Berlin, Paris, New York, Rio: Vor allem die Modefotografie führte Franz Christian, besser bekannt als F.C. Gundlach ab den 50er-Jahren um die ganze Welt. Seine Aufnahmen erschienen in zahlreichen Magazinen wie „Film und Frau“, „Stern“ oder „Brigitte“, er schoss Werbeaufnahmen für Pelzfirmen und arbeitete mit der Lufthansa zusammen. Doch im Laufe der Jahre wuchsen viele der Bilder über ihren ursprünglichen Erscheinungskontext hinaus und fanden den Weg in Sammlungen, Galerien, Museen – so wie aktuell in das Bucerius Kunst Forum, das Gundlachs 100. Geburtstag zum Anlass nimmt für eine umfangreiche Werkschau: „F.C. Gundlach. You’ll Never Watch Alone“.
Besonders war gerade seine Modefotografie, weil sie über das Zeigen zeitgenössischer ästhetischer Textiltrends hinausging. Sie war häufig ebenso mit künstlerischen Strömungen der Zeit verbunden wie sie sich als Projektionsmedium für gesellschaftliche Entwicklungen, soziale Bedürfnisse, Träume und Sehnsüchte anbot. Doch Gundlachs Oeuvre – wie die circa 130 Fotografien in der Ausstellung unter Beweis stellen – reichte weiter, inhaltlich wie formal, was sich etwa in seinen Reportage- und Alltagsbildern zeigt, häufig Schwarz-Weiß, die er mit szenischem Blick fokussierte: Ob es nun die berittene Polizei in New York mitten im urbanen Leben, die Zuschauer bei einem verregneten Tennisturnier in Hamburg oder die Wettspieler auf einer Pferderennbahn in Hongkong waren, die sein Interesse weckten.
Bucerius Kunst Forum: Fotografien zum Jubiläum
Wie fein und breit sein Netzwerk den gesamten Globus umspannte, lassen auch seine Porträts erahnen. Größen der Filmindustrie wie Jean Cocteau, Cary Grant, Romy Schneider oder Uschi Obermaier ließen sich von ihm ebenso ablichten wie Akteure der Kunstwelt, teils auch mit privatem Touch, wie etwa Martin Kippenberger in den 80er-Jahren mit Partnerin und Nachwuchs. Doch Gundlach war nicht nur als Fotograf einflussreich. 1975 gründete er mit der „PPS. Galerie F.C. Gundlach“ eine der ersten Fotogalerien in Deutschland und förderte andere Fotografinnen und Fotografen. So werden in der Schau auch um die 70 Werke anderer Künstlerinnen und Künstler aus seiner Sammlung präsentiert und mit seinem eigenen fotografischen Schaffen in Beziehung gebracht, darunter Erwin Blumenfeld, Richard Avedon oder Cindy Sherman.
Als produktiver und aktiver Mitgestalter der Foto- und Kunstszene hatte sein Wirken vor allem Einfluss auf die Kulturlandschaft seiner Wahlheimat Hamburg, in der er seit den 50er-Jahren lebte. 1999 etwa initiierte er die Triennale der Photographie, die dieses Jahr zum neunten Mal stattfindet, ein Jahr später erhielt er die Ehrenprofessur der Hochschule für bildende Künste und 2003 wurde er zum Gründungsdirektor des Hauses der Photographie in den Deichtorhallen berufen. Gundlachs Wirken als herausragender Networker, kunstliebender Geschäftsmann und passionierter Fotograf trägt bis heute Gewicht: Denn bei all dem Business-Trubel, Jetset-Life und hohen Produktionslevel gab es hinter dem gleißenden, doch flüchtigen Scheinwerferlicht der Film-, Kunst- und Modewelt eigentlich immer nur einen Star: die Fotografie selbst.

