Ein zweiter Blick lohnt sich, ist vielleicht sogar notwendig, wenn es um die großformatigen Gemälde von Jakob Scheidt geht. Denn was bei ihm meist zuerst wie eine abstrakte Farb- und Materialschlacht wirkt, in der sich geometrische Formen treffen, scheiden und überlagern, trägt doch häufig gegenständliche Züge. Teils sind plötzlich eindeutige Figuren und Dinge auszumachen, wie etwa Pferde oder Hügellandschaften im Hintergrund, teils ist das Konkrete selbst nur Andeutung und mutiert in der Imagination der Betrachtenden zu etwas Greifbarem.
So mögen manche etwa in cremefarbenen Ovalen sofort Eier erkennen, manch andere vielleicht eher Steine, Pilze oder außerirdische Lebensformen. Bei Scheidt nimmt Farbmaterie in komplexen Kompositionen dynamisch Gestalt an, und das auf vielschichtige Weise, sowohl in den Produktions- als auch in den Wahrnehmungsprozessen: Es ist ein ständiges Werden und Wandeln imaginierter Welten, von der Bildentstehung bis zur Betrachtungssituation im Ausstellungsraum – so auch derzeit in der Galerie von Wegen bei Scheidts Solo-Show „UNDERCURRENT“.

