SZENE HAMBURG: Peter, schluma lernten sich 2024 quasi auf den Fluren der HAW kennen. Du warst zu der Zeit Dozent des Sängers und Bassisten Lennard Hirschgänger. Wie genau ging die Bandgründung vonstatten?
Peter Tiedeken: Ich hatte schon immer Bock auf Bands, aber genau zu der Zeit hatten sich gerade zwei Projekte aufgelöst. Ich war deshalb ein bisschen frustriert und hatte mich eigentlich schon damit abgefunden, erst mal nur noch mit dem Computer Musik zu machen. Dann ist Lenny aber zufällig direkt im ersten Semester in meinem Seminar gelandet und wir sind schnell ins Gespräch gekommen, weil er ein Nerven-Shirt getragen hat. Umgekehrt dachte er von mir, dass ich der Bassist von Tocotronic wäre – was ja nicht stimmt.
Anfangs habe ich das Projekt noch gar nicht so ernst genommen, weil ich es eher als Teil meines Jobs gesehen habe.
Peter Tiedeken
Was hat euch verbunden?
Wir haben beide sehr schnell gemerkt, dass es einen großen gemeinsamen Musiknenner gibt – vor allem später 90s Punk und Indie –, aber eben auch interessante Unterschiede. Es gibt so ein Zeitfenster von ungefähr zehn Jahren, in dem Lenny seine Zeit schwerpunktmäßig auf YouTube verbracht hat und ich davon praktisch nichts mitbekommen habe. Er hat mir dann zum Beispiel Bands wie Anda Morts gezeigt, die ich sofort super fand, gerade weil sie so gar nicht in eine Zeit passen, in der Musik oft so high-end produziert ist. Wir mochten beide direkt das Hingeklatschte daran.
Aus beruflichem „Just for Fun“ wurde eine Erfolgsband
Wie viel Fokus lag denn für dich damals auf schluma neben deiner Dozententätigkeit?
Anfangs habe ich das Projekt noch gar nicht so ernst genommen, weil ich es eher als Teil meines Jobs gesehen habe. Ich habe ja die Professur für Musik in der Sozialen Arbeit. Aber dann hat das Ganze so viel Spaß gemacht, dass wir es immer ernster genommen und uns nach und nach noch andere Freund:innen beziehungsweise Studierende dazugeholt haben, also Pola, die ich aus einem anderen Seminar kannte und Linus, einen guten Freund von Lenny, der ebenfalls an der HAW studiert.
Konntet ihr euch fix auf den Band-Klangkosmos zwischen Slacker-Rock und Außenseiter-Lyrik einigen?
Ja, sofort. Beim Texteschreiben haben wir uns von Anfang an perfekt ergänzt. Zu Beginn haben wir oft stundenlang einfach nur getextet und dabei den größten Spaß gehabt. Musikalisch haben wir uns aber schon ein bisschen entwickelt. Am Anfang wollten wir eher wie Interpol klingen, dann haben wir gemerkt, dass wir eigentlich viel mehr Spaß daran haben, wenn die Musik sehr, sehr einfach ist. Das hat am Ende auch viel besser zu unseren Texten gepasst.
Es ist eigentlich ziemlich klar, dass das niemals riesengroß wird
Peter Tiedeken
Für schluma ging es bis jetzt ruck, zuck: erste Singles erschienen, es gab Support-Shows von unter anderem Madsen und Kettcar, einen Plattendeal mit Grand Hotel van Cleef und den Gewinn des Hamburger Newcomer-Preises Krach + Getöse. Kommt ihr mit der Schnelligkeit gut zurecht?
Das war schon ziemlich krass bisher. Am Anfang wollten wir eigentlich nur eine Support-Show für eine Grand-Hotel-Band spielen, weil wir mal raus wollten aus der HAW. Stattdessen haben die uns wirklich direkt einen Plattenvertrag angeboten. Mir war wichtig, dass wir den Vertrag unterschreiben, bevor das Label uns überhaupt live sehen konnte, weil ich dachte, dass sie sich das sonst vielleicht noch mal anders überlegen. Aber auch nach dem ersten Konzert war Grand Hotel voll dabei. Man muss auch sagen, dass es einfach ziemlich gut passt, weil wir ja schon ein bisschen diesen alten Tomte-Sound wiederbeleben. Inzwischen gibt es natürlich einiges zu tun, und es gibt durchaus Phasen, in denen wir drei Tage lang keine Mails checken wollen. Mittlerweile haben wir die Aufgaben aber ganz gut untereinander aufgeteilt.
Krach + Getöse gewannen auch Künstlerinnen und Künstler wie Nina Chuba. Strebt ihr mit schluma eine ähnlich steile Karriere an? Oder seht ihr die Band eher als Projekt auf Zeit, nicht zuletzt wegen deiner Dozenten-Tätigkeit?
Die Frage ist natürlich absurd, weil unser kompletter Sound eigentlich nichts anderes vermittelt als „Loser sein“. Und das finden wir auch ziemlich gut. Wir versuchen da einfach, unsere Freundschaft und unseren teilweise etwas speziellen Humor in Form einer Band zu präsentieren. Und da ist es eigentlich ziemlich klar, dass das niemals riesengroß wird. Ich werde meinen Job also so schnell nicht los. Nina Chuba finden wir aber natürlich auch total super.

