Dass die Inszenierung „Deutschstunde – Biller in Flammen“ am Ohnsorg-Theater insgesamt überzeugt, liegt zum Großteil an der gelungenen Bühnenfassung des Siegfried-Lenz-Romans von 1968. Der Dramaturg Clemens Mädge hat ein Theaterstück mit einer Erzähl- und einer Dialogebene gebaut, die ausgewogen nebeneinanderstehen. Zumal der Hauptdarsteller Siggi Jepsen, Ich-Erzähler im Roman und grandios verkörpert von Flavio Kiener, auch auf der Bühne den Part des Erzählers übernimmt, sich zwischendurch aber mit viel Körpereinsatz ins Geschehen stürzt. Dafür wechselt Siggi die zeitlichen Ebenen, die Regisseurin Kathrin Mayr gut herausarbeitet. In der Gegenwart hält sich der junge Mann am vorderen Bühnenrand auf, während er an einer Deutsch-Strafarbeit zum Thema „Die Freuden der Pflicht“ – mit Kreide auf den Fußboden – schreibt. Die Haupthandlung spielt auf der eigentlichen, leicht erhöhten Bühne in der Vergangenheit, an die sich der Protagonist schreibend erinnert: Sein Vater, der Dorfpolizist Jens Ole Jepsen (beängstigend pflichtbewusst: Oliver Warsitz) überwacht die Einhaltung des Malverbots, das die Nazis über den Maler Max Ludwig Nansen (Ulrich Bähnk wechselt gekonnt zwischen Resignation und Aufbegehren) verhängt haben. Siggi indes sieht seine Aufgabe zunehmend darin, Nansens Bilder vor dem Vater zu retten.
Op Platt un op Hoochdüütsch: Deutschstunde – Biller in Flammen
Neben Lenz’ großartiger Sprache – erzählt wird auf Hochdeutsch, parliert op Platt – und den starken Schauspielern bleibt das Bühnenbild (Anike Sedello) blass: Eine angedeutete graublau-weiße Landschaft, die sich später auflöst, umrahmt eine schräge Ebene. Auch auf den Gemälden, die im Stück versteckt, zerrissen, beschlagnahmt und verbrannt werden, tauchen die matten Töne wieder auf – so als sei hier absichtlich vergessen worden, dass sich die Nansen-Figur auf den Maler Emil Nolde bezieht, einen Meister der kraftvollen, leuchtenden Farbigkeit.
Dieser Artikel ist zuerst in der SZENE 05/26 erschienen.

