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Impfstellen in Hamburg – eine Übersicht

Während sich die Omikron-Variante des Corona-Virus ausbreitet, wird weiter fleißig geimpft. Wo und wann man sich in Hamburg impfen lassen kann – ein Überblick

Text: Felix Willeke

 

Seit Ende August das große Impfzentrum in den Messehallen geschlossen hat, hat die Stadt Hamburg sein Impfangebot ausgeweitet. Wer sich heute in der Hansestadt seine Auffrischungsimpfung (den sogenannten Booster) holen möchte oder sich erstmalig gegen das Corona-Virus impfen lassen will, hat drei Möglichkeiten:

    1. Bei den Hausärzt:innen nachfragen oder zu anderen niedergelassenen Ärzt:innen gehen.
    2. Eine Impfung ohne Termin in einem städtischen Impfzentrum holen oder
    3. einen Termin für eine Impfung in einem Krankenhaus oder einer anderen medizinischen Einrichtung machen.

Für die Frage „Wann kann ich mich impfen lassen“ gilt: In Hamburg sind alle ab 18 Jahren berechtigt, sich boostern zu lassen, wenn der vollständige Impfschutz seit mindestens 3 Monaten besteht – bei einer Erstimpfung mit dem Impfstoff von Johnson&Johnson schon nach 4 Wochen. Kinder von 5 bis 11 Jahren können sich im Corona-Kinderimpfzentrum in der Pasmannstraße impfen lassen, Termine gibt es unter hamburg-impft.de. Zu einer Auffrischungsimpfung wird insbesondere vor dem Hintergrund der sich ausbreitenden Omikron-Variante geraten, einen Überblick über die aktuellen Corona-Zahlen und -Maßnahmen in Hamburg gibt es bei SZENE HAMBURG.

 

Niedergelassene Ärzt:innen

 

Wer sich gegen das Corona-Virus impfen lassen möchte, sollte sich zuerst bei seinem:r Hausärzt:in informieren, ob diese:r eine Impfung anbietet. Alternativ gibt es bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg eine Übersicht über Arztpraxen, die gegen das Corona-Virus impfen. Außerdem sind hier ebenfalls Praxen verzeichnet, die Kinder ab fünf Jahren impfen.

 

Städtische Impfzentren

 

Wer sich in Hamburg sofort impfen lassen möchte, kann ohne Termin in ein Impfzentrum der Stadt gehen:

  • Hamburg-Mitte
    Impfzentrum im Bezirksamt Mitte, Caffamacherreihe 1-3, So 11 – 16:30 Uhr
  • Hamburg-Nord
    Impfzentrum im EKZ Hamburger Meile, Hamburger Straße 27, Di – Sa 12 –17:30 Uhr
  • Wandsbek
    Impfzentrum Friedrich-Ebert-Damm, Friedrich-Ebert-Damm 160a, Di & Do 14 – 19:30 Uhr
  • Bergedorf
    Impfzentrum Chrysanderstraße 4, Di & Fr 14 – 19:30 Uhr & Bethesda Krankenhaus Bergedorf, Glindersweg 80, Mo & Mi 14 – 19:30 Uhr
  • Harburg
    Harburg Acarden, Lüneburger Str. 39, Mo – Mi & Fr 12 – 18 Uhr & ab dem 15. Januar 2022 auch im Impfzentrum Neugraben, Am Johannisland 2, Sa 15 – 20:30 Uhr
  • Altona
    Impfzentrum Kühnehöfe, Tasköprüstraße 1-3, Mo, Di & So 13 – 18:30 Uhr
  • Eimsbüttel
    Impfzentrum Hamburg-Haus, Doormannsweg 12, So 14 – 19:30 Uhr

Für diese Impfzentren gilt: Alle bieten Erst-, Zweit- und Auffrischungsimpfungen für Personen ab 18 Jahren an. Während der Öffnungszeiten sind Impfungen ohne Termin möglich, es kann jedoch zu langen Wartezeiten kommen. Außerdem gibt es mobile Impfteams. Eine Übersicht über das städtische Angebot gibt es auf hamburg.de oder täglich aktuell auf twitter.com/senat_hamburg.

 

Krankenhäuser und andere Einrichtungen

 

Wer sich mit Termin in einem Krankenhaus oder einer anderen medizinischen Einrichtung impfen lassen möchte, kann einen Termin über das Serviceportal der Stadt Hamburg machen. Dieses Impfangebot richtet sich entweder an alle, nur an Kinder oder Jugendliche oder an Menschen über 30 Jahre:

Impfmöglichkeit für Kinder ab 12 Jahren ohne Vorerkrankungen und alle Erwachsenen

  • Agaplesion Diakonieklinikum
  • Asklepios Klinik Altona
  • Asklepios Klinik Harburg
  • Asklepios Klinik Nord-Heidberg
  • Asklepios Klinik Wandsbek
  • Bundeswehrkrankenhaus
  • Israelitisches Krankenhaus
  • Zentrum für Impfmedizin

Impfmöglichkeit nur für Kinder ab 5 Jahren

Zusätzlich zum Corona-Kinderimpfzentrum in der Pasmanstraße 1 gibt es in den folgenden Krankenhäusern exklusiv für Kinder die Möglichkeit, sich impfen zu lassen:

  • Altonaer Kinderkrankenhaus (geimpft werden Kinder bis 11 Jahre)
  • Helios Mariahilf Klinik Harburg (geimpft werden Kinder bis 11 Jahre)
  • Katholisches Kinderkrankenhaus Wilhelmstift (geimpft werden Kinder bis 11 Jahre)
  • Kinder UKE (geimpft werden Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre)

Impfmöglichkeit nur für Erwachsene ab 30 Jahren (nur Auffrischungsimpfungen)

  • Albertinen-Krankenhaus
  • Ambulanzzentrum des UKE / (Uni) Turmweg
  • Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
  • Evangelisches Amalie Sieveking Krankenhaus
  • HOCHBAHN Impfzentrum

Eine Impfung mit Termin ist ebenfalls in den Asklepios-Kliniken Barmbek, St. Georg und dem Westklinikum Hamburg in Rissen möglich. Die Terminvereinbarung erfolgt über das Portal der Asklepios-Kliniken.


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Keine Sportvereine mehr für Ungeimpfte?

Das 2G-Optionsmodell sorgt vor allem bei den Großvereinen im Breitensport für heiße Diskussionen

Text: Mirko Schneider

 

Der 19. September 2021 war ein großer Tag für den FC St. Pauli. Der nach Mitgliederzahlen zweitgrößte Sportverein in Hamburg durfte sein Stadion zu 50 Prozent auslasten und fast 15.000 Fans zum Zweitligaheimspiel gegen den FC Ingolstadt begrüßen. Garant dafür war die 2G-Regel, nach der nur Genesene und Geimpfte Zutritt hatten. St. Paulis Präsident Oke Göttlich hatte das 2G-Modell zuvor in diversen Medien als „logischen und sinnvollen Weg“ Richtung „Normalität“ bezeichnet. Der mitgliederstärkste Club der Stadt, der Hamburger Sportverein, hat mittlerweile auch auf 2G umgestellt.

Werden Ungeimpfte künftig nur noch auf dem heimischen Sofa Sportveranstaltungen sehen können? Inwieweit ist das Impfen noch eine persönliche Entscheidung, wenn für Getestete nicht einmal mehr der Gang zum eigenen Lieblingsverein möglich ist? Während wohlbemerkt für die Profispieler auf dem Feld keine Impfflicht existiert und einige Profis (zum Beispiel Wout Weghorst vom Bundesligisten VfL Wolfsburg) die Imfpung sogar ablehnen, ohne dass deshalb auch nur über ihr Recht diskutiert wird, als „nur“ Getestete ihren Sport auszuüben.

 

Ein Recht auf Sport

 

Die Rechte von Sportfans sind, das zeigen die unterschiedlichen Vorgehensweisen des FC St. Pauli und des HSV, ein heißes Thema. Doch ein damit verbundenes noch viel Heißeres findet gerade weitgehend im Verborgenen statt. Es dreht sich, vereinfacht gesagt, um das Recht jedes einzelnen Bürgers darauf, selbst Vereinssport zu treiben.

Mit seinem Beschluss vom 24. August ermöglichte der Hamburger Senat die Option des 2G-Modells nämlich nicht nur für das Publikum des in den Hamburger Medien omnipräsenten Profifußballs. Jeder Sportverein kann nun für seine Mitglieder 2G einführen. Als Belohnung dafür fallen unter anderem Abstandsregeln weg und es dürfen deutlich mehr Sporttreibende zugelassen werden.

 

Hohe Hürden für die Vereine

 

„Die Hamburger Vereine stecken vielfach in einem Dilemma“, sagt der im November scheidende Vorstandsvorsitzende des Hamburger Sportbundes (HSB) Ralph Lehnert. Im HSB sind 816 Vereine und 50 Fachverbände organisiert. „Geimpfte Vereinsmitglieder plädieren häufig für das 2G-Modell, während die Ungeimpften 3G weiter nutzen möchten“, so Lehnert weiter. „Für die Vereine ist es außerdem schwierig, die Trainer und gegebenenfalls die Angestellten zum Impfstatus zu befragen, weil dies datenschutzrechtlich für Arbeitgeber nicht möglich ist.“ Dabei sind die Strafen bei Fehlverhalten durchaus happig. „Verstöße gegen diese Betreiberpflichten führen zu einem Bußgeld im Rahmen von 1.000 Euro bis zu 20.000 Euro“, heißt es in der CoronaVerordnung des Hamburger Senats. Und nicht nur das! Sie führen außerdem „zum Verlust der Möglichkeit, die 2G-Option künftig zu nutzen“.

Als „absolut krass“ empfindet Ulrich Lopatta diese Vorschrift. Lopatta ist Vorsitzender des Walddörfer SV. Der Verein aus dem Nordosten Hamburgs zählt über 8.000 Mitglieder, nur fünf Vereine in Hamburg haben mehr. Grundsätzlich begrüßt Lopatta die Möglichkeit für die Vereine, „durch das 2G-Modell mehr zu differenzieren. Es ist ja auch möglich, es nur in einzelnen Kursen anzuwenden. Und wenn sich ein Sportkurs komplett einig ist, spricht ja nichts dagegen“. Der Vereinsboss ist alles andere als ein Impfskeptiker. Er wirbt fürs Impfen, für „gemeinsame Solidarität“. Der Verein betreibt im Walddörfer Sportforum ein eigenes Corona-Testzentrum und prüft die Option, Mitgliedern dort eine Impfung anzubieten.

 

Gibt es einen Mittelweg?

 

Gleichwohl will Lopatta möglichst die gesamte Mitgliedschaft mitnehmen. Ein komplettes Umschwenken des WSV auf 2G hält Lopatta dennoch für unwahrscheinlich. „Bei uns laufen gerade viele Umfragen im Verein. Das Meinungsbild ist sehr vielfältig. Wir möchten niemanden ausschließen, aber wir wollen unseren Mitgliedern auch viele Angebote machen, um Sport zu treiben“, sagt er. „Da suchen wir gerade nach einem smarten Weg.“ Dieser allerdings gleicht manchmal dem Bohren dicker Bretter. Vor allem, wenn Mitglieder kategorische Forderungen aufstellen. „Ich habe einen Brief bekommen, in dem stand, ,Wenn ihr das 2G-Modell einführt, trete ich wieder ins Fitnessstudio ein‘“, sagt Lopatta. Andere Mitglieder wiederum betrachten 2G mindestens als unfair, einige als Weg in die Zweiklassengesellschaft.

Die Wucht dieser Debatte sollte nicht unterschätzt werden. Vereinssport zu treiben ist vielen Hamburgern nicht nur ein körperliches, sondern ebenfalls ein soziales Bedürfnis. Und die Vereinsbindung vieler Mitglieder ist immer noch hoch. Den eigenen Verein wechselt man nicht so schnell wie das Lieblingsrestaurant. Nur stellt sich nun die Frage, wie die Vereine die widerstreitenden Interessen ihrer Mitglieder ausbalancieren können.

 

Der ETV bleibt bei 3G

 

Dieses Problem bringt auch den Vorsitzenden des Eimsbütteler TV, Frank Fechner, ins Grübeln. Mit über 13.000 Mitgliedern ist der ETV die Nummer drei in Hamburg hinter dem HSV und dem FC St. Pauli. Das 2G-Modell für den ganzen Club einzuführen, so wie es der Curling Club Hamburg (knapp 200 Mitglieder) jüngst tat, kam für den ETV als Großverein ähnlich wie für den Walddörfer SV zunächst nicht infrage. Der ETV bleibt im Großen und Ganzen erst mal ein 3G-Verein. Doch nach Fechners Ansicht wird die Diskussion bald wieder geführt werden müssen. „Noch finden viele unserer Kurse draußen statt. Das wird sich mit den kälteren Witterungsbedingungen ändern“, sagt Fechner. Einen zweiten Grund führt er zusätzlich an: „Wenn die Corona-Tests im Oktober für alle Bürger kostenpflichtig werden, wird sich die Frage stellen, wie sich die Mitglieder verhalten.“

Im Klartext: Werden sich Teilnehmer von Hallensportarten/-kursen wirklich jedes Mal vorher testen lassen wollen, wenn sie in ihrem Verein Sport treiben? Die entstehenden Kosten dürften pro Person schnell den eigenen monatlichen Mitgliedsbeitrag übersteigen. Weitergedacht: Welchen Sinn hätte es für die Hamburger Vereine, die 3G-Regelung anzuwenden, wenn danach kaum noch Nachfrage existiert? In dieser Lesart ist die flächendeckende Durchsetzung des 2G-Modells bei den Hamburger Sportvereinen eine Frage der Zeit.

 

2G könnte Folgen haben

 

Was bleibt, ist jedoch die Gefahr von Vereinsaustritten. Entweder, weil noch nicht 2G angewendet wird oder weil 2G bald angewendet wird/werden soll. „Wir verzeichnen bislang einige Vereinsaustritte“, erklärt Fechner. „Mit dem größten Teil unserer Mitglieder laufen die Diskussionen gut. Mit einem wesentlich kleineren Teil laufen sie hoch emotional. Einige Mitglieder sagen mir auch, sobald 2G angewendet wird, werden sie gehen. Sollte es so kommen, werden wir sie leider nicht halten können.“

Austritte wiederum schwächen die eh schon durch Corona gebeutelten Vereine wirtschaftlich. Darüber hinaus könnte gesamtgesellschaftlich betrachtet eine dauerhafte Impfmüdigkeit (beispiels­weise bei Quoten von Geimpften um die 65 Prozent pro Jahr) unter den jetzt vorliegenden Rahmenbedingungen mehr als sozial problematisch sein. Denn wenn signifikant hohe Gruppen sich vom Vereinssport abwenden, bewegen sie sich vermutlich weniger. Dies hätte wiederum Langzeitfolgen für die gesundheitliche Verfassung der Hamburger Bevölkerung.

„Viele Vereine befinden sich noch in der Orientierungsphase. Die Rückmeldungen, die wir erhalten, sind so vielfältig wie die Hamburger Sportlandschaft“, sagt der HSB-Vorstandsvorsitzende Lehnert. „Eine Empfehlung für 2G oder 3G geben wir als Hamburger Sportbund nicht ab. Das müssen die Vereine selber entscheiden.“


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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#impfenschützt: Ein Aufruf der Musikszene

Die Ärzte, Sarah Connor, Max Herre, Jan Delay, Thees Uhlmann … diese Aufzählung ließe sich beliebig verlängern: Viele Künstler:innen, Veranstalter:innen und Konzertlocations haben unter #impfenschützt eine gemeinsame Impfkampagne gestartet

Text: Felix Willeke

 

„Wir als Band haben uns entschieden, uns impfen zu lassen“, schreiben Die Ärzte in ihrem Statement auf der eigenen Homepage. Der Hashtag #impfenschützt trended seit ein paar Tagen auf Instagram und Facebook. Mit der Impfkampagne rufen Musikgrößen aus Hamburg und ganz Deutschland dazu auf, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Neben den Ärzten sind auch Bernd Begemann, Jan Delay, Thees Uhlmann, Miu, Sarah Connor, Howard Carpendale, Max Herre, Peter Maffay und Bands wie Element of Crime, Deichkind, Tocotronic, Einstürzende Neubauten, BAP, Madsen, Mia, Die Toten Hosen, Beatsteaks, Frittenbude, die Sterne und Silbermond mit dabei.

Dazu gesellten sich zudem Festivals und Spielstätten in Deutschland und Österreich. Gemeinsam hoffen sie mit der Aktion auf das, was auch die Ärzte am Schluss ihres Statements schreiben: „Damit das Leben weitergeht“.


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Das Nachtleben impft

Selten war eine Gästeliste so begehrt, wie die des Hamburger Impfzentrums. Wer es bis ins Innere geschafft hat, berichtet häufig von der guten Stimmung. Neben dem schützenden Piks, sind dafür vor allem die Mitarbeitenden verantwortlich. Weil das Nachtleben noch immer brachliegt, stammen viele von ihnen aus der Veranstaltungs- und Clubszene

Inteview & Fotos: Ole Masch

David Asante (AsanteBoM3Beat/Asante Jr.)

Seit Mitte März im Impfzentrum, seit ungefähr vier Jahren in der Musik tätig

David Asante hilft im Hamburger Impfzentrum © Ole Masch

Wie kam es zur Arbeit im Impfzentrum?

Ich bin Produzent, aber dann kam Corona und bei mir lief es nicht mehr so gut. Viele meiner Freunde arbeiten im Impfzentrum und ich habe mich ebenfalls beworben, um ein Teil des Projektes und Fortschritt in Hamburg zu sein.

Welche Aufgabe im Impfzentrum?

Ich bin Teil des Care-Teams. Unsere Aufgabe ist es, dass die Impflinge sich gut bei uns fühlen.

Schönste Impfzentrum-Anekdote?

Wahrscheinlich der Tag, an dem ich meine Lehrer aus meiner alten Schule getroffen habe. Ich gehe stark davon aus, dass keiner von uns gedacht hätte, dass wir uns im Impfzentrum wieder sehen werden.

Seit wann im Musikbereich?

Seit drei bis vier Jahren. Ich bin ein Producer aus Hamburg mit ghanaischen Wurzeln. Ich bin derzeit ein Teil von BpMusic, GFG und RapWoo und habe schon mit Artists und Produzenten wie ManLikeStunna (GFG), Jaij Hollands, Moris Beat, Brasco, Mark Griffin & Yunees Mocro und Daimzy (BP MUSIC), Kwontlose und vielen mehr gearbeitet.

Welche Aufgabe hast du dort?

Ich kümmere mich um die Produktion der Beats, sprich von den Drums bis zu den Melodien und zunehmend derzeit auch um den Mix & Master.

Was vermisst du am meisten an dieser Aufgabe?

Die Gruppen-Sessions und die Trips. Bei den Gruppen-Sessions kann man am kreativsten arbeiten. Da hat jeder seinen eigenen Input und am Ende hat man einen geilen Track. Die Trips waren gut für mich, um Inspiration zu kriegen und mit Leuten, die man zufällig trifft, zu connecten.

Machst du nach den Einschränkungen damit weiter?

Definitiv! Ich hatte Zeit an mir selber zu pfeilen und meine Pläne zu schmieden. Die Reise beginnt für mich wieder.

Welche Pläne hast du für den Sommer?

Gerade wird die erste Season von „UNSEEN“ gedroppt. Daran habe ich mit Lionel Sam und Kwontlose schon länger gesessen. Des Weiteren freue ich mich auf meine Releases mit meinen Artists und eventuell einen eigenen Track.

Felix Mörl (DJ SMUT/Uebel & Gefährlich/Audiolith)

Seit Mitte Februar im Impfzentrum, seit 2004 im Nachtleben

Wie kam es zur Arbeit im Impfzentrum?

Die anhaltende Pandemie und aussichtslose Entwicklung der Veranstaltungs- und Gastrobranche hat zu einer temporären Umorientierung geführt. Die Möglichkeit etwas zu machen, was zu einer positiven Entwicklung unserer Lage beiträgt, hat mich motiviert. Auch fand ich den Gedanken Menschen in einer von Entbehrung und Isolation geprägten Zeit etwas Positives zu vermitteln schön und erfüllend.

Welche Aufgabe hast du dort?

Vom Springer über Cluster Koordination bis zur Leitung des Care-Team (mit Florian, Anna und Laura).

Schönste Anekdote?

„Haben Sie eine Oma, wenn nein – darf ich Sie adoptieren?“ Viele Ü80-Impflinge haben wahrscheinlich selten so einen freundlichen Kontakt zur jüngeren Generation gehabt und mit Glück, wird das etwas sein, woran sie sich die letzten Jahre ihres Lebens erinnern. Die Jugend ist nicht schlecht!

Deine Aufgabe im Nachtleben?

Unter anderem Booker im Uebel & Gefährlich, Artist-Care Dockville, Spektrum/Vogelball, Garbicz, Habitat Festival und andere.

Was vermisst du am meisten?

Den Pragmatismus, die Spontanität und den Blick in glückliche, verschwitzte und hypnotisierte Gesichter.

Machst du nach den Einschränkungen weiter?

Klar! Sobald es geht und so langsam nimmt es Fahrt auf. Club-Veranstaltungen dann, wenn es Full Flavour weitergeht – 2022.

Welche Pläne hast du für den Sommer?

Einen soften oder auch harten Return in meinen Job. Glück geben, Glück erleben.

Teresa Hähn (Pfund&Dollar/Dschungel/Act Aware e.V.)

Seit Februar im Impfzentrum. Seit 2015 im Festivalbereich. Schon immer an diversen Tresen

Teresa Hähn hilft im Hamburger Impfzentrum © Ole Masch

Wie kam es zur Arbeit im Impfzentrum?

Es war ein Sommer mit diversen Jobs auf Festivals geplant. Natürlich wurde alles abgesagt. Als ich hörte, dass sich hier die halbe Hamburger Veranstaltungs-Szene tummelt, habe ich mich sofort beworben.

Welche Aufgabe hast du dort?

Ich bin eine der Koordinator*innen des Care-Teams.

Schönste Anekdote?

Hier arbeitet mindestens ein*e Kolleg*in aus jedem Veranstaltungsjob, den ich je in Hamburg gemacht habe.

Deine Aufgabe im Nachtleben?

Auf Festivals: Produktion, Crew-Koordination, Kunstvermittlung oder Radlader fahren. Außerdem arbeite ich hinterm Tresen vom Dschungel St. Pauli, schreibe mit meinem Verein Act Aware e. V. Awareness-Konzepte für Veranstaltende und betreibe mit ein paar Leuten die Galerie Pfund&Dollar mit angeklinktem Label für experimentelle Musik.

Was vermisst du am meisten?

Ich liebe es, in einer tollen Crew intensiv an einem Projekt zu arbeiten und am Ende viele leuchtende Augen und glückliche Menschen zu sehen.

Machst du nach den Einschränkungen weiter?

Ob ich damit weitermache stand nie in Frage. Dafür brenne ich viel zu sehr für alles, was mit Nachtleben, Veranstaltungen und Kunst zu tun hat.

Welche Pläne hast du für den Sommer?

Im Dschungel geht es ab sofort weiter, mein Awareness-Projekt konnte die ganze Zeit digital weiterlaufen und in der Galerie Pfund&Dollar starten wir ein einmonatiges Programm im Rahmen des „Kultursommers“ der Stadt.

Jakob Seidensticker (Wareika/We R The Aliens)

Seit Anfang März im Impfzentrum, seit circa 1998 im Nachtleben

Jakob-Seidensticker-credit-Ole-Masch

Wie kam es zur Arbeit im Impfzentrum?

Ich hatte keine Lust auf weitere Corona-Hilfen zu hoffen und als ich hörte, dass es Bedarf im Impfzentrum gab, dachte ich, ich bewerbe mich direkt.

Welche Aufgabe hast du dort?

Ich kümmere mich um alle Belange der Menschen. Gerade die Älteren sind häufig ein wenig eingeschüchtert, wenn sie die große Halle mit den langen Wegen und die vielen Menschen sehen. Im Gespräch kann man viele Ängste nehmen.

Schönste Anekdote?

Zu sehen, dass viele Menschen gerade während Corona sehr alleine sind, macht schon traurig. Es gab sehr viele Momente, wo ich mich persönlich austauschen konnte und merkte, wie sehr diese sich mir gegenüber öffneten. Wann spricht man schon mal mit völlig fremden Menschen über die Freuden und das Leid des Lebens?

Deine Aufgabe im Nachtleben?

Ich bin DJ, spiele mit Henrik Raabe & Florian Schirmacher als Wareika live weltweit auf unterschiedlichen Bühnen, habe jahrelang selbst Partys veranstaltet.

Was vermisst du am meisten?

Mit Freunden und auch unbekannten Menschen zu sprechen, zu tanzen, zu weinen und zu trinken! Und das Reisen in vermeintlich ganz andere Kulturkreise, um festzustellen, dass sich Menschen doch recht ähnlich sind.

Machst du nach den Einschränkungen weiter?

Ja klar! Zum Glück melden sich bereits einige Veranstalter bei uns und das macht mich wirklich sehr froh.

Welche Pläne hast du für den Sommer?

Ich werde noch ein wenig im Impfzentrum unterstützen und dann wieder in meine alte Tätigkeit reingleiten, um mit der Musik meinen Lebensunterhalt verdienen.

Romina Tiedtke (Froggys)

Seit Mitte März im Impfzentrum, seit 2017 im Nachtleben, parallel zum Studienbeginn

Romina Tiedtke hilft im Hamburger Impfzentrum © Ole Masch

Die Studentin Romina Tiedtke war vor ihrer Zeit im Hamburger Impfzentrum Barkeeperin in Eimsbüttel © Ole Masch

Wie kam es zur Arbeit im Impfzentrum?
Ich habe zu dem Zeitpunkt mit dem Gedanken gespielt, mein Studium für ein Semester zu pausieren. Dann stieß ich über Social Media auf die Stellenanzeige und hatte einen spontanen Impuls, dass das für den Moment genau das Richtige sein könnte. Spontan beworben, spontan vorgestellt und spontan ein Angebot für das Feel-Good-Team bekommen. Ich folge gerne solchen Impulsen und bin sehr dankbar über den Job und über die tollen Menschen, die ich dort kennenlernen durfte.

Welche Aufgabe hast du dort?
Ich versorge Kolleg*innen mit allem was das Herz begehrt: Snacks, kühlen Getränken und einer Prise guter Laune – im Prinzip ein bisschen das, was ich vor Corona auch gemacht habe.

Schönste Anekdote?
Ich habe gemerkt, wie faszinierend ich von dieser Parallelgesellschaft bin. In meinem „Tanzbereich“ gibt es recht viele Schnittmengen zum „echten“ Leben. Zum Beispiel ein DJ, der bei uns im Lager die „Tanzfläche“ leerfegt – nur eben in einem anderen Kontext.

Deine Aufgabe im Nachtleben?
Ich bin Barkeeperin in der Eckkneipe Froggys in Eimsbüttel.

Was vermisst du am meisten daran?
Unsere Gäste, den Kontakt zu den Menschen, ihre Geschichten, die Geschichten, die diese Kneipe schreibt. Wir sind ein sehr familiäres Team, haben viele Stammgäste und ich freue mich über jeden neuen Menschen, der diese Kneipe kennen- und lieben lernt. Ich bin Barkeeperin aus Leidenschaft, ich bin gerne Gastgeberin und gehe häufig nach Feierabend nicht sofort nach Hause. Es ist mein zweites Zuhause.

Machst du nach den Einschränkungen weiter?
Auf jeden Fall. Wir haben unseren Außenbereich bereits wieder geöffnet und ich freue mich, dass es endlich wieder losgehen kann.

Welche Pläne hast du für den Sommer?
Bisher habe ich noch nichts Konkretes geplant, aber im „Urlaubssemester“ auch mal ein bisschen Urlaub zu machen, wäre schön. Und vielleicht ein kleines Festival besuchen und mal wieder ein bisschen tanzen.

Roman Adam (Bildet mit Jörg Wittekindt das DJ-Duo Kuestenklatsch)

Vom ersten Tag im Impfzentrum, seit über 20 Jahren DJ und Veranstalter

Roman Adam hilft im Hamburger Impfzentrum © Ole Masch

Roman Adam ist Teil des Venue Managements im Hamburger Impfzentrum © Ole Masch

Wie kam es zur Arbeit im Impfzentrum?
Über den ganz normalen Bewerbungsweg Mitte Dezember. Die Stellenausschreibung wurde online gestellt und einen Tag später hatten wir gleich unser Vorstellungsgespräch.

Welche Aufgabe habt ihr im Impfzentrum?
Ich arbeitete im Venue Management und bin zuständig für die gesamte Warenwirtschaft im Impfzentrum. Von der Warenannahme, über die Logistik bis hin zur Koordinierung der Verteilung. Jörg, der zweite Teil von Kuestenklatsch, ist Koordinator in der Dokumentation sowie im Impf-Cluster. Die Dokumentation ist die letzte Instanz vor der Übermittlung der Daten an das RKI. Hier wird alles auf Richtigkeit geprüft, bevor die Daten weitergeleitet werden. Als Cluster Koordinator ist er für eine reibungslosen Ablauf und dem Zusammenspiel aller Gewerke im Impfcluster zuständig.

Schönste Anekdote?
Der Moment, wenn man das erste Mal die ganzen Leute im Impfzentrum gesehen hat, die du sonst aus dem Nachtleben kennst. Zum Beispiel der Türsteher der sonst grimmig an der Clubtür steht und hier im Impfzentrum die Impflinge freundlich empfängt und ihnen den Weg weist. Das aber wohl schönste Beiwerk am Impfzentrum ist, dass man so unfassbar viele unterschiedliche Menschen über die letzten Monate kennengelernt hat.

Aufgabe im Nachtleben?
DJ und Produzenten Duo im Tech-House Bereich.

Was vermisst ihr am meisten?
Das Auflegen vor Menschen und die Energie die während der Sets zwischen uns und den Gästen entsteht. Am allermeisten jedoch ist es das direkte Feedback der Gäste, das Jubeln und Applaudieren, die dunklen Clubs, die laute Musik, feiernde und tanzende Menschen – einfach das gesamte Club-Feeling. Das kann dir kein Stream geben.

Macht ihr nach den Einschränkungen weiter?
Ja klar! Wir haben nie aufgehört während der Pandemie. Ganz im Gegenteil, wir haben die Zeit genutzt und haben uns förmlich ins Studio eingeschlossen. Wir haben uns die Finger wund produziert und das Jahr 2020 mit 62 offiziellen Track Releases abgeschlossen. Dazu haben wir unser Label weiterhin vorangebracht und uns einfach jeden Tag mit unserer Musik beschäftigt

Welche Pläne habt ihr für den Sommer?
Sehr viele ehrlich gesagt. Wir sind gerade mitten in der Umbenennung unseres Künstlernamens. Der Name Kuestenklatsch hat uns nun lange begleitet. Da wir aber hauptsächlich auf internationalen Labels releasen und auch sehr viel im Ausland spielen, macht ein international verständlicher Name einfach Sinn für die kommenden Jahre. Momentan drehen wir gerade mit einem kleinen Film-Team eine kurze Documentary über uns, in der es um die Umbenennung geht. Mitte Juli soll es dann so weit sein und dann wollen wir den neuen Projektnamen launchen.

Philipp Wolgast (Such A Saint)

Seit Ende März im Impfzentrum, seit 1988 im Nachtleben

Philipp Wolgast hilft im Hamburger Impfzentrum © Ole Masch

Philipp Wolgast ist Teil des Care-Teams im Hamburger Impfzentrum und war vorher DJ © Ole Masch

Wie kam es zur Arbeit im Impfzentrum?
Mein lieber Freund Jakob Seidensticker erzählte mir, dass er dort anfängt. Dann habe ich mich flux auf der Seite jobs.hamburgimpft.de beworben. Als kreativer Nachtschaffender kam mir diese Gelegenheit gerade recht.

Welche Aufgabe hast du dort?
Ich gehöre zum sogenannten Care Team, dessen Aufgabe es ist, für einen angenehmen und reibungslosen Aufenthalt der Impflinge zu sorgen. Ich selbst stehe allerdings vor allem am Ausgang, um die Leute sanft vom Gelände zu geleiten.

Schönste Impfzentrum-Anekdote?
Das Kennenlernen einer 106-jährigen Dame, die ich begleiten durfte. Sie hatte eine Menge zu erzählen, kam dort ganz allein, ohne Unterstützung, angewackelt, und hat mein Herz im Sturm erobert. Ich habe – wieder einmal – erfahren, wie wichtig es ist, Respekt vor älteren Leuten zu haben. Wenn ein solches Maß an Lebenserfahrung mit einem klaren Geist gekoppelt ist, dann können Leute wie ich einfach nur noch zuhören.

Welche Aufgabe im Nachtleben?
DJ, Live-Act, Veranstalter

Was vermisst du am meisten an dieser Aufgabe?
Die Aufgabe selbst. Hier ins Detail zu gehen, würde den Rahmen sprengen.

Machst du nach den Einschränkungen damit weiter?
Ich habe mich bereits eine Weile vor Corona umorientiert und eine Ausbildung zum Sozialtherapeuten absolviert. In diesem Beruf arbeite ich allerdings leider zum Mindestlohntarif, was ein Auskommen quasi unmöglich macht. Wie es mit dem Künstlerdasein für mich weitergeht, kann ich zurzeit noch nicht sagen. Aber wirklich aufhören, ein Künstler zu sein, tut ein Künstler nie.

Welche Pläne hast du für den Sommer?
Ich werde mich, nach dem Job im Impfzentrum, erst einmal in die Schweiz zu meinen Kindern begeben. Alles weitere steht in den Sternen.

Tito (Elbrausch Equipment)

Vom 17. Mai bis 13. Juni im Impfzentrum, seit 2005 im Veranstaltungsbereich

Tito hilft im Hamburger Impfzentrum © Ole Masch

Tito half im Warteraum des Hamburger Impfzentrums © Ole Masch

Wie kam es zur Arbeit im Impfzentrum?
Hartz 4 war nicht genug und der Job war vor der Tür

Welche Aufgabe hattest du dort?
Warteraum-Aufsicht

Schönste Anekdote?
Das digitale Impfzertifikat kommt mit der Post

Deine Aufgabe im Nachtleben?
Lautsprecherverleih und Veranstaltungsmanagement

Was vermisst du am meisten?
Laute Musik, das Gefühl von gelebter Freiheit, kreative neue Menschen

Machst du nach den Einschränkungen weiter?
Auf jeden Fall! Ich setze mich für die Aufhebung des Tanzverbots ein, am 19. Juni fanden dazu in zehn Städten Demonstrationen statt.

Welche Pläne hast du für den Sommer?
Ich werde Open-Airs veranstalten.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Juni 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

https://szene-hamburg.com/musik-schanzenzelt-hamburg/

Warteliste für Impfwillige in Hamburg

Die Asklepios-Kliniken haben eine Warteliste für übrig gebliebenen Impfstoff online eingerichtet

Text: Felix Willeke

 

An den Standorten der Asklepios-Kliniken wird fleißig gegen Covid-19 geimpft. Jedoch können immer wieder Menschen ihren Impftermin nicht wahrnehmen, oder Impfdosen werden aus anderen Gründen nicht verimpft. Deswegen hat der Klinikkonzern die Impftermin-Warteliste eingerichtet. Interessierte tragen sich online ein und werden, wenn Impfstoff zur Verfügung steht, angerufen. Einzige Bedingung: Innerhalb einer Stunde sollen die Angerufenen zum Termin erscheinen können.

Aktuell gilt die Warteliste für alle Hamburger Klinikstandorte sowie die Asklepios Klinik Birkenwerder. In den kommenden Wochen soll der Service ausgeweitet werden.


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Prof. Dr. med. Andreas Plettenberg über Corona-Impfungen

Prof. Dr. med. Andreas Plettenberg ist Geschäftsführer und ärztlicher Leiter des ifi-Instituts für interdisziplinäre Medizin. Neben der Betreuung seiner Patienten organisiert und moderiert er Kongresse, publiziert Fachbücher, hat an diversen infektiologischen Leitlinien mitgearbeitet und Therapie-Apps für Infektionskrankheiten entwickelt. Ein Expertengespräch

Interview: Markus Gölzer

 

SZENE HAMBURG: Prof. Dr. med. Andreas Plettenberg, sind Sie schon geimpft?

Prof. Dr. med. Andreas Plettenberg: Nein, leider noch nicht.

Was wäre der Impfstoff der Wahl?

Wahrscheinlich würde ich den Impfstoff von Astra-Zeneca erhalten, weil ich noch unter 65 bin. Wäre ich über 65, würde ich den Impfstoff von Biontech oder Moderna bekommen. Dies hängt allerdings auch von anderen Faktoren wie der Verfügbarkeit oder von Organisationsfragen ab.

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„Hamburg hat es bisher gut gemacht“: Prof. Dr. med. Plettenberg

Gibt es bessere und schlechtere Corona-Impfstoffe?

Alle Impfstoffe sind gut, wobei sie Unterschiede aufweisen. Diese betreffen die Herstellungsweise, die Wirksamkeit, die Nebenwirkungen, die Lagerung, die Impfintervalle und auch die Datenlage der Zulassungsstudien.

In Deutschland sind derzeit zwei sogenannte mRNA-Impfstoffe zugelassen, von Biontech und Moderna. Darüber hinaus ein Vektorimpfstoff, von AstraZeneca. Da die Zulassungsstudien unterschiedlich angelegt waren, sind die Ergebnisse nicht eins zu eins vergleichbar.

Der Impfstoff von Astra-Zeneca ist weniger wirksam und wird bei uns nur bei Personen unter 65 angewendet. Er scheint auch bei der süd-afrikanischen Variante weniger wirksam zu sein. Aber er hat auch Vorteile, zum Beispiel die einfachere Lagerung. Wichtig ist, dass möglichst viele Menschen geimpft werden. Mit welchem Impfstoff, ist dabei zweitrangig.

Gibt es einen besonders vielversprechenden Kandidaten in Erprobung?

Es sind über 150 Corona-Impfstoffe in Erprobung. Wir werden also noch viele Überraschungen erleben. Bei unseren drei bisher zugelassenen Impfstoffen sind immer zwei Impfungen erforderlich. Unter den vielen Kandidaten befindet sich zum Beispiel einer, von Johnson & Johnson, bei dem eine einmalige Impfung ausreichen soll. Es gibt aber daneben auch viele andere interessante Kandidaten.

 

„Viel zu Impfungen geforscht“


War von Anfang an klar, dass man einen Impfstoff findet oder gab es Befürchtungen, dass man nicht impfen kann wie bei HIV?

Für mich war dies nicht von Anfang an klar. Vor allem nicht, dass in so kurzer Zeit so viele Impfstoffe gefunden werden. Ich hatte dabei schon das Beispiel von HIV vor Augen, wo mittlerweile mehr als 20 Jahre nach einem Impfstoff gesucht wird und trotzdem kein wirklich geeigneter verfügbar ist.

Früher dauerte die Entwicklung eines Impfstoffs Jahrzehnte. Warum ging es diesmal so schnell?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst einmal wurde während der letzten zehn Jahre sehr viel zu Impfungen geforscht, unter anderem auch speziell zu Corona-Impfungen, zum Beispiel gegen MERS. Darauf konnte aufgebaut werden. Alle Nationen sind betroffen. Dementsprechend haben sich sehr viele Forschungsgruppen damit beschäftigt und es hat dabei viele internationale Kooperationen gegeben.

Ein wichtiger Punkt ist auch, dass wir uns aktuell mitten in einer Pandemie befinden, also sehr viele Infektionen haben. Um schnell aussagekräftige Daten zu haben, braucht man genau das: viele Probanden und viele Infektionen. Das Zulassungsprozedere durch die Behörden geschah außergewöhnlich schnell und die Finanzen spielen im Vergleich zu anderen Studien eher eine untergeordnete Rolle. All dies zusammen hat dazu geführt, dass so schnell Impfstoffe verfügbar sind.

 

„Den Mutanten kommt eine besondere Bedeutung zu“

 

Kann man Langzeitschäden ausschließen?

Es liegt in der Natur der Sache, je schneller die Impfstoffe zur Zulassung gebracht werden, umso weniger Daten zu Nebenwirkungen liegen vor. Insbesondere mögliche Langzeitnebenwirkungen können noch gar nicht bekannt sein. Wichtig dabei ist, dass die Probanden, die an den Studien teilgenommen haben, anschließend über Jahre nachbeobachtet werden. Das Wissen um Nebenwirkungen wächst also ständig.

Das Entscheidende für mich ist, dass unter dem Strich die positiven Effekte einer Impfung mögliche negative Effekten überwiegen.

Es gibt jede Menge Impfmythen: Gefahr für Allergiker, mRNA-Impfstoffe verändern die DNA, Impfungen sind toxisch. Was ist da dran, womit muss dringend aufgeräumt werden?

Dazu könnte ich ganz viel sagen, wobei wohl Zeit und Platz in ihrer Zeitschrift fehlt. Um es kurz zu sagen: Es gibt jede Menge Fehlinformationen im Netz.

Welche Rolle spielen Mutationen?

Den Mutationen kommt in der Tat eine besondere Bedeutung zu. Mutationen der Viren können dazu führen, dass sich die Eigenschaften der Viren ändern und dass Impfstoffe weniger wirksam werden. Aber, auf der anderen Seite, können Impfstoffe auch entsprechend angepasst werden.

Was würden Sie Impfgegnern gern mal sagen?

Es sind schon so viel Menschen auf der Welt an Corona verstorben, dass allein dadurch viele Argumente der Coronaverleugner und Impfgegner widerlegt sind. Wir können die Pandemie nur besiegen, wenn wir lernen und unser Wissen gezielt einsetzen. Vor allem ist dabei Verstand und Objektivität gefordert. Emotionen aus dem Bauch heraus verhindern den klaren Blick dafür, was erforderlich ist und helfen kann.

Warum gibt es bei Masern eine Impfpflicht, bei Corona nicht?

Bei Masern ist die Situation eine andere, die Infektion gibt es schon ganz lange und ebenso die Impfstoffe. Und es gibt bei Masern auch keinen generellen Impfzwang, sondern nur für bestimmte Gruppen. Für Corona hat Bundesgesundheitsminister Spahn eine Impfpflicht ausgeschlossen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es dazu noch erneut zu Diskussionen kommen wird, zum Beispiel zu einer Impfpflicht für bestimmte Gruppen. Zunächst wird aber abzuwarten sein, wie viele sich überhaupt freiwillig impfen lassen.

 

Der Katalog der Reihenfolge

 

Senioren werden zuerst geimpft. Warum impft man nicht zunächst junge Menschen, die mobiler sind?

Die Senioren werden zunächst geimpft, da bei Ihnen die Infektionen viel schlimmer verlaufen und deutlich mehr daran versterben.

Welche Kriterien entscheiden, in welcher Reihenfolge geimpft wird?

Da haben viele Spezialisten zusammengewirkt und unter Berücksichtigung vieler Kriterien den Katalog der Reihenfolge festgelegt. Ich glaube, es geht in erster Linie darum, bei begrenzten Impfstoffmengen einen möglichst großen Nutzen durch die Impfungen für die Gesellschaft zu erzielen.

Warum nicht schnell viele Menschen einmalig mit geringerem Schutz impfen statt langsamer mit zwei Impfungen?

Wichtig ist vor allem, dass ein möglichst anhaltender Impfschutz erzeugt wird. Wenn dafür zwei Impfungen erforderlich sind, sollte auch zweimal geimpft werden. Anderenfalls wäre der positive Effekt der Impfungen schnell verpufft und damit ist uns nicht geholfen.

Wann wird es genügend Impfstoff für alle geben?

Ich kann leider nicht in die Zukunft sehen. Wenn alles gut läuft, sollten im Laufe des zweiten Halbjahres alle Impfwilligen in Deutschland geimpft werden können. Dies hängt aber von vielen Faktoren ab, die wir noch nicht alle überblicken.

Wird es irgendwann möglich sein, sich beim Hausarzt impfen zu lassen?

Ich gehe davon aus, dass, wenn mehr Impfstoff verfügbar ist, auch Hausärzte impfen werden. Sicher nicht alle, aber einige.

Wie denken Sie über Erleichterungen für Geimpfte?

Eine schwierige Frage, die Gegenstand kontroverser Diskussionen ist. Aktuell halte ich nichts davon. Voraussetzung für Erleichterungen müsste sein, dass ausreichend Impfstoffe für alle Impfwilligen verfügbar sind. Ansonsten würden mögliche Erleichterungen die gesellschaftliche Solidarität gefährden. Es müsste unter anderem auch geklärt sein, dass Geimpfte die Infektion nicht in nennenswertem Maße weitergeben. Ich denke, es ist für diese Diskussion einfach noch zu früh.

 

„Hamburg hat es unter dem Strich bisher gut gemacht“

 

Tragen reiche Länder wie Deutschland Sorge, dass auch ärmere Länder zu ihrer Impfung kommen?

Die Pandemie betrifft den gesamten Globus und wir werden sie nur besiegen können, wenn alle Länder an einem Strang ziehen. Insofern ist es für die reichen Länder sehr wichtig, dass auch in den ärmeren Ländern geimpft wird.

Wie ist Hamburg aufgestellt?

Es ist organisatorisch sehr schwierig, eine ganze Großstadt zu impfen. Ich finde, Hamburg hat es unter dem Strich bisher gut gemacht.

Was waren die größten Erfolge in der Impfgeschichte? Was die größten Fehlschläge?

Der größte Erfolg war für mich 1980 die Ausrottung der Pocken. Der größte Fehl- schlag? Für mich persönlich Impfungen gegen HIV, wobei unsere Einrichtung selber an vielen Studien teilgenommen hat. Trotz jahrzehntelanger intensiver Forschung steht weiterhin kein Impfstoff zur Verfügung.

Hat Sie der Siegeszug von Corona überrascht?

Nein, eigentlich nicht. Dass irgendwann eine Pandemie mit irgendeinem Erreger auftreten wird, war schon lange zu erwarten. Meine Befürchtung war, dass dies ein Virus mit höherer Sterblichkeit sein wird, was noch um ein Vielfaches schlimmer sein könnte.

 

Ein schwieriger Job

 

Ist vorstellbar, dass mal ein Virus kommt, der ansteckend ist wie Corona und tödlich wie Ebola?

Leider ja, dies ist möglich. Ich hoffe, dass ich dies nicht erleben werde.

Wird die Pandemie jemals enden oder alljährlich wie bei der Grippe eine Corona-Saison kommen?

Das kann heute noch niemand absehen. Es ist wahr- scheinlich, dass wir in Zukunft mit diesen Viren leben müssen, wie wir auch mit anderen Coronaviren leben. Ich hoffe, dass nicht jedes Jahr neu geimpft werden muss. Dies hängt unter anderem davon ab, was bei den Mutationen noch alles passiert.

Wie finden Sie das Pandemie-Management des Gesundheitsministers?

Ein sehr schwieriger Job. Ich finde, er hat es bisher gut gemacht. Es ist immer einfach, Kritik zu üben. Es dürfte schwierig sein, es besser zu machen.

ifi-medizin.de


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Karsten Schölermann: „Konzerte können immer stattfinden“

Das Forum Veranstaltungswirtschaft will Konzerte auch während Corona möglich machen. Sechs Risikostufen sollen dabei helfen. Kurze Nachfrage bei Mit-Initiator Karsten Schölermann, Geschäftsführer des Knust

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Karsten, sechs Risikostufen sieht das „Manifest Restart“ vor, die abhängig vom Inzidenzwert bestehen. Bedeutet das: Jedes Konzert könnte stattfinden?

Karsten Schölermann: Richtig. Konzerte können immer stattfinden. Wir können sie mit Schnelltests ganz normal ausverkauft mit Publikum durchführen oder ganz und gar ohne Publikum als Stream. Dazwischen haben wir auch Lösungsvorschläge. Es geht um die richtigen Einschränkungen zur richtigen Zeit.

Im „Manifest Restart“ findet man auf die jeweilige Situation angemessene Einschränkungen. Wer viele Maßnahmen ergreift oder vorhält, darf auch mehr machen. Kurz: Förderung von Maßnahmen, statt Förderung von Stillstand. Und: Testen, testen, testen. Deutschland liegt weltweit nur im Mittelfeld bezüglich der Anzahl von Tests. Auch hier können wir mit einem sogenannten „Test & Rock“, also Schnelltests vor dem Konzertbesuch, helfen.

Welches Feedback bekommt ihr derzeit von Seiten des Senats für „Manifest Restart“?

Wir als LiveKomm (Bundes-Clubverband; Anm. d. Red.) haben das Konzept unseren Landesverbänden gegeben – und setzen nun darauf, dass diese es in ihren Bundesländern in die politische Debatte einspeisen. Hier in Hamburg gelingt das mit dem Clubkombinat Hamburg ganz gut.

 

Teil der Lösung

 

Mit den Senatoren Carsten Brosda und Andreas Dressel haben wir Empathie-begabte und gleichwohl schlaue Ansprechpartner. Ich habe den Eindruck, dass unsere Vorschläge es mühsam, aber stetig in die regionalen Verwaltungen schaffen werden.

Wir sind nicht das Problem – wir sind Teil der Lösung. Das haben wir schon letzten Sommer bewiesen, als wir in der ganzen Stadt Corona-gerechte Sitzkonzerte unter anderem auf dem Knust Lattenplatz veranstaltet haben. Es gab keine einzige nachgewiesene Infektion. Und das ist das Maß, um das es am Ende geht. Wir sind kein Treiber der Pandemie. Wir müssen die Gesellschaft wieder zurück ins Licht bekommen.


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