Neues HoheLuftschiff Theater in Eimsbüttel ab 2030: Die Planungen laufen an

Das HoheLuftschiff ist seit über 20 Jahren eine Institution in Eimsbüttel. Für zahlreiche Kinder ab schon einem Jahr ist das HoheLuftschiff die Anlaufstelle für ihre ersten Kulturerfahrungen. Aus dem Gesamtraum Hamburg besuchen Kinder mit ihren Familien, Kitas oder Schulen das Theater. Bespielt wird das Theater zum einen vom hauseigenen Ensemble dem „Theater Zeppelin Ensemble“, wie auch von der Freien Szene. Aber auch als Stadtteilkulturort fungiert das jetzige HoheLuftschiff: Hier werden Bandproben, Hochzeiten, Taufen und Partys aller Art zelebriert
Geschäftsführerin Felicia Grau und Festivalleitung von „Wir wollen spielen“ Fiona Grassl  vor dem HoheLuftschiff
Geschäftsführerin Felicia Grau und Festivalleitung von „Wir wollen spielen“ Fiona Grassl vor dem HoheLuftschiff (© Christina Herdin) 

Ab 2030 wird das Kindertheater planmäßig nicht mehr auf der alten Getreideschute, sondern auf einem neuen, für die Zwecke des Theaters und Stadtteils, gebauten Hausboot aufgeführt und gefeiert. Die Kosten hierfür belaufen sich auf rund 4,5 Millionen Euro. SZENE HAMBURG hat sich mit Geschäftsführerin Felicia Grau und der Festivalleitung von „Wir wollen spielen“, Fiona Grassl, getroffen und über die Zukunft des Theaterschiffs gesprochen. 

SZENE HAMBURG: Felicia und Fiona, warum muss für das jetzige HoheLuftschiff eine neue Lösung gefunden werden?

Felicia: An dem Material unserer alten Getreideschute nagt nach über 20 Jahren, die sie hier als Kindertheater dient, mittlerweile der Zahn der Zeit. Der Stahl ist wasseranfällig, was uns in die Situation bringt, in wenigen Jahren das Schiff ersetzen zu müssen. Wir versuchen aber mit allen Mitteln an diesem Ort bleiben zu können. Und das wollen auch alle anderen Betroffenen – die Kulturbehörde, das Bezirksamt und die Einwohnenden und Besuchenden. Wir bekommen aktuell sehr viel Rückendeckung von allen Seiten für unser Vorhaben.

Wir vereinen so viel, was Hamburg ausmacht: Wir sind ein Schiff, wir liegen im Kanal, wir machen Kultur in einer Musical- und Hochkulturstadt. Wir legen bei den Kindern einen Grundstein, um die Gäste von morgen zu sein.

Felicia

Wie war die emotionale Reaktion der Mitwirkenden auf die nahenden Veränderungen des HoheLuftschiffs?

Felicia: Aktuell sind wir ja diese alte umgebaute Schute, die seit 22 Jahren hier liegt. Sie hat ihre eigene Geschichte mitgebracht und erzählt diese auch an allen Ecken und Enden. Geplant ist für ab 2030 ein komplett neues Theater-Hausboot zu bauen. Dieses Gefühl des alten Schiffs lässt sich nicht so einfach mit in die neuen Räumlichkeiten mitnehmen. Wir haben im Team viel darüber gesprochen, wie wir das schaffen können. Auch die Gestaltung der Außenfassade des Theater-Hausboots spielt dabei eine entscheidende Rolle.  

Fiona: Es wäre auch vielleicht günstiger, in eine vorhandene leer stehende Fläche an einem anderen Ort zu gehen. Aber uns ist total wichtig an diesem Standort zu bleiben, weil hier seit rund 50 Jahren Theater gemacht wird, erst an Land, dann auf dem Wasser, und dieser besondere Ort ein besonders fantasievoller für die Kinder ist. Emotional geht der Prozess bei vielen von uns in beide Richtungen. Einmal müssen wir natürlich etwas Geliebtes loslassen, auf der anderen Seite machen sich neue Möglichkeiten auf, das Theater-Hausboot nach Bedarf zu entwickeln und Räume zu schaffen, die auf dem aktuellen Schiff fehlen.

Egal, wo du hier an Bord bist, du spürst das Schiff. Das wird natürlich bei dem Hausboot anders sein.   

Felicia 

Dass das neue Theater ein gebautes Hausboot wird, anstatt dass ein neues Schiff gesucht wird, hat also den Grund, dass ihr dann das Theater nach allen Bedürfnissen anpassen könnt?

Felicia: Es kommen verschiedene Faktoren zusammen. Wir wünschen uns auch einen Ort, der die nächsten Generationen trägt und das tun Stahlschützer einfach nicht. Wir möchten einen Ort schaffen, an den die Kinder von heute in einigen Jahren mit ihren eigenen gehen können. Dafür ist die beste Lösung einen Betonschwimmkörper zu haben, wie er sich vielerorts in Hamburger Kanälen schon als robustes Hausbootplateau beweisen konnte. 

Gibt es denn schon Neuerungen, die bereits jetzt stehen?

Fiona: Also es gibt Wunschneuerungen. Zum Beispiel hätten wir gerne eine kleine Kaffee- und Eisklappe zum Kanal hin, um den großen Betrieb an Stand-up-Paddelnden und Tretboot-Fahrenden am Wochenende mit kühlen Erfrischungen versorgen zu können. Auch wäre es wünschenswert, den Backstagebereich etwas separater zu den Büroräumlichkeiten zu haben, als es jetzt der Fall ist.  

Felicia: Ich wünsche mir zwei Meter mehr Bühnenbreite. Aktuell haben wir fünf Meter, wodurch wir viele Produktionen nicht zu uns einladen können, weil sie wenigstens sechs Meter Bühnenbreite für ihre Stücke brauchen. Mit zwei Metern mehr könnten wir unseren Gästen ein noch viel vielfältigeres Programm bieten. Ich fände es zudem super, wenn wir all unseren Strom über Solar generieren könnten, am liebsten mit künstlerischer Begleitung, die den Stromfluss vom Dach bis in die Scheinwerfer für die Kinder visualisiert. Ein weiterer Traum wäre eine hauseigene Kläranlage, um dem Kanal und der hier lebenden Flora und Fauna in Form von Frischwasser etwas zurückzugeben.  

Fiona: Wir würden uns zudem wünschen, dass sich Leute, die diesen Text lesen und denken, dass zum Beispiel eine Stiftung passen könnte, oder eine andere relevante Idee zu dem Vorgang haben, uns kontaktieren. Wir möchten auch gerne unsere kleinen und großen Gäste dazu einladen, uns zu spiegeln, was sie sich für die Zukunft des Theaterschiffs wünschen. So wird es auch bei unserem internationalen Theaterfestival eine Mitmach-Station geben, in der Ideen festgehalten werden. Dort gibt es Informationsmaterial und Entwürfe zum Neubau und die Kinder können ihre Wünsche aufschreiben.

Felicia: Wir haben im vergangenen Jahr schon begonnen, mit einigen Kindern Modelle zu basteln. Es soll einen Dialog mit denen geben, für die das Theaterschiff ist und sein wird und ihre Wünsche und Bedürfnisse sollen, so gut es geht, einbezogen werden. Zudem planen wir uns ein paar Tage mit der freien Theaterszene die die Kindertheater für Hamburg machen, zusammenzusetzen und die Bedarfe zu ermitteln. Das Ganze ist ein gruppen-demokratischer Prozess.

Diese Modelle neuer Theaterschiffe hat das Team bereits mit einigen Kindern gebastelt (©Christina Herdin)
Diese Modelle neuer Theaterschiffe hat das Team bereits mit einigen Kindern gebastelt (©Christina Herdin)

Wie lange wird es dauern. Das jetzige Schiff durch das neue Hausboot zu ersetzen?

Fiona: Der Plan ist, keine Spiellücke zu haben. Das neue Hausboot soll in einer Werft angefertigt und dann an den Spielort überführt werden. Für einen kurzen Zeitraum sollen dann beide Theater im Kanal liegen.

Felicia: Die Sommerspielzeitpause wollen wir dann nutzen, um das Schiff gegen das Hausboot zu wechseln.

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