Als Pierre Baudry nach einem Auslandsaufenthalt nach Paris zurückkehrte, las er überraschenderweise persönliche Vorlieben und Anekdoten aus seinem Leben in der französischen Zeitung „Libération“, verfasst von einer ihm völlig fremden Frau: Sophie Calle hatte sein Adressbuch gefunden, einige der Freunde und Bekannten kontaktiert, diese über ihn ausgefragt – und daraus ein 28-teiliges Fortsetzungsporträt veröffentlicht. Was für Calle in den 1980er-Jahren ein experimentelles Kunstprojekt war, empfand Baudry als Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte. „Er nahm es mir übel.“ Und revanchierte sich mit einer Gegendarstellung und der Veröffentlichung eines Nacktfotos von Calle. Wo hört künstlerische Freiheit auf und wird zum voyeuristischen Übergriff? Das versucht Regisseur Ruben Müller in seiner Inszenierung „Das Adressbuch. Ein Labyrinth nach Sophie Calle“ herauszufinden.
Das Adressbuch: Wem gehört das Leben?

