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10 Techno Clubs in Hamburg

Rein ins Getümmel der Hamburger Clublandschaft. Raven ist wieder ausdrücklich erlaubt. Hier kommen 10 Spots für alle Liebhaber:innen von Techno und elektronischer Musik:

Waagenbau

Die Sternbrücke in Hamburg ist so etwas wie das klubkulturelle Drehkreuz mitten in der Stadt! Euphorische Techno-Nächte warten hier vor allem im Waagenbau. Direkt unter der Eisenbahnbrücke finden sich zwei unterirdische Dancefloors. Oben rattern die Züge, unten tropft der Schweiß von der Decke. Von Electro bis Drum n Bass gibts hier die unterschiedlichsten Beats auf die Ohren. Am Wochenende ist Techno allerdings Gesetz. An den Decks sind dann lokale Newcomer aber auch internationale Szene-Größen.

Waagenbau: Max-Brauer-Allee 204, 22769 Hamburg

Golden Pudel Club

Kein Club genießt in Hamburg größeren Kult-Status als der Golden Pudel Club. Seit 1995 wird in dem ehemaligen Schmugglergefängnis am Antonipark die alternative Musikszene überregional geprägt. Nachdem der von Schorsch Kamerun ins Leben gerufene Club, 2016 fast komplett abgebrannt war, wurde er aufwendig wieder aufgebaut und weiterentwickelt. Schon lange gehört der Pudel zu den bekanntesten Clubs Deutschlands. Underground-Kultur wird hier nicht nur in Form von Techno gelebt. In der Nacht zeigt sich elektronische Musik hier in all ihren Facetten. Nirgendwo lässt sich subkulturelle Entwicklung so gut beobachten wie hier.

Golden Pudel Club: St. Pauli Fischmarkt 27, 20359 Hamburg

PAL

Mittlerweile hat sich das PAL zu einer echten Techno-Institution entwickelt. Gut versteckt ist der Club in einem alten Backsteingebäude direkt an den Messehallen und quasi neben dem Fernsehturm gelegen. Getanzt wird hier in alter Techno-Tradition von Freitagnacht bis Sonntagabend. Um das Publikum im Gleichgewicht zu halten, wartet man gerne mal über Stunden in der Schlange, bis Türsteher und Selekteur entscheiden, ob es passt oder nicht. Aber das Anstehen kann sich lohnen, denn im PAL legen regelmäßig international gefeierte DJs auf und beschallen die zwei Floors mit feinsten Bässen. Besonders beliebt ist die queere Partyreihe „Kinky Sundays“, bei der auch ein Darkroom geöffnet ist.

PAL: Karolinenstraße 45, 20357 Hamburg

Südpol

Auf dem ehemaligen Betriebshof der Hamburger Wasserwerke in der Süderstraße holt der Südpol seit knapp acht Jahren den Techno nach Hammerbrook. Getanzt wird hier unabhängig von Zeit und Raum gerne mal vier Tage am Stück. Direkt am Bille-Kanal erstreckt sich ein großes Gelände mit Outdoor-Bereich und zwei Dancefloors. Gefeiert wird hier nach dem Motto Freiheit, Spaß und Respekt. Betrieben wird der Club im Kollektiv vom Träger „Kulturelles Neuland“. Neben Techno-Kultur gibt es zum Beispiel auch Kunsträume, Diskussionsabende, Tonstudios, Werkstätten und Ateliers. Besonders queere Clubkultur hat hier ein festes Zuhause gefunden.

Südpol: Süderstraße 112, 20537 Hamburg

Uebel & Gefährlich

Legendäre Techno-Nächte kann man in dem ehemaligen Schutzbunker an der Feldstraße erleben. Regelmäßig finden hier Technopartys wie „Oben Unten Alles“ statt. Schon im ikonischen Fahrstuhl geht es dann in einzelnen Gruppen zu elektronischer Musik hoch in den Club über den Dächern Hamburgs. Getanzt wird im schummrigen Uebel & Gefährlich bis in die frühen Morgenstunden. Gefeiert wird aber auch eine Etage höher im Ballsaal oder im Turmzimmer des Bunkers. Bei den Bunker-Raves treten immer wieder mal renommierte DJs wie Ben Clock oder Kollektiv Turmstraße auf. Auch hier lohnt sich das lange Warten in der Schlange.

Uebel & Gefährlich: Feldstraße 66, 20359 Hamburg

Fundbureau

Das Fundburau gehört definitiv zu den beliebtesten Clubs Hamburgs, wenn es um elektronische Musik geht. Zusammen mit der Astra Stube und dem Waagenbau bildet das Funbureau das Party-Delta an der Sternbrücke. Seit 1998 werden hier schon ekstasische Nächte in dem ehemaligen Fundbüro verbracht. Der Club steht für Partys und Konzerte elektronischer Musik aller Art. Auch wenn das Fundbeaurau sich im Laufe der Zeit immer wieder erneuert und professionalisiert hat, ist es seinem unkonventionellen familiärem Anspruch treu geblieben. Gerade deshalb wird viel Wert auf ein vielfältiges Programm gesetzt.

Fundbureau: Stresemannstraße 114, 22769 Hamburg

Bahnhof Pauli

Im Basement des Clubhaus St.Pauli feiert man wie in einem stillgelegten U-Bahn Schacht. Große Abluftschächte und Ventilatoren treffen auf moderne Laser und CO2-Kanonen und reichlich Moving-Heads. Von diesem Bruch lebt der Club und seine wechselnden Party-Reihen elektronischer Musik. An der Haltestelle des Bahnhof Pauli steigt man ein in wilde Nächte und kann selbst entschieden, wann es wieder tag werden soll. Bis zu 400 Gästen feiern hier ausgelassen, ohne das auch nur ein Mucks an die Oberfläche dringt. Gerade legen Gleisarbeiten das Programm auf Eis. Ab September geht der Club mit dem Electronic Red Light Festival wieder regulär an den Start.

Bahnhof Pauli: Spielbudenpl. 21-22, 20359 Hamburg

Gängeviertel & Rote Flora

In Hamburg trifft Techno traditionell auch auf Gegenkultur und alternatives Leben. Techno-Partys werden im Gängeviertel oder der Roten Flora meistens von Initiativen, Kollektiven oder politischen Gruppen veranstaltet. Feiern wird hier mit Aktivismus verbunden. Auf allen Veranstaltungen gibt es eine klare Absage an Sexismus, Homophobie und Rassismus. Fernab von kommerzieller Ausrichtung können hier legendäre Partys und Raves erlebt werden. Wer übrigens glaubt, dass sich hier keinen guten Soundsysteme finden, hat weit gefehlt!

Gängeviertel: Valentinskamp 34A, 20355 Hamburg // Rote Flora: Schulterblatt 71, 20357 Hamburg

Hafenklang

Neben wilden Konzertabenden ist das Hafenklang vor allem für seine Drum and Bass Partyreihe Drumbule bekannt. In dem Live-Musik Club in direkter Nähe zum Fischmarkt treten aber immer wieder Mal Bands wie Egotronic oder Björn Peng, an der Schnittstelle von Techno, Elektro und Punk auf. Wer also zur Abwechslung mal das Stampfen durch Pogen ersetzen möchte, ist hier genau richtig. In regelmäßigen Abständen finden außerdem DJ-Abende statt, bei denen zum Beispiel Record-Release-Partys gefeiert werden oder der Laden von anderen Veranstaltern bespielt wird.

Hafenklang: Große Elbstraße 84, 22767 Hamburg

Edelfettwerk

Das Edelfettwerk ist ursprünglich eine historische Fabrik für Edelfette gewesen. Nachdem die Produktion Ende des 19 Jahrhunderts eingestellt wurde, hat man die Fabrikanlage in einen modernen Club mit Industriecharme umgewandelt. Hier kommen mittlerweile alle Techno-Fans auf ihre kosten, die kein Problem damit haben, wenn das gesamte Setting etwas schicker und kommerzieller ausfällt. Auf die Besucher warten verschiedene Club- und Loungebereiche und auf 400 Quadratmeter haben bis zu 4000 Feiernde Platz. Musikalisch bewegt sich der Sound häufig zwischen Electro, House und Drum’n’Bass.

Edelfettwerk: Schnackenburgallee 202, 22525 Hamburg


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1. Mai – viel los in Hamburg

Nach Neujahr und Ostern wartet mit dem 1. Mai endlich wieder ein Feiertag auf Hamburg, zwar an einem Sonntag, trotzdem ist viel los in der Stadt – ein Überblick über die wichtigsten Demonstrationen und Partys

Warum feiert man den „Tag der Arbeit“ überhaupt? Die Tradition des 1. Mai geht zurück auf den „Haymarket Riot“ am 4. Mai 1886 in Chicago. Nachdem am 1. Mai des Jahres in den ganzen USA rund 400.000 Arbeiter:innen für die Achtstundenwoche gestreikt und demonstriert hatten, kam es in der Stadt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Am Ende starben sieben Polizeibeamte und mindestens ein Zivilist bei den Ausschreitungen am Haymarket. Für den 1. Mai 1890 wurde in Gedenken an diese Ausschreitungen ein weltweiter Feiertag geplant – die Geburtsstunde des 1. Mai als „Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse“. Mittlerweile ist der erste Tag im Mai in vielen Ländern weltweit ein gesetzlicher Feiertag.

Am Wochenende des 1. Mai sind in Hamburg 24 Demonstrationen angemeldet

Demonstrationen am 1. Mai

Auch in Hamburg wird am 1. Mai 2022 wieder demonstriert. Laut Polizei sind insgesamt 24 Veranstaltungen am ganzen Wochenende angemeldet, hier kommen die wichtigsten:

Demonstrationen von ver.di und dem Deutschen Gewerkschaftsbund

Din Hamburg gibt es am 1. Mai 2022 drei Demonstrationen der Gewerkschaften, in…

… in Bergedorf um 10 Uhr ab dem Lohbrügger Markt, Abschlusskundgebung um 12 Uhr im Rathauspark Bergedorf;

… in Harburg um 10.15 Uhr ab dem Rathausplatz, Abschlusskundgebung um 11 Uhr ebenfalls auf dem Rathausplatz;

… und von Eimsbüttel nach St. Pauli um 10 ab Heußweg, Nähe der U-Bahn Osterstraße, Abschlusskundgebung um 12 Uhr auf der Straße St. Pauli Fischmarkt.

Linke Demonstrationen

Unter dem Motto „Wer hat, der gibt“ demonstriert außerdem ein linkes Bündnis aus unter anderem der „Seebrücke Hamburg“, der Partei „die Linke“, dem AStA der Uni Hamburg und Fridays for Future Hamburg um 13 Uhr ab der Elbphilharmonie. Ziel der Demo ist der Ballindamm Nähe Alstertor (unweit der Warburg Bank).

Auch in Wilhelmsburg wird am 1. Mai demonstriert. „Verboten gut – Anarchismus in die Offensive“ ist das Motto, los geht es um 18 Uhr an der Neuenfelder Straße, Ziel ist die Harburger Chaussee.   

Unter dem Motto „Heraus zum revolutionären 1. Mai“ startet um 16 Uhr am Berliner Tor eine weitere Demonstration und soll um 20 Uhr am U- und S-Bahnhof Barmbek enden.

Fast parallel dazu gibt es auf der Schanze das „Klassenfest gegen den Staat und das Kapital“. Die hier angemeldete Demonstration startet um 15 Uhr.

Die Polizei erwartet einen ruhigen 1. Mai

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Die Polizei erwartet für Hamburg einen ruhigen 1. Mai

Besonders im Stadtteil Sternschanze war die Polizei im vergangenen Jahr mit Wasserwerfern gegen Demonstrierende vorgegangen. In diesem Jahr gibt es aber weder ein Versammlungsverbot noch Maskenpflicht. Daher rechnet die Polizei „mit einem Versammlungsgeschehen, wie wir es aus der Zeit vor Corona rund um den 1. Mai kennen“ und geht für dieses Jahr von einem „störungsfreien und gewaltfreiem Verlauf“ aus. 

Tanz in den Mai – der Start in den Party-Sommer

Neben dem politischen ist der 1. Mai auch der Startschuss für den Party-Sommer. Während in vielen Teilen Deutschlands in der sogenannten Walpurgisnacht der Frühling begrüßt wird, ist in Hamburg in der Nacht auf den 1. Mai Zeit für den Tanz in den Mai. Auch 2022 gibt es etliche Partys in der Stadt:

„Mai Ahoi“ auf der Cap San Diego. 

Auf dem alten Frachtschiff im Hamburger Hafen gibt es bei „Mai Ahoi“ am 30. April ab 21 Uhr vier Areas mit Partyclassics, Clubsounds, finest House & Electro und Black, RnB und old school. Tickets gibt es ab 13 Euro (Vorverkauf wird empfohlen).

Indie Rock bei Frau Hedis Revolver Club

An den Landungsbrücken gibt es ab 20 Uhr von New Wave über Indierock und Post Punk bis Brit Pop alles, was das Herz begehrt. Und wie sagte es schon Thees Uhlmann: „Ich finde was Günther Netzer für stilvollen Fußball und Analyse war, das ist der Revolver Club heute immer noch für stilvolle und coole Indie-Parties!“ Der Eintritt kostet 15 Euro (Abendkasse 18 Euro). Rein kommen alle ab 18, außer Junggesell:innenabschiede.

Freundlich+Kompetent in den Mai tanzen

Direkt an der Mundsburg bittet Carlos aka The Wingman ihm Freundlich+Kompetent zu Beats á la Neo Beat, Rap, Trap, Funk&Soul und Rock. Einlass ist um 17 Uhr, los geht‘s um 20 Uhr und der Eintritt ist wie immer frei.

„Manhatten Mayday“ im Fundbureau

Gemeinsam in den Mai Tanzen im das geht auch endlich wieder an der Sternbrücke. Auf zwei Floors gibt es bei „Manhatten Mayday“ einerseits Pop, Charts & Rnb) und andererseits Techno & Techhouse. Tickets gibts nur an der Abendkasse und los gehts um 23 Uhr.

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Mit dem Tanz in den Mai startet der Party-Sommer 2022 (Foto: unsplash/Pablo Heimplatz)

Im Goldbekhaus tanzen alle Ü 40 in den Mai 

Hat das Kulturzentrum in Winterhude mit der „Winterhuder Tanznacht“ schon eine legendäre Ü40-Party etabliert, kehr jetzt auch der Tanz in den Mai zurück. Die perfekte Adresse für alle über 40. Getanzt wird zu bewährter Musik und nach dem 2G+-Modell. Tickets gibt es für 8 Euro (Abendkasse 10 Euro).

Club 40up im Kent Club

Der Kent Club ist neu, sieht gut aus und lädt mit dem Club 40up ebenfalls zum Tanz in den Mai. Für alle über 40 eine der besten Adressen der Stadt, um bei richtig guten Beats in den Mai zu tanzen. Zur Begrüßung gibt es einen Shot und in der ersten Stunde eine Happy Hour. Los gehts um 22 Uhr, Ticktes gibts ab 13 Euro (Abendkasse 15 Euro).

Punk in Marias Ballroom

Für alle Fans des gepflegten Punk geht es am 30. April nach Harburg. In Marias Ballroom geben sich ab 20.30 Uhr „Blanker Hohn“, die „Barrytown Wheelies“ und „Bondgirl“ die Ehre. Tickets gibt es für 11,50 Euro (Abendkasse 14 Euro), Einlass ist um 20 Uhr.

Motorbooty im Molotow

Wenn es auf dem Kiez eine legendäre Partyreihe gibt, dann ist es Motorbooty im Molotow. Zum 1. Mai feiert die Reihe auf 2 Floors mit reichlich Rock’n’Roll und zwar mit dem mittelmäßigen oder schlechten, sondern nur mit dem richtig guten Zeug. Einlass ist ab 23 Uhr und der Eintritt für das 2G+-Event kostet 6 Euro für alle Floors.

Lange raven im Südpol

Den längsten Tanz in den Mai gibt es in der Süderstraße. Die Party im Südpol startet schon am 29. Mai um 23.55 Uhr. Schluss ist erst am 1. Mai um 22.00 Uhr. Einlass gibts bei dem 2G+-Event nur mit gültigem Nachweis. Tickets sind außerdem auch nur vor Ort zu haben. Mehr Infos unter suedpol.org.

Open Air im Schrödingers

Wer zum Wegfall der Maskenpflicht unter freiem Himmel in den Mai tanzen will, für den gehts in den Schanzenpark. Im Schrödingers ist ab 16 Uhr die Lichtung bei freiem Eintritt (nach 2G+-Regel) geöffnet. Ab 22 Uhr geht es im Wintergarten weiter und ab 23 Uhr gibt’s Musik von Ida Daugaard.


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„Wir brauchen ernsthafte Perspektiven“

Anna Lafrentz, zuständig für Durchführung und Personalorganisation im Südpol, und Felix Stockmar, Booking, Finanzen und Technik auf der MS Stubnitz, gehören seit Herbst 2020 zum Vorstand des Clubkombinats. Im Interview sprechen sie über die Situation der Hamburger Musikspielstätten nach zwei Jahren Pandemie

Interview: Ole Masch

SZENE HAMBURG: Anna und Felix, wieso lässt man sich mitten in der Pandemie in den Vorstand des Clubkombinat wählen?

Anna: Wann denn sonst? Jetzt ist es akut und Arbeit, die reingesteckt wird, macht sich schnell bemerkbar. Wir können hier wirklich was für unsere Clubs erreichen und das macht neben der Anstrengung einfach super viel Spaß.
Felix: In der großen Pause ist ja eben auch ’ne Menge Luft, um sich mal aus seinem eigenen Kosmos rauszubewegen und für die Konzert- und Clublandschaft generell etwas zu bewegen. Das eigene Wissen mit anderen zu teilen, zu unterstützen und in eine gemeinsame Zukunftsgestaltung mit einzubringen.

Genervt und müde

Mit welchen Zielen seid ihr angetreten?

Anna: Meine persönlichen Ziele waren unter anderem mehr politische Wertearbeit – hier haben wir vergangenes Jahr eine wichtige Satzungsänderung in der Mitgliederversammlung verabschiedet. Zudem lag mein Fokus viel auf Öffentlichkeitsarbeit, also Pressemitteilungen oder Interviews. So haben wir die Hamburger Clubs in die bundesweiten Nachrichten gebracht und konnten zur öffentlichen Wahrnehmung unserer Kulturorte beitragen. Mein dritter Schwerpunkt ist die Awareness-Arbeit. Hier gründen wir gerade einen Round Table zum Thema und entwickeln mit weiteren Akteuren ein Weiterbildungsprogramm.
Felix: Ich habe mich vor allem viel mit der Zukunft der Live-Musik und Clubbranche auseinandergesetzt. Denn dieser große Einschnitt birgt auch die Chance, Dinge und Strukturen neu zu denken. Sich mal die Frage zu stellen: „Wollen wir bloß so ,prekär‘ weitermachen wie vor der Pandemie, oder schaffen wir es, dass sich Post-Corona wirklich strukturell etwas ändert.“ Durch den Stillstand ist vielen erstmals bewusst geworden, was die Kultur jenseits des durchsubventionierten kulturellen Erbes, die sonst ja immer selbstverständlich da war, eigentlich für einen Wert hat. Dieses Bewusstsein auch in die Politik und damit auch in Gesetzesänderungen zu bringen, ist immens wichtig.

Wie geht es der Hamburger Clublandschaft nach zwei Jahren Corona?

Anna: Ich würde sagen „erschöpft“ trifft es ganz gut. Klar sitzen wir auch in den Startlöchern, aber die letzten zwei Jahre waren für alle sehr kräftezehrend. Wenig war möglich und das mit enorm hohen Auflagen verbunden. Leere Tanzflächen und eine Absage nach der nächsten, das zieht enorm viel Energie.
Felix: Ja, genervt und müde. Das viele Hin und Her, die zunehmend fehlende Logik und Struktur hinter der Pandemiebekämpfung und das ständige „für die Tonne-Arbeiten“ wird immer frustrierender.

„Wann geht es endlich wirklich um die Menschen?“

Wie lange kann es noch so weitergehen?

Anna: Wir in Hamburg haben mit den bundesweiten Hilfen und dem Hamburger Club-Rettungsschirm erst mal alle laufenden Kosten gedeckt. Schwierig ist es, das Personal zu halten oder wiederzufinden, denn gerade selbstständige Veranstaltungsleute sind schon lange in andere Branchen abgewandert. Außerdem: Was sind die Clubs ohne die Bars und Kneipen? Da geht gerade ein großer Schwung unter, einige halten sich noch luftschnappend an der Kante. Ohne die Vielfalt dieser Läden ist auch der Clubbesuch nicht mehr dasselbe. Um eine Kultur der Nacht zu erhalten, muss sich schnell was ändern.
Felix: Ja, die finanziellen Hilfen decken vieles, aber das Geld ist im Kulturleben auch nur eine Seite. Die andere besteht darin, für andere Menschen durch kulturelle Inhalte besondere und vor allem auch soziale Erlebnisse zu schaffen. Das ist das Eigentliche, für das wir leben und das uns Kraft gibt. Je länger dieser Teil fehlt, desto schwieriger wird es die Energie zum Durchhalten aufzubringen.

Was fordert ihr von der Politik?

Anna: Wir brauchen ernsthafte Perspektiven und ehrliche Zusagen. Nach zwei Jahren und Impfungen stehen wir immer noch vor lauter Fragezeichen. Soll das jetzt jeden Herbst so gehen? Die Temperaturen sinken, die Zahlen steigen, die Läden gehen wieder zu? Wann endlich bekommen kulturelle Erlebnisse denselben Stellenwert wie Lohnarbeit? Wann geht es endlich wirklich um die Menschen und nicht nur um die Wirtschaft?
Felix: Ständig wiederholen wir die formalen Forderungen nach Inhaber:innengehalt, Lebensunterhalt für Selbstständige, keine Rückforderungen der ersten Corona-Hilfen (!), Abschaffung des bundesweiten Flickenteppichs, klare Perspektiven, Gleichbehandlung der Kultursparten und grundsätzlich die Anerkennung der Wichtigkeit von Kunst, Musik und Kultur für unsere Gesellschaft.

Es braucht Einheitlichkeit, bundesweit

Auf welche kurzfristigen Perspektiven hofft ihr?

Anna: Wir hoffen natürlich, dass wir bald wieder tanzen dürfen, mit vielen Leuten und ohne Abstand.
Felix: Mit Blick auf Frühjahr und Sommer wünschen wir uns unkomplizierte und frühzeitige Open-Air-Förderungen und sowieso eine Verlängerung der aktuellen Förderungen in vollem Umfang. Die Wiedereröffnungsszenarien müssen bundeseinheitlich geplant und rechtzeitig und transparent kommuniziert werden, sodass uns Zeit bleibt, uns vorzubereiten. Und dass diese Vorbereitung von einem wie auch immer gearteten „Konjunkturpaket“, Vorschläge an die Politik gibt es zur Genüge, begleitet wird.

Habt ihr bei den Öffnungen im Herbst Unterschiede zur Zeit vor der Pandemie bemerkt?

Anna: Die Freude der Menschen war unfassbar groß! So viel angestaute Energie, so viel Hunger nach anderen Leuten, Begegnungen, Ekstase, Rausch, laute Musik und beim Tanzen die Welt da draußen einmal kurz vergessen machen. Und damit Energie sammeln, um weiter durchzuhalten. Wie ich das bei unseren Openings beobachtet habe, fielen die ersten Unsicherheiten nach ein bis zwei Stunden im Laden von den Leuten ab. Körper und Kopf erinnern sich und lassen los. Gleichzeitig war genauso schnell bemerkbar, als die Infektionszahlen wieder stiegen. Gäste blieben vermehrt aus, enorm viele „No-Shows“, also Tickets, die nicht wahrgenommen werden. Na ja, und dann haben wir ja auch alle direkt wieder zugemacht.

Es gab auch Vorteile

Wie geht’s es euren Läden?

Anna: Puh! Viele Baustellen. Wir haben die Zeit genutzt, um uns strukturell neu aufzustellen, das wird jetzt in der Praxis geübt. Der Club ist erst mal gesichert, aber fast alle unserer Mitarbeitenden mussten sich andere Jobs suchen. Zu unserer kurzen Öffnung war unser Team zwar komplett mit vielen alten und vielen neuen, aber ohne klare Perspektive mussten die sich schnell wieder was anderes suchen. Das zehrt an den letzten Energiereserven. Aber wir haben Bock und freuen uns auf das Frühjahr mit neuen Überraschungen. Ich hoffe eigentlich nur, dass wir im Herbst nicht wieder schließen müssen und zurück in einen Rhythmus finden.
Felix: Auf der Stubnitz gab und gibt es auch eine Menge Baustellen. Die Corona-Zeit hatte diesbezüglich neben allen Nachteilen auch ein paar Vorteile, weil wir uns stark auf die Instandsetzung konzentrieren konnten. Die weitere Lebenserwartung unseres Denkmal- und Kulturschiffes ist damit ein gutes Stück vorangekommen. Vieles was im laufenden Betrieb gerne hinten überfällt wurde angegangen. Aber inzwischen sind wir heiß darauf, dass es im März bei uns wieder losgeht. Ich bin optimistisch, dass wir wieder voll loslegen und viele Menschen glücklich machen können.

Hat die Pandemie noch weitere Vorteile gebracht?

Anna: Ja! Die globale Erfahrung, dass sich alles ganz schnell ändern kann. Egal ob „das schon immer so war“. Das finde ich toll, denn es zeigt: alles ist möglich, auch die guten Veränderungen! Und persönlich weiß ich noch mal mehr, wieso ich das alles tue: für gemeinsame ästhetische Erlebnisse, die die Welt einfach zu einem besseren Ort machen. Ist so.
Felix: Dem habe ich nichts hinzuzufügen!

clubkombinat.de


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Meet The Resident – Linus

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Resident-DJs vor, diesmal: Linus (Catchy Collective) – präsentiert von Hamburg Elektronisch.

 Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

 

SZENE HAMBURG: Dein Sound?

Linus: Minimalistisch, Housey und meistens mit irgendeinem Bezug zum Soul und Jazz.

Wie lautet die schrecklichste Gastfrage, die du mal bekommen hast?

Nicht unbedingt schrecklich, aber Leute die immer sagen, dass man schneller oder doller machen soll, sind schon anstrengend manchmal.

Welcher Hamburg-Gig ist bisher dein Favorit?

Alle unsere Catchy-Veranstaltungen waren Bombe, aber auch die Gigs im Südpol und das Anderswelt-Opening waren hammer.

Dein Lieblingsort?

Ganz klar die Sofas im Südpol Backstage.

Auf wen sollte man momentan ein Auge haben?

Man sollte die Bladehouse Crew im Auge behalten. Dringend!

Platte des Monats?

Bladehouse 001.

Was sind für dich Hamburgs Stärken?

Keine Ahnung (lacht). Fischbrötchen.

Und die Schwächen?

Wir haben auf jeden Fall einen anständigen Club zu wenig.

 

Hört hier ein aktuelles Set von Linus


Cover Szene Juni 2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Mai 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Hamburgs Clubs gehen Live: Streamteam Dreamteams

Das Hamburger Nachtleben steht still. Clubs und ihre Mitarbeitenden kämpfen ums finanzielle Überleben. Für viele wurde die Umsetzung von Webstreams zur Hauptbeschäftigung. SZENE HAMBURG sprach mit ihnen über ihre aktuelle Situation und hat zwei Liveübertragungen begleitet

Text: Ole Masch
Fotos. Levke Marie Nielsen

 

Die Tauben reißen die Herrschaft an sich, bemerkt Bookerin Fenja Möller, als sie durch den Innenhof des Molotows läuft. Hier im Backyard, wo sonst Konzerte, Lesungen und DJ-Sets stattfinden, stehen an diesem Freitagabend nur ein paar verwaiste Stehtische. Fenja legt heute mit einer Kollegin beim Bad Ass Babes Club auf. Seit Corona sind sie die einzigen, die zwischen den Übergängen vor dem DJ-Pult tanzen. Die restlichen Partygäste sitzen vor dem Rechner.

Ob Punk-Auktion im Knust, Poetry Slam im Bunker, Konzert in der Astra Stube oder Live-Set im Golden Pudel. Weil Clubs in diesen Zeiten nicht öffnen dürfen, sind sie vermehrt dazu übergegangen, ihr Programm im Internet zu streamen. Einige haben sich United We Stream angeschlossen. Die Aktion in Kooperation mit Arte zeigt an mehreren Tagen der Woche Streams aus unterschiedlichen Clubs in ganz Deutschland. Während der Ausstrahlung kann über eine Plattform gespendet werden. In Hamburg geht dieses Geld in einen vom Clubkombinat verwalteten Rettungsfonds für notleidende Clubs. Acht Prozent fließen an die zivile Seenotrettung.

 

„Ein Stück Molotow für zu Hause“

 

„Wir streamen fast jeden Freitag und Samstag Partys, haben unser Pubquiz und ein paar Konzerte“, erzählt Fenja. „Wir möchten weiter Musik und Kultur schaffen. Ein Stück Molotow für zu Hause.“ Ihre Streamingveranstaltungen haben sie hier fast alle selbst aufgenommen. In der Regel reicht ein Techniker für Licht und Sound, Smartphone, Laptop und jemand, der den Chat betreut. Über eine virtuelle Getränkekarte können Drinks gespendet werden. Wann die Clubs wieder öffnen dürfen, ist völlig unklar. Behördliche Vorgaben werden nur für die nächsten Wochen gemacht. Bis Redaktionsschluss galt ein Betriebsverbot bis mindestens 30. Juni.

Ein Problem mit dem auch der Südpol kämpft. Es ist Samstag, später Nachmittag. Hinter zahlreichen Monitoren stehen Menschen mit Masken und rufen Anweisungen in den Raum. Vor dem sogenannten Stream-Team steht ein DJ-Pult mit Lightshow, die an Fernsehproduktionen erinnert. „Noch eine Minute“, „Licht etwas heller“, „der DJ ein Stück nach rechts“, „Uuuuund – wir sind live“. Letzter Satz geht in den einsetzenden Bässen unter.

 

Interaktive Formate sind gefragt

 

„Unser Lichttechniker hat den Club komplett umgestaltet, alles rausgerissen und mit allem, was er hat, ein richtig krasses Bühnenbild gebaut“, erzählt Eve, Mitglied im kollektiven Geschäftsleitungsplenum. Heute Nachmittag soll es mehrere DJ-Sets, ein Konzert von Gladbeck City Bombing und eine Performance zur Reproduktionsarbeit geben. „Wir alle sind mittlerweile etwas gelangweilt von DJ-Streams“, erzählt David, der später selbst auflegen wird. „Es gilt, dieses Bild aufzubrechen und eher in Richtung interaktiver Formate zu denken. Zum großen Finale der eigenen Spendenkampagne hat man das bereits umgesetzt. Bei einer moderierten Live-Show, übertragen aus zig Kameraperspektiven, sendete man über mehrere Stunden, samt Kaffeekränzchen, Mitmach-Aerobic und Senfverkostung.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Mit den Streams, bei denen auf die Kampagne aufmerksam gemacht wurde, hat der Südpol über 110.000 Euro eingesammelt. Und so sind die Fixkosten zumindest für die nächsten Monate gestemmt.

 

Molotow-Nadine-credit-Levke-Marie-Nielsen

Nadine (Molotow), vor Corona in der Produktion. Heute Streambetreuung und Grafik

„Früher haben wir morgens immer zusammen im Backstage gefrühstückt. Es ist schade und total komisch, dass wir alle im Homeoffice sind. Bis auf die Streams mache ich alles von zu Hause. Das normale Club-Sommerloch, gibt es sicher auch bei Streams. Mir fehlt der Kontakt mit den Bands und ich hoffe, dass wir weiterhin hierbleiben können, nicht schließen müssen und bald wieder Konzerte haben. Aber der Sommer ist sicher gelaufen.“

 

David (Südpol),Geschäftsleitungsplenum, Programmgestaltung und Regisseur für Streamformate

„Durch die Corona Krise sind die Karten neu gemischt, aber Strukturen werden wieder erschaffen und Leute spezialisieren sich auf andere Themengebiete. Die Stream-Teams die sich gebildet haben, hatten vorher gar nichts mit Video zu tun und plötzlich macht sich ein ganz neues Kreativfeld auf. Eigentlich ist hier Fotoverbot und jetzt streamen wir. Und natürlich wollen wir uns solidarisch zeigen und nicht nur für den Club sammeln, sondern allgemein für das S.O.S. Save Our Sounds Konzept.“

 

Molotow-Sören-credit-Levke-Marie-NielsenSören (Molotow), eigentlich Personalplanung und Einkauf. Jetzt Social Media und Handwerker

„Mein Joballtag hat sich zu 100 Prozent geändert. Ich fuchse mich aber gerade in neue Dinge. Und es gibt allerhand Handwerkliches zu tun, für das sonst die Zeit fehlt. Wir sind hier alle in Kurzarbeit und das merkt man finanziell. Aber momentan bin ich dankbar für diese Unterstützung. Ich hoffe, dass wir irgendwann alle Leute sehen, die für uns arbeiten. Darauf freue ich mich sehr und bin sicher, dass wir das irgendwie durchstehen werden. Es ist aber ganz klar, dass die Gesundheit unserer Mitarbeiter und unserer potenziellen Gäste ganz oben steht.“

 

 

Eve (Südpol), Personalplanung, Einkauf, Geschäftsleitungsplenum. Heute Stream-Lichttechnikerin

„Mein eigentlicher Job ist komplett weggefallen. Aber alle haben richtig Bock auf die Streaming-Sache, bei der es viele technische Herausforderungen gibt. Und so bin dazu gekommen, hier die Lichtshow zu bedienen. Natürlich würde ich mir wünschen, dass wir bald wieder aufmachen. Vielleicht bekommen wir zumindest eine Sondergenehmigung für unseren Innenhof.“

 

Molotow-Fenja-credit-Levke-Marie-NielsenFenja (Molotow), PR, Booking und DJ beim Bad Ass Babes Club:

„Mein Leben hat sich seit Corona dras­tisch geändert. Ich war immer auf vielen Konzerten und es ist sehr komisch, nicht mehr ausgehen zu können. Nur im Homeoffice zu sitzen und nicht mit Kollegen vor Ort Gespräche zu führen, ist viel arbeitsintensiver. Auch hätte ich nie gedacht, dass wir überhaupt mal Konzerte und Partys streamen. Natürlich wünsche ich mir, dass wir bald wieder aufmachen. Aber ich möchte vor allem, dass es sicher ist. Wir brauchen auf jeden Fall Förderungen von der Stadt, damit wir und auch die anderen Clubs überleben können. Zumindest macht ab sofort unser Backyard als Schankwirtschaft auf.“

 

Hark (Südpol), Finanzen, Eventplanung und Geschäftsleitungsplenum. Seit Corona PR- Kampagnen:

„Leider bin ich nur noch selten hier. Deswegen freue ich mich beim Streaming dabei zu sein. Aktuell sind andere Kompetenzen gefordert als vorher. Ich mache gerade Pressearbeit, was für den Südpol sehr ungewöhnlich ist. Da alle meine anderen selbstständigen Tätigkeiten weggefallen sind, suche ich mir gerade Projekte wie United We Stream Hamburg oder unsere Rettungskampagne. Wie es weitergeht ist unklar. Unser Kurzarbeitergeld wurde bereits bis März 2021 bewilligt.“

 

Nanna & Louise (Teil von Krav fra en pandemi), Künstlerinnen und Aktivistinnen. Performance im Südpol-Stream:

Südpol-Nanna-u.-Louisa--credit-Levke-Marie-NielsenLouise (r.): „Ich habe viele Jobs verloren, was meine finanzielle Situation sehr schwer macht. Aber die ganze Zeit jetzt gibt einem die Möglichkeit, über den Sinn des Lebens nachzudenken. Als Künstlerin ist man immer in Aktion und kümmert sich pausenlos darum, dass man von dem, was man macht, auch überleben kann. Jetzt hat man die Möglichkeit zu reflektieren, was wirklich wichtig ist.”

Nanna: „Wir lernen gerade, wie es noch besser machbar ist, sich von unterschiedlichen Orten aus zu organisieren und zu vernetzen. In den letzten Monaten hat man gesehen, dass vieles, was unveränderbar schien, möglich wurde. Wenn in Portugal alle dort lebenden Geflüchteten Aufenthaltsrechte bekommen, sieht man, dass Staaten plötzlich sehr schnell reagieren können. Künstler und Aktivisten sollten daher den Druck erhöhen.“

 

Molotow-Kevin--credit-Levke-Marie-NielsenKevin (Molotow), früher freier Techniker für Konzerte, heute für Streams:

„Meine Auftragslage ist bis auf wenige Livestream­Veranstaltungen quasi bei null. Ich arbeite sonst auch für andere Clubs, Galas, Betriebsveranstaltungen oder Festivals und musste jetzt übergangsweise Hartz IV beantragen. Für Förderungen von der Stadt habe ich mich auch beworben, aber leider greifen die nicht für jeden und sind alles andere als unbürokratisch. Natürlich ist eine schnelle Öffnung von Konzerten und Partys schwierig, aber es würde zumindest psychisch schon mal helfen, wenn die Regierung uns mitdenkt und nicht links liegen lässt.“

 

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Cover Szene Juni 2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Mai 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Diese zehn Orte in Hamburg sind was fürs Herz

Herzensorte: Jeder tankt auf seine Weise neue Energie – abhängig von Lust und Laune. Diese Plätze sind gut fürs Gemüt.

Luftiges

1. Römischer Garten

Eine echte hamburgische Perle: Der Römische Garten ist ein gepflegtes Paradies mit mediterranem Flair. Rasenflächen, romantische Steinbänke und ein Seerosenteich laden zum Verweilen im Grünen mit Blick auf die Elbe ein. Bei Sonnenschein lädt die große Rasenfläche zum Picknicken und verweilen unter freiem Himmel ein. Zwischen den Eibenhecken kann man außerdem hervorragend die Ruhe genießen oder Verstecken spielen.

Der Garten ist entweder vom Falkensteiner Ufer aus über eine Treppe oder vom Schinckelspark über eine Brücke zu erreichen. Die Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln funktioniert am besten mit der S1 oder S11 (Haltestelle Blankenese) oder mit der
Buslinie 48 (Haltestelle Falkentaler Weg).

Römischer Garten (Blankenese)

2. Fähre nach Finkenwerder

Wer einfach mal den Kopf in den Wind halten, Elbe schnuppern und Möwenkreischen hören will, der sollte der Linie 62 der Hamburger Hafen-Fähren einen Besuch abstatten. Für wenig Geld oder kostenlos für alle HVV-Abbonent:innen, kann man von den Landungsbrücken aus ganz entspannt über Altona nach Finkenwerder und wieder zurück schippern. Mit Blick auf das Wasser und dem Rauschen der Fähre im Ohr, lässt es sich hervorragend abschalten und frei fühlen.

Ab Anleger Landungsbrücken (Brücke 3), bis nach Finkenwerder (Linie 62)

Powern

3. I-Punkt Skateland

Sich so richtig auspowern tut Körper und Seele gut. Das I-Punkt Skateland ist für alle, die Action auf Rädern suchen. Egal ob mit Skateboard, Scooter oder BMX, – in Hamburgs größter Skate-Halle gibt es für jedes Gerät die passende Rampe. Kids und Teens kommen in den Ferien außerdem bei verschiedenen Skate- und Scooter-Workshops voll auf ihre Kosten.

I-Punkt SkatelandSpaldingstraße 131 (Hammerbrook)

4. Bouldern

Bouldern ist eine Sportart, die rasant an Beliebtheit gewonnen hat. In zwei bis drei Meter Höhe wird über gepolstertem Boden frei geklettert. Die Boulerrouten haben unterschiedliche Schwierigkeits stufen, sodass auch Anfänger eine geeignete zum Einstieg finden. Bouldern ist nicht nur körperlich eine Herausforderung, auch der Kopf muss arbeiten und jeden Schritt abwägen. Seine Ängste zu überwinden und sich auszupowern, kann Hochstimmung bewirken. Nach dem Klettern bietet das hauseigene Café „Refugium“ die nötige Stärkung.

Nordwandhalle; Am Inselpark 20 (Wilhelmsburg)

Zappeln

5. Mandalay

Zeitreisen gibt es nicht – oder etwa doch? Der Eintritt ins Mandalay fühlt sich zumindest an wie ein Trip durch die Jahrzehnte, denn der Club, der in einer ehemaligen Bank ansässig ist, ist im Stil der 20er Jahre gestaltet. Von Mittwoch bis Samstag lädt das Mandalay ab 20 Uhr ein zu Swing, Charleston und Flic Flac Jive. Dann leben hier die 20er bis 50er Jahre wieder auf.

Mandalay; Neuer Pferdemarkt 13 (Sternschanze)

6. Südpol

Hammerbrook galt lange Zeit als grauer Stadtteil, in dem es außer Bürokomplexen und alten Fabrikanlagen nicht viel Sehenswertes gibt. Das war bevor die Kunst- und Kulturszene das Potenzial hinter der grauen Fassade entdeckte: Auf dem ehemaligen Betriebshof der Hamburger Wasserwerke hat sich der Südpol eingenistet, ein Mix aus Kulturzentrum und Club. Das emanzipatorische Projekt bietet ein vielfältiges Programm aus Konzerten, Partys, Kino und Infoabenden an. Als Club ist der Südpol besonders bei Techno-Fans beliebt: Teilweise kann man hier von Freitagnacht bis Montagmorgen zu elektronischer Musik durchfeiern.

Südpol; Süderstraße 112 (Hammerbrook)

Feierabendbier

7. Tonis Kiosk und Getränkeshop

Für die, die es bodenständig mögen, bietet dieser Kiosk neben dem Feierabendbier alles, was man nach einem anstrengenden Arbeitstag begehrt. Der Kiosk punktet mit seiner Lage, denn mit dem Bierchen in der Hand lässt es sich gemütlich in Richtung Park Fiction und Elbe schlendern. Innerhalb von drei Minuten kann man den Blick auf das Wasser und eventuell sogar den Sonnenuntergang genießen. Wer ein zweites Feierabendbier mag, kann entspannt zum Kiosk zurückgehen, denn Tonis Kiosk versorgt seine Kunden unter der Woche bis 22 Uhr mit Nachschub.

Antonistraße 12 (Altona-Altstadt)

8. Berliner Betrüger

Der Berliner Betrüger ist eine der Hamburger Bars, die sowohl im Sommer als auch im Winter eine top Adresse ist. Draußen auf der schmalen Terrasse sitzt man wie in einer Laube und drinnen wartet ein gemütlicher, schummriger Barraum. Der Laden ist zweigeteilt, im vorderen Bereich stehen kleine Tische mit Bänken, durchquert man diesen, gelangt man zu dem durch eine Glastür abgetrennten Raucherbereich mit Sitzecken und einem stufenähnlichen Podest – rumlümmeln ausdrücklich erlaubt. Es vergeht kaum ein Abend, an dem man hier nicht mit anderen Gästen ins Gespräch kommt – spätestens am Kickertisch hat man neue Freunde gefunden.

Berliner Betrüger; Juliusstraße 15 (Sternschanze)

Herzerwärmend

9. Fliesomat

Vom Kondomautomat zum Fliesomat! An sechs verschiedenen Orten und Ausflugszielen in Hamburg gibt es den Fliesomaten schon. Ab 4€ kann man hier handgefertigte Fliesen nach Wahl oder eine Überraschungsfliese ziehen. Hinter den umgebauten Automaten steckt die Keramikwerkstatt Stein und Schuldt im Eppendorfer Weg. ⁠Zu finden sind die Fiesomaten zum Beispiel im Bergdorfer Schloss, an der Guten Stube des LüttLiv oder im Vorraum des Lichtmesskino in Ottensen.

Kermaikwerkstatt Stein und Schuldt, Eppendorfer Weg 158 (Hoheluft-West)

10. Genuss-Tour

Raus aus den Federn – der Sommer klopft bereits an. An der frischen Frühlingsluft lässt sich die Hamburger Gastro Szene ideal bei der Genuss-Tour Hamburg erforschen. Während der kulinarischen Entdeckungsreise durch Hamburgs Stadtteile kommen die Besucher in den Genuss der leckersten Pizza, des besten Burgers oder der gemütlichsten Bar.

Die Tourguides haben außerdem immer jede Menge Insidertipps parat. In Kooperation mit Urban Gurus werden alle Teilnehmenden dazu eingeladen, Hamburg kulinarisch zu entdecken und satt und zufrieden zurückzukehren. Gebucht werden können die Touren in vielen verschiedenen Vierteln wie Speicherstadt und Hafencity oder Altona und Ottensen.

genusstouren-hamburg.de


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Meet the Resident – Cryptofauna

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Resident-DJs vor, diesmal: Cryptofauna (Lehult & 206 / PAL) – präsentiert von Hamburg Elektronisch.

Interview:Louis Kreye & Jean Djaman

Szene Hamburg: Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Cryptofauna: Mir ist dazu mal ein alberner Butterbrot-Vergleich eingefallen: Stell dir vor, du schmierst dir eine richtig geile Stulle, nur mit Butter und Salz. Und dann stell dir vor, die Butter ist House und das Salz ist Techno. So in dem Verhältnis spiele ich meine Club-Sets. Meistens versuche ich, mich mit den housigeren Sachen auf ein Level zu spielen, auf dem ich dann urplötzlich einen Techno-Banger bringen kann. Wenn ich es dann noch hinkriege, ein Funk- oder Hip-House-Stück zwischen die House-Butter und das Techno-Salz zu schieben, und das ankommt: call me a happy person.

 

„Eine dicke 4/4 Kick ist purer Sex“

 

Ein Aspekt, der elektronische Musik für dich besonders macht?

Sie ist sexy. Wir können uns da was vormachen oder einfach dankend annehmen, dass eine dicke 4/4 Kick purer Sex und Wärme ist. Sexy kann eine Stimme sein, die haucht, oder ein Synth der klingt, wie eine Stimme, die haucht oder ein Groove, bei dem das Zusammenspiel der Instrumente einen dermaßen in Trance versetzt, dass man ganz woanders ist. Ich lasse mich auch gern von Percussions einlullen, die am besten irgendwie freaky sind. Und ohne Acid geht bei mir gar nix. Beim Kochen oder Abhängen höre ich übrigens gar nicht so viel elektronische Musik. Ich glaube, in meinem nächsten Leben werde ich New-Age- und Healing-DJ und spiele auf den Afterhours von irgendwelchen Psy Raves. Ha ha!

Größter Moment als DJ?

Wenn ich es im großen Ganzen betrachte: Als André Stubbs mich und meinen Mann Eddie, mit dem ich übrigens auch zusammen als Epikur auflege, gefragt hat, ob wir Residents im PAL sein wollen. Dadurch kann ich regelmäßig mit so vielen talentierten und großen DJs spielen. Und hab dazu noch eine super geile Crew um mich, die alle eine wirklich große Leidenschaft dafür haben, den Club am Laufen zu halten.

Und konkret?

Wenn es um einen tatsächlichen Moment im Club geht, hat sich vor allem mein Gig beim Electric Weekender im Leipziger Conne Island ins Gedächtnis eingebrannt. Die Party findet nur einmal im Jahr statt und ich durfte das Opening für Midland spielen. Ein gefühlt zehn Meter langes Pult ganz für mich allein. 500 Leute, die richtig Bock hatten. Hands up und smiley faces. Eine dicke Anlage. Da bin ich echt von Ohr zu Ohr grinsend raus.

 

„Hast du ‚Happy Birthday‘ dabei?“

 

Schrecklichste Gast-Frage?

Das sind doch immer die gleichen: Kannst du „Nice For What“ von Drake spielen? Hast du „Happy Birthday“ dabei? Zu der Frage fällt mir aber auch eine schöne Geschichte ein. Letztens wurde mir ein Handy hingehalten und innerlich hatte ich mich schon auf ’nen abstrusen Wunsch vorbereitet. Stattdessen hat der Gast auf dem Display eine nette Message aufgeschrieben: „Biggest respect from georgian ravers (bassiani & khidi)“ stand da. Da wär ich fast geplatzt vor Freude. Wenn jemand einen guten Rave zu schätzen weiß, dann sind es die Menschen in Georgien.

Wo gehst du hin, um Spaß zu haben?

Natürlich ins PAL und in den Pudel. Südpol ist ab und zu auch ganz lustig. Außerdem mag ich das Frappant. Und ich würde noch in den Golem gehen, wäre er noch da. Da gab es ja so was wie die perfekte Mischung aus High Class Bar und einem gut gemachten Club.

Wen würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?

Powder aus Japan! Außerdem Dauwd von African Acid Is The Future. Und Josey Rebelle. Und da ich schon länger kein dolles Techno-Set gehört hab, was aber trotzdem warm ist und groovt: Mama Snake.

Release und Leute des Monats?

DJ Sotofett und Maimouna Haugen – „C’est L’Aventure“ auf Honest Jons. Außerdem sollte man momentan auf das Label Space Drum Meditation ein Auge haben. Und auf die Press Group, die One Mother Crew sowie L.F.T. Und natürlich alle PAL-Residents, da kocht immer was.

 

 

Wo kann man dich als Nächstes hören?

Am 8.2. im PAL, wenn ich (als Epikur) einen meiner Lieblings-DJs supporte: Hunee! Danach spiele ich mal wieder im Waagenbau, wo vor fast zehn Jahren alles angefangen hat. Und Mitte Februar im Pudel. Außerdem steht ein Bar Gig im Chambre Basse auf dem Plan. So was mache ich auch noch gern, da kann man immer schön alles andere spielen, was zu Hause rumsteht. Vielleicht kann ich da ja weiter an meiner New-Age-Karriere arbeiten.

 

Hört hier das aktuelle Set von Cryptofauna im Podcast von hamburg elektronisch


 Dieses Interview stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Meet the Resident – Vanessa Buena alias VABU

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Resident-DJs vor, diesmal: Vanessa Buena von Spieltrieb – präsentiert von Hamburg Elektronisch.

Vanessa, wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Tendiert zum melodischen Techno, besonders zutreffend war mal die Beschreibung vom Docks, dass ich keine Distanz zwischen mir und der Musik zulasse.


Der Hamburg Elektronisch Podcast zum Interview mit VABU:


Was war deine schrecklichste Gast-Frage?

Witzig ist immer, wenn ich nach meinem DJ-Namen gefragt werde und ihn gefühlt 100-mal wiederholen muss, weil er nicht verstanden wird.

Dein größter Moment als DJ?

Jeder Gig war für mich bisher individuell was ganz Besonderes. Die Euphorie die dabei entsteht macht mich jedes Mal aufs Neue sprachlos. Ganz groß war es für mich aber tatsächlich dieses Jahr das erste Mal auf dem Habitat Festival zu spielen, wo ich die Jahre zuvor immer als Gast war.

Wo gehst du in Hamburg hin um Spaß zu haben?

Spaß habe ich fast überall, aber der Südpol ist schon Favorit.

Wen würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?

Hidden Empire, finde den Sound der Jungs großartig!

Und auf wen sollte man ein Auge haben?

Surreal! Nicht weil’s einer meiner besten Freunde ist, sondern meiner Meinung nach ist er talentierter den je.

Dein nächster Gig?

Im Uebel & Gefährlich, Docks und in Berlin im Birgit&Bier und am 10.11. steigt meine Geburtstagssause im Waagenbau mit André Winter und vielen weiteren Acts.

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman



 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2018. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Meet the Resident – Gwen Wayne

Die gebürtige Frankfurterin Gwen Wayne, 31 Jahre, lebt seit über drei Jahren in Hamburg, ist Resident im Moloch, FSK-Moderatorin und Teil des feministischen Equal Kollektivs.

SZENE HAMBURG: Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Gwen Wayne: Ich hab zu Anfang meinem Sound den Namen „Shitstormtechno“ gegeben, damit mir keiner ans Bein pissen kann, wenn es mal scheiße wird. Aber mittlerweile ist es kaum noch scheiße. Ich mag den Namen trotzdem gerne. Sachlich betrachtet ist es wohl prolliger, dumpfer Tech-House, mit Einflüssen aus HipHop und dem Frankfurter Sound der 90er Jahre und eine Prise UK Bassmusik.

Was war dein größter Moment als DJ?

Ui, ich denke die Fusion 2018 mit meinen drei Gigs, das ist schon so etwas. Aber auch beim G20-Demorave 2017. Da habe ich ganz vorne auf einem Wagen gespielt, hinter mir 30.000 Raver und circa 50 Bullen vor mir inklusive Wasserwerfer. Ich hab dann auf höhe Gängeviertel „Wildchild – Renegade Master (Friend Within Refix)“ gespielt. Just in dem Moment ging ein Banner im Gängeviertel runter, wo drauf stand „Power to the people“ das ist zufälligerweise der Refrain des Tracks. Das war schon geil – als ob sie es geahnt hätten.

Wo gehst du in Hamburg hin, um Spaß zu haben?

Da gibt es gar nicht mal so viel. Ich bin auch viel in Berlin. Aber sonst war natürlich das Moloch mein Zuhause, den Südpol mag ich auch gerne. Und den Kindergarten im Gängeviertel.

Welche DJs würdest du gerne mal wieder in unserer Stadt sehen?

Billy Kenny und Maksim Dark.

Was sind für dich Hamburgs Stärken?

Man kann hier ziemlich schnell etwas rocken, wenn man die richtigen Leute um sich versammelt. Es ist konzentrierter als Berlin zum Beispiel. Das haben wir schon öfter gemerkt und gerade eine Booking-Agentur mit feministischem Ansatz gegründet, EQ:Booking, in der wir hauptsächlich weibliche Künstlerinnen fördern, aber auch coole Kerle, Queers etc. Wir finden das fehlt enorm in Hamburg und versuchen damit eine Lücke zu füllen. Es geht gut voran und vor allem mit schnellem Erfolg. Ich weiß nicht, ob das in einer anderen Stadt so fix über die Bühne gegangen wäre. Eine gute und starke, linke Community hat Hamburg.

Und die Schwächen?

Die Politik und die Polizei. Ohne Worte was letztes Jahr beim G20 abging. Das hat mich schon nachhaltig geschockt. Das musste als eine der größten Städte eines demokratischen Landes erst mal bringen. Na ja und dass Mama Moloch dicht machen musste, ist natürlich schwach. Schwach von der Stadt.

Dein Lieblingsort in Hamburg?

Die tolle HafenCity – nein, Spaß! Natürlich ist das das Gängeviertel. Ich hänge aber auch gern an der Dove-Elbe ab.

Auf wen sollte man in Hamburg momentan ein Auge haben?

Na auf uns natürlich: EQ:Booking.

Welcher Gig in Hamburg ist bisher dein Favorit?

Puh, gute Frage, vielleicht die Eröffnung der Fabrique im Gängeviertel vor drei Jahren an Silvester – inklusive Feueralarm … Klang aber gut, hehehe.

Deine schrecklichste Gast-Frage?

Das war in Stuttgart vor vielen Jahren. Da hab ich noch mit Laptop aufgelegt. Und während des Gigs kommt einer an und fragt mich, ob ich mal kurz checken kann, wann die letzte Bahn Richtung Hauptbahnhof fährt! Ich hab mich schlapp gelacht.

Wo kann man dich als nächstes hören?

Die halbe Festivalsaison ist ja schon vorbei. Kommt noch der Vogelball, auch mit EQ: zusammen (siehe Seite 82). Auf dem „Bucht der Träumer“-Festival machen wir auch einen eigenen Floor, den Bassfloor. Und sonst sicher irgendwo zwischen Hamburg-Berlin-Bremen und natürlich auf dem Gängeviertel-Geburtstag am 23.8. Ach ja, und sonst könnt ihr meine Stimme jeden vierten Dienstag im Monat auf FSK Radio hören, beim DJ Battle des Todes. Das moderiere ich.

Interview: Ole Masch & Hamburg Elektronisch
Foto: Rio Schmidt


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2018. Das Magazin ist seit dem 28. Juli 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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