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Clubszene: Wie „G“-eht es weiter?

Mit Einführung des 2G-Modells konnten Hamburgs Clubs Ende August erstmals wieder ohne Sperrstunde und Tanzverbot öffnen. Warum die neuen Möglichkeiten trotzdem heiß diskutiert werden und welches Modell für ihren Laden im Oktober gilt, erzählen Clubbetreibende aus Molotow, Nochtspeicher und Waagenbau

Text&Interview: Ole Masch

 

Am 28. August war es so weit. Hamburg wurde bundesweit Vorreiter bei der Einführung des sogenannten 2G-Optionsmodells. Weil es mittlerweile problemlos möglich ist, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, haben zahlreiche Bundesländer nachgezogen. Grundsätzlich gilt für Clubs: Wenn nur Geimpfte und Genesene eingelassen werden, entfällt Sperrstunde, Abstandswahrung und Tanzverbot. Wie immer ist die Umsetzung der Länder unterschiedlich. Für viele Musikclubs in Hamburg ist das Modell, wie es Mitte September galt, wirtschaftlich schwierig. Anders als in Berlin bestand eine Obergrenze von 150 Feiernden (in Berlin sind es 1.000) und Masketragen beim Tanzen war obligatorisch. Das Clubkombinat forderte eine Aufhebung der Maskenpflicht, die Anhebung der Kapazitätsgrenzen und Ausnahmeregelungen durch PCR-Tests für Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Kurz vor Redaktionsschluss wurden Maskenpflicht und Personenbeschränkungen aufgehoben. Fenja Möller, Constantin v. Twickel und Claudia Mohr berichten, wie sie mit den neuen Möglichkeiten in ihren Läden umgehen.

 

Fenja Möller, Molotow

 

Fenja Möller, Molotow (Foto: Katrin Arfmann)

Fenja Möller, Molotow (Foto: Katrin Arfmann)

SZENE HAMBURG: Fenja, welches Modell gilt bei euch im Oktober?

Fenja Möller: Wir haben sowohl Veranstaltungen unter den 3G- als auch 2G-Regelungen. Welches Modell gilt, ist sehr von der Veranstaltung abhängig. Bei den Konzerten muss, um das 2G-Modell anzuwenden, die ganze Band geimpft sein, was noch nicht immer der Fall ist. Bei einigen Konzerten wenden wir aber auch das 2G-Modell an. Unsere Partys am Wochenende finden komplett 2G statt, da mit der 3G-Regelung noch ein Ausschankverbot ab 23 Uhr besteht, könnten wir diese gar nicht anders realisieren.

Warum habt ihr euch so entschieden?

Die nutzbaren Ressourcen aus Förderungen, Spenden und Merchverkäufen gehen langsam zur Neige, weshalb wir finanziell auf das 2G-Modell angewiesen sind. Außerdem stecken hinter dem Molotow viele Mitarbeitende, die seit Monaten auf ihre Einnahmen verzichten mussten. Darum konnten und wollten wir die Situation so nicht weiterführen.

Kritisiert ihr etwas an den aktuellen Bestimmungen?

Wir hoffen sehr, dass es möglichst bald eine Regelung für alle Menschen gibt, die sich wirklich nicht impfen lassen können.

Welche Erfahrungen habt ihr bei den ersten 2G-Abenden gemacht?

Insgesamt war das Feedback sehr positiv. Der Großteil unserer Gäste versteht den Schritt und hat sich sehr gefreut, endlich mal wieder im Molotow tanzen zu können und einen einigermaßen normalen Partyabend zu erleben. Für viele Anwesenden war es der erste Abend im Molotow nach fast zwei Jahren Pause. Auch für uns war es ein schönes Gefühl, endlich unsere Stammgäste wieder im Laden begrüßen zu dürfen und eine belebte Tanzfläche zu haben.

 

Constantin v. Twickel, Nochtspeicher

 

Constantin v. Twickel, Nochtspeicher (Foto: Martin D.)

Constantin v. Twickel, Nochtspeicher (Foto: Martin D.)

SZENE HAMBURG: Constantin, was macht ihr im Oktober?

Constantin v. Twickel: Wir haben uns im Nochtspeicher für die Hybrid-Variante entschieden. Also wahlweise nach Absprache mit Künstler*innen und Agenturen 2G oder 3G.

Warum?

Durch das Hybrid-Modell sind wir flexibel. Wirtschaftlich sind beide Varianten nicht, und es gibt auch derzeit nicht die optimale Lösung für alle. Das 2G-Modell ermöglicht uns zumindest die Möglichkeit einer höheren Auslastung und ein Näherkommen einer Vollauslastung. Die beiden Modelle 2G und 3G ermöglichen uns, zumindest für den Übergang wieder indoor zu veranstalten. Hier geht es in erster Linie darum, Kultur wieder stattfinden zu lassen, unser Publikum zu begeistern und alle Beteiligten wieder in Lohn und Brot zu bekommen. Die Kulturbranche liegt seit über anderthalb Jahren brach, mit ein paar Ausschlägen im Open-Air-Bereich.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Wir sind uns über den Ernst der Lage bewusst, jedoch benötigen wir mehr Perspektiven und wünschen uns mehr Austausch mit der Politik. In unserer Branche sind so viele erfahrene Fachkräfte bezüglich Veranstaltungen, sodass wir da mit Sicherheit helfen können, praxisnahe Modelle zu entwickeln und umzusetzen.

 

Claudia Mohr, Waagenbau

 

Claudia Mohr, Waagenbau (Foto: Claudia Mohr)

Claudia Mohr, Waagenbau (Foto: Claudia Mohr)

SZENE HAMBURG: Claudia, wie geht der Waagenbau mit der Situation um?

Claudia Mohr: Wir werden tatsächlich abwarten, ob und wie sich die Reglementierung weiterentwickelt, von daher: So, wie jetzt im Moment die 2G-Regelung aufgebaut ist, ergibt es für uns größere Clubs wenig Sinn aufzumachen. 150 tanzende Menschen mit Maske im Waagenbau sind unwirtschaftlich, unsolidarisch den Menschen gegenüber, die sich aus wichtigem Grund nicht impfen lassen können und nicht wirklich das, was wir unter einer „normalen“ Clubsituation verstehen.

Was heißt das für die Zukunft?

Wir stecken gerade in einer klassischen Pattsituation: Natürlich haben wir Bock, endlich wieder ausgelassen zu feiern. Die so wichtige Parallelgesellschaft gemeinsam mit den Menschen in den durchtanzten und durchfeierten Nächten zu kreieren, die einen so entscheidenden Gegenentwurf zum Hamsterrad des Kapitalismus und der Monotonie des immer gleichen Alltags der meisten Menschen darstellt. Um das in der jetzigen Gesetzeslage zu realisieren, müssten wir Menschen von der Teilhabe ausschließen, wo doch unser Credo und unser Schaffen auf Grenzenlosigkeit, Freiheit, Liebe und Gleichheit ausgerichtet ist. Da wir aber auch einen gewissen wirtschaftlichen Druck haben, stehen wir vor der schwierigen Entscheidung: Insolvenz anmelden – sobald die Wirtschaftshilfen wegfallen – oder 2G.

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Crazy Horst: Der faire Mann vom Kiez

Seit 1974 betreibt Horst Schleich, 76, die Bar Crazy Horst auf St. Pauli. Er war mit Domenica befreundet, ist eng mit Ulrich Tukur, hatte Gäste von Drafi Deutscher bis Brad Pitt. Ein Gespräch über Sanktpaulianismus und das Leben im Hier und Jetzt

Inteview & Foto: Markus Gölzer

 

SZENE HAMBURG: Horst, du wolltest als Kind evangelischer Pfarrer werden. Heute bist du die Kiezlegende Crazy Horst. Was war da los?

Horst Schleich: Ich habe seit meinem 13. Lebensjahr die Ferien bei meiner Tante in Hamburg verbracht. Das erste Mal Hamburg war wie ein Urknall. Nicht so wie im Dorf, wo man die Jalousien hochgemacht hat, damit der Nachbar nicht denkt, man würde am Sonntag bis halb neun schlafen. Das hat mich dann mehr interessiert als die Theologie. 1966, mit 22, nach der Bundeswehr, bin ich endgültig hergezogen. Meine Tante hat mich mit offenen Armen aufgenommen.

Wie kamst du in die Gastronomie?

Ich war zuerst Staubsauger-, dann Getränkeautomatenvertreter. Irgendwann bin ich zu Karstadt, wo mich Hoover als Waschmaschinenverkäufer abgeworben hat. Da habe ich im ersten Monat 8.000 Mark verdient. Bei 100 Mark Miete. Anfang der 70er wurde mir die Hafenarbeiterkneipe. „Kiek Ut“ („Guck raus“ auf Plattdeutsch; Anm. d. Red.) angeboten. Da gab es jeden Morgen Aufrufe im Radio: „Wir brauchen 3.000 Hafenarbeiter.“ Die haben die Nacht bei mir gepennt in der Kneipe, sind zum Hafen, haben gearbeitet, sind zurückgekommen und haben ihren Zettel gezahlt. Wunderschöne Zeit mit herzlichen Menschen. 1974 war ich schon in der Otzenstraße als Crazy Horst. Da hat mich aber der Name der Straße gestört. Dann habe ich in die Hein-Hoyer-Straße gewechselt. Und da bin ich bis heute.

 

Den Kiez geprägt

 

Du hast ja auch das legendäre Molotow eröffnet.

Beim Vorbesitzer war es eine Schlagerdisco. Das lief nicht. Dann wurde es mir angeboten. Ich habe von Bookern ein Konzept entwickeln lassen. Das hat vom ersten Moment an geballert. Wir haben Punk gespielt. Ich wusste, wie man Punk schreibt, aber nicht, was es ist. Ich musste lernen, was Pogo ist. Ich habe meine Security gerufen, wenn die ins Publikum gesprungen sind: „Guckt mal, die hauen sich.“ Da haben die gesagt: „Nee, Alter, das macht man so.“ Das war 1989. Wir haben auch die ersten SM-Partys in Deutschland veranstaltet. Da kamen sie aus ganz Europa. Und ich mittendrin in Lederklamotten für 1.000 Mark, völlig fehl am Platz. SM ist Liebe. Wussten alle da. Nur ich nicht.

Du bist, wenn man so will, der Letzte deiner Art.

Der Letzte und der Längste. Zuerst waren hier Jugendliche, die wir um 22 Uhr rausgeschmissen haben. Dann kamen die Zuhälter. Da war das ganze Haus voll mit den Jungs. Stefan Hentschel wohnte hier. Das war der mit dem ausgestochenen Auge. Der hat vor laufender Kamera mal einen niedergeboxt. „Hast’n Problem?“ War ein Hit auf Youtube. Peinlich. Eigentlich war das ein ganz liebenswerter Mensch. Domenica hat auch hier gewohnt. Mit der war ich sieben Jahre ganz gut befreundet. Also, befreundet. Und sonst nichts. Wir haben ganz viel zusammen gemacht. Ich habe sie begleitet, als sie ihr Lokal am Fischmarkt eröffnete. Aber sie war halt keine Geschäftsfrau. Aber ein Riesenherz. Größer als der Busen.

Hast du heute noch Kontakt zu Kiezgrößen?

Ja, zum schönen Klaus zum Beispiel. Mit dem haben wir neulich was gedreht zu Kiezprominenz. Klar, ich kenne die ja alle. Aber die sind halt alle alt und haben kein Geld mehr. Ich kenne einen einzigen von den Früheren, der noch Geld hat. Und der ist an die 90. Der macht nicht mehr viel.

 

Der Schlichter

 

Du galtst und giltst ja als der faire Mann vom Kiez.

Ja, ich habe immer bei Streitereien geschlichtet. Und als in den 80ern die Pinzner-Mordserie auf dem Kiez war, haben sich die Insider immer hier in der Bar getroffen, um ungestört zu reden. Ich wusste da einiges drüber. Und hier vorne war ein Pfandhaus. Wenn einer diskret Schmuck versetzen wollte, habe ich das für ihn gemacht. Der Ruf hängt mir heute noch an.

In welchem Jahrzehnt waren die Partys am besten?

Die waren immer anders. Ich war mal mit Domenica bei der Schauspielerin Inge Meysel. Und die hat gesagt: „Gestern ist vorbei. Heute lebe ich. Und morgen macht der liebe Gott.“ Da hat sie recht gehabt. Ich hänge nicht dem Vergangenen hinterher. Ich kümmere mich ein wenig um die Zukunft, aber ich lebe jetzt. Und dann geh ich aus der Tür und mir schmeißt einer einen Blumentopf auf den Kopf. Das ist mir wirklich mal passiert. Hat aber zum Glück nicht getroffen.

Was bedeutet St. Pauli für dich?

Ich denke sanktpaulianisch. Die Gesetze von damals habe ich heute noch drin. Wenn du eine Frau hast, dann schlaf ich nicht mit der. Man verpetzt keinen. Man ruft die Polizei erst dann, wenn es ums Leben geht. Ich sage immer: „Ich komme aus der Nähe von Kassel. Das ist meine Heimat. Auf St. Pauli bin ich zu Hause.“

 

Der Kiez heute

 

Die Veränderungen auf St. Pauli sind ein großes Thema. Was sagst du dazu?

Ich war 15 Jahre im Sanierungsbeirat. Wir waren zuständig, die Gentrifizierung zu verhindern, aber das haben wir nicht geschafft. Als ich Mitte der 70er hergezogen bin, hat meine Viereinhalbzimmer-Wohnung 307 Mark gekostet. Und als ich ausgezogen bin, nach 30 Jahren, 1.190 Euro. Die Wohnung über mir hat zu Beginn meiner Zeit hier 40.000 D-Mark gekostet. Die Nachfolgerin hat jetzt 225.000 Euro dafür bezahlt. Für 46 Quadratmeter.

Was war für dich die größte Bausünde auf St. Pauli?

Die größte Sünde waren die Essohäuser. Da mussten 2013 alle raus wegen Einsturzgefahr, mitten in der Vorweihnachtszeit. Bewohner, Bars und Clubs, unter anderem auch das Molotow.

Der Besitzer, die Bayerische Hausbau, hatte da ja alles Mögliche versprochen.

Ja, Beteiligungsprozesse von Bürgern und so weiter. Da gibt es ja auch die Planbude, aber da wurde nichts erreicht. Da ist bis heute nichts passiert. Das Molotow dürfte zurück. Für 30.000 Euro Miete im Monat. Das geht ja gar nicht.

Man kann sagen, dass dir nach 40 Jahren St. Pauli nichts Menschliches fremd ist. Bleibt bei so viel Realismus noch Platz für Spiritualität?

Ja, da bin ich ganz schlimm drin. Als 1983 meine Oma gestorben ist, hatte ich ein Jahr oder länger mit der Trauer zu tun. Wenn ein Bild von der Wand fiel, dachte ich, das wäre sie. Und als ich auf Mallorca war, hat mich ein Hypnotiseur verfolgt bis hierher, weil ich so empfänglich bin. Der wollte mich als Medium mit auf Tournee nehmen. Ich habe in Trance Zitronen gegessen und dachte, es wäre eine Apfelsine. So überm Stuhl gehangen als schwebende Jungfrau. Mit mir geht so was wunderbar.

 

Die Folgen der Pandemie

 

Du hattest seit den 70ern fast durchgehend Barbetrieb. Dann kam der Lockdown. Hast du dich isoliert gefühlt?

Nein. Ich bin allein, aber nicht einsam. Ich hab ganz engen Kontakt zu meinem Bruder. Der lebt in Köln und war da im Entwicklungshilfeministerium Direktor. Schwägerin auch. Die haben auch noch eine Tochter, die ist auch schon wieder 40. Und die Schwester meiner Mutter, die ist so alt wie ich. Oder zwei Jahre älter. Die lebt noch. Und da telefonieren wir auch die ganze Woche hin und her.

Was sagst du zu den Corona-Maßnahmen in der Gegend mit ihren Regelungen, die sich von Straße zu Straße ändern?

Das ist gequirlte Scheiße. Keiner blickt da durch. Ich kenne ja auch die Leute. Ich kenne den Andy Grote. Und den Platzbecker, den Abgeordneten für unseren Bezirk. Ich krieg da keine richtige Auskunft. Herr Tschentscher ist ja jetzt ein büschen merkelhaft. Immer schön abwarten. Und gleichzeitig gnadenlos.

Du hast vermutlich einen unerschöpflichen Fundus an Anekdoten. Gibst du eine zum Besten?

In den 80ern wurde zur Umsatzsteuer die Getränkesteuer als Steuer obendrauf in Hamburg eingeführt. Da gab es eine Demo dagegen. Ich bin kein Typ für Demos. Ich bin da nicht hingegangen. Aber ich habe gesagt: „Nach der Demo machen wir geschlossene Gesellschaft bei Crazy Horst.“ Domenica war auch eingeladen und kam in einem Nerzmantel. Mit nichts drunter. Den hat sie dann aufgemacht, und das war ein Auftritt, den keiner erwartet hatte. Sensationell.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Juli 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Holger: „Punkrock und Taxifahren: Von beidem bin ich nie losgekommen“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Holger begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„Es gibt keinen Ort, an dem dir jemand Fremdes innerhalb kürzester Zeit, dermaßen intime Dinge erzählt, wie im Taxi. Nicht einmal im Beichtstuhl. Neulich hatte ich ein Erlebnis mit einer älteren Dame, die im Krieg aufgewachsen ist. Sie hat die Bombennächte in Hamburg miterlebt. Ich habe sie ein bisschen dazu ausgefragt und sie hat erzählt, wie es damals war. Als sie dann ausstieg, sagte sie: ‚Das habe ich so noch nie jemandem erzählt.‘ Solche Geschichten passieren nicht oft, aber ab und zu. Und das reicht. Das macht den Beruf aus.

Vor zwei Jahren habe ich morgens in Altona ein junges Pärchen eingesammelt, die hatten was von Bonnie und Clyde, waren völlig übernächtigt. Jedenfalls wollten sie nach Dänemark, um da zu heiraten. Er war Italiener, sie Deutsche. Wir haben dann an der Tankstelle noch Red Bull geholt und sind über die A7 nach Dänemark gebrettert.

Weil ich ja sowieso nach Hamburg zurückmusste, habe ich die zwei Stunden dort gewartet und sie mitzurückgenommen. Auf der Rückfahrt riss das Mädchen plötzlich bei Tempo 130 das Fenster auf und hat bei voller Fahrt aus dem Auto gekotzt. Sie hatte halt die Nacht durchgefeiert, entschlossen in Dänemark zu heiraten, aber vergessen, was Gescheites zu essen. Im Nachhinein war das schon ein klasse Ausflug.

 

Joschka Fischer und die Große Freiheit

 

Es gibt den Roman „Taxi“ von Karen Duve. Sie war selber Taxifahrerin in den Achtzigern, das Buch ist nicht besonders toll, aber es beschreibt ganz gut, was das seinerzeit für eine Szene war. Vielen erging es so wie mir: Frisch von zu Hause ausgezogen, ohne großen Masterplan, aber mit Lust, das pralle Leben kennenzulernen. Und weil man im Taxigewerbe ganz gut und einfach Geld verdient hat, haben viele während des Studiums einen Taxischein gemacht.

Es waren viele linke Intellektuelle unter den Taxifahrern. Joschka Fischer zum Beispiel auch. Da bin ich seinerzeit so mitgeschwommen. Ich wollte einfach nur raus aus dem Haus meiner Eltern, auf Punkrock-Konzerte in der Markthalle, Große Freiheit, Molotow, danach ins Subito. Und nebenbei eben mit dem Taxifahren ein bisschen Geld verdienen. Irgendwie bin ich bis heute nicht davon losgekommen. Vom Punkrock genauso wenig.

Ich wollte nie etwas anderes machen, und will es heute nicht. Auch wenn es natürlich eine komplett andere Zeit ist. Dieses Lebensgefühl damals, das Spontane, nicht zu überlegen, ob man am nächsten Morgen rechtzeitig fit ist: Das vermisse ich hier und da schon. Ich bin jetzt 60, da wird man träge, der Freundeskreis wird kleiner, viele in meinem Alter sind alleine. Es wird schwierig, sich für jemand anderen zu öffnen.

Ich habe aber meistens Glück gehabt: Ich bin gesund und lebe in einer schönen Beziehung. Dass ich mich noch einmal so verlieben kann, hätte ich auch nicht gedacht. Vor einem halben Jahr bin ich dann auch noch Opa geworden. Den Lütten sehe ich gerade nicht so oft, weil meine Tochter in Hessen lebt und das Reisen schwierig ist. Ich freue mich aber unheimlich, dass er da ist.“


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Nicht alles ist Corona: 10 Hamburger Good News

Pandemie, Proteste, politische Unruhen: 2020 hat Hamburg und die Welt mit voller Härte getroffen. So schwer das letzte Jahr auch war, es gab auch schöne Momente und Highlights, die vielleicht etwas untergegangen sind. Hier sind 10 Hamburg Good News, die die Laune heben

Text: Felix Kirsch

 

 

Hamburg ist schönste Stadt Deutschlands

Das digitale Reisemagazin Travelbooks hat entschieden

Auch wenn Hamburg in Zeiten der Pandemie kaum oder gar keine Touristen in der Stadt begrüßen darf, so konnte die Stadt sich trotzdem über einen Tourismus-Titel im Jahr 2020 freuen. Die Seite Travelbooks.de kürte die Elbmetropole zur schönsten Großstadt 2020. Mit knapp 28 Prozent der Stimmen setzte sich Hamburg gegen München und Dresden auf dem Treppchen durch.

 

Forellen kehren zurück in die Alster

Erfolgreiche Zucht Hamburger Angelvereine

Sie sind zurück: Die Forellen können wieder im Norden begrüßt werden. Genauer gesagt, im kleinen Bruder der Elbe, der Alster.

Seit mehr als zehn Jahren versuchten Hamburgs Angelvereine durch Besatzung kleiner Zuchtforellen einen gesunden Bestand der Lachsartigen in der Alster anzusiedeln. Bis 2020 vergeblich. Zu schwer und zu weit war der Weg bis in die Nordsee und zurück, die Salmoniden schafften es nicht, ohne geeignete Fischtreppen ihrem Drang nachzuschwimmen und in ihre Heimatgewässer zurückzukehren.

Fischereiverband und Angelvereine kümmerten sich um saubere und hindernisfreie Gewässer. Dann wurden junge Forellen ausgesetzt und siehe da: Im Herbst wurden die ersten ausgewachsenen Forellen in der Alster gesichtet, gefangen und dokumentiert.

 

Jungfernstieg wird autofrei

Die Stadt hat entschieden

Ende September 2020 wurde es amtlich: Autos haben in Zukunft nichts mehr am Jungfernstieg verloren. Hamburgs Touristen-Hotspot wird also in Zukunft ohne schicke Karossen und rasende Flitzer auskommen. Eine gute Nachricht für die Umwelt! Und auch im Bereich des Fahrradverkehrs hat die Hansestadt etwas für das grüne Gewissen getan.

Seit September 2020 können Radfahrer zwischen Gustav-Falk-Straße und Bogenstraße am Schlump einen kurzfristig installierten Radweg, einen sogenannten Pop-up-Radweg nutzen. Autofahrer müssen sich hinten anstellen, denn der Fahrradweg klaut den Karosserien eine ganze Spur. Wie lange der Pop-Up-Radweg bleiben kann, ist derweil noch unklar.

 

100 % selfmade

Der FC St. Pauli produziert umweltfreundliche Trikots

Natürlich darf der Hamburger Kiezklub in dieser Auflistung nicht fehlen, denn schließlich sind es die Jungs und Mädels vom Millerntor, die stets dafür sorgen, dass auch abseits des Fußballs wichtige Themen und Probleme behandelt werden. So widmete sich der FC St. Pauli im Jahr 2020 dem Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

Nachdem bekannt wurde, dass die Braun-Weißen die fünfjährige Partnerschaft mit dem Sportartikelhersteller Under Armour beendeten, beschlossen die St. Paulianer kurzerhand, die Nähmaschine selbst in die Hand zu nehmen und fortan die eigenen Trikots selber zu produzieren. Natürlich fair, nachhaltig und umweltbewusst. Daumen hoch dafür.

 

Hamburg ist Veganer-Stadt Nummer eins in Deutschland

Das Food-Magazin Chef’s Pencil veröffentlicht Studie

Das Food-Magazin Chef’s Pencil hat Hamburg zur vegansten Stadt Deutschlands erklärt! Eine Studie des Magazins kommt zu dem Ergebnis, dass vegane Ernährung in Hamburg besonders beliebt ist.

In Deutschland sowieso – im internationalen Vergleich wird die Elbmetropole nur von Edinburgh und Portland geschlagen. Als Maßstab diente dem Magazin vor allem das Suchvolumen zu veganen Restaurants in den einzelnen Städten via Google.

Neue Urinale am Hauptbahnhof

Die Stadt geht gegen Gestank vor

Wer kennt ihn nicht? Den berühmten „Walk of stink“ am Südeingang des Hamburger Hauptbahnhofs. Doch damit ist zumindest vorerst Schluss. Die Stadt spendierte zwei Tage vor Weihnachten ein komplett neues Urinal. Auch auf der Reeperbahn sollen die Urinale ausgetauscht werden. Besser für das Stadtbild und die Nase.

 

Molotow kehrt zurück zum Spielbudenplatz

Der Kiez-Club zieht im Sommer 2021 um

Der Hamburger-Kultmusikclub Molotow kehrt an seinen alten Standort, den Spielbudenplatz zurück. Dank der Unterstützung der Stadt kann der subversive Klub voraussichtlich im Sommer 2021 an die alte Wirkungsstätte zurück.

Das Molotow musste 2013 aus den einsturzgefährdeten Esso-Häusern ausziehen und ließ sich zunächst an der Holstenstraße nieder. Zuletzt bezog das Molotow eine Örtlichkeit am Nobistor.

 

Eiland: Neue Insel für Hamburg

Neue 600 Hektar Sand im Wattenmeer

Hamburg wird um eine Exklave reicher. Rund um die zu Hamburg gehörende Insel Neuwerk soll im Wattenmeer der Nordsee eine weitere Insel entstehen. Da das künstliche Eiland im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer entstehen soll, wird es also auch offiziell Hamburger Gebiet.

Die Insel soll eine knapp 600 Hektar groß sein und aus Sand aufgeschüttet werden. Damit wäre die neue Insel also größer als Nigehörn, Scharhörn und Neuwerk zusammen, die zusammen den Stadtteil Hamburg-Neuwerk bilden.

 

Neues Naturschutzgebiet nahe Duvenstedt

Der Hamburger Senat genehmigt Schutz des Auenwald- und Wiesenareals

Und auch innerhalb der eigenen Grenzen entsteht Neues: Der Hamburger Senat genehmigte ein 31 Hektar großes Naturschutzgebiet nahe Duvenstedt. Das Auenwald- und Wiesenareal steht nun offiziell unter Schutz und bildet in Zukunft einen optimalen Rückzugsraum für die heimischen Arten. Im Auenwald- und Wiesenareal sind unter anderem Fischotter und Eisvögel beheimatet.

 

Hamburg bekommt Naturkundemuseum

Das Wirtschaftsministerium investiert in Biodiversität

Hamburg bekommt wieder ein Naturkundemuseum! Das hat das Wissenschaftsministerium der Hansestadt beschlossen. Ab 2021 sollen das Hamburger Centrum für Naturkunde und das Bonner Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig zum „Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels“ fusionieren und die biologische Vielfalt, die Artendiversität und dessen Schutz untersuchen. Ein zentraler Bestandteil wird dann auch ein neues Hamburger Naturkundemuseum mit dem Schwerpunkt auf die Hamburger Ökologie.


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Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Hinter den Kulissen: Im Backstage der Stadt

Um die Backstage-Bereiche der Clubs ranken sich oft wilde Legenden. In Pandemie-Zeiten sind auch sie verlassen. Eine Bilderserie

Text: Ole Masch

 

Die Musikclubs wurden von der Corona-Pandemie hart getroffen und bleiben nach wie vor geschlossen. Um Nachtschwärmern trotzdem einen Einblick in ihre Lieblingsorte zu bieten, zeigt SZENE HAMBURG Fotos von Räumen, die Besucher in der Regel nicht zu sehen bekommen: Die Backstage-Bereiche. Entstanden ist eine starke Bilderserie verwaister Räume. Um zu verdeutlichen, wie lange sie als wichtiger kultureller Bestandteil bereits fehlen, zeigen Bildunterschriften, wer sich hier als letztes und zu welchem Anlass aufgehalten hat.

 

Fundbureau-Backstage-credit-Claudia-Mohr

Fundbureau: Seit dem 7. März ist zu. Damals waren die Racing Snails vom Gaggalacka-Festival geladen (Foto: Claudia Mohr)

 

Hafenklang-Backstage-credit-Claudia-Mohr

Hafenklang: Zuletzt saßen hier die Mitglieder der Band Blaue Bume aus Dänemark, die am 12. März das letzte Konzert vor Corona spielten (Foto: Claudia Mohr)

 

Baalsaal-Backstage-credit-Claudia-Mohr

Baalsaal: Yulia Niko legte hier zuletzt am 14. März bei Electronic Red Light auf (Foto: Claudia Mohr)

 

Astra-Stube-Backstage-credit-Claudia-Mohr

Astra Stube: Am 12. März spielten Ryskinder aus Israel vor knapp 60 Leuten. Support war Grundeis aus Hamburg. Einen Tag später wurde, zunächst auf eigene Initiative hin, geschlossen (Foto: Claudia Mohr)

 

Waagenbau-Backtage-credit-Claudia-Mohr

Waagenbau: Am 7. März wurde hier die letzte Party gefeiert. Bei VER:Bunden spielten Martha von Straaten & Bebetta (Foto: Claudia Mohr)

 

Yoko-Backstage-credit-Claudia-Mohr

Yoko: Bei der großen b2b Nacht „Affaire d`amour“ spielten 3 DJ-Teams die ganze Nacht House Musik. Kurz darauf wurde dicht gemacht (Foto: Claudia Mohr)

 

Terrace-Hill-Backstage-credit-Claudia-Mohr

Terrace Hill: Letztes Konzert war Blind Ego am 2. März. Nach dem Social Developers Club am 7.3. wurde abgeschlossen (Foto: Claudia Mohr)

 

Molotow-Backstage-credit-Dorothea-Bader

Molotow: Der letzte Künstler im Laden war der Hamburger Poetry Slammer Hinnerk Köhn am 12. März mit seiner Solo- Show „Bitter“. Die letzte Band Pyogenesis am 6. März. In den zurückliegenden dreieinhalb Monaten hätten eigentlich knapp 100 Bands hier im Backstage abgehangen (Foto: Dorothea Bader)

 

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Mojo: Unmittelbar vor dem Lockdown, am 8. März, gab es für Blues-Rockstar Marcus King Getränke im Backstage (Foto: Ole Masch)

 

Turtur-Backstage-credit-Claudia-Mohr

Turtur: Am Donnerstag den 12. März gab es das letzte Mal Open Decks mit Tischtennis, Kicker, Techno & Oldies bei Lümmelkiez (Foto: Claudia Mohr)


Szene_Juli_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Hamburgs Clubs gehen Live: Streamteam Dreamteams

Das Hamburger Nachtleben steht still. Clubs und ihre Mitarbeitenden kämpfen ums finanzielle Überleben. Für viele wurde die Umsetzung von Webstreams zur Hauptbeschäftigung. SZENE HAMBURG sprach mit ihnen über ihre aktuelle Situation und hat zwei Liveübertragungen begleitet

Text: Ole Masch
Fotos. Levke Marie Nielsen

 

Die Tauben reißen die Herrschaft an sich, bemerkt Bookerin Fenja Möller, als sie durch den Innenhof des Molotows läuft. Hier im Backyard, wo sonst Konzerte, Lesungen und DJ-Sets stattfinden, stehen an diesem Freitagabend nur ein paar verwaiste Stehtische. Fenja legt heute mit einer Kollegin beim Bad Ass Babes Club auf. Seit Corona sind sie die einzigen, die zwischen den Übergängen vor dem DJ-Pult tanzen. Die restlichen Partygäste sitzen vor dem Rechner.

Ob Punk-Auktion im Knust, Poetry Slam im Bunker, Konzert in der Astra Stube oder Live-Set im Golden Pudel. Weil Clubs in diesen Zeiten nicht öffnen dürfen, sind sie vermehrt dazu übergegangen, ihr Programm im Internet zu streamen. Einige haben sich United We Stream angeschlossen. Die Aktion in Kooperation mit Arte zeigt an mehreren Tagen der Woche Streams aus unterschiedlichen Clubs in ganz Deutschland. Während der Ausstrahlung kann über eine Plattform gespendet werden. In Hamburg geht dieses Geld in einen vom Clubkombinat verwalteten Rettungsfonds für notleidende Clubs. Acht Prozent fließen an die zivile Seenotrettung.

 

„Ein Stück Molotow für zu Hause“

 

„Wir streamen fast jeden Freitag und Samstag Partys, haben unser Pubquiz und ein paar Konzerte“, erzählt Fenja. „Wir möchten weiter Musik und Kultur schaffen. Ein Stück Molotow für zu Hause.“ Ihre Streamingveranstaltungen haben sie hier fast alle selbst aufgenommen. In der Regel reicht ein Techniker für Licht und Sound, Smartphone, Laptop und jemand, der den Chat betreut. Über eine virtuelle Getränkekarte können Drinks gespendet werden. Wann die Clubs wieder öffnen dürfen, ist völlig unklar. Behördliche Vorgaben werden nur für die nächsten Wochen gemacht. Bis Redaktionsschluss galt ein Betriebsverbot bis mindestens 30. Juni.

Ein Problem mit dem auch der Südpol kämpft. Es ist Samstag, später Nachmittag. Hinter zahlreichen Monitoren stehen Menschen mit Masken und rufen Anweisungen in den Raum. Vor dem sogenannten Stream-Team steht ein DJ-Pult mit Lightshow, die an Fernsehproduktionen erinnert. „Noch eine Minute“, „Licht etwas heller“, „der DJ ein Stück nach rechts“, „Uuuuund – wir sind live“. Letzter Satz geht in den einsetzenden Bässen unter.

 

Interaktive Formate sind gefragt

 

„Unser Lichttechniker hat den Club komplett umgestaltet, alles rausgerissen und mit allem, was er hat, ein richtig krasses Bühnenbild gebaut“, erzählt Eve, Mitglied im kollektiven Geschäftsleitungsplenum. Heute Nachmittag soll es mehrere DJ-Sets, ein Konzert von Gladbeck City Bombing und eine Performance zur Reproduktionsarbeit geben. „Wir alle sind mittlerweile etwas gelangweilt von DJ-Streams“, erzählt David, der später selbst auflegen wird. „Es gilt, dieses Bild aufzubrechen und eher in Richtung interaktiver Formate zu denken. Zum großen Finale der eigenen Spendenkampagne hat man das bereits umgesetzt. Bei einer moderierten Live-Show, übertragen aus zig Kameraperspektiven, sendete man über mehrere Stunden, samt Kaffeekränzchen, Mitmach-Aerobic und Senfverkostung.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Mit den Streams, bei denen auf die Kampagne aufmerksam gemacht wurde, hat der Südpol über 110.000 Euro eingesammelt. Und so sind die Fixkosten zumindest für die nächsten Monate gestemmt.

 

Molotow-Nadine-credit-Levke-Marie-Nielsen

Nadine (Molotow), vor Corona in der Produktion. Heute Streambetreuung und Grafik

„Früher haben wir morgens immer zusammen im Backstage gefrühstückt. Es ist schade und total komisch, dass wir alle im Homeoffice sind. Bis auf die Streams mache ich alles von zu Hause. Das normale Club-Sommerloch, gibt es sicher auch bei Streams. Mir fehlt der Kontakt mit den Bands und ich hoffe, dass wir weiterhin hierbleiben können, nicht schließen müssen und bald wieder Konzerte haben. Aber der Sommer ist sicher gelaufen.“

 

David (Südpol),Geschäftsleitungsplenum, Programmgestaltung und Regisseur für Streamformate

„Durch die Corona Krise sind die Karten neu gemischt, aber Strukturen werden wieder erschaffen und Leute spezialisieren sich auf andere Themengebiete. Die Stream-Teams die sich gebildet haben, hatten vorher gar nichts mit Video zu tun und plötzlich macht sich ein ganz neues Kreativfeld auf. Eigentlich ist hier Fotoverbot und jetzt streamen wir. Und natürlich wollen wir uns solidarisch zeigen und nicht nur für den Club sammeln, sondern allgemein für das S.O.S. Save Our Sounds Konzept.“

 

Molotow-Sören-credit-Levke-Marie-NielsenSören (Molotow), eigentlich Personalplanung und Einkauf. Jetzt Social Media und Handwerker

„Mein Joballtag hat sich zu 100 Prozent geändert. Ich fuchse mich aber gerade in neue Dinge. Und es gibt allerhand Handwerkliches zu tun, für das sonst die Zeit fehlt. Wir sind hier alle in Kurzarbeit und das merkt man finanziell. Aber momentan bin ich dankbar für diese Unterstützung. Ich hoffe, dass wir irgendwann alle Leute sehen, die für uns arbeiten. Darauf freue ich mich sehr und bin sicher, dass wir das irgendwie durchstehen werden. Es ist aber ganz klar, dass die Gesundheit unserer Mitarbeiter und unserer potenziellen Gäste ganz oben steht.“

 

 

Eve (Südpol), Personalplanung, Einkauf, Geschäftsleitungsplenum. Heute Stream-Lichttechnikerin

„Mein eigentlicher Job ist komplett weggefallen. Aber alle haben richtig Bock auf die Streaming-Sache, bei der es viele technische Herausforderungen gibt. Und so bin dazu gekommen, hier die Lichtshow zu bedienen. Natürlich würde ich mir wünschen, dass wir bald wieder aufmachen. Vielleicht bekommen wir zumindest eine Sondergenehmigung für unseren Innenhof.“

 

Molotow-Fenja-credit-Levke-Marie-NielsenFenja (Molotow), PR, Booking und DJ beim Bad Ass Babes Club:

„Mein Leben hat sich seit Corona dras­tisch geändert. Ich war immer auf vielen Konzerten und es ist sehr komisch, nicht mehr ausgehen zu können. Nur im Homeoffice zu sitzen und nicht mit Kollegen vor Ort Gespräche zu führen, ist viel arbeitsintensiver. Auch hätte ich nie gedacht, dass wir überhaupt mal Konzerte und Partys streamen. Natürlich wünsche ich mir, dass wir bald wieder aufmachen. Aber ich möchte vor allem, dass es sicher ist. Wir brauchen auf jeden Fall Förderungen von der Stadt, damit wir und auch die anderen Clubs überleben können. Zumindest macht ab sofort unser Backyard als Schankwirtschaft auf.“

 

Hark (Südpol), Finanzen, Eventplanung und Geschäftsleitungsplenum. Seit Corona PR- Kampagnen:

„Leider bin ich nur noch selten hier. Deswegen freue ich mich beim Streaming dabei zu sein. Aktuell sind andere Kompetenzen gefordert als vorher. Ich mache gerade Pressearbeit, was für den Südpol sehr ungewöhnlich ist. Da alle meine anderen selbstständigen Tätigkeiten weggefallen sind, suche ich mir gerade Projekte wie United We Stream Hamburg oder unsere Rettungskampagne. Wie es weitergeht ist unklar. Unser Kurzarbeitergeld wurde bereits bis März 2021 bewilligt.“

 

Nanna & Louise (Teil von Krav fra en pandemi), Künstlerinnen und Aktivistinnen. Performance im Südpol-Stream:

Südpol-Nanna-u.-Louisa--credit-Levke-Marie-NielsenLouise (r.): „Ich habe viele Jobs verloren, was meine finanzielle Situation sehr schwer macht. Aber die ganze Zeit jetzt gibt einem die Möglichkeit, über den Sinn des Lebens nachzudenken. Als Künstlerin ist man immer in Aktion und kümmert sich pausenlos darum, dass man von dem, was man macht, auch überleben kann. Jetzt hat man die Möglichkeit zu reflektieren, was wirklich wichtig ist.”

Nanna: „Wir lernen gerade, wie es noch besser machbar ist, sich von unterschiedlichen Orten aus zu organisieren und zu vernetzen. In den letzten Monaten hat man gesehen, dass vieles, was unveränderbar schien, möglich wurde. Wenn in Portugal alle dort lebenden Geflüchteten Aufenthaltsrechte bekommen, sieht man, dass Staaten plötzlich sehr schnell reagieren können. Künstler und Aktivisten sollten daher den Druck erhöhen.“

 

Molotow-Kevin--credit-Levke-Marie-NielsenKevin (Molotow), früher freier Techniker für Konzerte, heute für Streams:

„Meine Auftragslage ist bis auf wenige Livestream­Veranstaltungen quasi bei null. Ich arbeite sonst auch für andere Clubs, Galas, Betriebsveranstaltungen oder Festivals und musste jetzt übergangsweise Hartz IV beantragen. Für Förderungen von der Stadt habe ich mich auch beworben, aber leider greifen die nicht für jeden und sind alles andere als unbürokratisch. Natürlich ist eine schnelle Öffnung von Konzerten und Partys schwierig, aber es würde zumindest psychisch schon mal helfen, wenn die Regierung uns mitdenkt und nicht links liegen lässt.“

 

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Cover Szene Juni 2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Mai 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Bedrohte Zukunft: Molotow muss bleiben!

In diesem Monat erlebt der Musikclub Molotow seinen 29. Geburtstag. Das wird groß gefeiert. Doch die Zukunft des Ladens ist erneut bedroht

Text: Ole Masch

 

Seit einigen Wochen sind die schwarz-roten Plakate und Aufkleber an den Stromkästen und Straßenlaternen dieser Stadt kaum zu übersehen. „Molotow Must Stay“ oder „Molotow muss bleiben“ ist dort zu lesen. Wer aber glaubt, dass der Club damit seinen Geburtstag ankündigt irrt. Schon häufig kämpfte das Molotow ums Überleben, aber die Zukunft im Neubau auf dem ehemaligen Esso-Häuser-Gelände schien nach der Rückkehrrechts-Zusage des Investors gesichert. Und auch das Ausweichquartier in den früheren Räumen der China Lounge mit seinem gemütlichen Hinterhof, wirkt wie die perfekte Zwischenlösung.

Doch der Eindruck täuscht. Das Molotow schreibt auf seiner Facebook-Seite, dass eine Rückkehr in das sogenannte Paloma-Viertel mittlerweile unklar sei. Zwar habe sich an der Rückkehroption und dem Interesse des Clubs dort wieder hinzuziehen nichts verändert, meint Betreiber Andi Schmidt gegenüber SZENE HAMBURG. „Wir haben bisher nur noch kein für uns bezahlbares Mietangebot bekommen“.

 

„Wenn ich träumen darf, …“

 

Ein weiteres Problem: Das Gelände am Spielbudenplatz liegt seit Jahren brach. Die Bayrische Hausbau, Eigentümerin des Esso-Häuser-Areals, schreibt auf ihrer Internetseite über die Fertigstellung der neuen Bebauung von Mitte 2022. „Das gesamte Konzept für den momentanen Standort, inklusive Finanzierung, war ab 2014 nur für vier Jahre geplant, so Schmidt. „Bis dahin sollte das Paloma-Viertel fertig und wir am Nobistor eigentlich schon wieder raus sein.“ Wie lange man am jetzigen Standort bleiben könne, sei ebenfalls unklar. „Wenn ich träumen darf, würde ich mir jemanden wünschen, der das Gebäude am Nobistor kauft, es zu einer bezahlbaren Miete an das Molotow vermietet und es für immer als Live-Club erhält.“

Nicht wenige dürften dabei an die Stadt denken, die mit dieser Lösung einen Betrag für den Musikstandort Hamburg leisten könnte. Ob dies jedoch geschieht, steht in den Sternen. Gefeiert wird ein Jahr vorm runden 30. Geburtstag natürlich trotzdem. Andi Schmidt verspricht ein denkwürdiges Fest mit Livebands wie Strange Bones, Sons, Bilk, Thee MVPs und Calva Louise. Dazu eine ganz spezielle Tombola, eine Sonderausgabe des legendären Pub Quiz und Musik von den Motorboooty DJ. Bei diesem Programm geht bekannte Losung natürlich leicht über die Lippen: Molotow muss bleiben!

Molotow: Nobistor 14 (St. Pauli)
16.11.19, 18 Uhr


szene-hamburg-november-2019Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, November 2019. Titelthema: Sexualität. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Lokale Newcomer beim Molotow Cocktail Festival

Zahlreiche hoffnungsvolle Hamburger Musiker präsentieren sich im Reeperbahn-Schuppen

Text: Erik Brandt-Höge

 

Es ist schummrig, Schweiß liegt in der Luft, Gitarrenriffs krachen von der Bühne in die Menge: eine typische Molotow­-Szene. Der Club auf der Ree­perbahn, den Musikfachblätter regelmäßig in ihren Beliebtheitslisten für Locations weit oben platzieren, ist seit bald 30 Jah­ren ein Zuhause von Rockbands und ihren Fans, von Partymachern aus ganz Ham­burg, ach, aus der ganzen Welt. Nicht sel­ten starteten spätere Weltstars im Molotow ihre Karrieren, Gruppen wie Mando Diao und The Hives standen hier schon auf der Bühne.

 

Offene Türen für Newcomer

 

Auch kleine Festivals gibt es im Club und dessen Hinterhof. Die Burger Invasion etwa, benannt nach dem legen­dären kalifornischen Underground-­Label Burger Records, bietet jährlich die spannendsten Punk­-Combos. Und eh klar, dass das Molotow kürzlich wieder einer der Top-­Spielorte des Reeperbahn Festivals war. Bekannt ist zudem, wie sehr es den Molotow-­Machern ein Anliegen ist, hoffnungsvollen Newcomern zu helfen, vor allem denen aus Hamburg. Jungen, talentierten und zum Molotow passenden Formationen und Solokünstlern stehen die Türen seit jeher weit offen.

Zum Molotow Cocktail Festival sind nun zahlreiche lokale Künstler eingeladen, die womöglich bald schon nicht mehr in Läden die­ser Größe zu sehen sein werden. Beson­ders vielversprechend sind zum Beispiel Moped Ascona, deren angestachelten Gi­tarrensongs ziemlich fix alles und jeden vereinnahmen.

Die Cigaretten könnten mit ihrem Mix aus Pop, Punk und Wave freilich jetzt schon Hallen jenseits der 500-­Zuschauer­-Marke beschallen. Glue Teeth brillieren mit Schreihals-­Punk in Perfektion. Und Melting Palms sorgen für ein wenig melancholische Hymnik mit stark Hall­ beladenen Indie­-Rock-Stücken, die bereits international relevant erscheinen.

Viele weitere Live-­Acts wird es geben beim Molotow Cocktail Festival, unter ihnen Matrone, The Kecks, Fluppe, Leto, O Joe & The Tarantula, Highcoast und Goblyn. Ein Abend wie gemacht, um zu erleben, wie breit gefächert Hamburgs musikalische Nachwuchslandschaft ist.

Molotow Cocktail Festival: Molotow, Nobistor 14 (St. Pauli), 26.10.19, 18 Uhr


Szene-Oktober-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Oktober 2019. Titelthema: Neu in Hamburg. Das Magazin ist seit dem 28. September 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Reeperbahn Festival 2019: Newcomer & Netzwerker

Auch die diesjährige Ausgabe des Reeperbahn Festivals bietet Unterhaltungshöhepunkte en masse

Text: Erik Brandt-Höge
Foto (o.): Marvin Contessi

 

Es ist Europas größtes Club­festival, Treffpunkt für Mu­sikschaffende aus der ganzen Welt und, nicht zuletzt, eine Riesenchance für Newcomer aus allen denkbaren Genres, sich vor der breiten Masse zu prä­sentieren: das Reeperbahn Fes­tival. Rund um die Partymeile von St. Pauli stehen auch in diesem Jahr wieder Highlights aus Musik, Film, Literatur und Bildender Kunst auf dem Programm, 900 Veranstaltungen sind es zusammen, auch Kon­ferenzen, Sessions, Showcases, Networking­-Events und Preis­verleihungen zählen dazu. Prinzenbar, Molotow, Uebel & Gefährlich, Imperial Thea­ter, Elbphilharmonie: An ins­gesamt 90 Spielorten zieht das Festival vom 18. bis 21. Septem­ber ein.

Erstmals wird auch das Planetarium für eine besondere Festivaleinlage genutzt: Der isländische Multiinstrumentalist, Songschreiber und Produzent Ólafur Arnalds führt im be­rühmten Hamburger Sterneguckerparadies an vier Abenden eine eigens fürs Reeperbahn Fe­stival geschriebene Show auf. Die ist natürlich nicht das ein­zige diesjährige Highlight, wie RBF-­Pressesprecher Frehn Ha­wel erzählt: „Hervorzuheben ist auch unsere neue, glamouröse Eröffnungsveranstaltung ‚Doors Open‘ am Mittwoch im Operet­tenhaus. Unsere Moderatoren Charlotte Roche und Ray Cokes bringen hier in einer kompakten einstündigen Show mit zwei hochkarätigen Live­-Acts (Dope Lemon und Feist; Anm. d. Red.) alle wichtigen Facetten des Ree­perbahn Festivals zusammen.“

 

Seht hier den Trailer für das Reeperbahn Festival 2019

 

Auch die Jury des internationa­len Musikpreises „Anchor“ wird sich im Operettenhaus vorstel­len, nämlich die Produzenten Bob Rock und Tony Visconti, die Musikerinnen Kate Nash und Peaches, Beatsteaks­-Front­mann Arnim Teutoburg­-Weiß und Moderatorin Zan Rowe aus Australien, dem diesjäh­rigen Partnerland des Reeper­bahn-Festivals. Nachdem sich bereits Down­-Under­-Künstler à la Kim Churchill, Parcels und The Temper Trap auf dem Ree­perbahn Festival gezeigt haben, kommen in dieser Ausgabe beim The Aussie BBQ Showcase im Molotow (Freitag) neue Hoff­nungsträger zum Zug.

Ebenso empfehlenswert: die von RockCity Hamburg präsen­tierten Music Women Germany (Donnerstag). Förderung, Ver­netzung und allgemeine Sicht­barmachung von Frauen in der Musikwirtschaft sind die Ziele dieser ersten Dachorganisation für weibliche Musikschaffende in Deutschland. Von Musike­rinnen bis Managerinnen sind alle eingeladen, sich auszutau­schen und ihre Positionen zu stärken. Auch von RockCity ge­managt wird „PopReception“, ein Frühstück mit Fisch, Schnaps und sicherlich einigen anre­genden Gesprächen (Freitag).

Und Besucher, die zwischen Konzerten von beispielsweise Dermot Kennedy, Dagobert, Frittenbude, Mighty Oaks und Tusks verschnaufen möchten, können dies in der Idylle auf dem Arts Playground und dem Vil­lage Future Playground auf dem Heiligengeistfeld bei Getränken und Snacks.

Reeperbahn Festival: 18.-21.9.2019


Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, September 2019. Titelthema: Mobilität – Das bewegt die Stadt. Das Magazin ist seit dem 29. August 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich!


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Burger Invasion: Indie- und Punk-Party im Molotow

Das kalifornische Label Burger Records kommt erneut für eine Präsentation ihres Katalogs ins Molotow und veranstaltet mit der Burger Invasion eine Club-Party mit Live-Musik und kunterbuntem Punk-Merch

Text: Erik Brandt-Höge
Foto: Pooneh Ghana

 

Fullerton, Kalifornien, 2007. Im immer sonnigen Palmentstädtchen haben zwei High-School-Kumpels die Idee von einer eigenen Plattenfirma, und zwar einer sehr speziellen. Sean Bohrmann und Lee Rickard wollen ein Label, das unbekannten Garagenrockbands eine Plattform bietet und sich gleichzeitig einem, nun ja, etwas aus der Mode gekommenen Tonträger widmet: der Kassette. Im industriellen Teil des Küstenortes mieten sie Büroräume und richten sich ein, mit zerknautschten Sofas und Sesseln, Bandpostern als Tapeten und unzähligen, wackligen Regalen – die ziemlich fix voll werden sollen.

Burger Records, wie Bohrmann und Rickard ihr Unternehmen nennen, signt wie verrückt, auch weil die Burger-Philosophie Indie- und Punk-Bands aus der Seele spricht und sie geradezu magnetisch anzieht. In den ersten zehn Jahren kann das Duo mehr als 1.000 Veröffentlichungen realisieren, natürlich vornehmlich auf Tapes.

 

Club-Partys rund um den Globus

 

Eines der Burger-Release-Highlights: Die Punk-Superstars Green Day erlauben ihnen, das legendäre „Dookie“-Album von 1994 auf Kassette herauszubringen. Und neben dem bestens laufenden Tonträgergeschäft veranstalten Bohrmann und Rickard bald sogar ein Burger-Festival. Im nicht weit entfernten Santa Ana lassen sie ihre Künstler auftreten und verkaufen ihren Katalog, gewinnen immer mehr Anhänger und Marktanteile.

Und weil das alles so prima klappt, setzen die Burger-Jungs noch einen drauf: „Burger Invasion“ nennen sie ihre Club-Partys, die sie rund um den Globus veranstalten. Zum dritten Mal kommen sie nun schon ins Molotow, präsentieren Punkrock, kunterbuntes Burger-Merchandising von Shirts über Plakate, Sticker und Buttons, und, eh klar, die Prestigeobjekte des Labels: Kassetten.

Bohrmann: „Lee und ich lieben unser Festival in dieser Stadt. Geradezu surreal zu sehen, dass unser Logo mittlerweile an in so vielen verschiedenen Orten zu sehen ist, vor allem in einer Stadt namens Hamburg.“

Auftreten werden am Burger-Tag im Molotow auf den drei Bühnen des Clubs u. a. die New Yorker Gruppe Surfbort (Punk), Fruit Tones aus Manchester (Garage), die Kasseler Suck (Punk), Jealous aus Berlin (Post-Punk) und – regelmäßige Molotow-Gänger kennen sie längst – die Lokalmatadoren Swutscher (Indie-Rock).

 

 

Burger Invasion: 17.8., Molotow, ab 15 Uhr


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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