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Konzert des Monats – Granada im Nochtspeicher

Popmusik aus Österreich hat ihren jüngsten Hype überlebt – auch dank Granada aus Graz. Ein Gespräch mit Sänger Thomas Petritsch

Interview: Erik Brandt-Höge
Foto: Carina Antl

Etabliert ist er, der Rock aus Österreich. Wie unterschiedlich die Protagonisten jedoch sind, zeigt allein der Vergleich Granada (Graz) und Wanda (Wien). Während letztere fröhlich über Exzess und Tod singen, macht die Grazer Formation lieber Musik wie Pastelltöne. Auf dem aktuellen Granada-Album „Ge Bitte“ geht es musikalisch höchst harmonisch, textlich sehr versöhnlich zu.

Ein Gespräch mit Sänger Thomas Petritsch über Stadtrivalitäten, Verständnisprobleme außerhalb des eigenen Landes, eine Stimmung, die sich nirgendwo vermeiden lässt und einen Ort an der Elbe, der es ihm offensichtlich angetan hat.

SZENE HAMBURG: Thomas, setze doch mal folgenden Satz fort: Denk ich an Graz, denk ich an …

Thomas Petritsch: … den Lebensmittelpunkt. Und an den Uhrturm, das Wahrzeichen der Stadt.

Denkst du ausschließlich an Positives? Oder hat Graz auch Schattenseiten?

Graz ist vor allem eine sehr sichere, ungefährliche Stadt. Ich wohne in Lend, einem Viertel, das vielleicht nicht so gute Referenzen hat, aber die Kriminalitätsrate ist sehr niedrig. Klar, es gibt ein paar Drogendealer, aber die gibt’s anderswo auch.

Okay, nächste Satzforsetzung, bitte: Denk ich an Wien, denk ich an …

… eine sehr lebenswerte Stadt. Und an Freunde, die ich gerne besuche.

Ist irgendjemand aus der Band mal für kurz oder lang in Wien gelandet?

Nein, wir sind alle immer in Graz geblieben. Aber wir mögen alle Wien. Es ist immer wieder schön dort, vor allem am Gürtel, in der Mariahilferstraße, im 7. Bezirk. Hat sich alles a bissl gewandelt, ist aber immer noch super.

Irgendwelche speziellen Stadtrivalitäten zwischen Grazern und Wienern?

Klar, die Hauptstädter nennen alle anderen Bauern, und die anderen sagen auch was zu den Hauptstädtern. Aber ab einem bestimmten Alter gibt’s das alles nicht mehr.

Auch Bands dissen sich nicht untereinander?

In dem Bereich, in dem wir unterwegs sind, überhaupt nicht.

 

„Die Melancholie ist überall zu Hause“

 

Ein musikalischer Graz-Wien-Vergleich, der zumindest in Deutschland immer wieder bemüht wird, ist der zwischen euch und Wanda. Nervt’s langsam?

Ich glaube, dieser Vergleich ist der Sprachbarriere geschuldet, also der, die es ab dem Weißwurstäquator nordwärts gibt. Dabei ist es, als wenn man die Toten Hosen mit Von Wegen Liesbeth oder Isolation Berlin vergleicht. Aus der Perspektive von Österreichern besteht die Gemeinsamkeit nur darin, dass beide Deutsch-Pop-Rock machen.

Allein die textlichen Geschichten sind extrem unterschiedlich: Wanda spielen da mit Rock ’n’ Roll-Klischees, mit Suff, Sex und Tod. Und ihr lasst es durchweg ruhiger angehen, singt nicht über das wilde Leben, sondern über Saunagänge und den Mallorca-Urlaub. Außerdem, heißt es, würdet ihr lieber mal einen Gin Tonic trinken als ständig Bier. Wirkt alles, als würden die Pastelltöne auf dem Albumcover von „Ge Bitte“ einen generell recht hellen Gemütszustand widerspiegeln.

Ja, sicher. Wobei Pastelltöne ja immer auch etwas Verblassendes zeigen, fast schon herbstlich sind. Die Farben signalisieren also auch: Der Sommer geht zu Ende.

Allzu viel Melancholie möchte man mit euch aber nicht in Verbindung bringen.

Die Melancholie ist überall zu Hause, nur unterschiedlich ausgeprägt. Graz zum Beispiel liegt südlicher als Wien, wenn’s auch nur 200 Kilometer Entfernung sind. Es liegt also näher an Slowenien, Kroatien und Italien, hat südländische Einflüsse. Wien dagegen hat eher einen deutschen Einschlag.

 

„Hochdeutsch würde ich mir selbst nicht abkaufen“

 

Apropos Deutsch: Mundart im Gesang würdet ihr wahrscheinlich nicht gegen Hochdeutsch eintauschen, oder?

Die Authentizität würde vielleicht verloren gehen, wenn wir nicht mehr Mundart sängen. Das Ausleben der Emotionen über die Sprache würde auf Hochdeutsch nicht mehr so gut gehen, jedes Wort wäre anders und würde sich irgendwie falsch anhören. Hochdeutsch würde ich mir selbst nicht abkaufen – ich kann’s nicht einmal wirklich gut sprechen.

Könnte das Dritte Granada-Album denn ein englischsprachiges sein? Oder eins auf Italienisch?

Italienisch wäre schon toll!

Sprichst du Italienisch?

Un poco. Pizza bestellen könnte ich schon.

Zum Schluss noch mal vollenden, ein Hamburg-Konzert steht ja an: Denk ich an Hamburg, denk ich an …

die Schanze, den Hafen, den Fischmarkt, den Schellfischposten, „Inas Nacht“, das Dockville, Reeperbahn Festival, Uebel & Gefährlich – das ist alles supergeil! Außerdem denke ich an HipHop! Zum Beispiel an Dynamite Deluxe, die ich in meiner Jugend sehr oft gehört habe. Und Dendemann ist ja auch Hamburger. Ach, ich liebe Hamburg!

Granada: 28.11., Nochtspeicher, 20 Uhr


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2018. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

 


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