Nach Jahren liebloser Fortsetzungen und schwindender Fanbase soll die ambitionierte junge Autorenfilmerin Kris (Hannah Einbinder) das Zeltlager-Franchise „Camp Miasma“ mit zeitgemäßem Horror neu beleben. Ihr Durchbruch war der queeren Regisseurin gelungen mit einem Thriller, charakterisiert als „‚Psycho‘ aus der Perspektive des Duschvorhangs“. Kris hofft, für ihre Produktion das einstige Final Girl der ersten „Camp Miasma“-Folge gewinnen zu können. Billy Presley (Gillian Anderson) lebt zurückgezogen in der Einöde auf dem ehemaligen Drehgelände. Zwischen den beiden gegensätzlichen Frauen entwickelt sich eine ungewöhnliche Anziehung. Da ist die akademisch gewissenhafte Kris auf der Suche nach eigener Identität – verletzlich, unsicher, orientierungslos. Sie stolpert permanent über ihren intellektuellen Anspruch. Billy dagegen umgibt eine Aura von „Boulevard der Dämmerung“. Schicht für Schicht legt sie die Ängste, Obsessionen und Sehnsüchte der Jüngeren frei.
„Teenage Sex And Death At Camp Miasma“ ist der persönlichste Film von US-Regisseurin Jane Schoenbrun. Und der gelungenste. Die vielschichtige Satire taucht ein in die Untiefen weiblicher Lust und Scham. Der Titel ist Programm. Jene gefährliche Kombination von Gewalt und Sex wird in der verschneiten Idylle zum trügerisch vergnüglichen Spiel mit Perversionen, Eros, Todessehnsucht und Junkfood. Offen bleibt die Frage: Wie weit prägt uns die Popkultur? Der lanzenschwingende Killer Little Death sorgt für riesige Blutfontänen und symbolisiert jene düster-bedrohliche Seite der Sinnlichkeit. Die nicht binäre Schoenbrun litt in ihrer Jugend unter Hollywoods Darstellung von Queerness als Verkörperung des Bösen und den transphoben Slasher-Serien. Zwar beginnt ihr Oeuvre als Hommage an Slasher-Klassiker wie „Friday The 13th“, dann aber macht es eine scharfe Kurve, parodiert die konsumorientierte Traumfabrik, setzt ihre eigene überbordende, schillernde Welt und Sinnlichkeit dagegen: eine Eruption von Emotionen, brutal, amüsant, verstörend, zärtlich und urkomisch. Zusammen mit ihren Protagonistinnen und Protagonisten durchbricht Schoenbrun die Grenzen des Genres und der Geschlechterrollen, zerstört mit betörender Radikalität Normen, Strukturen, Logik und Erwartungen. Kameramann Eric K. Yue genießt das Experimentieren mit den visuellen Codes der frühen Slasher-Ära.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen
