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70 Millimeter im Savoy

Das Savoy ist das einzige Kino in Hamburg, das Filme in 70mm abspielen kann. Filmvorführer Achim Orlia gewährte am Preview-Abend des neuen Paul Thomas Anderson- Films „Licorice Pizza“ einen Blick über seine Schulter

Text: Marco Arellano Gomes

 

Achim Orlia steht am Eingang des Savoy Filmtheaters. Es ist Mittwochabend, 26. Januar, 19.30 Uhr: Freundlich begrüßt er die einzelnen Gäste, prüft den Impfstatus, wünscht „viel Spaß“. Das Foyer füllt sich – keine Selbstverständlichkeit in diesen Zeiten! Zwei Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter reichen Tickets, Softgetränke und Popcorntüten über den Tresen. Mal wird Deutsch gesprochen, mal Englisch. Das Savoy ist bekannt dafür, Filme im Original zu zeigen – ohne Untertitel. Das zieht viel internationales Publikum an, aber auch Filmenthusiasten, die die Originalversion einer Synchronfassung vorziehen.

Auf dem Programm steht die Preview von „Licorice Pizza“, dem neuen, vielfach gelobten Paul Thomas Anderson-Film, in 70mm! Vorführungen mit analogem, „echtem“ Film in diesem besonderen Breitbildformat hat Seltenheitswert. „70mm ist mit Vinylplatten im Musikbereich vergleichbar“, erklärt Gary Rohweder, Leiter des Savoy. Das Breitbildformat, das einen förmlich ins Geschehen hineinzieht, war einst monumentalen Klassikern („Ben Hur“, „Spartakus“) und großen Science-Fiction-Werken („2001: Odyssee im Weltall“) vorbehalten. 70mm verspricht nicht mehr und nicht weniger als das beste Filmerlebnis, das analog möglich ist. 70mm ist der Stoff, aus dem die Träume sind.

 

Die Herzkammer des Kinos

 

Dieser Stoff liegt in den Händen von Achim Orlia, dem Filmvorführer und Haustechniker des Savoy. Der Vorstellungsbeginn naht, weshalb er mit einem Kollegen den Posten tauscht. Achim geht Richtung Kinosaal. Popcorn-Duft liegt in der Luft. Er biegt rechts ab, entschwindet hinter einem goldenen Vorhang, vorbei an einer James Bond-Pappfigur in Lebensgröße, raus in einen Hinterhof. Eine metallene Wendeltreppe führt ca. 10 Meter hinauf zu einer Tür, die mit einem Zahlencode abgesichert ist. Ein kurzer Durchgang noch, dann ist man angekommen, mitten in der Herzkammer des Kinos: dem Vorführraum.

Hier steht die Technik, die das Bild auf die Leinwand und den Ton in die Lautsprecher zaubert: Server, Dolby-Prozessor-, dts-Decoder, Verstärker, Computer, zwei Projektoren – und ein metallener Filmteller mit drei Ebenen. Alles steht dicht an dicht. Eine Lüftungsanlage sorgt dafür, dass die Geräte auf Betriebstemperatur bleiben. Es surrt und dröhnt. Auf der anderen Seite des dunklen, engen Raumes stehen Werkzeugkästen, Kartons, Filmposter-Rollen. Aus einer seitlichen Wand ragt ein altes Waschbecken aus der Gründungszeit des Kinos (1957). Auf der Innenseite der Tür, die zurück zum Foyer und Kinosaal führt, klebt ein Filmposter. Zwei Minions sind darauf zu sehen, die vor einem Umkleidespind stehen. Darüber steht: „Back 2 Work“.

 

Savoy-AO

 

Achim Orlia, 64, ist ein sympathischer, zierlicher Herr mit Brille, bordeaurot-gestreiftem Hemd und blau-grauer Hose. Die Ärmel sind hochgekrempelt, der Blick ist konzentriert. Seit 45 Jahren ist er Filmvorführer, seit fast neun Jahren im Savoy. Als Jugendlicher entdeckte er in seiner Heimatstadt Göttingen die Leidenschaft fürs Kino. Da er sich mit 16 Jahren nicht zu fragen traute, sorgte sein älterer Bruder dafür, dass die beiden einen Blick in den Vorführraum warfen. Achim war sofort fasziniert von der Technik. Wenig später jobbte er im Göttinger Sterntheater als Platzanweiser, verbrachte aber jede freie Minute im Vorführraum. In einer Fachzeitschrift las er vom legendären Savoy in Hamburg mit der riesigen, gebogenen Todd-AO-Leinwand (benannt nach dem Erfinder Michael Todd und dem Unternehmen American Optical).

 

Savoy: Das erste 70mm-Kino in Europa

 

Da der Beruf des Filmvorführers in den 1970er Jahren nicht sehr „vernünftig“ erschien, ließ sich Achim zum Maskenbildner ausbilden und zog 1981 nach Hamburg. Nach nur einem Jahr im Ernst-Deutsch Theater, verlor er aufgrund von Personalabbau seine Anstellung – was ihn zurück zum Kino brachte. 14 Jahre in den Mundsburg Kinos, 16 Jahre im CinemaxX-Dammtor – dann wurde die Stelle „wegdigitalisiert“. Nach der Wiedereröffnung 2013 fing er im von Hans Joachim Flebbe wieder mit Leben erfülltem Savoy an – wo er bis heute blieb. Das Savoy begann 2015 damit, 70mm-Filme zu zeigen und knüpfte damit an die eigene Tradition an. 1957 war es das erste 70mm-Kino in Europa.

Achims Augen leuchten, wenn er über die Vorzüge von 70mm spricht: „Die Auflösung und der Kontrast ist höher, die Farbsättigung und Farbtiefe intensiver, die Tiefenschärfe atemberaubend.“ Der Rückgriff auf diese altbewährte Technik bot sich an, da Quentin Tarantino „The Hateful Eight“ herausbrachte, der das 70mm-Format geradezu zelebrierte. Ein Jahr zuvor hatte Christopher Nolan mit „Interstellar“ 70mm überhaupt wieder ins Spiel gebracht. Es folgten „Mord im Orient-Express“ und „Dunkirk“ (2017); „2001: Odyssee im Weltall“ (2018). „Joker“ (2019) und „Tenet“ (2020). Achim gesteht, mehr auf Melodramen und Musicals zu stehen. Er habe eine endlose Liste an Lieblingsfilmen. Spontan fallen ihm „Cinema Paradiso“ und „Das Hochzeitsbankett“ ein.

 

Der Stoff aus dem die Träume sind

 

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Ein Philips DP75-Projektor wirft im Savoy das Licht durch das 75mm-Filmmaterial in Richtung Leinwand (Foto: Jérome Gerull)

70mm – das ist eine Zahl, die das Herz von Cineasten höher schlagen lässt. Im Vergleich zum üblichen 35mm-Filmmaterial bietet 70mm mehr als dreimal so viel Fläche und somit mehr Detailreichtum. Bildvergrößerungen gehen mit entsprechend weniger Verlusten einher. Es ist das Maß aller Dinge, ein Breitbildformat, das einen in unvergleichlicher Weise in Traumwelten eintauchen lässt. Wenn eine 70mm-Projektion über die Leinwand flimmert, dann ist dies ein Ereignis, Kino in seiner reinsten Form, in epischer Größe, in magischen Sphären. Die Bildqualität ist außergewöhnlich: 70mm ermöglicht Auflösungen von schätzungsweise bis zu 16K (digitales Maß der Dinge sind derzeit 4K). Wenn Achim Orlia über 70mm zu erzählen beginnt, funkeln seine Augen. Es ist die Mischung aus Nostalgie und Perfektion, die auch ihn sichtlich berührt und packt.

Es ist an der Zeit: Vorsichtig nimmt Achim das innere Ende des eingerollten, auf dem Filmteller liegenden Films und fädelt diesen durch mehrere Rollen, die auf unterschiedlichen Höhen und Distanzen auf einer Apparatur befestigt sind. Sie führen zum vorderen Ende des Projektors und wieder zurück auf die obere Tellerebene, wo der Film wieder aufgerollt wird. 24 Bilder pro Sekunde flattern hier gleich durch Raum und Projektor. Elegant und effizient bewegt sich Achim durch die engen Passagen zwischen Projektor, Filmteller und Wand. Jeder Handgriff sitzt. Er packt zwei Rollen aus einem Karton aus und bindet sie in die Konstruktion ein: „Das sind die guten Geister“, sagt Achim. „PTE-Reinigungsrollen: Mit ihrer speziellen, leicht haftenden Oberfläche reinigen Sie den Film vom Staub.“ Perfektion muss sein. Auf Effekthascherei, mit absichtlich gewollten Staubeffekten, verzichtet Achim.

 

Erst Zelluloid, dann Polyester, jetzt digital

 

In sieben Rollen wurde der Film angeliefert. Jede Rolle umfasst etwa 20 Minuten. Achim hat die Teile vorab mit einer Klebepresse und speziellem Tesafilm zusammengeklebt. Gelbe Markierungen zeigen an, an welchen Stellen der Schnitt erfolgte. Die gesamte, fertig zusammengeklebte Rolle wiegt um die 65 Kilo. „Der dts-Ton kommt digital vom Decoder“, sagt Achim. „Ein spezieller Timecode-Reader, durch den der Film ebenfalls hindurchläuft und dafür sorgt, dass der Ton immer synchron ist.“ Als würde er die Frage erwarten, erklärt Achim, dass „Zelluloid aufgrund seiner hohen Entflammbarkeit seit Anfang der 1960er Jahre nicht mehr verwendet“ wird. „Inzwischen bestehen die Filmkopien aus Polyester. Das ist reißfest, kaum entflammbar und umweltfreundlicher.“

Die meisten Filme werden – auch im Savoy – längst digital abgespielt. Die Verleiher senden den Film verschlüsselt auf einer Festplatte an die Kinos. DCP (Digital Cinema Package) nennt sich das Format. Das ist praktikabler und kostengünstiger als die Produktion, der Transport und der arbeitsintensive Einsatz von Filmrollen. Für den Fall, dass die analoge Technik doch mal den Geist aufgibt, läuft ein digitales Backup sicherheitshalber blind mit. „Das ist allerdings noch nie passiert“, sagt Achim. Auf Film, Filmteller (Kinoton ST270) und Projektor (Philips DP75) ist Verlass.

 

Ein Filmtheater für Cineasten

 

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Das Savoy, ein Hamburger Filmpalast (Foto: Marco Arellano Gomes)

Das Savoy ist das einzige Hamburger Kino, das analoge Filmkopien in 70mm abspielen kann und zudem eine gekrümmte Leinwand hat. „Der Filmteller stammt vom Grindel-Kino“, erklärt Achim. Und nicht nur das: „Das Savoy wurde vom selben Architekten entworfen.“ Wer das Grindel-Kino liebte (wie der Autor dieses Textes) wird das Savoy sofort in sein Herz schließen. Deutschlandweit gibt es nur wenige Filmtheater, die 70mm-Vorführungen anbieten. Achim schätzt die Anzahl auf „etwa zehn“, wobei nur etwa vier bis fünf – darunter das Savoy – dies regelmäßig tun. Auch das macht jede 70mm-Vorstellung zu etwas Besonderem.

Doch nicht nur für Filmenthusiasten ist das ein außergewöhnlicher Genuss: „Filme in 70mm ziehen deutlich mehr Publikum an“ so Achim. „Durch die englische Sprache haben wir zudem ein sehr angenehmes, gut aufgelegtes Publikum.“ Wer erleben will, was Regisseure wie Christopher Nolan, Quentin Tarantino oder Paul Thomas Anderson wirklich mit ihren Filmen zeigen wollen, sollte die Lichtspielhäuser besuchen, die das Format hierzu haben. Hamburg hat hierfür das Savoy – ein Filmtheater für Cineasten mit technischem Anspruch und Wertschätzung für Tradition.

Das digitale Vorprogramm ist zu Ende. Die Vorhänge schließen sich. Der Augenblick der Wahrheit ist gekommen: Achim drückt den Start-Knopf. Im Saal öffnen sich die Vorhänge wieder. Der Projektormotor brummt, der Filmteller dreht sich, der Film rattert durch den Projektor. Auf der gebogenen, 18×8 Meter großen Leinwand brüllt der MGM-Löwe. Seine Mähne flattert über die Leinwand – hell, scharf, in 70mm.

Savoy Filmtheater


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2022. Das Magazin ist ab dem 29. Januar 2022 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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„Licorice Pizza“: Immer in Bewegung

In seinem neuen Film „Licorice Pizza“ zeigt Starregisseur Paul Thomas Anderson („There Will Be Blood“), wie charmant die kleinen Geschichten des Lebens sein können. Die Newcomer Alana Haim und Cooper Hoffman bieten eine mitreißende Performance. Ein cineastischer Hochgenuss

Text: Marco Arellano Gomes

 

Wennn Ausnahmeregisseur Paul Thomas Anderson („Der seidene Faden“, „The Master“) einen neuen Film ins Kino bringt, dann ist die Erwartungshaltung unweigerlich hoch – hat er doch mit „Magnolia“ und dem epischen „There Will Be Blood“ bereits unvergessliche Meilensteine des Autorenkinos hingelegt. „Licorice Pizza“ ist kleiner, gewitzter, turbulenter als seine Vorgänger – und dennoch ganz großes Kino.

 

Der Prozess des Erwachsenwerdens

 

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„Licorice Pizza“, der neue Film von Paul Thomas Anderson (Foto: Metro-Goldwyn-Mayer Pictures)

San Fernando Valley, 1973: Fotoassistentin Alana Kane (Alana Haim), Mitte 20, und Teenager Gary Valentine (Cooper Hoffman) verbindet nach einem kurzen Kennenlernen bei einem Fotoshooting fürs Schuljahrbuch eine ungewöhnliche Freundschaft. Mal sind sie sich nah, mal trennen sich ihre Wege, um dann wieder zueinanderzufinden – immer im Unklaren darüber, was sie eigentlich füreinander empfinden. Dabei ist der Prozess des Erwachsenwerdens aufwühlend und verwirrend genug – zwischen großen Träumen und tatsächlichen Gelegenheitsjobs. Auf ihren Wegen treffen die beiden auf bizarre Persönlichkeiten, verkörpert unter anderem von Bradley Cooper („A Star Is Born“) und Sean Penn („Milk“) sowie den Versuchungen einer aus Stars und Sternchen bestehenden Welt der Siebziger, samt Schlaghosen, Schallplatten, Freizügigkeit, Ölpreiskrise, politischen Hoffnungen, New Hollywood und Motown.

 

Ein bewegender Spannungsbogen

 

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Always on the run: Alana (Alana Haim) und Gary (Cooper Hoffman) (Foto: Metro-Goldwyn-Mayer Pictures)

Anderson zeigt eindrucksvoll, dass es die kleinen Geschichten des Lebens sind, die auf der Leinwand einen unvergleichlichen Zauber entfalten. Die beiden Shootingstars, Musikerin Alana Haim und Cooper Hoffman (Sohn der verstorbenen Schauspiellegende Philip Seymour Hoffman), rauben in ihren Spielfilmdebüts allen die Show. Die harmonische Disharmonie zwischen der launischen, aber liebenswerten Alana und dem nerdigen, aber nicht weniger liebenswerten Gary ist amüsant, charmant und warmherzig – und verleiht dem Film bis zum Ende einen bewegenden Spannungsbogen. Auffällig oft wird im Film gerannt. Und so wundert es nicht, dass die beiden Protagonisten nach einem halben Marathonlauf durch die Stadt einmal mehr zueinander finden und sich buchstäblich in die Arme fallen. Direkt vor einem Kino! Wo sonst?

„Licorice Pizza“, Regie: Paul Thomas Anderson. Mit Alana Haim, Cooper Hoffman, Bradley Cooper. 133 Min. Ab dem 27. Januar 2022 in den Kinos

Das Savoy zeigt „Licorice Pizza“ als einziges Hamburger Kino in der 70mm-Originalversion.

 

Hier gibt‘s den Trailer zu „Licorice Pizza“:

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2022. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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November in Hamburg: Zeit für Filmfeste

Draußen ist es kalt und nass, da kommt ein warmes und gemütliches Kino gerade recht. Im November 2021 finden in Hamburg drei Filmfeste statt. Dabei gibt es fantastisches im Savoy Filmtheater, Filme vom afrikanischen Kontinent im Studio-Kino und zum Schluss das cinefest

Texte: Marco Arellano Gomes & Rosa Krohn

 

Fantasy Filmfest

 

Vom 31. Oktober bis zum 7. November 2021 gibt es im Savoy Filmtheater acht Tage Horror, Splash und Trash vom Feinsten. Kurz: das Fantasy Filmfest. 37 Filme gibt’s zu sehen, einer grauenvoller als der andere – im positiven Sinne natürlich! Denn um das Grauen geht es bei dieser Sammlung von Filmen aus unterschiedlichsten Genres zumindest auch – vom Thriller über Science-Fiction bis hin zum blanken Horror gibt es jede Menge Special Interest. Jede Menge „Filme, die aus der Reihe tanzen, auffallen, fordern und überfordern, mit Konventionen brechen und provozieren“, wie das Filmfest betont. Der Eröffnungsfilm „Gunpowder Milkshake“ lässt es ordentlich knallen, besonders sehenswert ist der isländische Horrorfilm „Lamb“ mit Noomi Rapace. Seit 35 Jahren ist das Fantasy Filmfest ein Muss für alle Cineasten mit Faible zum Gruseln.

Fantasy Filmfest, vom 31. Oktober bis 7. November 2021 im Savoy Filmtheater; fantasyfilmfest.com

 

Afrikanisches Filmfestival Hamburg

 

Zum zehnten Mal wird in Hamburg mit dem Afrikanischen Filmfestival der Vielseitigkeit des Lebens auf dem afrikanischen Kontinent eine Plattform gegeben. Vom 3. bis 14. November 2021 werden Projekte von Filmschaffenden vom gesamten Kontinent präsentiert. Zur Eröffnung im Kulturzentrum der Afrodiaspora in Barmbek, dem Afrotopia, ist auch Kultursenator Dr. Carsten Brosda zu Gast. Das eigentliche Festival beginnt am 4. November mit dem Dokumentarfilm „Gardenie Nocturne – Night Nursery“ im Studio-Kino. Hinzu kommen VR-Filme in der Bücherhalle Altona. Für die Eröffnung gilt die 3G-Regel, im Studio-Kino die 2G-Regel.

Afrikanisches Filmfestival Hamburg, vom 3. bis 14. November 2021 im Studio-Kino und der Bücherhalle Altona; augen-blicke-afrika.de

 

Cinefest

 

Im Metropolis findet vom 12. bis 21. November 2021 das cinefest statt. Schwerpunkt sind die Karrieren ost- und mitteleuropäischer Filmschaffender, die ins Exil vertrieben wurden. Darunter zahlreiche polnische und ukrainische Filmemacher, die nach Gründung der Sowjetunion vor der Wahl standen, weiterzuarbeiten oder in den Westen zu gehen. 30 Filme sind zu sehen. Am 4. und 9. November gibt es darüber hinaus eine cinefest Preview im Abaton und am 24. und 25. November ein cinefest Encore-Programm im Metropolis und im Alabama Kino. Zusätzlich werden die Filme auch auf dem Streamingkanal Metropolis+ gezeigt. Für das cinefest gilt die 2G-Regelung.

Cinefest, vom 12. bis 21. November 2021 in mehreren Kinos; cinefest.de

Horror aus Island gefällig? Hier gibt‘s den Trailer zu „Lamb“, zu sehen beim Fantasy Filmfest:

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Oktober 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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#MOINKINO: Kostenlos Hamburger Kinos besuchen

Bei #MOINKINO gibt es zur Wiedereröffnung Freikarten in 16  Hamburger Kinos

Text: Felix Willeke

 

Unter dem Motto „MOIN – Die erste Runde geht auf uns“ startet eine besondere Aktion zur Wiedereröffnung der Kinos. Vom 1. bis 4. Juli 2021 gibt es in Hamburg und Schleswig-Holstein in insgesamt 50 Filmhäusern Freikarten für eine Vorstellung. „Mit der Kampagne möchten wir den Neustart des Kulturortes Kino zu einem Fest machen und Hamburgerinnen und Hamburger nach der langen Zeit der leeren Leinwände zum ersten Kinobesuch einladen“, sagt der Hamburger Senator für Kultur und Medien, Dr. Carsten Brosda.

Das Kontingent an Freikarten ist begrenzt. Tickets gibt es bei den teilnehmenden Kinos, bei NDR 90,3, dem Hamburg Journal und NDR 1 Welle Nord. Aus Hamburg sind folgende 16 Kinos mit dabei:

Unter den gezeigten Filmen sind neben der neuen Komödie „Catweazle“ mit OTTO als verrücktem Magier auch zwei Premieren: Das Animationsabenteuer „Die Olchis – Willkommen in Schmuddelfing“ und die Politsatire „Curveball – Wir machen die Wahrheit“. Beide Filme laufen exklusiv bei der Aktion „#MOINKINO“ und starten erst im Laufe des Sommers in den anderen deutschen Kinos.

 

Seht hier den Trailer zu „Curveball – Wir machen die Wahrheit“

 

Mit der Aktion feiert die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein nicht nur die Wiedereröffnung der Kinos; gleichzeitig läutetet sie ihren eigenen Relaunch ein: Ab sofort heißt es nicht mehr Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, sondern MOIN Filmförderung, das MOIN steht dabei für „Moving Images North“. „Wir möchten für die Bewegtbildbranche in Hamburg und Schleswig-Holstein die bestmögliche Partnerin sein und die besten Filme und Serien in den Norden holen“, sagt Geschäftsführer Helge Albers.


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60 Jahre Savoy. Die Geburtstagsfeier

Mit den zahlreichen Hamburger OV-Freunden feiert das Kino am 14. März 2017 sein 60-jähriges Bestehen – und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück

Savoy

Das Savoy Filmtheater von Innen.

Im Sommer wurde das traditionsreiche Filmtheater Savoy am Steindamm in Hamburg wiedereröffnet. Als Kino für Filme in der Originalversion erfreut sich das Filmtheater seitdem eines großen und stetig weiter wachsenden Stammpublikums. „Der Kinosaal
des SAVOY ist beeindruckend und einer der schönsten Filmtheatersäle Hamburgs“, schwärmt einer, der es wissen muss: Hans-Joachim Flebbe.

Als er das Kino übernahm, hatte es seit der zwischenzeitlichen Bespielung durch das Metropolis-Kino leer gestanden. Der Kino-Visionär glaubte aber an den Standort und an den Erfolg – mit Originalversionen.

Flebbe investierte und legte die Leitung des Kinos in die Hände von Gary Rohweder, der als ehemaliger Teaterleiter des Streit’s Filmtheaters unter den Freunden von originalsprachlichen Filmen in Hamburg bereits bestens bekannt war. Mit dem neuen Savoy schuf Hans-Joachim Flebbe ein besonderes Kino. Per Digitalprojektion inklusive D-Technik und mit einer aufwendigen Tonanlagen wird die riesige Leinwand bespielt. Zeitweise, sofern verfügbar, sogar mit Filmen auf 70 mm – ein Alleinstellungsmerkmal in der Hamburger Kinoszene.

Davor genießt das Publikum auf bequemen Ledersesseln mit beweglichen Rückenlehnen und großem Reihenabstand die Filme – und kann im Logenbereich sogar die Füße hochlegen wie zu Hause auf dem Sofa. Darüber hinaus zählen eine Garderobe und ein Lounge-Bereich mit Bar zu den Glanzpunkten des „neuen Savoy“.

TODD-AO.Darum erlebt der analoge 70mm-Film seinen zweiten Frühling

Savoy

Bild aus dem Jahr 1958

Als „modernstes Filmtheater Europas“ war das Savoy zur Eröffnung der erste Todd-AO-Filmpalast. Die Filme werden auf einer stark gekrümmten Leinwand gezeigt, was dem Todd-AO-Verfahren extrem guttat. Das Publikum sitzt so scheinbar mitten im Geschehen.

Aber was genau heißt TODD-AO? Der Name Todd-AO ist auf den Erfinder Michael Todd zurückzuführen. Er hatte damals für und mit der American Optical Co. (AO) das Breitwandverfahren entwickelt.  Dabei wurde mit Weitwinkel-Objektiven auf 65mm-Negativfilm gefilmt, auf 70mm-Film kopiert und auf eine gekrümmte Großbildwand projiziert. Der Vorteil: die Bildqualität, die im vollen Format Auflösungen bis 16k erreichen kann.

Allerdings ist die Produktion sehr teuer, weshalb das Verfahren nur noch sehr selten angewandt wird. Quentin Tarantino zum Beispiel verhalf der Technik zu einem zweiten Frühling und drehte seinen Film „ The Hateful Eight“ mit analoger Kamera.

Dieser 70mm-Film wurde deutschlandweit nur in vier Kinos überhaupt gezeigt, darunter das Savoy. Denn das hatte zum Filmstart erneut einen 70mm-Projektor installiert. Mit „Dunkirk“ kommt im Sommer voraussichtlich der nächste 70mm-Neustart ins Savoy, das in Hamburg mit dieser Projektion das einzige Kino ist.

Darüber hinaus ist aber auch geplant, Klassiker in 70mm zurück auf die große Leinwand zu bringen. „Das Thema ist für uns eine tolle Verbindung zur Geschichte und Tradition des Hauses, auf dieses Alleinstellungsmerkmal sind wir sehr stolz“, freut sich auch Theaterleiter Gary Rohweder. Und das kann er auch sein – in der Tat kann kein anderes Kino in Hamburg noch den analogen 70mm-Film, der von Filmemachern auch als „Camera Porn“ bezeichnet wird.

Savoy

Quentin Tarantino ist übrigens nicht der einzige, der wieder auf diese Technik setzt. Auch Christopher Nolan filmte „Interstellar“ analog und begeisterte die Cineasten. „Analoger Film hat etwas Magisches“, sagte Tarantino damals. Und diese Magie fehle dem digitalen Film.

Die Geburtstagsfeier

Savoy

Savoy Filmtheaterleiter Gary Rohweder. Foto: Philipp Jung

Am Dienstag, dem 14. März 2017, will Theaterleiter Gary Rohweder ab 18 Uhr mit seinen Gästen auf das Jubiläum anstoßen. Um 20 Uhr zeigt das Savoy „Das Boot“ als Director’s Cut. Zeit, abzutauchen in magische Kinowelten. Happy Birthday!

Fotos: Savoy / Philipp Jung (Porträt Gary Rohweder)