Tanzgeschichte, die atmet: Trisha Browns Werke auf Kampnagel

An drei aufeinanderfolgenden Abenden kommt Trisha Browns einzigartige Tanzkunst nach ihrem Tod im Jahr 2017 zurück auf die Bühne
Aus „Glacial Decoy“
Aus „Glacial Decoy“ (©Maria Baranova)

Auf Kampnagel wird dem Erbe der amerikanischen Choreografin mit drei Werken, entstanden über einen Zeitraum von mehr als vier Jahrzehnten, Tribut gezollt und die Entwicklung ihres Schaffens nachgezeichnet. Browns Handschrift gilt als einzigartig. Ihre choreografische Vielschichtigkeit wird in Verbindung mit einer fast alltäglichen Leichtigkeit in Verbindung gebracht: präzise, anmutig, und von scheinbarer Mühelosigkeit getragen. Dabei aber stets voller Spannung zwischen Freiheit und Struktur.

Drei Stücke, ein Vermächtnis: Trisha Brown im Dialog der Generationen

Den Auftakt macht, passend zur Chronologie der beruflichen Vita der Künstlerin, ihre erste Choreografie für eine klassische Theaterbühne. „Glacial Decoy“ (1979). Wie ein Echo auf einen langen Sommer entfaltet sich das Stück vor den Schwarz-Weiß-Fotografien von Robert Rauschenberg, mit dem Brown hier erstmals zusammenarbeitete – eine Kooperation, der zahlreiche weitere mit bildenden Künstlerinnen und Künstlern folgen sollten. Fünf Tänzerinnen nehmen den Raum ein, schwingend und leichtfüßig-kraftvoll, in präzisen Bewegungsbahnen, die sich auseinanderziehen und wieder zusammenfinden. Fast wirkt es, als seien sie über unsichtbare Verbindungen miteinander gekoppelt – ein feines Spiel aus Unabhängigkeit und gegenseitiger Bindung.

Aus dem Stück „In the Fall“ (©DelphinePerrin)

Aus dem Wunsch heraus, Browns Vermächtnis in die Gegenwart zu führen, wurde 2023 der Choreograf Noé Soulier eingeladen, ein Stück für die heutige Kompanie zu entwickeln. „In the Fall“ spürt Browns Bewegungsvokabular nach und verschränkt es mit Souliers eigenen choreografischen Prinzipien – zu einer zeitgenössischen Kreation, die kraftvoll berührt und zugleich den Dialog zwischen Generationen hör- und sichtbar macht.

Die letzte Choreografie, die zu sehen sein wird, beschreibt Trisha Brown selbst als Höhepunkt der Komplexität ihrer Arbeit. „Son of Gon Fishin’“ (1981) ist ihre erste Choreografie mit Musik in der zu den elektronischen, rhythmischen Kompositionen von Robert Ashley eine dichte Gruppenkomposition, die die Bandbreite von Browns Arbeitsweise bündelt, entsteht. Zwischen Offenheit und formaler Setzung, zwischen Minimalismus und vibrierender Dynamik entfaltet sich ein Finale, das Tanzgeschichte auf die Bühne holt – und gleichzeitig erstaunlich gegenwärtig wirkt.

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