Highlight für die Hamburger Kulturszene: Eröffnung des Kultur Kontor 

Am 9. Juni wurde das Kultur Kontor Hamburg als neue Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche am Klosterwall eröffnet. Es befindet sich im Neubau des Johan Kontors direkt am Hauptbahnhof
Das Foyer des neuen Kultur Kontors Hamburg
Das Foyer des neuen Kultur Kontors Hamburg (©Jérome Gerull)

Mit dem Kultur Kontor Hamburg eröffnet eine rund 700 Quadratmeter große Ausstellungsfläche im Erdgeschoss des Johan Kontors, zentral gelegen zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt. Künftig wird die Fläche von der Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH) in Kooperation mit der Behörde für Kultur und Medien mit verschiedenen Ausstellungs- und Veranstaltungsformaten bespielt. Ermöglicht wird das Projekt durch das Containerlogistikunternehmen Maersk. Das Unternehmen ist der Hauptmieter des Johan Kontors, und stellt Räumlichkeiten mietfrei zur Verfügung.

Das Kultur Kontor soll als Ort für Ausstellungen, Veranstaltungen und den öffentlichen Austausch über kulturelle Themen dienen. SHMH-Vorstand und Direktor Hans-Jörg Czech bezeichnete das Kultur Kontor bei der Eröffnung als „einen Ort der Begegnung, der Beteiligung, des Austauschs und des konstruktiven Diskurses“.

Die SHMH möchte die Fläche insbesondere nutzen, um über ihre laufenden Modernisierungs- und Entwicklungsprojekte zu informieren. Im Mittelpunkt steht dabei der geplante Neubau des Deutschen Hafenmuseums, der sich derzeit noch in der Entwicklungsphase befindet. Eine dauerhafte Ausstellung im Foyer des Kultur Kontors informiert Besucherinnen und Besucher über den aktuellen Stand des Bauprojektes. Darüber hinaus soll im Herbst unter dem Titel „Faszination Hafen“ eine erste Ausstellung von ersten Themen und Objekten aus der laufenden Vorbereitung für den Neubau des Hafenmuseums gezeigt werden. „Sie können sich schon jetzt auf höchst spannende Einblicke über die Rolle der deutschen See- und Binnenhäfen während der Globalisierung freuen“, äußert sich Czech zu der geplanten Präsentation im Oktober. Auch weitere Vorhaben der SHMH, etwa Projekte des Historischen Museums Hamburg, sollen künftig im Kultur Kontor vorgestellt werden.

Die Behörde für Kultur und Medien zur Eröffenung des Kultur Kontors 

Senator für Kultur und Medien Carsten Brosda auf der Eröffnungsveranstaltung des Kultur Kontors (©Gesa Bürster)

Hamburgs Senator für Kultur und Medien, Carsten Brosda, hob in seiner Eröffnungsrede die besondere Lage des Kultur Kontors hervor. Zwischen dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, den Deichtorhallen Hamburg, den Bücherhallen Hamburg und der Hamburger Kunsthalle gelegen, befinde sich das Kultur Kontor an einem „zentralen Knotenpunkt des Hamburger Kulturlebens“. Zugleich betonte Brosda die Bedeutung solcher Orte für die Hamburger Bürgerinnen und Bürger: „Hier können künftig die großen Fragen unserer Stadtgesellschaft verhandelt werden.“

Auch die Behörde für Kultur und Medien wird das Kultur Kontor regelmäßig nutzen. Geplant ist, die Fläche jährlich für einen Monat zu bespielen und dort Arbeiten der Preisträgerinnen und Preisträger des Edwin-Scharff-Preises zu präsentieren. Der Preis wird von  der Behörde für herausragende Leistungen in der bildenden Kunst verliehen. Mit Blick auf die eigene Rolle als Veranstalter sagte Brosda: „Damit machen wir etwas, das wir eigentlich nicht tun, und gehen selbst in die Veranstaltungsverantwortung.“

Die erste Ausstellung „SPORT.MASSE.MACHT“

Ein Blick in die Ausstellung „SPORT.MASSE.MACHT. Fußball im Nationalsozialismus“ im Kultur Kontor  (©Jérome Gerull)

Neben den Veranstaltungsformaten der SHMH und der Behörde für Kultur und Medien erhalten auch Gastausstellungen die Möglichkeit, im Kultur Kontor präsentiert zu werden. Mit einer solchen Ausstellung eröffnet das Kultur Kontor. Den Auftakt macht „SPORT. MASSE. MACHT. Fußball im Nationalsozialismus“, die dort bis zum 5. August zu sehen sein wird.

Kuratiert wurde die Wanderausstellung von der NGO what matters gGmbH und dem Sportmuseum Berlin. Die NGO unterstützt Unternehmen und Verbände dabei, sich mit Themen wie Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung auseinanderzusetzen und hierzu eine klare Haltung zu entwickeln. Eine frühere Version war bereits anlässlich der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Berlin zu sehen. Durch die Unterstützung der Familienstiftung Alfred Landecker Foundation konnte sie zu einer Wanderausstellung weiterentwickelt werden, die nun für zwei Monate in Hamburg haltmacht.

Für die Präsentation in Hamburg wurde die Ausstellung etwas verändert und ein größerer Bezug zum Hamburger Fußball hergestellt. „Wir haben schon sehr viel Hamburg in unserer Ausstellung gehabt. Wir haben aber auch noch ein bisschen Hamburg extra hinzugefügt“, sagt Andreas Kahrs, Geschäftsführer der what matters gGmbH.

Thema der  Eröffnungsausstellung im Kultur Kontor

Inhaltlich beleuchtet die Ausstellung insbesondere die Erfahrungen jüdischer und schwarzer Sportlerinnen und Sportler während der Zeit des Nationalsozialismus sowie verschiedene Vereine, die in der Zeit verboten wurden. Eines der dargestellten Schicksale ist das des Fußballers Walter Wächter, der Mitglied des HSV war. Aufgrund des damals weitverbreiteten Antisemitismus verließ er den Verein bereits in den 1920er-Jahren. Er ist eines von vielen Beispielen von Menschen, denen durch den Nationalsozialismus die Partizipation am Sport entzogen wurde. Sein Sohn, Torkel Wächter, war bei der Eröffnung der Ausstellung im Kultur Kontor selbst anwesend. 

Ein weiteres Schicksal ist das der Sportlerin Lotte Specht, die Anfang der 30er-Jahre die erste Frauenmannschaft gründete. Sie scheiterte an jedoch an den Widerständen in der Gesellschaft, die sich zu dieser Zeit klar gegen den Frauenfußball positionierte. 

Auch heute noch kommt es zu antisemitischen oder rassistischen Anfeindungen im deutschen Fußball. Das zeigt die Ausstellung, indem sie aktuelle Geschehnisse einbindet (©Gesa Bürster)

Die Verantwortung in der Gegenwart

Die Ausstellung möchte jedoch nicht nur historische Ereignisse dokumentieren, sondern auch die politische Bedeutung des Sports in Vergangenheit und Gegenwart sichtbar machen. So werden auch die Auswirkungen gezeigt, die der Nationalsozialismus bis heute auf den deutschen Fußball hat. So kommt es heute noch zu antisemitischen und rassistischen Anfeindungen in den Stadien. „Wir möchten mit der Ausstellung Räume schaffen, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Nicht nur darüber, wie der Sport heute sein soll, sondern auch darüber, wie wir unsere Gesellschaft gestalten wollen“, sagt Andreas Kahrs.

Die Ausstellung „SPORT.MASSE.MACHT. Fußball im Nationalsozialismus“ wird in Hamburg von der SHMH sowie der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte anlässlich der diesjährigen FIFA Fußball-Weltmeisterschaft der Männer gezeigt. Sie wird zudem von der Alfred-Landecker-Foundation und der Behörde für Kultur und Medien gefördert. 

 Kultur Kontor: Öffnungszeiten: montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei

Erste Ausstellung: „SPORT.MASSE:MACHT. Fußball im Nationalsozialismus“ vom 9. Juni bis zum 5. August im Kultur Kontor Hamburg

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