SZENE HAMBURG: Joana Hoch, ist die Hamburger Theaternacht im 22. Jahr ein Selbstgänger?
Joana Hoch: Nein, ein Selbstgänger ist die Theaternacht nicht. Gerade im September konkurrieren wir in Hamburg mit einer enormen Veranstaltungsdichte. Deshalb investieren wir viel Energie, damit die Menschen den Auftakt der Theatersaison wahrnehmen.
Wie ist die Bereitschaft seitens der Theater, den Extra-Aufwand zu leisten?
Die Bereitschaft ist nach wie vor außergewöhnlich hoch. In diesem Jahr beteiligen sich 38 Theater – so viele wie noch nie. Viele Häuser verstehen sie als den gemeinsamen Auftakt in die neue Spielzeit. Wenn ein Theater einmal nicht dabei ist, hat das meist praktische Gründe.
Generationsarbeit: Die Theaternacht zieht auch junges Publikum an
2026 gibt es im dritten Jahr das U30-Ticket. Wurde damit ein jüngeres Publikum erreicht?
Das U30-Ticket hat sich etabliert und wird sehr gut angenommen. Natürlich verändert ein vergünstigtes Ticket nicht über Nacht das Publikum. Es ist aber ein wichtiger Baustein, um Hemmschwellen abzubauen und jungen Menschen den Einstieg zu erleichtern. Die Theaternacht soll nicht nur für einen Abend begeistern, sondern möglichst viele Menschen dauerhaft für das Theater gewinnen.
Es gibt ein erweitertes Angebot im Bereich Mobilität …
Die Mobilität ist ein wesentlicher Bestandteil der Theaternacht. Unser Anspruch ist es, den Besucher:innen den Wechsel zwischen den Häusern so einfach und komfortabel wie möglich zu machen. Deshalb haben wir unser Mobilitätskonzept in diesem Jahr weiterentwickelt. Im Mittelpunkt stehen Nachhaltigkeit und Flexibilität. Die großen Shuttle-Busse waren in den vergangenen Jahren fester Bestandteil der Theaternacht, kamen im Hamburger Stadtverkehr aber nicht immer optimal voran. Mit den MOIAs können wir den Shuttle-Service beibehalten und gleichzeitig deutlich flexibler gestalten. Die Fahrzeuge sind wendiger, erreichen auch kleinere, enge Straßen und können direkt vor den Theatern halten. Gleichzeitig beobachten wir, dass viele Gäste zunehmend auch Mobilitätsangebote wie E-Scooter und E-Bikes nutzen.
Wird das Rahmenangebot jenseits der Bühnenpräsentationen genutzt?
Die zusätzlichen Formate werden ausgesprochen gut angenommen. Viele Besucher:innen schätzen gerade die Angebote, die es im regulären Theaterbetrieb so nicht gibt. Die Requisitenshow im Deutschen Schauspielhaus ist mittlerweile ein echter Geheimtipp unter langjährigen Theaternacht-Besuchenden. Auch Formate wie „Künstler kochen“ im Allee Theater gehören seit Jahren zu den Publikumslieblingen. Gerade diese Blicke hinter die Kulissen machen den Charakter der Theaternacht aus.
Was ist 2026 neu oder besonders?
Mit der Steifen Brise startet ein offizieller Weltrekordversuch: Das Ensemble möchte 86 Stunden Improvisationstheater am Stück spielen – angemeldet beim Rekord-Institut für Deutschland. Das passt wunderbar zur Theaternacht, weil Improvisation vom direkten Austausch mit dem Publikum lebt und die Besucher:innen von Beginn an Teil dieses außergewöhnlichen Projekts sind. Außerdem kehrt die „Verrückte Stunde“ zurück: Zwischen 23 und 24 Uhr verlassen ausgewählte Ensembles ihre gewohnten Bühnen und präsentieren ihre Programme in einem anderen Theater. Dieser Bühnentausch sorgt für überraschende Begegnungen und ermöglicht Aufführungen, die es so nur während der Theaternacht gibt. Noch spannender finde ich, dass mit dem MARKK erstmals ein Museum an der Theaternacht teilnimmt. Das zeigt sehr schön, wie fließend die Grenzen zwischen den verschiedenen Kultursparten geworden sind. Theater findet längst nicht mehr ausschließlich auf klassischen Bühnen statt, sondern begegnet uns in Museen, Galerien oder im öffentlichen Raum. Ich glaube, solche Kooperationen werden wir in Zukunft häufiger sehen.

