Ankommen, Abschied nehmen und ein schneller Imbiss zwischendurch – was auf einem Bahnhof geschieht, bringt das Opernloft in 39 Arien, Liedern und Songs aus der gesamten Musikgeschichte zu Gehör. Drei Paare „Zwischen den Gleisen“ bilden das Handlungsgerüst. Für Lily und Victor ist der Bahnhof zweite Heimat. Hier kiffen und stehlen sie. Tevje verdient im Bahnhof auf ehrliche Weise sein Geld mit dem Verkauf von Currywurst und verliebt sich dabei in die heimatlose Margarete. Schaffnerin Martha, die „Martha von der Bahn“ (nicht die „Christel von der Post“) hat sich Bill, einen einsamen Geschäftsmann Bill asiatischer Herkunft ausgeguckt („Kommt ein schlanker Bursch gegangen“ aus Webers „Freischütz“). In rasanter Folge reihen sich kurze Szenen aneinander, untermalt von manchmal mit neuem Text versehenen Musikstücken. Viele Originaltexte passen aber wunderbar.
„Zwischen den Gleisen“: stimmlich und spielend beeindruckend
Currywurstverkäufer Tevje – der Name ist Programm – darf natürlich „Wenn ich einmal reich wär’“ aus dem Musical „Anatevka“ singen. Da die Liebe das beherrschende Thema auf diesem Bahnhof ist, dürfen „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“ aus der Operette von Robert Stolz oder „Alla bella Despinetta“ aus Mozarts Oper „Così fan tutte“ nicht fehlen. Aber auch Krieg als Grund für schmerzende Abschiede und Friedenswille werden „Zwischen den Gleisen“ verhandelt. Lily schmettert Freund Victor, der begeistert ins Feld zieht, das Volkslied „Bella Ciao“ entgegen und alle gemeinsam singen Pete Seegers „Sag mir wo die Blumen sind“. Das junge sechsköpfige Ensemble beeindruckt stimmlich wie spielend im schlichten Bühnenbild von Claudia Weinhart mit Currywurstbude und Wartebereich, erstmalig an einer der Längsseiten des Opernloftsaals aufgebaut. Und im Hintergrund rauscht immer wieder ein Zug vorbei. Chapeau für Regisseurin Inken Rahardt und Dramaturgin Susann Oberacker!

