Planet Harburg: Wie ein Kaufhaus zum kulturellen Anker wurde

Seit der Eröffnung des Planet Harburg Ende 2023 schlägt das Herz des Archäologischen Museums Hamburg (AMH) auch in Harburg. Das ehemalige Karstadt-Gebäude hat sich zu weit mehr als einer bloßen Ausstellungsfläche entwickelt. In den Räumen ist ein lebendiger Ort der Begegnung entstanden
Mitten in Harburg erwachte 2023 ein leerstehendes Kaufhaus zu neuem Leben. Das Archäologische Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg bezieht das Erdgeschoss und schafft dort einen kreativen Ort für Begegnung und Geschichte
Mitten in Harburg erwachte 2023 ein leerstehendes Kaufhaus zu neuem Leben. Das Archäologische Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg bezieht das Erdgeschoss und schafft dort einen kreativen Ort für Begegnung und Geschichte (©Archäologisches Museum Hamburg)

Dort, wo über Jahrzehnte der Konsum das Sagen hatte, Rolltreppen ratterten und Kunden nach Schnäppchen suchten, herrscht heute ein anderer Geist. Der Planet Harburg nutzt die rund 400 Quadratmeter im Erdgeschoss des markanten Karstadt-Baus als kreative Zwischenlösung. Seit dem Start im Dezember 2023 hat sich das Projekt als fester Treffpunkt für Bürgerinnen, Bürger, Geschichtsinteressierte und Kunstfreunde etabliert. Das Konzept ist dabei so simpel wie effektiv: Der Eintritt ist frei, die Türen stehen offen, und die Themen sind tief in der Harburger Identität verwurzelt. Das Herzstück der Präsentation bildet nach wie vor die eindrucksvolle visuelle Reise durch die Zeit. Ein sechs mal zwei Meter großer Leuchtkasten mit Caspar Merians Stadtansicht von 1654 begrüßt die Besuchenden und schlägt die Brücke zur Harburger Festungsgeschichte. Besonders populär ist das Werk des Malers Carl Ihrke: Sein 360-Grad-Panorama, das 1963 direkt vom Dach des Karstadt-Gebäudes aus entstand, bietet einen faszinierenden Blick auf das Harburg der Wirtschaftswunderzeit und lädt zum direkten Vergleich mit der heutigen Stadtkulisse ein.

Planet Harburg: Filmabende, Lesungen und Diskussionen

Der Planet Harburg scheut auch vor den komplexen Themen nicht zurück. Die Ausstellung dokumentiert die wechselvolle Geschichte des Standorts (©Archäologisches Museum Hamburg)

Der Planet Harburg scheut auch vor den komplexen Themen nicht zurück. Die Ausstellung dokumentiert die wechselvolle Geschichte des Standorts – von der Glanzzeit des Warenhauses bis hin zur Aufarbeitung jüdischen Lebens und dessen Zerstörung während der NS-Zeit. Dieser Fokus auf die lokale Historie wird ergänzt durch wechselnde zeitgenössische Kunst und persönliche Schätze wie die Fotoglasplatten der Familie Winzer, die das Leben um 1900 dokumentieren. Was diesen Ort so besonders macht, ist seine Funktion als „Dritter Ort“. In dem integrierten Veranstaltungssaal finden regelmäßig Filmabende, Lesungen und Diskussionen statt, die den Raum immer wieder neu beleben. Während das Haupthaus des AMH am Museumsplatz den klassischen Rahmen bietet, fungiert der Planet Harburg als dynamisches Schaufenster und Diskussionsplattform. In einer Zeit, in der viele Innenstädte mit Leerstand kämpfen, zeigt dieses Projekt, welches Potenzial in der kulturellen Umnutzung großer Handelsflächen steckt. Der Planet ist längst gelandet – und er ist aus der Harburger City nicht mehr wegzudenken. 

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