten kann.

Wie bist du zur Musik gekommen?

Wenn man es genau nimmt, bin ich aus einem klassisch geprägten Umfeld. Mein Vater hatte als Musiker in der DDR Berufsverbot und ist Pfarrer geworden. Mit acht Jahren lernte ich bereits mein erstes Instrument, Trompete. Meinen ersten Schallplattenspieler hatte ich mit 14.

Was für Musik hörst du?

Durch die Scheiben meiner Eltern, mochte ich Tangomusik sehr. Von dort bin ich zum Soul und HipHop gekommen. Aber Musik hat mich immer insgesamt interessiert. Sachen anhören und alles durchforsten. Ich habe nicht nur hier und dort mal reingehört, sondern immer komplett abgegrast und alle Infos zusammengetragen. Am Anfang war das ja noch ohne Internet.

Ist der Spaß am „Durchforsten“ damit verloren gegangen?

Nein, es ist nur ein krasserer und schnellerer Prozess geworden. Ich mache genau das Gleiche, nur viel effektiver als früher. Es ist wie bei jemanden, der an einer Goldmine sitzt. Wenn er weiß, wo etwas zu suchen ist, dann findet er was.

Ich verbringe in der Woche mindestens fünf bis acht Stunden um Musik rauszufinden. Was du konstant machst, kann dich selber mit Dopamin, also mit Glücksgefühlen versorgen.

 

„Ein Sinnfindungsspiel auf Schallplattenlänge“

 

Im April erscheint dein achtes Album „Get Free“. Was wird darauf zu hören sein?

Es wird ein Konzept-Album mit instrumentaler HipHop-Musik auf Vinyl. Wir haben verschiedene Instrumente eingespielt. Timo Eilbek ist mit Saxofon vertreten. Der Jazzmusiker Leon Raum spielt Schlagzeug und es gibt einen vokalen Gastbeitrag der Sängerin Alisa von Shi Offline.

Was bedeutet der Schlüssel auf dem Cover?

Auf dem Album sind überall kleine Aussagen versteckt. Durch sie kann man darüber nachdenken, wo man rein will, wo man raus will. Ob man den richtigen Schlüssel für die falsche Tür findet oder umgekehrt. Einfach mal
die Chance nutzen, für 16 Minuten pro Seite das Internet und Telefon auszumachen, nicht an die Tür zu gehen und sich Zeit nehmen, über solche Dinge nachzudenken. Ein Sinnfindungsspiel auf Schallplattenlänge.

Wo gibt es das Album?

Man findet es in Hamburger Schallplatten Läden wie Hanseplatte oder der Plattenrille.

Warum released du auf Vinyl?

Es ist einfach der Inhalt meines bisherigen Lebens. Meine ganze Wahrnehmung, wie ich die Welt kennengelernt habe, hat viel mit Schallplatten, mit Plattenläden und den Menschen dort zu tun. Ich bin kein Dogmat, aber es gehört zur mir und hat mich ganz gefangen. Vieles kann ich darüber besser verstehen.

In der Schnelllebigkeit irgendwelcher Releases ist es für mich wichtig, dass ich meine ganzen Gefühle, die ich zu dem Album hatte, in einem finalen Medium abfeiern kann. Es ist was Abgeschlossenes und fühlt sich kompletter an.

 

 

Auch beim Auflegen? 

Ja, total. Man baut eine Beziehung auf. Seit der ersten Schallplatte war es ein Wunsch, ein Teil von dieser Welt zu sein. Mittlerweile weiß ich, wie ich mich darin am besten ausdrücken kann.

Du bist seit drei Jahren in Hamburg. Hast vorher unter anderem in Dresden und Berlin Partys gemacht. Wie erlebst du die Veranstalterszene?

Tatsächlich mache ich seit 2008 Veranstaltungen und mittlerweile weiß ich, was ich alles nicht möchte. Es gibt immer die Möglichkeit irgendeine Bediener-Veranstaltung zu machen. Und in Zeiten von Clubsterben ist der Erlebnisfaktor ein größerer Punkt geworden, um die Leute vom Hocker zu holen. Aber ich weiß ganz sicher, dass ich lieber mit einer kleineren Crowd glücklich bin, wo alle cool sind.

Kulturelles Angebot besteht aus Vielfalt. Wir spielen bei Deeper nicht jedes Mal die gleiche Musik. Im Grunde ist eher das Zeil, dass beim nächsten Mal was völlig anderes läuft. Das ist auch so eine Art Wettbewerb zwischen den DJs.

Ist Wettbewerb auch sonst ein großes Thema im Hamburger Nachtleben?

Ähnlich wie in vielen anderen Städten auch, mit einem entscheidenden Twist. Ich glaube die Leute sind sich nicht darüber bewusst, wie viel und gut sie hier miteinander auskommen und miteinander arbeiten. Jemand, der hier länger wohnt, sieht vielleicht mehr die Konkurrenz und das jeder sein eigenes Süppchen kocht.

Da sollte man mal woanders sein. Vielleicht braucht alles immer ein bisschen Zeit, aber die Herzlichkeit und die Art und Weise, wie unangestrengt Leute in Hamburg miteinander Dinge machen, habe ich so noch nie woanders erlebt.

Frappant: Bodenstedtstraße 16 (Altona), Deeper: 22.02.2020, 23 Uhr


Szene_Hamburg_Februar_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Januar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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