Da geht es um Emotionen pur: um Liebe, die nicht verzehrender sein könnte, um Hass, für den das genauso gilt. Im Altonaer Theater, wo das Schauspiel „Sturmhöhe“ nach dem einzigen, 1847 erschienenen Roman von Emily Brontë gegeben wird, brechen sich die Gefühle immer wieder in herzhaften Flüchen Bahn. Überhaupt wird in der Inszenierung von Franz-Joseph Dieken, von dem auch die Bühnenfassung stammt, das Innenleben der Figuren ohne Umschweife unmittelbar nach außen getragen, in ausholenden Gesten, dramatischen Dialogen und tätlichen Auseinandersetzungen. Das passt zum Buch, in dem ein schlichter Teufelskreis der Gewalt herrscht: Wer als Kind gedemütigt wird, demütigt irgendwann andere, Leid setzt sich fort. Auch die in Altona gewählte Deutung, dass die Übergriffe auf Heathcliff rassistischer Natur sind, ist im Roman angelegt. So führt Brontë das Findelkind, das auf dem Anwesen Wuthering Heights mit den Geschwistern Hindley (bleibt in seiner geifernden Missgunst etwas eindimensional: Mats Kampen) und Catherine (vielseitig und lebendig: Linda Stockfleth) aufwächst, als „dunkelhäutigen Zigeuner“ ein. In einer Inszenierung, die ohne Abstraktionsebene auskommt, muss die Hauptrolle folgerichtig mit einem schwarzen Schauspieler besetzt werden. Celio-Silvestre Tamele kann beide Seiten von Heathcliff überzeugend zeigen: Den gepeinigten, verletzlichen, unsterblich in Catherine verliebten Jüngling des ersten Teils – und den durchtriebenen, selbstherrlichen Rächer, der nach mehrjähriger Abwesenheit ins Hochmoor zurückkehrt und Unheil stiftet. Gegen die romaneigene Unübersichtlichkeit der Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den Figuren geht dort wie auch im Stück die Haushälterin Nelly vor, die zwischendurch die Handlung erklärend einordnet und von Antonia Leichtle sehr schön klar und sachlich gespielt wird.
Altonaer Theater, 1., 2., 4.10. Diese Kritik ist zuerst in der Printausgabe 10/26 der SZENE HAMBURG erschienen.

