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„Jetzt Bayern, Dortmund oder den HSV“

Der FC Teutonia 05 gewinnt das Lotto-Pokalfinale und träumt von einem großen Gegner im DFB-Pokal

Text: Felix Willeke

„Altona hat ein tolles Spiel gemacht“, sagte Jan-Philipp Rose, Trainer vom FC Teutonia 05 nach dem Pokaltriumph gegen Altona 93. In der Tat schlug sich der Absteiger aus der Regionalliga Nord sehr gut im Lotto-Pokalfinale gegen die Teutonen aus Ottensen. Teutonia 05 ging als klarer Favorit in das Spiel. Schließlich hatten sie in der Saison beide Duelle gegen Altona 93 gewonnen. So überraschte es nur wenige, dass Teutonia schon nach zwei Minuten das 1:0 vor knapp 3.000 Zuschauer:innen erzielte – Fabian Istefo verwandelte einen frühen Strafstoß sicher. Auch in den kommenden Minuten war Altona immer einen Schritt zu spät. Das 2:0 für Teutonia nach einem Kopfball durch Can Düzel in der 14. Minute schien die logische Folge. „Wir haben die ersten zehn Minuten verpennt“, sagte Noah Gumpert von Altona 93 nach dem Spiel.

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Altona 93 versuchte in der 2. Halbzeit alles, um noch zum Ausgleich zu kommen, doch Teutonia 05 brachte die Führung über die Zeit (Foto: Erik Brandt-Höge)

Aufbäumen und Verwaltungsmodus

Nach dem Seitenwechsel versuchte Teutonia mit dem 2:0 im Rücken den Vorsprung zu verwalten und Altona 93 kam immer mehr ins Spiel. In der 62. Minute war es dann soweit: Noah Gumpert schlenzte den Ball sehenswert ins lange Eck zum 1:2 und bei den knapp 1.000 Fans von Altona keimte Hoffnung auf. Jedoch die mangelnde Chancenverwertung und ein guter Malte Schuchardt im Tor von Teutonia verhinderten den Ausgleich.

Erster Triumph und Abstiegsfrust

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Freuen sich über den Sieg im Lotto-Pokal: Der FC Teutonia 05 (Foto: Erik Brandt-Höge)

So feiert der FC Teutonia 05 seinen ersten Pokalerfolg im ersten Finale der Vereinsgeschichte. Währenddessen verpasste Altona 93 den ersten Einzug in den DFB-Pokal seit 1993/94. „So wie wir spielen, müssen wir das Spiel gewinnen. Natürlich sind wir total enttäuscht“, sagte Richard Golz, Sportdirektor von Altona, nach dem Abpfiff.

Bei Teutonia hingegen herrscht Euphorie und das zurecht. Spielte der Club noch vor sechs Jahren in der sechstklassigen Landesliga, können sie sich in der kommenden Saison auf ein Spiel im DFB-Pokal freuen. „Bayern, Dortmund oder HSV, wäre auch ein geiles Spiel“, sagte Ridel Monteiro, Mittelfeldspieler von Teutonia 05 nach dem Abpfiff. Das Team aus Ottensen blickt jetzt gespannt auf den 29. Mai 2022 um 19.15 Uhr, dann wird die erste Runde des DFB-Pokal 2022/23 live in der ARD ausgelost – gespielt wird zwischen dem 29. Juli und 1. August 2022. Unterdessen wartet auf Altona 93 eine Saison in der Oberliga. Beide Teams werden sich nach dieser Saison neu aufstellen, so auch Teutonia-Trainer Jan-Philipp Rose, er verlässt den Verein.

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Standen sich im Lotto-Pokal-Finale gegenüber: Altona 93 und der FC Teutonia 05 (Foto: Altona 93, FC Teutonia 05)

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Hamburger Pokalfinale: Alte Bekannte und neue Rivalen

Am Samstag, den 21. Mai 2022, steigt das Lotto-Pokalfinale Hamburg. Um 12.15 Uhr trifft Altona 93 auf den FC Teutonia 05 – eine gewachsene Rivalität unter Nachbarn

Text: Felix Willeke

Nur 600 Meter trennen Altona 93 und den Teutonia 05 aus Ottensen. Nach zwei Derbys in der Liga treffen sie jetzt im Lotto-Pokalfinale aufeinander. In der Regionalliga-Saison gewann Teutonia das Hinspiel in Altona denkbar knapp mit 2:1. Im Rückspiel fiel der Sieg mit 5:1 schon deutlicher aus. Die Favoritenrolle für das Pokalfinale am 21. Mai scheint damit klar. Während Teutonia in der Regionalliga Nord sogar noch kurzzeitig vom Aufstieg in Liga drei träumen durfte, steht für Altona 93 der Abstieg in die Oberliga schon fest. Doch für beide hat das Pokalfinale eine große Bedeutung. Denn abgesehen vom Derby-Charakter verspricht ein Sieg für die kommende Saison die Teilnahme im DFB-Pokal und damit nicht nur eine Prämie von über 100.000 Euro, sondern auch einen potenziell sehr attraktiven Gegner aus der Bundesliga. 

„Er müsste eigentlich noch auf mich hören“

Andreas Bergmann, Trainer von Altona 93

Umgekehrte Vorzeichen

„Altona 93 ist für mich ursprünglicher Fußball“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Ragnar Törber SZENE HAMBURG. Während Altona 93 eine lange Tradition hat, ist Teutonia der Emporkömling. Altona spielte zuletzt in der Saison 1993/94 im DFB-Pokal. Damals verloren sie in der ersten Runde gegen Borussia Dortmund. Für Teutonia ist es hingegen sogar das erste Pokalfinale im Hamburger Landespokal, auch im DFP-POkal war der Verein aus Ottensen noch nie vertreten. Vor sechs Jahren spielten die Teutonen noch in der sechstklassigen Landesliga, heute hat der Kader laut transfermarkt.de einen doppelt so hohen Marktwert wie der von Altona 93. Ein Aufstieg, der ohne Investoren wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre.

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Stehen sich im Lotto-Pokal-Finale gegenüber: Altona 93 und der FC Teutonia 05 (Foto: Altona 93, FC Teutonia 05)

Konfliktpotenzial und alte Bekannte

Doch nicht nur ideologisch – Tradition versus Investoren – unterscheiden sich die Clubs. Aktuell läuft ein Konflikt rund um den Stadionneubau von Altona. Teutonia möchte auch gern zukünftig am neuen Standort spielen. Das sorgt für noch mehr Konfliktpotential zwischen den beiden Clubs. Doch abseits der Rivalität treffen beim Pokalfinale auch alte Bekannte aufeinander. Der heutige Interimstrainer von Teutonia, Jan-Philipp Rose, spielte 2004 noch beim FC St. Pauli. Der heutige Trainer von Altona 93, Andreas Bergmann, trainierte damals den Club vom Millerntor und holte Rose zu den Profis. „Er müsste eigentlich noch auf mich hören“, scherzte Bergmann im Vorfeld des Spiels. Das wird Rose am Samstag sicherlich nicht tun, auch wenn er die Favoritenrolle seines Teams nur widerwillig annimmt: „Laut der Tabelle sind wir Favorit, aber ein Finale muss auch immer erst gespielt werden“. 

Lotto-Pokalfinale, Anstoß am 21. Mai um 12.15 Uhr (Einlass ab 11 Uhr) im Stadion Hoheluft.
Tickets gibt es an der Tageskasse. Das Spiel wird zudem im Rahmen des Finaltag der Amateure in der ARD live übertragen. 


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Van Gogh Alive

Vom 25. März bis 8. Juni  2022 zieht die immersive Kunstaustellung „Van Gogh Alive“ nach Ottensen

Text: Anarhea Stoffel

Vom 25. März bis 8. Juni  2022 zieht die immersive Kunstaustellung „Van Gogh Alive“ nach Ottensen in die Gaußstraße. Sie bietet Besuchern ein Multimedia-Erlebnis, das über einen einfachen Museumsbesuch hinausgeht.

Die Veranstaltung verbindet auf Leinwände projizierte Gemälde mit Musik, Licht und Gerüchen zu einer besonderen Erfahrung sowohl für Kinder als auch Erwachsene. Statt still Museumsflure entlangzugehen und Werke von Weitem zu betrachten, kann das Publikum bei dieser Ausstellung vollkommen in die Gemälde des berühmten niederländischen Künstlers  eintauchen und sie mit allen Sinnen wahrnehmen. So geht man beispielsweise an den Leinwänden in Hochauflösung vorbei, während einem Zitronenduft in die Nase steigt und klassische Musik im Hintergrund den Raum erfüllt.

Die multimediale Ausstellung ermöglicht Besuchern einen schnellen Zugang zu den Bildern und die Chance, bedeutende Kunstwerke zu erleben, ohne weit reisen zu müssen. Mit rund 860 Quadratmeter hat der Veranstaltungsort außerdem mehr als genug Platz zum Erleben und Betrachten.

vangogh-alive.de


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Ottensen: Der Kiez der Filmschaffenden

Vor 28 Jahren wurden die Zeise Kinos in Ottensen eröffnet, ein kultureller Hotspot in dem Viertel und überhaupt von ganz Hamburg. Seit 2019 hat hier Matthias Elwardt das Sagen. Er spricht über berühmte Schauspieler als Nachbarn, neue Technologie in den Sälen und sein Haus in Zeiten der Pandemie

Text: Andreas Daebeler

 

Wenn Matthias Elwardt sein Büro in Richtung Friedensallee verlässt, kann es gut passieren, dass er Hamburgs Kult-Regisseur Fatih Akin in die Arme läuft. Oder dem Schauspieler Peter Lohmeyer. „Ottensen ist längst zu einem Kiez der Filmschaffenden geworden, Hans Löw wohnt um die Ecke, Andrew Bird auch, Sibel Kekilli sitzt hier vor unseren Hallen“, sagt Elwardt. Für ihn ist das eine ziemlich willkommene Nachbarschaft. Führt er doch die Geschäfte in den Zeise Kinos, in denen das kulturelle Herz des Stadtteil besonders laut schlägt.

„Die Filmförderung gehört ebenfalls zu unseren Nachbarn, das kannte ich früher am Grindelhof so nicht“, erinnert sich der 58-Jährige. „Früher“ – das meint die Zeit vor 2019, als er nach fast 30 Jahren als Programmchef des Abaton Kinos das wuselige Uni-Viertel verließ, um kurz darauf seine beruflichen Zelte in Ottensen aufzuschlagen. Eingelebt hat er sich schnell. Um dann, wie alle anderen in seiner Branche, voll von Corona und den Lockdowns erwischt zu werden. Schotten dicht, kein Betrieb, keine Zuschauer – schwierige Zeiten.

 

Neue Ideen in der Pandemie

 

Den Blues hat Matthias Elwardt deswegen nicht. „Ich bin ziemlich resilient, das Wort habe ich in den vergangenen Monaten erst kennengelernt“, sagt er. „Man kann aber auch wirklich nicht sagen, dass die Kultur von der Politik im Stich gelassen wurde, da waren andere Branchen schlechter dran“, ergänzt der Zeise-Chef. „Für Filmkunstkinos gab es gute Hilfen.“ In Ottensen sei aus der Not sogar eine Tugend gemacht worden. Etwa indem neu aufgelegte Fördertöpfe genutzt worden seien. „Wir konnten einen Geburtsfehler unseres Kinos beheben, haben jetzt endlich eine Klimaanlage. Und die Tontechnik war immer gut, aber ist jetzt top.“ Zudem seien während Corona auch Ideen entstanden, die nach der Pandemie weiter funktionierten.

„Das Wunschkino wird es sicher auch weiterhin geben“, sagt Elwardt. Das Konzept ermöglicht es, einen der drei Säle samt Film für private Vorstellungen zu mieten. „Das hat sich nach dem ersten Lockdown angeboten und wird sehr gut angenommen, die Leute lieben das.“ Auch der Kultursommer mit Lesungen und Konzerten vor den ohnehin beliebten Open-Air-Vorführungen des Zeise im Innenhof des Altonaer Rathauses habe funktioniert. „Das werden wir sicher weiter so machen.“ Ein akutes, von der Pandemie geschaffenes Problem hingegen sei, dass große Tageszeitungen in Hamburg in den vergangenen Monate ihre Berichterstattung über Kino und Filme sehr stark reduziert hätten. „Ich weiß nicht, ob das mal wiederkommt, aber ich hoffe es. Vor allem für die kleinen Filme wäre das unheimlich wichtig.“

 

Das Zeise: Ein Kino mitten im Leben

 

Poetry Slam im Zeise mit Michel Abdollahi in der ersten Reihe. Zwei Reihen dahinter sitzt der heutige Geschäftsführer Matthias Elwardt, damals noch als Gast (Foto: Zeise Hamburg/Jan Brandes)

Poetry Slam im Zeise mit Michel Abdollahi in der ersten Reihe. Zwei Reihen dahinter sitzt der heutige Geschäftsführer Matthias Elwardt, damals noch als Gast (Foto: Zeise Hamburg/Jan Brandes)

Der Umbau der früheren Schiffsschraubenfabrik zum Zentrum für Stadtteilkultur ist ein Leuchtturmprojekt für Hamburg. Die Geburtsstunde des Kinos liegt mittlerweile 28 Jahre zurück. Damals galt der Umbau der ehemaligen Schiffsschraubenfabrik in Ottensen sowohl architektonisch als auch in puncto Stadtteilkultur als Leuchtturmprojekt. Die 1869 von Theodor Zeise erbauten Hallen atmen noch heute Hamburger Wirtschaftsgeschichte. Mehr als hundert Jahre wurden dort Antriebsschrauben hergestellt und in alle Welt exportiert.

Heute verbindet sich das rustikale, ziegelrote Industrie-Hallen-Flair gekonnt mit moderner Glas-Stahl-Architektur. Umgeben von Kneipen, Cafés und jeder Menge Leben werden im Zeise häufig Filme jenseits des Mainstreams gezeigt. Arthouse hat hier ein Zuhause, der deutsche Film findet seine Bühne. Und eben auch die Akteure von vor und hinter der Kamera. Nur zu gern lädt Matthias Elwardt Regisseure, Schauspieler und Produzenten zu Werkstattgesprächen und Diskussionen ein. Hark Bohm, Lars Eidinger und Tom Schilling etwa waren schon da. Auch Campino, Wim Wenders, Roland Klick, Burhan Qurbani und Nora Fingscheidt kennen den großen Saal, den der Zeise-Chef als einen der schönsten seiner Art in Deutschland beschreibt. Auch und gerade weil er Platz für Veranstaltungen und Begegnungen bietet.

 

Von Detlev Buck zum Poerty Slam

 

Die am 3. März 1993 mit Detlev Bucks Film „Wir können auch anders“ eröffneten Zeise Kinos verfügen heute über drei Vorführsäle mit insgesamt 523 Sitzplätzen. Im großen Saal finden 367 Menschen vor der knapp 60 Quadratmeter großen Leinwand Platz. Aber Zeise ist mehr als nur Kino. Slams haben hier ihre eigene Geschichte. Warum das so ist, weiß Jan-Oliver Lange, der heute das Kultur-Unternehmen „Kampf der Künste“ leitet.

Lange erinnert sich an seine Anfänge als Veranstalter: „Die Idee entstand im Frühjahr 2005. Damals war das Kino in einer wirtschaftlichen Krise und die Geschäftsführerin hatte den Plan, die Spätvorstellung abzuschaffen.“ Er selbst habe damals an der Kino­kasse gejobbt und sich gedacht, das Kino sei so schön, es müsse doch möglich sein, ein Programm auf die Beine zu stellen, dass die Leute auch in die Spätvorstellung lockt. Er habe sich an ein Konzept gesetzt, den Titel „Zeise Latenight“ erfunden und zu seiner eigenen Überraschung das Go bekommen.

Slams sind von Anfang zentraler Bestandteil des Programms. „Ich wusste, dass Michel Abdollahi, mein alter Schulfreund aus der Grundschule Heidacker, eine Zeit lang immer als Bühnenautor zu Poetry Slams gegangen war und dachte, das könnte der richtige Moderator für diese Reihe sein“, erinnert Jan-Oliver sich heute. „Michel hatte zu der Zeit noch nie moderiert – aber er fand die Sache interessant und folgte meiner Einladung, als Moderator bei den Slams einzusteigen.“

 

Die Slams brachten den Aufschwung

 

Das Zeise erlebt vor 15 Jahren turbulente Zeiten, als parallel zur Startphase des Veranstaltungsprogramms eine Insolvenz droht, was die Gesellschafter aber letztlich dann doch abwenden. Es geht also weiter in den Hallen an der Friedensallee. Und ab April 2006 sind die Singer und Songwriter am Start, gleich mit 150 Besuchern. Der Modus für die Veranstaltungen im Zeise ist seitdem annähernd unverändert.

Am ersten Freitag im Monat gibt’s den Singer Slam, am zweiten Freitag sie die Poeten am Start. Der dritte Freitag im Monat gehört den Kurzfilm-Cracks, die sich im Shortfilm Slam messen. „Das Besondere daran ist, dass die Filme nur gezeigt werden, wenn die Filmemacher auch dabei sind“, sagt Elwardt. Anfangs wurden auch die kleinen Säle genutzt, seit Januar 2007 nur noch der große. Und das Zeise hat schon eine Menge Künstler gesehen, die mittlerweile zu Stars wurden. So waren etwa Marc-Uwe Kling, Julia Engelmann, Gisbert zu Knyphausen Torsten Sträter und Hazel Brugger zu Gast.

 

Schauspieler und Regisseure sind gern zu Gast

 

Matthias Elwardt ist seit 2019 Chef der Zeise Kinos. Zuvor war er 29 Jahre lang Programmchef und Geschäftsführer vom Abaton am Grindelhof (Foto: Zeise Hamburg/Heike Blenk)

Matthias Elwardt ist seit 2019 Chef der Zeise Kinos. Zuvor war er Programmchef und Geschäftsführer vom Abaton (Foto: Zeise Hamburg/Heike Blenk)

Doch zurück in die Gegenwart. Und zu Matthias Elwardt, der eine klare Vorstellung von Kino hat, das über das Zeigen von Filmen hinausgeht: „Es sollte ein Ort des Gesprächs und der Diskussion sein und es macht mir selbst großen Spaß, immer wieder neue Schauspieler und Regisseure kennenzulernen.“ Er bekomme oft zu hören, dass die Akteure nur zu gern im Zeise zu Gast seien.

„Lars Eidinger zum Beispiel hat bei uns sein einziges Publikumsgespräch in Deutschland für den Film ‚Persischstunden‘ geführt.“ Viele solcher Begegnungen blieben noch lange in Erinnerung, so Elwardt. „Kürzlich war Jella Haase für eine Vorführung ihres Films ‚Lieber Thomas‘ hier bei uns zu Gast, wir waren ausverkauft, eine junge Frau aus dem Publikum fragte die Schauspielerin, was sie aus der Arbeit an dem Film mitgenommen habe.“ Jella Haase habe spontan mit einer Gegenfrage geantwortet: „Hast du mich nicht letztes Jahr bei der Premiere von ‚Berlin Alexanderplatz‘ hier im Zeise gefragt, was Glück ist?“ Dass sich die Schauspielerin an ein Publikumsgespräch von vor einem Jahr so gut erinnern könne, sei doch „ein wirklich schönes Kompliment für uns und unser Publikum“, findet Elwardt.

 

„Ich glaube ans Kino und bin guter Dinge“

 

Hat er angesichts des Trends zu Streaming zunehmend Angst vor der Zukunft, wenn es um seine Branche geht? „Es ist nur schwer zu beurteilen, wie sich die Situation entwickeln wird. Dafür brauchen wir wieder normale Zeiten“, sagt Elwardt. Aber auch: „Kino wird die Lokomotive bleiben, es ist der unkomplizierteste Ort, wenn es um den Genuss von Kultur geht.“ Abgesehen davon seien Produktionen wie „James Bond“ nur mittels des Kinos überhaupt zu refinanzieren.

„Netflix bekommt eine Serie für 20 Millionen, aber eine Marvel-Verfilmung kostet eine Viertelmilliarde.“ Auch gehe er nicht davon aus, dass die Streamingdienste alle überleben. „Der neue ,James Bond‘ ist trotz Corona jetzt schon der dritterfolgreichste ,Bond‘ aller Zeiten, trotz aller Hindernisse und Beschränkungen, die wir aktuell haben. Ich glaube ans Kino und bin guter Dinge.“ Wo sieht er die besonderen Herausforderungen für das Zeise? Es müsse darum gehen, auch bei der Programmgestaltung die Balance zu halten. „Wir haben einen großen, sehr schönen Saal und zwei kleinere, um die Kosten zu decken, müssen wir sehen, dass wir den großen Saal immer halbwegs voll kriegen.“

 

Mehr Aufmerksamkeit für den deutschen Film

 

Und wo sieht ein Kinobetreiber und Fan wie Matthias Elwardt den deutschen Film im internationalen Vergleich? „Der hätte ganz klar mehr Aufmerksamkeit verdient“, antwortet er. „Es gibt viele tolle Filmemacher, wir haben etwa Andreas Dresen und Fatih, aber in Deutschland auch noch so ein althergebrachtes Verständnis von Kultur mit Ballett, Oper und Theater im Zentrum.“ Im Feuilleton werde der Film immer noch etwas stiefmütterlich behandelt.

zeise.de


 Die SZENE HAMBURG Lichtspiele 2021/2022 ist seit dem 11. Dezember 2021 im Handel und im Online Shop erhältlich!

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Kultur auf der Straße: STAMP ist zurück

STAMP ist wieder da. Das Internationale Festival der Straßenkünste feiert vom 17. bis 19. September 2021 seine zehnte Ausgabe

Text: Felix Willeke

 

Vom 17. bis 19. September 2021 geht es wieder rund auf Altonas Straßen. Mit STAMP kehrt das Internationale Festival der Straßenkünste zu seiner zehnten Ausgabe zurück. Zum Abschluss der altonale liegt ein Schwerpunkt des Festivals auf dem EU-Projekt Liberty für Künstler:innen zwischen 18 und 30 Jahren. Das Projekt ist dabei der Rahmen für verschiedenste internationale Künstler:innen wie die Libertikons. Sie zeigen ihre eigene Definition des Freiheitsbegriffs in Foto und Video. Dafür gibt es über das ganze Wochenende hinweg Projektionen 360° Projektionen auf aufblasbaren Kugeln im Park rund um den Platz der Republik.

Danube´s Banks, live immer ein Erlebnis; Foto: Konstanze Habermann

Danube´s Banks, live immer ein Erlebnis; Foto: Konstanze Habermann

 

Danube´s Banks und viel mehr Theater

 

Eines der großen Highlights bei STAMP 2021 ist sicherlich das Auftaktkonzert. Am Freitagabend um 20.30 Uhr geben sich Danube´s Banks die Ehre. Dann darf vor und auf der Bühne am Festivalzentrum getanzt werden. Doch STAMP wäre natürlich nichts ohne sein Theater im öffentlichen Raum. In diesem Jahr sind hierfür Claudia Janke mit ihrer Performance Wavelength Europe, der Seiltänzer Oliver Zimmermann oder der Spanier Pere Hosta mit seinem Programm Sinopsi zu Gast.

Pere Hosta geht mit seiner Tür auf Reisen; Foto: atonale

Pere Hosta geht mit seiner Tür auf Reisen; Foto: atonale

 

Die Nacht der jungen Lyrik

 

Am Sonntagabend wartet dann noch eine Premiere auf die Besucherinnen: Die Nacht der jungen Lyrik. Bei diesem Wettbewerb treten junge Lyriker:innen in die Fußstapfen von Wolf Biermann und anderen bekannten Dichter:innen aus Ottensen. Lyriker:innen bis 30 Jahre konnten sich mit Gedichten zum Thema „Nähe“ für die Nacht der jungen Lyrik bewerben. Eine Jury zeichnet die Gewinner:innen noch am Abend mit Preisen von insgesamt 3.000 Euro aus.

 

altonale.de/stamp-festival


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2021. Das Magazin ist seit dem 28. August 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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TBA // To be announced: Eine Bar mit Nachbarschafts-Feeling

TBA // To be announced: Die schönste Bar ist die eigene Bar, dachten sich die Nachbarn eines Ottenser Hinterhofs – und müssen für das Feierabendbier seitdem nicht mehr weit laufen

Text: Sophia Herzog

 

Möllers, Aurel, Familien-Eck – Ottensen hat viele Bars, die schon seit Jahren fest zur Flaniermeile des Stadtteils gehören. Die besten Schätze verstecken sich meistens aber in den hintersten Ecken: Das TBA // To be announced liegt in einem Hinterhof in der Gaußstraße, eingenistet zwischen Musikschule, Medienagentur und Architekturbüro.

Im Winter knistern hier die Holzscheite in der Feuertrommel, im Sommer stehen die großen Fenster Richtung Hinterhof weit offen, Lampions hängen in den Büschen. „Das Kopfsteinpflaster, die beleuchteten Bäumchen, das ist schon schön“, findet Inhaberin Hannah Bender. Die gelernte Veranstaltungskauffrau eröffnete das TBA 2015 – allerdings nicht im Alleingang. „Die Idee entstand unter Nachbarn“, erinnert sie sich. Gemeinsam mit den Architekten aus dem Büro nebenan setzte sie sich sowieso häufiger abends für ein paar Drinks zusammen. „Warum dann nicht einfach selbst eine eigene Bar aufmachen?“ Gesagt, getan: Mit den Architekten als Gesellschaftern ist Bender seitdem stolze Besitzerin ihres eigenen Lokals.

 

Den „Kleinen Freitag“ zelebrieren

 

Das Nachbarschafts-Feeling der Gründungszeit ist bis heute geblieben: Nach wie vor würde sie mit allen ansässigen Mietern im Hof ein sehr herzliches Verhältnis pflegen, erzählt sie. Inzwischen wird die Bar aber auch von Nicht-Ottensern fleißig besucht. „Das gemütliche Nachbarschaftsgefühl geben wir dann natürlich an unsere neuen Gäste weiter.“

An vielen Abenden vermietet Bender die Bar für Veranstaltungen an Privatpersonen, nicht wegzudenken ist aber der traditionsreiche „Kleine Freitag“ – das gemütliche Beisammensitzen am Donnerstagabend, natürlich inklusive Feierabendbier.

TBA // To be announced: Gaußstraße 136 (Ottensen)


Szene_Hamburg_Februar_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Januar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Ottenser Gestalten: Autofrei für ein besseres Leben

Die Stadt ist voll – vor allem mit Autos. Wer sich bessere Luft und mehr Freiraum wünscht, muss umdenken. Die Bürgerinitiative „Ottenser Gestalten“ sucht Alternativen

Interview: Natalia Möbius und Sophia Herzog
Foto: Ottenser Gestalten

 

Unter dem Namen „Ottensen macht Platz“ hat das Bezirksamt für sechs Monate aus einigen Straßen im Viertel die Autos verbannt. Ist das die richtige Strategie? So sieht Uta Lohmann von der Initiative „Ottenser Gestalten“ die Aktion.

SZENE HAMBURG: Frau Lohmann, Ihre Initiative möchte Ottensen ebenfalls so autofrei wie möglich machen. Ist die aktuel­le Testphase die Erfüllung Ihrer Vision für den Stadtteil?

Uta Lohmann: Tatsächlich haben wir ein anderes Konzept erarbeitet und auf unserer Website sowie im Verkehrsausschuss des Bezirks vorgestellt. Wir wollen in erster Linie Ottensen vom Durchgangsverkehr befreien. Davon setzt „Ottensen macht Platz“ nichts um. Dennoch sind wir froh, dass überhaupt ein Schritt getan wird, den Verkehr in Teilen Ottensens neu zu regeln.

Viele Gewerbetreibende haben trotz des möglichen Lieferverkehrs zwischen 23 Uhr und 11 Uhr Angst um ihre Existenz – zu Recht?

Diese Ängste sind vor jeder Einführung neuer Verkehrskonzepte in aller Welt vorhanden und wie die Erfahrungen zeigen, sind sie unbegründet. London, Paris, Groningen – überall sind verkehrsberuhigte Zonen ein Gewinn für Geschäftsleute. Trotzdem müssen die Ängste ernst genommen werden. Hier muss die Verwaltung Lösungen finden.

Ist das Konzept „Autofrei“ viel­leicht zu radikal gedacht?

Richtig „autofrei“ wird es ja nicht. Wir reden hier von der testweisen Einführung einer Fußgängerzone, mehr nicht. Es ist ein mutiger Beschluss, zu radikal ist er aber nicht. Leider wurde er im Eiltempo gefasst, die Bedürfnisse der Betroffenen wurden nicht richtig bedacht. Wir hatten im Vorfeld eine Bürgerbeteiligung gefordert. Jetzt muss nachgearbeitet werden.

 

„Platz, Ruhe und ein Beitrag zum Klimaschutz“

 

Warum sollten Anwohner par­ken dürfen, aber andere Hamburger nicht? Viele Ottenser fahren ja auch mit dem Auto in andere Stadtteile …

In den meisten Stadtteilen ist kein Platz mehr für die vielen Autos: Der Park-Suchverkehr nervt überall. Wir müssen also umdenken. Ein sofortiges, generelles Parkverbot ist für viele ein zu großer Einschnitt. Erst einmal muss es für die Hamburger attraktiver werden, sich alternativ mit Bahn, Bus und Fahrrad zwischen den Stadtteilen zu bewegen. Wenn alle Stadtteile ermutigt werden und nachziehen, lässt sich so der Autoverkehr innerhalb Hamburgs reduzieren.

Wie realistisch ist es, dass sich ein autofreies Konzept in Zukunft durchsetzt?

Ich wette, dass viele nach der sechsmonatigen Testphase gar nicht mehr zurück möchten: endlich Platz, Ruhe, gute Luft und ein Beitrag zum Klimaschutz. Wer will das wieder eintauschen?

Ottensergestalten.de


Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, September 2019. Titelthema: Mobilität – Das bewegt die Stadt. Das Magazin ist seit dem 29. August 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Szene #backstage – mit Jim Kroft

Ein Schotte für ein Redaktionskonzert: Jim Kroft kommt mit Gitarre und Verstärker – und ihr seid am 30.8. mit dabei!

Zwölf Jahre ist es her, da kam Jim Kroft von Schottland nach Deutschland. In seinem Van waren nicht viel mehr als eine Gitarre und ein Verstärker, in seinem Kopf dafür zig Ideen. Seitdem hat der Musiker, Dokumentarfilmer und Fotograf viel gemacht und geschafft – unter anderem das Album „Love In The Face Of Fear“, das am 15. November erscheint.

Eine Stimme, die noch immer nach Aufbruch klingt, Melodien voller Euphorie und Texte mit Tiefgang: Dieser Schotte macht uns großen Spaß.

/ EBH / Foto: Lucas Dietrich

Los geht’s am Freitag, 30.8. um 19 Uhr in den Redaktionsräumen der  SZENE HAMBURG in der Gaußstraße 190c. Das Beste: Wir verlosen 12×2 Gästelistenplätze. Einfach eine E-Mail mit Betreff „Kroft“ bis 25.8. an verlosung@vkfmi.de schicken.


Perserteppich, Yuccapalmen, Lichterketten und gute Geschichten: Das ist das Rezept für die ­SZENE HAMBURG-Redaktionskonzerte. In unseren Räumen waren unter anderen schon Fotos, Y’akoto, Vivie Ann, EUTZIBBZ, The Bland und Abramowicz zu Gast und haben vor SZENE-Lesern und -Redakteuren Akustik-Sets gespielt.

 

So war’s die letzten Male bei SZENE HAMBURG #backstage:

 

Heute live bei uns in der Redaktion: The Bland aus Schweden. #szenebackstage ❤️👏🏻

Fünf Schweden für ein Redaktionskonzert: The Bland waren mit sommerleichtem Indie-Pop zu Gast bei uns in der Redaktion. ❤️👏🏻 #szenebackstage

Gepostet von Szene Hamburg Stadtmagazin am Montag, 24. Juni 2019

Abramowicz sind der Hammer und waren zu Gast bei unserem Redaktionskonzert #szenebackstage. 🖤❤️🖤❤️🖤Nicht verpassen: ✔️Release-PARTY am 19.4. im Molotow! ✔️Release-KONZERT am 11.5. auch im Molotow! 😘

Gepostet von Szene Hamburg Stadtmagazin am Dienstag, 16. April 2019


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Diese Hamburger Kitas lassen der Fantasie freien Lauf

Kinder sind nicht gleich Kinder, Kita nicht gleich Kita. Drei Porträts von Hamburger Einrichtungen, die auf ganz unterschiedliche Sozialisierungskonzepte setzen

Text und Fotos: Erik Brandt-Höge

Kita Küstenkinder: Der Gang-Gedanke

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In Gruppen kreativ: die Küstenkinder

Erste und einzige Regel: Um neun Uhr da sein. Denn dann beginnt der Tag gemeinsam beim Frühstück. Mehr Vorgaben macht die Leitung der Kita Küstenkinder nicht. Auch dann nicht, wenn die Eltern weg und alle Kinder in ihren Gruppen gelandet sind. Für die lockere pädagogische Haltung gibt es zwei Gründe. Erstens: Die blühenden Kinderfantasien sollen nicht eingeschränkt werden. „Kinder sollen ihre Freiräume haben und sich in ihrem Tempo bewegen“, sagt Florian Berends, einer der beiden Kita-Leiter. „Schreibt man ihnen zu viel vor, nimmt man ihnen diese Möglichkeit.“ Und Zweitens: die erwähnten Gruppen.

Die Küstenkinder setzen auf ein geschlossenes Konzept, das den derzeit 80 Kindern im Haus schon genug Struktur sei, erklärt Berends: „Wir glauben, dass sich Gleichaltrige mit ähnlichen Interessen am besten in altershomogenen Kontexten beschäftigen können. In den Gruppen entscheiden dann die Kinder, was passiert. Und wenn jemand mal die Gruppe wechseln möchte, ist das gar kein Problem.“

Inklusive ist Trumpf

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Kinder fördern durch Kunst

Auf den drei Kita-Ebenen, zu denen auch eine tennisplatzgroße Dachterrasse mit Spielplatz zählt, ist für die kleinen Küsten-Gangs einiges zu entdecken. Da gibt es Bewegungs- und Ruheräume, Konstruktions- und Lesezimmer, und die langen Flure mit den vielen feinen Holzbauten. Krippen- bis Vorschulkinder können auf jedem Kita-Quadratmeter Mini-Abenteuer erleben.

Dabei arbeiten Berends und seine 16 Kolleg:innen konsequent nach dem Inklusionsansatz. Ihre Überzeugung: „Jedes Kind ist anders, nur darin sind sie alle gleich.“ Es gibt den Richtwert, drei Integrationskinder in jeder Gruppe (16–18 Kinder) zu haben, abhängig von der Gruppendynamik. Sie sollen genauso am Geschehen teilnehmen können wie alle anderen. Und da sämtliche Kinder und Eltern durch die Gruppen feste Bezugspersonen haben, entsteht eine fast familiäre Atmosphäre – nicht unwichtig für die 0–6-Jährigen, wenn es um ihre Orientierung im Alltag gehe, so Berends.

Kita Küstenkinder: Holstenstraße 156 (Altona-Nord)

WABE-Kita Jenfelder Au: Die All-inclusive-Erziehung

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Volles Kinderverwöhnprogramm in der WABE-Kita Jenfelder Au

„Zwei Dinge hatten wir, die unsere Kindheit zu dem machten, wie sie war – Geborgenheit und Freiheit.“ Ein Astrid-Lindgren-Zitat, das nach großem Glück in jungen Jahren klingt.

Für ausreichend Kinderglück wollen Kita-Leiterin Danielle Klook und ihre 17 Mitarbeiter:innen mit dem Konzept der Offenen Pädagogik der Achtsamkeit sorgen. Bei den Konzept, das in den 1970er Jahren von Elementarpädagogen entwickelt wurde, geht es darum, den verschiedenen Bedürfnissen und Entwicklungsständen individuell gerecht zu werden. Dabei sind auch in der Jenfelder Au gängige Kita-Rituale angesagt: Vom Rausschubsen der Eltern am Morgen übers Spielen, Toben, Essen, Zähneputzen und Aufräumen bis zu den Elterngesprächen am Tagesende.

Aber in dem dreistöckigen und unter Denkmalschutz stehenden Gebäude am Kuehnbachring ist es voll und ganz den Kindern überlassen, was sie wann, wo und mit wem machen. „Alle Pädagogen bei uns haben eine offene Haltung gegenüber den Kindern, die, sobald der Kita-Tag startet, frei entscheiden, in welchen Raum sie gehen und welches Angebot sie nutzen“, so Klook. Und Räume gibt es einige, alle hell gehalten, alle hochwertig ausgestattet. Allein die detailverliebten Holzkreationen, vom Maltisch bis zur Abenteuerrutsche, machen ordentlich was her.

Alles ziemlich Lindgren-mäßig

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Eine Bewegungsbaustelle für die Kinder der WABE-Kita

Das Angebot an Aktivitäten gleicht dem eines Fünf-Sterne-All-Inclusive-Hotels – natürlich mit ausgebildeten und regelmäßig fortgebildeten Fachkräften anstelle von Animateuren. Kinder können Klettern, Wippen, Basteln, Bauen, in Bällchen baden, sich mit Büchern vergnügen, Tanzen, Musik machen und, und, und. Es gibt eine Kinderküche und ein Kinderrestaurant, Schlaf- und Rückzugsräume und – Achtung! – einen Gesundheitsbereich mit Kneippbecken und Infrarotsauna.

Natürlich gibt es auch Regeln, die etwa während der täglichen Kinderkonferenz besprochen werden. Klook: „Jedes Kind hat einen Bezugserzieher, der unter anderem für die Eingewöhnung zuständig ist und die Elterngespräche führt. Zu ihm gehen die Kinder in der Konferenz. Jedes Kind kommt zu Wort, es kann über alles geredet werden: Probleme, Geburtstage, das Wetter.“ Partizipation wird in der Jenfelder Au großgeschrieben, wo sich derzeit 82 Kinder in einer Krippe, einem Elementarbereich und einem Eltern-Kind-Zentrum (Beratung und Spiele für Eltern und Kleinkinder) ziemlich Lindgren-mäßig wohlfühlen.

WABE-Kita Jenfelder Au: Kuehnbachring 6 (Jenfeld)
*WABE e. V. steht für Wohnen, Arbeiten, Betreuen, Entwickeln und ist anerkannter Hamburger Kinder- und Jugendhilfeträger, überparteilich und überkonfessionell. WABE ist Mitglied in den Paritätischen Wohlfahrtsverbänden Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie im Forum Sozial e.V. in Schleswig-Holstein

Lorenzini Kunst-Kita Frieda: Selbst ist das Kind

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Pyramiden-Puzzle: Auch beim Spielzeug setzt die Frieda auf Transparenz

Licht an, und es wird bunt. Transparente Plastikquadrate strahlen auf einem extragroßen LED-Pad in Grün, Gelb, Blau, Orange und Rot. Zusammengesteckt werden sie zu einer Pyramide. Nur eine von zig Beschäftigungsmöglichkeiten in der Lorenzini Kunst-Kita Frieda, die von den 17 Mitarbeiter:innen vorbereitet werden. Überhaupt: Vorbereitung, das ist hier die halbe Miete, wie Jana Berndt, pädagogische Leiterin der Einrichtung, erklärt: „Wir sind davon überzeugt, dass jedes Kind immer lernen möchte, und zwar von ganz alleine. Erzieher arbeiten hier eher begleitend, motivieren die Kinder in verschiedene Richtungen und eröffnen neue Themen, sobald es notwendig ist.“

Soll heißen: Der Raum funktioniert in der Frieda wie ein gedeckter Tisch, essen dürfen die Kleinen völlig selbstständig. Spezialität des Hauses: natürlich Kunst. Berndt: „Die Kunst ist bei uns immer anwesend, weil sie eine tolle Möglichkeit für die Kinder ist, sich auszudrücken.“ Herzstück der Frieda ist deshalb neben einem Rollenspiel- und Theaterraum sowie einer Vorschul-Lernwerkstatt im Gebäude gegenüber ein riesiges Atelier. Unzählige Maltuben, Pinsel, Leinwände, eine Ton- und eine Holzwerkstatt: Alles da, um sich kreativ auszutoben.

Kinder können mehr

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Ein groß angelegtes Atelier gibt es im Zentrum der Kunst-Kita

Aktuell tun das 32 Krippen- und 52 Elementarkinder. Und wenn es mal keine Kunst-Action, sondern nur ein bisschen Herumlümmeln sein soll, geht das auf den überall in der Kita verteilten Polstermöbeln, watteweichen Sofas und Sesseln, die zusammen mit Stehlampen und Nierentischchen eine warme Wohnzimmeratmosphäre ergeben. „Es soll sich hier wie zu Hause anfühlen“, sagt Berndt.

2012 eröffnet, ist die Frieda eine von vier Lorenzini-Kitas in Hamburg – benannt nach der Gründerin Antje Lorenz – die sich nach der Reggio-Pädagogik richten, also der Annahme, dass Kinder von Beginn an in der Lage sind, sich selbst zurechtzufinden und im sozialen Kontext zu bilden.

Erzieher:innen agieren als Gastgeber:innen und Vertrauenspersonen, sind immer da, aber eben im Hintergrund. Außerdem wichtig im Reggio-Kontext: Transparenz. Alle Frieda-Türen sind verglast, jeder sieht jeden, alle inspirieren alle – zum Beispiel beim Bauen einer bunten Pyramide.

Lorenzini Kunst-Kita Frieda: Friedensallee 260 (Ottensen)


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Rindchen schlemmt – im Erdbeerfressenden Drachen

Der Erdbeerfressende Drache – Ob Omakase-Überraschungsmenü nach japanischer Manier oder Essen à la carte: Hier steckt überbordende Kreativität in jedem Gericht

Text: Gerd Rindchen

Das kulinarische Ottensen ist um eine Attraktion reicher. Denn Thorsten Gillert, erprobter Fahrensmann auf den Meeren der Kulinarik, hat hier bei seinem neuesten Baby alles an Erfahrung und Weltläufigkeit in die Waagschale geworfen, was er während seiner langen Spitzenkochkarriere so angehäuft hat.

Früher, in seinem ehemaligen Artisan im Schanzenviertel, hatte Gillert die kulinarische Diktatur ausgerufen: Es gab nur ein Menü, das man in verschiedener Ganganzahl verzehren konnte. Heute, nach seiner Zeit als Küchenchef auf der MS Europa, präsentiert er sich altersweise als lupenreiner Demokrat. Im Erdbeerfressenden Drachen stehen lauter fantastische kleine Gerichte auf der regelmäßig wechselnden Karte, die von der überbordenden Kreativität des Maestros profitieren und förmlich dazu einladen, sie sich zu zweit zu teilen. Alles ist stilsicher komponiert und wartet zumeist mit überraschenden, aber nie bemühten und immer funktionierenden Aromenkombinationen auf.

 

Eine Reise durch die Welt des Geschmacks

 

Außerdem ist es preislich ziemlich fair. Ob Fjordforelle, weißer Spargel und Waldmeister (11 Euro), Ente, Anis und Kaffee (12 Euro), Matjes, Miso & Ingwer (9 Euro), Kalbsbäckchen und Nordseekrabben (13 Euro), Scharfe Schweinerolle (9 Euro) oder Irisches Lamm und Artischocke (14 Euro): All das ergibt eine facettenreiche, inspirierende und animierende Reise durch die Geschmackswelt.

Für den normalen Hunger empfiehlt es sich, zu zweit circa sechs bis sieben Gerichte zu bestellen und lustvoll zu teilen – dann hat man eine tolle Vielfalt genossen und ist mit ca. 35 bis 40 Euro pro Nase dabei. Wer seinen Verstand an der Garderobe abgeben und gar nicht nachdenken will, kann sich das von Thorsten Gillert seiner „Koch-Mentorin“ Oma Kase gewidmete, fünfgängige Überraschungsmenü für 43 Euro bestellen – und wird vermutlich ähnlich beglückt und überrascht nach Hause gehen, wie die À-la-carte-Esser.

Der Erdbeerfressende Drache: Spritzenplatz 4 (Ottensen)


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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