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Evolutionäre Entrückung: „Crimes of the Future“

Acht Jahre ließ Kult-Regisseur David Cronenberg die Filmwelt warten, nun meldet er sich mit „Crimes of the Future“ zurück und wagt darin einen verstörenden Blick in die Zukunft

Text: Christopher Diekhaus

 

Crimes of the Future_Plakat_©SPF Crimes Productions Inc_Argonau-klein

„Crimes of the Future“ von David Cronenberg, ab dem 10. November im Kino (©SPF Crimes Productions Inc)

Eine ganze Weile war er weg – nun ist er wieder da! David Cronenberg meldet sich nach seiner 2014 veröffentlichten Hollywood-Satire „Maps to the Stars“ mit einem Science-Fiction-Thriller zurück. Er verhandelt in seinem neuen Film seine Lieblingsthemen verhandelt. In „Crimes of the Future“ – komplett losgelöst von Cronenbergs gleichnamigem Film aus dem Jahr 1970 – dreht sich alles um das Verhältnis des Menschen zu seinem Körper und zur Technik und erforscht eigenwillige Formen der Erotik.

In einer nicht näher bestimmten Zukunft haben sich gravierende biologische Veränderungen vollzogen: Viele Menschen empfinden keinen Schmerz mehr und sind immun gegen Infektionskrankheiten. Bei einigen gehen die physiologischen Umwälzungen so weit, dass sie ständig neue Organe mit unbekannten Fähigkeiten entwickeln. Diese „Gabe“ besitzt auch der Performancekünstler Saul Tenser (Viggo Mortensen), dessen Partnerin Caprice (Léa Seydoux) die merkwürdigen Gebilde in aufsehenerregenden Live-Shows aus ihm herausoperiert. Während der Staat die wild wuchernde Evolution einzuhegen versucht, wird Saul von einer radikalen Aktivistengruppe kontaktiert, die für ein revolutioniertes Verdauungssystem kämpft.

Aufregende Akzente, aber keine neuen bahnbrechenden Einsichten

Cronenberg mag mit früheren Werken stärker polarisiert und geschockt haben. Herrlich abseitige Ideen lässt er aber auch in seine jüngste Arbeit einfließen. Die Welt, in die der kanadische Autorenfilmer sein Publikum entführt, wirkt seltsam leer, sieht ranzig und abgenutzt aus und verfügt über ungewöhnliche, organisch anmutende Apparate, mit deren Hilfe Körperfunktionen kontrolliert werden. Der Film sinniert über die Frage, wozu der menschliche Körper fähig sein könnte, und befasst sich überdies mit dem heute grassierenden Hang, alles in eine Inszenierung zu verwandeln. Manches wird dabei leider nur angerissen. Bahnbrechend neue Einsichten sollte man nicht erwarten. Im Meer der Kino-Dystopien setzt die konventionelle Spannungsmechanismen unterlaufende Zukunftsvision jedoch einige aufregend-schräge Akzente.

„Crimes of the Future“, Regie: David Cronenberg. Mit Viggo Mortensen, Léa Seydoux, Kristen Stewart. 107 Min. Ab 10. November im Kino

Hier gibt’s den Trailer zum Film:


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