Was die Bewohnenden eines Mehrparteienhauses in der Holstenstraße in Altona gerade erleben, klingt erst mal wie ein im negativen Sinne etwas zu abenteuerliches Drehbuch. Doch für die Hausgemeinschaft des Wohnhauses Holstenstraße 197 in Altona ist es die bittere Realität. Laut eigenen Aussagen hatten die Bewohnenden des Gebäudes in der Holstenstraße mehrmals den Vermieter wegen erheblicher Mängel verständigt. Dabei sei es nicht um Schönheitsmängel gegangen, sondern um besorgniserregende Risse und Verformungen in den Wänden.
Passiert sei auf das Drängen der Mietenden aber eine ganze Weile nichts, sodass sich laut Angaben des Hamburger Abendblattes der Vater eines Mieters schließlich mit Bildmaterial an das Hamburger Bauamt gewendet habe und um eine Einschätzung zu Rissen in den Wänden, Fenstern und Türen und teilweise spürbaren Federungen im Fußboden gebeten habe. Eine Erstbearbeitung erfolgte erst zehn Tage später, diese aber mit Wirkung! Das Amt empfahl dem Eigentümer dringend, das Gebäude von einem Sachverständigen überprüfen zu lassen und leitete zudem ein Verfahren zur Herstellung ordnungsgemäßer Zustände gegen ihn ein. Schließlich kam dieser seiner Verantwortlichkeit nach und ließ laut Angaben des Abendblattes einen Architekten sowie einen Statiker das Wohnhaus überprüfen.
Gerade noch rechtzeitig: Es kommt zur sofortigen Evakuierung
Risse im Mauerwerk, Ausbeulungen in der Rückwand und kritische Zustände in Teilen des Bauwerks – die beiden Fachmänner stellten so schwere die Statik betreffende Einschränkungen fest, dass sie sofort die Feuerwehr alarmierten. Am 23. Juli gegen 11 Uhr trafen die Feuerwehr und Teile des THW ein und evakuierten das Wohnhaus in der Holstenstraße 197 sowie auch das Nachbargebäude mit der Hausnummer 195. Zehn Minuten – mehr Zeit hatten die Bewohnenden, um sich das wichtigste Hab und Gut zu greifen und das Gebäude auf unbestimmte Zeit zu verlassen.
Die Evakuierung kam wohl grade noch rechtzeitig. Bis in die späten Abendstunden bauten die Fachkräfte stützende Gerüste im Inneren der Gebäude auf, da Messungen gezeigt hätten, dass sich das Mauerwerk bewegt habe. SZENE HAMBURG stellte der Hausgemeinschaft Fragen zu ihrer derzeitigen Situation, darunter zu ihren Rechten und Unterstützung, zum Umgang des Vermieters mit der derzeitigen Situation und zu den Erwartungen und Forderungen, die die Hausgemeinschaft an die Verantwortlichen hat. Die Fragen blieben von der Hausgemeinschaft unbeantwortet.
Neue Wendung: Der hintere Teil des Wohnhauses soll abgerissen werden
Am Freitag, den 7. August kam dann eine weitere erschütternde Wendung in dem Fall: Der hintere Teil des Wohnhauses soll abgerissen werden. Dies teilte die Hausgemeinschaft auf ihrem Instagram-Kanal mit. Doch das Schlimmste für die meisten bisherigen Bewohnenden ist, dass sie nicht die Möglichkeit bekommen, ihr Hab und Gut aus dem einsturzgefährdeten Haus bergen zu können. Dies wurde ihnen nach eigenen Angaben bei der Evakuierung versprochen. Am Montag den 10. August gibt es um 16.30 Uhr eine Kundgebung gegenüber der Holstenstraße 197. Gefordert wird, dass alle technisch möglichen Maßnahem geprüft und ausgeschöpft werden, um zu ermöglichen, dass die Hausgemeinschaft einen Großteil ihrer persönlichen Habseligkeiten und Erinnerungen bergen kann. Weitere Forderungen betreffen Ersatzwohnraum für die Zeit der Sanierung des Gebäudeteils, der erhalten bleiben kann, und dass alles Mögliche getan wird, um den größtmöglichsten Teil des Gebäudes erhalten zu können.

