Die Ausstellung ZEIT UND ERINNERUNG beschäftigt sich mit der Frage, was bleibt, wenn das Selbst nicht mehr ist. Dies sind Augenblicke, an die man sich erinnert, Fragmente des Besonderen, aber auch Alltäglichen. Momentaufnahmen wie das Frühstück mit selbst gemachtem Quittengelee oder der Blick in den Himmel an einem mäßig bewölkten, sonnigen Strandtag sind in unsere Köpfe eingebrannt als friedliche Momente und werden in der Ausstellung als Kunstwerke visualisiert.
Die Betrachtung der Dinge ist nie in ihrer Kompaktheit zu erfassen, sondern erfolgt über ein Puzzle der einzelnen Blicke, eine Blickmontage. So sind auch viele der Kunstwerke aufgebaut. Eine Situation, zusammengesetzt aus verschiedenen Fragmenten – eine Collage wird zum Gesamtbildnis. Auch das Vergessen wird künstlerisch interpretiert. Durch an den Leinwänden montierte Teilverdeckungen zeigt Meyer, dass er etwas gesehen hat, die Erinnerung an diesen Blick jedoch unvollständig ist.
Den erlebten Zeitraum interpretiere ich mit mehreren erinnerten Blicken. Gemeinsam interpretieren sie einen Moment.
Hans-Gerhard Meyer
In den Kunstwerken von Hans-Hinrich Sievers wird der Gegenstand der Ausstellung – Zeit und Erinnerung – vor allem durch das Material greifbar. Die Skulpturen wurden aus „Mooreiche“ gefertigt, einem Stoff, der aus Holz besteht, das Hunderte oder Tausende Jahre im Sumpf oder Moor gelegen hat. Durch die Reaktionsprodukte der Gerbsäure des Baumes mit den Eisensalzen des Wassers färbt sich das Holz schwarz oder dunkelbraun. Für Sievers besteht ein besonderer Reiz darin, dem altehrwürdigen „Werkstoff-Fossil“ neues Leben einzuhauchen. Sievers stellt seinen Arbeiten gerne Texte zur Seite, zum Beispiel der Figur Stop: „Anhalten, | innehalten, | nachdenken, | neustarten …“ . Oder Homo quantus: „Informationsevolution über binär zu Quanten, Mensch und Roboter, getrieben von big data, die Quantennatur bleibt das unergründliche Mysterium des Lebens …“.

