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833. Hafengeburtstag: Leinen los!

Nach zweijähriger Corona-Pause wird der Hafengeburtstag vom 16. bis 18. September 2022 mit einem vielfältigen Programm gefeiert. In diesem Jahr gibt es einige Highlights, aber auch Veränderungen

Text: Johanna Zobel 

 

Zum 833. Hafengeburtstag heißt es „Leinen los – wir feiern wieder“. Mitte September schippern rund 300 Schiffe über die Elbe, lassen das Wasser über die Hafenkante schwappen und übertönen mit lauten Hupen sogar das Möwengeschrei. Vor allem bei der Ein- und Auslaufparade sind unzählige Schiffe zu sehen. „Es fällt mir allerdings schwer, jetzt genau zu sagen, wie viele Schiffe es insgesamt sein werden“, sagt Andrea Heyden, Pressesprecherin Hafengeburtstag Hamburg. Denn auch private Segelschiffe und Motorboote dürfen kurzfristig bei den großen Paraden dabei sein. Sicher ist aber: Der Großsegler „Dar Mlodziezy“, ein polnisches 3-Mast-Vollschiff, wird die Auslaufparade anführen. Einige Schiffe werden aufgrund der EU-Sanktionen gegen Russland werden jedoch fehlen: „Die russischen Großsegler dürfen die EU-Häfen nicht mehr anlaufen. Die russische Mir darf zum Beispiel nicht kommen“, so Heyden, „Seit ihrer Indienststellung 1987 ist sie seit vielen Jahren ein gern gesehener Gast beim Hafengeburtstag Hamburg.“

Der Hafengeburtstag wird nachgefeiert

Trotz Corona, Krieg und Krise findet der Hafengeburtstag nach zwei Jahren Pause endlich wieder statt. Dass einige Schiffe fehlen, ist nicht die einzige Veränderung dieses Jahres. Seit 1977 feiert die Hansestadt den Hafengeburtstag immer im Mai – anlässlich der Gründung des Hamburger Hafens am 7. Mai 1189. Pandemiebedingt findet er diesmal im Spätsommer statt, vom 16. bis zum 18. September 2022.

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Die Ein- und Auslaufparade gehört Jahr für jahr zu den großen Highlights beim Hafengeburtstag (Foto: Mediaserver Hamburg/Jörg Modrow)

Wie das Publikum den neuen Termin annimmt, ist noch unklar. „Wir sind selber sehr gespannt, weil der Hafengeburtstag jetzt im September stattfindet. Anderes Wetter, andere Lichtverhältnisse. Pandemisch wissen wir auch nicht, was sich da tut“, so Heyden. Laut dem Deutschen Wetterdienst sollten die Temperaturen der Veranstaltung aber nicht im Wege stehen: Im Mai herrschen Durchschnittstemperaturen von 13 Grad, im September ist es sogar minimal wärmer mit durchschnittlichen 14 Grad. Allerdings sind die Tage kürzer, die Sonne geht früher unter. Auch andere Faktoren könnten den diesjährigen Hafengeburtstag beeinflussen, vermutet Heyden: „Viele waren vielleicht schon im Urlaub. Es kann sein, dass die Leute kein Geld mehr haben oder wegen der Pandemie nicht kommen.“

Programm-Highlights auf dem Hamburger Hafengeburtstag 

Neben der traditionellen Ein- und Auslaufparade hat der Hafengeburtstag ein vollgepacktes Programm. Beim Schlepperballett am zweiten Festtag, zeigen die wuchtigen Schiffe wie sie zu klassischer Musik über das Wasser gleiten. Die Darbietung wird nur zum Hafengeburtstag aufgeführt und ist weltweit die einzige ihrer Art. Musik gibt es zusätzlich an verschiedensten Orten. Mehr als zehn Bühnen schaffen Raum für alle Musikgeschmäcker – ob Rock, Jazz, Klassik oder maritimes vom Shanty Chor. Neu in diesem Jahr: Das Harbour Beatz, ein Elektro-Festival, das an allen drei Festtagen zum Raven direkt neben der Elbe einlädt. Ein Zeichen für ein tolerantes Fest: Nahe des Fähranlegers Altona bietet die Harbour Pride eine Plattform zum Austausch für die LGBTQIA-Szene und Freunde. Freitag und Samstag von 10 bis 24 Uhr sowie Sonntag von 10 bis 21 Uhr stehen verschiedene Künstler auf der Bühne. 

Weltoffen, maritim und unterhaltsam 

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Das Schlepperballett gehört zum Hafengeburtstag wie der Michel zu Hamburg (Foto: Hamburg Messe und Congress/Nicolas Maack)

Während des Hafengeburtstages 2017 wurde im Auftrag der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation eine repräsentative Besucherumfrage durchgeführt. Demnach stehen die Zeichen für ein erfolgreiches Fest sehr gut. Denn der Hamburger Hafengeburtstag, das größte Hafenfest weltweit, zieht viele Besucherinnen und Besucher an – 2017 insgesamt eine Million. Viele von ihnen sind kommen immer wieder (57 Prozent). 91 Prozent aller Besucherinnen und Besucher würden den Hafengeburtstag „bestimmt oder wahrscheinlich“ weiterempfehlen. 63 Prozent planten 2017 zudem einen erneuten Besuch. Vielleicht ja in diesem Jahr. Dann gibt es wieder ein umfangreiches Programm auf dem Wasser und am Land. Etwa mit kostenlosen Live-Konzerten, Besichtigungen auf Schiffen oder Vorführungen auf dem Wasser. Abwechslung wird hier groß geschrieben. Für die meisten Besucherinnen und Besucher ist der Hafengeburtstag aber vor allem weltoffen, maritim und unterhaltsam.

Kulinarisches Fest

Und natürlich lohnt sich der Besuch immer für das Essen! Die große Hafenmeile hat kulinarisch eigentlich alles, was das Herz begehrt: Pizza, Pommes, Pasta und jede Menge Drinks. Auch auf der Sonderfläche des jährlich wechselnden Länderpartners gibt es viel zu entdecken und schlemmen. In diesem Jahr zeigt Kroatien, was die mediterrane Küche zu bieten hat. Vielleicht bereiten die Anbieterinnen und Anbieter dieses Jahr dann auch einige Highlights der kroatischen Küche zu. Dazu zählen etwa Cevapcici (gegrillte, würzige Röllchen aus Hackfleisch) oder Peka (Fleisch oder Meeresspezialitäten, die unter einer Glocke gegart werden). Nur 30 Prozent der Hafengeburtstag-Besucher kommen aus Hamburg, vor allem für die Hamburger Hotellerie ist diese Zeit zusätzlich gewinnbringend. Etwas mehr als die Hälfte der auswärtigen Besucherinnen und Besucher entscheiden sich für eine Übernachtung in der Hansestadt. Auch der Hamburger Gastronomie bringt das Vorteile. Laut der Besucherumfrage unternehmen 67 Prozent noch Weiteres in der Stadt, besuchen etwa Sehenswürdigkeiten oder Restaurants. Dafür wird Geld in die Hand genommen: 2017 lag bei knapp 50 Prozent der auswärtigen Gäste das Budget bei mehr als 250 Euro. 

Auch wenn in diesem Jahr ein paar Veränderungen und Unsicherheiten mitschwingen: Der Hafengeburtstag gehört zu Hamburg wie der Michel, die Elbe oder eben der Hafen selbst. Und vor allem bietet er Unterhaltung, dem stimmten 2017 zumindest 63 Prozent der Besucherinnen und Besucher voll zu. Auch Andrea Heyden blickt mit Vorfreude auf das Event: „Es ist schön für die Besucherinnen und Besucher, mal wieder die Seele baumeln zu lassen, andere Eindrücke zu gewinnen, zu genießen und vielleicht die Probleme für ein paar Stunden hinter sich zu lassen. Das ist ja auch mal wichtig in den Zeiten, die wir gerade haben.“

 


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Landungsbrücken

Wer Landungsbrücken hört, denkt vielleicht an einen Flughafen, doch nicht in Hamburg. Die Hamburger Landungsbrücken sind das Tor zum Hafen, voller Historie und Möglichkeiten

Text: Felix Willeke

Nicht ganz 700 Meter lang, sechs Pontons und neun Brücken, das sind die Hamburger Landungsbrücken im Stadtteil St. Pauli. Der Name entstammt der Funktion als Anlegestelle für kleine und große Schiffe. Gebaut wurden die Landungsbrücken 1839. Legten hier früher Überseedampfer an und ab sind sie heute ein Hotspot für Touristen und Hamburger:innen.

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Die Fähre 72 fährt von den Landungsbrücken zur Elbphilharmonie, alles in Sichweite (Foto: medaiserver.hamburg.de/Andreas Vallbracht)

Die Geschichte

Im 19. Jahrhundert veränderte sich der Handel grundlegend. Verfügte Hamburg bis dahin noch über ein kleineres Hafenbecken – gelegen in der Nähe der heutigen U-Bahn-Station Baumwall –, so musste der Hafen aufgrund der immer größeren Schiffe in dieser Zeit erweitert werden. Im Zuge dessen legte man am Hamburger Berg, dem heutigen Stadtteil St. Pauli, einen eigenen Hafen für kohlebetriebene Dampfschiffe an. Genau an dieser Stelle wurden Ende der 1830er-Jahre die Landungsbrücken erreichtet.

Die Ära der Dampfschiffe

Nach einem Umbau von 1907 bis 1909 wurde der Anleger fortan meist für Linienschiffe der HAPAG-Reederei – aus der später die Hapag-Lloyd-Reederei mit Hauptsitz an der Alster hervorging – genutzt. Darunter die Kaiserin Auguste Viktoria, diese war bei Stapellauf im Jahr 1905 kurzzeitig das größte Schiff der Welt und pendelte unter anderem von Hamburg nach New York. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahr 1914 gab es damit einen regen und internationalen Schiffsverkehr mit dem Start an den Landungsbrücken.

Krieg und Wiederaufbau

Die Nationalsozialisten planten in der NS-Zeit westlich von den Landungsbrücken repräsentative Bauten, darunter eine Brücke über die Elbe. Dann begann der zweite Weltkrieg und im Zuge dessen wurde der bedeutsame Hamburger Hafen und damit auch die angrenzenden Landungsbrücken weitgehend zerstört. Der Wiederaufbau begann 1953 und dauert rund zwei Jahre. Damit sahen die Landungsbrücken aber noch nicht so aus, wie Gäste sie heute kennen. Der neuste Abschnitt ist der zwischen Brücke zwei und drei. Dieser wurde erst 1976 wieder aufgebaut.

Der Alte Elbtunnel

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2026 sollen die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sein, dann ist der Alte Elbtunnel wieder komplett nutzbar (Foto: Mediaserver Hamburg/Ingo Boelter)

Was heute eine denkmalgeschützte Touristenattraktion ist, war zur Zeit seines Baus eine Sensation: Der Alte Elbtunnel. 448 Meter lang (die Röhren jeweils 426 Meter) liegt der Tunnel mit seinen sechs Metern Röhrenhöhe rund 24 Meter tief unter der Wasseroberfläche. Gebaut wurde er ab 1907. Er war nötig, weil die Hafenarbeiter im Winter bei zugefrorener Elbe oder bei Nebel nur schwer zu den Werften kamen und die Fährschiffe entlastetet werden sollten. Nachdem man sich gegen eine Brücke entscheiden hatte, begann man im Schildvortriebverfahren die beiden Röhren zu bauen. 1911 war der Tunnel fertig.

Auch wenn er heute dank des neuen Elbtunnels bei Övelgönne an verkehrstechnischer Bedeutung verloren hat, ist er einer der größten Attraktionen an den Landungsbrücken. Seit 1995 läuft die Sanierung und seit 2003 steht er unter Denkmalschutz. Die komplette Wiedereröffnung ist für 2026 geplant. So lange bleibt Hamburger:innen und Gästen weiterhin nur eine Röhre des historischen Bauwerkes indem viele im Sommer nach Schatten und Abkühlung suchen. 

Hafen in Sicht

Die Landungsbrücken sind weltweit vielleicht einzigartig. Wohl nirgendwo sonst hat man einen so guten Blick auf einen der größten Häfen der Welt – Hamburg ist nach Containerumschlag weltweit auf Rang 17 und in Europa auf Rang drei. Am besten genießt man diesen Blick natürlich von oben. Dafür eigenen sich besonders gut dich Dachterrassen an den Landungsbrücken. Neben dem Blockbräu, einem alteingesessenen Brauhaus, bietet auch das Hard Rock Cafe Hamburg auf seiner Terrasse einen wunderbaren Blick auf den Hafen.

Blohm+ Voss

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Musik in Werftatmosphäre, das gibt’s nur beim Elbjazz bei Blohm+Voss (Foto: Mediaserver Hamburg/Jörg Modrow)

Schaut man nur einmal quer über die Elbe, bleibt der Blick schnell an den zwei großen Docks hängen. Dem Dock 11 und dem Dock Elbe 17. Beide gehören zur Traditionswerft Blohm + Voss, die mittlerweile zur Lürssen Werftgruppe gehört. Dock 11 ist dabei eines der größten Schwimmdocks Europas. Für Reparatur- und Wartungsarbeiten an Schiffen wird dies abgesengt, das Schiff fährt hinein und die Ballasttanks pumpen das Wasser raus und das Dock schwimmt auf. Das Dock Elbe 17 hingegen ist ein Trockendock so groß, dass es als eines der wenigen Schiffe wie die Kreuzfahrer Quantum of the Seas oder Queen Mary 2 fassen. Wurden bei Blohm + Voss früher große Schiffe wie der Segler Peking (heute im deutschen Hafenmuseum in Hamburg zu besichtigen), die Gorch Fock und das Kriegsschiff Bismarck gebaut, ist die Werft heute auf Reparatur- und Wartungsarbeiten und den Bau von Spezialschiffen und Privatjachten spezialisiert.

Einmal im Jahr findet zudem auf dem Werftgelände das Elbjazz statt. Auf drei großen Bühnen gibt es dann Jazz in ganz besonderer Atmosphäre.

Schiffe

Die St. Pauli Landungsbrücken sind nicht nur das Tor zum Hamburger Hafen, hier kann man vor allem bestens Schiffe gucken. Wer jedoch auf die großen Containerriesen wartet, wartet vergebens. Wer an den Landungsbrücken steht, wartet jedoch vergeblich auf eine Vorbeifahrt der Riesen, da die Elbe hier nicht tief genug ist und aufgrund des Alten Elbtunnels auch nicht weiter ausgebaggert werden darf. Was es jedoch gibt, sind historisch bedeutsame Schiffe.

Rickmer Rickmers

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Die Rickmer Rickmers ist das älteste Museumsschiff in der Nähe der Landungsbrücken (Foto: Mediaserver Hamburg/ThisIsJuliaPhotography)

Das älteste der historischen Schiffe ist die Rickmer Rickmers. 1896 in Bremerhaven vom Stapel gelaufen war sie anfangs als weltweit als Transportschiff unterwegs. Später wurde es hauptsächlich auf der Route zwischen Europa und Chile und zurück für den Transport von Kohle und Salpeter eingesetzt. Von 1924 bis 1962 diente es der portugiesischen Marine als Segelschulschiff und liegt seit 1983 als Museumsschiff im Hamburger Hafen. Heute gibt es hier eine Dauerausstellung und immer wieder wechselnde Ausstellungen sowie ein Restaurant an Bord. Die ganz Wagemutigen klettern bei gutem Wetter in die Masten, hier betreibt Schnustracks-Kletterparks einen kleinen Kletterparcours.

Feuerschiff

Lange nicht so auffällig wie die Rickmer Rickmers, weil nicht einmal halb so groß ist das alte Feuerschiff. Was heute ein Restaurant ist, war früher eine Navigationshilfe für Schiffe. Gebaut 1952 war das Feuerschiff im Osten Großbritanniens im Einsatz und warten Schiffe vor untiefen in Flussmündungen wie der Themse. Seit 1989 liegt das Schiff im Hamburger Hafen und wird mittlerweile auch als Hotel genutzt.

Cap San Diego

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Die Cap San Diego im Hintergrund ist der größte fahrtüchtige Museumsfrachter der Welt (Foto: Mediaserver Hamburg/Jörg Modrow)

Das jüngste der drei historischen Schiffe ist auch gleichzeitig das Größte. Die Cap San Diego wurde 1961 in Hamburg-Finkenwerder gebaut und war als Stückgutfrachter auf der Route nach Südamerika im Einsatz. Mit seinen fast 160 Metern Länge ist es das einzig fahrtüchtige Museumsschiff an den Landungsbrücken und gleichzeitig der größte fahrtüchtige Museumsfrachter der Welt. Mehrmals im Jahr können Gäste mit dem Frachter auf Fahrt gehen, darunter zur Ein- und Auslaufparade anlässlich des Hamburger Hafengeburtstages. Außerdem beherbergt das Schiff ein kleines Hotel und ein Museum.

Landungsbrücken heute

Waren die Landungsbrücken früher ein großes Fährterminal, legt hier heute nur noch der Halunder Jet zur Fahrt auf Hohe See ab – täglich bringt er Gäste auf Deutschlands einzige Hochseeinsel nach Helgoland. Ansonsten sind es die Hafenfähren, großen Hafenrundfahrtschiffe und Barkassen, die hier an und Ablegen. Besonders die Hafenrundfahrten stehen dabei bei vielen hoch im Kurs. Mit den kleinen Barkassen geht es dabei durch die Speicherstadt und mit den größeren Schiffen zu den großen Containerterminals.

Fähre fahren

Hamburg hat einen großen Hafen und dieser lässt sich natürlich am besten vom Wasser aus entdecken. Während viele Gäste an den Landungsbrücken deswegen zur Hafenrundfahrt aufbrechen, gibt es auch die Hafenfähren, die einen Blick auf Containerriesen ermöglichen. Dabei ist der Trip mit der Fähre 62 schon lange kein Geheimtipp mehr. Einfach mit einer Tageskarte auf das Schiff in Richtung Finkenwerder steigen und in knapp einer Stunde für Hin- und Rückfahrt alles von Containerschiffen, Kreuzfahrern bis zum Elbstrand alles im Blick haben.

Essen

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Keine Besuch an den Landungsbrücken ohne Fischbrötchen (Foto: Jana Belmann)

Und wenn man wieder zurück ist, kommt der Hunger. Mittlerweile sind die Landungsbrücken ohne ihre unzähligen Buden und kleinen Lokale undenkbar. Denn von den großen Restaurants mit dem Hard Rock Cafe und dem Blockbräu gibt es bis zur Pommes auf die Hand (Vorsicht vor gierigen Möwen) fast alles. Besonders lecker ist es dabei an der Brücke 10 und bei Underdocks. Brücke 10 ist seit Jahren DER Anlaufpunkt für gute Fischbrötchen, ohne dabei eine Touristenfalle zu sein. Mittlerweile haben sie auf der anderen Elbseite am Ausgang des Alten Elbtunnel einen zweiten Standort eröffnet. Wer jedoch mehr will als klassische Fischbrötchen, sollte zu Underdocks gehen. Hier wird der Klassiker neu interpretiert, lecker!

Welche Hafenrundfahrt in Hamburg ist die beste?

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Auf Hafenrundfahrt geht es vorbei an den Containerriesen (Foto: medaiserver.hamburg.de/Andreas Vallbracht)

Was die beste Hafenrundfahrt ist, muss jeder selbst entscheiden. Steht man auf die großen Schiffe, sollte man eine der großen Hafenrundfahrten machen. Hat man mehr Lust auf Geschichte, bietet sich die Barkassenfahrt durch die Speicherstadt an. Sparfüchse kommen bei der Fahrt mit den Fähren 72, 73 und 62 auf ihre Kosten. Dafür gibt es aber keine Moderation. Vereinzelt werden auch alternative Hafenrundfahrten zu Themen wie Kolonialgeschichte angeboten.

Was versteht man unter Hafenrundfahrt?

Eine Hafenrundfahrt in Hamburg ist eine Schiffsfahrt durch Bereiche des Hamburger Hafens. Dazu gehören neben den Containerterminals und Werften auch die Speicherstadt, die allerdings nicht von allen Schiffen durchfahren wird. Während der klassischen Hafenrundfahrt gibt es einen Moderator, der Fakten, Wissenswertes und Seemannsgarn über den Hamburger Hafen zum Besten gibt.

Wie viel kostet eine Hafenrundfahrt in Hamburg?

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Bei Flut führen einige Hafenrundfahrten auch durch die Speicherstadt (Foto: Mediaserver Hamburg/Jörg Modrow)

Eine Hafenrundfahrt kostet zwischen 3,50 Euro für die einfache Fährfahrt von den Landungsbrücken nach Finkenwerder und über 30 Euro für XXL-Rundfahrten oder Hafenrundfahrten mit Party wie bei Olivia Jones.

Wo startet die Hafenrundfahrt Hamburg?

Fast alle Hafenrundfahrten starten unweit der Landungsbrücken oder direkt vor Ort. An den Landungsbrücken starten zumeist die großen Schiffe, während viele Barkassen im Sportboothafen zwischen Cap San Diego und Feuerschiff ablegen.


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Sternschanze

Was ist die Sternschanze? Vielleicht passt der alte Ausspruch „Klein aber oho“ am besten zu diesem Stadtteil zwischen Party, linksalternativer Szene und G20-Gipfel

Text: Felix Willeke

Nur 0,6 Quadratkilometer, so groß ist der Stadtteil Sternschanze. Zum Vergleich: Selbst die Hamburger Außenalster ist mehr als doppelt so groß. Zwischen Fernsehturm und Sternbrücke leben rund 8.000 Menschen und am Wochenende kommt ein Vielfaches der Bevölkerung obendrauf. Neben den vielen Menschen ist die Sternschanze vor allem eines: jung. Erst 2007 wurde aus dem historisch geteilten Gebiet zwischen dem ehemals dänischen Altona und Hamburg der Stadtteil Sternschanze. Wir machen uns jetzt zu einem Streifzug vom Sternschanzenpark (umgangssprachlich auch Schanzenpark genannt), über die verwunschenen Hinterhöfe und die besonders im Sommer gut bevölkerten Straßen bis zur stadtbekannten Sternbrücke und ins Karoviertel.

Schanzenpark

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Im Sommer lockt das Schanzenkino die Menschen in den Schanzenpark (Foto: Outdoor Cine)

Die knapp 12 Hektar große Parkanlage zwischen Schlump, Bahngleisen und der S-Bahn Sternschanze ist die grüne Lunge des Viertels. Der Name stammt dabei wie der Name des Stadtteils von Festungsbauten, die als Schanzen bezeichnet wurden. Mit 23 Metern liegt im Schanzenpark die höchste Erhebung des Stadtteils. Früher war diese „Schanze“ eine Verteidigungsanlage vor den Hamburger Stadtmauern – deren Wallanlagen heute noch an Planten un Blomen zu erkennen sind. Heute ist der Schanzenpark geprägt vom alten Wasserturm, den Sportanlagen des SC Sternschanze und den Menschen, die es vor allem im Sommer in den Park zieht. Kein Wunder, denn wenn die Tage am längsten sind, gibt es Musik und Literatur im Schanzenzelt. Dazu lädt alljährlich das Schanzenkino zu OpenAir-Filmabenden. Und mit dem Schrødingers gibt es einen der schönsten Open Air Locations der Stadt.

Politik

Politisch ist das Schanzenviertel links orientiert. So holte die Linke bei der Bundestagswahl 2021 mit fast 20 Prozent eines der hamburgweit besten Ergebnisse und die Grünen fuhren mit fast 50 Prozent sogar ihr stadtweit bestes Ergebnis bei den Zweitstimmen ein. Die CDU hingegen erhielt bei der Bundestagswahl 2021 im Stadtteil Sternschanze gerade einmal vier Prozent der Zweistimmen. Außerdem ist der Stadtteil seit den 1980er-Jahren maßgeblich durch das linke Kulturzentrum Rote Flora geprägt.

Die Rote Flora

Im Zentrum des Schanzenviertels steht die Rote Flora. Das seit 1989 besetzte Gebäude war früher ein Theater, später ein Kino und ab 1964 Standort der Warenhauskette 1000 Töpfe. Als schließlich Ende der 1980er-Jahre bekannt wurde, dass das Haus zu einem Musical-Theater umgebaut werden sollte, sorgte das insbesondere in der Hausbesetzer:innenszene der Hafenstraße und bei anderen linken Gruppen für Unmut. Auseinandersetzungen mit der Polizei und kleinere Anschläge auf die Baustelle folgten und der Investor zog sich zurück – das geplante Musical-Theater wurde stattdessen als Neue Flora an der Holstenstraße errichtet.

Der G20 Gipfel 2017 in unmittelbarer Nachbarschaft, ein No-Go für das linke Kulturzentrum Rote Flora (Foto: unsplash/Dyana Wing So)

Am 1. November 1989 erklärten Aktivist:innen die Flora für besetzt und das ist sie bis heute. Verwaltet wird das Haus zur Zeit formal von einer Stiftung. Einen Miet- oder Kaufvertrag für das linke Kulturzentrum gibt es nach wie vor nicht. Die Rote Flora ist seither ein Ort für politische Treffen, Aktionen, Partys und die kritische Auseinandersetzung mit der Stadt. Ein Vertreter sagte einmal gegenüber dem NDR, die Flora wolle „ein Stachel im Fleisch der Herrschenden sein“. Getreu diesem Motto widersetzte sie sich auch immer wieder der politischen Forderung nach einer Räumung, die besonders infolge der Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel 2017 noch einmal lauter wurde.

Gentrifizierung

Mittlerweile ist die Rote Flora aber auch ein Standortfaktor und damit Teil der Gentrifizierung des Stadtteils. Ein anderes Symbol für diesen Strukturwandel ist das Hotel im Schanzenpark. Vor über zehn Jahren wurde der alte Wasserturm umgebaut und auch hier gab es massive Proteste. Die linke Szene äußerte Bedenken ob des Vier-Sterne-Hauses in ihrem Viertel. Doch im Gegensatz zur Roten Flora setzten sich hier die Investoren durch und das Hotel eröffnete.

Eine solche Entwicklung ist typisch für eine Gentrifizierung, die häufig wie folgt abläuft: In einem Viertel siedelt sich durch günstige Mieten – oder wie im Fall der Flora durch Hausbesetzung – ein kreatives, häufig eher linkes Milieu an. Dieses macht das Viertel attraktiv für Investoren und es werden große Kapitalgeber angezogen. Diese kaufen Häuser, sanieren diese und erhöhen die Mieten – das kreative Milieu wird verdrängt. So ist es auch zum Teil auf der Sternschanze passiert. Seit Jahren werden immer wieder Gebäude mutmaßlich dem Verfall überlassen, Bewohner:innen müssen ausziehen und Neubauten werden erreichtet. So werden alt-eingesessene Bewohner:innen und Geschäfte verdrängt. Das Viertel wandelt sich mit der Zeit vom links-alternativen Viertel zum Party- und Ausgeh-Hotspot und weiter zum gehobeneren Wohnviertel.

„Wir wollen ein Stachel im Fleisch der Herrschenden sein“

Linkes Kulturzentrum Rote Flora

Kultur

Ein Wandel der langsam voran schreitet. Trotzdem hat sich die Schanze eines bewahrt: die Kultur. Denn Institutionen wie das 3001 Kino, eines der besten Programmkinos der Stadt, sind weiterhin hier zu Hause. Dazu kommen ein nahezu unbegrenztes kulinarisches Angebot und einiges der besten Partylocations der Stadt.

Restaurants

Nur wenige Meter hinter dem Schanzenpark eröffnet sich direkt hinter der Bahnbrücke ein Paradies für Freunde des guten Geschmacks. Kumpir, Omas Apotheke, indisches Essen, das Pamukkale und das Lokmam, schon auf den ersten Metern gibt es alles, was das Herz begehrt. Und wenn man von der Schanze spricht, gehören auch die Bullerei von Tim Mälzer, das Braugasthaus Altes Mädchen und die Ratsherren Brauerei mit dazu. Außerdem gehören Restaurants wie das Pamukkale oder schräg gegenüber das Lokmam zu den Top-Adressen für türkische Küche in Hamburg. Dazu kommt mit dem Jill einer der besten Pizza-Läden der Stadt, mit Erika’s Eck ein echter Klassiker, mit dem Berta Emil Richard Schneider ein richtiger Geheimtipp und den Royal Donuts auch noch etwas Süßes.

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Im Lokmam gibt es beste türkische Küche (Foto: Lokmam)

Nachtleben

Das Goldfischglas, die Rote Flora, der Waagenbau, das Fundbureau oder das PAL: Auf und rund um die Schanze finden sich einige der besten (Techno-)Clubs der Stadt. Feiern lässt es sich hier also ebenfalls bestens. Neben Partylocations hat aber auch die Kultur im Schanzenviertel sein Zuhause. Alles fängt mit der Rota Flora an und in direkter Nachbarschaft steht das Haus73. Vor einigen Jahren frisch renoviert, bietet es gutes Bier gepaart mit regelmäßigen Quizabenden im Galopper des Jahres. Dazu kommt all das, was hier entstanden ist: So gab es noch vor Jahren im Haus 73 das ehemals größte und unbekannteste Theaterfestival Norddeutschlands, das Kaltstart, und bis heute findet neben den regelmäßigen Singer- & Songwriter Slams auch der legendäre „Slam the Pony“-Poetry Slam statt.

Schulterblatt

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Das Schulterblatt ist das Zentrum des Schanzenviertels (Foto: Johanna Zobel)

Dieser Kulturelle Hotspot mit dem Haus73 und der Roten Flora befindet sich direkt am Schulterblatt. Die Straße zwischen Neuem Pferdemarkt und Max-Brauer-Allee kann getrost als Herz der Schanze bezeichnet werden. Im Norden lädt der breite Gehweg zum Verweilen ein und viele Lokale verlagern ihren Gastraum im Sommer nach draußen. Nur wenige Meter weiter gen Richtung Süden lohnt ein Besuch in der Buchhandlung im Schanzenviertel und wer direkt gegenüber neben Brunos Käseladen einen Blick in den Durchgang riskiert, entdeckt den Baschu. Der Baschu ist ein Spielplatz in einem der grünen Innenhöfe im Viertel. Wer Glück hat und eine Wohnung mit Balkon zu einem der Innenhöfe bewohnt, wird merken, wie ruhig und fast schon idyllisch die Schanze sein kann.

Sternbrücke

Aber auch abseits der Innenhöfe hat die Schanze ruhige Ecken. Hinter der Flora erreicht man durch den Flora-Park, vorbei am Kilimanschanzo (einer Outdoor-Kletterwand), die Wohnstraßen der Schanze. Hier gibt es noch echten Altbau, große Wohnungen und kleine Eckkneipen ohne Trubel und mit viel Ruhe. Wem das auf Dauer aber zu langweilig ist, der hat es nicht weit. Nur ein paar Meter die Stresemannstraße entlang und schon steht man unter der Sternbrücke im Nordwesten des Viertels. Ein fast schon legendärer Ort. Neben Clubs wie dem Waagenbau und dem Fundbureau gibt es hier mit dem Brückenstern eine der schönsten Jazz-Locations der Stadt.

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Die Beckstraße verbindet die Sternschanze mit dem Karoviertel (Foto: Mediaserver Hamburg)

Karolinenviertel

Wer nicht feiern, sondern Shoppen möchte, sollte sich im Fall der Schanze nach Südosten orientieren. Vom Neuen Pferdemarkt geht es vorbei an Zoë-Sofabars mit ihren Bedien-Robotern in die Beckstraße. In dieser Straße aus dem 19. Jahrhundert ist das Azeitona der perfekte Ort für einen Zwischenstopp. Gestärkt mit den wohl besten Falafeln der Stadt geht es über den Lattenplatz am Knust, vorbei an der Hanseplatte ins benachbarte St. Pauli. Direkt hinter der Brücke über die U3 zwischen U-Bahn Sternschanze und Feldstraße gelangt man ins Karolinenviertel.

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Das Karoviertel: Ein Muss für Fans von Vintage-Mode (Foto: Mediaserver Hamburg)

Im Norden begrenzt durch die Messe Hamburg und im Süden durch die Feldstraße haben sich im hier neben Jung von Matt, einer der größten Werbeagenturen Deutschlands, viele kleine Geschäfte niedergelassen. Im Karoviertel finden sich nicht nur einige der besten Plattenläden der Stadt, entlang der Marktstraße liegt ein Augenmerk ganz klar auf Vintage-Mode. Darüber hinaus gibt es aber auch neuen Chique wie bei Herr von Eden oder kleine Restaurants wie das Bodega Lima. Damit ist das Karoviertel der perfekte Abschluss oder ein wunderschöner Auftakt für einen Streifzug über die Sternschanze.


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Chantal: „Ich will einen Unterschied machen“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Chantal begegnet

Protokoll: Rosa Krohn

„Ich mache gerade meine Facharztausbildung zur Kinderärztin auf einer Neugeborenen-Station. Für die Kindermedizin habe ich mich entschieden, weil die Patienten ihr ganzes Leben noch vor sich haben. Neugeborene sind nicht in Behandlung, weil sie sich falsch ernähren, rauchen oder trinken, sondern aus Gründen, für die sie nichts können. Jemanden im höheren Alter zu behandeln, der danach sofort wieder zu McDonald’s rennt und Bier trinkt, würde mich auf Dauer frustrieren.

Prävention als Schlüssel

Für mich spielt Prävention in der Medizin eine entscheidende Rolle. Wenn man zum Beispiel bei der Ernährung ansetzt, kann man viel bewegen. Es gibt sogenannte Blue Zones. Das sind Regionen auf der Welt, in denen Menschen signifikant länger leben als der Durchschnitt. Warum? Weil sie sich überwiegend pflanzlich ernähren, sich täglich bewegen und weil sie sozial eingebunden sind. Das sind Schlüsselfaktoren für die Gesundheit, die im Gesundheitssystem und auch in der medizinischen Ausbildung stärker mit einbezogen werden müssten. Ärzte haben meist keine Ahnung von Ernährung – sofern sie sich das Wissen nicht zusätzlich angeeignet haben – weil das Studium den Bereich kaum abdeckt.

Ich habe während meines Studiums ein Praktikum in einem präventiven Zentrum für Erwachsene in den USA, in Washington D.C., gemacht. Der Fokus lag dabei auf Prävention durch Ernährung. In Folge der Behandlung konnten viele Patienten ihre Medikamente absetzen. Doch diese präventive Arbeit wird vom Gesundheitssystem häufig nicht unterstützt, weil Krankheit und Medikamente Geld bringen – jemanden auf anderen Wegen gesund zu machen nicht. 

Erfolg durch Ernährungsumstellung

In Washington habe ich damals direkt über einem Fitnessstudio gearbeitet. Eines Tages bin ich mit einem Mann um die 60 ins Gespräch gekommen. Er erzählte mir von seiner Diabeteserkrankung. Ich empfahl ihm, das präventive Zentrum zu besuchen, woraufhin er sofort protestierte: ‚Wie, kein Fleisch, kein Käse? Das geht auf keinen Fall!‘ Mit der Zeit konnte ich ihn überzeugen, mal zu einem der Kochkurse vorbeizuschauen. Jahre später bekam ich dann eine Mail von ihm, in der er mir berichtete, wie glücklich er sei. Dank der Ernährungsumstellung konnte er sein Insulin reduzieren. Das hat mir das Gefühl gegeben, wirklich einen Unterschied machen zu können. Wenn ich das immer machen könnte – das wär’s!“


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10 Gründe für das Grindelviertel

Im Grindel gibt es nicht nur die Uni! Das kleine Viertel unweit des Dammtor Bahnhofs ist reich an Geschichte und Kultur. Besonders gut lässt sich das an den Lieblingsorten im Viertel entdecken. Diese zehn sind einige davon:

Filmkunst

Eines der ersten Programmkinos in Hamburg und immernoch da: Das Abaton. Seit 1970 werden hier anspruchsvolle Filme und ungewöhnliche Stoffe gezeigt, die nicht den verkrusteten Strukturen der Kommerzkinos gehorchen. Weg vom Mainstream und dem Korsett des Popcorn-Kinos. Dabei gelingt dem Kino auch noch die Mischung aus Film, Musik, Kunst und Literatur. Für die außergewöhnliche und vielfältige Programmgestaltung wird das Abaton regelmäßig mit Preisen ausgezeichnet – zu Recht! Das Abaton ist einer der kulturellen Treffpunkte in Hamburg und eines der Highlights im Grindelviertel.

abaton.de

Jüdische Küche & Kultur

Der Jüdische Salon am Grindel will die jüdische Kultur fördern. Nicht umsonst ist er deswegen genau dort beheimatet, wo historisch das jüdische Leben in Hamburg pulsierte und heute wieder immer mehr an Bedeutung gewinnt. 2007 gegründet, ist der Salon mittlerweile ein fester Bestandteil des Viertels und Motor für jüdische Kultur auch über den Grindel hinaus. Angeschlossen an den Jüdischen Salon gibt es das Café Leonar. Zwar nicht koscher, legt das Café seinen Fokus auf die levantinische Küche – also der Küche aus Israel, Jordanien, dem Libanon und anderen Ländern der Region Levante. Dazu zählen Gerichte wie Shakshuka (gebackenes Ei) oder Mohnwaffeln.

cafeleonar.de

Gedenken

Wer Grindel sagt, kommt natürlich an der jüdischen Kultur in Hamburg nicht vorbei. Nicht nur das hier der Jüdische Salon und das Café Leonar zu Hause sind, mit der Joseph-Carlebach-Schule (in der ehemaligen Talmud-Thora-Schule) gibt es hier seit 2007 die Schule der jüdischen Gemeinde. Direkt nebenan ist zudem der Joseph-Carlebach-Platz, hier stand die in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 zerstörte Bornplatzsynagoge. Diese soll jetzt wiederaufgebaut werden. Unterdessen wird in jedem Jahr, ausgehend vom Grindelviertel in der ganzen Stadt, bei „Grindel Leuchtet“, den Gräueltaten der Nazis gedacht.

Eine gute Pizza

Universitäten und Essen, das ist wahrlich oft keine Liebesbeziehung. An der Universität Hamburg ist das aber anders, denn hier gibts das Schlüters. Keine gewöhnliche Mensa, eher ein Mix aus Lounge und Restaurant und vor allem: Hier gibts richtig gute Pizza zu fairen Preisen. Vom Studierendenwerk Hamburg betrieben, kostet die Margherita für Studierende 4,70 und für Gäste 6 Euro. Geöffnet ist nur in der Woche bis 19 Uhr (Freitags bis 18 Uhr). Und hier noch ein Tipp: Die Uni-Profis kommen nicht in den Seminarpausen, denn das Schlüters ist sehr beliebt.

Schlüters

Faire Mode

Im Grindelviertel lässt es sich nicht nur gut leben und verweilen, auch der bewusste Konsum kommt dabei nicht zu kurz. Bei Maas und Marlowe Nature finden Kund:innen ökologisch nachhaltige und faire Mode. „Wir stehen für einen achtsamen Umgang mit den Ressourcen, der Natur und den Menschen“, betonen die Geschäftsinhaber:innen von Marlowe und sind damit nicht allein – der Grindel ist ein echter Hotspot für Green Fashion.

maas-natur.de

Gut gezeichnet

Hamburg kann Buch, aber auch Comic. Das beweist seit 1988 comics.total! im Grindelviertel. Unweit der Universität gibt es Comics, Mangas und Zeichenkunst für jeden Geschmack sowie eine exzellente fachkundige Beratung.

comicstotal.com

Einmal nach Schweden bitte

Richtig gute Köttbullar, die gibts garantiert nicht im Möbelhaus. Dafür geht man in Hamburg zu Karlsons. Das kleine gemütliche schwedische Café bietet Frühstück, einen richtig leckeren Mittagstisch und viele weitere skandinavische Köstlichkeiten. Dabei lässt sich auch in Erinnerungen Schwelgen, besonders für Fans der Pfefferkörner. In den Folgen ersten Generation wurden die Szenen im Restaurant von Nataschas Eltern genau hier gedreht.

karlsons.de

Kammer-Kultur

1945 gegründet, zählen die Hamburger Kammerspiele zu den traditionsreichen Theatern der Stadt. Von Ida Ehre eröffnet, leitete unter anderem Ulrich Tukur zwischenzeitlich das Haus. Gezeigt wird modernes und kritisches Sprechtheater sowie viele Ur- und Erstaufführungen. Ein Theater mit über 75 Jahren Gemischte hat auch viel große Darsteller:innen gesehen, so standen in den Kammerspielen Größen wie Rufus Beck, Katharina Wackernagel und Bjarne Mädel auf der Bühne.

hamburger-kammerspiele.de

Enjoy the Pony

Eigentlich muss man an dieser Stelle nicht mehr viel sagen, denn die Pony Bar ist mindestens so bekannt wie ihr Nachbar, das Abaton Kino. Es ist DER Treffpunkt für Studierende und vor allem abends ist hier gut was los. Es gibt Lesungen, Konzerte und viel Neues zu entdecken. Der Eintritt ist dabei traditionell immer frei. Und wer am Abend keine Zeit hat, kann es sich tagsüber bei Kaffee, Kuchen und anderen Snacks gut gehen lassen.

ponybar.com

Stühlchen Wechsel dich

Im Salon Wechsel Dich ist der Name Programm. Man sitzt zwar in einem tollen Salon mit leckerstem Essen, doch sitzt man dabei nicht immer gleich, denn das Mobiliar und die Accessoires kann man mitnehmen. Im Salon Wechsel Dich können Tische, Stühle, Teller, Tassen kurzerhand eingepackt werden. Kreativen und Jungdesigner:innen gibt das Lokal eine Plattform, um ihre Produkte anzubieten.

instagram.com/salonwechseldich


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Die Hamburger Tafel braucht Spenden

In Zeiten von Krieg und Inflation kommt besonders der Hamburger Tafel eine immer größere Bedeutung zu – doch die Spenden werden knapp. Der NDR ruft jetzt zusammen mit der Tafel zur großen Spendenaktion auf

Text: Felix Willeke

Schon vor dem Krieg in der Ukraine arbeitete die Hamburger Tafel am Limit. Vor dem Hintergrund der Hamsterkäufe waren besonders Konserven in den vergangenen Monaten immer wieder Mangelware. Jetzt steigen die Lebensmittelpreise in Hamburg, immer mehr Geflüchtete sind auf die Tafel angewiesen und der Verein ist dringender denn je auf Spenden angewiesen. Deswegen rufen der NDR und die Tafel für den 21. April 2022 zur großen Spendenaktion auf. 

Spenden: Was, wann und wo?

Dafür werden in Hamburg vier Zentren zur Abgabe von Lebensmittelspenden und Hygieneartikeln am 21. April 2022 eingerichtet:

Benötigt werden besonders folgende Lebensmittel:

  • Nudeln
  • Reis
  • Kartoffelprodukte
  • Mehl, Backpulver, Trockenhefe
  • Kaffee/Tee
  • Konserven (Erbsen, Bohnen, Mais, Möhren, …)
  • Gläser (Kirschen, Apfelmus, …)
  • H-Milch/H-Sahne/Kaffeesahne (keine Kühlprodukte)
  • Müsli/Cornflakes/Knäckebrot (kein frisches Brot/Brötchen)
  • Margarine (keine Butter)
  • Marmelade/Honig/Schoko-Aufstrich/Wurst/Käse (keine Kühlprodukte)
  • Gewürze

Und folgende Hygiene- und Reinigungsartikel:

  • Shampoo
  • Duschgel
  • Zahnpasta
  • Wasch- und Spülmittel
  • Toilettenpapier
  • Küchentücher
  • Taschentücher

Wer individuell Lebensmittel an die Tafel spenden möchte, kann hierfür unter 040 300 605 600 einen Termin vereinbaren. Darüber hinaus nimmt die Hamburger Tafel auch finanzielle Spenden entgegen.


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Ostern in und um Hamburg

Ostern steht vor der Tür und das Wetter könnte sogar mitspielen. Hier kommen zehn Ideen für ein entspanntes, gemütliches oder ereignisreiches Osterfest – von Eiersuche bis zu fernen Galaxien

Osterhasen in Hamburgs Stadtnatur

Das Osterwochenende bringt den Frühling zurück! Hamburgs Naturschutzgebiete eignen sich dann wieder hervorragend für ausgiebige Spaziergänge. Im Naturschutzgebiet Höltigbaum kann man zum Beispiel ideal auf Spurensuche gehen und den Lebensraum unserer tierischen Nachbarn erforschen. Vielleicht gibt es sogar den einen oder anderen Osterhasen zu entdecken. Für alle, die die Galloway Rinder im Höltigbaum noch nicht kennen, lohnt sich der Ausflug allemal.

Tierische Natur gibt es aber auch an vielen anderen Orten der Stadt: egal ob Damwild im Niendorfer Gehege oder Heidschnucken in der Fischbeker Heide. Die Loki-Schmidt-Stiftung und einzelne Parks bieten darüber hinaus auch verschiedene Workshops und Aktionen.

Traditionsreiche Hamburger Osterfeuer 

In den letzten zwei Jahren waren sie aufgrund der Corona-Pandemie verboten, jetzt kehren die traditionsreichen Osterfeuer zurück – auch privat ist wieder mehr möglich. Die Osterfeuer in Stellingen oder Langenhorn sind beispielsweise wieder als organisierte Osterfeuer-Highlights dabei. Eine Übersicht über öffentliche Osterfeuer gibt es auf hamburg.de.

Aber auch private Osterfeuer sind wieder nahezu unbeschränkt möglich. Aber egal ob im kleinen Kreis oder gemeinsam mit der Nachbarschaft – das Osterfeuer gehört in Hamburg einfach dazu!

„Prostern“ mit Rum oder Eierlikör

In der 2ten Heimat gibt es am Ostermontag einen echten Geheimtipp für alle Rum-Liebhaber:innen. Die Expert:innen Ueli und Frau Antje entführen alle Teilnehmer in die Karibik und versüßen den Abend mit karibischen Rum-Köstlichkeiten und kubanischen Zigarren. Beginn ist um am 17. April um 17:00 Uhr. Tickets gibt es ab 73 Euro.

Wer es an Ostern lieber traditionell mag, greift vermutlich zum Eierlikör. Absoluten Kultstatus genießt in Hamburg der Eierlikör vom Eier Carl. Die berühmte Kneipe am Fischmarkt macht den Eierlikör noch selbst und steht für feinste Hamburger Qualität. Den Likör gibt es in verschiedenen Geschmackssorten und wer weiß, vielleicht wartet hier auch ein Osterspecial darauf vernascht zu werden. 

Norddeutsche Ostern am Kiekeberg

Am Ostermontag von 10 bis 18 Uhr gibt es im Freilichtmuseum am Kiekeberg ein Oster-Programm für die ganze Familie! Es wird gebastelt, marmoriert und dekoriert. Die Kids können Eierlaufen spielen und Ostereier suchen. Absolutes Highlight: Bei einer digitalen Rallye über die App „Actionbound“ kann das Gelände interaktiv erkundet werden. 

Auch für die Erwachsenen gibt es am 18. April Programm: In der Museumsbrennerei gibt es Frühschoppen zu plattdeutschen Liedern. Die Koffietied Rösterei und das Gasthaus Stoof Mudders Kroog versorgen alle Besucher:innen mit leckeren Snacks. Der Eintritt kostet 9 Euro für Erwachsene und ist für alle unter 18 Jahren frei. 

Klassische Ostern 

Wer es an Ostern gerne klassisch mag, für den ist die Auswahl groß: Angefangen beim Konzert des Landesjugendorchester Bremen (Sa., 16. April 2022, Laeiszhalle Großer Saal, 19:30 Uhr) über einen Klavierabend mit Marianna Shirinyan (Mo., 18. April 2022, Laeiszhalle Kleiner Saal, 17 Uhr) bis zum Ensemble Arabesques (Mo., 18. April 2022, Elbphilharmonie Kleiner Saal, 19:30 Uhr). Karten gibt es ab knapp 20 Euro und wenn das Konzert ausverkauft sein sollte, besonders an der Abendkasse der Elbphilharmonie ist die Chance auf Restkarten fast immer gegeben.

Es geht aber auch kostenlos, bei der Osternacht mit Johann Sebastian Bach am 16. April ab 20 Uhr in der Hauptkirche St. Michaelis – zeitiges kommen lohnt sich. Wer dennoch keinen Platz mehr in der Kirche ergattern kann, kann um Mitternacht dem Micheltürmer lauschen. Dieser läutet dann mit einem Auferstehungschoral das Osterfest ein. 

Kulinarische Ostern

Im Stadtrestaurant Hamburg im Reichshof (Restauranttest des Genuss Guide Hamburg) wartet am Ostersamstag nicht nur ein Vier-Gänge-Menü in edlem Ambiente, dazu gibt es auch Live-Musik der Hamburger Singersongwriterin tucumcari. Der Abend am 16. April kostet 79 Euro inklusive Weinbegleitung.

Wer abends schon etwas anderes vor hat, kann sich zu Ostern auch morgens bestens kulinarisch verwöhnen lassen: Bei diesen 10 Restaurants gibt es einen richtig guten Osterbrunch.

Trödeln und Stöbern statt Eiersuche

Nicht nur Ostereier warten darauf gefunden zu werden, sondern auch alte Schätze und Secondhand-Fundstücke. Egal ob Vintage, Antik, groß oder klein. In fast jedem Viertel Hamburgs gibt es einen beliebten Flohmarkt.

Am Osterwochenende laden zum Beispiel der Flohdom auf der Bahrenfelder Trabrennbahn oder der Horner Rennbahn, aber auch der Kult-Flohmarkt Flohschanze zum Stöbern ein. Eine komplette Liste mit schönen Flohmärkten gibt es hier

Ostern auf dem Dancefloor

Das TurTur in Wilhelmsburg lädt am Freitag in seinen Räumen zur musikalischen „Nachtwanderung“ für Erwachsene ein. Die herrlich unkonventionelle Mischung aus Pizzeria, Bar und Club am Veringkanal ist bekannt für kreative Events, gute Partys und einen toleranten Dancefloor. Am 15. April stehen unter anderem Dj Knarf und Megaföön an den Reglern. 

Die Disco-Barkasse Frau Hedi legt am Samstag zu alten Underground-Disco-Perlen ab und schippert durch den Hamburger Hafen. Die Crew verspricht: „keine ollen Kamellen aus dem Radio, sondern liebevollst ausgewählte Perlen“. Angesteuert wird übrigens ein großes Osterfeuer.

Entspannte Oster-Wellness

Ein langes Osterwochenende, der perfekte Zeitpunkt für Wellness und Selfcare. Kaum etwas sorgt für mehr Entspannung, als im Spa die Seele baumeln zu lassen. Orientalische Wellness gibt es zum Beispiel im Hamam Hafen Hamburg auf St. Pauli. Auf die Besucher wartet ein großer Wellnessbereich mit Kissenlandschaft, beheizten Marmor-Podesten, Körperpeelings und Seifenschaummassagen. Individuelle Behandlungen gibt es hier bereits ab 35 Euro.

Aber natürlich finden sich auch in anderen Teilen der Stadt viele weitere Wohlfühloasen. Klassische und beliebte Anlaufstellen sind zum Beispiel das Meridian Spa, die Kaifu Lodge oder das Heavenly Spa im Westin.

Ostern in den Sternen

Nicht alle können mit den klassischen Ostern etwas anfangen! Wer statt Eiersuche gerne in ferne Galaxien reisen möchte, kommt am 16. April ab 19:30 Uhr in Barclays Arena auf seine Kosten. Das Deutsche Filmorchester Babelsberg bringt unter der Leitung von Ben Palmer bei Star Wars in Concert die Rückkehr der Jedi-Ritter musikalisch auf die Bühne. Tickets gibt es ab 47,75 Euro.

Und für alle anderen hat das Planetarium auch an Ostern diverse Blicke ins All, in die Welt der Musik und unter Wasser zu bieten.


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Hamburg auf einer Genuss-Tour entdecken

Die Sonne kitzelt auf der Nase, Vögel zwitschern, die Temperaturen steigen. Es wird Frühling. Perfekt, um Hamburg auf einer Genuss-Tour zu erkunden. Bei kulinarischen Leckerbissen gibt es auch einiges zur Stadtgeschichte zu erfahren. Einen kleinen Vorgeschmack liefert Genuss-Guru Antje 

Text: Antje Grimm

Was gibt es Schöneres, als auf einer Stadtführung wunderbar komische Anekdoten und kleine Schätze aus Hamburgs gut gefüllter Geschichtenkiste zu erfahren. Neben Historie sind es die spannenden Lebensgeschichten jener Hamburger und Hamburgerinnen, so manch Schildbürgerstreich und eben gewollte oder ungewollte Komik und Kuriosität der Geschichte, die eine Tour durch Hamburg unvergessen machen.

Hamburger Hausmittel

Drehen wir die Zeit rund 300 Jahre zurück: Wer schön sein wollte, musste immer schon leiden. Jogging, Fitness, neue Frisur, Frühlingsbräune und ein frischer Look. Im Frühling möchte man sich von der besten Seite zeigen. Auch früher wurde in Hamburg viel um Schönheit gegeben. Schon in vergangenen Jahrhunderten gehörte ewige Schönheit und Jugend zur gehobenen Hamburger Dame von Welt.

Sind es heute die moderne Schönheitschirurgie, Kuren aller Art und exklusivste Kosmetik sowie streng gesunde Ernährung und Sport, waren es damals übliche (schmerzhafte) Naturprodukte. Nur eines hat sich nicht geändert: eine gewisse Leidens- und Überwindungsfähigkeit der Damenwelt. Der übliche und gängige Weg führte die Hamburger Damen in die Apotheken der Stadt. Hier bekamen sie all die exklusiven Produkte zum Mischen hautstraffender Salben, Haarkuren und andere kosmetischen Mittelchen zur inneren und äußeren Anwendung.

Der Preis der Schönheit

In alten Hamburger Apothekenverordnungen finden sich auch die dazugehörigen Preise, die schon damals gepfeffert waren. Schönheit kostete auch vor rund 300 Jahren viel Geld: So gehörten natürliche Zutaten wie Hechtlunge, Storchenfett, Krebsaugen, Schmalz vom Igel schon zu den empfindlich teureren Beigaben für Luxuskosmetik der ewig schönen Hamburger Kaufmannsgattin. Taubendreck hingegen war in größeren Mengen erhältlich und absolut erschwinglich.

Zum wahren Schönheitswahn gehörten allerdings auch die, zwar in besseren Kreisen unter der Hand geführten, aber durchaus guten Beziehungen der Hamburger Dame zum Henker: Zu den begehrtesten Rohstoffen der ewigen Jugend gehörte Moos von den Köpfen erhängter Missetäter. Auch reines Menschenfett galt Schönheit versprechend und war heiß begehrt. Für solche Exklusivitäten musste schon damals tief in die Tasche gegriffen werden. Das brachte den Henkern im wahrsten Sinne des Wortes den schlechten Ruf eines Halsabschneiders. Ob dies alles wirkte, ist nicht überliefert. Dass es wohl aber das ein oder andere Ungeziefer gierig herbeilockte und den lustvollen Ehegatten wohl eher aus dem Schlafgemach vertrieb, lässt sich erahnen … 

Lust auf eine Genuss-Tour? Mehr Infos gibt es hier: genusstouren-hamburg.de


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À la Carte! – Freiheit geht durch den Magen

Im neuen Film von Éric Besnar geht es um die gute Küche, den guten Geschmack und das perfekte Aroma – quasi der Genuss-Guide anno 1789

Text: Marco Arellano Gomes

 

Es ist ratsam, diesen Film nicht mit leerem Magen zu sehen, sonst läuft einem satte zwei Stunden das Wasser im Mund zusammen. „À la Carte! – Freiheit geht durch den Magen“ von Éric Besnard („Birnenkuchen mit Lavendel“) zeigt die Geburtsstunde des „Restaurants“ – und zeigt in leidenschaftlichen Nahaufnahmen die Kunst des Kochens. Hier wird gehackt, geknetet, gewürzt, gekocht und gebraten. Das ist nicht nur köstlich mit anzusehen, es macht auch richtig Laune, den Genuss-Guide der Szene Hamburg zu kaufen und ins nächste Restaurant zu eilen, um ansatzweise nachzuempfinden, was einem da auf der Leinwand serviert wird.

 

Der gute Ruf

 

Kein Film für leere Mägen: À la Carte! (Foto: Neue Visionen Filmverleih)

Kein Film für leere Mägen: À la Carte! (Foto: Neue Visionen Filmverleih)

Frankreich 1789. Der begnadete Koch Manceron (Grégory Gadebois) arbeitet für den Herzog de Chamfort (Benjamin Lavernhe) und verwöhnt diesen und seine adeligen Gäste mit allerhand Köstlichkeiten: Schwanen-Ragout, gebackene Täubchen, Pastete. Köstlich! Doch dann das: Der eigenwillige Küchenchef tischt seine neueste Kreation auf, nur das diese unter anderem aus der niedrigsten aller Zutaten besteht: der Kartoffel. Die feinen Herren rümpfen die Nase, ein Teller fliegt durch den Raum. Sakrileg! Der Koch verlässt enttäuscht seinen Posten und zieht sich mit seinem Sohn zurück auf den familiären Bauernhof, wo er Suppe und Brot für die Durchreisenden serviert. Bis eine geheimnisvolle Frau namens Louise (Isabelle Carré) bei ihm erscheint, um bei ihm in die Lehre zu gehen. Schon bald folgt die Geburtsstunde des Restaurants. Das spricht sich rum – auch der Herzog kündigt sich an. Wird Manceron seinen Ruf wiedererlangen?

 

Timing ist alles

 

„À la Carte!“ ist ein Fünf-Gänge-Menü im Filmformat, schön und bekömmlich. Mit opulenten Bildern entfacht Regisseur Éric Besnard auf der Leinwand ein Fest der Sinne. Als Zuschauer meint man förmlich, den Duft der frisch gehackten Zwiebeln, des gegarten Gemüses und des sich auf dem Spieß drehenden Bratens riechen zu können. Alle Rezepte stammen von den französischen Spitzenköchen Thierry Charrier und Jean-Charles Karmann. Die Hauptcharaktere sind liebenswürdig und geben dem Film eine saftige Würze. Immer wieder gibt es fein nuancierte Humorhäppchen. Doch obwohl es von Beginn an prickelt, entfaltet die Beziehung zwischen Meister und Lehrling erst mit der Zeit ihr volles Aroma. Timing ist eben alles – im Film wie in der Küche.

„À la Carte!“, Regie: Éric Besnard. Mit Grégory Gadebois, Isabelle Carré, Benjamin Lavernhe. 112 Min. Seit dem 25. November in den deutschen Kinos

Appetit? Hier gibt’s den Trailer zu „À la Carte!“:

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2021. Das Magazin ist seit dem 27. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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