Mit der Ausstellung „Sara Sallam – Fürsorge. Fotografie neu ordnen“ befasst sich das MK&G mit dem eigenen kolonialen Erbe, welches an zahlreiche archäologische und fotografische Arbeiten des Museums gebunden ist. Die ägyptische Künstlerin Sara Sallam lotet in Form ihrer forschungsbasierten Fotografie-, Video- und Textkunst die Fragen „Wie können wir heute auf die gewaltsamen Praktiken der Kolonialzeit blicken?“ und „Wie lassen sich Wunden sichtbar machen – und ein Prozess der Heilung anstoßen?“ aus. Hierzu erschafft sie durch poetische Neuinterpretationen als multimediale Installationen, performative Erzählungen und selbst gestaltete Publikationen eine Gegenerzählung zu den bisherigen historischen Narrativen aus kolonialen Kontexten. Die Besuchenden werden dazu eingeladen und angeleitet, die Vergangenheit neu zu betrachten.
Über ihre Arbeitsweise sagt die Künstlerin: „Meine Arbeit beginnt oft mit der Erforschung von Museumsarchiven auf der Suche nach zum Schweigen gebrachten marginalisierten Stimmen. Ich suche nach Möglichkeiten, die durch koloniale Praktiken verursachten Wunden zu nähen und zu heilen. Durch ein empathisches Erzählen hinterfrage ich die dominanten Narrative, die unser kollektives Gedächtnis seit Langem prägen, und biete stattdessen Perspektiven an, die auf Fürsorge und Erinnerung gründen. Mit diesen Gesten hoffe ich, die Verwandtschaft mit meinen altägyptischen Vorfahren neu zu imaginieren.“
Sara Sallam wuchs in Ägypten auf, studierte Medienwissenschaften in Kairo, Dokumentarfotografie in London sowie Film- und Fotowissenschaften in Leiden und lebt heute in den Niederlanden. Es ist das erste Mal, dass Arbeiten der Künstlerin in Deutschland präsentiert werden. Ihre Ausstellung hinterfragt Themen, Positionen, aber auch Leerstellen der Sammlung Fotografie und neue Medien am MK&G durch zeitgenössische künstlerische Interventionen kritisch. „Sara Sallam – Fürsorge. Fotografie neu ordnen“ ist vom 5. Juni 2026 bis zum 10. Januar 2027 im Rahmen der 9. Triennale der Photographie am MK&G zu sehen. Auch auf langfristige Sicht verfolgt das Museum das Ziel, die Sammlung mit Arbeiten von Fotografinnen und Fotografen migrantischer Herkunft zu erweitern und zu diversifizieren.

