Dem Tode geweiht: Antonia (Olga Peretyatko, 3.v.l.) als sterbender Schmetterling; Foto: Monika Rittershaus

Spielbetrieb-Start in der Staatsoper: „Les Contes d’Hoffmann“

Les Contes d’Hoffmann, inszeniert von Regisseur Daniele Finzi Pasca, ist ein Schmaus für Ohr und Auge. Bis zum 25. September 2021 ist die Oper noch viermal auf der Bühne der Hamburgischen Staatsoper zu sehen

Text: Sören Ingwersen

 

Droht dem Künstler, der zu sehr nach sinnlichen Genüssen trachtet, die kreative Impotenz? Oder feiert die Kunst gerade dort ihren höchsten Triumph, wo sie das rauschhafte, leidenschaftliche Leben widerspiegelt? Mit seiner Inszenierung von Offenbachs „Les Contes d’Hoffmann“ an der Hamburgischen Staatsoper unterstreicht Regisseur Daniele Finzi Pasca eher diesen zweiten Glaubenssatz – mit einem Bühnenbild, in dem es vor Spiegeln, spiegelbildlichen Anordnungen und Doppelgängern nur so wimmelt. Dabei stellt er dem Hamburger Premierenpublikum einen Tenor vor, wie man ihn an der Dammtorstraße nur selten zu hören bekommt.

 

Dichter Hoffmann, perfekt besetzt

 

Der Franzose Benjamin Bernheim ist ein wahrer Glücksgriff für die Rolle des Dichters Hoffmann, der in Luthers Bar seinen Promillewert nachhaltig in die Höhe schraubt, während Mezzosopranistin Angela Brower in Gestalt der Muse die schöpferischen Kräfte ihres Schutzbefohlenen wieder reaktivieren will.

Hoffmann erzählt derweil von seinen katastrophalen Liebesabenteuern mit der Automatenfrau Olympia, der Sängerin Antonia und der Kurtisane Giulietta, die allesamt nur Projektionen seiner männlichen Fantasie sind und den Anforderungen der Wirklichkeit nicht standhalten. In Anbetracht seiner jeweils tödlich endenden Amouren singt Bernheim seinen Hoffman fast zu schön, nahtlos fließend und mit einer Leichtigkeit, die dem Ohr mit jeder Silbe schmeichelt.

 

Schönheit der Stimme und ein finsterer Todesbote

 

In den drei Frauenrollen sowie als Stella in der Rahmenhandlung lässt Olga Peretyatko derweil ihren herrlich gelenkigen Sopran aufleuchten, der ihr besonders bei den fein abschattierten Koloraturen der Olympia zugutekommt, während sie als eingesperrte kranke Sängerin Antonia im Turmzimmer vor einem Spiegel sitzt, die Wände ausstaffiert mit präparierten Schmetterlingen. Ein sinnfälliges Bild ist auch ihr eigenes Flügelkostüm für den Tod, der sie ereilt, nachdem sie die Schönheit ihrer Stimme noch einmal aufblühen lässt.

Als finsterer Todesbote überzeugt indes der Italiener Luca Pisaroni, der als Hoffmanns diabolischer Gegenspieler in den Rollen von Lindorf, Coppélius, Dapertutto und Dr. Miracle überall dort seinen beherzten Bass-Bariton und seine spindeldürren Vampirfinger im Spiel hat, wo Böses ausgeheckt wird.

 

Kent Nagagno und ein famoses Bühnenbild

 

Generalmusikdirektor Kent Nagano dirigiert die Philharmoniker dabei mit sicherer Hand und lässt den Sängern Raum zum Atmen, während Hugo Gargiulos famoses Bühnenbild nach Öffnen des Vorhangs zum vierten Akt sogar zu einem Zwischenapplaus Anlass gibt: Auf der Drehbühne formen venezianische Statuen ein riesiges Karussell, während die Chorsänger in Taubenkostümen über die Tierkreiszeichenscheibe am Boden huschen.

Ein riesiger Deckenspiegel doppelt das prächtige Bild in der Vogelperspektive, wobei hier nicht zum ersten Mal aus der Luft Darsteller in die Szene einschweben. Eine akrobatische Reminiszenz an den Cirque de Soleil oder Olympische Zeremonien, von denen Regisseur Daniele Finzi Pasca schon mehrere inszeniert hat.

Staatsoper Hamburg: 16., 19., 22., 25. September 2021


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