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Digitalisierung: Schöne, neue Gastro-Welt

Tablets und Roboter übernehmen den Service und eine neue App soll leere Gasträume füllen – kurzlebige Spielereien oder echter Fortschritt?

Text: Lilli Gavrić

 

Alexa macht das Licht aus, Fitnesstracker zählen jede zu sich genommene Kalorie und Staubsaugerroboter sorgen für sauberes Parkett. Die Welt wird immer digitaler – auch die gastronomische. Das beginnt schon bei der Rechnungsbegleichung. Während Dänemark bis 2030 erstes bargeldloses Land werden will und selbst am Hotdog-Stand schon niemand mehr nach Öre kramt, hängen in Deutschland oft noch Cash-only-Schilder an der Kaffeetheke.

Aber warum klammern die Deutschen sich so an ihre Münzen? Transaktionskosten sind oft ein Argument, warum die Karte erst ab Zehn-Euro-Beträgen gezückt werden darf. Aber was kostet Gastronomen eine Transaktion bei Kartenzahlung? Dank neuer Systeme wie Sum-Up weniger als je zuvor. Waren früher noch Grundgebühren plus Prozente vom Umsatz fällig, bleibt inzwischen nur noch eine Transaktionsgebühr. Die liegt bei Sum-Up aktuell bei 1,9 Prozent pro Kartenzahlung. Das ermöglicht auch kleineren Betrieben die Umstellung.

 

Ohne Karte kein Kaffee

 

Die Card-only-Politik ist in Hamburger Gastronomien noch selten. Vorreiter ist die Kaffeerösterei „Public Coffee Roasters“. Ohne Karte kein Kaffee – was einige Kunden als praktisch und zeitgemäß bewerten, empfinden andere als Bevormundung. Public Coffee Roasters-Betreiber Argin Keshishian erleichtert vor allem die sich daraus ergebene enorme Zeitersparnis seinen Arbeitsalltag: Von der Bestellung bis zur Abrechnung über den Kassensturz am Ende des Tages wird alles per App erledigt und direkt in der Cloud gespeichert.

Neben Kartenzahlung kann man mit der Public Familycard oder Apple Pay zahlen. Aktuell tüftelt er an einer App, bei der man bereits auf dem Weg zum Café seinen Flat White bestellen und bezahlen kann. Ein weiterer Vorteil ist die Transparenz. „Kein Bargeld, keine Schwarzarbeit. Ein Thema, das der Gastroszene durchaus nachhängt“, so Argin.

Noch wird am Tresen bestellt. Bei „Burgerlich“ am Speersort sieht das schon anders aus, denn die Order läuft elektronisch. In die massiven Nussbaumtische sind ausfahrbare Tablets eingebaut. Für Zutaten und Garstufe entscheidet der Gast sich auf dem Screen. Brotsorte, Touch. Trüffelmayo, Jalapenos, Bestellbutton. Wie bei der Pizza-Bestellung auf dem heimischen Sofa. Kann man dann nicht gleich zu Hause bleiben? Ist Effizienz wichtiger, als der persönliche Draht zum Gast?

 

Der Gastro-R2D2

 

Das Sushi-Bar Kofookoo geht noch einen Schritt weiter und schickte Anfang des Jahres den ersten digitalen Kellner ins Rennen. Ein Roboter mit Fliege? Die Realität sieht unromantischer aus: Die smarte Servicekraft ähnelt eher einem ferngesteuerten Servierwagen. Bestellt wird per Tablet, Standort und Route zum jeweiligen Tisch kennt Gastro-R2D2 von allein. Zudem kann der Gast bis zu fünf Gerichte auf einmal und im 15-Minutentakt nach dem All- You-Can-Eat-Prinzip bestellen, die der Roboter alle zeitgleich serviert.

Revolutionäre Hilfe oder bloß digitales Spielzeug für Erwachsene? Ein teures in jedem Fall, stolze 8.000 Euro kostet der Roboter. Braucht es das? Die „Zeit“ beschreibt es so: „Ein Restaurant sollte genau wie ein Markt sozialer Raum sein und nicht bloß Plattform für den Transfer von Waren.“ Aber auch: „Einen Food-Nerd muss das nicht kümmern. Der bekommt hier, was ihm wichtig ist: ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Und ein innovatives Konzept. Wo sonst in Hamburg kann man schon essen wie in der Science-Fiction?“

 

Eine App gegen leere Tische

 

Sinniger erscheinen Tools, die versuchen Lösungsansätze für typische gastronomische Probleme, wie etwa die schwache Auslastung außerhalb der Kernzeiten zu liefern. Die Plattform „Delinski“ ist seit diesem Jahr in Hamburg aktiv und arbeitet außerdem an den Standorten Wien, Graz, Linz und München erfolgreich mit über 600 Partner-Restaurants zusammen. In Hamburg sind aktuelle Hotspots wie das Zeik in Winterhude oder Shiso Burger in der Altstadt gelistet.

Das Prinzip: Delinski nutzt Rabatte, um die Gasträume auch an einem Mittwoch um 18.30 Uhr zu füllen. Die Handhabung ist denkbar einfach. Der User meldet sich an, bucht Restplätze im Laden seiner Wahl und erhält 30 Prozent Rabatt auf die Gesamtrechnung. Welche positiven Effekte Gastronomen aus der Zusammenarbeit ziehen, fasst Zeik-Inhaber Maurizio Oster für sich zusammen: „Ich finde Delinski klasse! Der Gast hat die Möglichkeit neue Restaurants kennenzulernen und spart auch noch dabei. Wir als Gastronomen können unsere schwächeren Tage besser steuern – also eine Win-win-Situation.“

Zudem halten sich die Kosten gering, gezahlt wird nur pro Gastvermittlung. Dass zudem Schnelligkeit zur Lunchzeit essenziell ist, hat die App „Lunch-Now“ erkannt. Mit ihr lassen sich geschmackliche Vorlieben und Standort auswählen, tagesaktuelle Angebote checken und diese direkt mit Freunden teilen, um sich zur Mittagspause zu verabreden.

 

Delinski

Delinski: Restplätze finden und Rabatte per App sichern (Foto: Delinski)

 

Die andere Seite gewinnt ebenso. Partner-Restaurants wie das Brüdigams in Eppendorf unterstützt die App beim Social-Media-Auftritt, der noch immer gern stiefmütterlich behandelt wird und gleichzeitig so wichtig ist. Auf Wunsch übernimmt das Start-up das Einpflegen aktueller Tagesgerichte, platziert das Restaurant je nach Beitragshöhe im Ranking und steigert so den Bekanntheitsgrad des Mittagstischs.

Diesen Benefit bemerkt auch das edlere Au Quai am Hafen. Hier wird zusätzlich eine Brücke zu den Gästen geschlagen, die befürchten, Sneaker passten nicht ins schicke Ambiente. Im Hinblick darauf, dass viele Restaurants das Mittagsgeschäft aufgrund von geringem Zulauf aufgeben müssen, also ein guter Support.

Solange im Restaurant selbst sozialer Austausch stattfindet oder die neuen Tools sogar eine Hinwendung zum Gast erlauben, weil sie an anderer Stelle entlasten, spricht nichts gegen digitalen Fortschritt. Ein Robo-Kellner schenkt dem Gast aber letztlich kein ehrliches Lächeln oder reagiert mit Charme und Witz auf kleine Fauxpas.

Die Branche ist im Umbruch und muss probieren, ausloten und vielleicht auch wieder verwerfen. Denn ob Spielerei oder sinnvolle Unterstützung: Aufzuhalten sind die Entwicklungen ohnehin nicht.


Szene-Oktober-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Oktober 2019. Titelthema: Neu in Hamburg. Das Magazin ist seit dem 28. September 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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FoodSZENE – Der DEHOGA Hamburg will sichtbarer werden

Im Gegensatz zu früher, ist heute den wenigsten Gastro-Gründern bekannt, welche Angebote der DEHOGA ihnen nützen könnten. Anke Büttenbender, stellvertretende Landesgeschäftsführerin des DEHOGA Hamburg, räumt mit Vorurteilen auf und erklärt, warum es an der Zeit für mehr Sichtbarkeit ist

Interview: Jasmin Shamsi

 

SZENE HAMBURG: Frau Büttenbender, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) hat in Hamburg eine lange Tradition. Warum ist er für Gründer so wichtig?

Anke Büttenbender: Wir bieten Gründungs- und Betriebsberatung an und arbeiten eng mit der Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg zusammen, die mit uns Gründer bei dem Schritt in die Selbstständigkeit unterstützt. Über die Hamburger Existenzgründungsinitiative bekommen Interessierte Beratungsgutscheine und mit Grimm Consulting haben wir einen auf die Gastronomie spezialisierten Partner an unserer Seite.

Was hat man von einer Mitgliedschaft?

Wir veranstalten zum Beispiel regelmäßig Fachvorträge, etwa zu Themen wie der neuen Datenschutzgrundverordnung oder der Kassenverordnung. Die werden gut angenommen, weil viele keine Zeit haben, sich durch etliche Seiten Infomaterial zu kämpfen. Außerdem sind wir stark vernetzt in der Stadt und arbeiten eng mit der Handelskammer und der Tourismuswirtschaft zusammen. So können wir gemeinsam gute Projekte für die Stadt anschieben. Darüber hinaus profitieren Mitglieder auch von geldwerten Vorteilen, wie zum Beispiel 20 Prozent Rabatt auf GEMA-Gebühren.

Was kostet es, Teil des Netzwerks zu sein?

Die Mitgliedschaft ist nach der Anzahl der Mitarbeiter gestaffelt: Bei bis zu drei Mitarbeitern zahlt man 20,70 Euro, bei vier bis zehn Mitarbeitern 29,50 Euro monatlich.

 

„Wir werden oft als Altherren-Verein abgestempelt“

 

Werden Ihre Beratungsangebote auch von jungen Gründern genutzt?

Das ist der springende Punkt: Wir stellen fest, dass sich zwar nach wie vor viele junge Menschen für die Gastro-Branche interessieren und tolle Ideen haben, aber von unseren Angeboten entweder nichts wissen oder Vorbehalte haben, weil sie uns fälschlicherweise als Alte-Männer-Verein abstempeln. Vor rund 15 Jahren war es noch selbstverständlich, dass man sich bei einer Existenzgründung an den DEHOGA wandte, weil die Vorteile bekannt waren.

Vielleicht ist es Zeit für einen Neuanstrich?

Oh ja, wir müssen definitiv an unserer Sichtbarkeit arbeiten. Unsere Website befindet sich derzeit im Umbau und wir sind inzwischen auch auf Facebook. Es geht aber nicht nur um einen Neuanstrich, wir verändern uns auch in unseren Strukturen. In 2018 haben wir ein Netzwerk für Jungunternehmer gegründet, den Jungen DEHOGA (Foto). Hier geht es um regelmäßigen Austausch und das Bündeln von Stärken und Wissen.

Wie begegnen Sie dem Vorwurf, dass die Belange der Gastronomie im Gegensatz zu denen der Hotellerie häufig unter dem Radar blieben?

Sowohl die Hotellerie als auch die Gastronomie sind das Rückgrat des Tourismus in Hamburg. Unsere Arbeit als Interessenvertretung für beide Bereiche ist immens wichtig. Mit einem Wechsel in der Geschäftsführung vor drei Jahren haben wir unseren Fokus nochmals geschärft. Ich komme selbst aus der Gastronomie und setze mich verstärkt für die kleinen Betriebe ein.

Der Ruf nach einem Bürokratieabbau im Gastgewerbe wird immer lauter. Wie kann der DEHOGA helfen?

Das ist ein großes Thema bei uns. Ob Flexibilisierung der Arbeitszeit oder faire Steuerpolitik – diese Dauerbrenner bringen wir mit dem DEHOGA Bundesverband regelmäßig ins Gespräch. Unsere Vertreter in Berlin sind sehr nah an den Politikern und machen dort wichtige Lobbyarbeit.

Welche bisherigen Erfolge können Sie verzeichnen?

In hartnäckigen Verhandlungen mit der GEMA konnten wir beispielsweise eine völlig überzogene Erhöhung der Tarife abwenden. Wir haben einen Antrag auf Neuordnung der gastgewerblichen Berufe gestellt und arbeiten mit Experten jetzt an der Modernisierung der Ausbildungs-Rahmenpläne. Und in Hamburg konnten wir zudem verhindern, dass es eine Hygieneampel gibt, deren Prüfungsumfang für viele Gäste nicht nachvollziehbar ist. Stattdessen wurde ein Hygienesiegel eingeführt: Die Ergebnisse der amtlichen Überwachung können auf freiwilliger Basis veröffentlicht werden. Wer besonders gut abschneidet, kann das mit einem Aushang oder einem Aufkleber deutlich machen.

Dehoga-Hamburg.de


Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online und in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG.


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Café des Artistes: Typisch Französische Köstlichkeiten

Das Café des Artistes bringt ein Stückchen Frankreich an den Gerhard-Hauptmann-Platz und die Hamburger mit typisch französischer Küche durch den Tag – von Petit déjeuner bis Dîner

Text: Laura Lück
Fotos: Sven Gordon Williams

Ab acht Uhr am Morgen strömt der Duft von frischen Croissants, Pain au chocolat und Café au lait über den Gerhard-Hauptmann-Platz. Zwei waschechte Bretonen haben den Räumlichkeiten der ehemaligen Weltbühne im Thalia Theater französische Lebensart eingehaucht. Thomas Pinçon, der 18 Jahre lang das Café Paris betrieb und sein Geschäftspartner Jean-Sébastien Thimon haben für ihr gemeinsames gastronomisches Projekt „Café des Artistes“ ein gemütliches Zuhause gefunden.

Das neue Café steht in der Tradition jener Bistros in den Städten Fankreichs, die Refugium für den Moment, Treffpunkt zum Gespräch und Ort des Genusses sind. Im Café des Artistes können Gäste vom Petit déjeuner bis zum frischen Hummer beim Dîner hier unprätentiöse französische Küche erleben.  In den Gerichten kommen viele Bio-Produkte französischer Produzenten zum Einsatz. Austern, Seezunge oder Käseplatte – frankophile Hamburger werden hier ganz sicher glücklich.

 

Bistro bis 23 Uhr geöffnet

 

Mit Interieur im Art-Déco-Stil und typischen Bistrostühlen im Außenbereich hat das Café des Artistes zwar einen schicken Look, bleibt atmosphärisch aber gemütlich und entspannt. Direkt am Theater und mitten in der Altstadt kann man hier bestens mit einem Glas Rotwein Passanten beobachten. „Das Ambiente eines solchen kreativen Traditionshauses birgt die gewünschte Atmosphäre schon in sich“, erklärt Pinçon. „Sie mit Leben zu füllen, ist genau die Aufgabe und Herausforderung, die ich mir für das neues Projekt gewünscht habe.“

Highlight: Um Theaterbesuchern Snack und Absacker nach der Vorstellung bieten zu können, serviert das Bistro sogar bis 23 Uhr – natürlich auch ohne Theaterbesuch.

 

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Café des Artistes: Gerhart-Hauptmann-Platz 70 (Altstadt)


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Stadtpark Open Air – frischer Saisonstart in der Gastro

Stadtpark Open Air 2019: Hamburgs grünste Konzert-Location startet mit einem neuen Gastro-Bereich in die Saison. Ein Gespräch mit Björn Hansen, der das Food-Konzept erneuert hat.

Interview: Erik Brandt-Hoege
Foto (o.): Lukas Lau

Element Of Crime, First Aid Kit, Weezer, The National: Die Buchungen für die neue Saison, die am 19. Mai startet, können sich sehen lassen. Neben der Live-Musik wird ein Highlight auch die neue Food Lane rund um die Freilichtbühne sein. An fünf Containern kriegen Konzertbesucher einiges geboten, von Bio-Currywurst über Süßkartoffelpommes bis zu Burritos. Zuständig für den Gastro-Bereich ist Björn Hansen, Geschäftsführer von Stereolicious.

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Björn Hansen hat das Food-Programm im Stadtpark runderneuert. Foto: Sophia Herzog

SZENE HAMBURG: Björn Hansen, der Gastro-Bereich des Stadtpark Open Airs wurde runderneuert. Was passierte im ersten Schritt?

Björn Hansen: Am Anfang war ein leeres Blatt Papier, wir haben buchstäblich bei null angefangen. Das hieß auch, dass wir uns von allem, was dort in den vergangenen 45 Jahren stattgefunden hatte, vollkommen frei machen wollten. Und die erste Idee, die wir dann hatten, war es mit Seecontainern zu arbeiten. So stellen wir den Bezug zum Tor der Welt her und schaffen robuste und einheitliche Verkaufsstände. Außerdem ist das Anthrazit ein schöner Kontrast zum satten Grün drum herum.

Du hast ja reichlich Erfahrung mit großen Musikveranstaltungen, hast unter anderem schon auf dem Hurricane- und dem Melt!-Festival gearbeitet. Konntest du bereits funktionierende Konzepte auf die Stadtpark-Container anwenden?

Wir haben nichts von anderswo adaptiert. Hamburg hat ja eine sehr gute Streetfood-Szene, in der wir wildern und einfach mal gucken konnten, mit wem wir zusammenpassen. Wir hatten dabei alle Gelüste im Blick, die nach Fleisch ebenso wie die nach Vegetarischem und Veganem. Was ich aber tatsächlich schon immer verfolgt und natürlich auch mit in den Stadtpark gebracht habe, ist mein Nachhaltigkeitsanspruch.

Was bedeutete das konkret für das Areal rund um die Freilichtbühne?

Vor allem bedeutet das Müllvermeidung. Ab sofort wird es zum Beispiel Mehrwegbecher geben und allgemein kein Plastik mehr. Und beim Essen setzen wir nicht nur auf konventionelle Küche, sondern auch auf Biogerichte und haben bei allem die Regionalität und die Saisonalität der Zutaten im Blick.

 

Aber bitte mit Sahne!

 

Welche Speisen der Food Lane werden denn mit diesen Zutaten zubereitet?

Unter anderm bieten wir eine Bio-Currywurst an, klassische Burger und Süßkartoffelpommes vom Dock 3 Beach Club, Sandwichspezialitäten von Frau Dr. Schneider’s Grilled Cheese Wonderland und Burritos sowie Suppen und Obstsalate von Monkey Business. Wir werden auch einen süßen Container haben, also einen, an dem es Eis von der Eismanufaktur Kalte Schnauze gibt sowie Crêpes. Wir gucken natürlich immer auf die jeweils anstehende Veranstaltung und das Wetter, wenn wir das Food-Programm machen und setzen auf das Musikprogramm abgestimmte Akzente.

Heißt das, bei Erobiques Großer Gartenparty wird es ein anderes Angebot geben als etwa bei Take That und Dieter Thomas Kuhn, zum Beispiel bei den Getränken?

Ja. Bei Erobique werden wir uns z. B. Gedanken zum Thema Gin Tonic machen. Wir gehen davon aus, dass das der Drink dieses Tages sein wird. Bei Take That sehe ich eher Aperol Spritz im Vordergrund. Und bei Dieter Thomas Kuhn sagen wir: Aber bitte mit Sahne! Vielleicht bieten wir dazu auch noch eine Bowle an.

www.stadtparkopenair.de

www.morgenwelt.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2019. Das Magazin ist seit dem 28. März 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN 2019 – Rekord!

Von Bistroküche bis Fine-Dining-Etablissement – Welche Restaurants Sie unbedingt einmal kennenlernen und wo Sie sich den Besuch lieber sparen sollten, erfahren Sie im neuen SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN.

Wir haben ordentlich zugelegt! Mit 34 Jahren ist das aber ja auch kein Wunder, ein bisschen Speck auf den Hüften haben wir uns jetzt verdient. Über 90 Tester haben sich – wie immer anonym, kritisch und unabhängig – durch die Stadt und das Umland geschlemmt und ausgewählte Restaurants auf Herz, Nieren und Filetsteaks geprüft.

In unserem Gastro-Guide erhalten Sie aber nicht nur Einblicke in rund 600 Restaurants, sondern auch jede Menge News aus der Gastroszene und tolle Geschichten von den Menschen dahinter. Fakt ist: 388 Seiten, das ist Rekord! Auch das gab es bislang noch nicht: eine eigene App. Die ist passend zum Erscheinungstermin ab sofort in den App-Stores zu haben und soll Ihnen auch unterwegs den Weg durch unsere kulinarische Perle Hamburg weisen. Wenn das nicht preisverdächtig ist! Apropos Preis: Zum allerersten Mal verleihen wir einen eigenen Gastropreis! Für den Genuss-Michel haben wir uns sieben ausgewiesene Food-Experten ins Boot geholt, die all unsere Testsieger noch einmal unter die Lupe genommen haben. Wer ist der Newcomer des Jahres, welches das beste Restaurant 2019 und wer hat den Preis für das Lebenswerk verdient?

Drei neue Sternerestaurants und knapp 60 Neueröffnungen seit Frühjahr 2018 – die Hansestadt hat sich längst zum kulinarischen Hotspot gemausert. Als Drehkreuz des Nordens war sie schon immer Ankerpunkt für Genüsse aus aller Welt. Das zieht auch die Gastronomen in die Hansestadt. Sechs von ihnen erzählen, was sie mit Hamburg verbindet und an unserer Gastroszene besonders schätzen.

Glutenfrei, laktosefrei, histaminfrei… kann man überhaupt noch essen gehen, ohne den Service in Verlegenheit zu bringen? Wie viel Rücksicht muss die Gastronomie nehmen? Wir haben zwei bekannte Gastronomen, Thomas Imbusch und Hannes Schröder, zum Thema Unverträglichkeiten “auch vermeintliche“ befragt und darüber zusammen mit unseren VIP-Testern ausführlich bei einem Dinner diskutiert.

Handy auf dem Tisch und in Lümmelhaltung: Ist das die neue Tischkultur? Welche Dos und Don’ts gelten 2019? Dazu haben wir ein Etiketteseminar im Hotel Vier Jahreszeiten besucht. Aber wie zeitgemäß ist der Knigge überhaupt noch? Hamburgs Gastronomen erzählen von Fettnäpfchen und den wichtigsten Tischmanieren, die alle Gäste kennen sollten. Und sie geben Tipps, wie und wo man garantiert immer einen guten Eindruck machen kann.

Worauf Sie in dieser Ausgabe achten sollten, wie wir gestestet und bewertet haben und woran Sie unsere Testsieger und Hanseperlen erkennen? Das haben wir alles für Sie zusammengefasst. Und natürlich finden Sie auch dieses mal wieder unsere Top 10 der besten Fischbrötchen, Ramen-Läden, kinderfreundlichen Orte und Mittagstische. Machen Sie’s wie wir: Schmausen Sie sich gehörig durch die Stadt und lassen Sie sich dabei auch mal auf etwas Neues ein. Meistens lohnt es sich . . .

Ihr Team von SZENE HAMBURG ESSEN + TRINKEN

Das Team der SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN © Roeler

© Roeler

 


Ab dem 3.4.2019 im Handel: Der neue SZENE Hamburg Gastroguide

 Der Gastro-Guide SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN ist ab dem 3. April 2019 für 9,90 Euro im Handel und zeitlos im Online-Shop erhältlich!

 

 


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Top 10 – Diese zehn Dinge gibt’s nur im Hamburger Osten

Hamburgs Osten wird oft unterschätzt und bleibt von vielen unentdeckt. Zeit, die Stadtteile zu durchstreifen und neue Lieblingsplätze zu finden.

Text: Luisa Uhlig
Foto (o.). Erik Brandt-Hoege

1) Großtankstelle Brandshof

Bekannt als Oldie Tanke, ist diese, neben eine auf Oldtimer spezialisierte Prüfstelle, auch ein Szene-Treffpunkt – hier rollt am Wochenende das „Alte Blech“ auf den Hof, damit es beäugt und beschnackt wird. Der kleine „Erfrischungsraum“ im 50er-Jahre-Stil, stillt Appetit und bietet eine Möglichkeit zum Fachsimpeln und Austausch. Auf jeden Fall ein Place-to-be für für Autoliebhaber, Fans der 50er Jahre und Neugierige. Mit ganz viel Charme und Stil.

Billhorner Röhrendamm 4 (Rothenburgsort); www.tankstelle-brandshof.de

 

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2) Bäckerei Caglar

Baklava und Kurabiye auf der einen Seite, Kuchen und Milchreis auf der anderen. Diese Bäckerei vereint die deutsche und türkische Küche und das nicht nur bezogen auf süße Spezialitäten: Auch Fladenbrot, Börek und Rührei wandern hier über die Theke. Der Familienbetrieb legt wert auf Hausgemachtes – und mit Glück gibt es noch warme Simit frisch aus dem Ofen. Bei gutem Wetter kann man den Schmaus auch im Außenbereich genießen.

Vierländer Damm 9 (Rothenburgsort); www.caglar-baeckerei.de

 

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Kultur

 

3) Kulturschloss Wandsbek

Das Kulturschloss in Wandsbek bietet ein saucooles, kunterbuntes Programm: Konzerte von Latin bis A-cappella, Bazare, Lesungen, Partys, Qigong , Sport-, Tanz- und Sprachkurse sind nur ein Auszug aus der Vielfalt, die hier jeden Monat stattfindet. Und on top: Das Kulturschloss engagiert sich für Toleranz im Stadtteil sowie für die Integration von Geflüchteten.

Königsreihe 4 (Wandsbek); www.kulturschloss-wandsbek.de

 

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4) Kulturpalast Billstedt

Diese Institution ist in Billstedt nicht wegzudenken. Denn der Kultur Palast verbindet die Menschen über den Stadtteil hinaus und fördert vor allem Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien. Der Zugang zur Kultur ist niedrigschwellig. Zentraler Baustein, um Sprachbarrieren zu überwinden und die Kreativität anzukurbeln ist: Musik. Dazu gibt es zahlreiche Workshops und Projekte. Ein Beispiel ist die „Bambi Galore“, der Musikclub, der eng mit der Hamburger Musikszene verknüpft ist. Mehrmals in der Woche wird die Bühne des Kulturpalastes belebt: Theater für Groß und Klein, Konzerte jeden Genres und Kabarett stehen auf dem Programm.

Öjendorfer Weg 30a (Billstedt); www.kph-hamburg.de


 

Natur

 

5) Jenfelder Moorpark

Es ist März. Zeit, das Sofa zu verlassen, um wieder frische Luft zu schnuppern. Der Moorpark in Jenfeld bietet einige Möglichkeiten, um aus dem Winterschlaf zu erwachen: ein Spielplatz, überdachter Pavillon, große Wiesen, die Kastanienallee am Eingang des Parks sowie ein Grillplatz versprechen ein Rundum-Spaß-im- Grünen-Paket. Ein Wanderweg führt rund um das Jenfelder Moor, einen See, der sich an den Park anschließt.

Ab Jenfelder Allee 49 führt ein Weg in den Park (Jenfeld)

 

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6) Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe

Ein absolutes Muss an einem Sonntag bei Sonnenschein, ist die Elbinsel Kaltehofe. Dort besticht die Kombination aus Natur, Kultur und Elb-Panorama. Frische Luft schnappen im Naturpark und durch Norddeutschlands größtes sowie modernstes Wassermuseum schlendern – das alles direkt an der Elbe mit Blick auf den Hafen. Ein Highlight vor allem für die Kleinen: der Erlebnispfad im Naturpark, mit Barfußabschnitt für alle Sinne.

Kaltehofe Hauptdeich 6-7 (Rothenburgsort); www.wasserkunst-hamburg.de

 

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Shopping

 

7) Ferro-Markt

Pierogi, Kwas, Tworog sind keine Charaktere in einem Fantasyfilm sondern russische Spezialitäten. Genau genommen Teigtaschen, ein Getränk aus gegärtem Brot und russischer Hüttenkäse. Zu finden im Ferro-Markt, denn dort gibt es ausschließlich russische und polnische Lebensmittel. Auch die Deko im Laden sorgt für ein außergewöhnliches Einkaufserlebnis. Für Kenner der russischen Küche und Neugierige.

Billstedter Hauptstraße 3 (Billstedt)


8) Schneppchen Hamburg

Wie der Name bereits andeutet, können hier echte Schnäppchen erstanden werden. Der Secondhandladen bietet ein großes Sortiment an: von Möbel, über Haushaltsgegenstände, Porzellan, Bücher bis hin zu Klamotten. Der Fokus liegt dabei auf dem Verkauf von großen Möbeln für kleines Geld – und das alles im Vintagestil. Stöbern ist angesagt, für alle, die auf der Suche nach dem nächsten „Schneppchen“ sind.

Wandsbeker Chaussee 189 (Eilbek); www.schneppchen-hamburg.de

 

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Kinder

 

9) Wabe-Kitas

Für die Betreuung der Kinder im Hamburger Osten ist gesorgt. Der Wabe e. V. führt Kitas in ganz Hamburg und verfolgt das Konzept der offenen Pädagogik: Hier wird auf das Entwicklungspotenzial der Kinder vertraut. Die Kinder werden als aktive Gestalter ihrer Umwelt angesehen und können bereits in jungen Jahren ein Selbstverständnis von Zugehörigkeit, Wertschätzung und Mitbestimmung entwickeln.

Kita Dringsheide: Dringsheide 3a (Billstedt), Kita Farmsen: August-Krogmann-Straße 100 (Farmsen-Berne), Kita Trabrennbahn: Max-Herz-Ring 9 (Farmsen-Berne), Kita Elfsaal: Elfsaal 20 (Jenfeld); www.wabe-hamburg.de


10) Schulkinderclub Billbrookdeich

Auch wenn in Billbrook hauptsächlich Industrie zu Hause ist, dürfen die „Kleinen“ im Viertel nicht zu kurz kommen. Die Vereinigung der Hamburger Kitas „Elbkinder“ hat den Schulkinderclub Billbrookdeich gegründet, ein Treffpunkt und Betreuungszentrum für Kinder und Jugendliche von sechs bis 18 Jahren. Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung, Sportkurse, Töpfern, Kickern oder ein Computer- Führerschein – alles möglich.

Billbrookdeich 266 (Billbrook); www.elbkinder-kitas.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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FoodSZENE – ZEIK mir deine Welt

Was braucht es, um junge Menschen für den Beruf des Kochs zu begeistern? Zeik-Chef Maurizio Oster ist sich sicher: Perspektiven und Raum für persönliche Entfaltung.

Protokoll und Fotos: Jasmin Shamsi

Maurizio Oster, Inhaber und Küchenchef im Zeik, hat schon in den bekanntesten Hamburger Restaurants gekocht: im Vlet an der Alster und in der Speicherstadt, in der Meatery, im Ono, im Jahreszeiten Grill und im Haerlin. Der Wunsch nach einem eigenen Restaurant war von Anfang an groß, der Weg dorthin allerdings kein einfacher. 2018 ist er in die Fußstapfen von Spitzenkoch Axel Henkel getreten und hat dem Zeik einen kompletten Neuanstrich verpasst. An seiner Seite kocht Robin Bender, der zuletzt im Se7en Oceans tätig war. Der 30-jährige Küchenchef erzählt über seine Lehrzeit und den Wunsch, diese in Zukunft fortschrittlicher zu gestalten.


„Die Ausbildung zum Koch ist häufig nicht mehr zeitgemäß.“

Robin Bender und Maurizio Oster kochen im ZEIK Restaurant in Hamburg Gut Ding will auch im Zeik Restaurant in Hamburg © Jasmin Shamsi

Würden gerne selbst ausbilden: Robin Bender und Maurizio Oster

 

Die Ausbildung zum Koch ist meiner Meinung nach häufig nicht mehr zeitgemäß. Ich war ein paar Mal als Gast bei Prüfungen dabei. Wenn da ein Lehrling vom Prüfer eine Standpauke kriegt, weil er die Fleischsauce nicht mit Mehl abgestäubt hat, stellen sich bei mir die Nackenhaare auf. Gerade mit Blick auf Unverträglichkeiten und Intoleranzen muss man umdenken und Alternativen anbieten können – obwohl eine klassische Mehlschwitze schon was Feines ist.

Als Inhaber eines eigenen Restaurants spreche ich da aus Erfahrung, ich muss tagtäglich möglichst flexibel auf die unterschiedlichsten Wünsche eingehen. Diese Erfahrungswerte sollten auch Gegenstand der Ausbildung sein, nur so bleibt man auf der Höhe der Zeit.

Ich habe in einem relativ einfachen Hotel in Neumünster gelernt und musste mir viel selbst beibringen. Gleich im ersten Lehrjahr habe ich mir ein Buch von Sternekoch Christian Jürgens gekauft. Dieses Buch hat mir Welten eröffnet! In der Realität habe ich allerdings nur Rumpsteaks mit Bratkartoffeln rausgeschickt. Da wusste ich, dass ich mehr will. Abends nach getaner Arbeit habe ich Rezepte aus dem Buch nachgekocht und mich ausprobiert. Ich war froh, als ich nach zweieinhalb Jahren mit der Ausbildung fertig war.

 

„Erst wenn du ein Produkt verstanden hast, kannst du es richtig zubereiten.“

 

Meine Beobachtung ist, dass Berufsschülern oft das nötige Wissen über die einzelnen Produkte fehlt. Ein Beispiel: Für die meisten ist eine Kartoffel eine Kartoffel, dabei gibt es etliche Kartoffelsorten! Erst wenn du ein Produkt verstanden hast, kannst du es richtig zubereiten. Als ich noch im Vlet in der Speicherstadt tätig war, hatte ich einen sehr lehrreichen Moment mit Thomas Sampl, dem damaligen Küchenchef. Er bat ein paar Berufsschüler, sich fünf verschiedenen Kartoffelsorten genauer zu widmen. Sie sollten aus jeder Sorte einmal Püree, Rösti, eine Suppe etc. zubereiten, um deren spezielle Eigenschaften in Augenschein zu nehmen. Den meisten war bis dahin nur die Jumbo-Kartoffel geläufig. Die muss wenig geschält werden und sie lässt sich gut zu Pommes oder Püree verarbeiten.

Heute geht vieles über die Optik. Aber Kochen ist nicht nur Optik und auch nicht nur Geschmack. Dieser spezielle Duft, wenn man eine Sauce ansetzt, das Geräusch, wenn man etwas anbrät, die Wärme, die beim Kochen entsteht – da werden alle Sinne beansprucht.

 

„Manchmal gehört auch Verzicht dazu.“

 

Wer in der Ausbildung wertgeschätzt und gefördert werden möchte, muss die entsprechende Leistung bringen. Manchmal gehört auch Verzicht dazu. Ich habe zum Beispiel bei einer Beförderung auf einen Teil meines Gehalts verzichtet und meinen Arbeitgeber stattdessen darum gebeten, die Kosten für meinen Ausbilderschein zu übernehmen. So konnte ich mich weiterqualifizieren und habe in meine Zukunft investiert.

Ich warte auf den richtigen Moment, um bei uns ausbilden zu können. Das ist mir wichtig, auch aufgrund des akuten Fachmangels. Da gerade überall Not am Mann ist, werden Leute in Positionen eingesetzt, für die sie noch gar nicht bereit sind. Darunter leidet die Qualität der Betriebe – vor allem im Service. Es hat eben doch einen Grund, warum es Rangfolgen gibt. Erfahrung kommt durch Zeit.

www.zeik.de


Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online und in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Rindchen schlemmt – Unaufdringliche Perfektion

Im Restaurant Brook stimmen Preis und Leistung.

Text: Gerd Rindchen

In Hamburg gibt es erfreulicherweise eine ganze Reihe von Köchen, die ohne viel Aufhebens um ihre Person seit Jahren exzellent vor sich hin kochen. Zu dieser erfreulichen Kategorie gehört auch Lars Schablinski, der seit Jahren gemeinsam mit seiner Angetrauten Berit, die – der Klassiker – den Service leitet, das Restaurant Brook vis-à-vis der Speicherstadt betreibt. Was immer hier auf der Karte landet, ist handwerklich absolut perfekt, aufwendig aus guten Zutaten bereitet, mit einem ­gerüttelt Maß an Kreativität und für Innenstadtverhältnisse sehr fair ausgepreist.

Die Karte wechselt häufig und bietet sowohl Klassiker für mürbe Hanseaten als auch Experimentierfreudiges für juvenile Entdeckerseelen. Aktuell spannende Vorspeisen sind beispielsweise der Kaninchenrücken mit Süßkartoffel-Rösti und Mango-­Senfcreme (13,50 Euro) oder die gebratene Blutwurst mit zweierlei Blumenkohl, Granny Smith und Honig-Jus (12,50 Euro). Unter den Hauptgerichten ragt ein fulminanter, perfekt à point bereiteter Hirschrücken mit Steckrüben-Zimtpürée, Rosenkohlblättern, ­Maronen und Herbstpilzen ­he­raus, bei dem auch deutlich wird, dass Schablinski zu den liebevollsten Bereitern toller Saucen zählt. Echt knorke ist auch das kurzgebratene Thunfischfilet auf Mittelmeer-Artischockengemüse mit Pesto (24 Euro) und die halbe Vierländer Ente in Honig-Jus mit Pommes Macaire, Rotkraut und Romanesco (23,50 Euro) würde man auch nur ungern von der Tischkante stoßen.

Dazu gibt es noch eine kleine, aber sehr gut zusammengestellte Weinauswahl, die beispielsweise den vorzüglichen Südtiroler Sauvignon der Kellerei Erste + Neue für 7,50 Euro pro 0,2 Liter offen anbietet. Bei den Flaschenweinen ziert einer meiner absoluten Lieblings-Chianti die Karte: der tolle 2015er „Felsina“ für faire 39 Euro. Den haben die Fleischgerichte verdient!

Mittags gibt es im Brook eine Zusatzkarte mit preiswerten Tagesmenüs. Man sollte aber rechtzeitig kommen, denn spätestens um 15.10 Uhr weist der äußerst resolute Service unmissverständlich darauf hin, dass ja eigentlich schon seit zehn Minuten geschlossen sei.

Bei den Mühren 91 (Altstadt); www.restaurant-brook.de


Gerd Rindchen im Rindchen's Weinkontor. Foto:

Gerd Rindchen im Rindchen’s Weinkontor.

Gerd Rindchen ist Gründer von Rindchen’s Weinkontor. Seit 25 Jahren verkostet er Weine nach dem Prinzip „Bestes Preis-Genuss-Verhältnis“. In der SZENE HAMBURG wendet er dieses Prinzip jeden Monat auch auf die Küchen dieser Stadt an.


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2019. Das Magazin ist seit dem 21. Dezember 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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Appetit auf mehr?

FoodSZENE – „Blutleere Gastronomie braucht kein Mensch“

Schanzen-Gastronom Gerrit Lerch hat Anfang November 2018 sein 20-jähriges Jubiläum gefeiert. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Interview: Jasmin Shamsi

SZENE HAMBURG: Galopper des Jahres, Jolly Jumper und seit Neuestem das Chambre Basse – das alles gehört zu deinem Imperium und zum Haus 73. Wie hängen die Bars zusammen?

Im Galopper des Jahres gibt es mittlerweile 16 Hähne mit unterschiedlichen Bieren, regelmäßige Bier-Degustationen und öffentliche Brauerstammtische. Der Jolly Jumper bietet freitags und samstags Clubfeeling mit guter Musik und gut gelaunten Gästen und das Chambre Basse, das ich seit Anfang 2018 zusammen mit David Struck und Felix Piechotta betreibe, ist eine schicke Cocktailbar, in die man sich zurückziehen kann, wenn man den Trubel vom Schulterblatt abschütteln möchte.

Die beiden Kultkneipen BP1 und Bedford, mit denen du ab 1998 eine neue Ära in der Schanze eingeläutet hast, musstest du 2014 schließen. Was hat sich seitdem getan?

Diese beiden Läden abgeben zu müssen, war tragisch und auch ein wenig sinnbildlich für die Entwicklung im Viertel. Subkultur hat es schwer, sich im ständigen Profitstreben zu behaupten. Mit Herzblut betriebene Bars geben einem Viertel Identität, Farbe und Charakter. Blutleere Gastronomien braucht kein Mensch.

 

„Das Hier und Jetzt bei lauter Gitarrenmusik feiern“

 

An welchem Punkt würdest du die Uhr noch mal zurückdrehen, wenn du könntest?

Ich vermisse einen Laden, in dem man zu jeder Nachtzeit gleichgesinnte und spannende Menschen trifft, die in selbstzerstörerischer Art das Hier und Jetzt bei lauter Gitarrenmusik feiern. Am besten auf dem Tresen! So war es halt im BP1. Trotzdem: Ich will überhaupt nichts rückgängig machen. In der Schanze fühle ich mich immer noch zu Hause.

Wo siehst du schwarz für die Schanze?

Gäste, die sich nicht benehmen können, haben schon immer genervt. Belanglose Gastronomien genauso. Geldgeile Vermieter, die durch überhöhte Mieten der Subkultur die Tür vor der Nase zuschlagen sind ein absolutes Ärgernis. Und von Kiosken, die ohne jede Infrastruktur unsere Gäste abgreifen und mit billigen Longdrinks abfüllen, halte ich auch nicht viel.

 

„Eine faire Bezahlung ist das Fundament für ein nettes Miteinander“

 

Überall heißt es, der Gastrobranche gehe der Nachwuchs aus. Bist du davon betroffen?

Zum Glück finden wir immer wieder neue Leute, die Lust haben, sich die Nächte um die Ohren zu schlagen. Den Speisegastronomien geht es da anders. Grundsätzlich gilt: Für die Branche muss man gemacht sein. Ich erinnere mich an ein Bewerbungsgespräch für einen Ausbildungsplatz zum Hotelfachmann. Die Frage meines damaligen Personalchefs ist mir bis heute im Kopf hängengeblieben: „Sie wissen schon, dass Sie jetzt immer dann arbeiten, wenn andere Leute feiern?“ Unter ständigem Stress nachts an Wochenenden und Feiertagen zu arbeiten und dafür nur ein mäßiges Gehalt zu bekommen, darauf haben viele keinen Bock mehr. Die Arbeitszeiten sind leider nicht zu ändern. Der Stress ist auch da, aber in einem funktionierenden Team ganz gut erträglich. Eine faire Bezahlung ist aber definitiv das Fundament für ein nettes Miteinander!

Schulterblatt 73 (Sternschanze); www.dreiundsiebzig.de


Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online und in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG.


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Tazzi Pizza – 450 Grad & 90 Sekunden

Weniger ist manchmal mehr: Statt extravaganter Beläge serviert die neue Pizzeria Tazzi auf St. Pauli neapolitanische Klassiker ohne viel Schnickschnack.

Text & Fotos: Sophia Herzog

Pizza ist eine ernste Angelegenheit – vor allem für die Neapolitaner, die in den Achtzigern die „Associazione Verace Pizza Napoletana“ ins Leben riefen, um die Tradition des beliebten Teigfladens zu wahren. Seit 2017 steht die „Kunst des neapolitanischen Pizzabackens“ sogar auf der Liste der immateriellen Weltkulturgüter, inklusive strenger EU-Normen zu Zutaten und Herstellung. Diese Originalversion ist die Königsdisziplin der Pizza. Das muss schon gut sein, was sich neapolitanische Pizza nennt

Am Pizzaklassiker versucht sich jetzt auch das neu eröffnete Restaurant Tazzi Pizza auf St. Pauli – mit Erfolg. Hinter dem Konzept stecken Harsha, Vijay, Marco und Simone, sie haben die Räumlichkeiten des ehemaligen Le Kaschemme übernommen. Das Besitzerquartett hat sich mit dem Foodtruck „Curry it up“ und der indisch-mexikanischen Fusionsküche des Roots in Ottensen bereits einen Namen gemacht. Für Tazzi Pizza haben sie sich jetzt Holzofen und Pizzaschaufel zugelegt. Eine naheliegende Idee: Als gebürtiger Italiener kann Koch Simone auf genügend Erfahrungen mit der neapolitanischen Backkunst zurückgreifen. Ein bisschen St. Pauli-Flair muss aber trotzdem sein, auf die Außenfassade des Restaurants wurde deshalb mit schwarz-weißem Graffiti der Tazzi-Schriftzug gesprüht. Auch die Inneneinrichtung passt mit viel Holz, roten Backsteinwänden und einer gefliesten Theke in den modernen Stil der umliegenden Gastro-Angebote.

Tazzi Pizza auf St. Pauli ist neopalitanische Pizza aus Hamburg Foto: Sophia Herzog

Immer im Blick: die offene Küche

Wir bekommen an einem trubeligen Samstag gerade noch einen Platz an einer langen Bank im vorderen Bereich des Restaurants – die Einzeltische sind schon besetzt. Das ist zwar nichts für intime Dinner-Dates, dafür fühlt man sich aber gleich wie zu Gast bei einer italienischen Großfamilie, so herzlich und entspannt ist die Atmosphäre. Wir können beobachten, wie die Pizzen im Minutentakt in den großen Holzofen geschoben werden. Im Gegensatz zu anderen Pizza-Restaurants bietet das Tazzi keine spektakulären Kombinationen von Belägen, sondern konzentriert sich auf das Wesentliche: die Klassiker. Einzige Ausnahme bilden dabei einige wenige Specials und die Eigenkreation des Hauses, eine mit Aktivkohle gefärbte Pizza mit Meeresfrüchten (14 Euro). Im heißen Ofen werden die Pizzen nur für 90 Sekunden gebacken und bilden dabei die typischen, leicht angebrannten Luftbläschen im Teig. Der Rand ist herrlich locker und leicht, in der Mitte ist die Pizza dünn und saftig.

Besonders bei der Margherita (8 Euro) kommt die frische Tomatensoße zur Geltung. Dass die angepriesenen karamellisierten Zwiebeln der Thunfischpizza (9 Euro) eher als knackige, rohe Zwiebelstückchen serviert werden, ist im ersten Moment enttäuschend. Da sie der Pizza aber einen angenehmen, leicht säuerlich-scharfen Kick geben, ist das aber schnell verziehen. Dazu passt der obligatorische Negroni mit seiner guten Balance zwischen bitter und süß. Wer von der Auswahl auf der Speisekarte nicht überzeugt sein sollte, kann seinen Lieblingsbelag auf einer Tafel vorschlagen – mit etwas Glück werden hier sogar Pizza-Träume wahr…

Rendsburger Straße 14 (St. Pauli); www.facebook.com/tazzi.pizza


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2019. Das Magazin ist seit dem 21. Dezember 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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