Green Gym
Serie: Grünes Hamburg. GreenGym

Eins werden mit der Natur in der Stadt: Wie Hamburger neues Wohlbefinden durch Bewegung und Pflanzenpflege erlangen

/ Text: Erik Brandt-Höge / Beitragsbild: Philipp Jung

Noch drei Schritte, zwei, einen, und wir stehen barfuß im Gras. Das reicht hier, am Rande des Hammer Parks, weit über die Knöchel. Die Natur wird nahezu sich selbst überlassen. Nahezu, weil wir, eine Gruppe des GreenGym und der Reporter, die bunte Fläche pflegen, Unkraut jäten und umpflanzen, wo es nötig ist.

GreenGym stammt aus England. Die Vision der Erfinder: Stadtmenschen sollen nicht immer kränker, dicker und unglücklicher werden, sondern jederzeit Orte entdecken können, die ihnen neues Wohlbefinden ermöglichen.

Es ist ein Mix aus Bewegung und Gärtnern, der das GreenGym bestimmt. Seit Sommer 2013 treffen sich Teilnehmer auch in Hamburg, immer sonntagnachmittags, um zunächst ein wenig warm zu werden mit der Umgebung und sich selbst. Auch wir starten damit. Erste Übung auf dem piksenden Grün: Augen zu und zählen, wie viele Geräusche aus der Natur und wie viele nicht aus ihr stammen.

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Lauschen und fokussieren im Hammer Park. Zdenka Hajkova (Mitte) leitet den Kurs. Foto: REM

Dann: strecken, drehen, dehnen. Zum Schluss noch ein paar Liegestütze und ab in den nahe gelegenen Schuppen, wo Karren, Krallen, Kannen und Sparten schon bereitstehen.

Damit geht es zu einem kleinwagengroßen Holzkasten, aus dem Pflänzchen in allen denkbaren Formen und Farben ragen. „Kennst du die?“, fragt Zdenka Hajkova, studierte Botanikerin und Gartentherapeutin, die das Hamburger GreenGym seit dem Start mit anleitet. „Nein, kenne ich nicht“, gibt der Reporter zu. „Dann riech mal!“ Okay, kenne ich doch: Waldmeister, Minze, Zitronenmelisse.

Alle drei haben mittlerweile zu wenig Platz im Kasten, müssen auf eine größere Fläche verpflanzt werden.

Beim Ausgraben, Suchen, Buddeln, Andrücken und Gießen stellt sich Entspannung ein. Wir kommen ins Gespräch. „Das passiert hier häufiger als im Alltag“, meint Zdenka, „die Leute reden plötzlich miteinander, sagen sich, wie es ihnen geht. Beim Gärtner verlieren viele etwas von ihrer Scheu, auch bisher Fremden ihre Geschichte zu erzählen. Kommunikation ist eine wichtige Komponente des GreenGym.

Eine andere ist freilich die Pflanzerei selbst. Zdenka und ihre Kollegen betreuen mittlerweile vier Gruppen, die Parkbänke wieder freizupfen, Hecken anlegen und die Lebenskreisläufe ganzer Wiesen erhalten. Das alles übrigens im Namen der Stadt. Die verwaltet die bearbeiteten Flächen und gibt GreenGym die Aufträge, aktiv zu werden. So wie wir es sind.

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Auch eine Pflanze braucht ihren Raum. Unser Reporter beim Umpflanzen. Foto: Philipp Jung

Nach einer zweiten Gymnastik-Einheit und dem Schaffen neuer Zuhause auch für Lavendel und Rosmarin sagt der Reporter zufrieden: „Ordentlich was geschafft!“ Zdenka scheint das gar nicht zu freuen: „Darum geht es hier nicht.“ Nach Arbeit solle sich das GreenGym bitte schön nie anfühlen. „Geht es dir denn etwas besser als vorher?“, fragt sie und sieht schon zufriedener aus, als das Reporter-Ja sofort kommt.

GreenGym ist eine Initiative des Vereins „Heilende Stadt“; www.heilendestadt.de