Putzig, wie das grasgrün bekittelte Bordpersonal die Kinder und Erwachsenen mit überdeutlichen Gesten zu ihren Plätzen führt. Die pantomimischen Anweisungen sagen: Nicht mehr reden. Aufmerksam beobachten. Applaudieren. Und vor allem: auf die Klänge lauschen und aus welchen Richtungen sie kommen in diesem Raumschiff, in das Bühnenbildner Valentin Köhler die Opera Stabile der Staatsoper verwandelt hat. Die Vokalschnipsel, das elektronische Surren, Glucksen und Gurgeln gehören zu Karlheinz Stockhauses Frühwerk „Gesang der Jünglinge“. Dieses hat Regisseurin Elisabeth Stöppler zusammen mit einem knapp 60-minütigen Ausschnitt aus Stockhaus gigantischen Musiktheaterwerk „Licht“ – das aus insgesamt 29 Stunden Musik besteht – zu einem neuen Bühnenstück verwoben.
Michaels Reise: futuristische Theaterwelt
„Stockhausen für Kinder: Michaels Reise“ ist der mutige Versuch, die Musik des 2007 verstorben Avantgarde-Komponisten und Vorreiters der elektronischen Musik für ein junges Publikum aufzubereiten. Und das sitzt mitten im Geschehen, wenn das mit futuristischen Leuchtschienen und allerlei technischem Gerät angedeutete Sternenschiff mit seiner musizierenden Crew in die Weiten des Weltalls aufbricht. Im Zentrum einer vage angedeuteten Handlung steht Mic, dargestellt von Paul Hübner, der als Solo-Trompeter im Dauereinsatz eine höchst beeindruckende Leistung abliefert. Surreale Bilderwelten entfalten sich auf dem Screen – und durch die schillernden Kostüme, wenn Darsteller die verschiedenen Planeten verkörpern. Sechs Bläser bewegen sich – begleitet von Schlagzeug und Synthesizern – frei im Raum, sorgen für sphärisch schwebende Klänge und treffen sich zu irisierenden, impulsiven Dialogen. Stockhausens Experimente liefern keine Musik zum Einschlafen, und so verfolgen auch die jüngsten Besucher – das Stück wird ab 6 Jahren empfohlen – bis zum Schluss aufmerksam diese wortlose, aber szenisch und musikalisch fesselnde Aufbereitung Neuer Musik für junges Publikum.
Dieser Artikel ist zuerst in der SZENE 05/26 erschienen.

