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Hamburgerin des Monats: Köchin Cornelia Poletto

Die Hamburger Star-Köchin Cornelia Poletto steht für Genuss – soweit, so bekannt. Aber nicht alle wissen um ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten. Ein Gespräch über Entenkeulen für Senioren und einen Instagram-Takeover für Ärzte und Pfleger des Altonaer Kinderkrankenhauses

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Cornelia Poletto, kürzlich ist die zweite Ausgabe Ihres eigenen Magazins erschienen. Bereits im ersten „Cornelia Poletto“-Heft las man in Ihrem Editorial, Sie wollten damit ein wenig Leichtigkeit und Dolce Vita verschenken in einem herausfordernden Jahr. Schauen wir doch mal auf Ihr 2020: Was war zu Pandemiebeginn für Sie die erste große Herausforderung?

Cornelia Poletto: Konsequent Entscheidungen zu treffen. Auch zu handeln, zu motivieren, Mitarbeiter abzuholen. Und natürlich sich selbst ständig zu informieren, was da eigentlich gerade los ist. Wobei ich in Sachen Pandemie einen kleinen zeitlichen Vorteil hatte.

Weil Sie auch in Shanghai ein Restaurant mitbetreiben und den dortigen Umgang mit der Pandemie kannten?

Genau. Die Menschen dort waren uns Corona-technisch ja zwei Monate voraus. Ich wusste dadurch, was bei uns in Hamburg im März richtig war, nämlich unser Restaurant in Hamburg zu schließen und uns auf Abholung und Lieferung zu konzentrieren.

Diese Alternativen brauchen etwas Vorbereitungszeit. Und da wir das Restaurant bereits vier Tage vor dem offiziellen Lockdown geschlossen haben, konnten wir Delivery und Take-away als eines der ersten Hamburger Restaurants anbieten.

 

„Ich ziehe aus allem das Positive“

 

Hatten Sie in den Frühjahrsmonaten vor allem Sorgen oder eher optimistische Gedanken à la „Wir schaffen das schon!“?

Ich war voll auf die Zukunft fokussiert. Viel Zeit zum Nachdenken hatte ich eh nicht und wollte einfach das Beste aus der Situation machen, genau wie wir es in Shanghai gemacht haben. Ich bin jemand, der aus allem das Positive zieht.

Zum Beispiel, dass ich in den angesprochenen Monaten endlich mal wieder Zeit hatte, mit meinen Mitarbeitern im Restaurant kreativ zu sein. Das hat mir sehr viel Freude bereitet. Wir haben zum Beispiel unsere Kochboxen aufgebaut, die sehr erfolgreich wurden. Bis Weihnachten werden wir noch über 1.000 Stück verschicken.

Was neue Ideen in der Corona-Zeit angeht, habe ich mich auch mit anderen Hamburger Gastronomen ausgetauscht. Es war schön zu sehen, dass in dieser schwierigen Phase niemand nur geschaut hat, wie er oder sie da irgendwie alleine durchkommt, sondern dass alle gemeinsam überlegt haben, wie es gehen könnte.

Sie haben in den ersten Corona-Monaten zudem für ein paar Glücksmomente bei Senioren gesorgt, als Sie Poletto-Mittagessen in Pflegeheimen ablieferten.

Es gab einen Aufruf von der AWO, eine Patenschaft zu übernehmen, also zum Beispiel Einkäufe für Senioren zu erledigen. Ich habe mich dann einfach mal angemeldet, und es vergingen keine zwei Stunden, da rief man bei mir an: „Frau Poletto, sind Sie es selber? Großartig wäre ja, wenn Sie mal für unsere Senioren kochen könnten!“ Das haben wir dann auch gemacht.

600 Essen haben wir während des ersten Lockdowns zubereitet, unterstützt von Stammgästen, und zusammen mit einem Mitarbeiter habe ich alles verteilt. Zum zweiten Lockdown haben wir diese ehrenamtliche Arbeit wieder aufgenommen, seitdem bringen wir Senioren in zwei Einrichtungen an den Adventssonntagen 100 leckere Entenkeulen.

 

„Dann komme ich eben zu euch nach Hause“

 

Kamen Sie bei all dem Engagement auch noch dazu, im Altonaer Kinderkrankenhaus vorbeizuschauen, das Sie als Schirmherrin unterstützen?

Es ist schwierig, direkt vor Ort zu sein bei den kleinen Patienten, man muss da wirklich sehr vorsichtig sein. Aber: Wir haben gemeinsam mit den dortigen Ärzten und Pflegern eine schöne Aktion auf die Beine stellen können, die auch ohne Besuch funktionierte. Ich habe ihnen eine Woche lang meinen Instagram-Account überlassen, um ihnen eine Plattform zu bieten, ihre tägliche Arbeit zu zeigen. Das war unsere Alternative zum gemeinsamen Plätzchenbacken und Kochen, was wir sonst immer machen.

Eine Alternative für die Kochkurse in Ihrer „Cucina Cornelia Poletto“ haben Sie auch entwickelt: Live-Events, die online genossen werden können. Erzählen Sie doch mal, wie Sie Ihre Kochschule digitalisiert haben.

Es rieselte Absagen von Kursen, und mein Palazzo-Zelt findet dieses Jahr auch nicht statt. Zudem können wir mit Delivery und Take-away bei Weitem nicht das Weihnachtsgeschäft abdecken, das wir normalerweise haben. Mir geht es um die Pflege meiner Gäste, die nicht bei mir zusammenkommen können, weder bei Kochkursen, noch bei Weihnachtsfeiern.

Also habe ich gesagt: „Dann komme ich eben zu euch nach Hause!“ Von heute auf morgen habe ich mit meinen Mitarbeitern ein Küchenstudio aufgebaut, mit Kameras, Licht, Schaltpult und vielem mehr. Seitdem können wir wieder alle gemeinsam kochen und lustige wie leckere Live-Events feiern.

cornelia-poletto.de


Cover_SZ0121 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2021. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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