Irgendwann in Joscha Bongards Spielfilmdebüt „Babystar“ spricht die 16-jährige Luca das aus, was sich wahrscheinlich viele Zuschauer schon eine ganze Weile denken: „Kann ein Tag auch mal ganz normal sein?“ Im Leben der Teenagerin ist alles Kulisse, alles Inszenierung. Seit ihrer Geburt, die ihre Eltern über ihren Influencer-Account mit der ganzen Welt geteilt haben. Kameras sind ständige Begleiter. Gilt es doch, jeden Schritt in Lucas Entwicklung festzuhalten. Sei es der erste Erfolg auf dem Töpfchen oder ein Gespräch über die erste Periode. „Du brauchst nichts machen, womit du dich nicht wohlfühlst“, wird ihr mit unterschwellig vorwurfsvollem Ton versichert, als Luca bei einem neuen Projekt Zweifel anmeldet. Dass Mama und Papa auf einmal ein zweites Kind planen, mit dem sie ihr Internet-Business weiter ankurbeln wollen, bringt die Jugendliche ins Grübeln – und lässt sie schließlich rebellieren.
Babystar: Zwischen Nüchternheit und flirrenden Atmosphäre
In seinen Grundzügen erinnert Bongards Erstling ein wenig an Hanna Bergholms Regiearbeit „Hatching“ von 2022, die international für Furore sorgte. Während der Albtraum der Hauptfigur dort allerdings mit den Mitteln des Horrorkinos seziert wird, pendelt „Babystar“ zwischen Nüchternheit und einer flirrenden Atmosphäre. Es dominieren statische Einstellungen, die teilweise länger als gewöhnlich gehalten werden. Viele Szenen sind anfangs aus einem leicht erhöhten, schrägen Winkel gefilmt, was an die Bilder einer Überwachungskamera denken lässt. Und genau das trifft ja auch zu: Fast alles im Leben der Protagonistin geschieht, sorgsam ausgeleuchtet, unter den wachsamen Augen der Öffentlichkeit. Der Film ist sperrig, strengt mit seinen abrupten Übergängen, seiner kryptischen Erzählweise manchmal an. Die große Leere, die Luca empfindet, vermittelt sich aber durchaus, in einigen Momenten sogar erstaunlich kraftvoll. Nicht zuletzt dank Hauptdarstellerin Maja Bons, deren ausdrucksstarkes Gesicht viel über den Leidensdruck der ungefragt zum Internetidol gemachten jungen Frau verrät.
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Mehr InformationenRegie: Joscha Bongard. Mit: Maja Bons, Bea Brocks, Liliom Lewald. 102 Min. Ab 23.4.

