Hamburg setzt bei seiner Olympia-Bewerbung auf grüne Planung, Nachhaltigkeit und den Dialog sowie Diskurs mit Umweltverbänden. Ein besonders spannendes Beispiel ist die Entscheidung um den Standort für die Mountainbike-Wettbewerbe: Ursprünglich sollten die Cross-Country-Rennen (XCO) in den Harburger Bergen stattfinden – Hamburgs größtem zusammenhängenden Waldgebiet. Doch Umweltverbände und Naturschutzbehörden meldeten Bedenken an: Auch kleine Eingriffe etwa durch temporäre Tribünen am Wald- und Straßenrand hätten den sensiblen Erholungswald beeinträchtigen können.
Nach intensiver Prüfung und konstruktivem Austausch zwischen Olympia-Planern, Umweltverbänden, Bezirken und Umweltbehörde fiel die Wahl auf einen ungewöhnlichen, aber cleveren Alternativstandort: den „Hummelsberg“, wie ihn Umweltsenatorin Katharina Fegebank bei der Vorstellung des Olympia-Konzeptes der Stadt spontan taufte. Die ehemaligen Deponien im Hamburger Norden sind heute ein begrünter Freizeitpark mit Wegen, Aussichtspunkten und Naherholungsqualität. Hier kann eine kompakte, zuschauerfreundliche Mountainbike-Strecke dauerhaft bestehen bleiben – ein Beispiel dafür, wie Sport, Nachhaltigkeit und Umweltschutz Hand in Hand gehen können.
Hamburger Mountainbike-Wettbewerb
Die Entscheidung war Ergebnis eines langen Abstimmungsprozesses: Eine externe Machbarkeitsstudie prüfte sowohl die Harburger Berge als auch Hummelsbüttel nach internationalen Standards des IOC und der UCI. Beide Standorte erfüllten die sportlichen und organisatorischen Anforderungen, die Harburger Berge punkteten mit natürlicher Geländevielfalt, Hummelsbüttel mit guter Medien- und Zuschauerfreundlichkeit. Letztlich siegte die nachhaltige Lösung: Die Olympische Strecke kann dauerhaft für den organisierten Radsport genutzt werden, ohne den sensiblen Wald zu belasten.
Das neue XCO-Areal wird als kompakter Rundkurs gestaltet, der die begrenzte natürliche Topografie clever nutzt und künstliche Streckenelemente einbindet, um anspruchsvolle Rennen zu ermöglichen. Gleichzeitig bleibt die Hummelsbüttler Feldmark als öffentliche Naherholungsfläche erhalten – eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.
Die Harburger Berge hingegen bleiben geschützt: Hier darf Mountainbikefahren nur auf wenigen Trails erfolgen, größere Eingriffe für Wettkämpfe sind nicht erlaubt. Der Wald bietet weiterhin Rückzugsräume für streng geschützte Tiere und Pflanzen, ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und Teil der Wasserschutzgebiete der Süderelbmarsch.
Fazit: Hamburg zeigt, dass Olympia und Naturschutz keine Gegensätze sein müssen. Mit der Hummelsbüttler Strecke entsteht ein innovativer Ort für den Radsport, der gleichzeitig die Umwelt respektiert – und die Stadtgesellschaft in den Planungsprozess einbindet. So kann die Olympiabewerbung nicht nur sportlich, sondern auch ökologisch punkten.
Dieser Artikel ist zuerst in der SZENE 05/26 erschienen.

