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Die Schanze: Wie geht es ihr?

Eine Politikerin, eine Restaurantbetreiberin und ein Anwohner über den Wandel des Stadtteils, aktuelle Probleme und mögliche Lösungen

Protokolle: Anarhea Stoffel & Katharina Stertzenbach

Ana, Betreiberin vom Piri Piri

„Wir haben alle Bock auf ein gutes Miteinander“

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Ana mit und Yolo vor ihrem Restaurant, das für portugiesisches Flair in der Schanze sorgt (Foto: Katharina Stertzenbach)

„Ich bin in Portugal geboren und in der Schanze aufgewachsen. Für mich war klar, dass ich mich irgendwann als Gastrono­min selbstständig machen würde. Und mit der Eröffnung des Piri Piri im Mai ist dann ein Traum in Erfüllung gegangen. Einen Laden zu finden, in dem ein Res­taurant eröffnen darf, ist hier schwierig. Es ist nur erlaubt eine bestehende Gas­tronomie zu übernehmen. Man darf kei­ne neue eröffnen. Das war totale Glück­sache, dass wir einen Laden hier auf dem Schulterblatt bekommen haben.

„Wir wollen so eine Art Wohnzimmer für die Schanze werden“

Wir sind ein Familienbetrieb und möchten mit dem Restaurant einen Mehr­wert für die Nachbarschaft schaffen. Wir wollen, dass unsere Nachbarn sich hier bei uns wohlfühlen und zu unseren Stammgästen werden. Anders gesagt: Wir wollen so eine Art Wohnzimmer für die Schanze werden. Ich finde es schade, dass immer mehr Gastronom:innen von der Schanze verschwinden. Man hat immer im Hinter­kopf, die Gastronomie, die geht kommt halt auch nie wieder.

„Wir gönnen allen Gastronom:innen hier viele Gäste“

Wir gönnen allen Gastronom:innen hier viele Gäste. Oft kann ich die Anwohner:innen auch ein bisschen verstehen, denn es ist teilweise echt laut. Am Donnerstag bin ich nach Schicht um drei Uhr nachts auf meinem Heimweg an der „Katze“ vorbei­ gegangen. Vor dem Laden fand so eine krasse Party statt, obwohl die „Katze“ schon geschlossenen hatte, das war schon extrem laut. Das trubelige Leben hier auf der Schanze ist schon sehr cool, nichts­ desto trotz sollte man echt schauen, dass man den Schanzenbewohner:innen da ein biss­chen mehr entgegenkommt. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass alle Gastronomen und Anwohner ein biss­chen mehr Verständnis füreinander ha­ben – denn insgeheim haben irgendwie alle hier Bock auf ein gutes Miteinander.“

Conny Templin, LINKE- Abgeordnete in der Bezirksfraktion Altona

„Die Besucher:innen vergessen, dass hier Leute wohnen“

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Conny Templin arbeitet wohnt und schon lange in der Schanze. Zudem engagiert sich für das Viertel (Foto: Katharina Stertzenbach)

„Ich bin Krankenschwester und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und wohne in der Schanze. Ich arbeite schon lange hier im Viertel. Mit meiner Mitgliedschaft in der Bezirksfraktion kann ich auf jeden Fall etwas bewegen. Für die Schanze haben wir zum Beispiel erreicht, hier eine E-Scooter-Verbotszone einzurichten. Seit letztem Jahr ist es nicht mehr erlaubt, die Dinger auf dem Schulterblatt und in der Susannenstraße abzustellen. Mittlerweile ist die gesamte Schanze Sperrzone für E-Scooter.

„Die ausgeuferte Außengastronomie ist einer der größten Streitpunkte“

Viele Sachen haben wir allerdings auch nicht geschafft. Die Bezirkspolitik ist so klein, da gibt es nicht viel Handlungsmöglichkeit. Die Außengastronomie einzuschränken, geht zum Beispiel nicht, wegen des Wegerechts. Das besagt, dass zwei Meter Platz für die Fußgänger:innen auf den Gehwegen freigelassen werden müssen. Abgesehen davon können die Gastronom:innen ihre Tische draußen aufstellen. Die ausgeuferte Außengastronomie ist allerdings einer der größten Streitpunkte zwischen Anwohner:innen und Gastronom:innen. Denn diese erzeugt einen unheimlichen Lärm von Donnerstag bis Sonntag bis spät in die Nacht.

„In Zukunft werden immer mehr Leute hier wegziehen“

Das „Epizentrum“ ist die sogenannte Piazza rund um das Schulterblatt und die Susannenstraße. Heute kommen alle in die Schanze, um zu feiern und zu konsumieren – egal ob Touristen oder Leute von hier. Viele Besucher:innen vergessen dabei völlig, dass hier auch Leute wohnen. Mittlerweile ist die Schanze zu einer Touristenkulisse mutiert. In Zukunft werden immer mehr Leute wegziehen und die, die hierherziehen, machen das nur für eine kurze Zeit. Einige, der wenigen älteren Schanzenbewohner:innen sagen ,Irgendwann kriegen wir Geld dafür. Wir sind die Letzten. Wir sind geblieben‘.

Es gibt auch Ecken, die nicht so laut und dreckig sind. Außerhalb der Piazza wird es ruhiger. Wir versuchen alles, dass die Gastronomie sich nicht in die Nebenstraßen einquartiert. In der gesamten Sternschanze gilt der Bebauungsplan 6. Der ist aufgestellt worden, um zu verhindern, dass sich hier noch mehr Gastronomie ansiedelt. Das heißt, es darf keine neue Gastronomie eröffnen.
Zudem wäre die Schanze ein ideales Viertel für Verkehrsberuhigung. Wir haben zur Erneuerung der Straßenführung rund um das Schulterblatt einen Antrag gestellt, denn auf dem Schulterblatt gibt
es keine Fahrradwege. Auch das sorgt für Konfliktpotenzial, weil die Leute dann auf der sowieso schon überfüllten Piazza Fahrrad fahren. Mit einer Umgestaltung der Straßenführung würde man außerdem den Verkehr entzerren. Dann würde es zumindest verkehrstechnisch auf der Schanze ein bisschen ruhiger werden. Mal sehen, wie sich das entwickelt.“

Thomas Papenthien, Anwohner

„Es ist wie ein kleines Dorf“

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Thomas Papenthien lebt mit seiner Familien seit 15 Jahren im Schanzenviertel (Foto: Anarhea Stoffel)

„Seit 15 Jahren leben wir hier, meine Frau, meine Tochter und ich. Unsere Wohnung haben wir über sehr viel Glück und Zufall bekommen. Meine Frau lebte schon einmal in dieser Wohnung mit ihrem damaligen Freund. Nachdem sie sich trennten, blieb sie weiterhin im Mietvertrag und als wir einige Jahre später nach einer Wohnung suchten, zog ihr Ex-Partner gerade aus und bot uns an, die Wohnung zu übernehmen. Es passte also wirklich perfekt. Denn bereits vor 15 Jahren war bezahlbarer Wohnraum hier sehr knapp.
Ich arbeite als Altenpfleger und als ich während des ersten Lockdowns mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr, da war es wie ausgestorben hier. Ich muss zugeben, im ersten Moment fand ich das grandios. Die Bewohner:innen haben sich irgendwie ihr Viertel ein bisschen zurückgeholt. Es war total ruhig und friedlich. Das Heiligengeistfeld wurde sich als urbane Fläche erschlossen, es gab keinen Dom und man hatte einfach eine riesige Betonfläche zur Verfügung. Die Leute haben dort alles Mögliche gemacht. Das war ganz toll. So hatte die Pandemie immerhin diesen positiven Nebeneffekt.

„Das geht dann fast in Richtung Ballermann“

Denn die Schanze ist inzwischen zu einer richtigen Ausgehmeile geworden. Wenn man hier als Bewohner langgeht, ist es manchmal sehr speziell, das geht dann fast in Richtung Ballermann. Früher war das noch nicht so frequentiert wie heute. Trotzdem ist es wie ein kleines Dorf hier. Das ist bestimmt in anderen Stadtteilen Hamburgs auch so. Aber die Leute, die hier wohnen, die kennt man. Die Schanze hält mich jung, hier ist es lebendig! Und immer, wenn ich wiederkomme, habe ich das Gefühl nach Hause zu kommen.“ 


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Beke: „Ich brauche den Perspektivwechsel“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Begleitet von hvv switch fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Beke begegnet.

Protokoll: Rosa Krohn

 

„Ich arbeite als Filialleitung in der Gastronomie in St. Georg. Ich liebe diesen Stadtteil mit seiner Mischung aus Toleranz und Vielfalt, in der sich die verschiedensten Menschen und Geschäfte zu etwas Tollem verbinden – ein Ort, an dem nicht nur entweder das eine oder das andere geht. Das passt zu mir, denn wenn ich mich Leuten vorstelle, kann ich eigentlich nie sagen: ‚Ich bin Beke und mache diese eine Sache.‘ Ich bin Künstlerin und Musikerin, male Ölgemälde und spiele Synthesizer in einer Band. Außerdem bastle ich an Fahrrädern und mache viel Sport. Mein Vollzeitjob finanziert mir das Ganze.

 

Kreativer Scheiß und Struktur

 

Manchmal denke ich: ‚Kann ich überhaupt diese eine Sache so richtig gut?‘ Vielleicht nicht, aber ich bin mittlerweile von dem Gedanken weg, dass ich das müsste. Ich glaube, viele Menschen arbeiten auf diesen einen Job, dieses eine Haus, diese eine Familie und dieses eine Auto hin. Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich mag es, an dem einen Abend mit verrückten Künstler*innen Bier zu trinken, kreativen Scheiß zu bereden und ein ungesundes Leben zu führen. Aber ich mag es auch, einen strukturierten Job zu haben, regelmäßig ins Gym zu gehen und nicht jede Nacht bis drei Uhr zu malen und mich der Ekstase hinzugeben. Ich brauche den Perspektivwechsel.

 

„Es kann fluent sein“

 

Früher habe ich sehr darunter gelitten, dass sich nicht dieser eine Weg für mich abzeichnete. Ich fand das furchtbar. Alle hatten irgendwann mit 15 ihre ersten Boyfriends, während ich merkte: ‚Ich mag Jungs richtig gerne, aber ich steh vielleicht auf Frauen.‘ Ich dachte immer, ich müsse mich für den einen Studiengang, den einen Beruf entscheiden. Auch wenn ich heute selbstsicher wirke, fällt es mir schwer, mich davon zu lösen. Ich habe gelernt, zu akzeptieren, dass dieses Sich-Festlegen nicht sein muss. Es kann fluent sein. Jeden Tag zu nehmen, wie er kommt und all seinen Interessen nachzugehen ist zwar komplizierter, aber auf lange Sicht hat man so zumindest das Gefühl, sich nie eingeschränkt zu haben.“


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Hilf Mahl: Keine Pause für die Hilfe

Mit dem Spendenprojekt wird Obdachlosen in Hamburg geholfen – und das schon seit acht Jahren. HILF MAHL!-Organisator Dietmar Hamm über die Herausforderungen im Bereich der Obdachlosenhilfe und das erforderliche Umdenken während der Corona-Krise

Interview: Eira Richter

 

SZENE HAMBURG: Dietmar Hamm, die Corona-Pandemie stellt die gesamte Gesellschaft vor immer neue Hürden. Was empfinden Sie im Bereich der Obdachlosenhilfe durch HILF MAHL! momentan als größte Herausforderung?

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„Es bedarf der besonderen Wahrnehmung“: Dietmar Hamm (Foto: Gerrit Meier)

Dieter Hamm: Das Besondere an der Pandemie ist, dass die Appelle, in der eigenen Wohnung zu bleiben, die Menschen nicht erreicht, die ohne Wohnung sind. Das Schicksal, obdachlos zu sein, kann sich nicht stärker zeigen als jetzt.

Der Schutz des eigenen Lebens und der Schutz der anderen kann für Menschen ohne Obdach nur mithilfe von Gemeinschaften, die sich der Obdachlosenhilfe zuwenden, versucht werden. Menschen ohne Wohnung leben in besonderer Not.

HILF MAHL! kann zur Zeit leider nur einen kleinen Beitrag zur Linderung leisten, da die HILF MAHL!-Spenden gemeinsam mit Hamburger Gastronomen und deren Gästen gesammelt werden. Da die Gastronomien geschlossen sind oder nur Take-away-Service anbieten dürfen, müssen wir versuchen, Direktspenden an HILF MAHL! von Bürgern und Unternehmen für unsere Projekte zu erhalten.

 

Besondere Wahrnehmung

 

Erforderte die Umstellung während des Lockdowns besondere logistische Anstrengungen?

Es bedarf der besonderen Wahrnehmung von HILF MAHL! in den Restaurants, die einen Take-away-Service anbieten. Vor Corona informierte das Restaurant die Gäste durch Tischaufsteller oder persönliche Ansprache über HILF MAHL!.

Die Gäste sind dann nach einem guten Essen auch gerne bereit zu spenden, weil sie HILF MAHL! schätzend kennengelernt haben. An der Abholstation des Restaurants ist die Sensibilisierung für HILF MAHL! nicht immer möglich. Das Essen zum Mitnehmen wird ja sonst kalt.

Wird die Spenden-Option auf dem neuen Weg häufig genutzt?

Wir freuen uns sehr darüber, dass in der Vergangenheit viele Gäste gerne in Restaurants speisten, die HILF MAHL! unterstützen und erkannt haben, dass ihre Spende hilft. Deshalb kommt es auch zunehmend vor, dass wir eine Überweisung von Restaurantgästen erhalten mit dem Hinweis, dass sie den Betrag sonst gerne im Restaurant gespendet hätten und HILF MAHL! die Spende auf diesem Wege zukommen lassen.

Denken Sie über eine zeitliche Ausweitung der Spenden-Option auch über den Winter hinaus nach?

In der Vergangenheit war der Fokus, das Spenden auf den Winter zu konzentrieren, sicher stimmig. Einige Spendenprojekte von HILF MAHL! laufen jedoch auch ganzjährig, und bedingt durch die besonderen Erschwernisse und Gefahren für obdachlose Menschen in der Pandemiezeit, werden wir nicht pausieren, zu helfen.

hilfmahl.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Januar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hamburgerin des Monats: Köchin Cornelia Poletto

Die Hamburger Star-Köchin Cornelia Poletto steht für Genuss – soweit, so bekannt. Aber nicht alle wissen um ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten. Ein Gespräch über Entenkeulen für Senioren und einen Instagram-Takeover für Ärzte und Pfleger des Altonaer Kinderkrankenhauses

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Cornelia Poletto, kürzlich ist die zweite Ausgabe Ihres eigenen Magazins erschienen. Bereits im ersten „Cornelia Poletto“-Heft las man in Ihrem Editorial, Sie wollten damit ein wenig Leichtigkeit und Dolce Vita verschenken in einem herausfordernden Jahr. Schauen wir doch mal auf Ihr 2020: Was war zu Pandemiebeginn für Sie die erste große Herausforderung?

Cornelia Poletto: Konsequent Entscheidungen zu treffen. Auch zu handeln, zu motivieren, Mitarbeiter abzuholen. Und natürlich sich selbst ständig zu informieren, was da eigentlich gerade los ist. Wobei ich in Sachen Pandemie einen kleinen zeitlichen Vorteil hatte.

Weil Sie auch in Shanghai ein Restaurant mitbetreiben und den dortigen Umgang mit der Pandemie kannten?

Genau. Die Menschen dort waren uns Corona-technisch ja zwei Monate voraus. Ich wusste dadurch, was bei uns in Hamburg im März richtig war, nämlich unser Restaurant in Hamburg zu schließen und uns auf Abholung und Lieferung zu konzentrieren.

Diese Alternativen brauchen etwas Vorbereitungszeit. Und da wir das Restaurant bereits vier Tage vor dem offiziellen Lockdown geschlossen haben, konnten wir Delivery und Take-away als eines der ersten Hamburger Restaurants anbieten.

 

„Ich ziehe aus allem das Positive“

 

Hatten Sie in den Frühjahrsmonaten vor allem Sorgen oder eher optimistische Gedanken à la „Wir schaffen das schon!“?

Ich war voll auf die Zukunft fokussiert. Viel Zeit zum Nachdenken hatte ich eh nicht und wollte einfach das Beste aus der Situation machen, genau wie wir es in Shanghai gemacht haben. Ich bin jemand, der aus allem das Positive zieht.

Zum Beispiel, dass ich in den angesprochenen Monaten endlich mal wieder Zeit hatte, mit meinen Mitarbeitern im Restaurant kreativ zu sein. Das hat mir sehr viel Freude bereitet. Wir haben zum Beispiel unsere Kochboxen aufgebaut, die sehr erfolgreich wurden. Bis Weihnachten werden wir noch über 1.000 Stück verschicken.

Was neue Ideen in der Corona-Zeit angeht, habe ich mich auch mit anderen Hamburger Gastronomen ausgetauscht. Es war schön zu sehen, dass in dieser schwierigen Phase niemand nur geschaut hat, wie er oder sie da irgendwie alleine durchkommt, sondern dass alle gemeinsam überlegt haben, wie es gehen könnte.

Sie haben in den ersten Corona-Monaten zudem für ein paar Glücksmomente bei Senioren gesorgt, als Sie Poletto-Mittagessen in Pflegeheimen ablieferten.

Es gab einen Aufruf von der AWO, eine Patenschaft zu übernehmen, also zum Beispiel Einkäufe für Senioren zu erledigen. Ich habe mich dann einfach mal angemeldet, und es vergingen keine zwei Stunden, da rief man bei mir an: „Frau Poletto, sind Sie es selber? Großartig wäre ja, wenn Sie mal für unsere Senioren kochen könnten!“ Das haben wir dann auch gemacht.

600 Essen haben wir während des ersten Lockdowns zubereitet, unterstützt von Stammgästen, und zusammen mit einem Mitarbeiter habe ich alles verteilt. Zum zweiten Lockdown haben wir diese ehrenamtliche Arbeit wieder aufgenommen, seitdem bringen wir Senioren in zwei Einrichtungen an den Adventssonntagen 100 leckere Entenkeulen.

 

„Dann komme ich eben zu euch nach Hause“

 

Kamen Sie bei all dem Engagement auch noch dazu, im Altonaer Kinderkrankenhaus vorbeizuschauen, das Sie als Schirmherrin unterstützen?

Es ist schwierig, direkt vor Ort zu sein bei den kleinen Patienten, man muss da wirklich sehr vorsichtig sein. Aber: Wir haben gemeinsam mit den dortigen Ärzten und Pflegern eine schöne Aktion auf die Beine stellen können, die auch ohne Besuch funktionierte. Ich habe ihnen eine Woche lang meinen Instagram-Account überlassen, um ihnen eine Plattform zu bieten, ihre tägliche Arbeit zu zeigen. Das war unsere Alternative zum gemeinsamen Plätzchenbacken und Kochen, was wir sonst immer machen.

Eine Alternative für die Kochkurse in Ihrer „Cucina Cornelia Poletto“ haben Sie auch entwickelt: Live-Events, die online genossen werden können. Erzählen Sie doch mal, wie Sie Ihre Kochschule digitalisiert haben.

Es rieselte Absagen von Kursen, und mein Palazzo-Zelt findet dieses Jahr auch nicht statt. Zudem können wir mit Delivery und Take-away bei Weitem nicht das Weihnachtsgeschäft abdecken, das wir normalerweise haben. Mir geht es um die Pflege meiner Gäste, die nicht bei mir zusammenkommen können, weder bei Kochkursen, noch bei Weihnachtsfeiern.

Also habe ich gesagt: „Dann komme ich eben zu euch nach Hause!“ Von heute auf morgen habe ich mit meinen Mitarbeitern ein Küchenstudio aufgebaut, mit Kameras, Licht, Schaltpult und vielem mehr. Seitdem können wir wieder alle gemeinsam kochen und lustige wie leckere Live-Events feiern.

cornelia-poletto.de


Cover_SZ0121 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2021. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Genuss-Guide: Neues Portal für Hamburgs Gastronomie

SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN ist jetzt auch digital am Start: Der Genuss-Guide Hamburg! Wo gibt es die beste Pizza? Welches Restaurant serviert authentische Länderküche? Wo gibt es richtig gutes Fleisch? Und wo coole Drinks? Ein digitales Nachschlagewerk und viele spannende Geschichten rund um Hamburgs Gastronomie und das Thema Food auf einer einer Website. Und als APP!

Text: Beke Detlefsen

 

Lust auf Pizza? Hungrig auf Burger? Oder doch lieber Fine Dining? Und keine Ahnung, wohin? Dann ab auf das neue Online-Portal von SZENE HAMBURG Essen+Trinken: Der Genuss-Guide Hamburg ist ab dem 9. Dezember 2020 am Start!

Mit mehr als 600 Restaurantkritiken, heißen Tipps und Top-Adressen, egal ob es dabei um den frischesten Fisch, den besten Brunch oder die lässigsten Pizza-Läden geht. Hier gibt’s alles rund um die Gastronomie und das Thema Food in der schönen Hansestadt.

 

Restaurantkritiken, heiße Tipps und Top-Adressen

 

Immer und überall verfügbar, ob unterwegs oder zu Hause, der Genuss-Guide führt durch die passenden Restaurants in der Nähe. Genießer können hier ganz gezielt danach suchen, wonach ihnen gerade ist – und mit dem Genuss-Guide sind sie dabei immer up to date!

Denn wir testen die neuesten Gastro-Perlen, schreiben Hintergrundberichte und sprechen mit Gastronomen. Und wissen deshalb auch, wo die besten Restaurants der Stadt und im Umland stecken. Außerdem führt der Genuss-Guide gewohnt sicher durch die Hamburger Adressen für Drinks – egal, ob es dabei um aromatischen Kaffee, kühles Bier oder spritzige Cocktails geht.

 

Genuss-Guide: Der digitale Gastro-Guide

 

Für etwas gemütlichere Genießer wartet sogar ein Newsletter, der die frischen Neuigkeiten automatisch einflattern lässt.

Kurz und knackig: Der Genuss-Guide ist der digitale Gastro-Guide – und noch viel mehr! Das Entdecken und Erkunden lohnt sich. Vorbei sind die Zeiten von labbrigen Burgern, harten Frühstücksbrötchen und kaltem Kaffee.

genussguide-hamburg.com!


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Meßmer Momentum: Teehaus muss schließen

Das beliebte Tee-Erlebniszentrum in der HafenCity stellt seinen Betrieb bis Ende März 2021 ein. Der Grund für die Schließung sind die anhaltenden Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen.

Der Betreiber des Meßmer Momentum, die Laurens Spethmann Holding, erklärte die Schließung damit, dass das Teehaus aufgrund der erneuten Einstellung des Betriebes im Lockdown light und absehbarer auch längerfristiger Auswirkungen wirtschaftlich nicht mehr tragbar sei.

„Mit großem Bedauern haben wir uns dazu entschieden, das Meßmer Momentum bis Ende März 2021 zu schließen“, so das Unternehmen in einem Statement im Hamburger Abendblatt. Den 21 Beschäftigen des beliebten Teehauses, die sich bereits in Kurzarbeit befinden, steht damit die Kündigung bevor.

 

Aus für das beliebte Tee-Erlebniszentrum in der HafenCity

 

Das Meßmer Momentum bestand elf Jahre lang als Tee-Erlebniszentrum am Kaiserkai in der HafenCity. Zu den über 250 Teesorten konnten hier auch Kuchen, Sandwiches und Gebäck verköstigt werden. Außerdem gehörten Tee-Schulungen und verschiedene Events sowie ein Shop mit den hauseigenen Marken zum Programm des Teehauses.

 

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Bar war gestern: Lidl-Kampagne empört Gastronomie

Eine Jobkampagne des Lebensmittel-Discounters brüskiert aktuell Barbesitzer und Gastronomen. Mit dem Slogan „Bar war gestern“ warb Lidl auf seinen Social-Media-Kanälen um neue Mitarbeiter.

Dieser offensive Aufruf zum Branchenwechsel führte umgehend zu Verärgerung in der Gastro-Szene, die sich vor allem über das Timing beschwert: „Unsensibler geht es nicht. Gerade in dieser Zeit, wo jeder Unternehmer der Gastrobranche alles tut, um seine Mitarbeiter zu halten, ist die Kampagne von LIDL ein absolutes No-Go“, empört sich die Initiative Leere Stühle über die Kampagne, die dazu aufrufe der gebeutelten Gastronomie den Rücken zu kehren.

 

 

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Wachsende Unsicherheit durch den Lockdown light

 

Mitten im Lockdown light haben Mitarbeiter des Gastgewerbes mit wachsender Unsicherheit zu kämpfen, denn trotz Kurzarbeitergeld ist die Zukunft ihrer Arbeitsplätze häufig ungewiss. Bars und Restaurants bleiben mindestens bis zum Jahresende geschlossen, ein Verlängerung des Lockdowns ist aufgrund anhaltend hoher Corona-Infektionszahlen nicht unwahrscheinlich.

Die Initiative Leere Stühle ist eine Aktion von Gastronomen, Hoteliers und Veranstaltern in Deutschland, die seitens der Bundesregierung eine feststehende Entschädigungsregelung der Branche sowie Festlegungen zur Existenzsicherung fordert.

Lidl reagierte auf die Kritik an der„Bar war gestern-Kampagne mit der Löschung des Aufrufs. Eine Entschuldigung an die gebeutelte Gastronomie erfolgte seitens des Discounters bislang nicht.

 

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Gastronomen verfassen erneut Brandbrief

Erneut haben Vertreter aus der Gastronomie einen Brandbrief an die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder verfasst. Die Branchenvertreter kritisieren die aktuellen Corona-Maßnahmen und die Verspätung der finanziellen Hilfen.

 

Die finanziellen Einbußen des aktuellen Lockdowns sollen durch die Bundesregierung mit Novemberhilfen ausgeglichen werden. Dieses Geld ist laut Brandbrief bis jetzt nicht bei den Gastronomen angekommen. Warum das Geld nicht geflossen ist, ist für die Gastronomen nicht nachvollziehbar, denn der Finanzminister habe klargestellt, dass das Geld vorhanden sei und der Bund es sich leisten könne.

Die Verfasser des Brandbriefs erkennen in der verlangsamten Umsetzung der Politik „eine systematische Verzögerungsstrategie“ und werfen der Regierung vor, hierdurch Geld sparen zu wollen. Hilfen würden zwar versprochen, aber so spät ausgeliefert, dass für einige Betriebe die Hilfen zu spät kämen. „Die Politik lässt die Gastronomen am lagen Arm verhungern“, heißt es in dem Brief. Dieses Vorgehen vernichte bis zu zwei Millionen Arbeitsplätze.

 

Die Gastronomie fordert schnelle finanzielle Hilfe

 

Zudem seien die zugesagten Hilfen zu gering. Sie würden nur einen kleinen Teil der aufgelaufenen Verluste decken und viele Betriebe nicht mehr retten können, die in den vergangenen Monaten viel Geld in Hygienemaßnahmen investiert hätten.

Des Weiteren gehen die Gastronomen davon aus, dass der Lockdown über den November hinaus verlängert wird und fordern auch für diese Zeit eine finanzielle Entschädigung. „Wenn der Lockdown verlängert werden muss, müssen auch die Entschädigungen fortgesetzt werden“, steht in dem Brief. Ohne Unterstützung würden viele Betriebe nach dem Lockdown nie wieder öffnen können.

Unterzeichnet haben den Brief unter anderem Tim Mälzer (Bullerei), Mirco Silz (L’Osteria), Stephan von Bülow (Eugen Block Holding), Jan Kamp (Le Crobag), Yvonne Tschebull (Tschebull Restaurant) und viele weitere. /NF

Hier könnt ihr den Brandbrief lesen.

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Corona-Hilferuf: 600 Gastronomen geben den Löffel ab

Auf der Kundgebung am Rathausmarkt haben Gastronomen ihrer Forderung nach mehr finanzieller Unterstützung und einem Rettungsschirm für von Kurzarbeit betroffenen Arbeitnehmern Nachdruck verliehen

Text: Isabel Rauhut

 

Angesichts der sich abzeichnenden Verlängerung und möglicher Verschärfung der Lockdown-Maßnahmen, werden Hilfen für Gastronomie-Beschäftigte immer dringlicher. „Die Maßnahmen müssen sozial abgefedert werden, damit die Menschen, die jetzt die finanziellen Einbußen zu tragen haben, nicht im Zuge der Corona-Pandemie in Armut und Verelendung abdriften“, sagte Silke Kettner, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Hamburg-Elmshorn (NGG) auf der Kundgebung am Rathausmarkt.

Unter dem Motto „Wir müssen unseren Löffel abgeben“ versammelten sich knapp 30 Köche und Kellner sowie Hotelangestellte auf dem Rathausmarkt, um symbolisch 600 Löffel abzugeben und vor Bürgermeister Peter Tschentschers Tür zu legen.

 

40 Prozent Einkommensverlust

 

Die gut 55.000 Beschäftigten der Hamburger Gastronomie hätten knapp 40 Prozent Einkommensverlust seit März gehabt, erklärte Kettner. Die Gewerkschaft fordert daher die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 100 Prozent. Zudem soll es Maßnahmen gegen Überschuldung geben, ein Schutz des Wohnraums und Ausbildungen in den gastronomischen Betrieben sichergestellt werden. Die Pandemie-Situation mache die Branche unattraktiv und so wachse der Fachkräftemangel weiter, sagte Silke Kettner.

Zwei Kisten mit den insgesamt knapp 600 Löffeln und viel Hoffnung auf Besserung wurden zum Abschluss der Kundgebung ins Rathaus getragen.


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