SZENE HAMBURG: Adrian, du warst 2019 eines der Gründungsmitglieder von Queerpool. Was waren damals eure übergeordneten Ziele mit der Partyreihe?
Adrian: Als wir Queerpool ins Leben gerufen haben, waren die Möglichkeiten, queere Raves zu besuchen, in Hamburg relativ limitiert. Wir hatten Lust, das zu ändern und etwas Besonderes zu gestalten. Wir wollten dabei auch explizit ein queeres Publikum ansprechen, also alle aus der LGBTQ-Community, nicht bloß schwule Männer.
Wurde Queerpool von Anfang an so gut angenommen, wie ihr es euch gewünscht habt?
Adrian: Ja, die Party wurde sofort gut angenommen und wir haben auch schnell sehr positives Feedback bekommen. Zum Beispiel, dass viele Leute in Hamburg zuvor lange nach Veranstaltungen wie Queerpool gesucht haben und dann froh waren, dass es uns gibt.
Die Arbeit an der Partyreihe wurde und wird nie für abgeschlossen erklärt
Bellatrix
Habt ihr am Konzept der Reihe mit der Zeit etwas verändert?
Adrian: Die größten Veränderungen kamen vor dreieinhalb Jahren mit dem Hinzukommen von Bellatrix. Weil wir dann weitere, größere Angebote machen konnten, zum Beispiel einen FLINTA*-Dark-Room. Außerdem wurde dank Bellatrix generell mehr Augenmerk auf das Booking gelegt und genau geschaut, wie wir die Art der Musik mitbeinflussen können.
Wie hast du, Bellatrix, denn deinen Einstieg bei Queepool erlebt?
Bellatrix: Mein Background sind die Performing Arts, für die bin ich einst auch nach Hamburg gezogen, ich habe für ein großes, internatioanles Festival gearbeitet. In dem Job hat mir allerdings der Anschluss ans Nightlife gefehlt. Den habe ich durch Queerpool gefunden. Was ich sofort gut fand, war, dass die Arbeit an der Partyreihe nie für abgeschlossen erklärt wurde und wird. Es gibt immer Stellschrauben, an denen gedreht werden kann. Ich bin nicht an einem Nightlife interessiert, dass als fertig erklärt wird. Nightlife sollte immer im Wandel sein.
Queerpool: Fetse Regeln und Gegenwind
Was jedoch feststeht bei Queerpool, sind die Regeln rund um die Partys. Die reichen vom Dresscode bis zum Melden von beobachteten negativen Verhaltensweisen. Ihr habt bei Queepool ein Awareness-Team. Hat das viel zu tun?
Bellatrix: Das ist unterschiedlich. Wie viel oder wenig ein Awareness-Team zu tun hat, finde ich aber auch gar nicht so interessant. Ich finde es wichtig, dass es bei uns ein Awareness-Team gibt. Safer Spaces, gerade im Kontext von sexpositiven Partys, können nur bestehen, wenn ein Awareness-Team da ist. Wir haben auch immer schon ganz klar Consent-gerichtet agiert, was ein Grundpfeiler der Awareness-Struktur ist. Diese Dinge sind in den vergangenen 20 Jahren im Club-Leben ganz allgemein dazugekommen, auch im Mainstream, allerdings Errungenschaften der linken und Untergroundszene.
Adrian: Wir ermutigen auch immer alle, die zu uns kommen, diese Strukturen zu nutzen – auch wenn man sich gerade nicht sicher ist, ob man selbst spinnt oder die anderen spinnen. Es ist wichtig und hilfreich, sich in den entsprechenden Situationen auszutauschen.
Bellatrix: Zudem arbeiten wir seit einiger Zeit mit der Party-Crew von Hein & Fiete zusammen, die Angebote zur Aufklärung von sexuell übertragbaren Krankheiten und Safer Use machen. Dafür sind wir extrem dankbar.
„Nightlife sollte immer im Wandel sein“
Bellatrix
Queerpool funktioniert – und Erfolg bringt nicht nur Gutes mit sich. Erlebt ihr, speziell in den sozialen Medien, Gegenwind von queer-feindlichen Menschen?
Bellatrix: Vereinzelt gibt es manchmal Kommentare unter unseren Posts, die Unverständnis zeigen. Ich würde aber nicht sagen, dass das ein strukturelles Problem ist, mit dem wir aktiv zu kämpfen haben. Was viel problematischer für uns ist, ist dass sich eine Ankündigungskultur von Plakaten und Facebook zu Instagram verschoben hat. Instagram und Meta sind ja dafür bekannt, dass sie queere Rechte in einer Zeit des Rechtsrucks nicht mehr aktiv unterstützen. Vergangenes Jahr hat zudem ihr zu frühes Testen von einem neuen Algorithmus dazu geführt, dass Partyreihen mit mehreren 10.000 Followern eben diese verloren haben. Auch wir sind auf diesen Algorithmus angewiesen, um unsere Veranstaltungen zu bewerben, was dann schon mal zu geringeren Besuchendenzahlen führen kann.

