Filmkritik: „H wie Habicht“

„H wie Habicht“ zeigt eine berührende Chronik einer Flucht vor der Trauer
Hat einen Vogel: Claire Foy in „H wie Habicht“
Hat einen Vogel: Claire Foy in „H wie Habicht“ (©Protagonist Hawk Limited , Saturnia Llc, Channel Four Television Corporation)

Cambridge, 2007. Der plötzliche Tod ihres Vaters, dem Fotojournalisten Alistair MacDonald (Brendan Gleeson), wirft Helen (Claire Foy) völlig aus der Bahn. Er war bis zu diesem Moment ihre wichtigste Bezugsperson. Schmerz und Hoffnungslosigkeit überwältigen die junge Dozentin, sie verliert sich in den Erinnerungen an die gemeinsame Zeit beim Erkunden der Natur, dem Beobachten von Greifvögeln. Sie will der Trauer entkommen. Besessen von der Idee, selbst einen Habicht abzurichten, kauft Helen ein ungezähmtes Tier, quartiert es bei sich im College ein. Habichte, die wildesten aller Raubvögel, sind als Psychopathen verschrien. Wie aus Trotz tauft die Protagonistin ihre widerspenstige Mitbewohnerin auf den Namen Mabel – auf Deutsch: die Liebenswürdige. Was nun in dem verdunkelten Raum beginnt, ist der existenzielle Machtkampf zweier eigenwilliger Kreaturen. Mabel tobt, will keine Ruhe geben; die Versuche sie zu bändigen, scheitern. Helen gibt nicht auf. Das Telefon bleibt ausgeschaltet, der Gefrierschrank mit Futter gefüllt, die Außenwelt, Beruf, Familie, Freunde sind irgendwann vergessen.

 „H wie Habicht“: visuelle Wucht und Eindringlichkeit 

Ab 23.7.2026 im Kino: „H wie Habicht“ (©DCM)

Der Spielfilm „H wie Habicht“ basiert auf den gleichnamigen Memoiren von Helen MacDonald, die zum internationalen Bestseller avancierten. Die britische Regisseurin und Drehbuchautorin Philippa Lowthorpe schildert packend und akribisch real jene langsame Annäherung zwischen der Protagonistin und dem imposanten Habichtweibchen. Claire Foy verkörpert mit rauer Ehrlichkeit den Starrsinn der selbstzerstörerischen melancholischen Jungakademikerin – wahrlich keine Heldin, die um die Sympathie ihres Publikums buhlt. Nachvollziehbar aber wird die Liebe zum Vater, der durch seine Klugheit, Wärme, Güte und sanfte Ironie während der kurzen Flashbacks unser Herz erobert. Spektakulär die Magie der Innen- wie Außenaufnahmen, ihre visuelle Wucht und Eindringlichkeit ersetzen die sprachlich philosophische Virtuosität der literarischen Vorlage. Lowthorpe zwingt uns keine Interpretation des Heilungsprozesses auf, hält dort inne, wo Helen anfängt, sich aus dem Bann der Trauer zu befreien.  Anna Grillet

Hier gibt’s den Trailer zum Film:

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