SZENE HAMBURG: Anton, wer genau steckt hinter glimmer?
Anton Burmester: Wir sind zu dritt: Luke, Johann und ich. Aber am Ende sind wir natürlich viel mehr: Wir haben jetzt schon eine Handvoll Menschen, die fest bei uns arbeiten und inhaltlich und menschlich das glimmer prägen sollen. Dazu kommen natürlich noch die Personen, die die Produktionen durchführen, die Bar schmeißen, das Awarenessteam stellen et cetera.
Wie ist der Name entstanden?
Der Begriff ist in einem ganz anderen Kontext mal im Gepräch gefallen und dann hängen geblieben. Für uns hat der Name viele Facetten, viele Assoziationen, aber am prägendsten ist sicher der Glimmer als Gegenteil vom Trigger: ein Moment, der ein Gefühl von Freude, Glück und Sicherheit schafft. Genau das, was wir mit unserem Club schaffen möchten.
Welche Verbindung habt ihr mit dem Hamburger Nachtleben?
Unsere stärkste Verbindung ist sicher unser Wirken im Kollektiv Synthetic Love, mit dem wir viele Veranstaltungen gemacht haben. Aber wir kommen alle aus Hamburg, sind schon lange viel unterwegs und kennen viele Ecken, viele Akteur:innen. Luke hat sich besonders in den vergangenen Jahren gut vernetzt, Johann hat bereits vor mehr als zehn Jahren angefangen, zu veranstalten.
Eine unverhoffte Chance: Und ein idealer Standort
Wie seid ihr an die Fläche gekommen?
Eigentlich waren wir auf der Suche nach Büroflächen, als Luke auf der Seite der Kreativgesellschaft die Ausschreibung für die Clubfläche gesehen hat. Über die Jahre haben wir immer über den eigenen Club fantasiert, aber eher scherzhaft. Als Luke den Link zur Ausschreibung verschickt hat, waren wir sofort Feuer und Flamme und es war schnell klar, dass wir das jetzt mit vollem Ernst angehen.
Mit welchem Konzept?
Wir haben vor knapp zwei Jahren mit der Arbeit am glimmer begonnen. Seitdem hat sich einiges verändert und entwickelt. Aber der Kern unseres Konzepts war und ist der Anspruch, einen Ort zu schaffen, der den Menschen mehr anbietet, als das bloße Ereignis – hinkommen, paar Stunden feiern, wieder weg. Wir wollen einen Ort schaffen, der mehr bietet als einen Raum, um den blanken Hedonismus zu zelebrieren, so gern wir den auch mögen.
Viele Clubs kämpfen mit steigenden Kosten und verändertem Ausgehverhalten. Ist es nicht ein hohes Risiko, in der heutigen Zeit einen Club zu eröffnen?
Auf jeden Fall ist es das. War schon mal leichter.
Warum glaubst du, dass es am Oberhafen funktioniert?
Ich muss direkt an eine Party im Oberhafen denken, auf der wir vor ein paar Jahren waren. In einem Keller, viel mehr können wir dazu glaube ich nicht sagen. War aber super, Johann hat so Proggy/Goa gespielt und es war ein Abend, an dem Bekanntschaften zusammengefunden haben, die heute noch nachwirken. Und abgesehen davon natürlich auch das Moloch. Die sind natürlich auch ein gutes Beispiel, dass ein Club eben dort funktionieren kann, aber wir glauben, dass ein guter Club überall funktionieren kann, und wichtiger ist, was in den Mauern passiert, als wo sie stehen. Nichtsdestotrotz freuen wir uns sehr, dass wir im Oberhafen eröffnen können. Das ist schon eine sehr schöne Location, vor allem aber haben wir sehr tolle Nachbarn da und finden eine kleine Kreativinsel, in der vieles gemeinsam anders gemacht wird, als an anderen Orten.
Ihr wollt nicht nur Club, sondern auch Kulturzentrum sein. Wie zeigt sich das?
Wir möchten ein Ort sein, an dem man sich am Dienstag bei einer Veranstaltung kennenlernt und für die Party am Samstag verabredet – oder eben andersrum. Deswegen werden wir nicht nur auf Clubnächte setzen, sondern auch auf Konzerte und Kulturveranstaltungen. Das kann von ’nem Nachtflohmarkt, über Lesungen und Theater bis hin zu einem Barabend oder Workshops gehen. Außerdem haben wir in unseren Büroräumen noch eine Werkstatt und ein Studio, die wir auch zur Verfügung stellen möchten, sodass im glimmer auch (Kultur-)güter entstehen können.
Lärmschutz und geteilte Kosten: Das ehemalige Moloch eröffnet mit neuem Konzept
Das Moloch hatte mit der Lärmproblematik zu kämpfen. Wie geht ihr mit dem Thema um?
Was die Lautstärke angeht, liegt viel auch darin, dass das Moloch auch nachts draußen veranstaltet hat. Das dürfen wir leider nicht. Damit sollte schon viel von der Problematik aufgefangen sein. Aber die HafenCity, die das Gebäude saniert hat, hat auch eine Schallschutzdecke eingebaut, die viel auffangen sollte. Darüber hinaus investieren wir aber auch viel in Akustik- und Schallschutzmaßnahmen.

Wird es trotzdem einen Außenbereich geben?
Irgendwann ja! Aber fragt uns nicht, wann, wie und wo.
Wie sind die weiteren Räumlichkeiten aufgeteilt?
Wir haben den Laden nach unseren Ideen gestaltet und mussten dabei auch manche Vorgabe beachten. Aber wir sind sehr froh, zwei Floors, zwei Bars und eine Chill-Area anbieten zu können.
Wie wurde der Umbau finanziert?
Was wir haben, haben wir da reingesteckt. Weil das aber wenig überraschend nicht reicht, haben wir auch noch Kredite aufgenommen. Und auch nicht ganz unwichtig: eine Privatperson, der die Kultur sehr am Herzen liegt, und die auch andere Clubs und Venues schon finanziell unterstützt hat, hat uns da erheblich unter die Arme gegriffen.
Wem genau gehört der Club?
Also das Gebäude gehört dem Sondervermögen Stadt und Hafen, verwaltet wird es von der HafenCity Hamburg GmbH und wir sind Mieter. Innenausbau, Technik, Konzept et cetera lag aber bei uns, daher würde ich sagen: Die Fläche gehört der Stadt, aber der Club gehört uns!
Der Kern unseres Konzepts war und ist der Anspruch, einen Ort zu schaffen, der den Menschen mehr anbietet, als das bloße Ereignis
Anton Burmester
Und wie lange könnt ihr, Stand heute, Programm machen?
Wie lange wir Programm machen können, steht und fällt nicht primär mit unserem Mietverhältnis, da sind andere Faktoren deutlich entscheidender. Aber fürs Erste sind wir da gut aufgestellt.
Gibt es eine bestimmte musikalische Ausrichtung?
Was die Clubnächte angeht, liegt der Fokus ganz klar auf Techno, House und ein bisschen Trance. Bei Konzerten haben wir auch unsere Ideen, aber da muss man auch abwarten, was die Zeit bringt. In beiden Fällen ist uns aber wichtig, auch eine Bühne für Newcomer:innen zu bieten und sich keinem Genre aus Prinzip zu verschließen, sondern immer auch zu gucken, was die Musik für die Menschen bedeutet.
Mit welchen Kollektiven arbeitet ihr zusammen?
Wir sind schon mit einigen in Gesprächen, vieles ist auch schon eingetütet. Aber bevor da nichts offiziell von unserer Seite kommuniziert ist, werde ich dazu hier auch noch nichts sagen.
Welches Publikum ist bei euch willkommen?
Wir wünschen uns ein freundliches, respektvolles und offenes Publikum. Wer den Ort versteht und gut mit anderen Menschen umgeht, ist herzlich willkommen!
Anfang Oktober geht es los. Was plant ihr im ersten Monat?
Am 2. Oktober fangen wir mit einem großen Eröffnungswochenende samt Konzerten am Freitagabend an. Und von da an sind wir jede Freitag- und Samstagnacht am Start und haben einige wirklich großartige DJ-Bookings bei uns. Alles Weitere wächst dann mit der Zeit.

