Rückkehr nach Montauk

Film. Rückkehr nach Montauk von Volker Schlöndorff

Poetische Bilanz einer Beziehung. Mit Stellan Skarsgård, Nina Hoss, Susanne Wolff. Ab 11.5.17 im Kino

Mit dem Alter kommt die Reue. Max Zorn (Stellan Skarsgård) ist Anfang 60, den erfolgreichen Schriftsteller aus Berlin quält weniger das Leid, das er verursacht hat, als die verpassten Chancen. Wie jene große Liebe vor 17 Jahren, um die er sich selbst betrogen hat. Von ihr handelt auch sein neuer Roman, den er in New York vorstellt. Virtuos verarbeitet der Autor das eigene Leben zum Kunstwerk. Zwischen den illustren Gästen bei der Lesung sitzt seine um vieles jüngere Partnerin Clara (Susanne Wolff). Ihre Augen füllen sich mit Tränen, während der Mann dort oben auf dem Podium wehmütig von einer anderen schwärmt.

Rückkehr nach Montauk

Verpasste Chancen und die Vision einer großen Liebe. Rückkehr nach Montauk. Foto: © Wild Bunch Germany / Franziska Strauss

Volker Schlöndorffs subtiles Drama entstand nach Motiven von Max Frischs bekenntnisreicher Erzählung „Montauk“. Auch der heute 78-jährige Regisseur und Oscarpreisträger („Die Blechtrommel“) hat eine gescheiterte Liebe in New York zu beklagen, sie bedeutete das Aus für eine Ehe, die ihm viel bedeutete.

Schlöndorff und Co-Autor Colm Tóibín spielen mit den autobiografischen Versatzstücken von Schriftsteller und Filmemacher. Unweigerlich kollidieren Vergangenheit und Gegenwart, Wirklichkeit, Fiktion und Erinnerung: Max Zorn erzwingt ein Wiedersehen mit Rebecca (Nina Hoss), der Angebeteten von einst, die er so schnöde verließ. Das Objekt seiner Sehnsucht ist heute Staranwältin und reagiert kühl, fast herablassend auf die Avancen des selbstgefälligen Literaten.

Doch unerwartet lädt sie ihn ein, mit ihr nach Montauk, dem Fischerdorf auf Long Island zu fahren. Die gemeinsame Nacht in demselben Hotel wie vor 17 Jahren hält Zorn für einen Neuanfang, Clara scheint vergessen, doch Rebecca macht ihm ein erschütterndes Geständnis.

Betörend schöne, elegische Bilder und geschliffene Wortkaskaden wechseln mit prosaischen Phrasen: „Ich dachte, ich sei etwas Besonderes“. Die Offenbarungen des Max Zorn sind in ihrer larmoyanten Überheblichkeit manchmal nur schwer erträglich, doch genau darin liegt der kühle intellektuelle Charme des Films.

Schlöndorff weiß, sein Protagonist taugt nur bedingt zur Identifikationsfigur: „Aber wahrhaftig zu sein, war mir wichtiger, als zu gefallen“, sagt er und es klingt nach Max Frisch. So flüchtet sich Stellan Skarsgård in der Rolle des alternden Künstlers nicht in Ironie oder Skepsis, sondern harrt tapfer aus in seiner etwas altmodisch egozentrischen Kläglichkeit und akzeptiert das Scheitern als Teil seines Werks. / Anna Grillet

Regie: Volker Schlöndorff. Mit Stellan Skarsgård, Nina Hoss, Susanne Wolff. Ab 11.5.17 im Kino

Fotos: © Wild Bunch Germany / Franziska Strauss

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.