Auch wenn sich beim Blick auf die Nachrichten in regelmäßigen Abständen Frust, Angst, Empörung oder Unverständnis einstellen mag, weil die Welt an so vielen Orten von Gewalt und Machtmissbrauch gezeichnet ist und sich schon zu lang zu wenig daran zu ändern scheint, bleibt es wichtig aufmerksam zu sein und – soweit es die persönliche Verfassung zulässt – hinzusehen. Möglich ist das Hinsehen oft erst durch die Arbeit engagierter Fotojournalistinnen und -journalisten. Und einige von ihnen werden jedes Jahr von der World Press Photo Foundation ausgezeichnet: für ihre eindrücklichsten, wichtigsten und interessantesten Bilder aus dem Vorjahr.
Ausgezeichnete Dokumentationen: Ausweglose Weltlage und trotzdem Hoffnung
Wie immer gehen die ausgewählten Fotos auch 2026 in Ausstellungen über den ganzen Globus auf Wanderschaft – und machen derzeit Station im Altonaer Museum. Viele Aufnahmen der 42 Gewinnerinnen und Gewinner, die sich unter mehr als 57.000 Einreichungen durchsetzen konnten, – mal mittels eines Einzelbildes, mal kraft einer Serie – zeigen persönliche Schicksale und brutale Wirklichkeiten: eskalierender Protest in Madagaskar, toxischer Staub in Ägypten, Terror in Australien, eine Brandkatastrophe in Hongkong, das Bangen und Kämpfen um Hilfslieferungen in Gaza. Zugleich entdeckt man aber auch gerade in Ausnahmesituationen das, was den Menschen als Spezies doch auszeichnen kann: Empathie, Widerständigkeit, Tatkraft und Hoffnung. In der Serie „Wedding in the Flood“ von Aaron Favila etwa trotzt ein Paar im philippinischen Malolos aus Liebe den Folgen des Klimawandels und gibt sich in einer überfluteten Kirche – mit Schleppe und Anzugshose im Wasser – das Jawort. In Nicole Tungs Reportage „A Syrian City Rebuilds, Still Divided“ wiederum ist die Bevölkerung im Begriff die syrische Stadt Deir al-Zour wieder aufzubauen, nachdem sie über Jahre hinweg im Zuge terroristischer Gewalt an vielen Stellen zerstört wurde. So zeigt sich mit Blick auf die diesjährige Auswahl an Pressefotografien einmal mehr, dass Bilder imstande sind, aufzurütteln, aufmerksam zu machen, Mitgefühl zu erzeugen – und die Wichtigkeit der Sichtbarmachung harter Realitäten ebenso wie diverse Umgangsmöglichkeiten damit zu betonen. Denn jede noch so kleine Geschichte aus einem noch so kleinen Dorf kann für jemanden am anderen Ende der Welt von Bedeutung sein, Hoffnung spenden, Mut machen und bestenfalls zu gesellschaftlicher Veränderung beitragen.

