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Europa-Wahl: Das wünschen sich Hamburger für Europa

Europawahl 2019: Am 26. Mai wird das Europäische Parlament gewählt. Acht Hamburger sagen, was sie sich für ihr Europa wünschen.

Protokolle: Erik Brandt-Höge
Fotos: Sophia Herzog / Foto (o.): Christian Wiediger via Unsplash

Die Zahlen vorab: Durch den Brexit wählen voraussichtlich 27 Mitgliedsstaaten der EU nur noch 705 statt 751 Abgeordnete ins Europäischen Parlament, 96 davon kommen aus Deutschland. Klar dreht sich deren Arbeit vor allem um den zukünftigen europäischen Haushalt und Gesetzesbeschlüsse. Aber auch Themen wie Umwelt- und Bildungspolitik sowie Integration kommen bei ihnen garantiert auf den Tisch.

Nur: Was wünschen sich die Wähler konkret? Wo sehen sie Handlungsbedarf? Und wer sollte ihrer Meinung nach besser keine Rolle im Parlament spielen? Wir haben auf Hamburgs Straßen nachgefragt.

 

Sarah, 34

Europawahl-2019-Sarah-c-Sophia-HerzogSchön wäre, wenn Europa wieder mehr zueinanderfindet. Wir sind gerade in einer Zeit, in der vieles auseinander driftet. Wir sollten uns wieder als Einheit präsentieren.

 

 


 

Joel, 29

Europawahl-2019-Joel-c-Sophia-HerzogEuropa müsste eine stärkere Wertegemeinschaft werden, um die Lebensqualität der Menschen insgesamt zu verbessern. Außerdem sollte Verständnis dafür aufkommen, dass bestimmte Probleme nur in einem größeren Kontext betrachtet und gelöst werden können, und dass Europa der erste Schritt dahin ist.

 


 

Marion, 67

Europawahl-2019-Marion-c-Sophia-HerzogIch habe zwei Wünsche für Europa. Der erste ist, dass es Steuererleichterungen für den fairen Handel gibt. Und der zweite, dass auf Menschenrechte in den Lieferketten geachtet wird.

 

 


 

Hans, 74

Europawahl-2019-Hans-c-Sophia-HerzogIch wünsche mir, dass sich das Parlament mehr um die sozialen Fragen in Europa kümmert und einheitliche Standards schafft. Außerdem hoffe ich, dass den rechten Parteien die Grenzen aufgezeigt werden.

 

 


 

Ulf, 35

Europawahl-2019-Ulf-c-Sophia-HerzogIch wünsche mir echte Alternativen für den Pkw-Verkehr, damit es nicht mehr so viele Autos auf den Straßen gibt. Die Leute könnten doch zum Beispiel auch Roller oder Fahrrad fahren.

 

 


 

Jordan, 24

Europawahl-2019-Jordan-c-Sophia-HerzogEuropa sollte ein offener Kontinent bleiben und der kulturelle Austausch gut gepflegt werden. Für Studenten wie mich sind speziell die Erasmus- Programme interessant, über die man mit so vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt kommen kann. Das ist sehr bereichernd und sollte so bleiben.

 

 


 

Nils, 29

Europawahl-2019-Melissa-c-Sophia-HerzogMeinen Wunsch für Europa kann ich in einem Wort zusammenfassen: Geschlossenheit. Was den Brexit angeht, sollte es allerdings in der Hand der Briten liegen, was daraus wird.

 

 


 

Melisa, 38

Europawahl-2019-Melissa-c-Sophia-HerzogEin plastikfreies Europa wäre toll! Außerdem hoffe ich, dass der Fokus der Politiker mehr auf die Themen Integration und Bildung fällt. Schulen sollten finanziell noch mehr unterstützt werden.

 

 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2019. Das Magazin ist seit dem 27. April 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Momentaufnahme – der Transsexuellenstrich in der Schmuckstraße

Die Schmuckstraße auf St. Pauli ist Hamburgs Zentrum für transsexuelle Prostituierte. Außenstehende wissen meist nur wenig vom Treiben in der Szene. Beobachtungen eines Vorbeischlendernden.

Text: Ulrich Thiele
Fotos: Sophia Herzog

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Dieser Artikel stammt aus der SZENE HAMBURG 9/18. Hier können Sie die gesamte Ausgabe lesen.

Sie ruft mir vom Fenster aus etwas auf Spanisch zu. Vermutlich etwas Schnippisches oder Anrüchiges, ihr Ton ist jedenfalls selbstbewusst, aggressiv, herausfordernd. Dabei rudert sie so heftig mit den Armen, als versuchte sie, mich durch die Kraft der Telekinese nach oben zu ziehen. Wüsste ich es nicht besser, könnte ich sie, die ja eigentlich ein „Er“ ist, tatsächlich einfach nur für eine „Sie“ halten – mit den langen, blond gefärbten Haaren, dem weichem Gesicht, dem bauchfreien Top und der übertriebenen Schminke im Gesicht. Ich lächle verlegen und winke ab, ehe ich weitergehe. „Aaaaaaah“, seufzt sie wütend und enttäuscht von meiner Tatenlosigkeit, schmeißt noch ein spanisches Schimpfwort hinterher und drückt mit ihrer rechten Hand ihre Hüfte nach vorne, während sie mit der linken weiter wie eine exzentrische Hollywood-Diva aus den 50er-Jahren raucht.

Wer öfter an der „Taverne Bar Donatella“ in der Schmuckstraße vorbeigeht, kennt solche Szenen zur Genüge. Sie gilt als das Zentrum für die Prostitution durch Transsexuelle in Nordeuropa, die meisten der Prostituierten stammen aus Südamerika, einige sollen einen illegalen Aufenthaltsstatus haben. Noch immer gilt die Szene in der Schmuckstraße als isolierte Community, in die Außenstehende keinen tiefer gehenden Einblick haben. Die Taverne Bar und die Wohnungen darüber – eine Wohngemeinschaft, in der ausschließlich transsexuelle Prostituierte wohnen – sind der erste Anlaufpunkt in Hamburg für jene, die Sex mit Transsexuellen suchen. Die Schmuckstraße zweigt wie eine geheime Seitengasse von der Großen Freiheit auf Höhe der St. Joseph Kirche ab. Während der Name klingt, als gehöre sie zu einem Schickimicki-Stadtteil, entpuppen sich Teile der Umgebung allerdings als ziemlich schmucklos.

Die Schmuckstraße in St. Pauli Foto: Sophia Herzog

Die Schmuckstraße in St. Pauli Foto: Sophia Herzog

Der Gehweg ist schmuddelig, von der ohnehin schon brüchigen Gründerzeit-Fassade der Taverne bröckelt der Putz ab und direkt gegenüber lärmt die Simon-von-Utrecht-Straße. Dazwischen liegt nur die kleine Hundewiese, auf der drei potenzielle Kunden umgeben von leeren Schnapsflaschen, benutzten Kondomen und jeder Menge Hundekot herumlungern und die Prostituierte, die sich an ihrem Fenster zur Schau stellt, begutachten.

Die Männer, die hier so vereinzelt und mit einigen Metern Abstand voneinander stehen und erwartungsvoll Richtung Fenster blicken, sind keine Transsexuellen. Der Anblick verblüfft mich und widerspricht meinem Vorurteil über die Kunden von transsexuellen Prostituierten. Einer von ihnen trägt einen gut sitzenden Anzug mit Krawatte und hat sorgfältig gescheiteltes Haar, wie ein Banker. Der zweite sieht aus wie ein braver Referendar mit seinem Babyface, der braunen Cordhose, dem gestreiften Polohemd und der Brille. Und der dritte könnte ein ganz normaler Familienvater mittleren Alters sein.

“Der Anblick widerspricht meinem Vorurteil über die Kunden von transsexuellen Prostituierten.”

Allerdings scheint keiner von ihnen hineingehen zu wollen. Vielleicht warten sie darauf, dass sich auch die anderen Transsexuellen an ihre Fenster stellen. Doch das Geschäft scheint zur Mittagszeit zu dösen. Abends, wenn die Dämmerung eintritt, ist das anders. Ganz anders: An jedem Fenster über der Taverne steht dann eine Prostituierte und posiert, jedes Zimmer leuchtet farbig. Manchmal hebt eine von ihnen in Captain-Morgan-Pose ihren Fuß auf das Fensterbrett und präsentiert einen ihrer lachsfarbenen High Heels. Andere präsentieren stolz ihre für Transsexuelle typisch langen Beine und die mit Silikon aufgepumpten Hinterteile, die aussehen, als hätten sie zwei Kissen in ihre Hotpants gestopft. Und natürlich heben sie ihre riesigen Silikonbrüste für die Männer auf der Hundewiese hervor, die sich mittlerweile in Scharen aufgestellt haben.

Darunter wieder biedere Bürger und Anzugkerle, aber nun auch stämmige Rockerkerle in Lederjacken und sichtbar kaputte Gestalten in zerrissenen Jeanswesten. Und es kommt auch mal vor, dass ein roter Ferrari vor der Tür steht. Aber nicht jeder Freier muss die Prostituierten zuerst begutachten. Manchmal erkennt man Stammkunden schon aus 50 Metern Entfernung, wenn sie mit strammem und bestimmtem Gang, die Hände an den Rucksackschnallen, schnurstracks auf die Taverne zugehen.

Zur Mittagszeit sieht man aber auch die Anwohner, die nichts mit der Transsexuellen-Szene zu tun haben. Was durch die Fokussierung auf die Taverne leicht vergessen wird: Die Schmuckstraße liegt ansonsten in einem ganz normalen Kiez. Wenige Meter weiter grenzt die Talstraße an, mit einem Budni, einem Getränkemarkt und diversen Handyshops. Und direkt neben der Taverne steht ein Neubau mit Wohnungen, in denen auch Familien leben.

“Die blond gefärbte Transsexuelle raucht wie eine exzentrische Hollywood-Diva.”

Als ich am Nachmittag auf dem Rückweg wieder an der Taverne vorbeigehe, stehen keine Freier mehr auf der Hundewiese. Die blond gefärbte Transsexuelle aber steht noch immer oben am Fenster, noch immer raucht sie wie eine exzentrische Hollywood-Diva. Wieder ein Zuruf, wieder auf Spanisch, wieder mit diesem herausfordernden Grinsen. Ich winke wieder ab und presse ein „Gracias“ heraus, das mehr Deutsch als Spanisch klingt. Darüber muss auch sie herzlich lachen, sie wirft mir einen Kussmund zu und winkt zum Abschied.

 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 



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