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Open-Air-Kino: Schanzenkino vor dem Aus?

Das Bezirksamt Altona könnte nach einer Vorlage der Grünen das Sponsoring im Schanzenpark komplett untersagen. Damit fiele eine wichtige Finanzierungsquelle des Veranstalters weg. Droht das Ende des Schanzenkinos?

Text: Marco Arellano Gomes

 

Man stelle sich vor, es ist Sommer, aber das Schanzenkino ist weg. Dieses vor Kurzem noch undenkbare Szenario könnte dieses Jahr Wirklichkeit werden, denn aufgrund eines Antrags der Grünen plant das Bezirksamt Altona Sponsoring in Parkanlagen gänzlich zu untersagen.

Zwar gilt in öffentlichen Parkanlagen seit einer Verordnung von 1975 grundsätzlich die Regel der Werbefreiheit, doch für das Open-Air-Kino im Schanzenpark gab es seit knapp 20 Jahren von Jahr zu Jahr eine Ausnahmeregelung seitens der Bezirksverwaltung. Eine solche Ausnahmeregelung ist in der entsprechenden Verordnung auch explizit vorgesehen.

 

Wirtschaftliches Überleben

 

Für 2021 sieht die Beschlussvorlage der Grünen jedoch vor, die Ausnahmegenehmigung nicht mehr zu erteilen. Das hätte gravierende Folgen für das Schanzenkino. „Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf reichen nicht aus, um die Kosten zu decken“, betont Dirk Evers, Betreiber von der Outdoor Cine GmbH. Die Entscheidung würde das Aus für das Open-Air-Kino bedeuten – und das „in einer Zeit, wo die Kino- und Veranstaltungsbranche um das wirtschaftliche Überleben kämpft“.

Etwa 20.000 Besucher finden sich Jahr für Jahr im Schanzenpark unter dem Sternenhimmel wieder, um gebannt auf die Leinwand zu schauen und bei einem guten Film den Feierabend oder das Wochenende zu genießen. Damit könnte bald Schluss sein. Für viele ist das ein Horror-Szenario. Denn das Schanzenkino ist eine Veranstaltung mit Kultcharakter – mit dem Angebot vom Blockbuster bis zu Independentfilmen.

Das Open-Air-Kino „finanziert sich ohne jede Förderung der öffentlichen Hand komplett aus Abendkasseneinnahmen und Sponsorengeldern“, sagt Evers. „An guten Tagen decken die Erlöse des Ticketverkaufs alle Kosten, doch bei schlechtem Wetter sieht es anders aus“. Diese Lücke würde durch die Sponsoren- und Werbegelder in Höhe von 80.000 Euro gefüllt. Allein mit der Werbung auf der Leinwand – die dem Beschluss zufolge noch immer erlaubt wäre – kann dies nicht gegenfinanziert werden. Es drohten drastische Erhöhungen der Ticketpreise – was von den Besuchern wohl kaum auf Akzeptanz stieße.

 

Kein Verständnis

 

Nach Angaben des Betreibers wird die Außenwerbung tagsüber ohnehin mit Planen abgedeckt und nur unmittelbar vor den Aufführungen sichtbar gemacht. Evers hat daher kein Verständnis für die Entscheidung des Bezirksamts. „Ich bin entsetzt. Der Film- und Kinokultur wird ein weiterer, diesmal bürokratischer Knüppel zwischen die Beine geworfen, der ihr Überleben zusätzlich gefährdet.“

Evers vermutet, dass es auch mit dem Disput im vergangenen Jahr bezüglich des Autokinos auf der Trabrennbahn zwischen ihm und der derzeitigen Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg (Grüne) zusammenhängen könnte. Im vergangenen Sommer wurden die Grünen von einer Mehrheit von SPD, CDU, FDP und Linken überstimmt. Das Autokino durfte betrieben werden. Ist das nun die Retourkutsche? Evers gibt zu, dass es sich um eine reine Spekulation handelt.

Die Zukunft des Open-Air-Schanzenkinos ist nun jedenfalls offen. Evers plant bereits Aktionen, um das Überleben des Open-Air-Kinos zu sichern und hofft auf eine breite Unterstützung der Bevölkerung und eine Stellungnahme seitens der Hamburger Behörden, insbesondere der Kulturbehörde.

Am Donnerstag, 14. Januar,  kommt der Hauptausschuss im Bezirksamt Altona zusammen. Auf der Tagesordnung stehen auch die „Veranstaltungen in Grünanlagen“. Dort werden die bis Ende vergangenen Jahres eingegangenen Konzepte für die Nutzung der Parkflächen im Schanzenpark im Sommer 2021 besprochen. Für das Freilichtkino gibt es auch einen weiteren überraschenden Bewerber: Das 3001 Kino aus der Schanzenstraße. Das will wohl gänzlich ohne Sponsoring auskommen. Die Entscheidung, welcher Veranstalter den Zuschlag für das Freiluftkino erhält, ist offen.


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Top 5 – Open-Air-Kinos für den Sommer in Hamburg

Was ist schöner, als an einem lauen Sommerabend Filme draußen zu gucken? Wir zeigen, welche Open-Air-Kinos euch den Hamburger Sommer versüßen

Text: Maike Schade
Foto (o.): Outdoorcine

Sortierung alphabetisch und nicht nach Platzierung, zuletzt aktualisiert 7/2019

 

1. 3001 Filmnächte …

… am Millerntor. Das Stadtteilkino zeigt in der Südkurve des St. Pauli Stadions auch in diesem Jahr einen spannenden Mix aus Dokus und anspruchsvollen Kassenschlagern. Vom 10. bis 23. Juli stehen zehn Filme auf dem Programm, darunter beispielsweise die ausgezeichneten Musikfilme „Gundermann“ (10. Juli) und „Bohemian Rhapsody“ (11. Juli), die Doku „Frauen bildet Banden“ über die Geschichte der Roten Zora (16. Juli) und der Kultfilm „Soul Kitchen“ (23. Juli). Neu in diesem Jahr: Es gibt eine auf 100 Stück limitierte Zehner-Dauerkarte, nicht eingelöste Filme können später im 3001 noch geguckt werden. Beginn ist um 22 bzw. 21.45 Uhr, Einlass ab 21 Uhr. Vorstellungen dank Überdachung bei jedem Wetter.

3001 Filmnächte: Millerntorstadion, Südtribüne, Harald-Stender-Platz 1 (St. Pauli)

 

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2. B-Movie am Stintfang

Große Leinwand, Grillzeug und Hafenblick: Am 20. Juli findet bei der Jugendherberge am Stintfang, am Paula-Karpinski-Platz, das jährliche B-Movie-Open-Air statt. Gezeigt wird der 16-Millimeter-Klassiker „Hot Rods to Hell“ (USA 1967) von John Brahm und Benh Zeitlin. Bei schlechtem Wetter findet die Vorstellung im Kino statt. Beginn ist um 22 Uhr.

B-Movie am Stintfang: Paula-Karpinski-Platz (St. Pauli)


3. ElbFilmKunst 

In Hamburgs Westen sorgt Elb-FilmKunst für Kino an der frischen Luft. Im Juli ist geplant: „Plastic Planet“ (6. Juli, 22 Uhr, Eintritt frei), „21 Gramm“ (13. Juli, 22 Uhr) sowie „Der Vorleser“ (20. Juli, 21.45 Uhr), jeweils im August-Luetgen-Park in Altona. Am 27. Juli geht es in den Nienstedtener Hirschpark zu „The Garden of Words and X“ (21.45 Uhr). Der Eintritt kostet fünf Euro plus 15 Euro Kopfhörerpfand. Es kann zwischen O-Ton und Synchro gewählt werden.

ElbFilmKunst: August-Luetgen-Park (Altona); Nienstedtener Hirschpark (Altona)

 

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4. Schanzenkino

Großes Kino, große Leinwand: Im Sternschanzenpark ist ab 13. Juli für acht Wochen (Blockbuster-)Kino angesagt. Die Veranstalter stellen für jede Vorstellung einige hundert Stühle, eigene Picknick-Decken sind aber sowieso viel gemütlicher. Wer den Film nicht mit knurrigem Magen anschauen will, kann sich vor Ort mit Popcorn, Nachos und Getränken eindecken oder am Gastro-Point eine Pizza von Smiley’s bestellen – das Mitbringen von eigenen Speisen und Getränken ist nicht erlaubt. Der Sound kommt über Funkkopfhörer, die Tonspur (O-Ton oder deutsche Fassung) ist wählbar. Und wenn es doch einmal kühler werden sollte, können sich fröstelnde Zuschauer vor Ort sogar eine Decke leihen.

Schanzenkino: Sternschanzenpark


5. Zeise Open Air

Arthouse-Kino, Sneak Previews und Oscar-Knaller gibt es im Juli und August täglich im lauschigen Innenhof des Altonaer Rathauses zu sehen. Zu einigen Vorstellungen werden auch Gäste erwartet, beispielsweise Ruth Thoma, Drehbuchautorin von „Der Junge muss an die frische Luft“ (6. Juli). Los geht es am 4. Juli um 22 Uhr mit dem Oscar-gekrönten Roadmovie „Green Book“. Neu in diesem Jahr: Alle Filme werden zusätzlich 30 Minuten später sowie am Folgetag (17 Uhr, Sa/So 14.30 Uhr) auch indoor gezeigt. Das Open Air findet bei jedem Wetter: Bei Regen gibt es zwei große Schirme, Regenponchos und Decken.

Zeise Open Air: Altonaer Rathaus (Innenhof)

 

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Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
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