
SZENE HAMBURG: Cara-Lynn, das 3001 feiert in diesem Jahr 35-jähriges Jubiläum. Was bedeutet euch das?
Cara-Lynn: 35 Jahre unabhängiges Kino in der Schanze zu machen ermutigt uns weiter, vorauszuplanen – wir freuen uns auf die nächsten 35 Jahre!
Feiert ihr das in irgendeiner Form?
Wir feiern mit einer Rückschau aus Filmen, die wir in den letzten drei Jahrzehnten gerne gezeigt haben. Ein paar davon sind von unserer Plakatwand im Foyer inspiriert. Zum Jubiläum machen wir besondere Verlosungsaktionen. Haltet also die Augen auf!
3001, seit 35 Jahren auf der Schanze

Wie sieht die cineastische Ausrichtung des 3001 ansonsten aus?
Wir spielen große und kleine Filme aus dem Arthouse-Bereich und haben kuratorisch einen politischen Fokus. So zeigen wir häufig Dokumentationen, fokussieren uns auf Filme von weiblichen Regisseur:innen, queeres Kino und öffnen unsere Räumlichkeiten für Festivals und Sonderveranstaltungen. Das 3001 startete ursprünglich als reines Repertoire-Kino. Schon bald haben wir auch Erstaufführungen aufgenommen. Momentan integrieren wir wieder verstärkt Repertoire-Titel – das macht in der Mischung besonders viel Spaß.
Worauf legt ihr im 3001 besonders Wert?
Wir lieben Originalfassungen und machen gerne Platz für Filme, die uns am Herzen liegen. So auch für den Kurzfilm der Woche, den wir vor ausgewählten Filmen zeigen. Wir bieten auch gerne Filme für Kinder jeder Altersstufe an, zum Beispiel beim Bambino-Kino oder in Pauls Kinderkino. Schließlich wollen wir ein aufgewecktes Kinopublikum von morgen haben.
Außerdem ist uns eine faire Preispolitik wichtig. Bei uns bekommt jede:r, der/die es braucht, den erheblich ermäßigten Eintrittspreis, ohne einen besonderen Status nachweisen zu müssen.
3001 und die Hürden der letzten Jahre
Durch den Verkauf der Immobilie, in dem sich euer Kino befindet, gab es immer wieder Probleme und Stress, die auch das 3001 betrafen – und immer wieder um eine Verlängerung des Mietvertrages bangen ließen. Wie ist da der Stand derzeit?
Wir sind inzwischen Mieter bei der Hamburg Kreativgesellschaft und haben einen festen Vertrag bis 2031.
In den 35 Jahren eures Bestehens hat sich das Kino stark verändert, wurde immer mal wieder totgesagt, ist aber offensichtlich nicht totzukriegen. Wie steht es derzeit ums 3001?
Es war schon immer schwierig, und so ist es auch weiterhin. Wenn man nicht profitorientiert Kino macht, ist die Lage prekär. Kinoprogrammpreise und Förderungen durch Land und Bund helfen da, verändern sich aber auch und sind nicht für alle Kinos gleichermaßen abrufbar.
In Hamburg gibt es über 20 Kinos. Empfindest du das als Fluch oder als Segen?
Es könnten gerne noch mehr sein! Jedes Kino hat sein eigenes Profil und seine eigenen Schwerpunkte, auch wenn wir in Teilen dieselben Filme zeigen. Es gibt aber noch Gegenden in Hamburg, die kein Kino haben – da geht also noch was!

SZENE HAMBURG: Mirko, das Holi Kino feiert in diesem Jahr 75-jähriges Jubiläum, gehört mittlerweile aber zur Cinemaxx-Gruppe – also einer Gruppe von Multiplex-Kinos. Wie passt das Holi da rein?

Mirko Engel: Das Holi erweitert unseren perspektivischen Rahmen und ermöglicht uns einen Blick über den Tellerrand der Blockbuster-Community. Damit sorgt es für ein noch breiteres Programmportfolio und ebnet den Weg für die Unterstützung und Förderung von kleineren Produktionen, die sich nicht für eine Multiplex-Ausstrahlung eignen.
Eine Multiplexisierung muss man fürs Holi also nicht befürchten?
Das Holi ist und bleibt ein Traditionskino und zählt auch heute noch zu den schönsten Kulturstätten Hamburgs. Als einziges Programmkino in unserem Multiplex-Portfolio war es seit jeher das Symbol für Andersdenken in unserer strategischen Ausrichtung. Während wir für alle weiteren 29 Standorte in Deutschland und drei in Dänemark stets die breite Öffentlichkeit ins Auge nehmen, bedarf es bei der Planung für ein Kino wie dem Holi einer weitaus akribischeren Perspektive, die uns neue Möglichkeiten in unserer Geschäftstätigkeit aufmachte.
Die Zukunft des Holi Kinos
Wie sieht diese Perspektive konkret aus?
Als ehemaliges Premierenkino und Meilenstein der Hamburger Kulturszene steht das Holi damals wie heute für ein kuratiertes, anspruchsvolles Programm, das durch Premierenveranstaltungen und besondere Vorführungen sinnreich ergänzt wird.
Wie beurteilst du die Zukunft des Kinos – insbesondere in Deutschland?
Die Zukunft des Kinos ist der Grundpfeiler unserer unternehmerischen Zielsetzung, die in einem Wort bestmöglich zum Ausdruck kommt: Investitionen. Seit einigen Jahren setzen wir vermehrt auf die Modernisierung unserer Häuser, erhöhen sukzessive unsere Komfortstandards und erweitern unsere technischen Möglichkeiten. Dazu zählen unsere jüngst unter anderem im Cinemaxx Hamburg-Harburg und Hamburg-Wandsbek eingebauten LUX- und ULTRA LUX-Sitze, wie auch die geplante Installation unseres neuen Premium Large Formats in ausgewählten Standorten. Mit gezielten Akzentsetzungen in unserer programmatischen Ausrichtung schaffen wir zusätzlich Berührungspunkte mit neuen Besuchendengruppen, die uns in unserem Vorhaben langfristig bestärken.

SZENE HAMBURG: Dorit und Carsten, das Lichtmeß besteht nun bereits seit 35 Jahren. Wie habt ihr angefangen?
Dorit: Zu Beginn hatten wir noch Experimentalfilme, abseitige Spielfilme und mehr Filmreihen im Programm. Wir haben mit neun Leuten begonnen, waren mehr oder weniger alle noch Student:innen. Das hat sich natürlich über die Jahre verändert. Wir haben uns unter anderem deshalb auf Dokumentarfilme spezialisiert. Zum einen, weil wir das Genre lieben, zum anderen passt es besser zu unseren Sitzmöbeln. Und wir kooperieren mit anderen Institutionen und Vereinen, die auch gute Filme aussuchen und zu einem Thema zeigen. Das bedeutet natürlich eine größere Vielfalt, die wir dankend annehmen.
Apropos Sitzmöbel: Gibt es im Kino eigentlich noch Teile aus den Anfängen?
Carsten: Klar, das Lichtmeß ist ein Reliquienschrein: Es gibt alte Projektoren, viele Erinnerungsstücke und die Sammlung der Programmkarten zu sehen. Und uns – wir sind auch seit 35 Jahren dabei.
Die Ausrichtung des Lichtmeß Kinos
Worauf legt ihr im Lichtmeß besonders Wert?
Dorit: Gute Filme, gute Gespräche, gute Eintrittspreise.
Filme zeigt ihr ja meist nur einmal, manchmal zweimal die Woche. Warum?
Carsten: Weil wir das Kino ehrenamtlich betreiben. Und selbst wenn unsere Filme durchaus auch zweimal oder mehrmals sehenswert sind, reicht es uns.
Wie schafft man es als Programmkino heutzutage gegen die Konkurrenz, Streaming-Plattformen und andere Entertainment-Angebote zu bestehen?
Dorit: Mit Liebe.

Ihr seid auch Austragungsort verschiedener Filmfestivals. Wie wichtig ist das heutzutage – auch und insbesondere zur Publikumsbindung?
Dorit: Filmfestivals sind sehr wichtig, weil dort auch Filme ihren Platz finden, die sonst vielleicht einem Publikum vorenthalten würden. Außerdem ist es der Ort, an dem über Filme diskutiert werden kann. Unsere „Kunden“ kommen so oder so – auch weil es immer eine Einführung in den jeweiligen Film gibt und wir oft auch Filmemacher:innen zum Gespräch da haben. An unserem Tresen gibt es im Anschluss an die Vorführungen immer die Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Mit uns oder untereinander.
Kinos in Hamburg
Wie steht es eurer Ansicht nach um das Kino in Hamburg?
Carsten: Das können wir nicht wirklich beurteilen. Wir wissen aber, dass Kinomachen nur mit Leidenschaft und wahrscheinlich einer Portion Selbstausbeutung geht. Die Moin Filmförderung unterstützt die Hamburger Kinos und weiß um ihren Wert. Unser Kultursenator ist Cineast. Das ist gut!
Dieser Text zuerst in der SZENE HAMBURG 03/26 erschienen.

