Verführt von Karl (Jannis Niewöhner) begibt sich Maxi (Luna Wedler, rechts im Bild) auf einen gefährlichen Trip; Foto: Pandora Film/Tom Trambow

Methoden der Neuen Rechten im Kino: „Je suis Karl“

„Je suis Karl“ ist ein Beängstigendes Drama um die manipulativen Methoden der Neuen Rechten, jetzt im Kino

Text: Daniel Schieferdecker

 

Ende des Monats ist Bundestagswahl. Aufdringlich designte Wahlplakate verschandeln schon seit Wochen die Städte. Auch die hässliche Fratze der AfD buhlt mit bewährt provokanten Hetzparolen um die Gunst von DemokratieFeinden und solchen, die es werden wollen. Selbst dem linkesten Realitätsverweigerer wird damit tag­täglich vor Augen geführt: Die Rechte ist unter uns.

Der charismatische Student Karl (Jannis Niewöhner) verführt und überzeugt; Foto: Pandora Film

Der charismatische Student Karl (Jannis Niewöhner) verführt und überzeugt; Foto: Pandora Film

Und davon erzählt Christian Schwochows neuer Film „Je suis Karl“. Im Zentrum des Dramas steht ein Terroranschlag, bei dem eine Bombe in einer Wohnung detoniert. Maxi (Luna Wedler) verliert dabei ihre Mutter und ihre beiden Brüder. Schwere Vorwürfe macht sich ihr Vater Alex (Milan Peschel), denn der nahm die Bombe von einem falschen, vermeintlich islamistischen Paketboten an. Beide, Maxi und ihr Vater, sind zerrissen von ihrer Trauer, von ihrer Wut, von Schuldgefühlen. Doch während Alex den Kampf gegen den Schmerz vor allem in seinem Inneren führt, sucht Maxi ein Ventil – und da kommt ihr der charismatische Student Karl (Jannis Niewöhner) zur Hilfe.

 

Der Lockruf der Rechten

 

Der lockt Maxi zu einer Veranstaltung der Re/Generation Europe. Doch was auf den ersten Blick wie eine Feier der europäischen Idee anmutet, entpuppt sich als Bootcamp der Identitären Bewegung. Ungeschönt und mit voller Wucht nimmt Christian Schwochow sein Publikum in „Je suis Karl“ mit ins verstörende Paralleluniversum der Neuen Rechten. Er zeigt, wie schnell man im überbordenden Gefühlschaos, ausgelöst durch eine initiierte Extremsituation, von seinen Idealen abrücken kann. Er macht das Unsichtbare sichtbar, indem er die modern und aufgeschlossen wirkende Jugendgruppierung um Karl als manipulative rechte Bewegung enttarnt. „Je suis Karl“ ist beängstigend und verstörend. Denn indem Schwochow erzählerisch bisweilen ähnlich radikal vorgeht wie seine charismatische Hauptfigur, wird einem durch das fiktive, aber eben doch sehr realitätsnahe Drama einmal mehr bewusst: Die Rechte ist unter uns.

 „Je suis Karl“, Regie: Christian Schwochow. Mit Luna Wedler, Jannis Niewöhner, Milan Peschel. 126 Min. Seit dem 16.9. im Kino

Hier gibts den Trailer zu „Je suis Karl“:


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