clausy: „Da geht sicherlich noch mehr“

Der Hamburger Indie-Rap-Newcomer clausy veröffentlicht seine zweite EP. Ein Kurzinterview zu Karrierestatus und -zielen des Künstlers
„Step by Step“: clausy Foto: Lia Sophie Laukant
„Step by Step“: clausy Foto: Lia Sophie Laukant

Wie geil man selbst ist, wie ungeil die anderen, wie oberüberhyperstark die eigenen Beats sind, wie schlaff die des sowieso superschlaffen Rests: Der Hamburger Indie-Rapper clausy thematisiert auf seiner zweiten EP „NACHSCHLACH“ genau das – nicht. Ganz weit weg von Genre-Klischees, befasst er sicht textlich lieber mit Alltäglichem. Dem Umgang mit Dauererreichbarkeit. Folgen des Ja-Sagens. Äußerem Druck, sein Leben auf allen Ebenen und ständig zu optimieren. Klingt ernst, aber nicht bei clausy, der lyrisch eher locker mit all dem umgeht und dabei musikalisch untermalt wird von einem beschwingten Mix aus Drum ’n’ Bass, Trap, Techno und ein wenig schimmerndem 80er-Pop.

SZENE HAMBURG: clausy, „zwischen Schlafen und Träumen muss ich Arbeiten gehen“, rappst du in „WASMAN HATMAN“. Hält sich die Balance aktuell zu jeweils einem Drittel?

clausy: Tatsächlich sieht das in der Realität eher so aus: ein Drittel Schlafen, ein Drittel Essen, ein Drittel Arbeiten. Das große Träumen passiert ununterbrochen nebenbei, außer wahrscheinlich in der Non-REM-Schlafphase — hab ich irgendwo mal aufgeschnappt. 

Ich habe keine Einwände dagegen, mich in dieser Szene zu etablieren

clausy

Im selben Song heißt es: „Keiner hier weiß, wie gut ich rappe.“ Das bezieht sich auf dein Rap-abseitiges Arbeitsumfeld. Aber: Fühlst du dich auch grundsätzlich zu wenig beachtet in der Hamburger Rap-Szene?

Da geht sicherlich noch mehr, was vor allem daran liegt, dass ich als Rapper noch recht neu bin. Ich bin ja eigentlich als Drummer unterwegs und treibe mich eher auf Konzerten unterschiedlicher Genres als auf Rap-Sessions rum. Aber da verfolge ich den Ansatz: Step by Step! Ich muss ja zwischen schlafen und träumen auch – leider – noch arbeiten gehen. Ich bin sehr happy mit meinen ersten beiden EPs und überzeugt, dass die Mucke gerade auch live gut ankommt. Es braucht nur Zeit und die richtigen Leute, die es verbreiten. Ein Interview in SZENE HAMBURG ist doch schon mal ein guter Start. 

Also verfolgst du schon das Ziel, dich fest in der erwähnten Szene zu etablieren? Oder doch lieber fern dieser eine Karriere zu kreieren, also als Rap-technisches Alleinstellungsmerkmal in der Stadt?

Witzigerweise höre ich nach Gigs oft: „Ich kann eigentlich nix mit Rap anfangen, aber deine Mucke feier ich.“ Dann lache ich mir immer ins Fäustchen und denke: „Guck ma’, kannst ja doch was mit Rap anfangen!“ Denn irgendwie mache ich ja schon Sprechgesang. Einige verstehen unter Rap natürlich das, was im Mainstream passiert inklusive aller Klischees, aber der Indie-Rap-Bereich hat seit Jahrzehnten eine krasse Vielfalt zu bieten. Ich habe also absolut keine Einwände dagegen, mich in dieser Szene zu etablieren, gehe aber ansonsten einfach zu den Leuten, die mit Rap nix anfangen können und überzeuge sie vom Gegenteil.

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