Dort, wo über Jahrzehnte der Konsum das Sagen hatte, Rolltreppen ratterten und Kunden nach Schnäppchen suchten, herrscht heute ein anderer Geist. Der Planet Harburg nutzt die rund 400 Quadratmeter im Erdgeschoss des markanten Karstadt-Baus als kreative Zwischenlösung. Seit dem Start im Dezember 2023 hat sich das Projekt als fester Treffpunkt für Bürgerinnen, Bürger, Geschichtsinteressierte und Kunstfreunde etabliert. Das Konzept ist dabei so simpel wie effektiv: Der Eintritt ist frei, die Türen stehen offen, und die Themen sind tief in der Harburger Identität verwurzelt. Das Herzstück der Präsentation bildet nach wie vor die eindrucksvolle visuelle Reise durch die Zeit. Ein sechs mal zwei Meter großer Leuchtkasten mit Caspar Merians Stadtansicht von 1654 begrüßt die Besuchenden und schlägt die Brücke zur Harburger Festungsgeschichte. Besonders populär ist das Werk des Malers Carl Ihrke: Sein 360-Grad-Panorama, das 1963 direkt vom Dach des Karstadt-Gebäudes aus entstand, bietet einen faszinierenden Blick auf das Harburg der Wirtschaftswunderzeit und lädt zum direkten Vergleich mit der heutigen Stadtkulisse ein.
Planet Harburg: Filmabende, Lesungen und Diskussionen
Der Planet Harburg scheut auch vor den komplexen Themen nicht zurück. Die Ausstellung dokumentiert die wechselvolle Geschichte des Standorts – von der Glanzzeit des Warenhauses bis hin zur Aufarbeitung jüdischen Lebens und dessen Zerstörung während der NS-Zeit. Dieser Fokus auf die lokale Historie wird ergänzt durch wechselnde zeitgenössische Kunst und persönliche Schätze wie die Fotoglasplatten der Familie Winzer, die das Leben um 1900 dokumentieren. Was diesen Ort so besonders macht, ist seine Funktion als „Dritter Ort“. In dem integrierten Veranstaltungssaal finden regelmäßig Filmabende, Lesungen und Diskussionen statt, die den Raum immer wieder neu beleben. Während das Haupthaus des AMH am Museumsplatz den klassischen Rahmen bietet, fungiert der Planet Harburg als dynamisches Schaufenster und Diskussionsplattform. In einer Zeit, in der viele Innenstädte mit Leerstand kämpfen, zeigt dieses Projekt, welches Potenzial in der kulturellen Umnutzung großer Handelsflächen steckt. Der Planet ist längst gelandet – und er ist aus der Harburger City nicht mehr wegzudenken.

