Beiträge

Eine Stadt wird bunt: Graffiti in Hamburg

Wusste Anfang der 1980er-Jahre noch niemand was ein Piece ist, ist Graffiti heute im Mainstream angekommen. Die neue Ausstellung „Eine Stadt wird bunt“ im Museum für Hamburgische Geschichte zeigt die Geschichte der ehemaligen Subkultur in Hamburg von 1980 bis 1999

Text: Felix Willeke

 

„Seit 2000 ist Graffiti absolute Popkultur“, sagt Mirko Reisser. Er ist einer von vier Kuratoren der neuen Ausstellung „Eine Stadt wird bunt“, die vom 2. November 2022 bis zum 31. Juli 2023 im Museum für Hamburgische Geschichte zu sehen ist. Dabei zeigt das Museum erstmals eine Ausstellung zur Entstehungsgeschichte der Graffiti-Kultur in Hamburg. Fast 500 Exponate – darunter Fotos, Skizzenbücher, Sprühdosen, Magazine, Schallplatten und szenetypische Accessoires – haben die Kuratoren Oliver Nebel, Frank Petering, Mirko Reisser und Andreas Timm zusammengestellt. Mit der Ausstellung will das Museum „neue und für die Stadtgesellschaft relevante Themen setzen“, sagt Prof. Bettina Probst, Direktorin des Museums für Hamburgische Geschichte.

 

Ein Buch als Inspiration

Graffit Ausstellung „Eine Stadt wird bunt“ Museum für Hamburgische Geschichte

B-Base, Gewinner eines Graffiti-Wettbewerbs der S-Bahn von 1989 (©Werner Mr. W-Skolimowski/EINE STADT WIRD BUNT)

Die Arbeit an der Ausstellung begann dabei schon mit der Recherche zu dem Buch „Eine Stadt wird bunt“, dass die vier Kuratoren 2021 im Eigenverlag herausgebracht haben. Hierfür recherchierten sie über sechs Jahre nach Spuren der Graffitigeschichte der Hansestadt und trugen am Ende über 400.000 Fotos, Skizzen und Zeitungsartikel zusammen. Entstanden ist ein 560 Seiten dickes „Standardwerk für Graffiti“, wie es die TAZ bezeichnete.

 

Vom ersten Piece bis zu Eizi Eiz

Die Ausstellung zeigt dabei nur einen Ausschnitt des Buches und dazu noch Exponate, die im Buch nicht zu finden sind. Die Schau beginnt mit einem Hamburg in den 1980er-Jahren, das noch von vielen Freiflächen geprägt war. Neben digitalisierten Skizzenbüchern gehört das originalgetreu rekonstruierte Zimmer eines Hamburger Jugendlichen, der in den 1980er Jahren zum Sprüher wurde, zu den Highlights. Dazu schaffen es die Kuratoren auch die Brücke zwischen Graffiti und HipHop zu schlagen. Waren es unter anderem Filme wie „Wild Style“ aus dem Jahr 1983, die die Szene in Deutschland inspirierten, wurde Graffiti in Hamburg schnell zu einem Teil der Hip-Hop-Kultur und ist bis heute mit ihr verbunden. So wundert es auch nicht, dass in der Ausstellung Musiker zu Wort kommen. Darunter  Jan Delay alias Eizi Eiz, der seit den 1990er-Jahren und damals noch als einer der Absoluten Beginner (heute Beginner) ein Teil der Szene ist.

Graffit Ausstellung „Eine Stadt wird bunt“ Museum für Hamburgische Geschichte Jan Delay

Die Absoluten Beginner (v.l.n.r. DJ MAD, Eizi Eiz, Denyo und Mardie) in der Fabrik in Ottensen am 5. März 1993 (©Ulli Mehlich/EINE STADT WIRD BUNT)

 

Die Ausstellung in der Stadt

„Wir wollen das Haus mit der Stadt stärker vernetzen“, sagt Prof. Bettina Probst und deswegen gibt es zur Ausstellung auch eine App (erhältlich für Android und iOS). In der App „Eine Stadt wird bunt“ sind über 50 Spots in der ganzen Stadt verzeichnet, an denen sich noch heute die Entstehung der Graffitikultur in Hamburg nacherleben lässt. 

 

Ein umfangreiches Begleitprogramm

Neben der App gibt es auch noch mehr Begleitprogramm zur Ausstellung „Eine Stadt wird bunt“. So sind unter anderem Gespräche und Vorträge und Kuratorenführungen geplant und ab März 2023 soll es auch zehn Graffiti-Workshops geben. Hier kann man sich dann selbst einmal unter der Leitung von Kurator und Graffitikünstler Oliver Nebel an einer eigens installierten Wand ausprobieren. Außerdem versuchen die Kuratoren die Graffitibuch- und Magazin-Messe „Unlock Book Fair“ sowie die „The TAG Conference“, die sich mit Schrift im öffentlichen Raum beschäftigt, 2023 nach Hamburg zu holen.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

„Brot weint nicht“: Fettes Brot kündigt Trennung an

Am Freitag spielte das Hamburger Rap-Trio noch ein kostenloses Überraschungskonzert auf der Elbe. Jetzt gab Fettes Brot bekannt, dass sie Ende 2023 getrennte Wege gehen werden.

Text: Katharina Stertzenbach



Fast 30 Jahre standen Doktor Renz (Martin Vandreier), König Boris (Boris Lauterbach) und Björn Beton (Björn Warns) als Fettes Brot gemeinsam auf der Bühne. Ihre Hits  „Jein“, „Nordish by Nature“ oder „Emanuela“ sind von den Radio-Playlists nicht mehr wegzudenken. 2022 scheint die Geschichte der Band auserzählt, beteuern die Brote auf ihren Social Media Kanälen. So steht für die Drei fest: „Papa und Papa und Papa trennen sich. Ende ’23 packen wir unsere Turnbeutel und wandern ab da auf neuen Wegen.“

 

Fette finale Festspiele

 

Klanglos werden Fettes Brot die Bühne nicht verlassen. Fans können sich auf eine Abschiedstour und ein Greatest Hits-Album freuen. Außerdem ist seit heute, 1. September, der Abschiedssong „Brot weint nicht“ draußen. Und Fettes Brot wäre nicht Fettes Brot, wenn sie nicht auch noch die ein oder andere Überraschung für die Fan-Community in petto hätten. Es steht also noch ein Grande Finale an, bevor die Brote dann endgültig History sind.

FYI: Es lohnt sich das Video von „Brot weint nicht“ bis zum Schluss anzuschauen. Am Ende werden die Tourdaten verkündet. 

Tickets für die Abschiedstour und Merch gibt’s ab dem 2. September im Bandstore 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Ferris MC: „Immer nonkonform“

Der Hamburger Rapper Ferris MC veröffentlicht seine Autobiografie „Ich habe alles außer Kontrolle“ – und ein neues Album. In den Songs auf „Alle hassen Ferris“ thematisiert er seine Antihelden-Position im Musikgeschäft

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Ferris, gab es einen konkreten Anlass, den Titelsong deines neuen Albums, „Alle hassen Ferris“, zu schreiben?

Ferris: Nein, es war ein Potpourri aus Erlebnissen und Kommentaren, die ich so mitgekriegt habe, die mich zum Schreiben bewegt haben. Ich hatte das Gefühl, überall nur verbrannte Erde hinterlassen zu haben und zur Persona non grata geworden zu sein. Es kam mir vor, als könnte ich machen, was ich wollte, so sehr abliefern, wie nur möglich: Und die Leute redeten trotzdem. Und wenn man dann während der Pandemie eingeschlossen in seinem Kämmerlein dasitzt, wird diese Wahrnehmung natürlich noch stärker. Deshalb der sehr plakative, aber natürlich auch humorvoll gemeinte Titel: „Alle hassen Ferris“.

Humorvoll, weil dir die Ansichten anderer am Ende doch nicht so wichtig waren und sind?

Genau. Ich mache nicht Musik, um es damit allen recht machen zu können. Das habe ich mal gemacht, aber damit bin ich komplett auf die Schnauze gefallen. Ich wollte dem gerecht werden, was die Leute von mir verlangten, aber das konnte ich ja gar nicht. Ich kann zum Beispiel nieman- dem den alten Ferris zurückgeben. Kein Künstler kann das. Man ist ja nicht der Lakai des Publikums, sondern drückt seiner Kunst den eigenen Stempel auf. Wobei ich sagen muss: Es ist jetzt auch nicht so, dass ich komplett darauf scheiße, was die Leute von mir denken. Wie jeder andere Künstler suche auch ich nach Anerkennung und Liebe.

„So fühle ich mich am wohlsten“

Im Song „Alles außer Kontrolle“ heißt es: „Meine Mukke folgt keinem Trend, deshalb verdien’ ich damit auch keinen Cent.“ Dieses Keinem-Trend- Folgen: Macht das vor allem Spaß oder ist es auch mal anstrengend?

Massentauglichkeit spült natürlich Geld in die Kassen, aber ich finde es wichtiger, es nicht darauf anzulegen, massentauglich zu sein. Also dass man zum Beispiel nicht ganz offensichtlich versucht, einen Chart-Hit zu produzieren, der dann vom Label noch in die Playlisten gepusht wird. Wenn man Geld in die Hand nimmt, kann man überall stattfinden und sich somit Erfolg auch erkaufen. Bei mir ist es so, dass man sich schon schlau machen muss, was ich gerade mache. Dann allerdings findet man High-End Quality – auf meine Art. Das ist der Weg, den ich immer gegangen bin, immer nonkonform. So fühle ich mich am wohlsten.

„Man ist ja nicht der Lakai des Publikums“

Ferris MC

Wobei man meinen möchte, der Refrain im Song „Was ist geblieben“, auch aus „Alle hassen Ferris“, ist geradezu dafür gemacht worden, dass er von Tausenden im Stadion mitgeschrien werden könnte. Textbeispiel: „Alles, was wir machten, war für die Ewigkeit.“ Könnte auch von den Toten Hosen sein …

Wenn die Toten Hosen, Die Ärzte oder die Broilers diesen Refrain gemacht hätten, also Künstler, die sich mit Gitarrenmusik längst etabliert haben, könnte er tatsächlich sehr erfolgreich werden. Wir – den Song habe ich zusammen mit Dag aufgenommen – machen aber Gitarrenmusik mit Rap und auch mit Rap Attitüde. Dabei müssen wir schon Glück haben, dass daraus ein Hit wird. Wir haben den Refrain gemacht, weil wir wollten, dass die Leute mitgenommen werden, denn die Strophen sind ja eher nicht zum Mitschreien.

„Es wird besser“

Nicht nur durch Textzeilen wie „Ich war schon vor Corona gefickt“ bleibst du auf diesem Album deinem Credo treu, nicht Rap-typisch den Helden, sondern den Antihelden zu geben. Nicht zu sagen, wie toll du bist, sondern was dir alles Negatives passiert ist. Kommt diese Attitüde ganz automatisch in deine Songs oder nimmst du sie dir gezielt vor?

Das passiert einfach. Aufgrund der letzten Niederschläge, die der Pandemie geschuldet waren, konnte ich auch wieder eine Brücke schlagen zu dem, wie ich angefangen habe: als Außenseiter, Loser, der, dem niemand wirklich geheuer ist. Eben der Antihelden-Position. Klar, es gab mal ein, zwei Jahre, als mir alles in den Schoß zu fallen schien und als es auch finanziell richtig lief. Da habe ich ganz anders geschrieben. Aber die besten Texte kann ich nach wie vor schreiben, wenn ich leide. Krisen machen mich kreativ und ich versuche immer, in ihnen eine Chance zu sehen. Sie halten meinen Prozess am Laufen. Wobei Corona natürlich nicht nur für mich ungeil war. Ich kenne niemanden, der sagt, dass er da richtig gut durchgekommen ist.

Apropos Chancen sehen: „Bye Bye Bye“ – zusammen mit Swiss – ist dann noch ein Hoffnungs- Track. Es wird alles vorbei- gehen und besser werden, so die Message in kurz …

Richtig, nach einem Tal geht es auch wieder einen Berg hoch. Klar, nach einem Tal kann auch noch eins kommen. Aber meine Erfahrung ist, dass wenn man nicht auf der Couch sitzen bleibt, sondern etwas für sich tut, kann es zwar mal eine Weile dauern, bis es besser wird, aber es wird besser. Ein Satz, den ich während der Pandemie immer wieder zu mir selbst gesagt habe, war: „Alles wird besser!“

„Alle hassen Ferris“ (Arising Empire/Missglückte Welt/Edel) erscheint am 17. Juni 2022; die Autobiographie „Ich habe alles außer Kontrolle“ (Edel Books) ist im Verbund mit Ferris’ Frau Helena Anna Reimann entstanden und am 1. April 2022 erschienen

Hier gibt‘s einen ersten Eindruck vom neuen Album:


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Tash Sultana beim MS Dockville Festival 2022

Das MS Dockville Festival 2022 hat 18 neue Künstler:innen bestätigt. Darunter neben Tash Sultana auch Leoniden und Die Orsons

Text: Felix Willeke

Vom 19. bis 21. August 2022 findet das MS Dockville Festival zum 14. Mal statt. Jetzt hat das Festival 18 neue Künstler:innen bestätigt. Und mit der Australierin „Tash Sultana“ kommt damit genreübergreifender und internationaler Glanz zum Dockville. Spielte die 26-jährige Multiinstrumentalistin vor ein paar Jahren noch auf den Straßen Melbournes, füllt sie mittlerweile die großen Arenen und vor Kurzem wurde ihr sogar die Ehre eines eigenen MTV Unplugged zu Teil – das Album zum Konzert erscheint am 3. Juni 2022. Jetzt kommt die Künstlerin, die sich als non-binär bezeichnet, also auch zum Dockville. Doch damit nicht genug. Neben Tash Sulatana geben sie mit „Leoniden“ auch echte Lokalmatadoren die Ehre. Erst im letzten Sommer hat die Kieler Indie-Rock-Band mit „Complex Happenings Reduced to a Simple Design“ ihr aktuelles Album veröffentlicht, dass sogar zeitweise auf Platz 1 der Albumcharts kletterte.

Tash Sultana bei ihrem MTV Unplugged in Melbourne

Ein würdiges Line-up

Neben Tash Sultana und Leoniden kommt mit „Die Orsons“ und „01099“ auch feinster Hip Hop & Rap zum MS Dockville 2022. Schon länger bekannt sind zudem die Auftritte des Schweizer Sängers „Faber“ und der Hamburgerin „Ali Neumann“. Aber wie immer gilt: There‘s still more to come – weiter Künstler:innen werden in nächster Zeit bekannt gegeben und damit steigt die Vorfreude auf das MS Dockville Festival 2022.

„New 68“ von Leoniden

Das MS Dockville Festival 2022 findet vom 19. bis 21. August in Hamburg-Wilhelmsburg statt, es gibt noch Tickets.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

„Sexismus ist etwas, was wir alle internalisiert haben“

Hamburger Nachwuchs: Hamburg Music Award Krach+Getöse für Nachwuchsmusiker, Show bei „Fast ein Festival“ von MS Dockville, frisch gesignt bei Europas erstem Female-MC-Label – die Rapperin Mariybu, 27, startet durch. Mit queerfeministischen Texten, starker Stimme und DIY-Producing

Interview: Markus Gölzer

 

SZENE HAMBURG: Mariybu, wie lange gibst du dem Patriarchat noch?

Mariybu: Ouh. In meinem Traum gebe ich dem Ganzen noch ein paar Tage. In der Realität ist das unrealistisch. Aber man darf ja träumen, nä?

Deine Texte verhandeln männliche Machtstrukturen auf verschiedenen Ebenen. Sexuell, emotional, geschäftlich. Du klingst dabei stark und verletzlich zugleich. Wie viel eigene Erfahrungen schwingen da mit?

Nur. Meine Texte sind alle eigene Erfahrungen. Songtexte schreiben ist wie Tagebuchschreiben für mich. Es ist nicht so, dass ich denke, ich will über das schreiben, dann schreibe ich darüber. Es ist das, was mich gerade beschäftigt. Dann wird daraus ein Song. Dass es politisch wird, ist nicht beabsichtigt. Das Persönliche wird dann politisch.

Wann und wie bist du zum Rap gekommen?

2018. Als Kind hab ich Tic Tac Toe und so gehört, dann aber lange keinen Rap mehr. Ich kannte nur noch frauenverachtende Texte, wie von Bushido und Sido. Ich habe nicht gecheckt, warum ich mir Texte geben soll, die mich beleidigen. Ich habe spät meinen Weg zurückgefunden. Das hat angefangen mit einem Konzert von Finna, eine queerfeministische Rapperin und Aktivistin aus Hamburg. Das hat mich super berührt. Ich habe angefangen, Texte zu schreiben, habe mich mit Finna getroffen. Dann kam der 365Female*MCs-Blog von Mona Lina. Der startete Ende 2018. Lina Burghausen hat ganz, ganz viele gepostet, die ich mir als Vorbilder nehmen konnte. Das hat mich empowered, selber weiterzumachen. Dann habe ich vor zweieinhalb Jahren angefangen, zu produzieren.

 

Gegen strukturelle Benachteiligung

 

Du bist auch auf dem Label 365XX von Lina „Mona Lina“ Burghausen gesignt.

Das Label ist einfach geil. Es signt nur FLINTA*s: Frauen, Lesben, Inter-, Nicht-binäre-, Trans-, Agender-Personen – also Menschen, die aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität patriarchal diskriminiert werden. 365XX sagt nicht: Wir wollen Cis-Männer, also Männer, die sich mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurden, ausschließen. Aber wir sehen, dass FLINTA*s strukturell benachteiligt sind. Deshalb supporten wir sie. Das finde ich einfach krass, weil es so ein Label bisher noch nicht gab. Ich finde es super-beeindruckend, dass sie das machen, wie sie das machen und dass sie sich das trauen.

Welche Vorbilder hast du neben Finna?

Ebow war und ist für mich ein Riesenvorbild. Die ist unglaublich. Sie steht als queere Person in der Öffentlichkeit, macht voll ihr eigenes Ding, ohne sich was vorschreiben zu lassen. Auch ein ganz großes Vorbild: KeKe aus Wien. Was ich auch bei ihr krass finde: Sie ist stark und verletzlich zugleich.

Gibt’s auch sexistische Rapperinnen? Cardi B und Megan Thee Stallion waren in der Diskussion mit ihrem Wet-Ass-Pussy Song.

Wet-Ass-Pussy finde ich gar nicht sexistisch. Das ist superempowernd. Die eigene Sexualität, den eigenen Körper feiern wie auch Shirin David, da seh ich keinen Sexismus. Natürlich gibt es auch sexistische Rapperinnen. Sexismus ist ja etwas, was wir alle internalisiert haben. Ich selber bin an bestimmten Punkten auch noch sexistisch und lerne dazu, weil wir einfach alle im Patriarchat aufgewachsen sind. Das ist ein ewig langer Lernprozess.

Du kämpfst nicht allein für Feminismus, sondern mit dem Rap-Kollektiv Fe*Male Treasure und im Duo mit Girrrlitas. Kämpft ihr ausschließlich musikalisch oder noch mit anderen Waffen?

Ich bin Feministin 24/7. Wenn ich auf der Straße bin und irgendwas mitbekomme, mische ich mich ein. Wenn mir irgendwas passiert, führe ich Diskussionen. Es ist jeden Tag politische Arbeit. Ich geh auf Demos, wir treten auf Demos auf, bei Soli-Veranstaltungen. Femrep ist auch eine ganz tolle Gruppe. Da war ich mal, bin aber leider nicht mehr aktiv. Es ist nicht nur die Musik. Ich betreibe neben ihr auch noch Lohnarbeit, und in dem Unter- nehmen, wo ich arbeite, sind leider öfter Situationen, die echt scheiße sind. Und die spreche ich dann an. Das betrachte ich auch als feministische Arbeit.

 

Sexismus

 

Was war die sexistischste Scheiße, die du dir je anhören musstest?

„Ich kann kein Sexist sein, ich mag doch Sex.“ Das war auf der Familienfeier von einem Ex-Freund. Da wusste ich nicht genau, wo ich ansetzen sollte. Da hab ich gemerkt: Gut, da fehlt viel Wissen (lacht).

Deine Generation treibt Veränderungen voran wie wenige vor ihr. #MeToo, Black Lives Matter, Fridays for Future. Gleichzeitig hält eine neue Strenge Einzug. Amanda Gorman, die junge Dichterin von Bidens Inauguration, darf nur von Schwarzen übersetzt werden. In den Amazon Studios sollen nur noch Homosexuelle Homosexuelle spielen.

Dass Schwarze nur von Schwarzen übersetzt werden dürfen, kann ich total nachvollziehen. Das ist ein Job. Wenn die sagen, es geht auch darum, uns untereinander zu supporten, dann finde ich das gut. Es ist superindividuell. Kann sein, dass ich ein Feature nur mit einer queeren Person machen will. Ich arbeite aber auch mit anderen Leuten. Allerdings nur, wenn die nicht gegen meine grundlegenden moralischen Werte sind. Ich würde nie mit einem sexistischen Rapper ein Feature machen. Ich arbeite aber auch mit Cis-Männern. Einige meiner Videos macht ein Cis Mann. Er supportet, wofür ich stehe, ist kein Arschloch. Deshalb mach ich das mit ihm. Aber wenn ich für einen Job eine queere und eine nichtqueere Person habe, die gleich gut sind, würde ich die queere Person nehmen. Einfach, weil sie strukturell benachteiligt ist, nicht die gleichen Chancen hat.

Der Kapitalismus ist auf den Bewusstseins-Zug aufgesprungen: Großbanken geben Kreditkarten in Regenbogenfarben aus, Werbung wird immer diverser. Ärgerlich oder halb so schlimm, weil die richtige Botschaft transportiert wird?

Ich steh superambivalent dazu. Einerseits finde ich es ätzend, dass einen Monat lang überall Regenbogenflaggen bei irgendwelchen Scheißunternehmen flattern, dann ist der Monat vorbei und es wieder aus den Köpfen weg. Die Diskriminierung innerhalb des Unternehmens ist aber noch da. Das finde ich scheiße. Cool wäre, wenn sie weiter darüber hinausdenken. Wenn es nicht nur um Geld geht. Wenn sie sagen, ok, wir hissen hier die Flagge, und im Teammeeting sprechen wir über die Diskriminierung von queeren Menschen und wie wir das verändern können. Dann finde ich das geil. Aber nur als kapitalistisches Verkaufsding ist es zu kurz. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich dadurch trotzdem was in den Köpfen. Ich hoffe es.

Wie findest du die Golden-Era-Rap-Generation? Biggie, Eminem, Wu-Tang und Kollegen? Die waren ja durchaus homophob und sexistisch in ihren Texten.

Die Dinge, wofür die gekämpft haben, sind ganz andere. Natürlich waren das Wegbereiter, die haben gute Sachen gemacht, für krasse Sachen gekämpft. Man muss es auch immer zeitlich einordnen. Trotzdem: Das ist keine Entschuldigung. Homophobe Scheiße geht auf keinen Fall. Das war damals auch schon scheiße.

Wann ist mit deinem ersten Album zu rechnen?

Meine erste EP erscheint am 3. September. Album, mal gucken. Es ist noch nichts in Planung direkt, aber es ist nicht auszuschließen, dass da noch ein Album kommt.

instagram.com/mariybu_


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2021. Das Magazin ist seit dem 28. August 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Konzert des Monats – Die Fantastischen Vier

Smudo von den Fantastischen Vier über mehr Gelassenheit im Musikgeschäft, den anhaltenden Drang, cool gefunden zu werden und ein Hobby hoch oben in den Wolken. Am 14.1. treten die Hip-Hopper in der Barclaycard Arena auf – unser Konzert des Monats.

Interview: Erik Brandt-Höge
Foto: Robert Grischek

SZENE HAMBURG: Smudo, spürst du aktuell eine besonders große Verantwortung, wenn du mit der Band auf die Live-Bühne gehst?

Smudo: Eigentlich gehen wir mit einem ähnlichen Gefühl auf die Bühne, wie zu anderen Zeiten auch. Wir haben jetzt kein größeres Sendungsbewusstsein, weder bei dem, was wir vorher schreiben, noch was die Art angeht, wie wir auftreten.

Dabei unterhaltet ihr mittlerweile drei Generationen von Fans. Von vielen könntet ihr die Väter sein.

(lacht) Das ist richtig. Aber wir haben trotzdem kein spezielles Familienprogramm für unsere Shows entwickelt. Für mich kann ich sagen: Ich bin ein Mann in seinen besten Jahren, und wenn ich mein bisheriges, sehr abwechslungsreiches Leben überblicke, gab es definitiv eine Konstante, nämlich das gute Bühnengefühl. Das ist heute, mit 50, genauso wie mit 20.

Was ist die Basis dieses guten Gefühls?

Wir sind als Band einfach sehr lange zusammen und schon fast mehr als eine Familie. Wir sind im gleichen Alter, haben privat wie beruflich ähnliche Perspektiven. Es gibt niemanden, der mich besser und intimer beraten kann, als meine Bandkollegen – und das auf allen Ebenen. Und dann funktioniert es eben auch auf der Bühne.

Hat sich mit der Zeit vielleicht auch mehr Live-Gelassenheit ergeben?

Ich verspüre heute allgemein mehr Gelassenheit als in anderen Zeiten.

Kannst du ein Beispiel nennen?

Neulich hatten wir ein Treffen mit Four Artists, unserer Firma. Von der sind wir ja selbst Kunden, und dadurch ergeben sich auch mal Konflikte. Diskussionen werden heute aber weniger hitzköpfig geführt, als noch vor zehn Jahren. Das liegt auch an einer von uns sehr gepflegten, fortschrittlichen Work-Life-Balance.

 

„Geil-gefunden-werden ist Motivation“

 

Irgendwelche unangenehmen Begleiterscheinungen des Älterwerdens?

Die Sprungfrequenz auf der Bühne ist nicht mehr so hoch. Und wenn wir drei, vier Tour-Tage hinter uns haben, reicht ein Tag zur Erholung auch nicht mehr aus.

Du hast mal gesagt, ihr hättet einst mit der Musik angefangen, um „geil gefunden zu werden“. Daraus wurden Ruhm und Reichtum. Heißt euer Ziel heute deshalb vielleicht eher: Bloß keine Langeweile aufkommen lassen?

Es gibt schon noch bestimmte künstlerische Momente, in denen das Geil-gefunden-werden eine Motivation ist. Als Musikkonsument und Fan von Bands kenne ich es, dass es manchmal einen Punkt gibt, an dem ich Künstler irgendwie doof oder einfach zu alt finde, ihnen also entwachse. Und ich und wir möchten nicht, dass das mit uns passiert. Wir kämpfen dagegen an.

Hat sicher auch mit Eitelkeit zu tun. Ist die mehr geworden mit den Jahren?

Sie hat sich auf jeden Fall verschoben. Zum Beispiel lässt mit dem Alter die Sehkraft nach, und dann muss man eine Brille tragen – ob man will oder nicht. Auf der Bühne mit Brille kommt aber nicht in Frage. Also habe ich mir Kontaktlinsen anpassen lassen. Das ist sicher auch Eitelkeit. Ansonsten war ich aber noch nie wirklich eitel, früher habe auch nie großen Wert auf mein Äußeres gelegt, was heute allerdings anders ist. Ich war immer froh, dass mein persönlicher Modezar sich um die Bandgarderobe gekümmert hat.

Du meinst Michi Beck?

Genau. Er ist nach wie vor der Verantwortliche für unsere Klamotten. Dafür geht er richtig los, sucht Partner, führt Verhandlungen. Er ist auch der Style-Master für unseren Merchandising-Shop. Er ist immer der Erste, der neue Entwürfe bekommt und daraufhin die Ansagen macht.

 

„Fliegen ist für mich wie die Golfrunde für Alice Cooper“

 

Die Fantastischen Vier, die Firma, der TV-Job bei „The Voice“: Braucht es zum ständigen Leben in der Öffentlichkeit bestimmte Ausgleiche?

Ich habe ja einen Pilotenschein und fliege und mache auch sonst viele Dinge abseits der Musik. Das tue ich aber nicht, um die Öffentlichkeit auszugleichen, sondern weil es zu meiner Welt dazu gehört. Ich genieße alle Perspektiven in meinem Leben.

Und welche Tätigkeit entspannt dich im Moment am meisten?

Das Fliegen! Weil es immer einen klaren Anfang und ein klares Ende hat. Alles läuft nach Checklisten ab. Die klaren prozeduralen Abläufe im Cockpit sind für mich, der in einem wilden Arbeitsleben zwischen Familie mit drei Töchtern einen sehr unregelmäßigen Terminkalender zu bändigen hat, die pure Erholung. Das Fliegen ist für mich wie die Golfrunde für Alice Cooper (lacht). Und – auch wenn das jetzt sehr dramatisch klingt – es geht dabei ja um nichts weniger als zu fliegen!

Wer kann denn schon fliegen – außer den Göttern!? Wenn ich da oben alleine in meiner Blechdose sitze und nachts über der geschlossenen Wolkendecke fliege, habe ich das Gefühl, der letzte Mensch auf dieser Welt zu sein.

Die Fantastischen Vier: 14.1., Barclaycard Arena, 19 Uhr


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2019. Das Magazin ist seit dem 21. Dezember 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook und Instagram.


Lust auf mehr Tipps aus Hamburg?

Donnerbar – Die Reinkarnation des Kleinen Donner

Reinkarnation: Der Kleine Donner ist zurück. In den Räumen der ehemaligen Bar Rossi öffneten David Struck und Felix Piechotta Anfang August ihr neues Wohnzimmer – die Donner Bar.

Dröhnende HipHop Beats, Schweiß, der von der Decke tropft, ein von Zigarettenrauch verqualmter, überfüllter Raum. Das sind Erinnerungen an den Kleinen Donner, den Kellerclub unter dem Haus 73 in der Sternschanze. Im Dezember 2017 musste die beliebte Underground-Disco schließen. Grund waren andauernde Lärmbeschwerden der Nachbarn.

Nun kommt die Hamburger Hip-Hop-Perle im neuen Gewand zurück: Etwa 200 Meter weiter öffnete der Donner endlich wieder seine Türen. Und es hat sich viel verändert. Die neue Location, direkt an der Max-Brauer-Allee, Ecke Schulterblatt sieht mit einladenden Glasfronten und hübsch dekorierter Außenterrasse so gar nicht mehr nach dem etwas ranzigen, authentischen Untergrund-Club von früher aus. Einzig das schlichte Blitz-Logo über dem Eingang lässt Besucher wissen: Der Donner ist wieder da.

Donnerbar: Schwingende Hüften trotz kleiner Tanzfläche

Auch von Innen erinnert nur wenig an den Kleinen Donner: Der einladende Tresen, ordentlich bestückt mit einer großen Auswahl an Spirituosen bildet das Herzstück der Donner Bar. Die Einrichtung ist dunkel und schlicht aber stilvoll gehalten. Die Tanzfläche verhältnismäßig klein. Auch eine Woche nach der großen Eröffnung ist die Bar am Samstag schon zu früher Stunde gerappelt voll.

Das Konzept scheint aufzugehen: Der Übergang von entspannter Afterwork-Atmosphäre zum ausgelassenen Feiern verläuft fließend. Dass die Musik nicht ganz so laut ist, wie man es aus dem Donner kennt, scheint niemanden zu stören. Die kleine Tanzfläche platzt auch so aus allen Nähten. Musikalisch setzt der DJ an diesem Abend auf eine gute Mischung aus bekannten Tracks und Underground. Amerikanischer Hip-Hop, durchbrochen von dem einen oder anderen deutschsprachigen Song lässt das Publikum die Hüften schwingen.

Alte Leuchter, neue Bar.

SZENE HAMBURG: David, ihr seid mit dem neuen Laden von Club auf Barbetrieb umgestiegen. Warum?

David Struck: Als klar wurde, dass wir den Kleinen Donner am Schulterblatt nicht weiterführen können, haben wir den Laden zur Cocktail-Bar Chambre Basse umgebaut und trotzdem weiterhin nach einer Clubfläche gesucht. Das hat leider nicht geklappt. Entweder stimmte der Preis oder die Lage nicht. Nach einigen Exilveranstaltungen über dem PAL hatten wir schon mehr oder weniger damit abgeschlossen den Donner weiterzuführen – bis wir über diese Location gestolpert sind.

Wie ging es weiter?

In erster Linie wollten wir einfach die Fläche übernehmen, ohne zunächst ein Konzept zu haben. Nach langen Verhandlungen konnten wir den Laden bekommen und haben angefangen uns Gedanken zu machen. Den gleichen Club konnten wir nicht machen, weil wieder zu viel Nähe zu den Nachbarn besteht. Wir sind dann zu dem Schluss gekommen, den Donner wieder aufzumachen, aber eben als Bar und Nachbarschaftskneipe. Wir öffnen sieben Tage die Woche ab 17 Uhr. Am Wochenende werden wir spielen, worauf wir Bock haben, um auch die Leute abzuholen, die unsere Musik hören wollen – nur eben etwas leiser. Im Prinzip also ein neues Konzept aus dem Alten heraus.

Könnt ihr musikalisch dann noch das gleiche liefern wie im Kleinen Donner oder passt ihr euch dem Mainstream an?

Josi Miller, Trettmann-DJ, die auch am Eröffnungswochenende aufgelegt hat, war schon früher oft bei uns. Die würde ich musikalisch eher in den Underground einordnen. Im Prinzip haben wir in dem Bereich nicht viel verändert. Natürlich gibt es die Schwierigkeit, unser altes Booking fortzuführen. Im Donner hatten wir oft internationale Gast-DJs, die wir gerade so mit dem Clubeintritt querfinanzieren konnten. Das wird uns hier nicht mehr möglich sein, weil wir keinen Eintritt nehmen. Das Ambiente hat sich schon verändert.

Wolltet ihr weg vom Kellerclub-Image?

Weiß ich gar nicht. Das war alles recht ungeplant. Wir haben keinen Innenarchitekten beauftragt und gesagt, was wir haben wollen oder so. Ein Kumpel, der Architekt ist, hilft uns da ein bisschen. Im Prinzip schauen wir uns einfach die Fläche an und gucken, was möglich ist und unseren Geschmack trifft. Wir greifen zum Beispiel mit dem Holz das Donner-Thema ein bisschen auf. Aber wollen uns natürlich auch weiterentwickeln. Die Kronleuchter sind tatsächlich noch aus der Bar Rossi, die einfach so geil sind, dass wir sie haben hängen lassen. Wir wollen mit unserer Einrichtung nicht irgendein Image verkörpern – machen das eher so, wie wir auch unsere Wohnungen einrichten würden.

Das Schulterblatt weist eine immense Bardichte auf. Gerade mit Läden wie der Katze nebenan eine riesen Konkurrenz. Wie wollt ihr euch durchsetzen?

Ich glaube das passiert von alleine. Mir würde jetzt kein Laden auf dem Schulterblatt einfallen, der ein ähnliches Konzept hat. Klar, es ist eine Bar und es gibt Getränke, aber musikalisch gibt es nichts Vergleichbares hier auf der Ecke – außer vielleicht die Bernstein Bar, die großartig ist, aber selbst da sind jetzt keine wirklichen Überschneidungspunkte. Außerdem sehen wir das eher als Symbiose, nicht als Konkurrenz. Je mehr Läden in eine ähnliche Richtung gehen wie wir, desto besser eigentlich. Die Szene ist groß genug.

Am Eröffnungswochenende war der Laden gerammelt voll. Wie habt ihr das Publikum wahrgenommen?

Am Freitag war so ziemlich jeder da, den wir kennen. Ob vom Sehen oder persönlich. Das war wirklich krass. Samstag war es ein bisschen anders, weil das Spektrum Festival parallel lief. Es war schon ein bisschen mehr vom klassischen Schanzenpublikum am Start. Die haben natürlich auch mitbekommen, dass wir da sind und wollten den Laden mal auschecken. Aber grundsätzlich würde ich schon sagen, dass wir wieder mehr auf das Donner-Publikum zählen als mit dem Chambre Basse.

Ihr tretet ein großes Erbe an. Die Bar Rossi war jahrelang eine regelrechte Institution in der Schanze. Wie steht ihr mit eurem Laden zu den Veränderungen und der laufenden Gentrifizierung im Viertel?

Schwieriges Thema. Ganz klar treten wir hier in große Fußstapfen. Die Rossi war, würde ich behaupten, eine der erfolgreichsten Bars in ganz Hamburg. Das Thema Wandel des Viertels ist nicht einfach zu beurteilen. Alles verändert sich. Wir sind nicht die größten Kritiker was das angeht. Wir versuchen einfach das zu machen, worauf wir Bock haben und freuen uns, wenn es Leute gibt, die da auch Bock drauf haben. Solange das der Fall ist, machen wir weiter.

Text & Interview: Eylin Heisler
Fotos: Ole Masch

Donner Bar, Max-Brauer-Allee 279, Mo-So ab 17 Uhr


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


 

Das könnte dich auch interessieren:

 

Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Sommerzeit ist Schanzenparkzeit

Musik, Artistik, Kinderunterhaltung. Einmal mehr haben die Macher vom Schanzenzelt im Park an der U Sternschanze ein großartiges Programm auf die Beine gestellt. Höhepunkt: die Rap-Show von Akua Naru.

Sommerzeit ist Schanzen­parkzeit, eh klar. Hipster, Yuppies, Kiddies, Omis und Opis treffen sich auch in diesem Jahr bei gutem Wetter auf den Wiesen des ewigen Szenevier­tels, in dessen Zentrum natürlich eins nicht fehlen darf: das Schanzenzelt. Schon von Wei­tem sind sie ein Hingucker, die gelben und roten Streifen der Dachplane, auch das blaue Vor­zelt strahlt einem entgegen. Es entsteht eine Zirkusatmosphä­re ohne Affen, Löwen und Ele­fanten, stattdessen mit einem erneut tollen Programm für alle Altersklassen. Logisch, dass es keinen passenderen Saison Opener geben kann als den clubkinder Kosmos (17.5.), gefolgt vom großen Hip­ Hop­Tanzabend, präsentiert von MC Rene am Tag darauf. In den zwei Zelt­-Monaten stehen fortan genreübergreifend zig empfehlenswerte Abende an, etwa der mit DeWolff (31.5.), die The Grand East als Support mit­ bringen, und Pohlmanns Nachtschicht (7.6.). Für die Kleinen gibt es die Circusschule TriBüh­ne (15.6., 30.6., 1.7.) und den Zir­kus Regenbogen (23.6.) – um nur zwei Highlights zu nennen.

Besonders eindrucksvoll verspricht das Konzert von Akua Naru (Foto) zu werden. Die US-­amerikanische Rappe­rin hat nicht nur ein besonderes Gespür für federleichte musi­kalische Arrangements, in de­nen HipHop auf Jazz, Blues und Soul trifft. Sie ist auch eine Mei­sterin in Sachen Lyrics. Eines ihrer textlichen Ziele: schwarzen Frauen eine Stimme geben. Narus Geschichten haben auch deshalb Hand und Fuß, weil sich die mittlerweile in Köln lebende Künstlerin bereits in ihrem Ur­banistik­ Studium in Camden, New Jersey mit den Faktoren be­schäftigt hat, die zur Benachtei­ligung von Menschen mit dunk­ler Hautfarbe führten und nach wie vor führen.

Und wem gerade nicht nach Konzerten und sonstigem Zelt­-Trara ist, der kann sich jeder­ zeit vor dem Ort des Geschehens auf den Liegenstühlen nieder­ lassen, in der einen Hand ein Kaltgetränk halten und mit der anderen durchs Gras fahren. Die Szenerie allein ist näm­lich schlichtweg ein Genuss.

Text: Erik Brandt-Höge

Schanzenzelt im Schanzenpark
17.5.-15.7.18


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!