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Lisa Bassenge: Musik von Müttern

„Mothers“ heißt das neue Album der Berliner Jazz-Sängerin. Darauf interpretiert sie die Songs von Künstlerinnen, die ihr besonders wichtig sind, von Carole King bis Billie Eilish. Geplante Konzerte fallen aktuell aus – aber über „Mothers“ konnten wir mit ihr sprechen

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Lisa, erinnerst du dich, wann du zum ersten Mal beim Hören von Musik einer Künstlerin das Gefühl hattest: Die ist es – die ist ab sofort so etwas wie eine musikalische Ziehmutter für mich?

Lisa Bassenge: Ich war zwölf, als ich das Madonna-Album „Like A Virgin“ zum ersten Mal hörte (erschienen 1984; Anm. d. Red.). Das hat mich sofort und total hineingezogen in die Welt dieser Künstlerin.

Was hat dir daran so sehr gefallen?

Ich fand den Stil der Songs irre toll! Und Madonna an sich. Sie war damals ja ein weibliches Rollenmodell, das es so vorher im Pop-Bereich noch nicht gegeben hatte: Eine starke Künstlerin, die sich positioniert und so ein „Selbst ist die Frau“-Ding macht. Mich hat das extrem fasziniert.

Warst du fortan Fan und wolltest mehr und mehr über Madonna wissen?

Ja, ich war schon ein richtiger Fan und wusste irgendwann tatsächlich so ziemlich alles über sie. In einem damaligen Bravo-Quiz konnte ich alle Fragen beantworten (lacht).

 

 

Glaubst du, dass es generell wichtig ist, die Biografie einer Künstlerin zu kennen, um ihre Musik voll und ganz verstehen zu können?

Kommt darauf an. Musik sollte immer einen Aspekt haben, der die Allgemeinheit anspricht, also in dem sich jeder wiederfinden kann, ohne große Künstlerinnenrecherche zu betreiben. Wenn man ein musikalisches Werk aber wirklich interpretieren möchte, ist es natürlich ratsam, auch mehr über die Künstlerin zu erfahren.

Für „Mothers“ hast du nun zwölf Songs von Künstlerinnen ausgesucht, die dich und die Pop-Musik ganz generell stark beeinflusst haben: Joni Mitchell, Carole King, Suzanne Vega, aber auch die blutjunge Billie Eilish sind dabei. Nach welchen Kriterien bist du bei der Auswahl vorgegangen?

Ich habe Stücke ausgewählt, zu denen ich einen Bezug habe, die mich berühren. Und natürlich musste ich mir sicher sein: Ich kann etwas daraus machen, das nach mir klingt und passend für meine Stimme ist. Es gab auch Songwriterinnen in der engeren Auswahl, die ich sehr mag, zum Beispiel Regina Spektor, die aber so eigen sind, dass ich ihre Stücke nicht auf meinen Stil umwandeln kann. Es überlagern sich auf „Mothers“ ja ganz verschiedene Pop-Welten, allein zeitlich.

Meinst du, jemand wie Billie Eilish hätte auch in der Zeit und Welt von Carole King bestanden?

Hmm, den Vergleich würde ich lieber nicht ziehen. Es gibt eben ganz klassische Songwriterinnen, von denen man sagen kann: Die hat auf jeden Fall ihre Hausaufgaben gemacht und ihr Handwerk gelernt. Jemand wie Carole King zum Beispiel. Und Billie Eilish hat sich einfach mal guerillaartig übers Internet nach oben katapultiert, ohne sich dabei den Strukturen zu bedienen, die im Musikgeschäft bis heute gängig sind, etwa einen Major-Label-Deal.

Vielleicht hätte Billie Eilish in die Welt von Madonna gepasst?

Den Vergleich finde ich schon besser. Zwei Künstlerinnen, die zu Pop-Phänomenen wurden und mit ihrer Musik vor allem junge Menschen ansprechen. Bei Billie Eilish wird das besonders deutlich. Zu ihren Konzerten gehen ja nicht nur Erwachsene und pubertierende Jugendliche, sondern teilweise sogar Kinder.

 

 

Könntest du eigentlich auch einen Bravo-Test über Billie Eilish bestehen?

Nein, überhaupt nicht. Von ihr weiß ich gar nicht so viel. Ich finde einfach ihre Musik super.

Hast du ihr deine Interpretation ihres Songs „All The Good Girls Go To Hell“ zugeschickt?

Nein, dazu bin ich zu bescheiden.

Und wenn sie ihn hören würde: Wäre es dir wichtig, dass er ihr gefällt?

Oh ja, natürlich! Es wäre furchtbar, wenn er ihr nicht gefallen würde!

Deine „Mothers“-Songs sind nun musikalisch sehr einheitlich: reduzierte Arrangements, Klavier im Fokus, sehr jazzig gehalten – typisch Lisa Bassenge …

… auch weil es mir darum ging, groß produzierte Pop-Stücke in eine kleine Form zu bringen. Darum, die Essenz des Songs herauszuarbeiten und etwas Eigenes daraus zu machen. Dafür ist die Trio- Konstellation, in der wir „Mothers“ aufgenommen haben, auch genau richtig. Der Schwede Jacob Karlzon ist mit ganzem Herzen Jazz-Pianist und leistet einen ebenso großen Beitrag wie mein Mann Andreas Lang am Bass.

Besteht eigentlich in Zukunft auch die Chance auf ein „Fathers“-Album?

Ach, es gibt so viele Männer in der Musikwelt und auch so sehr männliche Strukturen, dass ich denke: Ein „Fathers“-Album ist nicht unbedingt nötig. Mit „Mothers“ möchte ich jetzt lieber ein Augenmerk auf die weiblichen Teilnehmer an der Musikwelt richten.

„Mothers“ ist am 13.3. erschienen


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2020. Das Magazin ist seit dem 28. März 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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